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Blutentnahme © Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum

Krebsmarker, Gentests, Tumormarker: Das Wichtigste in Kürze

Der folgende Text des Krebsinformationsdienstes erläutert, was ein Tumormarker, was ein prädiktiver Marker und was ein Prognosefaktor ist. Und was steckt eigentlich hinter dem Begriff "Liquid Biopsy"?
Beantwortet werden Fragen, die Krebspatienten und ihre Angehörigen häufig an den Dienst richten. Weiterführende Informationen, die zur Beantwortung genutzten Quellen sowie Linktipps finden sich im Text "Hintergrund: Moderne Biomarker in der Onkologie".
Welche Untersuchung wann wichtig ist, sollte man als Patient auf jeden Fall auch mit den eigenen Ärzten besprechen. Informationen aus dem Internet können diese persönliche Beratung nicht ersetzen.

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Was sind Tumormarker? Wozu dienen prädiktive oder Prognosefaktoren?

Krebszellen können "Tumormarker" produzieren und ins Blut abgeben. Einige der Marker gibt es zwar auch bei Menschen ohne Krebs. Sie kommen bei Gesunden aber nicht in so großer Menge wie bei Krebs vor. Solche Unterschiede lassen sich deshalb zur Untersuchung nutzen.
Ärzte können Tumormarker zum Beispiel in einer Blutprobe messen, bei manchen Markern genügt sogar eine Urinprobe.

  • Allerdings gibt es längst nicht für alle Krebsarten solche Marker: Viele Tumorzellen unterscheiden sich nicht genug von gesunden Zellen und produzieren keine für die Krebskrankheit typischen Stoffe.

"Prädiktive Faktoren" geben Ärzten andere Hinweise: Sie zeigen an, ob eine bestimmte Behandlung bei einem Patienten überhaupt wirken kann.
Besonders wichtig sind prädiktive Faktoren, wenn ein modernes zielgerichtetes Medikament eingesetzt werden soll. Viele dieser Mittel wirken nur, wenn die Tumorzellen bestimmte Eigenschaften aufweisen. Die Bestimmung "prädiktiver Faktoren" bei einem Patienten gibt darüber Auskunft. Liegen sie nicht vor, ist es nutzlos, einen Patienten mit dem Mittel zu behandeln: Sein Tumor weist die typischen Veränderungen gar nicht auf, an denen das Mittel ansetzt.

Als "Prognosefaktor" können eigentlich alle Ergebnisse verschiedenster Untersuchungen herangezogen werden.
Oft geben erst mehrere verschiedene Untersuchungen oder Tests gemeinsam die Möglichkeit, etwas über die Prognose eines Patienten auszusagen - also darüber, wie die Krankheit voraussichtlich verlaufen wird. Allgemein geeignet sind aber vor allem die Befunde, die einen gezielteren Hinweis auf den voraussichtlichen Verlauf einer Krebserkrankung bieten.

  • Eine hundertprozentig sichere Voraussage des Schicksals eines Patienten erlauben jedoch weder Tumormarker noch sonstige Messwerte oder Untersuchungsergebnisse. 

Ist Krebs vererbbar? Gibt es Gentests?

Die meisten Krebserkrankungen entstehen spontan. Ein hohes Krebsrisiko kann von einer Generation nur an die nächste vererbt werden, wenn sich die zugrunde liegende Veränderung im Erbmaterial von Mutter oder Vater, in Ei- oder Samenzellen findet. Bei einigen familiären Krebserkrankungen sind die beteiligten Gene bekannt und können in aufwändigen Tests nachgewiesen werden, etwa bei Unterformen von Brustkrebs oder Darmkrebs. Weitere Informationen finden sich im Text "Krebs: Was ist das eigentlich?" im Abschnitt "Ist Krebs vererbbar?".

Kann man mit einem Bluttest oder einem Gentest Krebs feststellen?

So einfach ist es nicht. Man kennt längst nicht für jede Krebsart Tumormarker. Selbst wenn es für eine Krebsform spezifische Marker gibt: Viele sind nicht nur bei Krebs nachweisbar oder zeigen auffällige Untersuchungswerte. Rauchen oder eine Entzündung können beispielsweise viele Marker ebenfalls verändern. Ein einzelner von der Norm abweichender Messwert beweist daher noch nicht, dass ein Patient Krebs hat. Die Ursache der Veränderung muss der Arzt noch durch weitere Untersuchungen abklären.

