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Prostatakrebs, Foto: STEVE GSCHMEISSNER/Getty Images © Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum

Prostatakrebs - eine Einführung

Anatomie, Tumorbildung, Krebsstatistik

Seit einigen Jahren ist das Prostatakarzinom bei Männern in Deutschland die häufigste Krebserkrankung. Dies hat mehrere Gründe: Immer mehr Männer erhalten aufgrund einer Früherkennungsuntersuchung die Krebsdiagnose, von der sie ohne solche Tests vermutlich nie etwas erfahren hätten. Experten machen aber auch die steigende Lebenserwartung für den statistischen Anstieg verantwortlich - Tumoren der Vorsteherdrüse treten bei den meisten Betroffenen erst  in fortgeschrittenem Alter auf.

Was hat das Alter mit der Krebsentstehung zu tun? Wie ist die Prostata anatomisch aufgebaut, und welche Funktion hat das gesunde Organ? Der folgende Text des Krebsinformationsdienstes bietet Patienten mit Prostatakrebs sowie Interessierten und Fachkreisen einen kurzen Überblick über grundlegende Fakten. Bei aktuellen Fragen steht der Krebsinformationsdienst auch am Telefon und per E-Mail zur Verfügung.

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Quellen und Links

Als Quellen für diesen Text hat der Krebsinformationsdienst aktuelle Lehrbücher der Onkologie genutzt. Eine Auswahl weiterer Quellen ist im letzten Abschnitt aufgeführt.

Die gesunde Vorsteherdrüse: Wie ist die Prostata aufgebaut?

Grafik der Prostata © Geisler
Anatomie der Prostata © Frank Geisler (zum Vergrößern auf die Lupe klicken)

Was müssen Patienten über die Anatomie der Prostata wissen, wenn es zum Beispiel um die Planung einer Operation oder einer Bestrahlung geht?

Bei Männern wird der obere Teil der Harnröhre von einer Drüse umschlossen: der sogenannten Prostata, auf Deutsch Vorsteherdrüse. Von Form und Größe ähnelt das Organ einer Rosskastanie. Oberhalb der Prostata mündet der Harnleiter in die Harnblase. Zum Rücken hin grenzt die Prostata an den Enddarm, und nach unten an das Schambein als Teil der Beckenknochen. In unmittelbarer Umgebung der Prostata liegen zudem die Samenbläschen. Außerdem verlaufen im umgebenden Gewebe viele Nervenstränge und Blutgefäße.

Die Prostata selbst ist in zwei Lappen gegliedert, rechts und links der Harnröhre. Die Drüse wird von einer bindegewebigen Hülle umschlossen. Innerhalb dieser Kapsel finden sich weiteres Bindegewebe, Muskelfasern und vor allem die eigentlichen Drüsenzellen. Sie bilden ein flüssiges Sekret.

Bei erwachsenen Männern ziehen sich während eines Orgasmus die Muskelfasern der Prostata zusammen. Dadurch wird eine größere Menge dieser Prostata-Flüssigkeit in die Harnröhre entleert. Sie bildet zusammen mit den im Hoden produzierten Samenzellen und dem Sekret der Samenbläschen das eigentliche Ejakulat. Ohne das Prostatasekret wären Spermien nicht ausreichend beweglich. Seine Inhaltsstoffe sind außerdem für Reifungsvorgänge verantwortlich, ohne die Samenzellen eine Eizelle nicht befruchten könnten.

Wachstum der Prostata hormonabhängig

Erst mit der Pubertät nimmt die Prostata ihre spätere Funktion auf: Das Organ wächst und entwickelt sich abhängig vom männlichen Geschlechtshormon Testosteron. Fehlt diese hormonelle Stimulation, bleibt die Prostata unterentwickelt und produziert kein Sekret.

Testosteron wirkt dann aber lebenslang weiter als Wachstumsreiz. Bei vielen Männern entwickelt sich in der zweiten Lebenshälfte eine gutartige Vergrößerung der Prostata, die sogenannte benigne Prostatahyperplasie (BPH), früher auch als Prostataadenom bezeichnet. Sie ist muss nur behandelt werden, wenn Männer durch die vergrößerte Prostata Probleme mit dem Wasserlassen bekommen. Bei der Prostatahyperplasie vermehren sich sowohl Drüsenzellen als auch Muskel- und Bindegewebeanteile.

Das Wachstum eines Karzinoms in der Prostata ist zwar ebenfalls abhängig vom Geschlechtshormon Testosteron. Prostatakrebs geht aber anders als die gutartige Vergrößerung nur vom Drüsenanteil des Organs aus.
Trotzdem macht sich ein Karzinom so gut wie nie durch Störungen der Sekretbildung oder des Samenergusses bemerkbar: Der Tumor wächst bei den meisten Männern langsam. Er betrifft zumindest anfangs nicht das gesamte Organ oder seine Funktion.

Tumorentstehung und Tumorbiologie: Wie entsteht Krebs?

