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Prostatakrebs, Foto: STEVE GSCHMEISSNER/Getty Images © Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum

Prostatakrebs: Befunde kennen und verstehen

Tumoraktivität, Gleason-Score, TNM-Bewertung, Stadieneinteilung

Wie geht es weiter, wenn die Diagnose Prostatakrebs gestellt wurde? Welche Kriterien für die Planung der Behandlung wichtig sind, erläutert der nachfolgende Text. Er soll betroffenenen Männern helfen, medizinische Befunde zu verstehen, und erklärt wichtige Fachbegriffe.

Welche Befunde sich im eigenen Arztbrief finden und was diese bedeuten, sollten betroffene Männer aber auf jeden Fall auch mit ihren behandelnden Ärzten besprechen. Informationen aus dem Internet können eine persönliche ärztliche Beratung nicht ersetzen

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Quellen und Links

Der Krebsinformationsdienst hat zur Erstellung des Textes im Wesentlichen zurückgegriffen auf die S3-Behandlungsleitlinie deutscher Fachgesellschaften.

Befunde verstehen: Was ist wichtig für die Therapieplanung?

Ein wichtiges Kriterium für die Therapieplanung ist der PSA-Wert: Er sagt bei den meisten Männern viel darüber aus, wie groß ihr Tumor sein könnte. Er ermöglicht es den Ärzten abzuschätzen, wie weit sich die Erkrankung bereits ausgebreitet hat.

Hinzu kommen weitere Befunde, vor allem die, die sich aus einer Gewebeprobe ableiten lassen. Prostatakrebs geht meist von den Drüsenzellen des Organs aus. Diese Tumoren zählen zu den sogenannten Adenokarzinomen. Bei der mikroskopischen Untersuchung des bei einer Biopsie entnommenen Gewebes kann der Pathologe die biologischen Eigenschaften des Tumors genauer bestimmen und Hinweise auf seine Bösartigkeit gewinnen. Dieses sogenannte Grading oder auch der heute übliche "Gleason-Score" ergeben den eigentlichen Befund.

Besteht der Verdacht, dass die Erkrankung nicht auf die eigentliche Prostata begrenzt ist, tragen zudem die Ergebnisse der Ausbreitungsdiagnostik zum Befund bei.

Krebsvorstufen: Gibt es Vorstufen, aus denen sich ein Prostatakarzinom entwickeln kann?

Grafik der Prostata © Frank Geisler
Anatomie der Prostata © Frank Geisler

Bei der Untersuchung von Prostatagewebe finden die Laborspezialisten nicht selten Zellverbände, die zwar keine bösartigen Tumoren sind, sich aber trotzdem von gesundem Gewebe unterscheiden. In ihren Befunden geben sie diese Beobachtungen dann mit folgenden Beschreibungen bzw. Abkürzungen an:

  • HGPIN steht für eine "hochgradige prostatische intraepitheliale Neoplasie". Sie gilt als Hinweis darauf, dass ein Patient ein hohes Risiko hat, ein Karzinom zu entwickeln. Auch ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass sich an anderer Stelle in der Prostata bereits eines gebildet hat, das bei der aktuellen Biopsie nur nicht "getroffen" wurde.
  • ASAP steht für "atypische mikroazinäre Proliferation" und ist ebenfalls Gewebe, das auf ein hohes Tumorrisiko hindeutet. Bei knapp der Hälfte der betroffenen Männer findet sich außerdem auch bereits ein Karzinom.
  • Ein LGPIN-Befund (engl. "Low Grade PIN" für niedriggradige prostatische intraepitheliale Neoplasie) gilt dagegen als harmlos.

Die Autoren der aktuellen Leitlinien empfehlen Patienten, bei denen HG-PIN oder ASAP-Gewebe gefunden wird, sich innnerhalb von sechs Monaten einer erneuten Biopsie zu unterziehen: Die Wahrscheinlichkeit, dass in einem anderen Abschnitt der Prostata doch Tumorgewebe gefunden wird, liegt, je nach für diese Fragestellung ausgewerteter Studie, zwischen 50 und 100 Prozent. Das heißt, in den bisher durchgeführten Studien musste im günstigsten Fall einer von zwei Männern doch mit einer Krebsdiagnose rechnen; in manchen Studien fand man bei einer Nachbiopsie sogar bei allen Männern doch ein Karzinom.

