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Arbeiter bei einer Besprechung, Foto: Andor Bujdoso © nd3000 - stock.adobe.com

Arbeiten mit einer Krebserkrankung

Krankschreibung, Krankengeld, Schwerbehindertenausweis, Wiedereingliederung

Wer die Diagnose "Krebs" erhält, sorgt sich häufig nicht nur um seine Gesundheit, sondern auch um den Arbeitsplatz und sein Einkommen. Eine längere Krankschreibung verschlechtert bei vielen Patientinnen und Patienten die finanzielle Situation. Auch aus diesem Grund wollen viele Betroffene nach der Therapie wieder arbeiten.
Doch es gibt Menschen, die längere Zeit mit den Folgen der Erkrankung zu kämpfen haben. Viele ehemalige Patientinnen und Patienten fühlen sich erschöpft und nicht mehr so belastbar. Für sie gibt es Angebote, die helfen, Schritt für Schritt in den Beruf zurückzukehren.
Hier ist individuelle Beratung wichtig: Wer Fragen zum Thema hat, findet in diesem Text Ansprechpartner und Hinweise auf weitere Informationsquellen.

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Diagnose Krebs: Sage ich es meinem Arbeitgeber?

Eine Krankschreibung muss man direkt bei seinem Arbeitgeber abgeben. Wenn möglich, sollte man dem Arbeitgeber auch mitteilen, dass es länger dauern könnte, denn viele Krebspatienten sind für längere Zeit nicht arbeitsfähig: Die Rückkehr in den Beruf hängt auch von der Behandlung und dem Verlauf der Erkrankung ab.

Aber welche Krankheit man hat, muss man nichts sagen – die Diagnose fällt unter den Datenschutz. Sie wird deshalb auch nicht auf dem Krankschreibungs-Formular für den Arbeitgeber eingetragen.

Damit ist es vor allem eine persönliche Entscheidung, ob man am Arbeitsplatz über die Krebserkrankung spricht. Psychoonkologen und Fachleute für rechtliche Fragen empfehlen, diese Entscheidung von der Situation und vom jeweiligen Vertrauensverhältnis abhängig zu machen.

Direkte Vorgesetzte, Arbeitgeber

Ein Mann schaut seine Unterlagen durch. Foto: Tobias Schwerdt © Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum
Man kann selbst entscheiden, ob man seinem Arbeitgeber von der Krebsdiagnose erzählt. Foto: Tobias Schwerdt © Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum

Hat man ein vertrauensvolles Verhältnis, kann es beiden Seiten helfen, vom Krebs zu erzählen. Dann weiß der Arbeitgeber, warum Sie häufiger oder längere Zeit fehlen und kann eher Unterstützung anbieten.
Ist man durch die Folgen der Erkrankung oder der Behandlung eingeschränkt, ist es auch leichter, den Arbeitsplatz gemeinsam an die veränderte körperliche oder seelische Situation anzupassen. Hierbei kann auch der Betriebsarzt helfen. Der Arbeitgeber kann den Betriebsarzt auch beauftragen zu überprüfen, ob man noch arbeiten kann.

Ist das Arbeitsverhältnis nicht so gut und befürchtet man Nachteile? Dann kann es besser sein, die Krebserkrankung oder zumindest Einzelheiten zu verschweigen.
Wenn man Unterstützung braucht, um die Situation mit dem Chef zu klären, kommen Personal- oder Betriebsrat und Schwerbehindertenvertreter infrage.

Spätestens wenn man wieder an den Arbeitsplatz zurück möchte, aber noch unter Einschränkungen leidet, gibt es auch organisierte Unterstützung im Rahmen des "Betrieblichen Eingliederungsmanagements (BEM)", mehr dazu hier.

Arbeitskollegen

Vertraut man einer Kollegin oder einem Kollegen oder hat man ein gutes Verhältnis zum ganzen Team? Dann kann ein offenes Gespräch zu mehr Verständnis für die eigene Situation führen. Manche Krebspatienten wollen jedoch einen "krebsfreien" Lebensbereich behalten und sprechen deswegen am Arbeitsplatz nicht über ihre Krankheit.

