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Lymphomzelle, Foto: STEVE GSCHMEISSNER/SPL/Getty Images © Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum

Maligne Lymphome bei Erwachsenen

Überblick über die wichtigsten Behandlungsmöglichkeiten

Dieser Text ist Teil ausführlicher Informationen über Lymphdrüsenkrebs. Er bietet einen Überblick über Behandlungsmöglichkeiten maligner Lymphome und richtet sich an erwachsene Patienten, ihre Angehörigen und an Interessierte, die sich über die Erkrankung informieren möchten.
Weitere Informationsmöglichkeiten und Ansprechpartner sowie bei der Erarbeitung genutzte Quellen sind im Text "Mehr wissen über maligne Lymphome" aufgeführt. Für individuelle Fragen steht der Krebsinformationsdienst außerdem am Telefon oder per E-Mail zur Verfügung. Informationen aus dem Internet, einer E-Mail oder einem Telefongespräch können Patienten die persönliche Beratung durch Ärzte und weitere Fachleute jedoch nicht ersetzen.

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Möglichkeiten der Therapie: Individuell der Lymphomform anpassen

Wie Patienten mit Lymphomen behandelt werden, hängt vom Lymphomtyp, vom Krankheitsstadium und vom allgemeinen Zustand der Betroffenen ab.
Patienten mit Hodgkin-Lymphomen oder aggressiven Non-Hodgkin- Lymphomen müssen möglichst schnell behandelt werden, da ihre Erkrankung sonst rasch fortschreitet. Gerade dieses schnelle Wachstum macht die Tumorzellen aber auch besonders empfindlich gegenüber einer Therapie, und sehr viele Betroffene können deshalb mit einer Heilung rechnen.
Bei den sogenannten indolenten Krankheitsformen kann es dagegen sogar möglich sein, wegen des langsamen Fortschreitens zunächst auf eine Behandlung zu verzichten. Betroffene Patienten benötigen jedoch eine engmaschige ärztliche Überwachung, weil sich der Krankheitsverlauf manchmal schnell ändern kann und eine Behandlung erforderlich wird. Die indolenten Lymphomformen lassen sich dann allerdings oft schlechter unter Kontrolle bringen als die aggressiven Formen.

Die folgenden Informationen bieten einen allgemeinen Überblick über gängige Therapieverfahren und erläutern wichtige Begriffe. Die genutzten Quellen sowie weiterführende Informationen sind im Text "Mehr wissen über maligne Lymphome" genannt.
Fragen zur genauen Behandlung der unterschiedlichen Lymphomformen beantwortet der Krebsinformationsdienst auch am Telefon oder per E-Mail.

  • Welche der im folgenden beschriebenen Behandlungsmöglichkeiten in ihrem Fall infrage kommt, müssen Betroffene auf jeden Fall mit ihren Ärzten besprechen!

Ansprechpartner: Wohin gehen zur Behandlung?

Steht die Diagnose "malignes Lymphom" fest, sind betroffene Patienten meist bereits bei einem niedergelassenen Spezialisten oder Fachärzten in einem spezialisierten Zentrum in Betreuung. Mehr zur Suche nach Ansprechpartnern hat der Krebsinformationsdienst im Textteil "Symptome und Untersuchung" unter dem Stichwort "Ansprechpartner" zusammengestellt.

Behandlungsziele: Remission oder Heilung?

Führt eine Behandlung bei Patienten dazu, dass alle Krankheitssymptome verschwinden, spricht man von einer kompletten Remission oder Vollremission. Je nach Lymphomform dürfen auch keine Lymphomzellen mehr in den Lymphknoten beziehungsweise in Blut oder Knochenmark nachweisbar sein und die Lymphknoten dürfen nicht länger vergrößert sein.

Von einer Teilremission spricht man, wenn es Patienten besser geht, die Lymphknoten jedoch noch nicht wieder die normale Größe erreicht haben oder noch Lymphomzellen im Körper nachweisbar sind. Ärzte unterscheiden dabei verschiedene Abstufungen der Teilremission, je nach Umfang der Resterkrankung.