Grading und Gleason-Score: Wie wird beschrieben, wie sich der Tumor verhält?

Lange wurde zur Einstufung das sogenannte Grading-System der Weltgesundheitsorganisation WHO verwendet, abgekürzt mit dem Buchstaben G: Es beschreibt, wie stark sich die Tumorzellen mikroskopisch von normalen "ausgereiften" Zellen unterscheiden. Nach bestimmten Merkmalen teilt man in vier Grade von G1 bis G4 ein. Tumorzellen von Grad 1 (G1) sind gut differenziert, sie sind den normalen Zellen noch vergleichsweise ähnlich. Schlecht differenzierte Tumoren (G4) unterscheiden sich dagegen stark von normalen Zellen, sie wachsen besonders schnell und sind aggressiver als bei Grad 1. G2 und G3 liegen entsprechend dazwischen.

International gebräuchlicher und heute auch in Deutschland Standard ist der sogenannte Gleason-Score, benannt nach dem amerikanischen Arzt Donald Gleason. Er beschreibt ebenfalls das Ausmaß der Abweichung der Tumorzellen beziehungsweise ihres Wachstumsmusters vom gesunden Gewebe. Dazu werden die in einer Probe sichtbaren Zellen nach ihrem Aussehen in fünf verschiedene Gruppen eingeteilt und nach dem Grad ihrer Differenzierung mit einem Wert von 1 bis 5 belegt:

  • 1 steht für gut ausdifferenziert und damit einer gesunden Zelle bzw. gesundem Gewebe noch weitgehend ähnlich.
  • 5 steht für sehr wenig differenziert.

Für die klinische Bedeutung ist dabei der Punktwert, der bei einer großen Gruppe von Zellproben vorliegt, wichtiger als ein einzelner, auffallend abweichender Wert, der nur für wenige Zellen zutrifft. Daher werden nur die beiden größten Gruppen (die mit den meisten Zellen) für den Gleason-Score herangezogen. Zählt man ihre beiden Werte zusammen, erhält man den Score. Er kann also mindestens 2 und maximal 10 betragen, dabei ist 10 der ungünstigste Wert.
Auch die beiden größten Gruppen werden noch gewichtet: Die Punktwerte erhalten eine Reihenfolge, die häufigere Wertung steht vor der selteneren. 4 plus 3 (auch 7b genannt) ist demnach ungünstiger als 3 plus 4 (auch 7a genannt) – bei der ersten Angabe wurde der Wert "4" in mehr Zellen gefunden als bei der zweiten Angabe, obwohl beide Male die Summe einen Gleason-Score von 7 ergibt.

Tumor, Lymphknoten, Metastasen: Welche TNM-Bewertung gilt beim Prostatakarzinom?

Vor der Behandlungsplanung steht die Auswertung aller in den Voruntersuchungen gewonnenen Ergebnisse. Die Einstufung des Tumorstadiums nach dem TNM-System beruht eigentlich auf einer Beurteilung der Situation nach einer Operation oder zumindest einer Bauchspiegelung. Dann wird den TNM-Werten noch ein kleines "p" vorangestellt.

Bei der Beurteilung eines Prostatakarzinoms müssen aber nicht bei jedem Patienten zwangsläufig alle Angaben vollständig sein. Auch ohne Operation kann das TNM-System mit Einschränkungen angewendet und mit den Angaben zum Gleason-Score kombiniert zur Therapieplanung herangezogen werden.

Findet sich hinter einer oder mehreren der TNM-Kürzel der Buchstabe X, bedeutet dies deshalb, dass der jeweilige Wert nicht beurteilbar ist. NX heißt also beispielsweise, dass der Lymphknotenzustand nicht untersucht werden musste, oder dass er nicht sicher angegeben werden kann.

