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Patient beim Utraschall, Foto: kreativwerden - Fotolia.com © Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum

Therapeutischer Ultraschall

Krebstherapie mit Schallwellen

Die Behandlung mit Schallwellen ist ein vergleichsweise neues Konzept in der Krebsmedizin. Ultraschall wird bisher vor allem zur Krebsuntersuchung angewendet. Doch die intensiven Strahlen lassen sich auch zur Behandlung nutzen. Bisher gibt es allerdings noch keine Anwendungen, die wirklich das Stadium der Forschung verlassen haben und zur Routine in der Krebsmedizin gehören. Was sich hinter Abkürzungen wie HIFU oder Begriffen wie Fokussierung verbirgt, erläutert der folgende Text.

Er richtet sich an Interessierte sowie an Krebspatienten, denen die Behandlung mit entsprechenden Verfahren angeboten wurde, etwa im Rahmen einer klinischen Studie. Was im Einzelnen für einen Krebspatienten sinnvoll ist, ob therapeutischer Ultraschall möglich ist oder andere Verfahren bessere Chancen bieten, können allerdings nur die behandelnden Ärzte beantworten: Ein solches Gespräch lässt sich durch Informationen aus dem Internet nicht ersetzen.

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Überblick: Was ist therapeutischer Ultraschall?

Ultraschallwellen sind Schallwellen oberhalb der menschlichen Hörschwelle. In der Krebsmedizin werden sie nicht nur zur Bilderzeugung (diagnostischer Ultraschall) benutzt. Moderne Anwendungen eignen sich auch dazu, Tumoren zu zerstören. Entsprechende Erfahrungen gibt es zum Beispiel mit Prostatakrebs. Die Schallwellen beim therapeutischen Ultraschall sind viel intensiver als die beim diagnostischen Ultraschall. Sie werden gezielt auf die Tumorregion gerichtet. Dadurch werden die Zellen stark erhitzt und schließlich zerstört. Das umliegende Gewebe bleibt weitgehend verschont. Diese Therapiemöglichkeiten gehören derzeit allerdings noch nicht zu den Standardverfahren.

Definition: Was bedeutet HIFU?

Hinter dieser Abkürzung verbirgt sich eine der therapeutischen Anwendungen, die schon vergleichsweise häufig eingesetzt werden. HIFU steht für "hochintensiver fokussierter Ultraschall". Das heißt, energiereiche Ultraschallwellen werden durch eine Art Hohlspiegel gebündelt (fokussiert) auf einen Punkt gelenkt. Dadurch entsteht Hitze, mit der Tumorzellen in einem relativ genau bestimmten Bereich eingeschmolzen werden können. Da sich das Gewebe nur im Brennpunkt ausreichend stark erhitzt, werden gesunde Zellen in der Umgebung geschont.

Indikation: Wann wird HIFU in der Krebsmedizin eingesetzt?

Derzeit wird der hochintensive fokussierte Ultraschall meist nur zur Behandlung des Prostatakarzinoms eingesetzt. In frühen klinischen Studien wird derzeit erforscht, ob sich HIFU auch zur Behandlung anderer Tumoren eignet, zum Beispiel von Brustkrebs, Nierenkrebs, Leber- und Pankreaskarzinomen, Schilddrüsen- und Hirntumoren.

Funktionsweise: Was bewirkt HIFU im Gewebe?

Entscheidend beim hochintensiven Ultraschall ist seine thermische Wirkung auf das Gewebe: Die Ultraschallwellen werden vom Gewebe aufgenommen. Durch die aufgenommene Energie erhitzen sich die Zellen auf 70 bis etwa 100 Grad Celsius. Bei hohen Temperaturen gerinnt das Zelleiweiß, die Zellen werden dadurch funktionsunfähig. Der Körper baut die zerstörten Zellen innerhalb kurzer Zeit ab. Außerhalb des Zielbereichs erwärmt sich das Gewebe nur wenig und bleibt so verschont. Bei großen Tumoren reicht eine einzelne fokussierte Ultraschallanwendung allerdings nicht aus: Um ein größeres Tumorvolumen zu zerstören, wird der Brennpunkt immer wieder neu gewählt. Daher kann die HIFU-Behandlung sehr zeitaufwändig sein, anders als zum Beispiel eine klassische Bestrahlung.

Risiken: Welche Nebenwirkungen kann eine HIFU-Therapie haben?

Nutzen und Schaden einer hochintensiven Ultraschall-Therapie werden derzeit noch in Studien erforscht. Selbst in der Behandlung von Prostatakrebs lässt sich der Nutzen noch nicht abschließend beurteilen – obwohl für diese Therapieform bereits sehr viel geworben wird, mehr dazu im Text zur Strahlentherapie des Prostatakarzinoms.

Nebenwirkungen entstehen üblicherweise dann, wenn neben dem Tumorgewebe auch gesundes Gewebe geschädigt wird. Dies lässt sich nicht immer ausschließen. Je nachdem, welches Gewebe betroffen ist, können unterschiedliche Nebenwirkungen auftreten. Durch die Hitzeeinwirkung kann es unmittelbar während und nach einer HIFU zu Schmerzen oder auch leichteren Verbrennungen kommen, das mitbetroffene Gewebe schwillt an. Werden kleinere Nerven beeinträchtigt, sind Empfindungsstörungen möglich. Ein Beispiel bietet auch hier die  Behandlung von Prostatakrebs: Die HIFU-Therapie kann zunächst zu sehr starken Schwellungen führen, Patienten benötigen einige Tage einen Blasenkatheter, um Wasser lassen zu können. Gewebeschäden können auch eine dauerhafte Blasenschwäche hervorrufen oder Verengungen der Harnröhre, die den Gang zur Toilette erschweren. Durch Schädigung von Nerven und Blutgefäßen kann es bei Betroffenen langfristig zu einer Impotenz kommen. Mit welchen Nebenwirkungen genau bei einer Behandlung zu rechnen ist und wie wahrscheinlich diese auftreten, darüber können aber nur die behandelnden Ärzte Auskunft geben.

Weiterentwicklung: Magnetresonanz-geführter fokussierter Ultraschall (MRgFUS)

Ultraschall-Therapien lassen sich auch mit anderen Verfahren kombinieren: Die Magnetresonanztomographie ist ein bildgebendes Verfahren, das es erlaubt, detaillierte Aufnahmen aus dem Körperinnern zu machen. Die Magnetresonanz-Technik ermöglicht es Ärzten auch, Tumoren präzise einzugrenzen sowie die Temperatur im Gewebe in Echtzeit zu messen. Eine Kombination des hochintensiven Ultraschalls und der Magnetresonanz-Technik wird als Magnetresonanz-geführter fokussierter Ultraschall (MRgFUS) bezeichnet. Diese bisher noch experimentelle Methode soll es Ärzten in Zukunft erleichtern, das den Tumor umgebende, gesunde Gewebe bei einer Ultraschallbehandlung zu schonen.

Sie ist technisch allerdings nicht leicht umsetzbar und wird außerhalb von klinischen Studien bislang nur selten eingesetzt. In Studien wird das Verfahren beispielsweise bei Patienten mit schmerzhaften Knochenmetastasen geprüft. Es soll eine schmerzlindernde Wirkung haben. Die Hoffnung ist, dass es außerdem zur Verkleinerung der Metastasen beiträgt. Diese Behandlungsmethode gilt jedoch als palliativ, Tumoren können damit nicht geheilt werden. Das Verfahren wird nur in Erwägung gezogen, wenn andere Behandlungen keinen Erfolg versprechen.

Zum Weiterlesen: Linktipps, Quellen, Fachinformationen