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Frau mit Lupe und Mammografiebild, Foto: Sven Bähren - Fotolia.com © Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum

Mammographie zur Früherkennung von Brustkrebs

Informiert entscheiden: Nutzen und Risiken der Untersuchung

In Deutschland haben Frauen zwischen 50 und 69 Jahren die Möglichkeit, alle zwei Jahre zur Mammographie zu gehen. Fachleute sprechen bei solchen Routineuntersuchungen Gesunder auch von "Screening". Welchen Nutzen können Teilnehmerinnen erwarten?
Diese Frage beantworten nicht alle Experten gleich. Klar ist: Die Mammographie kann Brustkrebs nicht verhindern. Die Befürworter gehen davon aus, dass unter dem Strich trotzdem der Nutzen überwiegt: Wird Brustkrebs früher erkannt, ist die Behandlung weniger belastend und statistisch erfolgreicher. Kritiker gehen davon aus, dass die Nachteile dennoch überwiegen: zum Beispiel unnötige Untersuchungen und Beunruhigung, falls eine Frau durch die Mammographie zunächst mit einem Krebsverdacht leben muss, der sich später nicht bestätigt.

Welche Gründe sprechen aus Sicht der Befürworter für das Screening? Welche aus Sicht der Kritiker dagegen? Hintergründe bietet der folgende Text. Fragen beantwortet der Krebsinformationsdienst außerdem am Telefon und per E-Mail.

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Genutzte Quellen und Links

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Mammographie: Wichtigste Untersuchung auf Brustkrebs

Die Mammographie ist eine Röntgenuntersuchung der Brust. Schon sehr kleine, nicht tastbare Tumoren können sichtbar gemacht werden. Die Mammographie ist derzeit die beste, wenn auch keine unfehlbare Methode zur Abklärung eines Brustkrebsverdachts.

Auch zur Früherkennung wird sie seit langem eingesetzt: Man kann Brustkrebs durch regelmäßige Untersuchungen zwar nicht vorbeugen. Veränderungen in der Brust lassen sich aber schon nachweisen, bevor sie als Knoten oder Verhärtung tastbar sind. Besonders gut sichtbar ist sogenannter Mikrokalk: kleinste Kalkablagerungen, die auf Umbauprozesse im Gewebe hindeuten. Bei vielen Frauen, bei denen später eine Form von Brustkrebs festgestellt wird, war Mikrokalk das erste Anzeichen für die Erkrankung.
Frauen, die sich zur Untersuchung entschließen, müssen allerdings wissen: Mit der Mammographie allein lässt sich nicht sicher feststellen, ob eine Veränderung gut- oder bösartig ist. Daher muss ein Krebsverdacht immer mit weiteren Untersuchungen abgeklärt werden. Dazu zählen unter Umständen eine Biopsie und die Untersuchung des entnommenen Gewebes unter dem Mikroskop.

Nutzen und Schaden in der Diskussion

Mammographie-Screening © Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum
Krebsfrüherkennung © Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum

Was ist das Besondere an der Mammographie? Warum gehört sie in Deutschland für Frauen zwischen 50 und 69 Jahren zum gesetzlichen Krebsfrüherkennungsangebot?

Was kann die Mammographie bieten?
Die Untersuchung ermöglicht, anders als die alleinige Tastuntersuchung der Brust, eine echte Frühdiagnose von Brustkrebs. Damit lassen sich die Heilungschancen verbessern. Fachleute gehen aktuell davon aus, dass pro 1.000 Frauen, die zwanzig Jahre lang am Mammographie-Screening teilnehmen, etwa zwei bis sechs vor dem Tod durch Brustkrebs bewahrt werden.
Der Nutzen dieser früheren Entdeckung wird als größer eingeschätzt als das Risiko von Schäden durch die Röntgenstrahlung, die bei der Untersuchung eingesetzt wird.