T-Wert

Berücksichtigt wird die Tumorgröße und örtliche Ausdehnung des Karzinoms, angegeben mit dem "T"-Wert:

  • T1: Der Tumor macht keine Beschwerden, war nicht tastbar oder in bildgebenden Verfahren sichtbar und wurde nur durch eine Biopsieprobe festgestellt.
  • T2: Der Tumor ist größer, aber auf die Prostata beschränkt.
  • T3: Der Tumor hat die Prostatakapsel überschritten.
  • T4: Der Tumor ist in Gewebe eingewachsen, das die Prostata umgibt, zum Beispiel in den Blasenhals, den Enddarm oder die Bauchwand.

Um ein Prostatakarzinom genauer beschreiben zu können, wurden die einzelnen Stadien noch weiter unterteilt. So bedeutet beispielsweise T2a, dass Tumorzellen nur in einem kleinen Teil eines Prostatalappen gefunden wurden, T2b beschreibt einen größeren Tumor, der aber nach wie vor nur auf eine Seite der Prostata beschränkt ist. Sind beide Lappen der Prostata betroffen lautet die Bezeichung entsprechend T2c.

N-Wert

Ob die Lymphknoten im Umfeld der Prostata befallen sind, wird mit N von lateinisch "Nodus" angegeben (N0 - Lymphknoten frei, N1 - regionale Lymphknoten enthalten Tumorzellen).

M-Wert

Das Vorhandensein oder Fehlen von Fernmetastasen erschließt sich aus der M-Angabe (M0 oder M1).

T1 N0 M0 bezeichnet nach diesem System zum Beispiel einen kleinen Tumor, der die Prostatakapsel nicht überschritten hat, ohne Lymphknotenbefall und Metastasen. 

Tumorstadium: Wie werden die einzelnen Krankheitsstadien unterteilt?

Das TNM-System darf nicht mit der Einteilung in Tumorstadien verwechselt werden. Dazu nutzen Fachleute auch die vielen Studien, aus denen sich die Aussagekraft der verschiedenen Einzelbefunde für die weitere Entwicklung der Erkrankung ableiten lässt.

  • Als lokal begrenzt bezeichnen Fachleute Prostatatumoren, die noch auf die eigentliche Vorsteherdrüse begrenzt sind und die bindegewebige Kapsel des Organs nicht durchbrochen haben. Im TNM-System werden diese Tumoren als T1 oder T2 eingestuft. Weitere Voraussetzung: Es gibt anhand aller Untersuchungen keine Anzeichen für einen Befall der Lymphknoten oder für Metastasen. Dafür stehen die Angaben N0 und M0.
  • Betroffene Männer finden weitere Informationen für ihre Situation im Text "Prostatakrebs: Behandlung bei lokal begrenzten Tumoren".

Alle weiteren Tumoren gelten streng genommen als "fortgeschritten", doch für die Heilungsaussichten spielt es eine wichtige Rolle, welche weitere Einteilung sich aus den sonstigen Befunden ergibt. Dabei spielt es keine Rolle, ob es sich um eine erste Prostatakrebsdiagnose handelt, oder ob man bereits einmal behandlelt wurde, der Tumor sich aber erneut gebildet hat.

  • Als lokal fortgeschritten gilt die Erkrankung, wenn der Tumor größer ist und die bindegewebige Kapsel der Prostata durchbrochen hat oder sogar schon benachbarte Organe betrifft (Einstufung T3 oder T4). Für die Einstufung als "lokal", also nur örtlich fortgeschritten, sind aber folgende Kriterien entscheidend: Der Tumor darf sich nicht in die umliegenden Lymphknoten oder gar in entfernte Organe ausgebreitet haben (Angaben N0, M0).
  • Als metastasiert bezeichnet man die Erkrankung, wenn sich in Lymphknoten Krebsgewebe finden lässt, (N1 bis N3), unabhängig von der Tumorgröße, und/oder, wenn sich Hinweise auf Metastasen in anderen Organen und Geweben (M1) ergeben. Solche Anzeichen können typische Beschwerden wie etwa Knochenschmerzen bei Knochenmetastasen sein. Auch ein sehr hoher und/oder schnell ansteigender PSA-Wert ist ein erster Hinweis darauf, dass sich die Erkrankung im Körper ausgebreitet haben könnte.
  • Männer mit fortgeschrittenen Tumoren finden einen Überblick im Text "Fortgeschrittenes Prostatakarzinom".

Zum Weiterlesen: Linktipps und Quellen (Auswahl)