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Hochspannungsleitungen: Leukämierisiko bei Kindern nicht erhöht

Kinder, die in der Nähe von Hochspannungsleitungen aufwachsen, erkranken nicht häufiger an Leukämie als andere Kinder. Dies schließen britische Forscher aus einer neuen Fall-Kontroll-Studie. Ihre Daten haben sie im British Journal of Cancer veröffentlicht. Damit korrigieren die Wissenschaftler die Ergebnisse ihrer eigenen, früheren Studie zum Thema: Damals hatten sie einen Zusammenhang festgestellt.

Neue Daten: Wissenschaftler korrigieren ältere Aussagen

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Britische Forscher fanden kein erhöhtes Leukämierisiko für Kinder, die in der Nähe von Hochspannungsleitungen aufwuchsen. © Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum

Die Autoren werteten Daten aus Großbritannien aus. Quelle war das Nationale Register für Krebserkrankungen bei Kindern (UK National Registry of Childhood Tumours, NRCT). Sie wollten wissen: Haben krebskranke Kinder im Vergleich zu gesunden Kindern näher an Hochspannungsleitungen gelebt? Geht ein Gesundheitsrisiko von den elektromagnetischen Feldern aus, die Überlandleitungen erzeugen?

Die Wissenschaftler ermittelten die Adresse der Mütter zum Zeitpunkt der Geburt des Kindes und verglichen sie mit der eines oder zweier gesunder Kinder anhand des Geburtenregisters. Sie interessierte, wie weit die nächsten Überlandleitungen eines nationalen Netzbetreibers vom jeweiligen Haus entfernt waren.

Ihre frühere Studie veröffentlichten die Forscher 2005. Sie umfasste Daten aus den Jahren 1962 bis 1995. Für diesen Zeitraum hatten die Wissenschaftler eine erhöhte Erkrankungsrate für Leukämie in England und Wales bei denjenigen Kindern festgestellt, deren Mütter zum Zeitpunkt der Geburt innerhalb von 600 Metern zu einer Hochspannungsleitung gelebt hatten. Einen Zusammenhang zu anderen Tumoren hatten sie nicht feststellen können.

In der aktuellen Studie ergänzten die Wissenschaftler Daten für Schottland aus dem bisher untersuchten Zeitraum, und sie setzten die Auswertung für England, Schottland und Wales bis zum Jahr 2008 fort. Außerdem untersuchten sie, ob außer dem Abstand zu Hochspannungsleitungen auch die Spannungsstärke der Überlandleitungen eine Rolle spielte.

Erkrankungsrisiko laut früherer Daten erhöht: "Elektrosmog" als Ursache unwahrscheinlich

Die erneute und erweiterte Auswertung zeigte: Das Risiko, an einer Leukämie zu erkranken, hat für Kinder, die in der Nähe von Hochspannungsleitungen aufwuchsen, im untersuchten Zeitraum von 1962 bis 2008 abgenommen. Zwar ließ sich bis in die 1970er und 1980er Jahre rein rechnerisch ein höheres Risiko finden. Es blieb von vornherein beschränkt auf Kinder, die weniger als 600 Meter von den Stromleitungen entfernt lebten.

Doch betrachtet man den gesamten Zeitraum, der inzwischen erfasst ist, lässt sich kein erhöhtes Erkrankungsrisiko feststellen. Die Schlussfolgerung der Wissenschaftler: Es ist unwahrscheinlich, dass elektromagnetische Felder nahe der Hochspannungsleitungen – kurz "Elektrosmog" – zu einem erhöhten Leukämierisiko für Kinder führen.

Wie aber lassen sich die früheren Daten erklären? Auch wenn das Erkrankungsrisiko in der Nähe von Überlandleitungen mit geringerer Spannung (132 Kilovolt statt 275 oder 400 Kilovolt) statistisch gesehen geringer zu sein schien, hat sich doch die Feldstärke – also die "Elektrosmogbelastung" nahe der einzelnen Leitungen – im Laufe der Jahrzehnte nicht geändert.

Zufälle oder einen bisher übersehenen Fehler mögen die Wissenschaftler zwar nicht ganz ausschließen. Sie halten jedoch eine andere Erklärung für wahrscheinlicher: In den verschiedenen Jahrzehnten haben möglicherweise unterschiedliche Bevölkerungsgruppen in der Nähe zu den Stromleitungen gelebt, unter verschiedenen sozioökonomischen Bedingungen und mit unterschiedlich hohem Leukämierisiko. Dieses kann unter anderem durch genetisch bedingte Erkrankungen beeinflusst werden.