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Nierenzellkrebs © Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum
Nierenzellkrebs

Nierenzellkrebs: Symptome, Diagnose und Behandlung

Letzte Aktualisierung: 01.12.2020
  • Die meisten Krebserkrankungen der Niere sind sogenannte Nierenzellkarzinome, manchmal auch kurz als Nierenkrebs oder Nierenkarzinom bezeichnet.
  • Nierenzellkrebs macht im frühen Erkrankungsstadium kaum Symptome. Meistens entdecken ihn die Ärzte zufällig.
  • Örtlich begrenzten Nierenkrebs entfernen Ärzte mit einer Operation. Hat der Nierenkrebs im Körper gestreut, behandeln Ärzte in der Regel mit zielgerichteter Therapie und Immuntherapie.

Hinweis: Informationen aus dem Internet können Ihnen einen Überblick bieten. Sie sind aber nicht dazu geeignet, die Beratung durch einen Arzt oder eine Ärztin zu ersetzen.

96 von 100 Patienten in Deutschland mit Nierentumoren haben ein Nierenzellkarzinom. Die Statistik zeigt, dass Nierenzellkarzinome im Vergleich zu anderen Tumorarten eher selten sind: Für 2020 erwarten die Experten der Krebsregister, dass etwa 9.700 Männer und 5.700 Frauen erstmals die Diagnose erhalten werden. Frauen sind bei der Diagnose im Mittel etwa 72 Jahre, Männer 68 Jahre alt.

Bei Kindern kann Nierenkrebs ebenfalls auftreten, wenn auch deutlich seltener. Bei ihnen handelt sich es dann allerdings um eine andere Krebsart: einen Wilms-Tumor, auch Nephroblastom genannt.

  • Allgemeine Informationen und Ansprechpartner für Eltern krebsbetroffener Kinder bietet ein eigener Text Krebs bei Kindern.

Risikofaktoren: Was kann bei Erwachsenen ein Nierenzellkarzinom auslösen?

Bei vielen Patienten lässt sich im Nachhinein nicht klären, was bei ihnen ein Nierenzellkarzinom ausgelöst hat. Als vermeidbare Risikofaktoren gelten vor allem Rauchen, Übergewicht und Bluthochdruck. Eine chronische Nierenschädigung und Nierenversagen steigern das Risiko ebenfalls. Auch Menschen mit einigen sehr seltenen vererbbaren Erkrankungen sind gefährdet. Zudem scheint mangelnde körperliche Aktivität das Risiko zu erhöhen, an Nierenkrebs zu erkranken.

Typische Warnzeichen fehlen oft: Tumoren nicht selten ein Zufallsbefund

Gezielte Früherkennungsuntersuchungen, die sich für alle Gesunden eignen würden, gibt es bisher nicht. Bei mehr als der Hälfte der Patienten entdecken Ärzte das Nierenzellkarzinom per Zufall: Meist geschieht das im Rahmen einer bildgebenden Untersuchung wegen einer anderen Frage, etwa einer Ultraschalluntersuchung.

Wirklich typische Symptome und Warnzeichen treten nicht auf. Meist machen erst fortgeschrittene, größere Tumoren der Niere eindeutige Beschwerden: Schmerzen in der Nierengegend, die bis in den Rücken ausstrahlen können, oder Blut im Urin. Große Tumoren lassen sich unter Umständen tasten.

Steht der Verdacht eines Nierenkarzinoms im Raum? Dann klären die Ärzte ab, wie groß der Tumor ist, und ob er sich auf andere Organe und Gewebe ausgebreitet hat.

Operation: Individuelle Planung wichtig

Ob eine Operation zur Therapie des Nierenzellkarzinoms infrage kommt, hängt vom Stadium der Erkrankung und vom persönlichen Allgemeinzustand ab. Auch die Gewebeuntersuchung kann darüber Aufschluss geben.

Bei vielen Patienten können Ärzte den Tumor operativ entfernen. Bei einigen, aber nicht allen Betroffenen gelingt es, dabei sogar die Niere zu erhalten.

Aktive Überwachung: Patienten mit einem kleinen Tumor in der Niere benötigen unter Umständen keine Operation: Wächst der Tumor sehr langsam, können manche Betroffene mit dem Tumor leben. Das ist vor allem bei Patienten sinnvoll, für die eine Operation ein großes gesundheitliches Risiko wäre. Wichtig ist für sie, dass die behandelnden Ärzte das Tumorwachstum regelmäßig kontrollieren.

OP-Methoden: Bei der Mehrzahl der Betroffenen mit Nierenkrebs lässt die Krankheit kein Abwarten zu.

  • Steht eine Operation an, prüfen die Ärzte zunächst, ob die gesamte betroffene Niere entfernt werden muss, oder ob es gelingen könnte, nur den Tumor mit den angrenzenden Gewebeteilen herauszuschneiden.
  • Für manche Patienten mit einem kleinen Tumor besteht auch die Möglichkeit für einen minimal-invasiven Eingriff. Das bedeutet, dass keine offene Operation notwendig ist. Für dieses Verfahren genügen kleine Hautschnitte.
  • Eine weitere Alternative: Ebenfalls nur über kleine Hautschnitte können die Ärzte ein Hitze- oder auch eine Kältequelle direkt in den Tumor platzieren. Dann wird das Tumorgewebe nicht herausgeschnitten, sondern durch Hitze zerstört oder vereist.
  • Bei größeren oder ungünstig gelegenen Nierenzellkarzinomen ist ein minimal-invasiver Eingriff jedoch nicht möglich: Viele Betroffene müssen damit rechnen, dass die Ärzte den Tumor nur in einer offenen Operation vollständig entfernen können, zusammen mit der betroffenen Niere.

Ist das Nierenzellkarzinom fortgeschritten und haben sich bereits Metastasen gebildet, operieren die Ärzte meist nicht. Eine Operation der Metastasen ist nur bei sehr wenigen Betroffenen sinnvoll, wenn die Ärzte dadurch die Metastasen vollständig entfernen können.

Medikamente bei fortgeschrittener Erkrankung mit Metastasen

Haben sich bei einem Nierenzellkarzinom bereits Metastasen gebildet, dann behandeln Ärzte in der Regel mit Medikamenten. Dafür setzen sie die zielgerichtete Therapie und eine Immuntherapie mit Immun-Checkpoint-Hemmern ein. Experten empfehlen für die Erst-Behandlung meist eine Kombinationstherapie.

Die ältere, vergleichsweise ungezielte Form der Immuntherapie mit Zytokinen ist heutzutage eher selten.

Bei einem metastasierten Nierenkrebs ist eine heilende Behandlung oftmals nicht möglich. Die Therapie zielt dann darauf ab, Beschwerden zu lindern, die Lebensqualität zu verbessern und das Leben zu verlängern.

Eine Chemotherapie, wie sie bei vielen anderen Tumorarten üblich ist, zeigt in der Behandlung bei Nierenzellkarzinom keinen Erfolg.

