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Zitrusfrüchte und Wechselwirkungen mit Krebsmedikamenten

Das sind die Fakten zu Grapefruits, Orangen, Mandarinen, Pomelo & Co

In der Winterzeit erfreuen sie sich hoher Beliebtheit – Zitrusfrüchte aller Art wie Orangen, Mandarinen, Pomelos oder Grapefruits. Doch aufgepasst: Manche beeinflussen bei Verzehr Krebsmedikamente in ihrer Wirkung.

Grapefruits und Orangen vor weihnachtlichem Hintergrund
Manche Zitrusfrüchte beeinflussen Krebsmedikamente in ihrer Wirkung. © VeronikaSmirnaya, Shutterstock.com

Dass sich der Verzehr von Grapefruits mit vielen Arzneimitteln nicht gut verträgt, ist den meisten Menschen inzwischen bekannt. Denn Pflanzeninhaltsstoffe in Grapefruits hemmen ein Enzym, das für die Verstoffwechselung vieler Arzneimittel verantwortlich ist. Der Name des Enzyms: CYP3A4.

CYP3A4 hilft dem Körper Arzneistoffe abzubauen. Bei diesem Prozess entsteht manchmal auch erst das Stoffwechselprodukt, das für die eigentliche Wirksamkeit des Arzneimittels verantwortlich ist. Fachleute nennen dieses Zwischenprodukt "Metabolit".

Das passiert mit dem Wirkstoff eines Arzneimittels, wenn Grapefruit CYP3A4 hemmt.

  • Baut CYP3A4 einen Wirkstoff ab: Dann wirkt sich eine Hemmung von CYP3A4 in einem ungewollt hohen Blutspiegel des Wirkstoffs aus. Dadurch wird das Arzneimittel schlechter verträglich und kann mehr Nebenwirkungen zeigen. Betroffen sind davon zum Beispiel Medikamente zur Therapie der chronischen myeloischen Leukämie (CML) wie Imatinib oder Dasatinib.
  • Baut CYP3A4 einen Wirkstoff zu einem wirksamen Stoffwechselprodukt (Metabolit) um: Dann wirkt sich eine Hemmung von CYP3A4 in einen ungewollt niedrigen Blutspiegel des eigentlich erwünschten Stoffwechselproduktes aus. Dadurch wird das Arzneimittel weniger wirksam. Betroffen ist davon zum Beispiel das Zytostatikum Cyclophosphamid, das bei einer Chemotherapie zum Einsatz kommt.

Ist eine solche Wechselwirkung für ein Krebsmedikament bekannt, raten Experten davon ab, Grapefruits unter der Krebstherapie zu verzehren.

  • Das bezieht sich nicht nur auf die frische Frucht, sondern auch auf den Saft und andere Zubereitungen daraus.
  • Dabei reicht es nicht, nur auf die gleichzeitige Einnahme mit dem Medikament zu verzichten, Patientinnen und Patienten sollten die Frucht vollständig meiden.
  • Pauschale Aussagen, ab welcher Grapefruit-Menge man von Wechselwirkungen ausgehen muss, sind nicht möglich: Manchmal reicht schon der Verzehr einer einzigen Frucht oder ein Glas Grapefruitsaft, in anderen Fällen wurden Wechselwirkungen erst nach tage- oder wochenlangem regelmäßigem Verzehr beobachtet.

Nicht nur bei Grapefruits ist Vorsicht geboten

Doch wie sieht es mit den anderen Zitrusfrüchten aus, die sich gerade in der Vorweihnachtszeit hoher Beliebtheit erfreuen? Alle Zitrusfrüchte enthalten ähnliche Pflanzenstoffe. Allerdings sind Menge und Zusammensetzung dieser Stoffe von Fruchtart zu Fruchtart unterschiedlich, und damit auch die Wechselwirkungen mit Krebsmedikamenten.

Fragen Sie Ihren Arzt

Ihre behandelnde Ärztin oder ihr behandelnder Arzt sowie Apotheker können Ihnen sagen, ob Ihr Krebsmedikament von Wechselwirkungen mit Zitrusfrüchten betroffen ist.

Folgende Zitrusfrüchte zeigen mit Grapefruits vergleichbare Wechselwirkungen mit vergleichbaren klinischen Auswirkungen:

  • Pomelo (Kreuzung aus Grapefruit und Pampelmuse),
  • Limetten
  • eine bestimmte, häufig in Marmelade verwendete Orangenart (Sevilla-Orange oder auch Bitterorange)

Auch auf diese Früchte sollten Patienten verzichten, wenn für ihr Krebsmedikament eine Wechselwirkung mit Grapefruit bekannt ist.

Andere Zitrusfrüchte sind auf eine enzymhemmende Wirkung nur wenig untersucht. Sie sind aber auch nicht als problematisch aufgefallen.

  • "Normale" Orangen und Orangensaft hemmen den Ab- und Umbau von Arzneistoffen offenbar kaum und klinische Auswirkungen auf Krebstherapien sind nicht bekannt.
  • Auch für Zitronen wurden bisher keine Auswirkungen auf Krebsmedikamente berichtet. Sie enthalten den für die Wechselwirkung von Grapefruit hauptsächlich verantwortlichen Pflanzenstoff vor allem in der Schale. In Zitronensaft findet er sich nur in Spuren.
  • Bei Mandarinen und Clementinen weisen Laborexperimente darauf hin, dass sie dieselben Wechselwirkungen zeigen wie Grapefruit, allerdings in einem schwächeren Ausmaß. Ob und wie sich das auf die Wirkung von Krebsmedikamenten auswirkt, ist hingegen nicht bekannt.

Manche Experten empfehlen, auch mit diesen Zitrusfrüchten zurückhaltend während einer medikamentösen Krebstherapie zu sein, da es immer noch Wissenslücken gibt.

Wichtig zu wissen: Wie sich Arzneimittel-Wechselwirkungen auswirken, kann immer nur vor dem Hintergrund des individuellen Medikaments und der individuellen Situation des Patienten beurteilt werden. Sprechen Sie daher mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt darüber, ob Sie in der Vorweihnachtszeit Orangen, Mandarinen, Zitronen und andere Zitrusfrüchte unbeschwert genießen können.





Herausgeber: Deutsches Krebsforschungszentrum (DKFZ) │ Autoren/Autorinnen: Internet-Redaktion des Krebsinformationsdienstes. Lesen Sie mehr über die Verantwortlichkeiten in der Redaktion.

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