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Dieser Text bietet Patienten und Interessierten Informationen über die Diagnose- und Behandlungsmöglichkeiten bei Krebs der Speiseröhre, dem Ösophaguskarzinom. Information ist eine wichtige Voraussetzung für die aktive Mitwirkung an der eigenen Behandlung. Das persönliche Gespräch mit den behandelnden Ärzten und bei Bedarf auch weiteren Fachleuten ersetzen die Auskünfte aus dem Internet jedoch auf keinen Fall.
Bei der Erstellung der folgenden Informationen hat der Krebsinformationsdienst auf medizinische Lehrbücher zurückgegriffen und aktuelle deutsche wie internationale Fachartikel und Leitlinien als Quelle genutzt.
Durch die Speiseröhre, fachsprachlich Ösophagus genannt, gelangen Speisen und Flüssigkeiten vom Rachen in den Magen. Der Ösophagus ist ein elastischer Muskelschlauch und liegt hinter der Luftröhre. In seiner Innenwand sitzen schleimproduzierende Drüsen, die den Transportweg feucht halten und so das Schlucken erleichtern.
Je nachdem von welchem Zelltyp ein Speiseröhrentumor ausgeht, unterscheiden Fachleute zwischen dem so genannten Adenokarzinom und dem Plattenepithelkarzinom:
In Deutschland erkranken nach Angaben des Robert-Koch-Instituts (RKI) und der Gesellschaft der epidemiologischen Krebsregister e.V. (GEKID) jährlich etwa 4.100 Männer und 1.090 Frauen an Speiseröhrenkrebs. Das mittlere Erkrankungsalter liegt bei Männern bei 66 Jahren, bei Frauen bei 70 Jahren. (Quelle: Broschüre Robert-Koch Institut, GEKID" Krebs in Deutschland", 7. Auflage 2010, www.gekid.de).
Die Zahl der Menschen, die an einem Adenokarzinom der Speiseröhre erkranken, nimmt seit zwei Jahrzehnten stetig zu. Die Gründe für diese Entwicklung sind noch nicht vollständig aufgeklärt.
Zu den wichtigsten gesicherten Risikofaktoren für die Entstehung eines Plattenepithelkarzinoms zählen Tabak- und Alkoholkonsum. Der negative Einfluss einer gemüse- und obstarmen Ernährung wird diskutiert, unklar ist, wie groß dieser Effekt tatsächlich ausfällt.
Es gibt aber auch einige Vorerkrankungen, die ein Plattenepithelkarzinom der Speiseröhre fördern. Hierzu zählen Verätzung der Speiseröhre durch Säuren oder Laugen, Veränderungen der Ösophagus-Schleimhaut aufgrund von Eisenmangel (Plummer-Vinson-Syndrom) oder die sogenannte Achalasie, eine gutartige Erkrankung der Speiseröhre, die unter anderem durch Schluckstörungen gekennzeichnet ist.
Hauptrisikofaktor für das Adenokarzinom dagegen ist die sogenannte gastroösophageale Refluxkrankheit (GERD).
Darunter verstehen Mediziner eine entzündliche Erkrankung des Ösophagus, die durch einen vermehrten Rückfluss von Magensäure zurück in die Speiseröhre bedingt ist. Umgangssprachlich bezeichnet man dies auch als "saures Aufstoßen", ein Symptom kann häufiges Sodbrennen sein.
Mögliche Folge der Refluxerkrankung ist aber auch der sogenannte Barrett-Ösophagus. Hierbei handelt es sich um eine Schleimhautveränderung der Speiseröhre, die als Vorstufe des Adenokarzinoms gilt. Ob sich im Einzelfall aus einem Barrett-Ösophagus eine Krebserkrankung entwickelt, lässt sich bis heute allerdings nur schwer vorhersagen.
Die Ursachen für diese Gewebeveränderungen im Sinn einer Krebsvorstufe müssen jeweils individuell abgeklärt werden, auch die Behandlung muss sich an den jeweiligen Risikofaktoren orientieren. Übergewicht scheint eine Rolle bei der Entstehung der Refluxerkrankung zu spielen und ist daher auch für die Entstehung von Adenomkarzinomen der Speiseröhre als Risikofaktor ein Thema der Forschung.
Eine gesunde Ernährung und vor allem der vollständige Verzicht auf Tabakkonsum sowie eine vernünftige Einschränkung des Alkoholkonsums tragen insgesamt dazu bei, das Krebsrisiko für beide Tumorformen zu senken.
Speiseröhrenkrebs ist nach bisherigem Wissensstand nicht vererblich. In einigen Fällen ist aber eine familiäre Häufung dieser Krebserkrankung zu beobachten. Es ist nicht eindeutig geklärt, inwieweit genetische Faktoren bei der Refluxerkrankung und einem sich daraus entwickelndem Barrett-Ösophagus, der Vorstufe eines Adenokarzinoms der Speiseröhre, eine Rolle spielen.