Warum gibt es Kritik an der Mammographie?
Kritiker der Mammographie bringen andere Argumente ins Spiel:
Sie führen an, dass der Nutzen der regelmäßigen Mammographie die Risiken nicht aufwiegt. Sie verweisen auch auf das Risiko durch letztlich unnötige Untersuchungen, Beunruhigung sowie Überdiagnosen und damit sogar eventuell unnötige Behandlungen.
Unnötig wäre die Beunruhigung, wenn bei der Mammographie ein Brustkrebsverdacht entsteht, der sich bei weiteren Untersuchungen aber nicht bestätigt.

Diese Sorge ist nicht unberechtigt:

  • Auch bei sorgfältiger Durchführung kann es dazu kommen, dass die Mammographie keinen eindeutigen Befund ergibt. Solche unklaren Ergebnisse müssen weiter abgeklärt werden, durch erneute Mammographien und/oder Ultraschalluntersuchungen und eventuell durch die Entnahme einer Gewebeprobe.
  • In der Mammographie werden auch Veränderungen in der Brust entdeckt, von denen man nicht genau weiß, wie sie sich weiter entwickeln. Von Überdiagnose sprechen Experten, wenn ein Brustkrebs behandelt wird, der nur langsam oder gar nicht wächst und deshalb das Leben der betroffenen Frau nicht beeinträchtigt hätte.

Ein Beispiel sind Brustkrebsvorstufen, sogenannte Duktale Carcinoma in Situ, abgekürzt DCIS. Noch weiß man nicht mit abschließender Sicherheit, wie häufig sich daraus tatsächlich ein Brustkrebs entwickelt, der sich ausbreitet. Dies bedeutet: Ein Teil der Frauen mit solchen Krebsvorstufen wird möglicherweise unnötig behandelt. Andererseits gibt es Studien, die darauf hindeuten: DCIS können bei einigen Frauen sogar metastasieren, ohne dass sich die Brusttumoren selbst weiter entwickelt hätten. Dann wäre auf jeden Fall eine Behandlung notwendig.
Solange die Unterscheidung zwischen gefährlichen und weniger gefährlichen Frühformen von Brustkrebs nicht sicher möglich ist, wird von den meisten Experten allen Frauen mit DCIS eine Therapie empfohlen.

  • Aktuell gehen die Autoren der offiziellen Entscheidungshilfe zur Mammographie in Deutschland davon aus, dass von 1.000 Frauen die über zwanzig Jahre regelmäßig am Mammographie-Screening teilnehmen, etwa 9 bis 12 eine Überdiagnose und damit eine eventuell unnötige Behandlung erhalten.

Gibt es Alternativen zur Mammographie?
Nein, derzeit nicht, wenn es um die Früherkennung geht. Ob Untersuchungen per Ultraschall oder die Magnetresonanztomographie (MRT) in gleichem Maße das Risiko verringern, an Brustkrebs zu sterben, ist nicht klar. Beide kommen deshalb nur als ergänzende Untersuchungen infrage. Für die Mammographie als Früherkennungsuntersuchung gelten strenge Vorschriften, die die Qualität der Untersuchung und der Ergebnisse sichern.

Symptome oder Beschwerden? Gleich zum Arzt gehen!

Reicht es aus, regelmäßig zur Mammographie zu gehen? Was tun, wenn man bei sich selbst Symptome entdeckt, wie zum Beispiel Knoten, Hautveränderungen oder Einziehungen an der Brust?

  • Dann sollte man nicht bis zum nächsten Früherkennungstermin warten, sondern möglichst gleich einen Termin beim Frauenarzt vereinbaren.

Um solche Auffälligkeiten abzuklären, ist eine Mammographie jederzeit möglich. In dieser Situation ist ihr Nutzen völlig unbestritten.

Gesetzliches Programm in Deutschland: Anspruch für Frauen zwischen 50 und 69 Jahren

Das gesetzliche Früherkennungsprogramm bietet allen Frauen ab dem Alter von 30 Jahren einmal jährlich eine Tastuntersuchung von Brust und Achselhöhlen an.
Ab dem Alter von 50 wird man alle zwei Jahre zu einer Mammographie eingeladen, bis zum Alter von 69 Jahren. 

  • Die Kosten für das Screening übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen. Ist man privat versichert, sollte man vorab die Kostenübernahme mit seiner Krankenversicherung klären.
  • Die Teilnahme ist keine Pflicht, sondern freiwillig. Wer nicht hingehen möchte, muss keine Konsequenzen für die Versicherung oder andere Folgen fürchten.

