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Krebszellen im Rasterelektronenmikroskop, Foto: MedicalRF.com/Getty Images © Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum

Leberversagen durch Metastasen: Wer hilft, wenn sich der Krebs nicht aufhalten lässt?

Behandlung und Unterstützung sowie Ansprechpartner für Patienten in der letzten Lebensphase

Das Organ Leber kann sehr lange seine Aufgaben erfüllen, selbst wenn große Teile von Tumoren befallen sind. Doch wenn das Wachstum der Metastasen überhandnimmt, wird die Situation lebensbedrohlich. Was bedeutet dies für die Lebenserwartung Betroffener? Womit muss man rechnen, wenn sich erste Anzeichen von Leberversagen einstellen?

Der folgende Text bietet einen Überblick und nennt Ansprechpartner, die unterstützen, betreuen und begleiten können. Interessierte und Fachleute finden weiterführende Informationen und verwendete Quellen am Seitenende.

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Quellen und Links

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Fortgeschrittener Leberbefall: Warum ist eine individuelle Prognose schwierig?

Die Diagnose Lebermetastasen ist ernst. Für Patienten bedeutet dies zunächst einmal, dass sie gemeinsam mit ihren Ärzten die weiteren Behandlungsmöglichkeiten abklären müssen. Durch viele verschiedene Verfahren gelingt es heute, das Wachstum von Lebermetastasen bei nicht wenigen Betroffenen über längere Zeit zu bremsen oder die Metastasen sogar zu entfernen.

Doch nur bei sehr wenigen Krebsarten lässt sich die Erkrankung in diesem Stadium wirklich auf Dauer aufhalten. Für Betroffene und ihre Angehörigen stehen Fragen im Raum wie: Was bedeutet es für mich, wenn die Metastasen weiter wachsen? Wie schnell oder wie langsam wird der Krebs fortschreiten? Mit welchen Symptomen muss ich rechnen? Und: Wo finde ich Unterstützung?

Grundsätzlich gilt: Das Organ Leber kann vergleichsweise lange seine Aufgaben erfüllen, selbst wenn größere Teile vom Tumor befallen sind. Die individuellen Unterschiede im Krankheitsverlauf sind deshalb groß. Daher lässt sich auch pauschal kaum voraussagen, wann Beschwerden entstehen. Ebenso wenig lässt sich absehen, wann die Leber ihre Funktion tatsächlich nicht mehr erfüllen kann und ein sogenanntes Leberversagen droht.

Wie gut oder wie schlecht es einem Menschen mit fortgeschrittenem Krebsbefall der Leber geht, hängt außerdem von weiteren Faktoren ab: von der ursprünglichen Tumorart, aber auch davon, wie schnell oder langsam das Tumorgewebe wächst. Größe, Lage und Anzahl von Lebermetastasen spielen ebenfalls eine Rolle.

Wichtig sind außerdem: Gibt es noch Metastasen außerhalb der Leber, in anderen Organen? Liegen noch andere Erkrankungen vor, die den allgemeinen Gesundheitszustand bestimmen?
Allgemeine Aussagen zum Krankheitsverlauf und zu möglicherweise auftretenden Beschwerden bei Patienten mit Lebermetastasen sind deshalb schwierig. Welche Behandlungsverfahren es für Patienten mit Lebermetastasen gibt, erläutert der Text "Behandlung von Lebermetastasen".

Der folgende Text bietet einen ersten Überblick über die Linderung möglicher Beschwerden bei weit fortgeschrittener Metastasierung in der Leber und bei beginnendem Leberversagen. Betroffene, Angehörige und Interessierte finden außerdem Informationen zu Ansprechpartnern und Unterstützungsmöglichkeiten in der letzten Lebensphase.

  • Am Telefon steht der Krebsinformationsdienst unter 0800 – 420 30 40 für Fragen zur Verfügung, täglich von 8.00 bis 20.00 Uhr. Wer lieber eine E-Mail schreiben möchte, kann eine E-Mail an krebsinformationsdienst@dkfz.de schreiben. Bei einem Klick öffnet sich datensicheres Kontaktformular.

