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Individuelle Gesundheitsleistungen (IGeL): Angebote für Selbstzahler

Sind sie sinnvoll? Was muss man beachten?

Individuelle Gesundheitsleistungen - kurz IGeL - sind ärztliche Untersuchungen und Behandlungen, die nicht zum Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenkassen gehören. Patienten müssen sie in der Regel aus eigener Tasche bezahlen. Sind Individuelle Gesundheitsleistungen sinnvoll, wenn es um das Thema Krebs geht? Was müssen Interessierte wissen, bevor sie sich für eine IGeL entscheiden?
Der Krebsinformationsdienst gibt in diesem Text einen kurzen Überblick über Individuelle Gesundheitsleistungen in der Onkologie und nennt Ansprechpartner und weiterführende Informationsquellen.

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Individuelle Gesundheitsleistung: Was ist das eigentlich?

Individuelle Gesundheitsleistungen oder IGeL sind medizinische Leistungen, die von der Krankenkasse nicht erstattet werden. Warum bezahlt die Kasse diese Leistungen nicht?

Per Gesetz sind die gesetzlichen Krankenversicherungen dazu verpflichtet, wirtschaftlich zu arbeiten. Sie  können nicht mehr ausgeben, als sie durch Beiträge ihrer Versicherten einnehmen  und müssen ihre finanziellen Mittel sinnvoll einsetzen: Untersuchungen und Behandlungen, die nicht zwingend medizinisch notwendig sind, dürfen die Kassen daher in der Regel nicht übernehmen. Auch wenn der Nutzen einer Methode nicht eindeutig wissenschaftlich belegt ist, kann sie aus dem Leistungskatalog der Krankenkassen ausgeschlossen werden.

Einige IGeL werden auch von den privaten Krankenkassen nicht erstattet. Für sie gilt ebenfalls das Wirtschaftlichkeitsgebot: Auch die privaten Kassen können nicht mehr ausgeben, als sie an Beträgen ihrer Versicherten einnehmen, und deshalb nicht alle Wunschleistungen einfach so finanzieren.

Trotzdem können Patienten zusätzliche Untersuchungen und Behandlungen in Anspruch nehmen: Der Entscheid, dass die Krankenversicherung für ein Verfahren nicht zahlt, bedeutet nicht, dass die entsprechende Methode untersagt oder gar illegal ist.

  • Viele Ärzte bieten solche Zusatzleistungen inzwischen als sogenannte IGeL an. Patienten müssen die Kosten dafür jedoch selbst übernehmen.

IGeL in der Krebsmedizin: Sind sie sinnvoll?

Individuelle Gesundheitsleistungen gibt es auch in der Krebsmedizin: Ein Beispiel sind Früherkennungstests, die nicht zum gesetzlichen Früherkennungsprogramm gehören. Sie können gemacht werden, sind aber nicht zwingend notwendig, zumindest nicht für jeden. Und bei einigen ist der Nutzen sogar höchst umstritten.
Auch Behandlungen, bei denen die Grenze zwischen Medizin und Kosmetik oder Wellness verschwimmt und die mehr dem Wohlbefinden dienen als der Gesundheitsförderung, zählen zu den Individuellen Gesundheitsleistungen. Beispiele sind einige Behandlungen beim Hautarzt.

Bei vielen alternativmedizinischen Diagnose- oder Therapieverfahren fehlt der Nachweis, dass sie wirklich gegen Krebs wirken – auch dann zahlen viele Kassen nicht, gesetzliche wie private.

Insgesamt ist der IGeL-Markt inzwischen ziemlich groß und unübersichtlich: Mehrere hundert Leistungen finden sich darunter. Eine Gesamtübersicht gibt es allerdings nicht: Die Angebote ändern sich laufend. Jede Arztpraxis entscheidet selbst, was sie anbieten möchte.

Gesetzliche Grundlagen: Was muss die Kasse zahlen?