Auch eine vollständige Remission ist allerdings nicht automatisch mit einer Heilung gleichzusetzen: Selbst wenn Patienten gut auf die Therapie ansprechen und sich ihr Gesundheitszustand deutlich verbessert, gehen Fachleute heute davon aus, dass mit gewisser Wahrscheinlichkeit einzelne Lymphomzellen überlebt haben. Mit aufwändigen molekularbiologischen Verfahren lassen sich solche Zellen auch nachweisen. Diese Untersuchungen müssen allerdings nicht bei jedem Betroffenen durchgeführt werden, weil sie für die weitere Behandlung oft keine Konsequenzen haben.

Ärzte sprechen wegen solcher verbliebenen Zellen auch von "minimaler Resterkrankung" (englisch: minimal residual disease, MRD). Daher besteht ein gewisses Risiko, dass sich die Krankheit nach einiger Zeit wieder im Körper ausbreitet. Einen solchen Rückfall nennen Ärzte Rezidiv.

Wie wahrscheinlich Betroffene eine langfristige Remission oder eine Heilung erreichen, hängt von verschiedenen Faktoren ab: Welcher Lymphomtyp liegt vor und wie gut lässt er sich behandeln? Wie schnell würde sich die Erkrankung ohne Therapie voraussichtlich weiter entwickeln? Verläuft sie aggressiv oder ist ein Patient an einer der sogenannten indolenten Lymphomformen erkrankt? Wie weit hat sich die Erkrankung bereits im Körper ausgebreitet? Wie gut ist der allgemeine Gesundheitszustand?
Aus Studien können Ärzte das durchschnittliche Rückfallrisiko von Patienten mit der gleichen Erkrankung und im gleichen Krankheitsstadium herleiten.

Je länger eine Remission bei Hodgkin- und aggressiven Non-Hodgkin-Lymphomen anhält, desto größer wird für Patienten aber die Wahrscheinlichkeit, dauerhaft krankheitsfrei zu bleiben. Bei den indolenten, langsam wachsenden Lymphomen, etwa beim multiplen Myelom oder der chronisch lymphatischen Leukämie, gibt es weitere und zum Teil andere Kriterien, nach denen Ärzte den Behandlungserfolg beurteilen und die Nachsorge gestalten.

Was tatsächlich unter "Heilung" zu verstehen ist, lässt sich für viele Betroffene mit Lymphomen nur  schwer festlegen. Für Patienten kann es einer Heilung gleichkommen, wenn sie anhaltend beschwerdefrei leben, auch wenn ein Risiko für einen Rückfall bleibt.

Therapieverfahren - die wichtigsten Fakten im Überblick

Bei malignen Lymphomen spielen die im Folgenden kurz geschilderten Therapieformen eine Rolle. Welche Behandlung im individuellen Fall infrage kommt, müssen Patienten allerdings mit ihren Ärzten besprechen: Die Unterschiede zwischen den einzelnen Lymphomformen sind groß. Während einige Patienten nur eine engmaschige Überwachung benötigen, solange sie keine Beschwerden haben, müssen andere möglichst schnell eine sehr aggressive Chemotherapie erhalten. Manche Patienten können bestrahlt werden, bei anderen werden Bestrahlung, Chemotherapie und weitere Medikamente in Kombination angewendet.

Operationen spielen in der Behandlung maligner Lymphome dagegen keine oder nur eine untergeordnete Rolle: Zur Untersuchung entnehmen Ärzte zwar auffällig geschwollene Lymphknoten. Ein Lymphom lässt sich in aller Regel durch eine Operation aber weder langfristig eindämmen noch heilen, da Lymphomzellen im ganzen Körper verbreitet sein können.

Aktive Überwachung

Einige maligne Lymphome wachsen sehr langsam und verursachen in frühen Stadien zunächst keine oder nur wenig belastende Symptome. Dazu gehören einige der sogenannten indolenten Lymphomformen, das Multiple Myelom und die chronische lymphatische Leukämie.