Achtung: Informationen aus dem Internet, per E-Mail oder am Telefon können die persönliche ärztliche Beratung nicht ersetzen. Wer sich ein genaues Bild über die eigene Situation verschaffen möchte, sollte vor allem mit seinen Ärzten sprechen. Sie können anhand der aktuellen Befunde einschätzen, welche Beschwerden wahrscheinlich oder weniger wahrscheinlich sind, und vor allem konkrete Informationen dazu bieten, wie sie gelindert werden können.

Mit dem Behandlungsteam sprechen: Was kann man frühzeitig klären?

Für jeden schwer kranken Menschen und seine Angehörigen sind in der letzten Lebensphase einige grundlegende Fragen bedeutsam. Wie man damit umgeht, ist eng mit der persönlichen Situation und auch mit den ganz persönlichen Erfahrungen verknüpft, die man im Leben gemacht hat. Die Frage "Was ist mir in der verbleibenden Zeit besonders wichtig?" kann daher jeder Mensch nur für sich alleine beantworten.

Auch für Angehörige und Freunde gilt: Den Umgang mit einer schweren Erkrankung und einer begrenzten Lebenserwartung bewältigt jeder anders. Ein "Richtig" oder "Falsch" gibt es nicht. Für Betroffene und ihre Angehörigen ist deshalb wichtig: Man benötigt Informationen zur aktuellen Krankheitssituation, um abschätzen zu können, was notwendig sein wird und wie viel Hilfe man braucht. Die Entscheidungen dürfen sich aber auch an eigenen Wünschen, Bedürfnissen und Prioritäten orientieren. Das hilft dabei, die Versorgung so zu gestalten, dass sie auf die eigene Situation passt.
Einige wichtige Fragen können dabei helfen, sich auf ein Gespräch mit den Ärzten vorzubereiten. Geht es um die Versorgung, helfen auch Pflegefachkräfte weiter.

  • Was bedeutet es konkret, dass meine Krankheit nicht mehr dauerhaft aufgehalten werden kann? Wie ist meine aktuelle medizinische Situation?
  • Was heißt das für meine Lebenserwartung? Gibt es Erfahrungswerte dazu, wie schnell die Erkrankung in meinem Stadium voranschreiten kann?
  • Mit welchen Beschwerden muss ich rechnen? Was können meine Ärzte tun, um diese Beschwerden zu lindern?
  • Benötige ich Pflege? Wie organisiere ich das? Was können Pflegefachkräfte für mich tun?
  • Muss ich ins Krankenhaus, auf eine Palliativstation oder ins Hospiz? Oder kann ich auch zuhause bleiben, wenn meine Versorgung dort möglich und gesichert ist, und ich mich damit wohl fühle?
  • Welche Kosten trägt meine Versicherung? Auf welche Leistungen habe ich Anspruch?

In einem solchen Gespräch sollte man sich auch nicht scheuen, weitere Fragen zu stellen. Diese müssen nicht unmittelbar etwas mit körperlichen Symptomen oder der weiteren medizinischen und pflegerischen Versorgung zu tun haben. Ärzte und Pflegefachleute können in der Regel auch dann weitere Ansprechpartner nennen, die weiterhelfen: Das sind für Patienten im Krankenhaus insbesondere die Kliniksozialdienste. Für ambulant betreute Patienten sind die Krebsberatungsstellen gute Anlaufstellen, die dann auch auf die Angebote vor Ort verweisen können, etwa spezialisierte Pflegedienste oder die ambulanten Hospiz- und Palliativdienste. Die Krankenkassen beraten bei Fragen zur Kostenübernahme und zu weiteren Unterstützungsmöglichkeiten.