Im fünften Sozialgesetzbuch (SGB V) ist die Aufgabe der gesetzlichen Krankenversicherung festgelegt: Sie soll die Gesundheit der Versicherten erhalten, verbessern oder wiederherstellen. Versicherte haben Anspruch auf eine ausreichende, bedarfsgerechte und dem allgemein anerkannten Stand der medizinischen Wissenschaft entsprechende Versorgung.
Die Krankenkassen sind aber auch per Gesetz verpflichtet, auf die Wirtschaftlichkeit ihrer Leistungen zu achten.

Versicherte tragen laut Sozialgesetz Mitverantwortung für ihre Gesundheit: Sie sollen durch eine gesundheitsbewusste Lebensführung, durch Vorsorgemaßnahmen und durch aktive Beteiligung an Behandlung und Rehabilitation dazu beitragen, Krankheiten vorzubeugen oder wieder gesund zu werden.

Welche medizinischen Leistungen die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) bezahlt, ist im sogenannten "Leistungskatalog" der Krankenkassen festgelegt. Diesen "Leistungskatalog" darf man sich nicht als eine Liste oder eine Broschüre vorstellen, in der sämtliche Leistungen detailliert verzeichnet wären. Vielmehr handelt es sich um Rahmenbestimmungen, die festlegen, was die Kassen zahlen müssen und was nicht.

Die gesetzlichen Bestimmungen regeln die ärztliche, zahnärztliche und psychotherapeutische Versorgung, Untersuchungen und Behandlungen sowie die Früherkennung von Krankheiten. Auch die häusliche Krankenpflege, die Behandlung im Krankenhaus und die Rehabilitation gehören dazu. Im Leistungskatalog der Kassen erfasst sind zudem die Versorgung mit Arzneimitteln, mit Verband-, Heil- und Hilfsmitteln.

Wer entscheidet, was die Krankenkassen zahlen?

Welche Untersuchungen und Behandlungen im Einzelnen zum sogenannten Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenkassen gehören, legt nicht der Staat fest: Vertreter der gesetzlichen Krankenkassen, der Krankenhausgesellschaften sowie der kassenärztlichen und kassenzahnärztlichen Vereinigungen vereinbaren im Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA, www.g-ba.de) Richtlinien, was von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlt werden muss und was nicht. Auch Patientenvertreter sind mit einbezogen und nehmen beratend an den Sitzungen teil.

Der G-BA prüft, was über Nutzen und Wirkung der Methoden bekannt ist und richtet sich dabei nach wissenschaftlichen Studien und Stellungnahmen der ärztlichen Dachverbände. Er entscheidet dann, für welche Leistungen die gesetzlichen Krankenversicherungen die Kosten erstatten. Wo ausdrückliche Zweifel an der Wirksamkeit bestehen, dürfen die Kassen die Beiträge der gesetzlich Versicherten nicht zur Kostenübernahme einsetzen.

Was gilt für privat Versicherte?

Grundsätzlich gibt es auch für privat Versicherte Gesundheitsleistungen, deren Kosten übernommen werden, und solche, die sie selbst zahlen müssen. Pauschale Auskünfte sind hier jedoch schwierig: Für privat Versicherte und Beihilfeberechtigte gelten allein die persönlichen Verträge, die sie mit ihren Krankenkassen abgeschlossen haben. Welche Untersuchungen und Behandlungen eine private Krankenversicherung übernimmt, kann zudem von Kasse zu Kasse verschieden sein. Auch Privatpatienten sollten sich daher informieren, welche Leistungen die Versicherung für sie übernimmt und welche nicht.

Nicht im Leistungskatalog: Was muss man selbst zahlen?

Für Individuelle Gesundheitsleistungen müssen Patienten selbst zahlen. © Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum
Individuelle Gesundheitsleistungen (IGeL) sind nicht zwingend medizinisch notwendig. Daher müssen Patienten sie selbst bezahlen. © Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum

Die gesetzlichen Krankenkassen zahlen normalerweise nicht für Untersuchungen und Behandlungen durch Heilpraktiker und andere Anbieter von Gesundheitsleistungen, die keinen Vertrag mit den Krankenkassen abgeschlossen haben. Ausnahmen bedürfen der ausdrücklichen Zusage der Kasse. Aber auch die Kosten für Untersuchungen und Behandlungen durch Ärzte werden nicht in jedem Fall von den Krankenkassen übernommen.

