Für Alle

Sie sind Krebspatientin oder Krebspatient, Angehöriger, Freund oder Interessierter und haben Fragen zu Krebs?

0800 – 420 30 40

Telefonisch täglich von 8 bis 20 Uhr, Anruf kostenlos

krebsinformationsdienst@dkfz.de

Per E-Mail (datensicheres Kontaktformular)

Für Fachkreise

Sie sind an der Versorgung von Krebspatienten beteiligt und benötigen unabhängig und neutral recherchierte Fakten zu Krebs?

0800 – 430 40 50

Telefonisch Montag bis Freitag von 8 bis 20 Uhr, Anruf kostenlos

kid.med@dkfz.de

Per E-Mail (datensicheres Kontaktformular)

Aktuelles

Ukrainische Krebspatientinnen und Krebspatienten auf der Flucht

Wie wird die onkologische Versorgung sichergestellt?

Der Krebsinformationsdienst am Deutschen Krebsforschungszentrum beantwortet Anfragen von krebskranken Flüchtlingen aus der Ukraine sowie deren Angehörigen. Hier finden Sie notwendige Basisinformationen und Anlaufstellen.

+++ Diese News wird fortlaufend aktualisiert +++

Eine Gruppe ukrainischer Flüchtlinge gehen bepackt mit Koffern eine Straße entlang
Unter den Ukraine-Flüchtlingen befinden sich auch Krebspatienten: Wir geht es mit ihrer onkologischen Versorgung in Deutschland weiter? © Yanosh Nemesh, Shutterstock.com


Ukrainische Flüchtlinge, die medizinische Hilfe benötigen, erhalten normalerweise in Deutschland zunächst eine Basisversorgung nach dem Asylbewerberleistungsgesetz. Diese Basisversorgung umfasst zwar weniger Leistungen als die deutsche gesetzliche Krankenversicherung, gewährleistet aber die notwendige medizinische Versorgung.

Für Krebspatientinnen und Krebspatienten bedeutet dies in der Regel, dass die erforderliche onkologische Behandlung fortgesetzt oder auch begonnen wird.

Ist es im Einzelfall aus medizinischen Gründen erforderlich, umfasst die medizinische Versorgung nach Asylbewerberleistungsgesetz auch die Kosten für Transporte bei Verlegungen in andere Krankenhäuser innerhalb von Deutschland sowie Fahrtkosten. Die Entscheidung darüber trifft die zuständige Behörde.

Wichtig für betroffene ukrainische Krebserkrankte

Momentan dürfen sich Personen aus der Ukraine bis zu 90 Tage in Deutschland auch ohne Visum oder Asyl aufhalten.

Wenn Sie Krebs haben und eine medizinische Versorgung brauchen, ist wichtig, dass Sie sich an Ihrem Aufenthaltsort bei der Gemeinde oder Ausländerbehörde registrieren. Denn nur so haben Sie Zugang zu den hier genannten medizinischen Leistungen. Diese Gemeinde beziehungsweise das dort ansässige Sozialamt ist dann dafür zuständig, entsprechende medizinische Leistungen zu gewähren.

Zuständige Behörde finden

Die nächstgelegene Ausländerbehörde für die Registrierung finden Sie über eine Suchfunktion des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge.

  • Wichtig zu wissen: Wenn Sie entscheiden, sich ohne entsprechende Registrierung in Deutschland aufzuhalten, haben Sie einen "Touristen-Status". Das bedeutet, Sie müssen alle medizinischen Leistungen selber bezahlen, es sei denn sie haben eine Auslandsreiseversicherung.

Nach der Registrierung erhalten die Menschen aus der Ukraine eine Bescheinigung (Ankunftsnachweis oder Anlaufbescheinigung).

  • Wichtig zu wissen: Mit dieser Bescheinigung kann man in der Regel nicht direkt in eine Klinik oder eine ärztliche Praxis gehen.

