© Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum

Diese Seiten sind Ausdrucke aus www.krebsinformationsdienst.de, den Internetseiten des Krebsinformationsdienstes, Deutsches Krebsforschungszentrum. Mehr über den Krebsinformationsdienst und seine Angebote lesen Sie auf unseren Internetseiten. Am Telefon stehen wir Ihnen täglich von 8.00 bis 20.00 für Fragen zur Verfügung, unter der kostenlosen Telefonnummer 0800 – 420 30 40. Oder Sie schreiben uns eine E-Mail an krebsinformationsdienst@dkfz.de.

Bitte beachten Sie: Internet-Informationen sind nicht dazu geeignet, die persönliche Beratung mit behandelnden Ärzten oder gegebenenfalls weiteren Fachleuten zu ersetzen, wenn es um die Diagnose oder Therapie einer Krebserkrankung geht. Die vorliegenden Informationen sind urheberrechtlich geschützt. Jede Vervielfältigung oder Verbreitung dieser Inhalte, unabhängig von Form, Zeit oder Medium bedarf der schriftlichen Zustimmung des Krebsinformationsdienstes, Deutsches Krebsforschungszentrum.

Ursprüngliche Adresse dieses Ausdrucks: https://www.krebsinformationsdienst.de


Krebszellen im Rasterelektronenmikroskop, Foto: MedicalRF.com/Getty Images © Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum

Hintergrund: Wie entstehen Knochenmetastasen, wer ist betroffen?

Grundlagen, Risikofaktoren, Häufigkeit

Ein menschliches Skelett besteht aus 206 Knochen. Sie stützen und schützen Körper und Organe; gemeinsam mit Muskeln und Gelenken ermöglichen sie Bewegung. In diesem Text erläutert der Krebsinformationsdienst, wie Knochen funktionieren und wie Tumorzellen dort Metastasen bilden können. Leser erfahren, bei welchen Krebsarten Metastasen des Skeletts möglich sind - und wie Betroffene dadurch beeinträchtigt werden. Darüber hinaus finden sich Angaben zur Häufigkeit. Dieser Text ist Teil umfassender Informationen zum Thema Knochenmetastasen. Das Kapitel richtet sich an Tumorpatienten und ihre Angehörigen, aber auch an Interessierte, die sich einen allgemeinen Überblick verschaffen möchten.

Erstellt:
Zuletzt überprüft:

Quellen und Links

Interessierte und Fachkreise finden in diesem Text Linktipps zum Weiterlesen. Eine Auswahl genutzer Quellen ist im Text "Knochenmetastasen: Weiterführende Informationen und Quellen" aufgelistet.

Entstehung: Was unterscheidet Knochen mit Metastasen von gesunden Knochen?

Metastasen entstehen, wenn sich Krebszellen abseits des ursprünglichen Tumors im Körper ausbreiten, sich an anderer Stelle ansiedeln und dort weiter teilen. Diese Tumorzellen behalten meist einen Teil ihrer ursprünglichen Eigenschaften und lassen sich beispielsweise weiter als Brust- oder Prostatakrebszellen erkennen.

Tumorzellen können auf verschiedene Weise in Organe und Gewebe gelangen. Meist führt der Weg über das Blut. Knochen und Knochenmark sind besonders gut durchblutet. Das erklärt, warum sich Metastasen häufig im Skelett bilden - und auch, warum Skelettabschnitte, durch die viel Blut fließt, besonders oft betroffen sind. Das gilt vor allem für Wirbelsäule und Becken sowie Rippen und Schädel. Gut durchblutet - und deshalb von Metastasen betroffen - sind auch die langen Röhrenknochen, die sich in Oberschenkel und Oberarm finden.