Was Patienten in der Regel selbst bezahlen müssen:

  • Leistungen, deren Nutzen wissenschaftlich nicht eindeutig belegt ist,
  • Leistungen, die für die Krankenkassen und damit für die Gemeinschaft der Beitragszahler unwirtschaftlich sind, weil die Kosten in keinem vertretbaren Verhältnis zum erwarteten Nutzen stehen,
  • Untersuchungen und Behandlungen, für die es günstigere Alternativen mit vergleichbar gutem Ergebnis gibt,
  • medizinisch nicht notwendige Untersuchungen und Behandlungen. Dazu gehören zum Beispiel Verfahren, die nicht der Steigerung der Gesundheit dienen, sondern allein dem Wohlbefinden oder der individuellen Lebensgestaltung.

Welche IGeL gibt es?

Typische Beispiele sind kosmetische Behandlungen, etwa die Entfernung harmloser Hautmale, reisemedizinische Beratungen und Reiseimpfungen oder sportmedizinische Untersuchungen. Als IGeL werden zudem einige Früherkennungsuntersuchungen angeboten, die über die vom Gemeinsamen Bundesausschuss empfohlenen Untersuchungen hinausgehen.

Auch in der Krebsmedizin gibt es konkrete Beispiele. Nicht zum gesetzlichen Krebsfrüherkennungsprogramm zählen beispielsweise

Bei beiden Untersuchungen fehlt bislang der wissenschaftliche Nachweis, dass sie tatsächlich für alle Menschen nützlich sind: Ob Männer ohne Beschwerden wirklich seltener an Prostatakrebs sterben, wenn sie regelmäßig ihren PSA-Blutwert messen lassen, oder ob ansonsten gesunde Frauen ohne besondere Risiken einen Vorteil von der Ultraschalluntersuchung haben, steht nicht fest.

Ein weiteres Beispiel sind manche Behandlungen beim Hautarzt: Selbstverständlich zahlt die gesetzliche Krankenversicherung die Früherkennung auf Hautkrebs sowie die Untersuchung und Entfernung verdächtiger Hautveränderungen. Wer sich dagegen aus kosmetischen Gründen harmlose Hautveränderungen oder sogenannte "Alterswarzen" entfernen lassen möchte, muss selbst zahlen: Diese Behandlung gilt nicht als medizinisch notwendig.

Selbst gezahlt werden müssen auch viele Behandlungen aus der Naturheilkunde sowie komplementäre oder alternative Therapien.

  • Der Medizinische Dienst des Spitzenverbandes Bund der Krankenkassen e.V. (MDS) bietet eine Übersicht über häufige Individuelle Gesundheitsleistungen an. Er bewertet diese nach Wirkung, Nutzen und Schaden auf der Internetseite www.igel-monitor.de.

Gibt es Ausnahmen für gesetzlich Versicherte?

Manche Krankenkassen bieten ihren Versicherten als Service zusätzliche Leistungen an, die über den Leistungskatalog der GKV hinausgehen. Einen Rechtsanspruch auf Kostenübernahme können Versicherte daraus nicht ableiten. Es lohnt sich aber, bei der Kasse nachzufragen, welche Leistungen unter Umständen aus Kulanz bezahlt werden.

Eine weitere Ausnahme sind Kosten, die bei der Behandlung in klinischen Studien anfallen: Für experimentelle Therapien oder neue, noch nicht zugelassene Mittel müssen die Krankenkassen zwar ebenfalls nicht zahlen. Für Patienten entstehen meist trotzdem keine Kosten: Therapien im Rahmen der Krebsforschung werden in der Regel von Universitätskliniken oder anderen forschenden Krankenhäusern übernommen, oder von den Anbietern, die neue Verfahren auf den Markt bringen wollen.
Wie Krebsforschung finanziert wird, erläutert der Text "Krebsforschung: Ursachen aufklären, Diagnose und Behandlung weiterentwickeln".