Was gilt, wenn man älter als 69 Jahre ist oder keine Mammographie möchte? Dann gilt weiter das Angebot, einmal jährlich beim Frauenarzt Brust und Achselhöhlen abtasten zu lassen.
Adresse und Geburtsdatum für die Einladung kommen vom Einwohnermeldeamt. Datenschutz ist dabei selbstverständlich: Weder werden Adresse und Geburtsdatum zu anderen Zwecken genutzt noch werden weitere personenbezogene Daten für die Früherkennungsmammographie benötigt.

Mehr zur Brustkrebsfrüherkennung bietet der gleichnamige Text. Wie die Krebsvorsorge in Deutschland insgesamt organisiert ist und welche weiteren Untersuchungen außer der Mammographie noch für Frauen dazu gehören, erläutert der Text "Das gesetzliche Früherkennungsprogramm".

Qualitätssicherung: Untersuchung nur in spezialisierten Zentren

Beurteilung von Mammographiebildern © Picture Partners - Fotolia.com
Beurteilung von Mammographiebildern © Picture Partners - Fotolia.com

Welche Vorgaben gelten außer den Altersgrenzen für eine Mammographie zur Brustkrebsfrüherkennung?
Im Rahmen des gesetzlichen Angebots kann man die Untersuchung nur in bestimmten spezialisierten Zentren wahrnehmen, also nicht beim eigenen Frauenarzt. Für einige ländliche Regionen stehen als mobile Untersuchungszentren auch speziell ausgestattete Fahrzeuge zur Verfügung, um Frauen lange Anfahrtswege zu ersparen.

Die sogenannten Screening-Einheiten werden ausschließlich von speziell fortgebildeten und erfahrenen Ärztinnen und Ärzten geleitet, die eine Zulassung für das Screening haben.

  • Das jeweils nächstgelegene Zentrum wird im Einladungsschreiben genannt.

Eine Überweisung vom behandelnden Gynäkologen oder Hausarzt ist nicht erforderlich. Der behandelnde Arzt kann auf Wunsch aber eine Kopie aller Befunde erhalten. Und: Er bleibt wichtiger Ansprechpartner, wenn man Fragen zur Mammographie hat. Zur Aufklärung über die Mammographie kann man auf Wunsch außerdem einen extra Termin mit einem Spezialisten der regionalen Früherkennungseinheit vereinbaren.

Warum diese Vorgaben zur Qualitätssicherung?
Die Mammographie wurde noch vor wenigen Jahren von sehr vielen Ärzten angeboten. Die meisten führten die Untersuchung allerdings vergleichsweise selten durch. Sie konnten daher nur wenig Erfahrung mit der Auswertung sammeln, und nicht selten fehlte ihnen die Übung, auch kompliziertere Befunde richtig zu deuten.
In der Folge kam es oft zu unnötigen weiteren Abklärungsuntersuchungen und Gewebeentnahmen. Trotzdem wurden in Deutschland im internationalen Vergleich Karzinome zu häufig übersehen, mit allen Konsequenzen für betroffene Frauen.

Im offiziellen Mammographie-Screening-Programm wird heute eine überprüfbare Qualität angestrebt. Eine Früherkennungs-Mammographie kann man daher nur noch in den dafür vorgesehenen Einrichtungen machen lassen.
Dort arbeiten spezialisierte Fachleute, die sich regelmäßig weiterbilden müssen. Alle Mammographiebilder werden von zwei Ärzten durchgesehen statt von einem. Die Qualität ihrer Arbeit sowie die Ergebnisse aller Zentren werden regelmäßig kontrolliert.
Diese Kontrolle wirkt, auch wenn sich Fehler nie ganz vermeiden lassen: Die bisher vorliegenden Daten zum deutschen Mammographie-Programm zeigen, dass die vorgegebenen Qualitätskriterien weitgehend eingehalten werden.