Bis stehen bis heute keine Verfahren zur Verfügung, mit denen man Menschen mit einem überdurchschnittlichen Risiko für ein Ösophaguskarzinom identifizieren kann. Eine Früherkennungsuntersuchung im eigentlichen Sinn steht daher nicht zur Verfügung.
In der Diskussion sind Kriterien, anhand derer man bei Patienten mit Barrett-Ösophagus die Wahrscheinlichkeit abschätzen kann, mit der sich ein Adenokarzinom entwickeln wird. Noch haben Fachleute hierzu keine wirklich abschließende Einschätzung. Daher wird auch der Stellenwert regelmäßiger Früherkennungs-Endoskopien (Spiegelung der Speiseröhre) bei Patienten mit Refluxkrankheit und Barrett-Ösophagus international nicht einheitlich beurteilt. Ob solche wiederholten Untersuchungen im Einzelfall Sinn machen oder nicht und welches Risiko sie bergen, sollten betroffene Patienten daher mit ihren Ärzten abklären.
Häufigstes Warnsignal bei einem Ösophaguskarzinom sind Beschwerden beim Schlucken von fester oder auch flüssiger Nahrung, bedingt durch eine Verengung der Speiseröhre. Darüber hinaus können folgende weitere Symptome oder Beschwerden auf eine Krebserkrankung der Speiseröhre hinweisen:
Um die Diagnose Speiseröhrenkrebs zu sichern und die Krankheitsausbreitung abzuklären, fragt der Arzt zunächst nach möglichen Vorerkrankungen und führt eine körperliche Untersuchung durch. In der Regel veranlasst er darüber hinaus eine Spiegelung von Speiseröhre, Magen und Dünndarm (Ösophagogastroduodenoskopie):
Um Veränderungen im Innern der Speiseröhre, des Magens oder des Dünndarms aufzuspüren, führt der Arzt durch den Mund des Patienten einen biegsamen Schlauch ein. Dieses sogenannte Endoskop ist mit einer Lichtquelle, einer Minikamera und einer kleinen Zange ausgestattet. Es erlaubt so dem Arzt, die Innenwand der Speiseröhre genauestens zu inspizieren und aus verdächtigen Bereichen der Schleimhaut Gewebeproben zu entnehmen. Auf Wunsch des Patienten erhält dieser vor der Behandlung ein beruhigendes und schläfrig machendes Medikament. Darüber hinaus wird der Rachen üblicherweise vor der Untersuchung durch ein Spray örtlich betäubt, so dass die Untersuchung nicht schmerzhaft ist.
Entnommene Gewebeproben (Biopsie) werden dann von einem Spezialisten unter dem Mikroskop genauer untersucht. Die Ergebnisse einer Biopsie geben Aufschluss darüber, ob tatsächlich ein Karzinom vorliegt.
Bestätigt sich der Verdacht auf Speiseröhrenkrebs, so folgen weitere Untersuchungen, um festzustellen, wie weit sich der Tumor ausgebreitet hat. Hierzu gehören zum Beispiel
Welche Therapie bei Speiseröhrenkrebs in Frage kommt, hängt insbesondere davon ab, ob ein Plattenepithel- oder Adenokarzinom vorliegt, wie aggressiv der Tumor wächst und wie weit die Erkrankung zum Zeitpunkt der Diagnose bereits fortgeschritten ist.
Aber auch der Allgemein- und Ernährungszustand sowie persönliche Wünsche des Patienten bestimmen mit, welche Form der Therapie in Frage kommt. Während bei frühen Tumorstadien in aller Regel die Operation die Therapie der Wahl ist, wird Patienten mit fortgeschrittenem Speiseröhrenkrebs häufig eine Kombination verschiedener Behandlungsverfahren angeboten.
Ärzte empfehlen Patienten vor allem dann eine Operation, wenn der Tumor komplett entfernt werden kann und keine Hinweise auf Tochtergeschwülste (Metastasen) vorliegen. Weitere Voraussetzung ist, dass sich der Patient in guter gesundheitlicher Verfassung befindet.
Ziel der Operation ist die vollständige Heilung der Krebserkrankung. Wird der Tumor in einem frühen Stadium erkannt und liegt er im mittleren und unteren Drittel der Speiseröhre, reicht eine operative Entfernung als alleinige Therapiemaßnahme in der Regel aus. Die Ausbreitung der Erkrankung wird bei den meisten Operationsverfahren auch an entnommenen Lymphknoten im Bereich der Speiseröhre überprüft.
