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Medikamente © Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum

Medikamente mit Krebsrisiko: Tees, Nahrungsergänzung - Krebs aus der Natur?

Warum Kräutertees oder weitere pflanzliche und natürliche Mittel nicht immer risikofrei sind

In der Diskussion um ein mögliches Krebsrisiko durch Arzneimittel lassen viele Menschen eine Gruppe von Medikamenten außer Acht: Pflanzliche Produkte, sogenannte Naturheilmittel, Kräutertees oder auch Vitamine gelten den meisten Deutschen von vornherein als sanft, nebenwirkungsarm und nützlich.
Doch stimmt diese Annahme wirklich?  Sind "pflanzliche" Mittel generell frei von Nebenwirkungen? Und wie wird die Qualität sogenannter Nahrungsergänzungsmittel überprüft?
Mehr zum Thema "Krebsrisiko durch Arzneimittel" hat der Krebsinformationsdienst im folgenden Text zusammengestellt. Links führen zu vertiefenden Informationen und genutzten Quellen.

Letzte Aktualisierung: 12.01.2016

Naturheilmittel, traditionelle Medizin, Kräuter und Heilpflanzen: Bedeutet "pflanzlich" auch "nebenwirkungsfrei"?

Von traditionellen europäischen oder auch asiatischen Heilmitteln sind in den letzten Jahren unerwartete Risiken bekannt geworden. Sehr populär war vor einigen Jahren beispielsweise ein chinesisches Rheumamittel, das viele Menschen über das Internet bestellt hatten: Doch es enthielt krebserzeugende Extrakte einer asiatischen Aristolochia-Art, der Osterluzei. Auch Stichproben asiatischer Mittel zum Abnehmen enthalten immer wieder solche Pflanzenauszüge. 

Dabei ist schon seit den 1980er Jahren bekannt, dass Substanzen aus den verschiedenen Aristolochia-Pflanzenarten zu Nierenschäden führen können. Die Internationale Krebsforschungsagentur (IARC, www.iarc.fr) wies bereits 2002 darauf hin, dass auch ausreichende Daten für die krebserzeugende Wirkung beim Menschen vorliegen.

Gibt es weitere Beispiele für Naturheilmittel, die eine Krebsgefahr bergen können?

Bei einer aktuellen Neubewertung stufte die IARC dann auch Gingko-Extrakte, Auszüge aus Aloe, die Kanadische Gelbwurz, Kava Kava oder Rauschpfeffer und einige in Deutschland weniger verbreitete Pflanzenextrakte als "möglicherweise krebserzeugend" ein.

  • In Deutschland sind solche pflanzlichen Arzneimittel inzwischen einer strengen Prüfung unterworfen, oder sie sind ganz vom Markt verschwunden.

Trotzdem gibt es immer wieder Warnhinweise der Behörden: Ein Problem ist die Bestellung übers Internet, bei der man es oft auch bei deutschen Seiten in Wirklichkeit mit Anbietern zu tun hat, die außerhalb der EU arbeiten. In Nicht-EU-Ländern fehlt aber häufig die Kontrolle von Arzneimitteln und Nahrungsergänzungsmitteln, die es bei uns gibt. Auch an den Produktionsbedingungen ist oft einiges auszusetzen, so dass Verunreinigungen möglich sind.

Bei Importpräparaten, beispielsweise bei Mitteln der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM), geht auch die Stiftung Warentest davon aus, dass viele vermeintlich harmlose Präparate nicht nur ungeprüfte pflanzliche Inhaltsstoffe, sondern auch unerlaubte und nicht deklarierte Inhaltsstoffe enthalten.

Heilkräutertees: Keine Durstlöscher für jeden Tag

Natürliche oder pflanzliche Produkte sind aber auch bei sehr sorgfältiger Herstellung nicht zwangsläufig "sanft" oder frei von Nebenwirkungen.  Selbst so vergleichsweise harmlose Mittel wie Tees, Salben mit Pflanzenextrakten oder manche Duftöle zur Aromatherapie können bei unkritischer Verwendung ein Risiko bergen.