Ablauf: Wenn man sich zur Früherkennung entschlossen hat

Die Einladung zum Mammographiescreening erhalten Frauen zwischen 50 und 69 Jahren per Post. In diesem Schreiben wird ein Termin in der nächstgelegenen Screening-Einheit vorgeschlagen, den man bestätigen, verschieben oder absagen kann. Entsprechende Telefonnummern und E-Mail-Adressen der zuständigen zentralen Stellen erfährt man auf der Internetseite des Mammographie-Screening-Programms www.mammo-programm.de/termin.

  • Hatte man innerhalb der letzten 12 Monate bereits eine Mammographie, sollte man sich mit der Screening-Einheit in Verbindung setzen und klären, ob die Untersuchung überhaupt notwendig ist.
  • Frauen, die bereits an Brustkrebs erkrankt sind, können dies ebenfalls der einladenden Stelle mitteilen.

Mit der Einladung erhält man auch eine Entscheidungshilfe, die über die Untersuchung und deren Vor- und Nachteile informiert. Hat man dennoch Fragen, kann man einen gesonderten Termin mit einem Arzt oder einer Ärztin der regionalen Mammographie-Stelle vereinbaren.

Am Tag der Untersuchung

Eine besondere Vorbereitung am Tag der Untersuchung ist nicht notwendig. Man sollte lediglich kein Deo und keine Cremes oder Puder im Brust- und Achselbereich verwenden. Außerdem sollte man Kleidung wählen, bei der man den Oberkörper leicht freimachen kann. Für die Mammographie muss man sich nicht vollständig ausziehen.

Die Untersuchung selbst führt eine Assistentin oder ein Assistent durch, ein Arzt oder eine Ärztin sind nicht dabei. Es werden zwei Aufnahmen von jeder Brust angefertigt. Dies dauert nur wenige Minuten (mehr zur Durchführung hier). Danach darf man wieder gehen.

Auf den Befund muss man etwas länger warten: Die Aufnahmen werden innerhalb der folgenden Tage von zwei Ärzten unabhängig voneinander beurteilt. Sie haben große Erfahrung mit der sogenannten Befundung, also dem Sichten und Bewerten von Mammographie-Röntgenaufnahmen. Das Ergebnis erhält man einige Tage später per Brief.

  • Ist kein Anhaltspunkt für ein Mammakarzinom zu finden, muss die Mammographie erst zwei Jahre später wiederholt werden.
  • Nur wenn ein auffälliger Befund vorliegt, wird man zu einer weiteren Mammographie oder einer Ultraschalluntersuchung eingeladen.

Lässt sich der Brustkrebsverdacht dadurch nicht ausräumen, schlagen die Ärzte eine Gewebeentnahme vor, um die Probe auf Tumorzellen zu untersuchen.

Weitere Informationen zum Ablauf des Screenings erhält man auf der Internetseite des Mammographie-Screening-Programms unter www.mammo-programm.de/zehn-schritte/.

Qualitätssicherung wichtig

Die Kooperationsgemeinschaft Mammographie (www.mammo-programm.de) koordiniert das Screening in Deutschland. Sie wird getragen von den gesetzlichen Krankenkassen und der Kassenärztlichen Bundesvereinigung. Die Kooperationsgemeinschaft ist auch für die Qualitätskontrolle verantwortlich – sowohl hinsichtlich des Ablaufs als auch der Ergebnisse. Mit Überprüfung der Abläufe und Ergebnisse sowie regelmäßigen Zertifizierungen der Screening-Einheiten sollen die Qualitätsstandards eingehalten werden.

Pro und contra: Nutzen und Risiken des Mammographie-Screenings

Nutzen: Modellrechnungen – was man bisher weiß

Die Entscheidungshilfe, die alle Frauen mit der Einladung zur Mammographie erhalten, bietet folgende Rechnung:

  • Wenn 1.000 Frauen zur Mammographie gehen, haben 970 ein unauffälliges Ergebnis.
  • 30 Frauen werden erneut eingeladen: Bei ihnen wird eine Veränderung festgestellt, die weiter abgeklärt werden muss. Dazu gehören etwa eine erneute Mammographie und eine Ultraschalluntersuchung. Bei einem kleineren Teil dieser Frauen wird auch eine Gewebeentnahme notwendig, eine sogenannte Biopsie.
  • 6 Frauen erhalten danach die Diagnose Brustkrebs. 24 Frauen haben keinen Brustkrebs und werden nach zwei Jahren erneut zur Mammographie eingeladen.

