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Krebs und Händigkeit: Unterschiede bei Links- und Rechtshändern?

Aktuelle Fachliteratur – ein Überblick

Mit welcher Hand greifen Sie nach Ihrem Wasserglas? Mit welcher öffnen Sie einen Brief? Schreiben Sie mit links oder rechts? Oder sind Sie gar beidhändig? Immer wieder wird der Krebsinformationsdienst gefragt, ob es sich auf das Krebsrisiko oder auch eine Therapie bei Krebs auswirkt, wenn jemand Links- oder Rechtshänder ist. Was ist wirklich dran an dieser These? Wir haben für Sie gängige Literaturdatenbanken gesichtet und bieten Ihnen und Ihren Patienten eine Auswahl entsprechender Quellen.

Wie verteilen sich Rechts- und Linkshänder in der Bevölkerung?

Die motorische Dominanz der linken oder rechten Hand ist vermutlich eine Spielart der Natur. Unklar ist, warum es weniger Links- als Rechtshänder in der Bevölkerung gibt. In heutigen Kulturen sind zwischen 5 und 26 von 100 Menschen Linkshänder. Dabei spielen vermutlich nicht nur die Gene eine Rolle beim Auftreten der Händigkeit: Zwar bekommen linkshändige Mütter häufiger linkshändige Kinder, doch insgesamt werden Linkshänder häufiger im Frühling und Frühsommer (März bis Juli) geboren. Auch Stress um die Geburt herum oder ein niedriges Geburtsgewicht kann Menschen möglicherweise zu Linkshändern machen.

Steigt das Krebsrisiko bei Linkshändern?

Wenig belastbare Aussagen

Kleine Fallzahlen, wenig Transparenz über mögliche andere Faktoren mit Einfluss auf die Ergebnisse der Studie? Solche Daten sind wenig aussagekräftig.

Das Gerücht hält sich hartnäckig und erreicht immer wieder die Medien: Die angeborene Händigkeit bestimme das individuelle Krebsrisiko - ja, sie könne sich sogar auf die Überlebenswahrscheinlichkeit auswirken.

Die Recherche zeigt jedoch: Es gibt zum Krebsrisiko in Abhängigkeit von der Links- oder Rechtshändigkeit nur wenige Veröffentlichungen. Diese sind zumeist älteren Datums, und sie konzentrieren sich hauptsächlich auf das Risiko von Brustkrebs bei Linkshänderinnen. So zeigten bevölkerungsbezogene Erhebungen tatsächlich einen Zusammenhang mit der Linkshändigkeit beim Brustkrebsrisiko von Frauen vor den Wechseljahren: Die Erkrankungswahrscheinlichkeit ist bei diesen Linkshänderinnen geringfügig höher. Dieser Korrelation liegen allerdings geringe Fallzahlen zugrunde. Zudem sind die Konfidenzintervalle groß. Die Daten sind daher wenig aussagekräftig.

Reagieren Linkshänder anders auf Therapien als Rechtshänder?

Schwierigkeiten beim Öffnen einer Wasserflasche © Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum
Welches ist Ihre starke Hand? © Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum

In einigen wenigen Publikationen wurde untersucht, wie die Links- oder Rechtshändigkeit das Ansprechen auf eine Therapie beeinflusst. Auch hier stammen die Daten aus Untersuchungen mit Brustkrebspatientinnen. Im Jahr 2015 wurde sogar eine sehr kleine Studie bei Männern mit Brustkrebs veröffentlicht: Bei 28 rumänischen Männern mit Brustkrebs (11 Linkshänder, 17 Rechtshänder) waren unter einer antihormonellen Therapie mit dem Wirkstoff Tamoxifen die Auswirkungen auf die Sexualität untersucht worden. Es zeigte sich, dass bei Linkshändern im Vergleich zu Rechtshändern Orgasmusfähigkeit und Libido stärker nachließen und häufiger erektile Dysfunktion auftrat. Angesichts der kleinen Gruppe und den vergleichsweise subjektiven Endpunkten der Befragung stellt sich jedoch die Frage, wie belastbar solche Ergebnisse tatsächlich sind.

Bei der Interpretation solcher Daten aus Studien ist zu bedenken, dass Effekte von Therapien individuell sehr unterschiedlich sein können. Hinter Zahlenangaben in Studien kann sich eine große Bandbreite verbergen. Es ist daher nicht möglich, aus den statistischen Angaben auf diesen Seiten oder aus wissenschaftlichen Studien, auf den Verlauf einer einzelnen Erkrankung zu schließen.

Biologische Mechanismen: Händigkeit und Geschlechtshormone?

Als mögliche Ursache einer Linkshändigkeit wird eine erhöhte vorgeburtliche Konzentration des weiblichen Sexualhormons Östrogen diskutiert. Eine weitere Hypothese zum Zusammenhang zwischen Händigkeit und Sexualhormonen: Die Sexualität scheint bei rechtshändigen Männern eher Androgen-gesteuert zu sein, während bei linkshändigen Männern möglicherweise auch Östrogen eine Rolle spielt.
Generell bieten die neurobiologische Entwicklung, ihre Abhängigkeit von Geschlecht und Hormonspiegel sowie deren Einflüsse auf ein späteres Krankheitsrisiko ein breites Forschungsfeld. Untersuchungen zu Prozessen im Mutterleib, während der Pubertät und beim Erwachsenen werden bei Links- und Rechtshändern genauso verglichen wie bei Männern und Frauen.

Bislang liegen jedoch keine Daten mit klinischer Relevanz für die Onkologie vor: Weder eignet sich die Händigkeit zur Abschätzung des Krebsrisikos, noch ist sie bei rechts-oder linkshändigen Krebspatienten als Prognosemarker geeignet.