Eine Niere liegt in der rechten und eine in der linken Körperhälfte.
Die Niere ist ein bohnenförmiges Organ im hinteren Bauchraum. Jeder Mensch hat normalerweise zwei Nieren, eine in der linken und eine in der rechten Körperhälfte. © Magic Mine, Shutterstock

Die Hauptaufgabe der Niere ist es, das Blut zu reinigen und den Urin zu bilden. Die Niere kann anhand ihrer Struktur unterteilt werden: in das Nierengewebe und das Nierenbecken. Die eigentliche Aufgabe der Niere übernehmen innerhalb des Nierengewebes die sogenannten Nephrone. In diesen röhrenförmigen Untereinheiten werden Stoffwechselprodukte, Giftstoffe und überflüssiges Wasser aus dem Blut gefiltert. Der so gebildete Urin sammelt sich im Nierenbecken. Von dort gelangt er durch den Harnleiter zur Blase und kann über die Harnröhre ausgeschieden werden.

Anatomisch unterteilt sich die Niere in Nierenbecken und Nierengewebe. Das Nierenzellkarzinom geht vom Nierengewebe aus.
Der Nierenzellkrebs geht vom Nierengewebe aus. © Krebsinformationsdienst, DKFZ, erstellt mit BioRender.com

Bei den meisten Patienten mit einem Krebs der Niere finden sich Tumoren im Nierengewebe. Diese Tumoren werden als Nierenzellkarzinome bezeichnet. Auch sie lassen sich noch weiter unterteilen: Das häufigste Nierenzellkarzinom ist das sogenannte klarzellige Nierenkarzinom, von dem 80 bis 90 Prozent der Patienten mit Nierenzellkarzinom betroffen sind.

Tumoren des Nierenbeckens und der Harnleiter, sogenannte Urothelkarzinome, sind seltener. Fachleute zählen sie zu den Krebserkrankungen der Harnwege, sie werden auch so behandelt. Auch Sarkome oder Lymphome können in der Niere entstehen, sie werden ebenfalls anders behandelt als die Nierenzellkarzinome.

Bei vielen Betroffenen lässt sich im Nachhinein nicht klären, warum sie erkrankt sind. Man kennt aus Studien jedoch einige Risikofaktoren: Sie steigern rein statistisch die Wahrscheinlichkeit, an einem Nierenzellkarzinom zu erkranken. Dazu gehören das Rauchen, Übergewicht und Bluthochdruck.

Lebensstil als Risiko

Ein vermeidbares Risiko für Nierenzellkrebs ist Rauchen. Nicht als gesichert gilt, ob Passivrauchen das Risiko für ein Nierenzellkarzinom erhöht. Einige Studien deuten jedoch darauf hin.

Ein Einfluss der Ernährungsweise auf das Risiko, an Nierenzellkrebs zu erkranken, ist nicht geklärt.

Der Zusammenhang zwischen Übergewicht und dem Auftreten von Nierenzellkrebs lässt sich vor allem an einem erhöhten Body-Mass-Index (BMI) festmachen. Einige Studien deuten aber auch darauf hin, dass vor allem ein übermäßiger Bauchumfang ein Risikofaktor sein könnte. Das bedeutet: Die Körperform spielt vielleicht eine wichtigere Rolle als das Übergewicht an sich. Doch noch sind dazu Fragen offen.

Durch körperliche Aktivität scheint sich das Risiko für Nierenkrebs zu reduzieren, darauf weisen einige Studienergenisse hin.

Vorerkrankungen

Ein erhöhter Blutdruck steigert das Risiko, an Nierenzellkrebs zu erkranken, zumindest wenn er nicht rechtzeitig und ausreichend behandelt wird. Bei Patienten, deren Blutdruck mit Medikamenten gut eingestellt ist, sinkt das Risiko wieder.

Eine chronische Niereninsuffizienz, also eine dauerhafte schwere Nierenschädigung, begünstigt Tumoren der Niere. Dabei scheint es keine Rolle zu spielen, was genau die Nierenschädigung verursacht hat: Bei einem Teil der Betroffenen findet sich in der Vorgeschichte Kontakt zu nierenschädigenden chemischen Substanzen, meist am Arbeitsplatz.

Auch einige Arzneimittel können das Organ belasten und damit langfristig zu einem Nierenkarzinom beitragen. Bekanntestes Beispiel sind einige heute nicht mehr erhältliche Schmerzmittel, wie etwa Phenacetin.

Patienten nach einer Nierentransplantation haben ebenfalls ein erhöhtes Risiko, ein Nierenzellkarzinom zu entwickeln.

Vererbung – Krebs in der Familie?

Angehörige von Patienten mit Nierenzellkrebs haben rein statistisch ein höheres Risiko, selbst zu erkranken. Dafür können sowohl die gemeinsamen Lebensumstände verantwortlich sein, wie auch vererbbare Risikogene. Solche Risikogene finden sich jedoch nur bei vergleichsweise wenigen Patienten. Genetisch bedingte Nierenzellkarzinome treten bei vielen Betroffenen schon in einem jüngeren Lebensalter auf als Nierenkrebserkrankungen bei Betroffenen ohne genetische Veranlagung. Als Ursache für die Erkrankung kommen unter anderem Genveränderungen infrage, die insgesamt das Krebsrisiko steigern, etwa das sehr seltene Von-Hippel-Lindau-Syndrom.

Wer befürchtet, von einer solchen familiär vererbbaren Genveränderung betroffen zu sein, sollte sich zunächst mit dem Hausarzt oder behandelnden Facharzt besprechen und bei Bedarf um die Überweisung zu einer genetischen Beratung bitten.

Keine Früherkennung für alle

In Deutschland wird aktuell keine systematische "Krebsvorsorge"-Untersuchung für das Nierenzellkarzinom angeboten. Der Grund: Die Erkrankung ist vergleichsweise selten, und die regelmäßige Untersuchung aller Gesunden wäre enorm aufwändig und für die meisten auch ohne langfristigen Nutzen. Anders sieht es für Menschen aus, bei denen die Ärzte von einem hohen Risiko ausgehen: bei chronischen Nierenschäden oder bei Verdacht auf ein erbliches Risiko.

Arzt führt eine Ultraschalluntersuchung des Bauches an einer Patientin durch
Zufallsbefund: Der Ultraschall macht Nierenveränderungen sichtbar. Für die Früherkennung bei allen Gesunden eignet sich die Untersuchung jedoch nicht. © Khakimullin Aleksandr, Shutterstock

Patienten mit Nierenkrebs können Symptome haben, müssen es aber nicht. Mehr als die Hälfte der Nierenzellkarzinome entdecken die Ärzte per Zufall. Das heißt, die Betroffenen kommen aus einem anderen Grund zum Arzt, oder weil sie sich ganz allgemein nicht gut fühlen. Spezifische Beschwerden treten meist erst auf, wenn der Tumor fortgeschritten ist.