In sehr frühen Tumorstadien können eventuell weniger belastende endoskopische Verfahren anstelle einer offenen Operation zum Einsatz kommen: Hier führt der Arzt ein Endoskop in die Speiseröhre ein und trägt mit Hilfe einer elektrischen Schlinge das Tumorgewebe ab, die Speiseröhre selbst bleibt weitgehend erhalten.
Bei weiter fortgeschrittenen Tumoren, die bereits tief in die Speiseröhrenwand oder in das umliegende Gewebe hineingewachsen sind, reicht üblicherweise eine Operation als einzige Therapieform nicht aus. Hier wird die Operation durch eine zuvor gegebene Chemotherapie oder kombinierte Chemo- und Strahlentherapie begleitet.
Nach einer Tumorentfernung verbindet der Operateur die verbleibenden gesunden Teile der Speiseröhre mit dem Magen, um das Schlucken weiterhin zu ermöglichen. Ist der Magen als Ersatz für die Speiseröhre nicht geeignet, wird ein Segment des Dick- oder Dünndarms benutzt.
Konnte durch eine Operation der Tumor vollständig entfernt werden, so ist in der Regel keine weitere Therapie notwendig. Liegen dagegen zum Zeitpunkt der Diagnose bereits Metastasen vor, so reicht eine Operation als einzige Behandlungsmaßnahme zumeist nicht aus.
Wenn die Operation aufgrund einer schlechten gesundheitlichen Verfassung des Patienten nicht in Frage kommt, kann alternativ an eine Bestrahlung gedacht werden. Diese kann grundsätzlich aber auch vor einer Operation (neoadjuvant, präoperativ) zum Einsatz kommen, mit dem Ziel, den Tumor zu verkleinern und dadurch die Operation zu erleichtern.
Um den Behandlungserfolg zu erhöhen, kombinieren die Ärzte die Bestrahlung häufig mit einer Chemotherapie; Fachleute sprechen dann von einer Radiochemotherapie.
Wenn keine vollständige Heilung durch Operation oder Bestrahlung möglich ist, trägt die alleinige Strahlentherapie dazu bei, durch den Tumor hervorgerufene Beschwerden wie Schluckstörungen oder Schmerzen im Brustraum und/oder der Speiseröhre zu lindern (palliative Strahlentherapie).
Bei Patienten mit Speiseröhrenkrebs ist eine Behandlung oder gar Heilung des Tumors durch eine alleinige Chemotherapie nicht möglich. Manchmal erfolgt die Gabe der Zytostatika (Zellgifte) in Kombination mit einer Bestrahlung, als so genannte Radiochemotherapie. Bei inoperablem Tumoren oder Vorliegen von Metastasen kann eine Chemotherapie im Rahmen einer palliativen Behandlung erfolgen, um Beschwerden und Schmerzen beim Schlucken zu lindern.
In manchen Fällen kann ein Tumor die Nahrungspassage vom Mund in den Magen behindern. Auch ist es möglich, dass mit keinem der oben genannten Behandlungsverfahren der Tumor entfernt oder zumindest verkleinert werden kann. In solchen Situationen versuchen die Ärzte die Einengung der Speiseröhre durch ein Drahtgeflecht, einen sogenannten Stent, zu weiten. Ist dies nicht möglich, kommt die Anlage einer Ernährungssonde, fachsprachlich perkutane endoskopische Gastrostomie (PEG) in Frage: Sie wird direkt in den Magen oder sogar den oberen Teil des Darmtraktes gelegt und umgeht so die Engstelle.
Die Operation führt auch nach der ersten Wundheilung bei einigen Patienten zu Schmerzen und Überempfindlichkeit an der Stelle des Eingriffs. Nicht wenige Patienten haben zu Anfang große Probleme mit dem Schlucken, vor allem dann, wenn ein Speiseröhrenersatz durch ein Stück Darm notwendig geworden war oder Vernarbungen auftreten. In einer Rehabilitationsklinik werden betroffene Patienten deshalb meist direkt im Anschluss an die Klinikentlassung entsprechend betreut und behandelt. Betroffene Patienten sollten ihren Arzt auch nach dem Abschluss der ersten Behandlung und einer sich eventuell anschließenden "REHA" auf solche belastende Symptome hinweisen. Häufig können auch anhaltende Beschwerden doch gelindert werden.
Die Bestrahlung der Speiseröhre kann zu Reizungen und Entzündungen der Schleimhaut im betroffenen Bereich führen. Die Entzündung der Speiseröhrenschleimhaut wird als Ösophagitis bezeichnet und tritt in der Regel ab der zweiten Bestrahlungswoche auf. Sie kann das Schlucken erschweren und Schmerzen verursachen. Da die Nebenwirkungen in vielen Fällen bis zum Abschluss der Behandlung zunehmen, können Therapieunterbrechungen die Symptome vorübergehend bessern.