Abhängig vom Bundesland und auch der zuständigen Gemeinde gibt es nach der Registrierung 2 verschiedene Verfahren, wie geflüchtete Menschen medizinische Versorgung erhalten können.

  • Behandlung mit Behandlungsschein: Meist erhalten ukrainische Geflüchtete nach der Registrierung bei der örtlich zuständigen Stelle, wie dem Sozialamt oder der Ausländerbehörde einen Behandlungsschein. Diesen müssen sie zum Arzt oder in die Klinik mitnehmen, damit die Abrechnung mit den deutschen Behörden erfolgen kann. Der genaue Ablauf kann sich jedoch in den einzelnen Bundesländern, Städten oder Gemeinden unterscheiden. So ist es zum Beispiel möglich, dass der Behandlungsschein festlegt, bei welchem Arzt die Behandlung stattfinden muss. Im Behandlungsschein kann auch eine Gültigkeitsdauer festgelegt werden. Überweisungen an Facharztpraxen oder Einweisungen in Kliniken müssen teilweise durch die zuständige Stelle, etwa das Sozialamt oder die Gemeinde genehmigt werden.
  • Behandlung mit Versichertenkarte: In manchen Bundesländern rechnen die Behandler die medizinische Versorgung nach einiger Zeit direkt über die Krankenkassen ab, ohne Behandlungsscheine. Geflüchtete erhalten dafür eine Versicherungskarte. Beispiele sind Berlin, Brandenburg, Hamburg, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Schleswig-Holstein und Thüringen. Um den Zeitraum zwischen der Meldung bei der Krankenkasse und dem Erhalt der Karte zu überbrücken, händigt die Krankenkasse zunächst eine sogenannte „vorläufige Betreuungsbescheinigung" aus. Patientinnen und Patienten müssen diese Betreuungsbescheinigung und später die Versicherungskarte in der Praxis oder Klinik vorlegen.

Kliniksuche: Geflüchtete Krebspatienten sollten am besten frühzeitig mit ihrer zuständigen Behörde und der Wunschklinik klären, ob dort eine Behandlung möglich ist.

Gut zu wissen: Es gibt in vielen Orten Deutschlands auch Unterstützungsangebote, die Geflüchteten zunächst unbürokratisch Zugang zu medizinischer Versorgung ermöglichen.



Psychologische und psychoonkologische Unterstützung: Die Ereignisse im Zusammenhang mit dem Krieg in der Ukraine können sich für jeden Krebskranken in jeder Phase der Krebserkrankung negativ auf die Psyche auswirken. Obwohl Menschen unterschiedlich auf Krieg und Trauma reagieren, ist davon auszugehen, dass während oder kurz nach der Flucht die psychische Belastung für die Betroffenen sehr hoch ist. Dadurch können sich krebs- oder behandlungsbedingte Beschwerden wie Schmerzen oder schwere Erschöpfung (Fatigue) verstärken. Manche Menschen brauchen deshalb zusätzlich psychologische Unterstützung.

Corona: Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine können sich in Deutschland auf das Coronavirus testen und gegen SARS-CoV-2 impfen lassen. Auch diese Gesundheitsleistungen werden bezahlt.

  • Fachleute empfehlen Krebspatienten und ihren Angehörigen, sich gegen COVID-19 impfen zu lassen. Abhängig von ihrer persönlichen Erkrankungssituation gehören Krebspatienten zur Risikogruppe für einen schweren Verlauf von COVID-19. Da viele geflüchtete Menschen aus der Ukraine derzeit auf sehr beengtem Raum mit vielen Menschen zusammenleben, ist die Impfung für ukrainische Krebspatienten besonders wichtig.
  • Das deutsche Robert Koch-Institut (RKI) bietet ein Aufklärungsmerkblatt zur COVID-19-Impfung auch in ukrainischer Sprache an.