Diese Zahlen wurden auch bei der letzten Auswertung des Jahres 2015 für das deutsche Mammographie-Programm in etwa bestätigt.

Keine Untersuchung ist hundertprozentig sicher:

Fachleute gehen davon aus, dass es Frauen gibt, die trotz unauffälliger Mammographie bis zur nächsten Untersuchung die Diagnose Brustkrebs erhalten. Diese Erkrankungen innerhalb der zwei Jahre, die jeweils zwischen den Mammographien liegen, bezeichnen Fachleute als sogenannte "Intervallkarzinome".

Wann ist die Mammographie weniger genau?

Gelten diese Aussagen zur Verlässlichkeit für alle Frauen gleich? Eine Einschränkung bezüglich der Aussagekraft der Mammographie ist allgemein anerkannt: Bei Frauen mit besonders dichtem Brustgewebe ist die Mammographie schwieriger zu beurteilen. 
Darauf macht die deutsche Leitlinie "Brustkrebs" von 2012 aufmerksam. Ein dichtes Brustgewebe findet sich unter anderem bei Frauen, die noch die "Pille" zur Empfängnisverhütung oder eine Hormonersatztherapie anwenden. Dies kann die Genauigkeit der Untersuchung beeinträchtigen.
Zur weiteren Abklärung auffälliger Befunde ist dann auch eine Ultraschalluntersuchung möglich.

Risiken: "Überdiagnose" und unnötige Beunruhigung

Was führen Kritiker gegen die Früherkennung durch regelmäßige Mammographien an?

Mit der Mammographie werden bei nicht wenigen Frauen auch Frühformen von Brustkrebs entdeckt und behandelt, die allein mit der Tastuntersuchung nicht gefunden worden wären. Noch steht nicht zweifelsfrei fest, ob sich aus diesen Krankheitsformen immer und bei jeder Frau auch Brustkrebs entwickelt.

Es kann also sein, dass nicht jede Frau wirklich eine Therapie benötigt hätte, die aufgrund des Mammographie-Screenings von einer Brustveränderung erfährt.

  • Allerdings kann man zurzeit noch nicht erkennen: Bei welcher Frau wird diese Frühform harmlos bleiben? Und bei welcher Frau wird sie zum invasiven und gefährlichen Tumor werden? Dazu wird sehr viel geforscht. Vielleicht gelingt es in Zukunft, wenig aggressive Tumoren sicher von solchen zu unterscheiden, die schnell und aggressiv wachsen.

Daher empfehlen die meisten Experten, dass sicherheitshalber jede Frau mit einem DCIS behandelt werden sollte.

Die Klärung der offenen Fragen zur Mammographie ist insgesamt nicht einfach: Das zeigen Untersuchungen, in denen die Brustkrebssterblichkeit in Ländern mit und ohne Mammographie-Screening verglichen wurde. Man hoffte, deutliche Unterschiede zu sehen, die sich eindeutig auf die Mammographie zurückführen ließen.
Dies wird jedoch durch einen anderen Umstand erschwert: Seit einigen Jahren sinkt die Brustkrebssterblichkeit insgesamt in vielen Ländern ab, unabhängig davon, ob es ein organisiertes Mammographie-Programm gibt, oder ob Frauen die Früherkennung individuell mit ihren Ärzten planen.

Ist es also gar nicht die Mammographie, die die Sterblichkeitsraten beeinflusst? Sind es vielmehr Fortschritte in der Behandlung? Oder wirkt sich beides aus?

  • Ein gesichertes und von allen Experten anerkanntes Fazit zum Nutzen und den möglichen Risiken des Mammographie-Screenings lässt sich bisher nicht ziehen.

Hintergrund: Warum keine Mammographie für ältere oder jüngere Frauen?