Ein typisches Beispiel für einen solchen Tumormarker ist PSA, das prostataspezifische Antigen: Ein einzelner erhöhter Wert kann auf Prostatakrebs hindeuten, aber auch auf eine Prostataentzündung.

Auch Gentests sind schwierig: Bei den meisten Patienten sind nur in den Krebszellen selbst und nicht im ganzen Körper veränderte Gene zu finden.
Man kann also die meisten Gentests nicht einfach an einer Blutprobe durchführen. Nur bei wenigen Patienten spielen Erbanlagen eine Rolle, die in der Familie weitergegeben werden. Dann ist rein theoretisch auch ein Bluttest sinnvoll, weil die veränderten Gene in allen Zellen zu finden sind. Solche Erbanlagen kennt man zum Beispiel von seltenen familiären Brustkrebs oder familiärem Darmkrebs.  

Was ist die sogenannte "Liquid Biopsy"?

Gerade bei den Gentests und weiteren sehr ausgefeilten Untersuchungen am Erbmaterial von Krebszellen bietet die Forschung möglicherweise bald neue Lösungen an:
Man weiß heute, dass sich bei vielen Krebspatienten auch im Blut Tumorzellen nachweisen lassen, die sich von der Geschwulst abgelöst haben. Auf diesen Nachweis war lange kein Verlass, denn ob diese abgelösten Zellen wirklich mit dem eigentlichen Tumor übereinstimmten, ließ sich nicht sicher sagen. Ärzte waren daher sehr vorsichtig damit, aus dem Nachweis dieser Zellen und ihren Eigenschaften Aussagen zur eigentlichen Erkrankung abzuleiten.

Heute kann man allerdings sehr viel genauere Analysen an diesen einzelnen Zellen vornehmen. Und vielleicht erspart die Untersuchung dieser Zellen zumindest einigen Patienten in Zukunft die Entnahme von Gewebeproben in einer Biopsie. Daher hat sich für solche Tests auch der Begriff "flüssige Biopsie" oder englisch "Liquid Biopsy" eingebürgert.

  • Noch ist es allerdings nicht soweit. Die allermeisten dieser Tests sind noch im Forschungsstadium. Krebspatienten erhalten solche Untersuchungen fast ausschließlich nur in Studien.
  • Anbietern, die mehr versprechen und gegen oft sehr viel Geld solche Tests anbieten, sollte man misstrauen. Dieser Hinweis gilt nicht nur für Krebspatienten, sondern auch für Menschen, die eine Liquid Biopsy zur Krebsfrüherkennung machen möchten.

Hintergründe bietet das Informationsblatt "Liquid Biopsy", hier zum Laden und Ausdrucken als PDF.

Lässt sich vorab testen, ob und wie eine Behandlung wirken wird?

Manche sehr spezielle Marker liefern Hinweise, ob eine bestimmte Behandlung bei einem Patienten überhaupt wirken wird. Solche Marker nennt man "prädiktive Faktoren". Viele dieser Marker kann man nur in entnommenem Tumorgewebe nachweisen, manche sind aber auch im Blut messbar. Der Arzt wird aber auch andere Kriterien in die Entscheidung für oder gegen eine bestimmte Behandlung mit einbeziehen. Für viele wichtige Therapieverfahren ist die vorherige Messung prädiktiver Marker gar nicht möglich oder auch nicht notwendig.
Ein Beispiel für solche prädiktiven Faktoren sind Hormonrezeptoren bei Brustkrebs: Lassen sich diese "Andockstellen" für Hormone wie Östrogen oder Gestagen im Tumorgewebe nachweisen, ist bei der Patientin eine antihormonelle Behandlung sinnvoll. Bei Männern mit Prostatakrebs ist dieser Nachweis nicht notwendig: Ihr Tumor wächst praktisch immer abhängig vom Hormon Testosteron, die Hormonblockade wirkt so gut wie bei allen Männern, zumindest für einen längeren Zeitraum. Betroffene Patienten können eine antihormonelle Behandlung daher auch ohne "prädiktive" Testung bekommen. 