Neue Arbeitsstelle: Sich bewerben nach einer Krebserkrankung

Anders sieht die Situation aus, wenn man sich um eine neue Stelle bewirbt. Selbst wenn man sich gesund fühlt, sind zwei Punkte wichtig:

  • Viele Krebspatienten haben in den ersten Jahren nach der Erkrankung einen Schwerbehindertenausweis. Diesen muss niemand bei einer Bewerbung sofort vorlegen. Allerdings verzichtet man damit zunächst auch auf die Vorteile, die Schwerbehinderte am Arbeitsplatz haben.
  • Wenn der neue Arbeitsplatz beispielsweise besondere Anforderungen an die Leistungsfähigkeit stellt, darf der Arbeitgeber fragen, ob man die erfüllen kann. Leidet man unter Einschränkungen, die einem das nicht möglich machen, sollte man dies ansprechen.

Länger krankgeschrieben: Was tun, wenn das Geld nicht reicht?

Wer länger krankgeschrieben ist, der macht sich häufig auch Sorgen um die finanzielle Situation. Das gilt besonders dann, wenn man als Patientin oder Patient für die Familie sorgt oder wenn das Geld schon vor der Erkrankung knapp war. Hinzu kommen auch Kosten, die durch die Erkrankung und ihre Behandlung entstehen können und das Budget belasten.

Wie lange bekommt man sein Gehalt oder Krankengeld?

Mehre Arbeitsunfähigkeitsbescheiningungen, Foto: Tanja Winkler © Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrun
Eine Krankschreibung wird offiziell Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung genannt. Foto: Tanja Winkler © Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrun

Gesetzlich versicherte Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer bekommen in der Regel zunächst sechs Wochen lang ihren Lohn weiter bezahlt, wenn der Arzt sie krankschreibt. Ausnahmen von dieser Regelung kann es aufgrund persönlicher Arbeitsverträge oder Dienstvereinbarungen geben.

Ist man länger krankgeschrieben, zahlt die Krankenkasse. Nimmt man Lohnfortzahlung und Krankengeld zusammen, ist man bis zu 78 Wochen finanziell abgesichert.

Gesetzlich versicherte Selbstständige können mit ihrer Krankenkasse ein Krankengeld vereinbaren. Oder sie erhalten Krankentagegeld, wenn sie eine zusätzliche private Krankentagegeld-Versicherung abgeschlossen haben.

Was tun, wenn man nach 78 Wochen noch nicht wieder arbeiten kann?

Das hängt davon ab, ob man Rente beantragen wird, oder ob doch noch eine Chance darauf besteht, wieder arbeiten zu können. Solange diese Situation unklar ist, kann die sogenannte "Nahtlosigkeitsregelung" greifen, vorausgesetzt, man erfüllt einige Grundvoraussetzungen. Die Nahtlosigkeitsregelung soll mögliche zeitliche Lücke zwischen dem auslaufenden Krankengeld und beispielsweise einem späteren Arbeitsbeginn oder einem Rentenbeginn überbrücken. In dieser Zeit erhält man Arbeitslosengeld I.

Wie sieht es aus, wenn man nicht gesetzlich versichert ist?

Privat krankenversicherte Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer bekommen von ihrer Krankenversicherung nur dann Krankentagegeld, wenn sie das vorher mit ihrer Krankenkasse vereinbart haben.

Beamte und andere Beihilfeberechtigte erhalten ihre Bezüge im Krankheitsfall erst einmal ohne Befristung weiter. Für wie lange dies gilt, sowie weitere Details regeln die jeweiligen Bundes- und Landesbeamtengesetze.

Wieviel muss ich zu Therapie und Medikamenten zuzahlen?