Hier einige Fragen, die eine wichtige Rolle spielen:

  • An wen können meine Angehörigen und ich uns bei sozialrechtlichen Fragen wenden? Wer hilft beim Erledigen von organisatorischen Dingen, wenn ich diese nicht mehr schaffe, etwa Bankangelegenheiten?
  • Wo finden sich Informationen zu Betreuungsrecht, Vorsorgevollmacht und Patientenverfügung? Wohin wende ich mich, wenn ich ein Testament machen möchte?
  • Wer hilft bei der Bewältigung von psychischen Belastungen? Wer begleitet beim Abschied nehmen? Wer unterstützt beim Umgang mit Trauer? Können auch meine Angehörigen psychologische Unterstützung erhalten?
  • Kann ich einen Pfarrer, Priester oder einen anderen Vertreter einer Glaubensrichtung zu Gesprächen hinzu bitten und bei Entscheidungen mit einbinden? Gibt es andere Gesprächs- oder Beratungsangebote, in denen Sinnfragen, religiöse und spirituelle Themen angesprochen werden können?

Beschwerden lindern: Welche Probleme können bei fortschreitendem Leberbefall auftreten?

Auf welche körperlichen Beschwerden man sich bei Lebermetastasen genau einrichten muss, lässt sich schwer abschätzen. Bei jedem Menschen verläuft die Krankheit anders.

Wenn die Leber ihre Funktion durch eine weit fortgeschrittene Metastasierung nicht mehr erfüllen kann, gibt es jedoch einige typische Symptome. Andere Beschwerden können sich nach und nach verstärken, je weniger die Leber ihre Aufgaben im Stoffwechsel übernehmen kann.

