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Szintigraphie, Foto: Wikimedia Commons © Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum

Szintigraphische Untersuchungen in der Krebsmedizin

Beispiele für Patienten und Interessierte

Bei der Szintigraphie bekommt man als Patient eine radioaktiv markierte Substanz gespritzt, ein sogenanntes Radiopharmakon. Dieses breitet sich im Körper aus und reichert sich in bestimmten Regionen vermehrt an. Das Verteilungsmuster im Körper kann Rückschlüsse auf Erkrankungen zulassen. Dies macht man sich auch in der Krebsmedizin zunutze, um Tumoren und Metastasen aufzuspüren oder Organfunktionen zu prüfen. Da Tumorzellen oft ein anderes Stoffwechselverhalten haben als gesunde Körperzellen, reichern sie mehr (seltener: weniger) Radiopharmaka an als diese. So lassen sich Tumoren und Metastasen im Szintigramm nachweisen. Szintigraphische Methoden können zur Untersuchung vieler Organsysteme eingesetzt werden. Häufige Anwendungen betreffen das Skelett, die Schilddrüse, die Lunge, die Nieren, das Gehirn oder das Herz. Einige in der Krebsmedizin wichtige Szintigraphie-Verfahren werden im Folgenden kurz vorgestellt.

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Quellen und Links

Für den folgenden Text hat der Krebsinformationsdienst aktuelle Lehrbücher der bildgebenden Diagnostik und der Nuklearmedizin als Quelle genutzt. Weitere Quellen und ergänzende Informationen sind am Ende des Kapitels "Überblick: Häufig gestellte Fragen zur Szintigraphie" aufgeführt.

Knochen- oder Skelettszintigraphie

Die Skelettszintigraphie ist eine der am häufigsten angewendeten szintigraphischen Untersuchungen. Sie eignet sich sehr gut, um Veränderungen im Knochenstoffwechsel aufzuspüren. Diese können ein Hinweis auf Knochentumoren oder Absiedelungen anderer Krebserkrankungen in die Knochen sein. Das Risiko für Knochenmetastasen betrifft am ehesten Patientinnen und Patienten mit Brustkrebs, Prostatakrebs und Lungenkrebs, aber auch mit Tumoren der Niere, der Schilddrüse oder des Darmes. Bei Lymphomen lässt sich die Miterkrankung des Knochens ebenfalls mit einer Szintigraphie abklären. Wird in einem Knochenszintigramm etwas Auffälliges gefunden, sind allerdings oft weitere Untersuchungen notwendig. Nur so können Ärzte und Betroffene sichergehen, dass es sich wirklich um einen Tumor und nicht um Entzündungen oder Verschleiß der Knochen handelt.

Welches Radiopharmakon wird verwendet?

Technetium im Periodensystem © Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum
Bei der Knochenszintigraphie wird ein mit Technetium markiertes Arzneimittel verwendet. © Krebsinformations-dienst, Deutsches Krebsforschungszentrum

Knochen bestehen zu einem großen Teil aus Hydroxylapatit, einer Verbindung aus Kalzium und Phosphat. Der gesunde Knochen wird ständig auf- und abgebaut. Kranke Knochenanteile, zum Beispiel Entzündungen, Tumoren oder Metastasen, haben oft eine andere Zellteilungsrate als gesundes Gewebe. Bei ihnen ist der Stoffwechsel meist beschleunigt. Das heißt: Sie speichern mehr Kalzium und Phosphat – selten allerdings auch weniger. Die Anreicherung ist außerdem von der Dicke und der Durchblutung des Knochens abhängig, die bei Tumoren ebenfalls verändert sein können.

Diese veränderten Bedingungen machen sich Ärzte bei der Szintigraphie zunutze: Man erhält eine Phosphatverbindung gespritzt, die in den Knochenstoffwechsel einbezogen wird. Diese Phosphatverbindung wird mit einem radioaktiven Stoff markiert, mit Technetium  (Tc-99-m). Da Technetium sich in den kranken Knochenanteilen verstärkt anreichert, können diese auf den Bildern als dunkle Flecken erkannt werden.

Wie läuft die Knochenszintigraphie ab?

Vor der Untersuchung führt man ein Gespräch mit dem behandelnden Arzt. Es werden mögliche Risiken der Untersuchung besprochen und man hat Gelegenheit, Fragen zu stellen.

Anschließend bekommt man das Radiopharmakon in eine Armvene gespritzt. Danach sollte man viel trinken und häufig die Blase entleeren, damit man den Anteil der radioaktiven Substanz, der nicht im Knochen angereichert wird, rasch wieder ausscheidet.

Etwa zwei bis drei Stunden nach der Verabreichung des Medikaments werden Aufnahmen mit der Gammakamera gemacht. Die Bilderstellung selbst dauert - je nach Fragestellung - fünfzehn bis vierzig Minuten. Bei der sogenannten Sequenz- oder Mehrphasen-Skelettszintigraphie werden mehrere Aufnahmen in bestimmten zeitlichen Abständen gemacht, davon eine bis zwei bereits direkt nach der Injektion des Radiopharmakons. So lässt sich die Verteilung des Medikaments im Körper auch zeitlich mitverfolgen. Die Ärzte erhalten so beispielsweise Hinweise auf die Durchblutung des Tumors und können besser zwischen bösartigen Tumoren und gutartigen Entzündungsreaktionen im Knochen unterscheiden.