Für Patienten kann es Vorteile bieten, auf eine sofortige Therapie zu verzichten und den weiteren Verlauf der Erkrankung unter engmaschiger ärztlicher Kontrolle zu verfolgen: Eine Behandlung mit ihren Nebenwirkungen würde die Lebensqualität vieler Patienten stärker einschränken, als es durch die Erkrankung selbst der Fall wäre, und unter Umständen auch ihre Lebenserwartung nicht verlängern.
Dieses Vorgehen nennt man in der Medizin "Watch and Wait" (Beobachten und Abwarten) oder auch "Active Surveillance" (aktive Überwachung). Ändert sich der Krankheitsverlauf und treten belastende Symptome auf, kann jederzeit mit einer Behandlung begonnen werden.

Für viele Patienten ist diese Strategie eine Erleichterung, weil eine Therapie vermieden wird. Für andere ist das vermeintliche "Nichtstun" dagegen eine psychische Belastung. Wie Betroffene mit den psychischen Folgen einer Lymphomerkrankung im Alltag umgehen können, hat der Krebsinformationsdienst im Text "Leben mit der Erkrankung" zusammengestellt.

Chemotherapie

Bei der Chemotherapie bekommen Patienten sogenannte Zytostatika. Diese Medikamente stören den Zellstoffwechsel und hemmen die Zellteilung. Da Krebszellen sich häufiger teilen als gesunde Zellen und über weniger gute Reparaturmechanismen verfügen, reagieren sie besonders empfindlich auf die Zellgifte.
Aber auch gesunde Zellen werden geschädigt. Daher ist die Behandlung von Lymphomen mit Zytostatika für die Patienten belastend. Andererseits kann sie bei Hodgkin-Patienten und Patienten mit aggressiven NHL zu einer Heilung führen und bei Patienten mit anderen Lymphomtypen langfristige Remission und Krankheitsfreiheit erreichen.

Ob die Chemotherapie ambulant oder stationär im Krankenhaus durchgeführt wird, hängt vom Lymphomtyp ab, vom individuellen Gesundheitszustand eines Patienten, von der Art der Medikamente und auch davon, ob parallel zur Chemotherapie noch andere Therapien notwendig sind. Geht es einem Patienten schlecht oder muss die Therapie sehr hoch dosiert werden, bietet ein Krankenhausaufenthalt mehr Sicherheit.

Lymphompatienten erhalten je nach Krankheitsform einzelne oder oft auch mehrere Medikamente zusammen, als Kombinationschemotherapie. Auch die Kombination mit weiteren Verfahren wie der Bestrahlung und die Zugabe weiterer Medikamente ist üblich. Heute weiß man, dass die Tumorzellen am besten ansprechen, wenn die Arzneimittel in bestimmter Abfolge gegeben werden, auf die jeweils kurze Pausen folgen, in denen sich der Patient erholen kann. Wie viele Tage ein solcher "Zyklus" jeweils dauert und wie viele Zyklen hintereinander erforderlich sind, hängt von der Art der Erkrankung ab.

Als "Behandlungsschema" oder "Behandlungsprotokoll" werden feste Medikamentenkombinationen bezeichnet. Meistens werden solche Behandlungsschemata mit den Anfangsbuchstaben der verwendeten Substanzen abgekürzt; dabei werden nicht nur die Zytostatika, sondern gegebenenfalls auch andere Medikamentengruppen berücksichtigt: "ABVD" steht beispielsweise für die Kombination von Adriamycin, Bleomycin, Vinblastin, Dacarbazin. "R-CHOP" ist eine Kombination des Antikörpers Rituximab mit dem Zytostatikum Cyclophosphamid, Hydroxydaunorubicin, Vincristin und dem "Kortison"-Wirkstoff Prednison.