  • Gelbsucht (Ikterus): Die Gelbsucht ist in leichterer Form zunächst Anzeichen einer allgemeinen Leberschädigung. Sie lässt sich anhand der Veränderung typischer Blutwerte feststellen. Ein Anzeichen ist bei vielen Patienten auch eine Gelbfärbung des Augenweißes.
    Bei ausgeprägter Gelbsucht verfärbt sich dann auch die Haut, und der Urin wird bräunlich. Ursachen dieser Gelbfärbung können sowohl die Schädigung von Lebergewebe selbst sein, durch das Einwachsen von Tumorgewebe, und/oder auch ein Rückstau von Gallenflüssigkeit, weil ein Tumor die Gallenwege verlegt. Dann tritt der in der Gallenflüssigkeit  enthaltene Gallenfarbstoff Bilirubin ins Blut über.
    Die Behandlung einer Gelbsucht hängt vom Auslöser ab – insbesondere wenn eine Verlegung der Gallenwege eine Rolle spielt. Dann kann eine Operation Abhilfe schaffen, mit der die Gallenwege entlastet werden, wenn es der Allgemeinzustand erlaubt. Weniger belastend ist die Einlage sogenannter Stents über eine erweiterte Magenspiegelung. Dabei handelt es sich um kleine Röhrchen, mit denen die Gallenwege offen gehalten werden.
  • Bauchwassersucht (Aszites): Dabei handelt es sich um eine Flüssigkeitsansammlung im Bauchraum. Sie fällt bei vielen Patienten mit Lebermetastasen zuerst als Schwellung oder vermeintliche Gewichtszunahme auf. Hinzu können Druck- und Völlegefühl, Appetitlosigkeit und Blähungen kommen. Der Grund für die Flüssigkeitsansammlung im Bauchraum: Die kranke Leber bildet zu wenige Eiweiße. Diese fehlen dann, um die Flüssigkeitsverteilung im Körper im Gleichgewicht zu halten. Mehr zur Therapie bietet der Text "Aszites behandeln: Entlasten und vorbeugen".
  • Leberkapselschmerz: Ausgedehnte Metastasen können die bindegewebige Hülle um die Leber stark anspannen. Betroffene Patienten benötigen Schmerzmittel – dieses belastende Symptom muss nicht ausgehalten werden, mehr dazu im Text. Ob eine Bestrahlung oder eine operative Tumorverkleinerung helfen können, hängt vom Erkrankungsstadium ab, mehr dazu im Text "Behandlung von Lebermetastasen".
  • Juckreiz (Pruritus), Hautprobleme: Eine ausgeprägte Gelbsucht kann mit Juckreiz einhergehen. Vor allem bei einem Stau in den Gallengängen kann dies sehr quälend werden. Vielen Betroffenen fällt es dann schwer, die Haut nicht weiter durch heftiges Kratzen zu schädigen. Zur Linderung des Juckreizes können die Ärzte Cremes oder Salben verschreiben. Bei sehr starken Problemen helfen juckreizlindernde Arzneimittel zum Einnehmen, die im gesamten Körper wirken. Um die Haut zu schützen, sollte man auf alles verzichten, was sie zusätzlich reizen könnte: etwa zu heißes Baden oder Duschen, raue Handtücher oder kratzende Kleidung.
  • Übelkeit (Nausea), Erbrechen (Emesis), Verdauungsprobleme: Wenn die Leber nicht mehr in der Lage ist, ihre Aufgaben im Stoffwechsel zu übernehmen, betrifft dies nach und nach die gesamte Verdauung. Viele Patienten benötigen dann Medikamente gegen Übelkeit. Trotzdem leidet der Appetit, und die Nahrungsaufnahme kann zur Belastung werden. Für pflegende Angehörige ist es schwer zu akzeptieren, dass Essen in dieser Krankheitsphase bei den meisten Betroffenen weder einen Gewichtsverlust noch den allgemeinen Kräfteverfall aufhalten kann. Wichtig ist in dieser Situation immer, die Wünsche des Betroffenen zu beachten. Möglichkeiten, mit denen man  helfen kann, hat der Krebsinformationsdienst im Text "Gewichtsverlust bei Krebs" zusammengestellt, im Abschnitt "Ernährung in der letzten Lebensphase".
  • Leberkoma (hepatische Enzephalopathie): Eine sehr weit fortgeschrittene Lebermetastasierung kann dazu führen, dass ein Betroffener immer weniger bei Bewusstsein ist und schließlich in ein Koma fällt. Der Blutdruck wird niedriger, der Atem geht schneller und schwerer, und auch die weiteren Körperfunktionen werden zunehmend stärker beeinträchtigt. Der Grund für die Bewusstseinseintrübung: Durch die zunehmende Funktionseinschränkung der Leber kann sie ihre Entgiftungsfunktion nicht mehr übernehmen. Abbauprodukte reichern sich dann im Körper an, beispielsweise Ammoniak aus dem Eiweißstoffwechsel.
    Fachleute sprechen von einer hepatischen Enzephalopathie. Meist kündigt sich dies zunächst durch Konzentrationsstörungen, nachlassende Aufmerksamkeit und ausgeprägte Müdigkeit an. Möglich sind allerdings auch Unruhe, Angst und Verwirrtheit. Verliert die Leber weiter an Funktion, tritt schließlich Bewusstlosigkeit ein, die in ein Koma mündet: Dann bleiben selbst Reaktionen auf Schmerzreize aus.
  • Weitere Probleme bei Lebermetastasen: Es gibt weitere Symptome, die Patienten sehr belasten können. Dazu gehören zum Beispiel Störungen der Blutgerinnung. Es kann dadurch zu Blutungen, etwa unter der Haut kommen. Auch weitere stoffwechselbedingte Probleme sind möglich.

Betreuung in der letzten Lebensphase: Welche Möglichkeiten der Versorgung gibt es?

Grundsätzlich kann man sich zwischen einer stationären oder einer ambulanten Versorgung zuhause entscheiden. Welche der beiden Varianten sich am besten eignet, das hängt stark von den eigenen Wünschen und Bedürfnissen ab. Aber auch verschiedene andere Faktoren können die Wahl beeinflussen, etwa die Wohnsituation oder die Hilfe, die Angehörige oder Freunde - realistisch betrachtet - geben können.