Eine Apotherkerin sucht das verschriebene Medikament. Foto: © Federico Masicano, Fotolia
Die Zuzahlung zu Medikamenten nennt man auch Rezeptgebühr. Foto: © Federico Masicano, Fotolia

Gesetzlich Versicherte zahlen in der Regel einen Teil der entstehenden Kosten selbst zum Beispiel bei Arzneimitteln, Heil- und Hilfsmitteln, bei Krankenhaus- und Reha-Aufenthalten.
Allerdings gibt es für diese Zuzahlungen eine Obergrenze, die sogenannte „Belastungsgrenze". Sie liegt bei 2 Prozent der Bruttoeinnahmen, dabei zählt nicht nur das eigene Einkommen, sondern das des gesamten Haushalts. Für chronisch Kranke liegt die Belastungsgrenze bei 1 Prozent der Bruttoeinnahmen.
Wer annimmt, die Kriterien als „chronisch Kranker" zu erfüllen, sollte mit seinem Arzt darüber sprechen. Stellt der eine Bescheinigung aus, entscheidet letztlich die Krankenkasse.

Falls man selbst oder ein mitversichertes Familienmitglied mindestens Pflegegrad 3 hat, reicht eine Bescheinigung für die Krankenkasse, um die Belastungsgrenze auf 1 Prozent herabzusetzen.

Um die Kosten jenseits der Belastungsgrenze erstattet zu bekommen, muss man alle Belege sammeln und am Jahresende bei der Krankenkasse einreichen.

Für Privatversicherte gilt: Sie müssen nur zuzahlen, wenn ihr Tarif das vorsieht. Für Beamte gelten je nach Dienstherrn eigene Regeln zur Belastungsgrenze.

Kann ich mich von weiteren Zuzahlungen befreien lassen?

Ist die persönliche Belastungsgrenze bereits erreicht, kann man noch im laufenden Jahr einen Antrag auf Zuzahlungsbefreiung stellen. Für den Rest des Jahres muss man dann nicht mehr hinzu zahlen.

Wer seine Reha von der gesetzlichen Rentenversicherung bezahlt bekommt und wenig verdient, kann sich gänzlich von einer Zuzahlung zur Reha befreien lassen – auch, wenn er seine Belastungsgrenze noch nicht erreicht hat. Wie viel man verdienen darf und welche weiteren Voraussetzungen gelten, erfährt man vom Rentenversicherungsträger.

Bekomme ich Geld, wenn ich in die Reha gehe?

Rehasport, Foto: Tobias Schwerdt © Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum
Rehasport, Foto: Tobias Schwerdt © Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum

Je nachdem, wer die Reha finanziert, bekommt man als gesetzlich Versicherter zum Beispiel Krankengeld von der Krankenkasse oder Übergangsgeld von der Rentenkasse. Wer eine Grundsicherung erhält, bekommt diese auch während einer Reha.

Privat Versicherte bekommen nur dann Geld während der Reha, wenn sie das mit ihrem Versicherer vorher vereinbart haben. Für Beamte gelten die jeweiligen beamtenrechtlichen Regelungen.

Es gibt jedoch noch einige Sonderfälle – ist der Krebs zum Beispiel eine anerkannte Berufskrankheit, erhalten Arbeitnehmer Verletztengeld von ihrer Berufsgenossenschaft oder Unfallkasse. Weitere Informationen erhält man vom Dachverband "Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung".

Bekomme ich finanzielle Unterstützung, wenn ich erst nach und nach wieder in den Beruf zurückkehre?

Man bekommt auch Geld, wenn man stufenweise wieder beginnt zu arbeiten. Geregelt wird das über das sogenannte "Betriebliche Eingliederungsmanagement" (BEM). Je nachdem, wer die Wiedereingliederung finanziert und was der eigene Arbeitsvertrag oder die eigene Dienstvereinbarung vorsehen, kann das beispielsweise aus Krankengeld, Übergangsgeld, Arbeitslosengeld und/oder Gehalt bestehen.

Wo kann ich zusätzlich Geld beantragen?

Ein Paar mit Geldsorgen. Foto: ©Halfpoint/Thinkstock
Bei geringem Einkommen kann man zusätzliche Gelder beantragen. ©Halfpoint/Thinkstock

Wird das Geld knapp, kommen die gesetzlichen Hilfen zur sozialen Sicherung infrage: zum Beispiel Arbeitslosengeld II ("Hartz IV") als Hilfe zum Lebensunterhalt oder als Aufstockung zum Krankengeld. Je nach Bedarf können auch einzelne Leistungen beantragt werden wie zum Beispiel Wohngeld.