Häufige Symptome und Warnsignale bei Nierenkrebs:

  • Schmerzen in der Nierengegend und der Seite, die bis in den Rücken ausstrahlen können (Flankenschmerz)
  • Blut im Urin
  • größere Tumoren lassen sich unter Umständen sogar tasten

Sprechen Sie bei Beschwerden mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Die Ärzte können gegebenenfalls an einen Facharzt überweisen. Ist der Verdacht auf eine Krebserkrankung sehr stark, können sich Betroffene auch direkt an die Ambulanz einer spezialisierten Klinik überweisen lassen. Infrage kommen Krankenhäuser, die viel Erfahrung mit Nierenzellkrebs haben.

 

Welche Untersuchungen sind wichtig?

Steht der Verdacht eines Nierenzellkarzinoms im Raum, sind mehrere Untersuchungen notwendig:

  • Anamnese und körperliche Untersuchung: Der Arzt fragt nach dem allgemeinen Gesundheitszustand und tastet die Nieren von außen ab.
  • Blut- und Urinproben: Sie geben Auskunft über die Funktion von Niere und Leber.
  • Bildgebende Untersuchungen: Ultraschall, Computertomographie (CT) oder Magnetresonanztomographie (MRT). Damit können die Ärzte das Tumorwachstum und das Tumorstadium genauer erfassen und die Behandlung möglichst gut auf die persönliche Situation anpassen.
  • Entnahme einer Gewebeprobe: Eine Biopsie aus dem Tumor ist nicht bei allen Patienten notwendig. Beispielsweise dann nicht, wenn relativ sicher ist, dass es sich um einen bösartigen Tumor handelt und dieser operativ entfernt werden soll. Wichtig ist die Biopsie, wenn Ärzte eine Operation vermeiden wollen oder Metastasen aufgetreten sind und bisher keine genaueren Informationen über die Eigenschaften des Krebsgewebes vorliegen.

Die Behandlung eines Patienten mit Nierenzellkrebs hängt von der Größe, Lage, Ausdehnung und Aggressivität des Tumors ab. Je nach Befund kommen eine Operation oder eine medikamentöse Behandlung infrage.

Die Ärzte operieren Krebspatientinnen und Krebspatienten mit einem Nierenzellkrebs, wenn der Tumor örtlich begrenzt ist. Hier ist das Ziel eine vollständige Heilung. Ist der Krebs schon örtlich fortgeschritten, hat aber noch keine Metastasen gestreut, wird ebenfalls eine operiert.

Hat der Nierenkrebs Metastasen in anderen Organen gebildet, behandeln die Ärzte ihre Patientinnen und Patienten mit Medikamenten. Fachleute sprechen von "systemischer Therapie", weil eine medikamentöse Behandlung im gesamten Körper wirkt.

Zu den systemischen Therapien gehören zielgerichtete Medikamente und die Immuntherapie mit Immun-Checkpoint-Hemmern, häufig in Kombination. Die systemische Therapie kann dazu beitragen, Beschwerden zu lindern, die Lebensqualität des Patienten zu verbessern und das Leben zu verlängern.

Operation eines Nierenzellkarzinoms: Methoden und Ablauf

Drei Ärzte führen in einem Operationssaal eine Oeration durch. © Jochen Sand/Thinkstock
Die Operation spielt eine wichtige Rolle in der Behandlung des Nierenzellkarzinoms. © Jochen Sand/Thinkstock

Können die Ärzte einen Nierenzelltumor operativ vollständig entfernen und gibt es keine Hinweise auf Metastasen, ist eine Heilung möglich. Noch vor wenigen Jahren wurde bei den meisten Patienten die betroffene Niere ganz entfernt. Heute weiß man, dass sich das betroffene Organ bei kleinen Tumoren unter Umständen erhalten lässt: Auch wenn nur der Tumor herausoperiert wird, verschlechtern sich die Erfolgsaussichten betroffener Patienten nicht.

Die Ärzte haben mehrere Möglichkeiten, den Tumor aus der Niere zu entfernen: Der chirurgische Eingriff kann als offene Operation erfolgen. Lassen es Lage und Größe des Tumors zu,  ist auch die minimal-invasive Entfernung als "Schlüssellochoperation" möglich. Die Entscheidung hängt von der individuellen Erkrankungssituation und der Erfahrung der Chirurgen ab.

Der Krankenhausaufenthalt nach der Operation kann zwischen wenigen Tagen und über einer Woche variieren. Nach der Operation braucht der Körper Zeit: Bis die Wunden abheilen, die durch den Eingriff entstanden sind, dauert es etwas länger. Patienten, die minimal-invasiv operiert werden, benötigen etwas weniger Zeit zur Erholung als Patienten nach einem offenen Eingriff. Sie kommen nicht selten auch mit weniger Schmerzmitteln aus. Komplikationen treten bei beiden Verfahren eher selten auf. Wie nach allen Operationen besteht ein gewisses Risiko von Wundinfektionen, Schwellungen oder Nachblutungen.



Operation bei fortgeschrittener Erkrankung

Ist die Krebserkrankung schon fortgeschritten und haben sich bereits Metastasen gebildet, operieren die Ärzte Krebspatienten mit Nierenzellkrebs in der Regel nicht, sondern behandeln medikamentös.

Bei einzelnen Patienten kann eine Operation sinnvoll sein:

  • Wenn sie sich in einem guten Allgemeinzustand befinden.
  • Wenn nur eine oder wenige Metastasen vorliegen und die Ärzte sie vollständig entfernen können. Dann ist auch eine Heilung möglich.
  • Wenn Tumor oder Metastasen Beschwerden bereiten und eine Operation Linderung bringt.
  • Um Tumormasse durch Entfernen der Tumorniere zu verringern, Fachleute sprechen von "zytoreduktiver Therapie".

Durch eine Operation ist eine Heilung zwar nur für wenige Patientinnen und Patienten mit metastasiertem Nierenkrebs möglich. Aber je nach Situation können die Ärzte dadurch das Überleben verlängern. Patienten müssen allerdings gemeinsam mit ihren Ärzten Risiken und Nutzen des Eingriffs abwägen.

Falls die Ärzte nicht das gesamte Tumorgewebe entfernen können, benötigen Patienten unter Umständen nach der OP Medikamente, um das Wachstum der verbliebenen Tumormasse zu hemmen.

Alternativen zur OP: Nicht für jeden geeignet

Eine Behandlungsoption bei kleinen Tumoren der Niere stellen die Kryoablation und die Radiofrequenzablation dar. Beide Verfahren sind minimal-invasiv: Das bedeutet, dass keine offene Operation für den Eingriff nötig ist. Bei dem Eingriff platzieren die Ärzte über einen kleinen Hautschnitt eine oder mehrere Sonden im Tumor. Anschließend zerstören sie das Tumorgewebe entweder durch Kälte bei der Kryoablation oder durch Hitze bei der Radiofrequenzablation. Wann setzen die Ärzte diese Verfahren ein? Die Anwendung kann dann eine Option sein, wenn der Tumor klein ist und eine Operation wegen einer schweren Begleiterkrankung des Patienten nicht möglich ist.