Um für sich selbst oder für einen Angehörigen die bestmögliche Versorgung zu finden, sind Gespräche wichtig: Man sollte gemeinsam mit den behandelnden Ärzten sowie mit allen, die an der Versorgung beteiligt sein sollen, das Für und Wider aller Möglichkeiten diskutieren.

Sozialrechtliche Fragen: Unterstützung bei der Planung und Organisation

Palliative Versorgung © Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum
Um eine gute Versorgung zu gewährleiten, ist eine enge Abstimmung aller Beteiligten notwendig. © Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum

Bei der Klärung, welche Unterstützungsmöglichkeiten zur Verfügung stehen, sind die Krankenkassen wichtige Ansprechpartner. Sie informieren über die verschiedenen rechtlichen Möglichkeiten, sie klären die Übernahme der Kosten und können in vielen Dingen auch das rein Organisatorische übernehmen. Ein Beispiel dafür ist etwa die Versorgung mit Hilfsmitteln, die zur Pflege zuhause benötigt werden. Ein anderes ist etwa die Klärung, mit welchen Pflegediensten und spezialisierten Teams vor Ort besondere Verträge bestehen.

Wer kann bei der Klärung solcher sozialrechtlichen Fragen außerdem weiterhelfen? Wer unterstützt bei Bedarf ganz konkret die Planung? Die Kliniksozialdienste bieten Patienten, die stationär in einer Klinik oder auf der Palliativstation eines Krankenhauses behandelt werden, Unterstützung in organisatorischen und sozialrechtlichen Belangen. Die Mitarbeiter können auch bei Anträgen weiterhelfen und zum Beispiel die Entlassung nach Hause organisieren.

Für Patienten, die nicht im Krankenhaus behandelt werden, sind neben den Krankenkassen die regionalen psychosozialen Krebsberatungsstellen eine erste Anlaufstelle: Sie können einen Überblick über die verschiedenen Möglichkeiten vor Ort vermitteln (hier unsere Adressdatenbank).

Informationen bietet das Informationsblatt "Sozialrechtliche Fragen bei Krebs" (PDF) sowie der Text "Krankenpflege zuhause".

Zuhause versorgt sein: Ambulante Betreuung und häusliche Krankenpflege

Viele Menschen möchten ihre letzte Lebensphase in einer vertrauten Umgebung verbringen. In Deutschland existieren für diese Situation verschiedene Versorgungskonzepte. Wichtige Ansprechpartner in der ambulanten Betreuung sind Hausärzte, niedergelassene Fachärzte, die sich in Palliativmedizin und/oder Schmerztherapie weitergebildet haben, sowie Internisten, die auf Hämatologie und Onkologie spezialisiert sind.
Eine rein ärztlich-medizinische Behandlung reicht bei schwerstkranken Menschen aber in der Regel nicht aus: Um eine umfassende Betreuung zu ermöglichen, werden verschiedene Berufsgruppen einbezogen. Dazu zählen Pflegefachleute, bei Bedarf auch Physiotherapeuten, Sozialarbeiter, Psychoonkologen, Apotheker, Seelsorger und weitere. Bei der Vermittlung der verschiedenen Angebote unterstützen Ärzte, aber zum Beispiel auch Palliativ- und Hospizdienste vor Ort. Damit die Zusammenarbeit aller Beteiligten reibungslos funktioniert, wurden in den letzten Jahren dafür besondere Versorgungsformen geschaffen.

