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Komplementärmedizin bei follikulärem Lymphom? Das sagen die Experten

Selbst etwas für sich tun – aber richtig

Mistel meiden, bei pflanzlichen Präparaten vorsichtig sein – das raten Experten aktuell bei einem follikulären Lymphom. Wir erläutern, wozu sich die Experten in der neu erschienenen Behandlungsleitlinie außerdem äußern.

Frau spricht mit Ärztin. Foto: Tobias Schwerdt © Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum
Patientinnen und Patienten mit einem follikulären Lymphom sollten sich von onkologisch erfahrenen Ärzten zur Komplementärmedizin beraten lassen. Bild: Tobias Schwert © Krebsinformationsdienst, DKFZ

Etwas für sich tun, die Heilung unterstützen, die Krankheit aufhalten oder sich vor einem Rückfall schützen – darauf setzen viele Betroffenen mit Krebs ihre Hoffnung bei der Komplementärmedizin. Doch insbesondere Lymphom-Patientinnen und -Patienten sollten vorsichtig sein.

Vor wenigen Tagen ist die erste umfassende und hochwertige deutsche Behandlungsleitlinie für das follikuläre Lymphom erschienen. Sie richtet sich an Ärztinnen und Ärzte und hilft ihnen, Entscheidungen in der Diagnostik und Behandlung von Patienten mit einem follikulärem Lymphom zu treffen. Auch zur Komplementärmedizin äußern sich die Leitlinien-Experten.

Über Komplementärmedizin sprechen

Die Komplementär- oder Alternativmedizin ist für "Schulmediziner" kein Tabuthema: Ärzten empfiehlt die Leitlinie, ihre Lymphom-Patienten aktiv zu fragen, ob sie Verfahren der Komplementärmedizin anwenden oder anwenden möchten.

Ziel ist, dass Betroffene auf diesem Weg von onkologisch erfahrenen Ärztinnen oder Ärzten verlässliche Informationen und fachkundigen Rat zu diesem Thema erhalten.

Auch den Wunsch der Patientin oder des Patienten, in der Behandlung selbst tätig werden zu wollen, möchten die Experten damit unterstützen. Das gilt insbesondere für Patienten, deren follikuläres Lymphom "nur" beobachtet wird (englisch: watch-and-wait).

Was bedeutet das für Patientinnen und Patienten?

  • Nehmen Sie das Gesprächsangebot ihres Arztes wahr und sprechen Sie offen über Ihre Wünsche und Erwartungen.
  • Teilen Sie Ihren behandelnden Ärzten mit, wenn Sie bereits komplementärmedizinische Verfahren anwenden: Sie können Ihnen sagen, wie sie den Nutzen einschätzen und ob sie mit unerwünschten Folgen rechnen müssten.

Vorsicht bei pflanzlichen Präparaten

Einige Patientinnen und Patienten mit einem follikulären Lymphom erhalten zur Behandlung Medikamente, etwa Antikörper oder eine Chemotherapie. Wer gleichzeitig hoch dosierte pflanzliche Präparate oder Nahrungsergänzungsmittel einnimmt, geht das Risiko von Wechselwirkungen mit der Krebstherapie ein.

Was bedeutet das für Patientinnen und Patienten?

  • Geben Sie Ihrem behandelnden Arzt eine Liste aller Medikamente, die Sie zusätzlich einnehmen oder einnehmen wollen. Erwähnen Sie auch Präparate aus der Drogerie oder von ihrer Heilpraktikerin oder ihrem Heilpraktiker, Tees oder Nahrungsergänzungsmittel. Denn: Die Leitlinie empfiehlt Ärzten, in solchen Fällen die Wechselwirkungen zu überprüfen.
  • Rät der Arzt wegen Wechselwirkungen von einem Mittel ab? Dann nehmen Sie diese Warnung ernst: Sie gefährden sonst möglicherweise den Erfolg Ihrer Therapie oder nehmen stärkere Nebenwirkungen in Kauf.

Mistel meiden

Von einer Mistel-Therapie oder anderen pflanzlichen Therapien, die das Immunsystem ungezielt stimulieren, raten die Leitlinien-Experten bei einem follikulären Lymphom ausdrücklich ab. Wenn überhaupt, sollte eine solche Therapie nur im Rahmen einer klinischen Studie stattfinden.

Hintergrund: Da bei einem Lymphom Zellen des Immunsystems entartet sind, könnte eine ungezielte Immunstimulation durch Mistelextrakte im ungünstigsten Fall sogar den Krankheitsprozess beschleunigen.

Was bedeutet das für Patientinnen und Patienten?

  • Informieren Sie sich zu Mistel oder anderen pflanzlichen Immunstimulantien bei einer onkologisch erfahrenen Ärztin oder einem onkologisch erfahrenen Arzt.
  • Führen Sie keine Misteltherapie "auf eigene Faust" durch.

Das ist "erlaubt"

Zu folgenden komplementärmedizinischen Ansätzen äußern sich die Leitlinien-Autoren positiv:

  • Eine wissenschaftlich fundierte Ernährungsberatung orientiert sich an den Beschwerden und Bedürfnissen der Betroffenen. Ihr Ziel ist es, über die Ernährung Körperreserven zu mobilisieren, die Verträglichkeit von Therapien zu steigern sowie den Erkrankungsverlauf und die Lebensqualität günstig zu beeinflussen.
  • Entspannungs- und Achtsamkeitsverfahren können erkrankungs- oder therapiebedingte Beschwerden mindern. Einigen Patienten erleichtern sie auch den Umgang mit der Erkrankung. Voraussetzung ist, dass diese Verfahren unter fachkundiger Anleitung durchgeführt werden.
  • Bewegungstherapie und körperliches Training: Bisher können Fachleute die Wirksamkeit von körperlichem Training auf die Lebensqualität von Patienten mit einem follikulären Lymphom zwar nicht eindeutig beurteilen. Es gibt jedoch Hinweise, dass körperliches Training Depressivität und insbesondere chronische Erschöpfung (Fatigue) mindern könnte.