Fast alle Zytostatika zur Lymphomtherapie werden über eine Vene gegeben. Um Patienten das immer neue Legen von Nadeln für die oft mehrere Stunden dauernde Infusion zu ersparen, empfehlen Fachleute das Anlegen eines "Ports": Damit ist ein besonderer Katheter gemeint, der in einer kleinen Operation unter die Haut eingesetzt wird. Patienten sind weniger durch Venenentzündungen gefährdet oder in ihrer Bewegungsfreiheit eingeschränkt, sie können mit einem Port sogar baden. Da nicht mehr bei jeder Blutentnahme oder Medikamentengabe nach einer Ader gesucht werden muss, erspart der Port auch Beschwerden.

Nebenwirkungen kommen bei einer Chemotherapie zustande, weil die Mittel auch auf gesunde Zellen wirken, die sich häufig teilen. Dies führt zu einigen der vergleichsweise typischen Chemotherapie-Folgen, etwa zu vorübergehendem Haarausfall wegen der Schädigung der Haarwurzeln oder zum Beispiel zu Problemen mit Schleimhäuten in Mund und Verdauungstrakt, deren Zellen sich normalerweise schnell regenerieren. Auch die Bildung gesunder Blutzellen kann beeinträchtigt sein: Bei einer höher dosierten Chemotherapie ist daher zeitweilig das Immunsystem betroffener Patienten beeinträchtigt, auch Blutarmut kann auftreten. Patienten sind müde und wenig belastbar oder leiden unter Appetitlosigkeit.
Diese und weitere Nebenwirkungen der modernen Zytostatika können heute jedoch meist gelindert und nicht selten sogar ganz vermieden werden. Sie bilden sich nach dem Ende der Behandlung vergleichsweise schnell von alleine zurück.
Je nach Medikament und Behandlungsform besteht allerdings auch das Risiko einiger Spätschäden: Bei jungen Patienten kann die Fähigkeit, Kinder zu bekommen, eingeschränkt sein, Frauen kommen unter Umständen auch früher in die Wechseljahre. Einige Substanzen führen unter ungünstigen Umständen zu Herz- oder Lungenproblemen, oder sie führen zu Gefühlsstörungen vor allem in Händen und Füßen.

Wie hoch das Risiko von Nebenwirkungen oder Spätfolgen einer Chemotherapie ist, kann individuell ganz unterschiedlich sein und hängt vom Lymphomtyp, von den verwendeten Arzneimitteln und auch von der individuellen Verfassung eines Patienten ab. Genauere Angaben können daher nur die behandelnden Ärzte geben.

Viele Fragen zur Chemotherapie, zu häufig genutzten Substanzen, zur praktischen Durchführung und zur Behandlung von Nebenwirkungen beantworten weitere Texte zum Thema "Chemotherapie".

Strahlentherapie

Bei der Bestrahlung von malignen Lymphomen kommen je nach Lymphomtyp, Krankheitsstadium und individueller Situation verschiedene Vorgehensweisen in Betracht:

- Bestrahlung nur der befallenen Lymphknotenregionen und Gewebe
- Bestrahlung auch aller angrenzenden Lymphknotenregionen

Die früher übliche sehr umfangreiche Bestrahlung großer Körperabschnitte ist heute allerdings kaum mehr üblich. Heute wird die Bestrahlung bei vielen Lymphomformen nicht als alleinige Behandlung, sondern in Kombination mit einer Chemotherapie angewendet. Ob sie vorher, nachher oder zwischen einzelnen Chemotherapiezyklen durchgeführt wird, hängt vom jeweiligen Protokoll ab. Sie kann dazu beitragen, große Tumormassen zu verkleinern oder nach der Chemotherapie eventuell verbliebene Lymphomzellen zu beseitigen ("Tumorbettbestrahlung").

Eine besondere Situation entsteht, wenn Gehirn oder Hirnhäute betroffen sind, dann kommt für Patienten eine Ganzhirnbestrahlung als Therapie infrage. Leiden Patienten unter Knochen- und Knochenmarkbefall, kann eine Strahlentherapie die Erkrankung zurückdrängen und außerdem Schmerzen lindern. Bei Lymphomen der Haut kommt ebenfalls eine gezielte Bestrahlung der betroffenen Region infrage. Bei diesen "kutanen" Lymphomen werden nicht nur energiereiche Röntgenstrahlen eingesetzt, sondern auch ultraviolettes Licht: Patienten erhalten ein Medikament (Psoralen), das die Haut empfindlicher macht für Strahlung und werden anschließend mit UV-A-Licht bestrahlt, als sogenannte PUVA-Therapie.

