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Prostatakrebs, Foto: STEVE GSCHMEISSNER/Getty Images © Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum

Prostatakrebs – was ist das?

Anatomie, Entstehung und Häufigkeit

Prostatakrebs ist eine bösartige Wucherung der Vorsteherdrüse. Er ist in Deutschland mit Abstand die häufigste Krebsart bei Männern: Im Jahr 2014 wurde die Erkrankung bei knapp 57.400 Betroffenen neu entdeckt.

Experten sehen zwei Gründe für diese hohe Zahl: Viele Männer erhalten die Diagnose Krebs aufgrund einer Früherkennungsuntersuchung, ohne die sie vermutlich nie etwas von ihrer Erkrankung erfahren hätten.
Auf der anderen Seite trägt die hohe Lebenserwartung in Deutschland mit dazu bei, denn Tumoren der Vorsteherdrüse treten meistens erst im fortgeschrittenen Alter auf: Zum Zeitpunkt der Diagnose waren die Betroffenen im Jahr 2014 durchschnittlich 72 Jahre alt.

Deutlich weniger Männer versterben hingegen an Prostatakrebs: Im gleichen Jahr lag die Zahl der dokumentierten Todesfälle bei etwa 13.700.

Was hat das Alter mit der Krebsentstehung zu tun? Wie ist die Prostata aufgebaut, und welche Funktion hat sie? Der nachfolgende Text bietet Patienten mit Prostatakrebs, ihren Angehörigen sowie Interessierten und Fachkreisen einen Überblick über Grundlegendes zum Prostatakrebs.

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Prostata: Wie ist die Vorsteherdrüse aufgebaut? Wie funktioniert sie?

Grafik der Prostata © Geisler
Anatomie der Prostata © Frank Geisler (zum Vergrößern auf die Lupe klicken)

Aufbau der Prostata: Bei Männern wird der obere Teil der Harnröhre von einer Drüse umschlossen: der sogenannten Prostata, auf Deutsch Vorsteherdrüse. Von Form und Größe ähnelt das Organ einer Rosskastanie. Über der Prostata liegt die Harnblase, in die die Harnleiter münden. Zum Rücken hin grenzt die Prostata an den Enddarm, und nach unten an das Schambein, ein Teil der Beckenknochen. In unmittelbarer Umgebung der Prostata liegen zudem die Samenbläschen sowie viele Nervenstränge und Blutgefäße.

Die Prostata selbst wird von einer bindegewebigen Hülle umschlossen. Innerhalb dieser Kapsel befinden sich weiteres Bindegewebe, Muskelfasern und vor allem die eigentlichen Drüsenzellen. Sie bilden ein flüssiges Sekret. Die Prostata ist in zwei Lappen gegliedert, rechts und links der Harnröhre.

Funktion der Prostata: Bei erwachsenen Männern ziehen sich während eines Orgasmus die Muskelfasern der Prostata zusammen. Dadurch wird eine größere Menge der Prostata-Flüssigkeit in die Harnröhre entleert. Sie bildet zusammen mit den im Hoden produzierten Samenzellen und dem Sekret der Samenbläschen das Ejakulat. Ohne das Prostatasekret wären die Spermien nicht ausreichend beweglich. Die Inhaltsstoffe des Sekrets sind außerdem für Reifungsvorgänge verantwortlich, ohne die die Samenzellen eine Eizelle nicht befruchten könnten.

Wachstum der Drüse: Welche Rolle spielen Hormone?

Ihre Funktion nimmt die Prostata erst mit der Pubertät auf: Das Organ wächst in dieser Zeit und entwickelt sich abhängig vom männlichen Geschlechtshormon Testosteron. Fehlt diese hormonelle Stimulation, bleibt die Prostata unterentwickelt und produziert kein Sekret.