Frauen, die eine auffällige Veränderung in der Brust bemerken, können zur Abklärung jederzeit eine Mammographie erhalten, völlig unabhängig vom Alter. Die Begrenzung des Alters auf Frauen zwischen 50 und 69 Jahren gilt nur für die Krebsfrüherkennung. Sie kann auch aufgehoben werden, wenn eine Frau ein besonders hohes Brustkrebsrisiko hat, etwa aufgrund vererbter Risikogene.
Für das Mammographie-Screening bei Frauen ohne besonderes Risiko zeigt sich jedoch:

  • Die regelmäßige Untersuchung könnte die Sterblichkeit an Brustkrebs senken – allerdings nicht in jeder Altersgruppe. Der größte Nutzen scheint für Frauen zwischen 50 und 69 Jahren zu entstehen.

Hier überwiegt der Nutzen solcher Reihenuntersuchungen bei gesunden Frauen zudem die möglichen Risiken durch die Strahlenbelastung.

Zwar erkranken auch jüngere Frauen an Brustkrebs – im Alter zwischen 40 und 49 Jahren statistisch etwa eine von 80. Bei ihnen ist die Datenlage zum Nutzen des Mammographie-Screenings aber bisher weniger eindeutig. Als Ursache gilt unter anderem, dass die Untersuchung bei ihnen weniger zuverlässig ist: Bei den meisten Frauen in diesem Alter ist das Gewebe der Brust noch vergleichsweise dicht und hormonell bedingten monatlichen Veränderungen unterworfen. Anders als bei älteren Frauen ist bei Frauen unter 50 das Risiko durch die Strahlenbelastung des Brustgewebes höher. Daher wird das Screening in dieser Altersgruppe derzeit nicht empfohlen und nicht angeboten. Mehr Informationen dazu bietet die Stellungnahme der deutschen Strahlenschutzkommission vom Februar 2002 (www.ssk.de, Stichwort "Beratungsergebnisse", Stichwort "Medizinische Strahlenexposition").

Für Frauen über 70 fehlt ebenfalls der sichere Beweis des Nutzens eines Mammographie-Screenings. Man misst ihn am Rückgang der Brustkrebs-Sterblichkeit.

Dabei erkranken ältere Frauen keineswegs seltener an Brustkrebs als die 50- bis 69-Jährigen: Innerhalb von zehn Jahren ist etwa eine von 40 Frauen betroffen. Allerdings wird Brustkrebs für sie seltener zur Todesursache: Die Erkrankung verkürzt ihre statistische Lebenserwartung nicht messbar.

Wegen des unsicheren Nutzens bezogen auf die Gesamtbevölkerung wird das regelmäßige Screening in den Altersgruppen unter 50 und über 70 derzeit nicht empfohlen und auch nicht angeboten.

Hintergrund: Welche Leitlinien zum Mammographie-Screening gelten in Europa?

In einigen anderen Ländern der Europäischen Union wurde das Screening schon früher als in Deutschland eingeführt. Im Auftrag der EU-Kommission erarbeiteten Experten bereits Anfang der 1990er Jahre erstmals Leitlinien für das Mammographie-Screening, mehr unter www.euref.org, in englischer Sprache.

Auch das Programm in Deutschland folgt diesen europäischen Leitlinien. Die Leitlinien stellen Anforderungen an die Qualifikation der Röntgenärzte und des technischen Personals, an die Geräte, aber auch an den gesamten Ablauf des Mammographie-Screenings. Die Screening-Ärzte müssen beispielsweise eine Ausbildung in einem anerkannten Referenzzentrum durchlaufen und sollten danach jährlich mindestens 5.000 Screening-Mammographien befunden. Auch das technische Personal muss an einem Schulungs- und Trainingsprogramm zum Mammographie-Screening teilnehmen und sich regelmäßig weiterbilden. Wie Befunde dokumentiert werden, ist ebenfalls genau festgelegt.

Qualitäts-Richtwerte für das Screening

Außerdem geben die Leitlinien eine Reihe von Richtwerten vor, die im Screening erreicht werden müssen.
Dazu zählt beispielsweise der Anteil notwendiger Wiedereinladungen, um einen Befund weiter abzuklären: Höchstens 5 bis 7 von 100 der untersuchten Frauen sollten wegen unklarer Bilder wieder eingeladen werden.
Auch sollte bei den Erstteilnehmerinnen mindestens ein Viertel, in den Folgeuntersuchungen über ein Viertel der im Screening entdeckten Tumoren maximal einen Zentimeter groß sein.