Nicht alle Krebszellen, die sich vom Primärtumor lösen, wachsen an anderer Stelle zu Metastasen. Viele Beobachtungen sprechen dafür, dass Metastasen nur oder überwiegend von sogenannten Tumorstammzellen ausgehen. Diese Zellen benötigen eine für sie besonders geeignete Umgebung, um sich zu teilen und das Wachstum von Metastasen zu unterhalten.
Wie lange es von der Entstehung des eigentlichen Tumors bis zum Auftreten von Metastasen dauert, hängt von der Art der Krebserkrankung ab und unterscheidet sich von Patient zu Patient.
Allgemeine Informationen zur Entstehung von Metastasen finden sich im Text "Metastasen: Wenn Krebszellen auf Wanderschaft gehen".

Der gesunde Knochen: Aufbau, Aufgaben und Stoffwechsel

Knochen, Grafik © Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum
Querschnitt durch den Knochen. © Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum

Neben den Zähnen sind Knochen das härteste Material im menschlichen Körper. Obwohl sie auf den ersten Blick starr und unbeweglich wirken, bestehen sie aus lebendigem Gewebe, das sich fortlaufend verändert.

  • Außen sind Knochen von Knochenhaut (Periost) umgeben. Diese ist gut durchblutet, außerdem verlaufen darin viele Nerven. Diese Nerven sind dafür verantwortlich, dass Entzündungen oder Verletzungen der Knochenhaut sehr schmerzhaft sein können.
  • Unter dieser Haut befindet sich ein kompakter und harter Anteil, die sogenannte Substantia compacta. Durch kleine Öffnungen verlaufen Blutgefäße, über die das Innere des Knochens versorgt wird.
  • Im Inneren von Knochen finden sich feine Knochenbälkchen. Fachleute sprechen auch von Trabecula. Vergrößert erinnert dieser Bereich mit seinen vielen Hohlräumen an einen Schwamm und wird deshalb auch als Substantia spongiosa bezeichnet - vom lateinischen "spongia" für Schwamm. 
  • In der Substantia spongiosa sowie in den sogenannten Markhöhlen längerer Knochen befindet sich bei Kindern das rote Knochenmark. Dieses produziert fast alle Blutzellarten des Menschen, von den roten Blutkörperchen für den Sauerstofftransport bis zu den Zellen des Immunsystems. Bei Erwachsenen ist blutbildendes Knochenmark vor allem in flachen Knochen vorhanden. Das sind Beckenknochen, Rippen, Brustbein und Schädelknochen. Außerdem ist es in den Wirbelkörpern und dem oberen Bereich der Oberschenkelknochen zu finden.

Um den alltäglichen Belastungen zu genügen, werden die Knochen eines gesunden Erwachsenen ständig umgebaut und erneuert. Dafür sorgen knochenauflösende und knochenbildende Zellen. Fachleute bezeichnen knochenauflösende Zellen als Osteoklasten. Knochenbildende Zellen werden Osteoblasten genannt.
Als wichtiges Baumaterial dient Kalzium. Wird Knochensubstanz abgebaut, wird dieses Mineral freigesetzt. Beim Aufbau dagegen wird es in den Knochen eingebaut und garantiert so die nötige Festigkeit. Normalerweise befinden sich Osteoklasten und Osteoblasten im Gleichgewicht. Ihre Tätigkeit ist über Signalwege miteinander gekoppelt. So wird weder zu viel Knochenmaterial abgebaut, noch im Übermaß neues produziert. Doch Knochen ist nicht nur hart, sondern auch elastisch: Ein dafür wichtiger Bestandteil ist Kollagen, ein sehr widerstandsfähiges Eiweiß (Protein).

Metastasen: So verändern Krebszellen das Skelett

Knochenmetastasen bringen das Gleichgewicht aus Knochenaufbau und -abbau durcheinander. Das geschieht nicht sofort. In einem ersten Schritt gelangen einzelne Krebszellen über den Blutweg ins Knochenmark und siedeln sich an. Dort beginnen die Metastasen ihr Wachstum. Sie geben Signale ab, die die Tätigkeit von osteoblastischen oder osteoklastischen Zellen beeinflussen.
Diese bringen die Knochenzellen dazu, unkontrolliert Knochengewebe ab- und aufzubauen. Beim Umbau des Knochens werden wiederum Wachstumsfaktoren freigesetzt, die die Metastasen zum weiteren Wachsen anregen. Die Tumorzellen selbst verursachen also eher indirekt Schäden am Knochen.