Abwarten statt sofort zu operieren: Aktive Überwachung

Einigen Patienten raten die Ärzte auch, den Tumor lediglich überwachen zu lassen. Das bedeutet, dass die Ärzte den Tumor nicht entfernen, sein Wachstum aber regelmäßig kontrollieren. Für dieses Vorgehen kommen vor allem Patienten mit einem sehr kleinen Tumor infrage. Zweite Voraussetzung: Für sie würde eine Operation ein unnötig hohes Risiko darstellen, oder sie lehnen diese aus anderen Gründen ab.

Um sicher zu gehen, dass es sich nicht um einen aggressiven, schnell wachsenden Tumor handelt, entnehmen die Ärzte zu Beginn der Überwachung eine Gewebeprobe aus dem Tumor.

Die Entscheidung, den Tumor nicht zu operieren, birgt jedoch ein gewisses Risiko: Trotz sorgfältiger Überwachung kann der beste Zeitpunkt für eine chirurgische Entfernung verpasst werden, falls der Tumor – entgegen der Erwartung – doch Metastasen bildet.

Medikamentöse Therapie bei Metastasen

Alter Mann liegt in einem Krankenhausbett.
Systemische Therapien erhalten die Patienten entweder als Infusion oder als Tabletten oder Kapseln. Katarzyna Bialasiewicz photographee.eu/©Thinkstock

Haben sich vom Nierenzellkarzinom ausgehend bereits Metastasen gebildet, behandeln die Ärzte die Patienten in der Regel mit Medikamenten. Da die Therapie im gesamten Körper wirkt, sprechen Fachleute von systemischer Therapie. Infrage kommt eine zielgerichtete Therapie und eine Immuntherapie mit Immun-Checkpoint-Hemmern, häufig in Kombination.

Die systemische Therapie des Nierenzellkarzinoms ist komplex und sollte in einem spezialisierten Zentrum stattfinden.

Zielgerichtete Therapie: Zielgerichtete Medikamente richten sich gegen bestimmte Eigenschaften der Krebszellen, die für das Tumorwachstum wichtig sind. Nur wenn die Tumorzellen diese Merkmale haben, kann diese Behandlung nützen.

Bei einem metastasierten Nierenzellkarzinom verabreichen die Ärzte in der Regel zur Erst-Behandlung die Kombination eines zielgerichteten Medikaments mit einem Immun-Checkpoint-Hemmer. Manchmal setzen sie zielgerichtete Medikamente auch alleine ein. Eine solche Monotherapie findet statt, wenn

  • die Patienten ein günstiges Risikoprofil haben,
  • die Krankheit langsam fortschreitet,
  • eine Immuntherapie nicht möglich ist,
  • es den Patienten sehr schlecht geht oder sie schon sehr alt sind.

Mögliche Nebenwirkungen der zielgerichteten Arzneimittel: Typischerweise treten Haut- und Schleimhautprobleme sowie Verdauungsbeschwerden auf. Je nach Präparat können noch weitere Nebenwirkungen die Lebensqualität der Betroffenen beeinträchtigen.

Immuntherapie mit Immun-Checkpoint-Hemmern: Diese Therapie nutzt das körpereigene Immunsystem, um den Krebs zu bekämpfen. Schon bestehende Abwehrmechanismen des Körpers werden verstärkt und gezielt auf die Krebszellen gerichtet.

Metastasierte Nierenzelltumoren sprechen bei vielen Krebspatienten gut auf eine Kombinationstherapie mit zwei Immun-Checkpoint-Hemmern an. Möglich ist auch die Kombination eines Immun-Checkpoint-Hemmers mit einem zielgerichteten Arzneimittel.

Mögliche Nebenwirkungen der Immun-Checkpoint-Hemmer: Wenn eine Immuntherapien das Immunsystem zu stark aktiviert, kann es zu überschießenden Immunreaktionen kommen. Folgen sind dann unter Umständen Fieber, Entzündungen der Haut, des Magen-Darm-Trakts oder der Lunge.

Für beide systemische Therapien gilt: Die Ärzte verabreichen unterschiedliche Wirkstoffe, je nachdem, ob die Patienten eine eher günstige, mittlere oder ungünstige Prognose haben.

Die medikamentöse Therapie ist meist eine Dauertherapie und erfolgt solange, bis die Krankheit fortschreitet oder die Patientin oder der Patient die Wirkstoffe nicht mehr verträgt. Dann ist ein Wechsel auf andere Präparate möglich.

Weil Patienten die Medikamente meist über längere Zeit einnehmen, können ihre Nebenwirkungen die Lebensqualität beeinträchtigen. Die Patientinnen und Patienten können im Gespräch mit ihrem Arzt abklären, mit welchen Folgen zu rechnen ist und wie sie sich gegebenenfalls lindern lassen.

Eine Immuntherapie mit Zytokinen hat eine eher unspezifische Wirkung und spielt heute nur noch eine untergeordnete Rolle.

Chemotherapie und Bestrahlung: Kaum Bedeutung bei Nierenkrebs

Eine Bestrahlung ist bei Nierenkrebs mit Metastasen zur Linderung krankheitsbedingter Beschwerden wichtig, vor allem wenn eine Operation nicht möglich ist. Sie richtet sich vor allem gegen Metastasen in Knochen oder Gehirn. Heilen lässt sich ein Nierenzellkarzinom durch eine Strahlentherapie allerdings nicht.

Nur einen vergleichsweise geringen Stellenwert bei der Behandlung des Nierenkarzinoms hat die Chemotherapie.

Behandlung in klinischen Studien: Neue Verfahren, Therapieoptimierung

Klinische Studien dienen dazu, neue Therapieansätze an einer größeren Zahl von Patienten zu testen, bevor ein neues Verfahren zum Standard wird oder neue Medikamente für die Behandlung bei einer Erkrankung zugelassen werden. Die Ziele: die Wirksamkeit der Therapie bei der jeweiligen Erkrankung nachzuweisen und Nebenwirkungen der Therapie frühzeitig und unter möglichst sicheren Bedingungen zu erkennen. In solchen Studien werden Patienten sehr intensiv betreut und engmaschig überwacht.

Es gibt jedoch noch eine andere Form von klinischen Studien, die  nicht der Zulassung einer neuen Therapie gilt.  Ziel dieser sogenannten Therapieoptimierungsstudien ist es, die bestehende Therapie weiter zu verbessern, etwa durch Veränderungen bei der zeitlichen Reihenfolge der Medikamentengabe. Auch die Verträglichkeit einer Therapie in Kombination mit anderen Verfahren kann Inhalt klinischer Studien sein.

