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Achtung Wechselwirkung: Zielgerichtete Krebstherapie und Magensäureblocker

Warum man frei verkäufliche Arzneimittel nicht ohne Rücksprache einnehmen sollte

Eine aktuelle Studie bestätigt: Bestimmte zielgerichtete Krebsmedikamente mit Magensäureblockern – sogenannten Protonenpumpenhemmern – zu kombinieren, ist keine gute Idee. Doch warum ist das für Krebspatientinnen und Krebspatienten relevant?

Einige Betroffene erhalten Verordnungen für sogenannte Tyrosinkinasehemmer. Diese Arzneimittel hemmen die Signalübertragung in Krebszellen und bremsen so das Tumorwachstum. Betroffene nehmen sie in der Regel zu Hause ein. Denn: Tyrosinkinasehemmer werden als Tabletten geschluckt. Nicht immer bekommt der behandelnde Arzt mit, wenn Betroffene zusätzlich rezeptfreie Arzneimittel, wie etwa ein "Magenschutz"-Mittel einnehmen. Doch Tyrosinkinasehemmer zeigen oft Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln. Daraus kann sich ein Risiko ergeben, dessen sich viele nicht bewusst sind.

Ein saures Milieu im Magen ist wichtig

Eine zielgerichtete Therapie mit Tyrosinkinasehemmern erhalten beispielsweise Betroffene mit einer chronischen myeloischen Leukämie (CML), Nierenzellkrebs oder Lungenkrebs. Bekannte Wirkstoffe sind Erlotinib, Pazopanib oder Nilotinib.

Wichtig zu wissen: Viele Tyrosinkinasehemmer werden nur dann vom Körper gut aufgenommen, wenn es im Magen ausreichend sauer ist.

Protonenpumpenhemmer senken die Produktion von Magensäure: Das behindert die Aufnahme der meisten Tyrosinkinasehemmer in die Blutbahn. Infolgedessen ist deren Wirksamkeit beeinträchtigt.

Bekannteste "Magenschutz"-Vertreter sind Omeprazol und Pantoprazol. Da diese Medikamente frei verkäuflich sind, nehmen sie viele Menschen ein: zum Beispiel um Sodbrennen zu behandeln oder um die Verträglichkeit bestimmter Schmerzmittel im Magen zu erhöhen. Bevor Betroffene zu diesen Mitteln greifen, sollten sie Arzt oder Apotheker zu möglichen Wechselwirkungen befragen.

Arzneimittel in der Apotheke  © RAPISAN SWANGPHON JOHN  – Thinkstock
Auf Wechselwirkungen achten © RAPISAN SWANGPHON JOHN – Thinkstock

Auswirkungen auf die Prognose

Dass man eine Kombination der meisten Tyrosinkinasehemmer mit Magensäureblockern vermeiden sollte, ist nicht neu. Eine kürzlich veröffentlichte Studie hat sich nun mit möglichen Auswirkungen dieser Wechselwirkung befasst.

Ergebnis der Studie: In der rückblickenden Beobachtungsstudie konnten US-amerikanische Forscher zeigen, dass die Kombination von Tyrosinkinasehemmern mit Protonenpumpenhemmern die Prognose von Krebspatientinnen und -patienten tatsächlich verschlechtert: Das Risiko an der Krebserkrankung zu sterben, war bei Patienten, die diese beiden Arzneimittelgruppen kombiniert haben größer, als für Patienten, die keinen Protonenpumpenhemmer zusätzlich eingenommen hatten. Die Forscher haben mehr als 12.500 Patientendaten einer US-amerikanischen Krebsregisterdatenbank ausgewertet.

Arzt und Apotheker informieren

Dieses Beispiel macht deutlich: Arzt und Apotheker sollten Bescheid wissen, wenn Betroffene ein Medikament "auf eigene Faust" einnehmen. Nur so können sie auf Arzneimittelwechselwirkungen aufmerksam werden und Betroffene darauf hinweisen. Das gilt für frei verkäufliche Medikamente genauso wie für Nahrungsergänzungsmittel.

Als Patientin oder Patient kann man beitragen, indem man für Überblick sorgt: Wichtig ist eine Liste aller Medikamente, die man aktuell einnimmt. Erhält man vom Arzt einen Medikationsplan, sollte man alle selbst gekauften Medikamente und Nahrungsergänzungsmittel ergänzen.