Die meisten Behandlungsprotokolle sehen für Lymphompatienten mehrere einzelne Bestrahlungssitzungen vor: Die vorgesehene Gesamtstrahlendosis wird auf mehrere "Portionen" verteilt, Radiologen sprechen auch von Fraktionierung. Die Behandlung kann meist ambulant erfolgen. Geht es Lymphompatienten aber gesundheitlich sehr schlecht, oder ist die Kombination der Radiotherapie mit anderen Verfahren notwendig und aufwändig, ist auch eine stationäre Behandlung möglich.

Energiereiche Strahlen können Lymphomzellen so stark schädigen, dass sie absterben. Die meisten gesunden Zellen reagieren weniger empfindlich: Sie verfügen über Reparaturmechanismen, die vielen Krebszellen verloren gegangen sind. Auch lässt sich die Strahlung heute meist sehr gezielt auf die Lymphomherde richten, sodass umliegendes Gewebe geschont wird.
Eine Beeinträchtigung gesunder Zellen lässt sich jedoch nie ganz vermeiden. Ob und welche Nebenwirkungen auftreten, ist von vielen Faktoren abhängig, zum Beispiel von der Strahlendosis, der Größe des Bestrahlungsfeldes, der Empfindlichkeit des bestrahlten Gewebes und der allgemeinen Gesundheit eines Patienten.

Mögliche Nebenwirkungen, die während und kurz nach der Therapie auftreten können, sind ganz allgemein Müdigkeit, Krankheitsgefühl mit Appetitlosigkeit, Abgeschlagenheit oder Kopfschmerzen. Reizungen der bestrahlten Haut sind heute seltener geworden. Auch stärkere Störungen der gesunden Blutbildung sind nur dann wahrscheinlich, wenn große Anteile des Knochenmarks in den Beckenknochen, den großen Knochen in Beinen und Armen und im Brustbein unmittelbar mit bestrahlt werden. Liegen Mund, Speiseröhre oder andere Anteile des Verdauungstrakts im Bestrahlungsfeld, können durch Schleimhautreizungen Entzündungen, Verdauungsbeschwerden, Durchfall, Übelkeit oder Erbrechen hinzukommen. Symptome wie Unwohlsein oder Schwindel können bei einer Bestrahlung des Gehirns auftreten, hier sind vorübergehend auch psychische Veränderungen oder neurologische Ausfälle möglich. Diese akuten Symptome bilden sich meist von alleine zurück.

Es gibt jedoch auch einige langfristige Folgen, die allerdings aufgrund moderner Bestrahlungstechniken sehr viel seltener geworden sind. Dazu gehören Schädigungen der Lunge oder des Herzens durch Entzündungsreaktionen und anschließende Vernarbung. Solche Folgen können sich auch noch Monate nach einer Bestrahlung des Brustkorbs bemerkbar machen. Nach einer Bestrahlung der Halslymphknoten und des Halses entwickeln einige Patienten eine Unterfunktion der Schilddrüse, die aber durch Hormontabletten ausgeglichen werden kann. Bei einer Bestrahlung des Beckens können die Keimzellen, also Eizellen und Spermien, geschädigt werden. Bei Frauen sind auch vorzeitige Wechseljahre nicht ausgeschlossen.

Wie hoch das Risiko für akute Nebenwirkungen oder gar Spätfolgen einer Strahlentherapie ist, sollten Patienten mit ihren behandelnden Ärzten besprechen: Pauschale Aussagen sind kaum möglich, das Risiko hängt stark von der jeweils gewählten Strahlendosis und dem Umfang der Bestrahlung ab, aber auch von individuellen Faktoren bei den Patienten.