Gibt es Tests, mit denen man voraussehen kann, wie wahrscheinlich ein Rückfall ist?

Es gibt viele mögliche Hinweise darauf, wie aggressiv ein Tumor wahrscheinlich wachsen wird. Einen einzelnen Test für jeden Patienten zur genauen Bestimmung des Rückfallrisikos gibt es jedoch nicht. Als sogenannte Prognosefaktoren kommen sehr viele unterschiedliche Dinge in Frage: einige Tumormarker, das Aussehen der Zellen unter dem Mikroskop, die Beobachtung, wie schnell der Tumor wächst, oder wie die Krebszellen auf Behandlung ansprechen. Manche Tumoren haben biologische Besonderheiten, von denen man heute weiß, dass sie auf ein hohes Rückfallrisiko hindeuten. Auch das Alter und der allgemeine Gesundheitszustand eines Patienten bieten wichtige Informationen. Trotzdem kann ein Arzt nie genau vorhersagen, wie die Erkrankung bei einem bestimmten Patienten genau verlaufen wird.

An wen kann man sich wenden, wenn man solche Untersuchungen machen lassen möchte?

Das kommt darauf an, um welche Frage es dabei geht:

  • Ist man Patient und möchte wissen, ob die Tumoreigenschaften Anhaltspunkte für die Prognose bieten?  Oder ob bestimmte Merkmale die Behandlungswahl beeinflussen? Ein Beispiel wäre die Frage, ob zielgerichtete Medikamente wirken oder nicht.
  • Oder geht es um die Abklärung, ob man ein vererbbares hohes Krebsrisiko trägt? Ein Beispiel wäre die Situation, in Angehörige an Krebs erkrankt sind.

Bei Fragen zur Behandlungswahl und Prognose

Fachleute diskutieren zurzeit, welche Qualitätsanforderungen in Zukunft für die entsprechende Testung gelten sollten. In den spezialisierten Krebszentren werden moderne Biomarker, die für den Verlauf und die Prognose einer Erkrankung wichtig sind, heute routinemäßig getestet, zum Teil auch innerhalb von Studien. Die Untersuchung wird also von den Ärzten veranlasst, die auch die weitere Behandlung regeln. Gleiches gilt für Tests auf die Wirksamkeit moderner zielgerichteter Medikamente. Wie man ein geeignetes Zentrum findet, erläutert der Krebsinformationsdienst in seinem Informationsblatt "Arzt- und Kliniksuche: Gute Ansprechpartner finden" (PDF).

Bei Fragen zu einem erblichen Krebsrisiko

Gentests, mit denen sich etwas über das Risiko einer vererbbaren Krebserkrankung sagen lässt, setzen eine umfangreiche Beratung voraus. Diese wird in Deutschland nur von qualifizierten Zentren angeboten.
Humangenetische Beratungsstellen sind zum Beispiel eine wichtige Anlaufstelle.

Weitere Informationen hierzu finden Interessierte unter den einzelnen Krebsarten in den Abschnitten zu "Risikofaktoren", Stichwort "Vererbung" oder "Genetische Risiken".

Tests aus dem Internet?

Im Internet stößt man gelegentlich auf Angebote, mit denen man online Gentests auf mögliche erbliche Krankheitsrisiken bestellen kann. Oder Tumorpatienten werden mit Werbung für Tests konfrontiert, mit denen man angeblich den Erfolg einer Chemotherapie oder einer anderen Behandlung voraussagen kann.
Fachleute sprechen von "Direct to Consumer-Tests" oder DTC-Tests. Viele dieser Anbieter haben ihren Firmensitz nicht in Deutschland, sondern zum Beispiel in den USA. Die Qualität der Durchführung und die Aussagekraft der Ergebnisse orientieren sich daher meist nicht an den deutschen Vorgaben, und sie sind nicht überprüfbar. Bei diesen Dienstleistungen fehlt zudem meist eine fachgerechte und qualifizierte Beratung. Insbesondere DTC-Tests auf genetische Eigenschaften sind in Deutschland streng genommen sogar verboten.