Weitere Hilfsangebote für ukrainische Krebspatienten

Die Deutsche Krebshilfe (DKH) hat einen Hilfsfond für Angehörige ukrainischer Krebspatienten eingerichtet, die die Betroffenen (Kinder oder Erwachsene) während der Behandlung in Krebszentren in Deutschland begleiten. Aus diesem Hilfsfonds werden bereits entstandene oder entstehende Reise-, Aufenthaltskosten sowie sonstige Kosten von Familienmitgliedern der Patienten in Höhe von bis zu 5.000 Euro/Patient von der Deutschen Krebshilfe übernommen.

Bitte beachten:

  • Der Hilfsfond steht ukrainischen Krebspatienten zur Verfügung, die in Comprehensive Cancer Centers, in von der Deutschen Krebsgesellschaft zertifizierten Krebszentren sowie in Kinderkrebszentren behandelt werden.
  • Der Antrag muss von diesen Kliniken gestellt werden.
  • Weitere Informationen erhalten Sie auf der Website der DKH sowie beim INFONETZ KREBS unter 0800 80708877 oder per E-Mail an krebshilfe@infonetz-krebs.de

Die Deutsche Krebsgesellschaft (DKG) führt auf ihrer Website eine Liste von zertifizierten Onkologischen Zentren und Comprehensive Cancer Centers (CCCs/Spitzenzentren), an die sich geflüchtete ukrainische Patienten wenden können, die eine Krebstherapie brauchen. Die dort genannten Zentren unterstützen bei der regionalen Versorgung Betroffener.

  • Die Website ist auf Deutsch, Englisch, Ukrainisch und Russisch.
  • Die gelisteten Einrichtungen bieten alle eine Telefon-Hotline und E-Mail-Adresse mit Ansprechpartnern, die Krebspatienten weiterhelfen.
  • Die Liste wird fortlaufend aktualisiert.

Das St. Jude Children's Research Hospital in den USA und die Gesellschaft für Pädiatrische Onkologie und Hämatologie (GPOH) in Deutschland koordinieren gemeinsam mit nationalen und regionalen Partnern die Evakuierung krebskranker Kinder aus der Ukraine und deren medizinische Versorgung in Spezialzentren.

Das Universitätsklinikum Düsseldorf nimmt ukrainische Kinder, Jugendliche und Erwachsene auf, die an einer Leukämie- und Lymphom-Erkrankung leiden.

  • Die Adresse lautet:
    Universitätsklinikum Düsseldorf
    Moorenstr. 5
    40225 Düsseldorf
    Tel: +49 (0)211-81 19 530
    E-Mail: info@leukaemieliga.de
  • Die Kosten für die Behandlung übernimmt die AOK–Krankenkasse.
  • Betroffene sollen sich an der Eingangspforte der Uniklinik anmelden. Wenn möglich sollte ein Ausweisdokument und die Kontaktdaten der aktuellen Unterkunft mitgebracht werden.
  • Fragen rund um den Aufenthalt im Universitätsklinikum können – auch auf russisch – im Büro der Leukämie Lymphom Liga e.V. unter der Telefonnummer +49 (0)211-81 19 530 beantwortet werden.

Verschiedene Landeskrebsgesellschaften setzen sich für ukrainische Krebserkrankte ein: Die Krebsgesellschaft Rheinland-Pfalz e.V., die Thüringische Krebsgesellschaft e.V. und die Saarländische Krebsgesellschaft e.V. arbeiten im Rahmen der Initiative "Krebskrank und auf der Flucht - wir helfen". Dabei

  • unterstützen sie betroffene Flüchtlinge, indem sie zeitnah und bedarfsgerecht an Fachärzte und Spezialisten weitervermitteln und bei der Kontaktaufnahme helfen.
  • bieten sie eine kostenfreie Beratung in verschiedenen Fremdsprachen an.

Ergänzend bemühen sich die Beratungskräfte um weitere praktische Hilfen wie die Vermittlung von Unterkünften oder Dolmetscher- und Fahrdiensten.