Das Wort Krebs steht für eine große Gruppe ganz unterschiedlicher Erkrankungen. Sie haben jedoch einige Eigenschaften gemeinsam: Die Zellen eines Organs oder Gewebes haben sich der natürlichen Wachstumskontrolle des Organismus entzogen. Selbst wenn sie krank, geschädigt oder alt sind, sterben sie nicht ab, sondern teilen sich weiter.

  • Auslöser sind Veränderungen im Erbmaterial, die sich weiter verstärken können.

Dadurch verlieren Krebszellen manche der Eigenschaften, die für das jeweilige Gewebe typisch wären, aber sie gewinnen auch neue hinzu: Während gutartige Tumoren anderes Gewebe durch Wachstum verdrängen, wachsen bösartige oder maligne Tumoren invasiv in benachbarte Organe und Strukturen ein und zerstören sie. Manche Tumorzellen lösen sich vom ursprünglichen Tumor ab, wandern über die Blut- oder Lymphbahnen in andere Regionen und siedeln sich dort an. Die so entstehenden Tochtergeschwulste nennt man Metastasen. 

Alle diese Eigenschaften finden sich auch beim Prostatakarzinom: In den Zellen zeigen sich im Vergleich zu gesundem Gewebe mehr oder weniger auffällige Veränderungen. Das Karzinom kann die bindegewebige Kapsel der Prostata zerstören und sich im Bereich des Beckens ausbreiten. Schreitet die Erkrankung unbehandelt fort, kann es zu Metastasen kommen, etwa in den Knochen.

Veränderungen im Erbmaterial als Auslöser

Was sind die Auslöser für diese Veränderungen? In der Regel müssen viele Faktoren zusammenwirken, um eine Zelle in eine Krebszelle umzuwandeln. So wenig es den Krebs gibt, so wenig kann man auch von der Krebsursache sprechen.

Auch wenn man heute viele krebsfördernde Chemikalien oder andere schädliche äußere Einflüsse kennt: Diese spielen längst nicht bei allen Tumorarten eine Rolle. Beim Prostatakarzinom lässt sich der Einfluss solcher "Karzinogene" bisher gar nicht oder zumindest nicht sicher nachweisen.

Auch genetische "Unfälle" oder angeborene Instabilitäten im Erbmaterial führen unter Umständen zur Krebsentstehung: Mit jeder Zellteilung, die zur Erneuerung und Regeneration gesunden Gewebes im Lauf des Lebens notwendig ist, steigt rein statistisch auch die Wahrscheinlichkeit, dass dabei Fehler auftreten.
Daher ist es kein Wunder, dass Krebs im Alter häufiger wird. Beim Prostatakarzinom ist dieser Zusammenhang statistisch besonders ausgeprägt: Vor dem 40. Lebensjahr ist diese Krebsform unwahrscheinlich, und auch danach steigt das Risiko zunächst nur langsam an.
Trifft die Erkrankung jedoch Männer in jüngerem Alter, so vermuten Experten heute, dass bei ihnen möglicherweise vererbbare genetische Faktoren eine Rolle spielen.

Einen Überblick über die heute bekannten Risikofaktoren für Prostatakrebs bietet ein eigener Text.

Prostatakarzinom: Häufigste Krebserkrankung bei Männern

Prostatakrebs ist seit einigen Jahren die häufigste Tumorart bei Männern in Deutschland. Im Jahr 2012 wurde die Erkrankung erstmals bei geschätzt 63.710 Patienten entdeckt.
Wesentlich weniger Männer versterben jedoch an einem Prostatatumor: 2012 lag die Zahl der dokumentierten Sterbefälle bei 12.957. Im Mittel waren Betroffene 71 Jahre alt, wenn ein Tumor entdeckt wurde.
Weitere Zahlen bieten das Zentrum für Krebsregisterdaten im Robert-Koch-Institut und die Bevölkerungsbezogenen Krebsregister, im Internet unter www.krebsdaten.de und www.gekid.de.

Warum sind in den letzten Jahren die Erkrankungsraten angestiegen, während die Sterberaten weiter vergleichsweise niedrig liegen?
Experten führen zwei wesentliche Gründe an: Einer ist die steigende Lebenserwartung. Männer in fortgeschrittenen Jahren erkranken zwar an Prostatakrebs. Die Erkrankung verkürzt ihr Leben aber nicht, und sie sterben nicht an Prostatakrebs. Ein zweiter Grund ist vermutlich, dass immer mehr Männer einen Früherkennungstest durchführen lassen, den Test auf das prostataspezifische Antigen PSA anhand einer Blutprobe.
Dessen Nutzen gilt allerdings nicht als gesichert: Möglicherweise werden Patienten diagnostiziert - und behandelt -, deren Erkrankung ihnen ohne die Früherkennung nie Beschwerden bereitet hätte. Solange die Früherkennung nicht zu einem Absinken der Sterberaten führt, bleibt offen, ob Männer von der "Krebsvorsorge" profitieren, mehr dazu im Text "PSA-Test und Krebsfrüherkennung".

Zum Weiterlesen: Linktipps, Quellen und Fachinformationen