Der Grund: Pflanzliche Arzneimittel oder Nahrungsergänzungsmittel, Kräutertees etc. entfalten ihre Wirkung ja gerade aufgrund von Inhaltsstoffen, die bei Überdosierung schädlich oder zumindest mit Nebenwirkungen verbunden sein können. Und: Viele dieser Inhaltsstoffe produzieren Pflanzen in Wirklichkeit ja, um sich vor Insektenbefall, Pilzkrankheiten oder anderen Gefahren schützen.
Möglich sind bei unsachgemäßer, zu häufiger oder insgesamt unkritischer Anwendung Allergien, aber auch Leber- oder Nierenprobleme und weitere Risiken.

Immer wieder kommt es jedoch auch bei handelsüblichen Kräuter- und Teemischungen, die als Lebensmittel gelten, zu Problemen. In Stichproben werden Beimischungen gefunden, die nicht hinein gehören: natürliche, aber krebserregende Stoffe, die bei unsachgemäßer Produktion in die Tees gelangen können.
Häufig handelt es sich um sogenannte Pyrrolizidinalkaloide aus Pflanzen, die sich mit diesen Stoffen gegen Fressfeinde schützen, und die versehentlich bei der Kräuterernte mit in die Tees gelangen. Beispiele sind das Jakobskreuzkraut und weitere Pflanzen aus der Gruppe der Greiskräuter, die in Europa wild wachsen.

Jakobskreuzkraut oder Jakobsgreiskraut enthält riskante Pyrrolizidinalkaloide © Christian Fischer
Jakobsgreiskraut enthält riskante Pyrrolizidinalkaloide © Christian Fischer

Eine andere Gruppe sind krebserzeugende Ölbestandteile in sehr aromatischen Tees oder Gewürzen, etwa Methyleugenol, Safrol oder Estragol. Enthalten sein können diese Stoffe in Sassafrasöl, Kampfer, Lorbeeröl, Myrtenöl, Rosenöl, Fenchelöl und Muskatnüssen. Heute muss der Gehalt streng kontrolliert werden.  

  • Insgesamt gilt: Die arzneiliche Wirkung von Pflanzen sollte niemand unterschätzen.
  • Deshalb empfehlen Experten, Heilkräutertees, andere pflanzliche Zubereitungen oder sogar homöopathische Präparate grundsätzlich nicht ohne den Gedanken an mögliche Nebenwirkungen über längere Zeit zu verwenden.
  • Die meisten Kräutertees, denen eine echte Heilwirkung zugeschrieben wird, sind deshalb auch keine Getränke für jeden Tag.
  • Wer sich vor möglichen Risiken durch Lebensmittel und Tees schützen möchte, sollte auf Abwechslung setzen, so die Empfehlung der Bundesbehörden: So minimiert man das Risiko durch Produkte, die der strengen Lebensmittelüberwachung entgangen sind.

Konkret heißt dies: Man sollte nicht jeden Tag das Gleiche essen, nicht jeden Tag den gleichen Tee trinken.

Vitamine und Nahrungsergänzungsmittel: Sind sie gesund oder gefährlich?

Selbst auf den ersten Blick so harmlose Stoffe wie Vitamine unterliegen der Kritik: Aus Studien wusste man seit Mitte der 90er Jahre, dass Beta-Karotin, die Vorstufe des Vitamin A, insbesondere bei Rauchern das Lungenkrebsrisiko steigern kann. In Medikamenten, wo Karotin oft noch als Farb- und Hilfsstoff eingesetzt wird, darf daher seit mehreren Jahren eine festgelegte Menge nicht überschritten werden.

Neuere Studien, in denen der Nutzen von Vitamintabletten insbesondere mit der Kombination A, C und E überprüft wurde, belegten, dass selbst diese viel beworbenen Präparate keineswegs vor Krebs schützen. Im Gegenteil: Sie können das Tumorrisiko sogar steigern.

Von Vitaminen, die über die ganz normale Ernährung aufgenommen werden, sind entsprechende Risiken nicht bekannt: Obst und Gemüse schaden nicht, sondern senken das Krebsrisiko.

Insgesamt gilt: Nicht nur Vitamine und Mineralstoffe, auch andere Nahrungsergänzungsmittel halten Experten für weitgehend überflüssig. Wer sich ausgewogen ernährt, braucht sie nicht, auch dann nicht, wenn eine Erkrankung wie Krebs aufgetreten ist. Pillen können eine gesunde Ernährung oder bei Bedarf eine medizinische Ernährungsberatung und Ernährungstherapie nicht ersetzen.

Mehr wissen: Links, Adressen, Fachinformationen (Stand: 1/2016)

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