Weitere ausführliche Informationen zu Nebenwirkungen der Strahlentherapie und ihrer Behandlung hat der Krebsinformationsdienst in seinen Texten zur "Strahlentherapie" zusammengestellt.

Radioimmuntherapie

Bei dieser Form der Behandlung erhalten Krebspatienten die Bestrahlung nicht von außen, sondern von innen durch Gabe radioaktiver Substanzen als Medikament, sogenannter Radionuklide.
Die Besonderheit besteht bei dieser Behandlung bestimmter B-Zell-Non-Hodgkin-Lymphome darin, dass die Ärzte die Nuklide mit einem Antikörper koppeln. Er bindet gezielt an besondere Strukturen auf den Tumorzellen. Eine Radioimmuntherapie ist somit eine "zielgerichtete Bestrahlung" von innen.

Allerdings gibt es auch einige gesunde Gewebe, die ähnliche Merkmale wie die Lymphonzellen tragen und an die die Antikörper ebenfalls "andocken" können. Daher ist auch die Radioimmuntherapie nicht frei von Nebenwirkungen.
Weitere Informationen bietet der Krebsinformationsdienst im Text "Nuklearmedizin: Techniken und Anwendungsbeispiele".

Zielgerichtete Therapien

Bei vielen Lymphomformen kommen heute moderne Medikamente zum Einsatz, die Chemotherapie und Strahlentherapie ergänzen oder bei einigen Lymphomformen sogar ersetzen. Unter zielgerichteten Therapien versteht man die Behandlung mit Medikamenten, die sich gegen ganz bestimmte molekularbiologische Besonderheiten der Krebszellen richten.

Ein Beispiel sind verschiedene Antikörper, die sich gegen spezifische Oberflächenmerkmale vieler B-Lymphomzellen richtet. Ihre Bindung an die Tumorzellen löst eine gezielte Immunreaktion aus. Ein neueres Beispiel ist Obinutuzumab, ein Antikörper zu Behandlung der Chronisch Lymphatischen Leukämie (CLL), die trotz ihres Namens heute zu den Lymphomen gerechnet wird
Andere zielgerichtete Medikamente, die bei Lymphompatienten zur Anwendung kommen, sind Mittel, die für die Tumorzellen wichtige Stoffwechselwege blockieren. Ein Beispiel ist Bortezomib, das bei einigen Formen von Lymphomen und ähnlichen Erkrankungen bereits zugelassen ist, und bei anderen Lymphomen bereits in Studien geprüft wurde. Ähnliche Ansätze mit zielgerichteten Medikamenten gibt es noch eine ganze Reihe. Beispiele für Medikamente, die ursprünglich für ganz andere Krankheiten entwickelt wurden, sind Lenalidomid und Thalidomid. Sie blockieren bei Patienten mit Multiplem Myelom das Zellwachstum vermutlich über mehrere Wege.
Schon länger bekannt ist die Wirkung von Zytokinen. Diese Botenstoffe des Immunsystems können bei einigen Lymphomformen eine Immunreaktion des Körpers auf die Lymphomzellen fördern.
Viele weitere Substanzen werden in klinischen Studien zur Verbesserung der Lymphombehandlung geprüft oder sind bereits zugelassen.

Auch wenn zielgerichtete Medikamente sich sehr spezifisch gegen Merkmale der Tumorzellen richten, so bleiben sie trotzdem meist nicht ganz ohne Nebenwirkungen. Möglich sind beispielsweise Probleme durch den schnellen Zerfall von Tumorzellen, der den Körper belastet. Einige Mittel greifen auch gesundes Gewebe an, das ähnliche Eigenschaften aufweist wie die Lymphomzellen. Bei Rituximab kann es zum Beispiel zu Reaktionen während der Infusion kommen, zu Infektionen, Fieber, Übelkeit, Kopfschmerzen und Hautausschlägen. Auch Nebenwirkungen am Herzen sind möglich.