Allgemeine ambulante Palliativversorgung (AAPV): Bei der allgemeinen ambulanten Palliativversorgung kümmern sich niedergelassene Ärzte gemeinsam mit ambulanten Pflegediensten um schwerkranke und sterbende Menschen. Je nach Situation können auch Mitarbeiter der überwiegend ehrenamtlichen ambulanten Hospiz- und Palliativdienste eingebunden werden.
Die Kosten für die medizinische Behandlung sowie die Behandlungspflege übernehmen die Krankenkassen. Ist eine längerfristige pflegerische Versorgung notwendig, sollte auch geprüft werden, ob die Beantragung einer Pflegestufe und Leistungen aus der Pflegeversicherung sinnvoll sind.
Mit der Krankenkasse sollte man klären, wie die notwendigen Verordnungen für die einzelnen Ansprechpartner aussehen müssen und wer dafür zuständig ist. Wichtig ist auch, wie die Zusammenarbeit zwischen Hausarzt und/oder Facharzt, Pflegenden und eventuellen weiteren Beteiligten organisiert ist, und an wen man sich bei Fragen oder auch Notfällen zuerst wendet.

Spezialisierte ambulante Palliativversorgung (SAPV): Ein darüber hinaus gehendes Angebot ist die "Spezialisierte Ambulante Palliativversorgung", kurz SAPV. Auf diese Versorgung durch besonders qualifizierte Teams haben Schwerkranke mit begrenzter Lebenserwartung seit 2007 Anspruch. Das Ziel: eine Krankenhauseinweisung nach Möglichkeit zu vermeiden, auch wenn die Erkrankung sehr ernst ist und viel Betreuung notwendig wird. Allerdings stehen entsprechend qualifizierte Teams noch nicht überall in Deutschland ausreichend zur Verfügung.
Voraussetzung ist auch hier eine entsprechende Verordnung durch die behandelnden Ärzte. Die Kosten für die Spezialisierte Ambulante Palliativversorgung tragen dann die Krankenkassen. Sie haben mit den Teams vor Ort entsprechende Verträge abgeschlossen.
Diese SAPV-Teams bestehen aus besonders geschulten Fachärzten, Pflegefachleuten sowie Sozialarbeitern. Darüber hinaus arbeiten sie eng mit anderen Berufsgruppen wie Psychologen, Seelsorgern oder auch Physiotherapeuten zusammen. Auch auf teilweise ehrenamtlicher Basis organisierte Hospiz- oder Palliativdienste können eingebunden werden.

Stationäre Versorgung: Palliativstation, allgemeines Krankenhaus, Hospiz, Pflegeheim

Es gibt verschiedene Einrichtungen, in denen man in der letzten Lebensphase versorgt werden kann, wenn man nicht zuhause bleiben möchte oder die Pflege dort nicht möglich ist. Auf die Versorgung schwerkranker Krebspatienten sind insbesondere Palliativstationen und stationäre Hospize spezialisiert. Wo liegt der Unterschied?

Palliativstationen sind spezialisierte Stationen regulärer Krankenhäuser. Die Versorgung zielt darauf, möglichst rasch akute Beschwerden zu lindern und Beschwerden unter Kontrolle zu bringen. Ziel ist die Entlassung zurück nach Hause oder in ein Hospiz. Der Aufenthalt auf einer Palliativstation ist deshalb zeitlich oft begrenzt. Man benötigt eine Krankenhauseinweisung durch den behandelnden Arzt. Die Kosten tragen die Krankenkassen, wie bei anderen Klinikaufenthalten auch.

In Hospizen ist man zwar ebenfalls "stationär" untergebracht. Die medizinische und pflegerische Betreuung ist aber rein rechtlich zumindest ähnlich organisiert wie bei der ambulanten Versorgung zuhause. Der zuständige Arzt stellt eine Verordnung aus, damit die Krankenversicherungen die Kosten der vollstationären Hospizpflege tragen können. Auch die Finanzierung über die Pflegeversicherung kommt infrage, setzt aber die Einstufung des Pflegebedarfs voraus. Einen Teil der Kosten bringen die Hospize in Deutschland bisher selbst auf, etwa aus Spenden. Als Patient muss man mit den üblichen Zuzahlungen für Arzneimittel oder Hilfsmittel rechnen, die man auch bei der Versorgung zuhause hätte.