Überwiegen auflösende Prozesse, sprechen Fachleute von osteolytischen Metastasen. Diese schwächen die Festigkeit der Knochen. Im Verlauf der Erkrankung können Brüche auftreten. Im Gegensatz dazu regen osteoblastische Metastasen eine überschießende Knochenproduktion an. Allerdings verstärkt dies nicht die Stabilität: Das neue Material ist von minderwertiger Qualität, was die Gefahr von Brüchen ebenfalls erhöht.

  • Osteolytische - also auflösende - Prozesse werden vor allem bei Patienten beobachtet, deren Metastasen sich infolge einer Brustkrebs- oder Lungenkrebserkrankung gebildet haben. 
  • Osteoblastische Prozesse treten häufiger bei Betroffenen mit Prostatakrebs auf. 
  • Bei den meisten Betroffenen laufen sowohl auflösende als auch aufbauende Prozesse parallel ab.

Häufigkeit, Risiko: Treten Knochenmetastasen bei manchen Krebsarten öfter auf?

Wie viele Krebspatienten insgesamt Knochenmetastasen entwickeln, lässt sich nicht genau sagen. Für Deutschland liegen keine Zahlen vor. Auch für andere Länder gibt es nur Schätzungen. Diese beruhen teilweise auf jahrzehntealten Daten und schwanken stark. Häufig wird in der Fachliteratur eine Berechnung aus den USA zitiert: Demnach weisen von 100 Menschen, die an Krebs sterben, 35 Knochenmetastasen auf.

Knochenmetastasen treten vor allem bei fortgeschrittenem Brustkrebs und fortgeschrittenem Prostatakrebs auf. Weitere Tumorarten, bei denen im metastasierten Stadium Skelettmetastasen beobachtet werden, sind LungenkrebsNierenzellkarzinome und Schilddrüsenkrebs.

Treten bei diesen Tumorarten Metastasen auf, handelt es sich vergleichsweise häufig um Knochenmetastasen:

  • Brustkrebs: Sieben von zehn Patientinnen haben im metastasierten Erkrankungsstadium Knochenmetastasen.
  • Prostatakrebs: Sieben von zehn Patienten haben im metastasierten Erkrankungsstadium Knochenmetastasen.
  • Lungenkrebs: Vier bis sechs von zehn Patienten haben im metastasierten Erkrankungsstadium Knochenmetastasen.
  • Nierenzellkrebs: Vier bis sechs von zehn Patienten haben im metastasierten Erkrankungsstadium Knochenmetastasen.
  • Schilddrüsenkrebs: Vier bis fünf von zehn Patienten haben im metastasierten Erkrankungsstadium Knochenmetastasen.

Das heißt nicht, dass bei allen Patienten mit diesen Krebserkrankungen zwangsläufig Skelettmetastasen auftreten. Außerdem können auch bei anderen Tumorarten Knochenmetastasen entstehen, wenn auch seltener: In der Fachliteratur werden Leberkrebs, Pankreaskarzinome, Gallenblasenkrebs, Magenkrebs, Gebärmutterkörperkrebs, Blasenkrebs, Eierstockkrebs und schwarzer Hautkrebs genannt.

Zum Weiterlesen: Quellen und Fachinformationen (Stand: 3/2016)

Interessierte und Fachkreise finden in diesem Text Linktipps zum Weiterlesen. Eine Auswahl genutzer Quellen ist im Text "Knochenmetastasen: Weiterführende Informationen und Quellen" aufgelistet.