Für Krebspatienten bietet die Teilnahme an einer klinischen Studie die Möglichkeit, von modernen Therapieverfahren zu profitieren. Allerdings gibt es für die Teilnahme an den einzelnen Studien genaue Vorgaben, nicht jeder Patient kann teilnehmen: Entscheidend können zum Beispiel das Alter, das Krankheitsstadium, Begleiterkrankungen oder die vorangegangene Therapie sein. Die Teilnahme an klinischen Studien ist außerdem mit Risiken verbunden: Noch ist nicht alles bekannt, was auf Patienten zukommen könnte.

Hilfe bei der Entscheidung, ob die Teilnahme an einer klinischen Studie sinnvoll ist, und wie man eine passende Studie findet, bietet der Text Klinische Studien für Krebspatienten: Häufige Fragen, wichtige Antworten.

Die Rehabilitation, kurz Reha genannt, hat viele Ziele: Sie soll helfen, den Erholungsprozess nach der Behandlung zu fördern und Langzeitfolgen der Erkrankung wie der Therapie vorzubeugen. Einen Anspruch auf Rehabilitationsleistungen haben fast alle Krebspatienten. Für gesetzlich Versicherte übernimmt die Rentenversicherung oder je nach Situation die Krankenkasse die Kosten. Vergleichbare Regelungen existieren für Beihilfeberechtigte. Für Privatversicherte gilt der jeweilige Versicherungsvertrag.

Reha-Leistungen kann man stationär in einer spezialisierten Klinik erhalten, meist über einen Zeitraum von etwa drei Wochen. Für viele Krebspatienten schließt sich ein solcher Aufenthalt als "Anschlussrehabilitation" direkt an die eigentliche Behandlung an. Eine Alternative ist die ambulante Reha-Behandlung, sofern geeignete Reha-Zentren vom Wohnort aus gut erreichbar sind.
Ältere Menschen oder Patienten, die durch die Erkrankung und ihre Folgen noch nicht wieder alleine zurechtkommen, benötigen ein ganz auf ihre Situation zugeschnittenes Reha-Angebot: Dazu gehören zum Beispiel Physiotherapie und ähnliche Maßnahmen, bei Bedarf aber auch häusliche Krankenpflege und weitere Unterstützung im Alltag. Gerade für ältere und/oder alleinlebende Menschen ist die Prüfung des konkreten Bedarfs besonders wichtig, noch bevor die Behandlung im Krankenhaus beendet ist.

An diese medizinische Rehabilitation im engeren Sinn können sich weitere Leistungen anschließen: Berufstätige, die wieder arbeiten wollen, haben Anspruch auf weitere Unterstützung, wie zum Beispiel Leistungen zur Wiedereingliederung am Arbeitsplatz.

Ob eine Rehabilitation sinnvoll ist, welche Ansprüche bestehen und wo es geeignete Einrichtungen gibt, kann man meist schon während des Klinikaufenthaltes klären. Wichtige Ansprechpartner sind die behandelnden Ärzte. Im Gespräch mit ihnen lassen sich Vor- und Nachteile der verschiedenen Formen von Rehabilitation besprechen. Die Mitarbeiter der Kliniksozialdienste klären konkrete Fragen zur Reha, und sie unterstützen bei der Antragsstellung.

Wer eine Rehabilitation machen möchte, aber nur ambulant behandelt wird, kann sich mit seinen Fragen außer an die zuständigen Ärzte auch an den eigenen Reha-Versicherungsträger wenden, also die Renten- oder Krankenversicherung.

Als Tumornachsorge bezeichnet man die regelmäßigen Untersuchungen, die im Anschluss an die eigentliche Behandlung stattfinden. Sie dienen dazu, eine Rückkehr des Tumors oder Metastasen frühzeitig zu erkennen. Die Nachsorge bietet jedoch noch mehr, als die eigentlichen gesundheitlichen "Checks": Man kann im Arzt-Gespräch Probleme und Beschwerden ansprechen. Fachleute empfehlen Krebspatienten, das Angebot zur Nachsorge wahrzunehmen.

Es bietet sich an, bereits vor dem Ende der eigentlichen Therapie mit den behandelnden Ärzten über die Nachsorge zu sprechen. So lässt sich rechtzeitig klären, welcher Arzt der Ansprechpartner für die Nachsorge ist und wo sie stattfinden soll. Grundsätzlich kann die Versorgung bei einem niedergelassen Facharzt erfolgen. Auch die spezialisierten Ambulanzen größerer Krebszentren können die Betreuung übernehmen. Wohnt man nicht in der Nähe eines solchen Zentrums, sollte man dann aber auch klären, wer vor Ort Ansprechpartner für allgemeine gesundheitliche Fragen oder in Notfällen ist.

Beim Nachsorgetermin erkundigt sich der Arzt nach dem persönlichen Befinden: Sind Beschwerden seit dem Abschluss der Therapie aufgetreten? Weitere Bestandteile des Nachsorgetermins können eine körperliche Untersuchung sowie gegebenenfalls Blut-, Urin-, sowie Ultraschall- und Röntgenuntersuchungen sein. Dabei kontrolliert der Arzt insbesondere die Funktion der Niere(n): Nach einer organerhaltenden Operation kann die Funktion der betroffenen Niere eingeschränkt sein. Für Menschen, denen eine Niere komplett entfernt wurde, ist es besonders wichtig, dass die verbleibende Niere möglichst gesund ist. Anzeichen für eine Schädigung ist zum Beispiel ein erhöhter Blutdruck, auch durch Blut- und Urinuntersuchungen lassen sich Nierenschädigungen oder eine nicht ausreichende Funktion erkennen.

Welche Untersuchungen im Einzelfall sinnvoll sind, hängt stark von der individuellen Situation ab, von der notwendigen Nachbehandlung, aber auch dem persönlichen Risiko für einen Rückfall. Im Gespräch mit den behandelnden Ärzten lässt sich klären, welche Kontrollen wann notwendig sind.

  • Wichtig: Treten zwischen den Nachsorgeuntersuchungen Beschwerden auf, sollte man nicht bis zum nächsten Termin warten, sondern gleich zum Arzt gehen.

Seelische und soziale Beschwerden ansprechen

Neben dem körperlichen Befinden sollte man beim Nachsorgetermin auch seelische Beschwerden ansprechen – dies muss niemand peinlich sein, und es gibt Hilfe zur Krankheitsbewältigung. Der betreuende Arzt kann Beratungsstellen, Psychotherapeuten oder weitere Anlaufstellen nennen, die auf die Unterstützung von Krebspatienten spezialisiert sind.

Auch Probleme im Alltag, in der Familie oder gegebenenfalls im Beruf sollte man ansprechen. Denn auch zu sozialrechtlichen und beruflichen Fragen gibt es Ansprechpartner, die konkrete Hilfe vermitteln oder Lösungsansätze aufzeigen können.