Schilddrüsenszintigraphie

Schilddrüsenszintigraphie © Universität Leipzig, Klinik und Poliklinik für Nuklearmedizin, Direktor: Univ.-Prof. Dr. med. Osama Sabri
Szintigraphische Darstellung einer gutartigen Schilddrüsenerkrankung vor (links) und nach (rechts) einer Radioiodtherapie. © Universität Leipzig, Klinik und Poliklinik für Nuklearmedizin, Direktor: Prof. Dr. med. Osama Sabri.

Die Schilddrüse und die von ihr gebildeten Hormone spielen eine wichtige Rolle im Stoffwechsel des Menschen. Wird bei einem Patienten im Ultraschallbild oder durch Tasten des Halses eine Veränderung der Schilddrüse festgestellt, ein sogenannter Schilddrüsenknoten, kann der Verdacht auf einen Tumor bestehen. Auch auffällige Laborwerte nach einer Blutuntersuchung können für eine Erkrankung sprechen. Eine Szintigraphie hilft dabei, zwischen Schilddrüsenkrebs und den viel häufigeren gutartigen Schilddrüsenknoten zu unterscheiden.

Als Radionuklide werden radioaktives Jod oder Technetium eingesetzt. Anders als bei vielen anderen szintigraphischen Untersuchungen sind bei der Schilddrüse besonders solche Gebiete im Szintigramm verdächtig, in denen wenig Strahlung zu erkennen ist: Bösartige Tumoren verstoffwechseln das Radiopharmakon vergleichsweise schlecht. Diese Gebiete nennt man "kalte Knoten", dahinter kann sich eine Krebserkrankung verbergen. "Heiße Knoten" sind Gebiete, in denen das Radiopharmakon vermehrt angereichert wird, sie deuten eher auf eine gutartige Schilddrüsenveränderung hin. Eine sichere Diagnose lässt sich aber oft erst durch eine Gewebeentnahme, die sogenannte Biopsie, oder eine Operation stellen.

Lungenszintigraphie

Mit der Lungenszintigraphie können Ärzte die Durchblutung und die Belüftung der Lunge untersuchen, fachsprachlich: "Perfusion" und "Ventilation". Diese Art der Untersuchung nennt man auch Funktionsszintigraphie: Die Beurteilung der Lungenfunktion ist insbesondere für Patienten wichtig, bei denen aufgrund eines Tumors oder Metastasen größere Teile der Lunge entfernt werden müssen: Bei ihnen geht es um die Frage, ob die nach der Operation verbleibenden Lungenanteile noch für die Atmung ausreichen. Ob eine Szintigraphie notwendig ist oder andere Untersuchungen ebenso gut infrage kommen, muss man im Einzelfall mit den behandelnden Ärzten besprechen.

Lymphszintigraphie

Die Lymphgefäße transportieren Gewebeflüssigkeit zurück ins Blut. In den Lymphknoten, die viele Zellen des Immunsystems enthalten, wird die Lymphe gefiltert und gereinigt. Bei vielen Krebsarten wandern Tumorzellen durch die Lymphbahnen in benachbarte Lymphknoten. Lymphknoten in der Nähe eines Tumors sind daher oft als erstes betroffen, wenn der Tumor Zellen absiedelt. Diese Lymphknoten werden als Wächterlymphknoten oder Sentinel-Lymphknoten bezeichnet.

Mithilfe der Szintigraphie lässt sich der Lymphabfluss in der Umgebung von Tumoren darstellen. So können die Wächterlymphknoten ausfindig gemacht und anschließend operativ entfernt werden, was die Heilungschance verbessern kann. Wächterlymphknoten spielen besonders beim Mammakarzinom und dem malignen Melanom eine Rolle, aber auch bei anderen Tumoren.
Auch hier gilt: Es gibt Alternativen zur Szintigraphie. Die Wächterlymphknoten lassen sich in vielen Situationen auch mithilfe blauer Farbe nachweisen, die man während der Operation gespritzt bekommt, sogenanntem "Patentblau". Szintigraphie und Patentblau lassen sich auch kombinieren.

Weitere szintigraphische Verfahren zur Tumordarstellung

Es gibt verschiedene szintigraphische Untersuchungen, die speziell zur Tumor- und Metastasensuche eingesetzt werden können. Diese Verfahren beruhen darauf, dass Tumorzellen sich von gesunden Zellen unterscheiden.
Die Zellen mancher Tumorarten tragen besondere Eiweiße auf der Oberfläche, an die bestimmte Botenstoffe binden, zum Beispiel Hormone. Solche Bindungsstellen nennt man Rezeptoren. Man kann diese Bindungsstellen und somit die Tumorzellen nachweisen, indem der Patient ein Radiopharmakon verabreicht bekommt, das an diese Rezeptoren auf der Tumorzelloberfläche  bindet.

Ähnlich funktioniert die Immunszintigraphie: Hier werden radioaktiv markierte Antikörper eingesetzt, die an bestimmte Tumormarker oder Bestandteile der Tumorzelle binden.

Im Rahmen klinischer Forschung werden auch die verschiedenen Verfahren der Szintigraphie weiterentwickelt. Ziel ist es, die Aussagekraft der Untersuchung zu verbessern und die Belastung für Patienten zu verringern.

Zum Weiterlesen: Linktipps, Quellen, Fachinformationen