Ob für ihre Situation solche zielgerichteten Medikamente bereits zugelassen sind oder in klinischen Studien geprüft werden, erfahren Lymphompatienten von ihren behandelnden Ärzten. Die Ärzte infomrieren auch über häufige Nebenwirkungen.

Mehr zu den einzelnen Medikamentengruppen hat der Krebsinformationsdienst im Text "Zielgerichtete Krebstherapien" zusammengestellt. Einen kurzen Überblick bietet das Informationsblatt "Zielgerichtete Krebstherapie" (PDF). Eigene Texte gibt es zum Thema "Antikörper" und zu den "Zytokinen".

Hochdosistherapie und Stammzelltransplantation

Bei manchen Lymphomformen kann auch eine weitere Behandlungsform infrage kommen. Sie ist vergleichsweise riskant, bietet aber Chancen auf Heilung, die andere Therapieformen nicht eröffnen: die hoch dosierte Chemo- oder Strahlentherapie. Sie soll möglichst alle Lymphomzellen im Körper zerstören, setzt dabei aber auch das Knochenmark der Patienten außer Funktion. Auf eine Hochdosistherapie muss daher eine Transplantation gesunder Stammzellen folgen, weil sonst die Blutbildung Betroffener aussetzt. Gelingt es nicht, die Funktion des Knochenmarks wieder zu normalisieren, besteht Lebensgefahr.
Die Behandlung ist daher nicht als Standardtherapie geeignet und sollte nur im Rahmen kontrollierter klinischer Studien angewendet werden.

Vor einer Hochdosistherapie können sich Lymphompatienten die Stammzellen selbst "spenden", möglichst zu einem Zeitpunkt, in dem sie ganz oder teilweise in Remission sind. Diese Selbstspende bezeichnet man als autologe Stammzelltransplantation. Bei Patienten, bei denen auch diese Therapie versagt hat oder von vornherein eine sehr belastende Erkrankungssituation besteht, können die Stammzellen auch von einem anderen, fremnden Spender stammen (allogene Transplantation).
Da bei der allogenen Übertragung Betroffenen mit den Blutstammzellen auch ein fremdes Immunsystem übertragen wird, besteht jedoch ein gewisses Risiko, dass sich die neuen Immunzellen gegen den Körper des Empfängers richten. Dies kann zu zum Teil schwerwiegenden Nebenwirkungen führen. Ärzte sprechen von einer Transplantat-gegen-Wirt-Reaktion (englisch: graft versus host disease, GVHD).

In der Lymphomtherapie kommt diese Form der Behandlung bei einem Rückfall eines Hodgkin-Lymphoms oder eines aggressiven NHL infrage, wenn andere Behandlungen nicht zum Erfolg führen. Möglich ist sie auch bei einigen indolenten, langsam wachsenden Lymphomen, wenn die Erkrankung weit fortgeschritten ist und sich mit anderen Möglichkeiten nicht längerfristig aufhalten lässt. Dann ist mit der riskanten Behandlung allerdings eine Heilung möglich. 

Warum die Stammzelltransplantation keine Routinetherapie ist, wie sie durchgeführt wird und welche Nebenwirkungen möglich sind, hat der Krebsinformationsdienst im Text "Wissenswertes für Spender und Empfänger" zusammengestellt.

Unterstützende Behandlung von Nebenwirkungen, Krankheits- und Therapiefolgen

Bei der Behandlung von Lymphomen setzen Ärzte noch weitere Medikamente ein, je nach Lymphomtyp, Krankheitsstadium und individueller Situation.
Viele unterstützen die eigentliche Krebstherapie, weil sie Nebenwirkungen lindern oder die Wirksamkeit der anderen Therapieformen verbessern. Dazu gehören zum Beispiel Steroide ("Kortison"), Mittel gegen Übelkeit und Erbrechen, Antibiotika gegen Infektionen oder Medikamente gegen Schmerzen.
Mehr zu unterstützenden Therapien hat der Krebsinformationsdienst in seinen Texten zu "Belastenden Symptome und Therapiefolgen" zusammengestellt.