Betroffene in finanzieller Not können sich an verschiedene private Stiftungen oder Vereine wenden. Diese prüfen das Einkommen und fragen in der Regel auch nach, ob alle gesetzlichen und privaten Hilfsmöglichkeiten ausgeschöpft sind. Erst wenn die Situation den jeweiligen Kriterien entspricht, entscheiden sie über die Zahlung eines meist einmaligen Geldbetrags.
Wichtig: Ein Rechtsanspruch darauf besteht nicht.

Die wichtigste Anlaufstelle in Deutschland ist der Härtefonds der Stiftung Deutsche Krebshilfe. Er zahlt einmalig einen Betrag von maximal 800,00 Euro. Es gibt weitere Härtefonds, die vor Ort oder bundesweit zuständig sind.

Krebs schränkt ein: Brauche ich einen Schwerbehindertenausweis?

Das Sozialgesetzbuch, Foto: Tobias Schwerdt © Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum
Das Sozialgesetzbuch, Foto: Tobias Schwerdt © Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum

Nach einer Krebsdiagnose können Betroffene einen Antrag auf einen Schwerbehindertenausweis stellen. Dabei können die Kliniksozialdienste schon während der stationären Behandlung helfen. Erhält man eine ambulante Therapie, kann man sich bei einer regionalen Krebsberatungstelle Unterstützung für das Ausfüllen der Formulare holen.

Den Schwerbehinderten-Status erhalten die meisten Betroffenen erstmal unabhängig vom tatsächlichen Gesundheitszustand. Je nach Tumorart und Stadium gilt er bis zu fünf Jahre. In dieser Zeit, der sogenannten Heilungsbewährung, soll sich zeigen, wie gesund man ist. Nach dieser Frist wird neu bewertet.

Die Anerkennung einer Schwerbehinderung hat Vorteile: Mit einem solchen Ausweis hat man zum Beispiel Anspruch auf Steuererleichterungen, zusätzlichen Urlaub und einen erweiterten Kündigungsschutz.

Wieder arbeiten nach Krebs: Wiedereingliederung, Teilzeit, oder Umschulung?

Verschiedene Untersuchungen haben ergeben, dass etwa zwei Drittel aller Berufstätigen, die an Krebs erkranken, nach einiger Zeit wieder arbeiten. Die Motivation ist bei den meisten Betroffenen hoch. Doch wenn man durch die Krankheit und die Therapie nicht mehr so belastbar ist, sollte der Wiedereinstig ins Arbeitsleben behutsam erfolgen.

Was muss mein Arbeitgeber tun, wenn ich wieder arbeiten möchte?

Ein Lehrer erklärt seinen Schülern etwas am Computer. Foto: ©goodluz - stock.adobe
Viele Betroffene wollen wieder arbeiten. Foto: ©goodluz - stock.adobe

Viele Berufstätige schaffen den Sprung zurück ins Arbeitsleben ohne großen Aufwand. Doch was tun, wenn dies nicht klappt? Wem es schwerer fällt, der sollte sich nicht scheuen, die Angebote zu einem schonenderen Wiedereinstieg anzunehmen.

Seit 2004 sind Arbeitgeber verpflichtet, Mitarbeitern, die im letzten Jahr für mindestens sechs Wochen arbeitsunfähig waren, ein „Betriebliches Eingliederungsmanagement (BEM)" anzubieten. Dabei werden alle Krankheitstage der letzten zwölf Monate zusammengezählt.

Das BEM sieht zunächst ein vertrauliches Gespräch mit dem Arbeitgeber und – je nach Situation – auch mit dem Betriebsrat oder dem Personalrat und dem Schwerbehindertenvertreter vor. Darin soll geklärt werden, wie man am besten wieder in den beruflichen Alltag zurückkehren kann.

Es gibt unterschiedliche BEM-Maßnahmen, wie zum Beispiel eine Reha, die Anpassung des Arbeitsplatzes, eine Umschulung oder eine stufenweise Rückkehr in den Arbeitsalltag nach dem Hamburger Modell. Je nach Situation wählen die Beteiligten gemeinsam daraus das Passende aus.