  • Findet ein Zentrum nur größere Tumoren, stimmt also womöglich etwas mit der Geräteempfindlichkeit nicht oder die Untersucher erkennen kleine Tumoren zu schlecht.
  • Sind zu viele Bilder unscharf oder unklar, muss die Qualität ebenfalls nachgebessert werden.
  • Werden zu viele Frauen wegen solcher Befunde unnötig biopsiert, hätte ein Screening-Zentrum seine Qualitätsvorgaben ebenfalls nicht erreicht.

Schwieriger ist die Überprüfung, wie viele Karzinome bei Frauen zwischen zwei Mammographien entdeckt werden: Wurden diese übersehen? Oder sind sie so schnell gewachsen, dass sie bei der letzten Untersuchung noch nicht zu erkennen waren? Um die entsprechenden Zahlen zu ermitteln, ist ein Abgleich mit den Landeskrebsregistern notwendig. Diese Möglichkeit bieten jedoch noch nicht alle regionalen Krebsregister in Deutschland.

Aktuelle Ergebnisse zur Qualität des Programms in Deutschland und zu den Teilnahmeraten veröffentlicht die Kooperationsgemeinschaft Mammographie unter http://fachservice.mammo-programm.de/.

Hintergrund: Wie hoch ist das Strahlenrisiko im Screening-Programm?

Wie hoch die Strahlenbelastung beim Mammographie-Screening ist, wurde vor Einführung der Untersuchung in das gesetzliche Früherkennungsprogramm intensiv diskutiert. Die Überwachung ist Teil der Qualitätssicherung. Und in regelmäßigen Abständen diskutieren Experten der Strahlenschutzkommission (SSK) diese Frage erneut.
Wissenschaftler haben anhand konkreter Prüfungen hochgerechnet, mit welcher zusätzlichen Belastung eine Frau rechnen muss, die regelmäßig am Screening teilnimmt.

Das ist natürlich nur ein ungefährer Wert, denn die natürliche Strahlenbelastung hängt sehr stark davon ab, wo man lebt, sie schwankt zwischen einem und zehn Millisievert. So ist die Belastung zum Beispiel abhängig von der Höhe des Wohnorts, oder auch von der Beschaffenheit des Untergrunds in der Region.
Hinzu kommt eine durchschnittliche weitere Belastung mit Strahlung aus sogenannten zivilisatorischen Quellen von 

  • weiteren etwa zwei Millisievert.
  • Insgesamt setzt das Bundesamt für Strahlenschutz  die durchschnittliche Belastung zurzeit also bei vier Millisievert an.

Bei der Mammographie wird die effektive Dosis bei insgesamt vier Aufnahmen 

  • mit etwa 0,2 bis 0,6 Millisievert angegeben.

Ist diese zusätzliche Strahlenbelastung vertretbar? Dies war eine der wichtigsten Fragen vor Einführung des Mammographie-Screenings. Man weiß, dass das Drüsengewebe der Brust auf Strahlung empfindlich reagiert, und dass deshalb das Krebsrisiko steigen kann. Allerdings gilt dies vor allem für Frauen bis etwa 40, bei Frauen über 50 ist die Strahlenempfindlichkeit stark gesunken.
Dies war mit ein Grund für die Begrenzung des deutschen Mammographie-Programms auf Frauen ab diesem Alter: Für sie ist das zusätzliche Strahlenrisiko vermutlich im Vergleich zum Nutzen vertretbar, so die Einschätzung der Experten.

Zum Weiterlesen: Linktipps, Quellen, Fachinformationen (Auswahl)

Für Fragen zur Krebsfrüherkennung steht der Krebsinformationsdienst täglich von 8 bis 20 Uhr unter der kostenlosen Nummer 0800 - 420 30 40 zur Verfügung, oder per E-Mail an krebsinformationsdienst@dkfz.de (beim Klick auf den Link öffnet sich ein Formular für eine datensichere Verbindung).

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