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Erbliches Krebsrisiko

Wann sind Genpanel-Analysen sinnvoll?

Immer häufiger werden sogenannte Genpanels eingesetzt, um ein möglicherweise erhöhtes Krebsrisiko abzuklären. Einem Bericht von Zion Market Research aus dem Juli 2019 zufolge handelt es sich bei Genpanels um einen der am schnellsten wachsenden Teilbereiche der medizinischen Industrie: Zwischen 2018 und 2023 wird sich der Genpanel-Markt insgesamt voraussichtlich mehr als verdoppeln. Was beim Einsatz solcher Panels bei Krebs zu beachten ist, erläutert Ihnen krebsinformationsdienst.med. Dabei verdeutlichen wir auch den Unterschied zwischen Genpanels zum Krebsrisiko von bisher noch nicht Erkrankten und den Genpanels zur Tumordiagnostik bei Betroffenen.

Krebsrisiko-Genpanels bei Gesunden: Was können sie leisten?

Mit Genpanel-Analysen kann untersucht werden, ob gesunde Personen ein erhöhtes Risiko haben, an einer oder mehreren Krebsarten zu erkranken. Dabei werden Gene getestet, die mit diesen Krebserkrankungen in Verbindung stehen. Allerdings betrifft das bis jetzt nur Gene, bei denen eine Veränderung das Krebsrisiko nachgewiesenermaßen deutlich erhöht. Solche Gene sind bisher nur für einige, wenige Krebsarten bekannt.

Wo spielen Panels bisher die größte Rolle?

Am häufigsten eingesetzt werden Genpanels zur Untersuchung bekannter Risikogene für erblichen Brust- und Eierstockkrebs. Hier wird inzwischen eine ganze Reihe risikoassoziierter Gene untersucht. Auch zur Bestimmung des Darmkrebsrisikos bei erhöhter familiärer Belastung werden Genpanels häufig eingesetzt.

Und für andere Krebserkrankungen?

Auch für einige weitere Krebserkrankungen wie Pankreaskarzinome oder Hautkrebs sind inzwischen einige Risiko-Genveränderungen bekannt.

Darüber hinaus werden von unterschiedlichen Herstellern verschiedenste Genpanels auch für viele andere Krebserkrankungen angeboten. Die mit diesen Panels verbundenen Zusammenhänge und Risiko-Schätzungen werden jedoch meist durch deutlich weniger Daten gestützt als bei den oben genannten Krebserkrankungen. Sie sind also in der Regel weniger verlässlich.

Verschiedene Genpanels: Wozu?

Veränderungen der bisher bekannten Risikogene erhöhen in aller Regel nur das Risiko für eine oder wenige Krebserkrankungen deutlich. Ein "universelles Krebs-Gen" gibt es nach derzeitigem Verständnis nicht.

Beispielsweise erhöhen BRCA-Genveränderungen insbesondere das Risiko für Brust- und Eierstockkrebs, wahrscheinlich auch für Bauchspeicheldrüsenkrebs und Prostatakarzinome. Ein erbliches Darmkrebsrisiko ist dagegen oft durch Mutationen im APC-Gen oder in sogenannten Mismatch-Repair-Genen bedingt. Warum das so ist, ist bisher noch unklar.

Wie läuft ein Genpanel-Test ab?

Erbsubstanz in Spiralform mit Sequenz. © Shutterstock / Leigh Prather
Relevante Gene werden sequenziert. © Shutterstock / Leigh Prather

Im Vorfeld eines solchen Tests muss der "Proband" ausführlich über die möglichen Konsequenzen und risikosenkenden Maßnahmen aufgeklärt werden. Wichtig zu berücksichtigen ist dabei, dass sich ein solcher Test auch auf die Familie der getesteten Person auswirkt: Das Wissen um ein erhöhtes Krebsrisiko kann auch eine Belastung sein. Nur, wenn der oder die Betreffende nach der Beratung den Test wünscht, wird er auch durchgeführt.

Als Untersuchungsmaterial nutzt man dazu die DNA aus normalen Körperzellen der jeweiligen Person. Mithilfe moderner Sequenzierungstechniken wird dann in relevanten Genen gezielt nach Abweichungen gesucht. Hierfür vergleicht man die Ergebnisse mit der Sequenz, die die untersuchten Gene in der Bevölkerung üblicherweise haben.

Wie können die Ergebnisse aussehen?

Werden Veränderungen gefunden, die bekanntermaßen krebsfördernd sind, wird der Betroffene zu den möglichen Maßnahmen beraten, die nun getroffen werden könnten.