Alte Frau schaut nachdenklich aus dem Fenster.
Nach einer Krebsdiagnose treten meist viele Fragen auf. [Symbolbild] Bild: Tobias Schwerdt © Krebsinformationsdienst, DKFZ

Eine Krebserkrankung ist ein belastender Einschnitt im Leben, der für die meisten Menschen mit Veränderungen und Herausforderungen verbunden ist. Viele Patienten und auch ihre Angehörigen fragen sich im Lauf der Erkrankung, was sie selbst tun können, um die Behandlung zu unterstützen. Pauschal lassen sich diese Fragen selten beantworten: Viele Menschen wünschen sich Hilfe bei der psychischen Bewältigung der Erkrankung. Je nach Situation ist die Linderung von Nebenwirkungen der Therapie ein wichtiges Thema. Und fast alle Krebspatienten treibt die Frage um, wie sie möglichst gezielt einem Rückfall vorbeugen können. Auch alternative Behandlungsmethoden oder Nahrungsergänzungsmittel spielen für manche Betroffene eine Rolle.

Was wem nützt und was unter Umständen vielleicht schadet, hängt sehr von der persönlichen Situation ab. Wer selbst etwas tun möchte, sollte dies aber für alle Fälle vorher mit seinem Arzt absprechen. So schützt man sich vor ungewollten Wechselwirkungen mit der Krebsbehandlung oder ähnlichen Risiken.

Kurz- und langfristige Nebenwirkungen: Beschwerden nach der Therapie

Die zielgerichteten Therapien sowie die Immuntherapien mit Immun-Checkpoint-Hemmern haben bei Nierenzellkrebs unterschiedliche Nebenwirkungen. Gerade weil viele Patienten diese Medikamente über längere Zeit einnehmen, können die möglichen Folgen der Behandlung die Lebensqualität beeinträchtigen.

Wie lange die Nebenwirkungen anhalten und wie sie sich gegebenenfalls lindern lassen, können Betroffene im Gespräch mit den behandelnden Ärzten abklären. Diese sollten sie auch darüber informieren, wenn Beschwerden im Laufe der Behandlung oder danach neu hinzukommen.

Ernährung während und nach der Behandlung

Schon bei der Diagnosestellung achten die behandelnden Ärzte auch auf den Ernährungszustand: Gibt es Anzeichen für eine Mangelversorgung? Insbesondere dann, wenn eine anstrengende Therapie geplant ist, kann eine Ernährungsberatung und bei Bedarf auch eine unterstützende Ernährungstherapie sinnvoll sein.

Eine spezielle Ernährung ist bei Nierenkrebs in der Regel aber nicht notwendig. Wer allerdings an einer Niereninsuffizienz, also an einer Funktionsschwäche der Nieren leidet, muss langfristig unter Umständen darauf achten, sich nicht zu proteinreich zu ernähren: Die Ausscheidung der Abbauprodukte von Eiweißen ist für das Organ besonders belastend. Dabei spielt es keine Rolle, ob die Niereninsuffizienz bereits vor der Krebserkrankung bestand, oder sich erst als Folge der Behandlung entwickelt hat.

Was kann man selbst tun? Eine Krebserkrankung ist ganz allgemein ein Anlass, die bisherigen Ernährungsgewohnheiten zu überprüfen: Zwar steht bisher nicht fest, dass sich ein Rückfall durch gesunde Ernährung verhindern lässt. Doch wer sich gesund und ausgewogen ernährt, verbessert seine allgemeine Gesundheit und steigert seine Lebensqualität. Auch die Krebstherapie lässt sich so besser verkraften.

Welche Angebote zur Ernährungsberatung bestehen und wer die Ansprechpartner sind, lässt sich im Gespräch mit den behandelnden Ärzten klären, auch dann, wenn man nicht stationär im Krankenhaus, sondern ambulant betreut wird. Auch die Krankenkassen können Anlaufstellen nennen.

Sich im Alltag bewegen, Sport machen

Sport und Bewegung haben einen positiven Einfluss auf die körperliche und psychische Leistungsfähigkeit und steigern die Lebensqualität. Patienten mit Nierenzellkrebs können meist schon in der Klinik mit einer Physiotherapie und einem Bewegungsprogramm beginnen. Während der Rehabilitation und im Alltag kann man das Programm dann fortsetzen.

Wer nicht alleine trainieren möchte, kann sich an Krebssportgruppen wenden. Eine Liste bietet der Deutsche Olympische Sportbund unter www.sportprogesundheit.de an. Auch die regionalen Krebsberatungsstellen helfen bei der Suche nach passenden Angeboten. Die Kosten für das Training übernimmt die Krankenkasse im Rahmen der ambulanten Rehabilitation meist zumindest teilweise, wenn der Arzt ein Rezept für "Reha-Sport" ausstellt.

Komplementäre oder alternativen Behandlungsmethoden – wirklich eine Alternative?

Was genau zur alternativen Medizin gehört, darüber sind sich selbst Fachleute nicht einig. Die Beispiele reichen von der chinesischen Medizin, fernöstlichen Heilweisen wie Ayurveda und mehr über die klassische europäische Naturheilkunde bis hin zu Krebsdiäten oder psychologischen Verfahren. Manche Anbieter alternativer Methoden raten dazu, ihre Verfahren anstelle der "Schulmedizin" einzusetzen, andere verstehen sie eher als Ergänzung. Das Problem bei vielen dieser Angebote: Es ist nicht gesichert, ob sie wirklich etwas nutzen und nicht schaden. Und hinter manchen vermeintlichen Wundermitteln steckt bloße Geschäftemacherei.

Wer auf alternative Behandlungsmethoden zurückgreifen möchte, zum Beispiel um Nebenwirkungen der eigentlichen Krebstherapie zu lindern und die Lebensqualität zu verbessern, sollte dies auf jeden Fall mit den behandelnden Ärzten besprechen. Diese können darüber aufklären, welcher Nutzen bekannt ist und ob man etwas über Nebenwirkungen oder mögliche Risiken weiß.

Unterstützung und Informationen einholen: Nicht allein sein

Krebspatienten müssen ihre Erkrankung nicht alleine bewältigen. Hilfestellung gibt es zum Beispiel bei der Krankheitsverarbeitung: Die Psychoonkologie befasst sich mit den seelischen und sozialen Auswirkungen einer Krebserkrankung. Ihre Aufgabe ist es, Krebspatienten und ihre Angehörigen bei der Bewältigung des Erlebten zu unterstützen und bei den kommenden Herausforderungen zu helfen. Auch in sozialrechtlichen Fragen können sich Krebspatienten Rat suchen. Darüber hinaus kann der Austausch mit anderen Betroffenen helfen, mit der Erkrankung besser umzugehen. Wo Patienten mit Nierenkrebs Hilfe finden und wer die Ansprechpartner sind, fasst der nächste Abschnitt "Mehr Wissen zum Thema" zusammen.