Habe ich Anspruch auf eine Wiedereingliederung?

Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in Vollzeit oder Teilzeit und Auszubildende haben Anspruch auf ein Betriebliches Eingliederungsmanagement. Das gilt ebenso für Beamte.

Selbständige haben Anspruch auf eine stufenweise Rückkehr ins Arbeitsleben nach dem Hamburger Modell, wenn sie die Voraussetzung dafür erfüllen. Dafür müssen sie zum Beispiel gesetzlich krankenversichert sein oder lange genug in die gesetzliche Rentenversicherung eingezahlt haben.

Das Hamburger Modell, die stufenweise Wiedereingliederung, kann man als Arbeitnehmer und Beamter auch beantragen, wenn der Arbeitgeber einem kein Betriebliches Eingliederungsmanagement angeboten hat. Ansprechpartner ist dann der Hausarzt, der den Antrag auf Finanzierung an die Krankenkasse weiterleitet. Wenn die Krankenkasse den Antrag genehmigt, muss der Arbeitgeber zustimmen.

Was muss ich als Arbeitnehmer tun?

Als Arbeitnehmer ist man nicht verpflichtet, an einem Betrieblichen Eingliederungsmanagement (BEM) teilzunehmen. Man kann sogar ein laufendes BEM stoppen. Allerdings könnte das dem Arbeitgeber erleichtern zu kündigen – hier sollte man sich vorab arbeitsrechtlich beraten lassen.

Anders sieht es mit dem sogenannten Krankenrückkehrgespräch aus. Das findet auf Wunsch des Arbeitgebers statt. In diesem Gespräch soll geklärt werden, ob und wie die Erkrankung die Arbeitsfähigkeit beeinflusst. Dieses Gespräch müssen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer führen. Woran man erkrankt ist, muss man aber nicht erzählen.

Was, wenn ich trotz Wiedereingliederung nicht mehr so arbeiten kann wie früher?

Ein Schreiner bei Holzarbeiten, Foto: ©Anna Berdnik - stock.adobe
Es gibt mehrere Möglichkeiten, den Arbeitplatz nach einer Krebserkrankung zu erhalten. Foto: ©Anna Berdnik - stock.adobe

Betroffene haben noch weitere Möglichkeiten, ihre Belastung zu reduzieren. Man kann zum Beispiel weniger arbeiten – Teilzeit statt Vollzeit. Man sollte nur beachten, dass man auch weniger verdient. Wenn man die Voraussetzungen dafür erfüllt, kann man eine teilweise Erbwerbsminderungsrente beantragen, um das Gehalt aufzustocken.

Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer haben Anspruch auf Teilzeit, wenn sie länger als sechs Monate für den jetzigen Arbeitgeber arbeiten. Allerdings muss der Betrieb groß genug sein, in der Regel mit mindestens 15 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Außerdem dürfen keine betrieblichen Gründe dagegen sprechen. Unter Umständen kann der Arbeitgeber auch verlangen, dass man auf eine andere Stelle innerhalb des Betriebs wechselt. Für Beamte gelten die entsprechenden beamtenrechtlichen Regelungen.

Eine Umschulung ist eine weitere Möglichkeit, um wieder arbeiten gehen zu können. Sie kommt zum Beispiel infrage, wenn man nicht mehr im erlernten Beruf arbeiten kann, und man innerhalb des Betriebs nicht anderweitig unterkommen kann. Innerhalb der sogenannten "Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben" (berufliche Reha) finanzieren verschiedene Leistungsträger dann auch Umschulungen. Bei Krebspatientinnen und Krebspatienten, die zurück in den Beruf wollen, sind das zum Beispiel die gesetzliche Rentenversicherung, die Agentur für Arbeit oder die Träger der Grundsicherung.

Sorge um den Arbeitsplatz: Kann mein Arbeitgeber kündigen?

Zu den Sorgen um die eigene Gesundheit kommt bei Betroffenen häufig die Angst hinzu, den Arbeitsplatz ganz zu verlieren und in finanzielle Not zu geraten. Ein Arbeitgeber kann auch einem Mitarbeiter mit einer Krebserkrankung kündigen. Er ist dabei aber an strenge Vorschriften des Arbeitsrechts gebunden. Wer ein Betriebliches Eingliederungsmanagement (BEM) ablehnt, kann leichter gekündigt werden, als jemand, der ein BEM mitträgt. Einen erweiterten Kündigungsschutz bietet zum Beispiel der Status der Schwerbehinderung.