Welche Möglichkeiten gibt es noch?
Ältere Menschen, die schon vor der Krebserkrankung in einem Pflegeheim gelebt haben, können je nach Ausstattung des Heims auch dort weiter versorgt und betreut werden. Unter Umständen ist eine Anpassung der Pflegestufe notwendig, oder zur eigentlichen Pflege kommen noch Leistungen hinzu, wie man sie auch für die häusliche Krankenpflege beantragen müsste. Wer nur für eine begrenzte Zeit auf vollstationäre Pflege angewiesen ist, kann auch auf die Kurzzeitpflege oder Tages- und Nachtpflege zurückgreifen.
Führen fortschreitende Lebermetastasen zu Problemen, die zuhause nicht unter Kontrolle gebracht werden können, können Krebspatienten, denen es sehr schlecht geht, jederzeit auch ins nächst gelegene Krankenhaus gehen.

Mit Angst und Trauer umgehen: Wo findet man Unterstützung?

Mit einer unheilbaren Krankheit, mit Sterben und dem Tod konfrontiert zu sein, erschüttert viele Betroffene und ihre Angehörigen zutiefst. Aufkommende Gefühle können dabei von Mensch zu Mensch, aber auch von Moment zu Moment ganz unterschiedlich sein. Die Bandbreite reicht von Angst, Wut, Niedergeschlagenheit oder Trauer bis hin zu emotionaler Leere. Mit diesen intensiven Gefühlen und Belastungen umzugehen, ist für Patienten wie für ihre Angehörige eine große Herausforderung. Welche Reaktionen eine solche Situation auslöst, hängt auch davon ab, welche Erfahrungen man bisher gemacht hat. Auch die verschiedenen Wege, damit umzugehen, sind bei den meisten Menschen durch ihr bisheriges Leben geprägt.

Helfen können in dieser Situation vielleicht Gespräche mit Fachleuten, die Erfahrung in der Begleitung von schwerkranken Menschen und deren Angehörigen haben. Manchen Menschen ist es auch wichtig, in dieser Zeit religiösen Beistand zu haben.

Psychosoziale und psychoonkologische Unterstützung

Wer im bisherigen Verlauf der Erkrankung keine entsprechende Unterstützung gesucht hatte, kann sich an die behandelnden Ärzte oder Ansprechpartner in der Klinik wenden.
In spezialisierten Krebszentren oder Palliativstationen befinden sich in der Regel psychoonkologisch geschulte Ansprechpartner, die eine Beratung bieten können.
Wenn man zuhause betreut wird, können die behandelnden Ärzte unter Umständen Psychoonkologen nennen. Die psychosozialen Krebsberatungsstellen sind nicht nur Anlaufstelle für Patienten und Angehörige, viele Einrichtungen bieten auch die Möglichkeit von Hausbesuchen an.

Weitere Angebote bieten die ambulanten Hospizdienste: Sie kümmern sich um die psychosoziale Betreuung Betroffener und ihrer Angehörigen. Hauptamtliche Koordinatoren machen sich bei einem ersten Kontakt ein Bild, welche Unterstützung notwendig ist und gewünscht wird. Sie wählen dann geschulte Ehrenamtliche aus, die Betroffene, ihre Angehörigen und ihre Freunde begleiten, etwa durch regelmäßige Hausbesuchen. Sie stehen für Gespräche zur Verfügung oder bieten auch ganz praktische Unterstützung im Alltag.

Seelsorgerische Begleitung

Was, wenn man auch Gespräche und Unterstützung zu religiösen und spirituellen Fragen möchte? In Krankenhäusern gibt es in der Regel auch die Möglichkeit, mit Seelsorgern der großen christlichen Kirchen zu sprechen. Möchte man einen Vertreter einer anderen Glaubensrichtung einbeziehen, ist das in der Regel jedoch auch kein Problem. Bei vielen ambulanten Hospiz- und Palliativteams stehen ebenfalls (überwiegend christliche) Seelsorger zur Verfügung.

Quellen und Fachliteratur für Interessierte und Fachkreise (Auswahl, Stand September 2015)