Die meisten dieser Schleimhautentzündungen heilen nach Ende der Bestrahlung innerhalb weniger Tage ab. Bei einigen Patienten kann es jedoch in der Folge bei einer dauernden Empfindlichkeit bleiben, auch führen gelegentlich narbige Umbildungen des bestrahlten Gewebes zu Verengungen. Betroffene brauchen dann eine intensive ärztliche Betreuung, um die Beschwerden zu lindern.
Häufige Begleiterscheinungen einer Chemotherapie sind Übelkeit und Erbrechen, Appetitverlust, Haarausfall, Hautirritationen - auch Schleimhautreizungen im Verdauungstrakt -, Juckreiz, Durchfall und Erschöpfung. Heute lassen sich viele Nebenwirkungen einer Chemotherapie mit wirksamen Maßnahmen lindern. Auch klingen die Beschwerden nach Abschluss der Therapie ab.
Eine ausreichende Kalorienaufnahme ist für alle Krebspatienten wichtig: Gut ernährte Patienten haben ein gesteigertes Wohlbefinden und vertragen eine Tumorbehandlung besser.
Bei Speiseröhrenkrebs kommt der Ernährung eines besondere Rolle zu: So ist Mangelernährung aufgrund von tumorbedingten Beschwerden eine häufige Begleiterscheinung dieser Krebserkrankung. Viele Patienten haben schon vor der Diagnosestellung an Gewicht verloren. Schränkt die Mangelernährung sogar die Durchführbarkeit der Therapie ein, kann es sinnvoll sein, schon früh eine profesionelle Ernährungsberatung hinzuzuziehen, sowohl im Krankenhaus wie auch bei ambulanter Behandlung.
Vor allem in fortgeschrittenen Stadien kommt es häufig ebenfalls zu einer Mangelernährung, etwa wenn der Tumor die Speiseröhre versperrt und das Schlucken erschwert. Schluckstörungen aufgrund einer Verengung des Ösophagus können aber auch eine Folge der Therapie sein.
Andere behandlungsbedingte Symptome wie Übelkeit, Erbrechen, Müdigkeit und Schmerzen beeinträchtigen unter Umständen zudem die Nahrungsaufnahme und damit die Lebensqualität der Patienten. Umso wichtiger ist es, dass die ausreichende Ernährung des Betroffenen sichergestellt ist. Einen allgemeinen Überblick zu diesem Thema finden Betroffene und ihre Familien beim Thema "Gewichtsverlust - was tun?".
Auch Patienten, denen es wieder besser geht, raten Ärzte dazu, anstelle von drei Hauptmahlzeiten lieber mehrere, kleine Mahlzeiten über den Tag verteilt zu sich zu nehmen. Bei Kau- und Schluckbeschwerden empfehlen sich in erster Linie flüssige und breiige Speisen, wie zum Beispiel Suppen, gekochtes Gemüse, Milchmixgetränke oder Pudding. Um Komplikationen beim Schlucken zu vermeiden, sollten Speiseröhrenoperierte auch nach dem Abschluss der Behandlung die Mahlzeiten grundsätzlich nicht im Liegen einnehmen.
Wenn die Ernährung auf normalem Weg, also über den Mund (oral), nicht mehr in ausreichendem Maß möglich ist, kann die Nahrung über eine Sonde zugeführt werden. In den meisten Fällen erhalten Patienten mit Speiseröhrenkrebs in dieser Situation eine sogenannte PEG-Sonde (perkutane endoskopische Gastrostomie). Die Sonde wird über eine kleine Einstichstelle durch die Bauchdecke in den Magen oder den Dünndarm gelegt. Um eine ausreichende Ernährung des Patienten während und nach einer Therapie sicherzustellen, kann eine PEG-Sonde auch vor einer Strahlentherapie gelegt werden: Die Bestrahlung führt zu Schleimhautentzündungen der Speiseröhre, die das Schlucken und die Nahrungsaufnahme vorübergehend stark beeinträchtigen können.
Wie sich Patienten mit Speiseröhrenkrebs nach Abschluss der Behandlungen ernähren können, hängt von der Art der Therapie und eventuell weiterbestehenden Ernährungsproblemen ab.
Eine Auswahl von Broschüren verschiedener Institutionen zum Thema Speiseröhrenkrebs, die innerhalb Deutschland kostenlos erhältlich sind, finden interessierte Leser in der Rubrik "Wegweiser", Stichwort "Broschüren".
Eine bundesweit tätige Selbsthilfegruppe für Patienten mit Ösophaguskarzinom ist dem Krebsinformationsdienst aktuell nicht bekannt. Über eventuell bestehende regionale Angebote informieren vor Ort die Krebsberatungsstellen. Sie bieten Betroffenen und ihren Familien insgesamt Unterstützung bei der Bewältigung der Erkrankung, hier eine Adressliste.