Wer sich rund um eine drohende Kündigung weiter informieren möchte, sollte unbedingt einen Ansprechpartner wählen, der sich mit Arbeitsrecht auskennt.

Wenn arbeiten nicht mehr geht: Wie funktioniert das mit der Rente?

Was meint "Reha vor Rente“?

Rehasport © Christopher Pattberg/Thinkstock
Die medizinische Reha soll vorrangig die Gesundheit wieder herstellen. Foto: © Christopher Pattberg/Thinkstock

Wenn man noch nicht im Rentenalter ist, aber längerfristig nicht mehr voll arbeiten kann, kann man einen Antrag auf eine sogenannte Erwerbsminderungsrente stellen.

Bevor man diese erhält, prüft die Deutsche Rentenversicherung, ob man durch eine medizinische oder berufliche Rehabilitation (Leistung zur Teilhabe am Arbeitsleben) wieder arbeitsfähig werden kann – und zwar nicht nur im bisherigen Beruf, sondern auch in anderen Berufen. Zu den Maßnahmen kann daher auch eine Umschulung gehören.

Das gilt für Arbeitnehmerinnen, Arbeitnehmer und Selbständige, die in die Rentenversicherung einzahlen. Zu den Konditionen, die außerdem noch erfüllt sein müssen, berät unter anderem die Deutsche Rentenversicherung. Für Beihilfeberechtigte gibt es ähnliche Regelungen, hier bieten die Beihilfestellen vor Ort weitere Informationen an.

Wann bekomme ich eine Erwerbsminderungsrente?

Wenn feststeht, dass man trotz Reha (Reha vor Rente) längerfristig nicht mehr arbeiten kann, kann man eine Erwerbsminderungsrente erhalten. Voraussetzung dafür ist, dass man seit mindestens fünf Jahren Mitglied in der Deutschen Rentenversicherung ist und in dieser Zeit mindestens 36 Monate lang eingezahlt hat. Ausnahmen gibt es bei Schwerbehinderung.

Die Rente wird danach festgelegt, wie viele Stunden täglich man noch arbeiten kann. Wer noch mindestens drei, aber weniger als sechs Stunden pro Tag arbeiten kann, hat Anspruch auf eine teilweise Erwerbsminderungsrente. Bei weniger als drei Stunden pro Tag kommt eine volle Erwerbsminderungsrente infrage. Details und eventuelle Besonderheiten erfährt man über die die Deutsche Rentenversicherung.

Bei anerkannten beruflich bedingten Krebserkrankungen kommt auch die Berufsgenossenschaft oder Unfallkasse infrage. Den richtigen Ansprechpartner für Berufskrankheiten erfährt man beim Dachverband "Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung".

Früher in Rente wegen Schwerbehinderung

Schwerbehindertenausweis, Foto: © Doris Heinrichs - Fotolia
Auf Antrag erhalten die meisten Krebspatienten den Schwerbehindertenstatus. Foto: © Doris Heinrichs - Fotolia

Wann man das Rentenalter erreicht, hängt davon ab, wann man geboren wurde und wie lang man eingezahlt hat. Bis zum Jahr 2029 steigt das Mindestalter stufenweise von bisher 65 auf 67 Jahre an. Wer früher in Rente gehen will, erhält weniger Rente.

Menschen mit einem Schwerbehindertenausweis können zwei Jahre früher in Rente gehen – ohne Abschläge. Voraussetzungen sind, dass sie bereits über 35 Jahre versichert sind und ihr Schwerbehindertenausweis noch gültig ist, wenn sie in Rente gehen. Auch für Schwerbehinderte gilt: Wer noch früher in Rente geht, erhält weniger Rente.

Zu Ausnahmen und Besonderheiten wie Altersteilzeit und besondere Geburtsjahrgänge informiert unter anderem die Deutsche Rentenversicherung.

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