Die Berliner Krebsgesellschaft e.V. bietet geflüchteten Ukrainerinnen und Ukrainern mit Krebs unbürokratische finanzielle Hilfe aus ihrem Härtefonds an. Beantragen können Betroffene das Geld über die bezirklichen Krebsberatungsstellen der Gesundheitsämter, die Sozialdienste der behandelnden Krankenhäuser oder direkt bei der Berliner Krebsgesellschaft e.V.. Voraussetzungen sind:

  • eine ärztliche Bescheinigung über die Krebserkrankung,
  • eine Kopie des Ausweises und
  • dass sich die Menschen in Berlin aufhalten.

#health4ukraine: Auf der privat initiierten Plattform #health4ukraine können Unternehmen und Einrichtungen aus der Pflegebranche unkompliziert freie Pflegeplätze für Menschen aus der Ukraine melden. #health4ukraine organisiert Transporte für Pflegebedürftige und deren Angehörige in sichere Gebiete. Außerdem vermitteln sie sie an Pflegeeinrichtungen in ganz Deutschland. #health4ukraine übernimmt dabei die Transportkosten.

American Cancer Society (ACS): Die Amerikanische Krebsgesellschaft bietet Unterstützung für krebskranke Menschen aus der Ukraine an. Sie beantwortet in den Landessprachen telefonische und schriftliche Anfragen Betroffener: Die Telefonnummer und die E-Mail-Adresse finden sich auf der Website. Außerdem hat sie dort zahlreiche Informationsmaterialen und weiterführende Informationen auf Englisch, Ukrainisch, Russisch und Polnisch bereitgestellt.

Transport von Krebspatienten aus der Ukraine: Maßnahmen der Politik

Unabhängig davon arbeitet die deutsche Politik an unkomplizierten Lösungen, um die medizinische Versorgung der Geflüchteten unbürokratisch und umfassend zu gewährleisten. Möglich ist, dass sich das aktuelle Verfahren deswegen nochmal ändert.

  • Wir informieren hier zeitnah über etwaige Änderungen.

Organisiert die Politik Möglichkeiten, ukrainische Krebskranke nach Deutschland zu holen? Laut dem Bundesgesundheitsministerium (BMG) haben sich Bund und Länder dazu bereit erklärt, Erkrankte und Verletzte aus der Ukraine zur Behandlung in Deutschland aufzunehmen.

Bei der Koordination des Krankentransports nach Deutschland arbeiten das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK), das Gemeinsame Melde- und Lagezentrum (GMLZ) von Bund und Ländern und das Auswärtige Amt zusammen.

Nach der Ankunft in Deutschland werden die Patientinnen und Patienten nach einem Kleeblatt-Mechanismus auf Krankenhäuser in Deutschland verteilt. Der Kleeblatt-Mechanismus wurde in der Corona-Pandemie entwickelt und organisiert die Verlegung von Patienten zwischen Bundesländern und einzelnen Regionen in Deutschland.

Wie können Krebspatienten aus der Ukraine oder deren Angehörigen einen Krankentransport organisieren? Menschen, die Hilfe benötigen, können versuchen, sich über ihr Krankenhaus an das ukrainische Innenministerium oder die Regierung zu wenden. Dort werde alle Fälle zentral erfasst und Hilfsleistungen organisiert. Gegebenenfalls können auch Hilfsorganisationen, die in der Ukraine unterstützen, einen Transport in die Nachbarstaaten organisieren. Beispiel sind der Arbeiter-Samariter-Bund (ASB), das Deutsche Rote Kreuz (DRK), die Johanniter oder die Malteser. Das Auswärtige Amt bietet eine Liste der Hilfsorganisationen im Koordinierungsausschuss Humanitäre Hilfe an.

 





Herausgeber: Deutsches Krebsforschungszentrum (DKFZ) │ Autoren/Autorinnen: Internet-Redaktion des Krebsinformationsdienstes. Lesen Sie mehr über die Verantwortlichkeiten in der Redaktion.

powered by webEdition CMS