Gerade bei erst seit kurzem bekannten Risikogenen kann es aber auch vorkommen, dass eine Veränderung gefunden wird, deren Auswirkungen auf das Krebsrisiko bisher unklar sind. Je mehr Gene getestet werden, desto wahrscheinlicher taucht auch eine solche Variante unklarer Signifikanz (VUS) auf. Dann sind die weiteren Konsequenzen nicht geklärt. Die bleibende Unsicherheit kann belastend sein.

Wann Genpanel-Tests empfehlen?

Für einige Krebserkrankungen haben Experten bereits Kriterien festgelegt, die eine familiäre Belastung wahrscheinlich machen. Daran können sich Ärztinnen und Ärzte orientieren bei der Frage, ob ein Genpanel-Test sinnvoll sein könnte. Dies kann dann in die Beratung mit einfließen. Das gilt insbesondere für Brust- und Eierstockkrebs sowie gastrointestinale Krebserkrankungen. Ganz generell ist eine erbliche Belastung umso wahrscheinlicher, je häufiger eine Krebserkrankung beziehungsweise ursächlich zusammenhängende Krebserkrankungen in einer Familie auftreten, und je jünger die Betroffenen sind.

Auch wenn jemand bereits an Krebs erkrankt ist, kann es immer noch sinnvoll sein, sich auf eine genetische Belastung testen zu lassen: Dies kann in manchen Fällen Auswirkungen auf die Prognose, die Auswahl der Therapie und die Nachsorge haben, einschließlich der Früherkennung.

Geeignete Ansprechpartner sind humangenetische Beratungsstellen. Für familiären Brust- und Eierstockkrebs sowie Darmkrebs gibt es auch spezialisierte Zentren, an die sich Ratsuchende wenden können (siehe Kasten Ansprechpartner).

Genpanel-Tumordiagnostik bei Krebspatienten?

Bei bereits an Krebs Erkrankten kann auch das Tumorgewebe auf Genveränderungen untersucht werden. Dann sucht man nach Veränderungen in der Tumor-DNA, die Aufschluss über mögliche Therapie-Ansatzpunkte geben, beispielsweise EGFR-Mutationen bei Lungenkrebs. Solche Veränderungen treten meist spontan bei der Krebsentwicklung auf und sind dann nicht in gesunden Körperzellen des Patienten nachweisbar.

In manchen Fällen kann eine therapierelevante Mutation auch erblich sein. Ein Beispiel sind BRCA-Mutationen, deren Nachweis zum Teil für die Behandlung mit PARP-Hemmern gefordert wird.

Genpanel bei Gesunden ohne erbliche Belastung?

Viele Menschen auch ohne eine Krebshäufung in der Familie wünschen sich, ihr Krebsrisiko genau abschätzen zu können. Das ist aus verschiedenen Gründen derzeit nicht verlässlich möglich.

Zum einen wird bei einigen Krebsarten, etwa beim Lungenkrebs oder beim Zervixkarzinom, das Krebsrisiko von Umwelt- und/oder Lebensstilfaktoren dominiert. Für einige Krebserkrankungen sind bisher gar keine genetischen Risikofaktoren bekannt.

Test auf Niedrigrisiko-Genveränderungen

Bei Menschen ohne "offensichtliche" familiäre Belastung wird das Krebsrisiko maßgeblich durch das Zusammenspiel vieler kleiner Genveränderungen, sogenannter SNPs (single nucleotide polymorphisms, Einzelnukleotid-Polymorphismen), beeinflusst. Einzelne SNPs haben jeweils nur geringfügige Auswirkungen auf das Krebsrisiko. Durch große Sequenzierungsprojekte werden immer mehr dieser sogenannten SNPs identifiziert.
Erste Panels, mit denen solche SNPs bestimmt werden können, befinden sich beispielsweise für Brustkrebs in der Entwicklung. Bisher empfehlen Experten ihren Einsatz nicht. Bevor sie eingesetzt werden können, ist nach Einschätzung von Experten noch einiges an Forschung nötig.

Fazit für die Praxis

Wenn in einer Familie vermehrt Krebs auftritt, helfen humangenetische Beratungsstellen weiter (siehe Kasten Ansprechpartner). An diese können Sie Patienten oder deren Angehöre verweisen, wenn das Risiko für ein erbliches Krebsrisiko im Raum steht.

Bisher kann das Krebsrisiko nur bei einigen gut bekannten Krebsrisikogenen zuverlässig abgeschätzt werden.

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