Krebs bei jungen Menschen – steigen die Zahlen?

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Immer wieder titeln Schlagzeilen "Krebserkrankungen bei Jüngeren nehmen zu". Aber ist die Datenlage wirklich so eindeutig? Wir ordnen ein und werfen dabei einen genaueren Blick auf Darmkrebs.

Gerade junge Menschen trifft die Diagnose Krebs oft unvermittelt. Umso erschreckender sind Schlagzeilen, die titeln, dass jüngere Menschen immer häufiger an Krebs erkranken.  Aber ist die Datenlage wirklich so eindeutig? Fakt ist: Einige der häufig im Zuge solcher Schlagzeilen genannten Studien berücksichtigen nicht alle relevanten Faktoren.

Ein Beispiel: Ja, heute erkranken mehr junge Menschen an Krebs als früher. Aber die Bevölkerung ist seitdem gewachsen. Es gibt also insgesamt mehr junge Menschen und dadurch auch mehr junge Männer und Frauen mit Krebs. Außerdem können sich Veränderungen in den Fallzahlen gegenseitig aufheben: Erkranken beispielsweise über die Zeit weniger alte, aber mehr junge Menschen erscheint die Gesamtzahl der Erkrankten gleich. Deswegen ist es wichtig, Krebsarten und Altersgruppen einzeln zu betrachten.

Um eine verlässliche Aussage treffen zu können, müssen Fachleute also viel bedenken. Die aktuelle Datenlage lässt daher noch keine endgültige Aussage darüber zu, ob in Deutschland allgemein mehr junge Menschen an Krebs erkranken. Es gibt jedoch eine Krebsart, für die auch deutsche Forschende steigende Zahlen bei jüngeren Menschen bestätigen: Darmkrebs.

Junger Mann auf der Couch, der seine Arme um die Beine geschlungen hat und nachdenklich schaut.
Krebs kann auch junge Menschen treffen [Symbolbild].
Bild: © Krebsinformationsdienst, DKFZ; Foto: Tobias Schwerdt

Mehr Darmkrebserkrankungen bei jüngeren Menschen

Tatsächlich erkranken in Deutschland junge Menschen häufiger an Darmkrebs als früher. Das können Forschende durch die Auswertung von Krankheitszahlen sehen. Besonders deutlich ist der Anstieg in der Altersgruppe von 20 bis 29 Jahren. Aber auch Menschen zwischen 30 und 39 Jahren erkranken häufiger. Frauen sind in beiden Altersgruppen seltener betroffen als Männer. 

Kein Grund zur Panik

Auch wenn die Darmkrebszahlen bei jüngeren Menschen steigen, ist es noch immer eher unwahrscheinlich, als junger Mensch an Darmkrebs zu erkranken. Das Durchschnittsalter für Darmkrebs liegt für Männer bei etwa 71 Jahren und für Frauen bei 75 Jahren.

Woran liegt das und wie kann ich Darmkrebs vorbeugen?

Wieso immer mehr junge Männer und Frauen an Darmkrebs erkranken, wissen auch Fachleute noch nicht. Es ist noch viel Forschungsarbeit nötig, um die Ursachen zu finden. 

Dadurch ist es auch schwierig, gezielt vorzubeugen. Aktuell raten Fachleute dazu

  • einen gesunden Lebensstil zu befolgen – sich also ausgewogen zu ernähren und regelmäßig zu bewegen. Denn ein gesunder Lebensstil kann das Darmkrebsrisiko senken. 
  • bei andauernden Symptomen wie Verdauungsbeschwerden, auffälligem Stuhl oder Schmerzen im Bauchraum vorsichtshalber einen Arzt oder eine Ärztin aufzusuchen. Denn finden die Ärztinnen und Ärzte den Darmkrebs frühzeitig, sind die Heilungschancen besser.
  • ab 50 Jahren an der gesetzlichen Darmkrebsfrüherkennung teilzunehmen. 

Zum Weiterlesen

Weitere Informationen zu Statistiken zu Krebs finden Sie im Text Krebsstatistiken: So häufig ist Krebs in Deutschland.

Informationen dazu, wie Krebsfälle in Deutschland erfasst werden bietet der Text Bevölkerungsbezogene und klinische Krebsregister.

Eine Übersicht mit den wichtigsten Informationen zu Darmkrebs finden Sie unter Darmkrebs (kolorektales Karzinom).

Quellen und Links (Auswahl)

Tanaka LF, Figueroa SH, Popova V, Klug SJ, Buttmann-Schweiger N. The Rising Incidence of Early-Onset Colorectal Cancer. Dtsch Arztebl Int. 2023 Feb 3;120:59-64. doi: 10.3238/arztebl.m2022.0368.

Voigtländer S, Kajüter H, Wellmann I, Szentkiralyi A, Holleczek B, Arndt V, Müller-Nordhorn J and the ALSTER Working Group. Incidence trends of early-onset colorectal malignancies in Germany: A registry-based study from 1994 to 2021, 2025 (Tagungsbeitrag, begutachtete Vollpublikation steht aus)

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