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Prostatakrebs, Foto: STEVE GSCHMEISSNER/Getty Images © Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum

Behandlung bei Prostatakrebs: Aktive Überwachung (active surveillance)

Regelmäßige Kontrolle, zunächst keine Therapie

Einfach nichts tun? Viele Patienten mit Prostatakrebs sind zunächst schockiert, wenn ihnen ihr Arzt die "aktive Überwachung" vorschlägt. In der Bezeichnung steckt aber schon drin: Es handelt sich keineswegs um ein passives Abwarten, und schon gar nicht um "Nichts tun". Betroffene mit einem frühen Prostatakarzinom, die sich für diese Strategie entscheiden, haben regelmäßigen Kontakt zu ihrem Arzt. Er kann bei jeder Krankheitsverschlechterung sofort handeln.
Der folgende Text bietet einen ersten Überblick. Ob "active surveillance", so der englische Fachbegriff, infrage kommt, sollten Betroffene aber mit ihren Ärzten besprechen. In Deutschland besteht zurzeit die Möglichkeit, an einer Studie zum Thema teilzunehmen: In dieser Untersuchung werden alle infrage kommenden Strategien bei frühem Prostatakarzinom miteinander verglichen.

Letzte Aktualisierung: 30.10.2015

Quellen und Links

Links in diesem Text führen zu vertiefenden Informationen zum Thema. Eine Übersicht weiterer Quellen findet sich im Text "Behandlung bei lokal begrenztem Prostatakarzinom" sowie unter "Behandlungsplanung bei Prostatakrebs".

Aktive Beobachtung: Reicht Abwarten unter Kontrolle?

Aktive Überwachung oder englisch "active surveillance" bedeutet: Man wird zunächst nicht behandelt, geht aber regelmäßig zum Arzt und lässt kontrollieren, ob sich der Tumor verändert. Zeigen die Untersuchungen, dass die Erkrankung voranschreitet? Dann setzt eine Behandlung ein, die nach Möglichkeit auf Heilung abzielt. 

Diese Strategie kommt für Männer mit einem frühen, wenig aggressiv wachsenden und noch auf die Prostata begrenzten Tumor infrage. Für sie zeigen die bisher vorliegenden Studien: Viele Betroffenen können so eine Therapie - und ihre Nebenwirkungen - noch über längere Zeit hinauszögern.

Für ältere Männer kann dies bedeuten, dass sie eine Behandlung sogar ganz vermeiden, wenn ihr Karzinom nicht aggressiv wächst. Noch sind aber nicht alle Fragen zu Vor- und Nachteilen geklärt.  

 

Begriffe haben sich in den letzten Jahren gewandelt

Ein Hinauszögern einer Therapie wurde noch vor einigen Jahren englisch eher als "Watchful waiting", "Watch and wait" oder "Wait and see" bezeichnet. Dies deutete an, dass Arzt und Patient eher nur zuwarteten und erst handelten, wenn Beschwerden vorlagen. Eine Behandlung wurde oft erst dann begonnen, wenn die Beschwerden durch die Erkrankung belastender waren als die Nebenwirkungen der Therapie. Für viele betroffene Männer kam diese Vorstellung daher von vornherein nicht infrage.

Warum wird heute eher der Begriff „aktives Beobachten“ verwendet?

Diese Bezeichnungen oder auch die "aktive Überwachung" machen deutlich: Als Patient mit einem frühen Prostatakarzinom stehen einem weiterhin alle Möglichkeiten einer heilenden Behandlung offen. Es handelt sich also auf keinen Fall um "Nichtstun".

  • Sollte die Erkrankung fortschreiten, setzt sofort eine Therapie ein.
  • Sie zielt auf Heilung, und nicht nur darauf, Beschwerden zu lindern.

Für Patienten, die sich für diese Strategie entscheiden, gibt es genau festgelegte Pläne, wann der jeweils nächste Arzttermin ansteht und welche Untersuchungen dabei durchgeführt werden sollten.

Als "Watchful waiting" oder "Wait and watch wird heute dagegen eher eine Strategie bezeichnet, bei der betroffene Männer eine Therapie aufschieben, weil sie deutlich mehr Belastungen mit sich bringen würde, als es aktuell durch ihre Erkrankung selbst der Fall ist.

  • Ganz trennscharf sind diese Begrifflichkeiten aber zurzeit weder in Deutschland noch in den englischsprachigen Ländern.

Voraussetzungen: Für welche Patienten ist "active surveillance" geeignet?