Arztsuche

Icons für E-Mail, Telefon und Adresse für Anschreiben
In der schwierigen Situation einer Krebserkrankung müssen Patienten Bescheid wissen, an wen sie sich wenden können. © Tumisu, Pixabay

Ansprechpartner für Patientinnen und Patienten mit Beschwerden im Bereich der Niere sind:

  • Hausärzte: Nach einer ersten Untersuchung überweist der Hausarzt betroffene Patienten zur Abklärung an einen Facharzt, etwa einen Nephrologen als Spezialist für Nierenerkrankungen. Oder zu einem Radiologen, der eine bildgebende Untersuchung durchführen kann, zum Beispiel eine Kernspin- oder eine Computertomographie.
  • Fachärzte: Erhärtet sich der Verdacht auf eine Krebserkrankung, sollte man einen Facharzt zurate ziehen, der auf die Behandlung von Nierenzellkarzinomen spezialisiert ist. Diese Spezialisten können in der Ambulanz einer Klinik, aber auch in einer Schwerpunktpraxis tätig sein.

Kliniksuche

Logo für Zertifizierte Nierenkrebszentren der Deutschen Krebsgesellschaft
Kliniken mit diesem Siegel sind zertifizierte Zentren für Nierenkrebserkrankungen. © Deutsche Krebsgesellschaft

Krankenhäuser, in denen bei der Behandlung von Patienten mit Nierenzellkrebs besonders viel Erfahrung vorliegt, können sich dies seit 2019 durch eine "Zertifizierung" bestätigen lassen. Dazu müssen die Krankenhäuser folgende Kriterien erfüllen:

  • Die Klinik muss eine Mindestanzahl von Patienten mit Nierenkrebs pro Jahr behandeln.
  • Es müssen verschiedene ärztliche Fachdisziplinen vorhanden sein, die zusammenarbeiten.
  • In solchen Zentren müssen auch Psychoonkologen zur Verfügung stehen.

Die Einrichtung von Nierenkrebszentren soll die Versorgungsqualität von Nierenkrebspatienten verbessern. Die Deutsche Krebsgesellschaft (DKG) legt die Kriterien für eine Zertifizierung fest und ein unabhängiges Institut (OnkoZert) kontrolliert die Einhaltung der Qualitätsanforderungen.

Die Adressen von zertifizierten Zentren finden Sie über die Suchmaschine OncoMap. Wenn Sie auf dieser Internetseite eine Klinik nach bestimmten Kriterien aussuchen möchten, können Sie folgende Auswahl treffen:

  • Tumororgan "Niere"
  • Land "Deutschland", gewünschtes Bundesland
  • Postleitzahl oder Ort
  • Umkreis in Kilometern

Generell ist zu beachten, dass auch Zentren ohne Zertifizierung sehr viel Erfahrung bei der Behandlung von Patientinnen und Patienten mit Nierenzellkrebs haben, etwa große Krankenhäuser oder Universitätskliniken mit nephrologischen Abteilungen. Sie haben nur den Prozess der Zertifizierung (noch) nicht durchlaufen.

Linktipps Arzt- und Kliniksuche: Allgemeine Tipps für die Arzt- oder Kliniksuche hat der Krebsinformationsdienst zusammengestellt:

Einen kurz gefassten Überblick zur Arzt- und Kliniksuche bietet das gleichnamige Informationsblatt (PDF).

Psychoonkologie: Hilfe bei der Krankheitsverarbeitung

Beratung in der Nähe

Verzeichnis der Anlaufstellen: Psychosoziale Krebsberatungsstellen

Verzeichnis der Psychoonkologen: Ambulant psychotherapeutisch tätige Psychoonkologen

Psychoonkologische Angebote finden sich in Kliniken, onkologischen Schwerpunktpraxen, Krebsberatungsstellen und Psychotherapiepraxen. Das Gespräch mit erfahrenen Fachleuten bietet Zeit und Raum, offen über aktuelle Fragen, Sorgen und Gefühle zu sprechen. Dabei muss es nicht ausschließlich um die Erkrankung selbst gehen.

Psychotherapien können unter Umständen weiterhelfen, wenn die seelische Belastung durch die Erkrankung besonders ausgeprägt ist oder sehr lange andauert. Sie gehen über das Beratungsangebot der Psychoonkologie hinaus und werden hauptsächlich bei niedergelassenen Psychotherapeuten angeboten.

Kosten für die Beratung fallen für Patienten und ihre Angehörigen in den meisten psychosozialen Krebsberatungsstellen und Kliniken nicht an oder sind in den allgemeinen Behandlungskosten enthalten. Die Kosten für eine ambulante Psychotherapie kann unter Umständen die Krankenkasse übernehmen. Im Psychoonkologen-Verzeichnis des Krebsinformationsdienstes (siehe Kasten) finden sich bei jeder Adresse Angaben zur Kostenübernahme.

Sozialrechtliche Beratung: Hilfe bei der Klärung von Ansprüchen und Unterstützungsmöglichkeiten

Tafel mit Aufschrift Sozialrecht neben Figur der Justizia mit roter Augenbinde
Das Sozialrecht regelt unter anderem, welche Ansprüche Patienten bei Erkrankungen haben. © Robert Kneschke, Shutterstock

Kliniksozialdienste im Krankenhaus helfen bei sozialrechtlichen Fragen weiter. Wenn beispielsweise Probleme mit der Krankenversicherung, Beantragung einer Rehabilitation oder Anerkennung einer Schwerbehinderung auftreten. Auch Fragen zur finanziellen und beruflichen Situation können bei der Beratung geklärt werden. Im Krankenhaus helfen Pflegende oder der Stationsarzt, Termine beim Kliniksozialdienst auszumachen.

Erste Anlaufstellen bei sozialrechtlichen Fragen finden Sie in unserem Informationsblatt (PDF).

Psychosoziale Krebsberatungsstellen helfen in vielen Städten und Gemeinden den Betroffenen, sich mit ihrer neuen Lebenssituation auseinanderzusetzen. Sie bieten auch Informationen zu praktischen Fragen, nennen weitere Ansprechpartner und beraten zu sozialrechtlichen Problemen. Der Krebsinformationsdienst bietet hier eine Suche nach Adressen.

Die gesetzlichen Krankenkassen klären ab, welche Kosten für welche Leistungen übernommen werden. Themen, die man mit der Krankenkasse klären kann, sind beispielsweise:

  • Zuzahlungen zu Arzt- und Klinikkosten
  • Zuzahlungen zu Medikamenten und Hilfsmitteln
  • Kostenübernahme bei häuslicher Krankenpflege
  • Kostenübernahme für Unterstützung im Alltag

Die Krankenkassen sind auch Ansprechpartner zur gesetzlichen Pflegeversicherung und bei Fragen zur medizinischen Rehabilitation.

