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Chemotherapie: Akupunktur unterstützt bei Erbrechen und Übelkeit

Als ergänzende Behandlung kann Akupunktur starkes Erbrechen und Übelkeit während einer Chemotherapie lindern. Die heute üblichen Medikamente lassen sich so allerdings nicht ersetzen. Zu diesem Ergebnis kamen U.S.-amerikanische Wissenschaftler, nachdem sie über 2.000 wissenschaftliche Veröffentlichungen zur Behandlung therapiebedingter Nebenwirkungen gesichtet hatten.

Wirkungslos bleibt Akupunktur dagegen bei anderen häufigen Beschwerden vieler Krebspatienten: Die Therapie hilft nicht gegen Schmerzen, Hitzewallungen, Fatigue und Erschöpfung, Angst und Stimmungsschwankungen oder Schlafstörungen. Sie wirkt auch nicht gegen strahlentherapiebedingte Mundtrockenheit. Und sie bringt einen trägen Darm nach einer Operation nicht wieder in Gang.

Aus einer Vielzahl von Studien zur unterstützenden Krebsbehandlung filterten die Autoren 41 heraus, in denen Akupunktur eingesetzt worden war. Darunter fanden sich elf Studien, die sich mit Akupunktur gegen Übelkeit und Erbrechen befassten. Allerdings stuften die Forscher davon nur die Daten einer einzigen Veröffentlichung als wissenschaftlich zuverlässig ein. Die Qualität aller anderen reichte nicht aus, um sich ein klares Bild machen zu können: Bei den weiteren Studien zu Übelkeit sowie bei den übrigen Studien zu anderen Symptomen und Nebenwirkungen schlossen die Forscher statistische Verzerrungen nicht aus.

Hintergrund: Warum ist weitere Forschung zu Akupunktur notwendig?

Akupunktur © kreativwerden - Fotolia.com
Akupunktur unterstützt bei Erbrechen und Übelkeit während einer Chemotherapie © kreativwerden - Fotolia.com

Die Autoren kommen insgesamt zu dem Schluss, dass weitere Studien zur Akupunktur als unterstützender Therapie notwendig seien. Dies gilt sowohl für die Forschung im Zusammenhang mit Übelkeit, als auch mit anderen belastenden Auswirkungen einer Krebserkrankung und ihrer Behandlung. Viele der eingeschlossenen Studien hatten beispielsweise eine geringe Teilnehmerzahl: An 16 der 41 Untersuchungen hatten weniger als 60 Krebspatienten teilgenommen. Darüber hinaus bemängeln die Autoren, dass in vielen Veröffentlichungen wichtige Details zum Ablauf der Studie nicht dokumentiert sind. So wurde beispielsweise oft nicht festgehalten, welcher Arzt die Patienten akupunktiert hatte. Führt immer der gleiche Arzt die Therapie durch, könnte allein schon die intensivere Arzt-Patienten-Beziehung die Beschwerden lindern. Da nach wie vor nicht wissenschaftlich erklärt werden kann, wie Akupunktur wirkt, schließen die Autoren auch solche Wirkungen oder Placeboeffekte nicht aus.

Die Autoren der Übersichtsarbeit raten Forschern für zukünftige Studien: Akupunktur oder Schein-Akupunktur während einer Studie sollte nicht immer der gleiche Arzt durchführen. Wissenschaftler sollten außerdem auf ausreichend große, standardisierte Vergleichsgruppen und standardisierte Behandlungsmethoden achten. Auch die Wirkweise der Akupunktur an sich sollte genauer erforscht werden.

Wann ist Akupunktur bei Krebspatienten möglich, wann nicht?

Die gängigen Mittel gegen Übelkeit und Erbrechen durch eine Chemotherapie lassen sich durch eine Akupunktur nicht ersetzen, höchstens ergänzen. Heute erhalten Patienten solche sogenannten Antiemetika schon zur Vorbeugung.
Patienten, denen übliche Medikamente gegen Übelkeit nicht ausreichend helfen, könnten Ärzte zusätzlich eine Akupunktur-Behandlung anbieten, so die Autoren. Eine Begründung: Insgesamt hat Akupunktur nur wenige Nebenwirkungen, so ein weiteres Fazit der aktuellen Analyse. Unter Umständen kann es an den Nadeleinstichstellen zu kleinen Einblutungen kommen. Die Autoren der Übersichtsarbeit empfehlen deshalb: Krebspatienten, die eine Blutgerinnungsstörung haben, sollten sich besser keine Nadeln setzen lassen. Wer sehr stark abgenommen hat, oder wer nur wenige weiße Blutkörperchen hat, dem raten die Wissenschaftler ebenfalls von Akupunktur ab. Akupunkturnadeln sollten außerdem nicht in Arme und Beine mit Lymphödemen, nicht in verletzte oder geschädigte Haut und schon gar nicht direkt in Tumoren platziert werden.

Tragen die Kassen die Kosten der Behandlung?

Bisher ist die Akupunktur noch keine allgemein anerkannte Therapie gegen Übelkeit bei Krebs. Mehrere ärztliche Leitlinien weisen aber darauf hin, dass es erste positive Erfahrungen gibt, auch wenn die Akupunktur allenfalls eine Ergänzung der sonst üblichen Behandlung darstellt.
In Deutschland dürfen die gesetzlichen Krankenversicherungen die Kosten für eine Akupunktur bisher nur bei der Behandlung von Rücken- und Knieschmerzen übernehmen. Ob eine begleitende Behandlung bei chemotherapiebedingter Übelkeit trotzdem gezahlt wird, sollten Krebspatienten daher direkt bei ihrer Kasse erfragen.





Herausgeber: Deutsches Krebsforschungszentrum (DKFZ) │ Autoren/Autorinnen: Internet-Redaktion des Krebsinformationsdienstes. Lesen Sie mehr über die Verantwortlichkeiten in der Redaktion.