Als eine von mehreren Möglichkeiten gilt die Strategie der aktiven Überwachung für Patienten 

  • ohne Beschwerden und mit kleinen, auf die Prostata begrenzten Tumoren, bei voraussichtlich niedrigem Risiko für eine fortschreitende Erkrankung.

Bisher gibt es allerdings keine ganz klaren Anhaltspunkte, ob Warten bei frühen Tumoren besser, schlechter, oder genauso gut ist wie die verschiedenen Varianten sofortiger Behandlung.
Eine Rolle spielt hierbei auch die Frage nach dem Alter, in dem ein Mann erkrankt ist. Sollten sich jüngere Männer lieber sofort behandeln lassen? Oder ist es auch vertretbar, auf dann "active surveillance" zu setzen, wenn die voraussichtliche Lebenserwartung bei deutlich mehr als zehn Jahren läge? 

Auch Männer mit größeren Tumoren können ein zunächst abwartendes Vorgehen in Betracht ziehen - allerdings nur, wenn sie keinerlei Beschwerden haben.
Dann wird allerdings von vielen, wenn auch nicht allen Ärzten eher der Begriff „Abwartende Beobachtung“ oder englisch „Watchful waiting“ verwendet. Ob eine baldige Operation, eine Bestrahlung oder eine Hormontherapie bei größeren  Tumoren nicht die bessere Möglichkeit darstellen, sollte man mit den behandelnden Ärzten diskutieren. 
Meist entscheiden sich Patienten mit etwas größeren Tumoren dann für die regelmäßige Kontrolle, wenn medizinische Gründe gegen eine sofortige Therapie sprechen: etwa eine schwere Herzerkrankung oder andere Vorerkrankungen. 

Durchführung: Wie sieht die Überwachung genau aus?

Für Männer, die sich zur Teilnahme an der PREFERE-Studie entscheiden, gibt es das Angebot engmaschiger Betreuung nach wissenschaftlichen Kriterien.
Ähnlich gestalten die behandelnden Ärzte auch die Pläne für Männer, die nicht an der Studie teilnehmen: 

  • Vorgesehen sind  regelmäßige Gespräche mit den Ärzten zu Allgemeinzustand und eventuellen Beschwerden, 
  • regelmäßige PSA-Bestimmungen und auch 
  • die Wiederholung der Biopsie.

Was tun, wenn der PSA-Wert ansteigt?

Ein sehr langsam steigender PSA-Wert bedeutet je nach Therapiestrategie nicht automatisch, dass sofort eine Therapie erfolgen muss. Sie kann auch erst einsetzen, wenn die Krankheit fortschreitet und sich zum Beispiel der Gleason-Score des Tumorgewebes bei einer erneuten Biopsie verschlechtert.

 

Psychologische Aspekte

Dieses Abwarten ohne Behandlung – kann man das als Patient überhaupt längere Zeit aushalten?
Auf diese Frage gibt es keine pauschale Antwort: Für manche Männer ist es eine Erleichterung zu wissen, dass von ihrem Tumor keine unmittelbare Gefahr ausgeht. Sie schätzen es, dass sie ohne die Nebenwirkungen einer belastenden Therapie leben können.
Für andere Männer wird das Gefühl, den Tumor doch nicht ausreichend unter Kontrolle halten zu können, früher oder später zur Belastung.

Die derzeit vorliegenden Fachartikel weisen darauf hin: Aktives Beobachten ist nur dann eine Möglichkeit, wenn man die Entscheidung auch von sich aus mitträgt. Wenn die Angst überwiegt, etwas zu verpassen oder sich zu schaden, gilt dies für die meisten Fachleute als ausreichender Grund, vielleicht doch eine sofortige Behandlung zu besprechen.

Das bedeutet auch: Man sollte gut über die Strategie der aktiven Überwachung informiert sein, denn Wissen hilft am besten gegen Unsicherheit oder Zweifel. Und: Man sollte sich auch vom "Bauchgefühl" her mit der Entscheidung einverstanden erklären. 

Was, wenn man mit der engmaschigen Beobachtung erst nach einiger Zeit nicht mehr zurecht kommt? Betroffene Männer können sich  jederzeit anders entscheiden und sofort mit einer Behandlung beginnen.
Mehr zu den psychologischen Aspekten einer Tumorerkrankung ist in der Rubrik "Krankheitsverarbeitung" zusammengestellt.

 

Zum Weiterlesen

Eine Übersicht über die für diesen Text genutzten Quellen findet sich beim Thema "Behandlung bei lokal begrenztem Prostatakarzinom" sowie in der Übersicht "Behandlungsplanung bei Prostatakrebs".