Die gesetzliche Rentenversicherung ist für viele Rehabilitationsfragen zuständig, etwa wenn es um die Rückkehr ins Arbeitsleben oder um Rentenfragen geht. Die deutsche Rentenversicherung ist unter der zentralen kostenlosen Telefonnummer 0800 – 1 000 48 00 erreichbar.

Patientenorganisationen und Selbsthilfegruppen

Verkehrs-Hinweisschild mit Aufschrift Selbsthilfe
Der Austausch mit Menschen, die in der gleichen Situation sind, kann sehr hilfreich sein. © Thomas Reimer, Fotolia

Selbsthilfegruppen haben das Ziel, dass Betroffene gemeinsam die Anstrengungen und Herausforderungen ihrer Erkrankung verarbeiten. Adressen der entsprechenden Bundesverbände, die Auskunft über regionale Angebote und Ansprechpartner geben, sind unter Selbsthilfegruppen und Patientenverbände verzeichnet.

Ein Angebot, das sich speziell an Menschen mit Nierenkrebs richtet, bietet die Selbsthilfe-Organisation Das Lebenshaus e.V. Für Patienten, bei denen das Nierenzellkarzinom möglicherweise durch eine seltene vererbbare Genveränderung ausgelöst wurde, gibt es weitere Selbsthilfe-Organisationen: Ein Beispiel ist der Verein VHL (von Hippel-Lindau) betroffener Familien e.V.

Weitere Anlaufstellen lassen sich über eine Datenbank deutscher Selbsthilfeangebote finden. Ärzte, Kliniken oder regionale Krebsberatungsstellen können gegebenenfalls aktive Patientengruppen vor Ort nennen.

Bücher, Broschüren, Infoblätter zum Weiterlesen

Unter dem Stichwort Unsere Broschüren finden Sie beim Krebsinformationsdienst zum Herunterladen oder Bestellen. Zum Laden und Ausdrucken stehen außerdem kurz gefasste Informationsblätter als PDF zur Verfügung. Themen sind zum Beispiel:

Auch viele weitere Anbieter geben Broschüren heraus. Die Bestellmöglichkeiten für Informationsmaterial, das innerhalb Deutschlands kostenlos erhältlich ist, hat der Krebsinformationsdienst in einer eigenen Liste zusammengestellt.



Quellen zum Weiterlesen (Auswahl)

Epidemiologie
Aktuelle statistische Daten bietet das Zentrum für Krebsregisterdaten im Robert-Koch-Institut. Die Broschüre Krebs in Deutschland erscheint regelmäßig alle zwei Jahre, herausgegeben vom Zentrum für Krebsregisterdaten und der Gesellschaft der Epidemiologischen Krebsregister.

Leitlinien
Die aktuelle S3-Leitlinie Diagnostik, Therapie und Nachsorge des Nierenzellkarzinoms ist abrufbar bei der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF). Sie steht sowohl in einer Kurzfassung wie einer Langfassung zur Verfügung (Stand August 2020).

Die Federführung  lag bei der Deutschen Gesellschaft für Urologie (DGU), herausgegeben wurde die Leitlinie im Leitlinienprogramm Onkologie der AWMF, der Deutschen Krebsgesellschaft und der Deutschen Krebshilfe.

Allgemeinverständliche Informationen zu Nierenkrebs finden Patienten, Angehörige und alle Interessierten in den Patientenleitlinien des Leitlinienprogramms Onkologie (Stand August 2016).

Weitere als Quellen genutzte Leitlinien sind bei der AWMF abrufbar
Die S3-Leitlinie Klinische Ernährung in der Onkologie (PDF) von 2015 wurde herausgegeben von der Deutschen Gesellschaft für Ernährungsmedizin e. V. (DGEM) in Kooperation mit weiteren Fachgesellschaften.

Für die Versorgung Betroffener ebenfalls relevant sind die S3-Leitlinie Psychoonkologische Diagnostik, Beratung und Behandlung von erwachsenen Krebspatienten von 2014, sowie gegebenenfalls die S3-Leitlinie Palliativmedizin für Patienten mit einer nicht heilbaren Krebserkrankung von 2019.

Fachgesellschaften, Studieninformationen
Die Arbeitsgemeinschaft Urologische Onkologie e.V. (AUO) in der Deutschen Krebsgesellschaft bietet für Fachleute umfangreiche Hintergrundinformationen. Ein Beispiel sind aktivierte und bereits abgeschlossene Studien zum Nierenzellkarzinom sowie eine Übersicht der Mitglieder.

Die European Association of Urology (EAU) bietet auf ihren Internetseiten Leitlinien und weitere Empfehlungen in englischer Sprache.

Der Krebsinformationsdienst bietet weitere Informationen zu klinischen Studien und ein Informationsblatt zur Suche von medizinischer Fachliteratur (PDF).

Arzneimittelinformationen
Als Quelle für Aussagen zu Medikamenten hat der Krebsinformationsdienst aktuelle Fachinformationen der Hersteller herangezogen (für Fachkreise zugänglich). Frei zugänglich sind Arzneimittelinformationen in deutschen Datenbanken, aktuelle Hinweise des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte sowie die Informationen der EU-Arzneimittelbehörde EMA. Zum Stellenwert neuer Arzneimittel bietet das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen evidenzbasierte Berichte (Nutzenbewertung nach AMNOG bzw. §35a, SGB V).

Weitere Fachliteratur (Auswahl)
Bai Y, Li S, Li S, Jia Z, Ding Y, Gu C, Yang J. Adjuvant therapy for locally advanced renal cell carcinoma: A meta-analysis and systematic review. Urol Oncol. 2017 Oct 27. pii: S1078-1439(17)30528-8. doi: 10.1016/j.urolonc.2017.10.001

Cacciamani GE, Medina LG, Gill T, Abreu A, Sotelo R, Artibani W, Gill IS. Impact of Surgical Factors on Robotic Partial Nephrectomy Outcomes: Comprehensive Systematic Review and Meta-Analysis. J Urol. 2018 Mar 24. pii: S0022-5347(18)42791-7. doi: 10.1016/j.juro.2017.12.086

Capitanio U, Montorsi F. Renal Cancer. Lancet 2016; 387 (10021): 894-906. Epub 2015 Aug 25. doi: 10.1016/S0140-6736(15)00046-X

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Rini BI, Dorff TB, Elson P, Rodriguez CS, Shepard D, Wood L, Humbert J, Pyle L, Wong Y-N,  Finke JH et al. Active surveillance in metastatic renal-cell carcinoma: a prospective, phase 2 trial. Lancet Oncology 2016. Published online August 3. doi: 10.1016/S1470-2045(16)30196-6

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Erstellt: 01.12.2020

Herausgeber: Deutsches Krebsforschungszentrum (DKFZ) │ Autoren/Autorinnen: Internet-Redaktion des Krebsinformationsdienstes. Lesen Sie mehr über die Verantwortlichkeiten in der Redaktion.