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Erhöhtes Risiko für Darmkrebs durch "Fertigessen"?

Grad der Verarbeitung hat Einfluss

Lebensmittel sind unterschiedlich stark verarbeitet: Fertiggerichte etwa sind ultra-verarbeitete Lebensmittel. Wer viel davon isst, hat möglicherweise ein höheres Darmkrebsrisiko – darauf deutet eine aktuelle Studie hin.

Fertiglasagne
Fertiggerichte enthalten meistens viele Zusatzstoffe und zählen zu den ultra-verarbeiteten Produkten. Foto © kwasny221, iStock

Schnell zubereitet und günstig, aber ohne Ballaststoffe und mit vielen Kalorien: Stark verarbeitete Lebensmittel enthalten vor allem viel Zucker und Salz sowie weitere Zusatzstoffe. Bestandteile wie Gemüse, Hülsenfrüchte, Nüsse und Obst fehlen hingegen – also vieles, was Fachleute für eine gesunde Ernährung empfehlen. Haben solche Nahrungsmittel außerdem viele industrielle Verarbeitungsschritte durchlaufen, sprechen Fachleute von "ultra-verarbeiteten Lebensmitteln".

Ob und wie ultra-verarbeitete Lebensmittel das Darmkrebsrisiko beeinflussen, haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in einer aktuellen, US-amerikanischen Studie untersucht.

Ultra-verarbeitete Lebensmittel können Risiko für Darmkrebs erhöhen

Die Forschenden werteten die Ernährungsgewohnheiten über einen Zeitraum von fast 30 Jahren von rund 200.000 Personen aus, die in 3 verschiedenen Beobachtungsstudien erhoben worden waren. In den Studien waren die Teilnehmenden regelmäßig zu ihrer Ernährung, ihrem Lebensstil und ihrem Gesundheitszustand befragt worden.

Die Auswertung zeigte einen Zusammenhang zwischen Nahrungsmitteln aus der Gruppe der ultra-verarbeiteten Lebensmittel und bestimmten Formen von Darmkrebs.



Der Zusammenhang mit einem erhöhten Darmkrebsrisiko zeigte sich bei Männern, die häufiger ultra-verarbeitete Lebensmittel konsumierten. Bei Frauen hingegen war der Effekt weniger deutlich und hing stärker davon ab, welche Art von ultra-verarbeiteten Lebensmitteln sie konsumierten.

Verarbeitete Lebensmittel unterscheiden sich

Ein großer Teil der Lebensmittel ist in irgendeiner Weise industriell verarbeitet – allerdings unterschiedlich stark. Eine Unterscheidung in "verarbeitet" und "nicht verarbeitet" greift daher oft zu kurz. Entscheidender ist zum Beispiel, ob ein Lebensmittel zusätzliche Fette, Zucker, Salz oder weitere Zusatzstoffe enthält.

Um Lebensmittel einzuteilen, nutzten die Autorinnen und Autoren der Studie die sogenannte NOVA-Klassifikation. Diese gruppiert Lebensmittel nach dem Grad der Verarbeitung:

  • Gruppe 1 – unverarbeitete oder gering verarbeitete Lebensmittel: Gering verarbeitet bedeutet, dass ein Lebensmittel zwar industriell verändert werden darf (z.B. getrocknet, gemahlen, gefroren), dabei aber keine weiteren Stoffe wie Zucker oder Salz zugesetzt werden.
  • Gruppe 2 – verarbeitete Zutaten: Dazu zählen zum Beispiel Öle, Zucker und Salz – also Lebensmittel, die durch Pressen oder Raffinieren gewonnen werden und als Zutaten beim Kochen eingesetzt werden.
  • Gruppe 3 – verarbeitete Lebensmittel: Dazu gehören Lebensmittel, denen Salz, Zucker oder andere Zutaten der Gruppe 2 zugesetzt werden. Ein Beispiel ist eingelegtes Gemüse, aber auch Käse und viele Brotsorten zählen dazu.
  • Gruppe 4 – ultra-verarbeitete Lebensmittel: Unter "ultra-verarbeitet" versteht man Nahrungsmittel, die durch zahlreiche industrielle Prozesse verarbeitet sind und denen häufig weitere Stoffe zugesetzt werden. Darunter fallen zum Beispiel Fertiggerichte wie Tütensuppen oder Tiefkühlpizza, aber auch Süßigkeiten, gesüßte und / oder kohlensäurehaltige Getränke.
Das Problem ist …

... gerade verarbeitete Zutaten und Lebensmittel mit hoher Energiedichte sowie ultra-verarbeitete Lebensmittel sind oftmals besonders günstig und haben einen verbesserten Geschmack. Das führt dazu, dass sie in größeren Mengen konsumiert werden.

Wie erkenne ich ultra-verarbeitete Lebensmittel? Fachleute empfehlen einen Blick auf die Zutatenliste: Enthält ein Nahrungsmittel mindestens eine Zutat, die man normalerweise nicht in der Küche verwendet, ist das ein Hinweis auf eine starke Verarbeitung.

Weitere Forschung notwendig

In der Studie beobachteten die Autorinnen und Autoren einen Zusammenhang zwischen ultra-verarbeiteten Lebensmitteln (Gruppe 4 der NOVA-Klassifikation) und Darmkrebs. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass sich durch einen geringeren Konsum stark verarbeiteter Lebensmittel das Risiko für Darmkrebs möglicherweise senken lässt. Eindeutig belegen lässt sich der Zusammenhang mit der Studie jedoch nicht.

Auch warum in der Studie Männer stärker betroffen waren als Frauen, ist unklar. Andere Untersuchungen deuten außerdem darauf hin, dass ultra-verarbeitete Lebensmittel auch insgesamt das Sterberisiko erhöhen könnten. Es ist daher weitere Forschung notwendig, um den Einfluss der Ernährung auf das Krebsrisiko weiter aufzuklären.





Herausgeber: Deutsches Krebsforschungszentrum (DKFZ) │ Autoren/Autorinnen: Internet-Redaktion des Krebsinformationsdienstes. Lesen Sie mehr über die Verantwortlichkeiten in der Redaktion.

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