Individuelle Gesundheitsleistungen: Ja oder nein?

Wem eine Selbstzahlerleistung angeboten wird oder wer sie selbst wünscht, der sollte sich vorab gut informieren. Der Arzt ist verpflichtet, ausführlich aufzuklären. Ein Gespräch über IGeL nur mit dem Praxispersonal reicht nicht aus.
Folgende Fragen sollten Patienten für sich beantworten können, bevor sie sich für eine Individuelle Gesundheitsleistung entscheiden:

  • Hat der Arzt mir genau erklärt, warum eine IGeL aus seiner Sicht für mich sinnvoll ist?
  • Wie sicher ist der medizinische Nutzen der IGeL belegt?
  • Welche Risiken und Nebenwirkungen gibt es?
  • Welche Kosten kommen auf mich zu?
  • Habe ich ausreichend Bedenkzeit, mich für oder gegen die Leistung zu entscheiden und mich weiter zu informieren? IGeL sind normalerweise nicht dringend: Nehmen Sie sich also ruhig Zeit für die Entscheidung. Das ermöglicht Ihnen auch, gegebenenfalls bei Ihrer Krankenversicherung nachzufragen, ob die Kostenübernahme nicht doch möglich ist.
  • Wenn die Entscheidung gefallen ist: Trifft der Arzt eine schriftliche Vereinbarung zur Durchführung der IGeL mit mir?

Die Kosten für eine Leistung können sich von Praxis zu Praxis unterscheiden. Der Arzt darf sie allerdings nicht willkürlich festlegen: Die Vergütung regelt die amtliche Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ) . Jeder Gesundheitsleistung ist dort ein fester Betrag zugeordnet. Der Arzt kann zudem je nach Aufwand nach einem festgelegten Steigerungssatz den bis zu 2,3fachen Betrag des GOÄ-Wertes berechnen. Wenn er wegen erhöhten Aufwands den 3,5fachen Höchstsatz berechnen möchte, muss er seinem Patienten aber eine schriftliche Begründung dafür geben.

Der Arzt ist auch verpflichtet, im Nachhinein eine nachvollziehbare Rechnung auszustellen. Eine schriftliche medizinische Begründung und eine Quittung sind zum Beispiel auch deshalb wichtig, weil manche Individuellen Gesundheitsleistungen bei der Einkommenssteuererklärung steuerlich abgesetzt werden können.

Informiert entscheiden: Ansprechpartner, Linktipps, Fachquellen (Auswahl)

Patienten, die sich nicht sicher sind, ob sie sich für eine Individuelle Gesundheitsleistung entscheiden sollen, sollten sich unbedingt weiter informieren und sich beraten lassen. Ein wichtiger Ansprechpartner ist die Krankenkasse: Hier können Interessierte erfahren, wie die Kasse den Nutzen der Leistung einschätzt und warum sie die Kosten nicht übernehmen kann.
Eine kritische Bewertung verschiedener Individueller Gesundheitsleistungen nach Wirkung, Nutzen und Schaden bietet der Medizinische Dienst des Spitzenverbandes Bund der Krankenkassen e.V. (MDS) auf der Seite "IGeL-Monitor – Individuelle Gesundheitsleistungen auf dem Prüfstand": www.igel-monitor.de.

Haben Sie weitere Fragen zu Individuellen Gesundheitsleistungen in der Krebsmedizin oder bei der Krebsfrüherkennung? Der Krebsinformationsdienst steht als Ansprechpartner zur Verfügung: täglich von 8.00 bis 20.00 Uhr unter der kostenlosen Telefonnummer 0800 – 420 30 40 oder per E-Mail an krebsinformationsdienst@dkfz.de (beim Klick öffnet sich ein Kontaktformular, das eine gesicherte Verbindung bietet).