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Können Umweltgifte Krebs auslösen?

Frage des Monats

Haben krebserregende Stoffe aus der Umwelt meinen Krebs ausgelöst? Wie gefährlich sind Umweltgifte wirklich? Diese Fragen erreichen den Krebsinformationsdienst häufig. Anhand des Beispiels Asbest geben wir Antworten.

Es gibt verschiedene Schadstoffe und Umweltgifte im Alltag, die krebserregend sein können. Dazu gehören beispielsweise Asbest, Feinstaub, Radon, UV-Strahlung oder Arsen
Im Alltag sind Menschen verschiedenen schädlichen Einflüssen und Stoffen aus der Umwelt (Umweltgifte) ausgesetzt. Manche von ihnen sind nachweislich krebserregend (kanzerogen). © Krebsinformationsdienst, DKFZ, erstellt mit BioRender.com


Laut bisheriger Studien ist Asbest in der Tat gesundheitsschädigend und kann Krebs auslösen – auch Jahre, nachdem jemand in Kontakt (Exposition) damit kam. Aus diesem Grund sind Asbest und asbesthaltige Produkte seit den Neunzigerjahren in Deutschland komplett verboten, in der EU jedoch erst seit 2005. Wie Asbest eine Krebserkrankung auslöst, haben Wissenschaftler aber noch nicht vollständig geklärt.

Wichtig zu wissen

Sofern fest eingebundener Asbest nicht bearbeitet wird und keine Materialschäden vorhanden sind, können keine Asbestfasern frei werden.

Das Risiko für langfristige Gesundheitsschäden (Gefährdungspotential) geht laut Experten von den freigesetzten Asbestfasern aus. Sie schädigen die Lunge aber nur dann, wenn sie auch in die Lungenbläschen gelangen. Ist der Asbest also fest eingebunden, ist die eigene Gesundheit nicht gefährdet. Das gilt beispielsweise für Asbest-Zementprodukte im Innenraum von Gebäuden.

Ob bei Ihnen tatsächlich die frühere Asbest-Belastung für den Lungenkrebs verantwortlich ist, lässt sich aus verschiedenen Gründen nicht pauschal beantworten.

Umweltgifte und Krebs: Wovon hängt das Krebsrisiko ab?

Das tatsächliche Risiko, also die Wahrscheinlichkeit durch den Kontakt mit Umweltgiften wie Asbest an Krebs zu erkranken, hängt von verschiedenen Faktoren ab.

  • Dauer des Kontakts: Gab es einen einmaligen Kontakt mit dem Umweltgift? Oder bestand der Kontakt dauerhaft?
  • Dosis: Nicht nur die Dauer des Kontakts mit einem Umweltgift ist von Bedeutung, sondern auch die Menge während des Kontakts.
  • Art der Kontaktaufnahme (Expositionsweg): Ausschlaggebend für das Krebsrisiko ist ebenfalls, auf welchem Weg der Kontakt zu der krebserregenden Substanz stattgefunden hat. Bestand Hautkontakt? Oder wurde die Substanz eingeatmet oder verschluckt?

In Ihrer Situation wäre also relevant, wie lange Sie in dem Asbest-belastetem Schulgebäude unterrichtet wurden, wie hoch die Asbestbelastung war und wie das Asbest in dem Gebäude verarbeitet war. Generell gilt: eine potentielle Krebsgefahr besteht erst dann, wenn Asbestfasern frei wurden und tatsächlich in die Lunge gelangt sind.



Umweltgifte und Krebs: Wie hoch ist das Risiko wirklich?

Umweltgifte sind im Vergleich zu Lebensstil-bedingten Faktoren nur in geringen Maße für Krebserkrankungen verantwortlich. Die zwei häufigsten vermeidbaren Risikofaktoren sind Tabakkonsum und eine ungesunde Ernährung.
Experten schätzen: Lebensstil-bedingte Faktoren lösen im Vergleich zu Umweltfaktoren häufiger eine Krebserkrankung aus. © Krebsinformationsdienst, DKFZ, erstellt mit BioRender.com

Umweltfaktoren verursachen Krebserkrankungen nur in geringem Maße: Lebensstil-bedingte Faktoren wie eine ungesunde Ernährung oder Tabakkonsum sind laut Experten für deutlich mehr Krebsneuerkrankungen verantwortlich als Umweltgifte.

Andere Ursachen für eine Krebserkrankung: Krankheitserreger oder erbliche Faktoren können ebenfalls zur Krebsentstehung beitragen Auch der Zufall spielt eine Rolle. Deshalb erkranken auch Menschen an Krebs, die sehr gesund leben und keinen Umweltgiften ausgesetzt sind. Durch die zufälligen "Fehler" im genetischen Code beginnen Zellen unkontrolliert zu wachsen und es entsteht dadurch ein Tumor.

Wovon hängt das individuelle Krebsrisiko ab?

Es ist hilfreich, wenn Sie als Patient die genaue Situation des Asbestkontakts schildern können. Denn: Um das Risiko von Umweltfaktoren einzuschätzen, müssen verschiedene Faktoren berücksichtigt werden.

  • Höhe der Exposition/ Wirkungsschwelle: Bei manchen Umweltgiften reicht bereits eine geringe Menge aus, um Gesundheitsschäden zu verursachen. Bei anderen muss erst eine bestimme Schwelle überschritten werden. Es ist nicht auszuschließen, dass bei Asbest ein einmaliger Kontakt ausreicht, wenn die Faserbelastung genügend groß ist. Das Risiko nimmt mit einer zunehmenden Dauer des Kontakts oder Menge der aufgenommenen Fasern jedoch zu.
  • Kontaktszenarien: Wie wahrscheinlich Krebs nach Kontakt mit einem Umweltgift ist, wird auch dadurch bestimmt, ob es noch Kontakt zu anderen krebserregenden Substanzen gab. Auch die Art des möglichen Kontakts mit dem Umweltgift spielt eine Rolle: Es ist beispielsweise unwahrscheinlich, dass Menschen Asbest über das Trinkwasser aufnehmen, wenn es aus asbesthaltigen Betonwasserleitungen kommt.
  • Betroffenheit: Manchmal ist das gesundheitliche Risiko durch Umweltgifte für bestimmte Untergruppen größer als für andere – beispielsweise für Schwangere. Solche Personengruppen sind bei Asbest bisher nicht bekannt.

Fazit

Im Nachhinein lässt es sich bei Ihnen wahrscheinlich nicht sicher nachweisen, ob Asbest die Ursache der Lungenkrebs-Erkrankung war. Denn:

  • Viele verschiedene Faktoren beeinflussen die Entstehung von Krebs.
  • Der Kontakt mit krebserregenden Substanzen wie Asbest führt nicht zwingend zu einer Krebserkrankung.
  • Statistisch betrachtet sind Umweltfaktoren in sehr geringem Maße Auslöser einer Krebserkrankung.




Herausgeber: Deutsches Krebsforschungszentrum (DKFZ) │ Autoren/Autorinnen: Internet-Redaktion des Krebsinformationsdienstes. Lesen Sie mehr über die Verantwortlichkeiten in der Redaktion.