Nach der Pubertät wirkt das Testosteron weiter als Wachstumsreiz. Bei vielen Männern entwickelt sich daher in der zweiten Lebenshälfte eine gutartige Vergrößerung der Prostata, die sogenannte benigne Prostatahyperplasie (BPH), früher auch als Prostataadenom bezeichnet. Sie muss nur behandelt werden, wenn Männer durch die vergrößerte Prostata Probleme beim Wasserlassen bekommen. Bei der Prostatahyperplasie vermehren sich sowohl die Drüsenzellen als auch die Muskel- und Bindegewebeanteile.

Das Wachstum eines Tumors in der Prostata ist ebenfalls abhängig vom Geschlechtshormon Testosteron. Prostatakrebs geht aber – anders als die gutartige Vergrößerung – nur vom Drüsenanteil des Organs aus. Trotzdem macht sich ein Prostatakarzinom so gut wie nie bemerktbar, zum Beispiel durch die Störungen der Sekretbildung oder des Samenergusses. Der Grund: Der Tumor wächst bei den meisten Männern langsam. Er betrifft zumindest anfangs nicht das gesamte Organ oder die Funktion.

Tumorbiologie: Was ist Prostatakrebs?

Das Wort Krebs steht für eine große Gruppe ganz unterschiedlicher Erkrankungen. Sie haben jedoch einige Eigenschaften gemeinsam: Die Zellen eines Organs oder Gewebes haben sich der natürlichen Wachstumskontrolle des Organismus entzogen. Selbst wenn sie krank, geschädigt oder alt sind, sterben sie nicht ab, sondern teilen sich weiter.

  • Auslöser sind Veränderungen im Erbmaterial.

Krebszellen verlieren manche der Eigenschaften, die für den betroffenen Zelltyp charakteristisch sind, aber sie gewinnen auch neue hinzu: Während gutartige Tumoren anderes Gewebe durch Wachstum verdrängen, können bösartige oder maligne Tumoren invasiv in benachbarte Organe und Strukturen einwachsen und die zerstören. Manche Tumorzellen lösen sich vom ursprünglichen Tumor ab, wandern über die Blut- oder Lymphbahnen in andere Regionen und siedeln sich dort an. Die so entstehenden Tochtergeschwulste nennt man Metastasen. 

Alle diese Eigenschaften finden sich auch beim Prostatakarzinom: In den Zellen zeigen sich im Vergleich zu gesundem Gewebe mehr oder weniger auffällige Veränderungen. Das Karzinom kann die bindegewebige Kapsel der Prostata zerstören und sich im Bereich des Beckens ausbreiten. Schreitet die Erkrankung unbehandelt fort, kann es zu Metastasen kommen, etwa in den Knochen.

Tumorentstehung: Warum kommt es zu Veränderungen in der Drüse?

Was sind die Auslöser für die Veränderungen in den Zellen? In der Regel müssen viele Faktoren zusammenwirken, um eine Zelle in eine Krebszelle umzuwandeln:

Auch wenn man heute viele krebsfördernde Chemikalien oder andere schädliche äußere Einflüsse kennt: Diese spielen längst nicht bei allen Tumorarten eine Rolle. Beim Prostatakarzinom lässt sich der Einfluss solcher "Karzinogene" bisher gar nicht oder zumindest nicht sicher nachweisen.

Genetische "Unfälle" oder angeborene Instabilitäten im Erbmaterial können unter Umständen ebenfalls zur Krebsentstehung: Mit jeder Zellteilung, die zur Erneuerung und Regeneration gesunden Gewebes im Lauf des Lebens notwendig ist, steigt rein statistisch auch die Wahrscheinlichkeit, dass dabei Fehler auftreten.
So ist es kein Wunder, dass Krebs bei älteren Menschen häufiger auftritt als bei jungen. Beim Prostatakarzinom ist dieser Zusammenhang statistisch besonders ausgeprägt: Vor dem 40. Lebensjahr ist Prostatakrebs eher unwahrscheinlich, und auch danach steigt das Risiko zunächst nur langsam an.
Bei Männern, die schon in jungen Jahren an einem Tumor der Prostata erkranken, vermuten Experten, dass möglicherweise vererbbare genetische Faktoren eine Rolle spielen.

Zum Weiterlesen: Linktipps und Quellen (Auswahl)