© Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum

Diese Seiten sind Ausdrucke aus www.krebsinformationsdienst.de, den Internetseiten des Krebsinformationsdienstes, Deutsches Krebsforschungszentrum. Mehr über den Krebsinformationsdienst und seine Angebote lesen Sie auf unseren Internetseiten. Am Telefon stehen wir Ihnen täglich von 8.00 bis 20.00 für Fragen zur Verfügung, unter der kostenlosen Telefonnummer 0800 – 420 30 40. Oder Sie schreiben uns eine E-Mail an krebsinformationsdienst@dkfz.de.

Bitte beachten Sie: Internet-Informationen sind nicht dazu geeignet, die persönliche Beratung mit behandelnden Ärzten oder gegebenenfalls weiteren Fachleuten zu ersetzen, wenn es um die Diagnose oder Therapie einer Krebserkrankung geht. Die vorliegenden Informationen sind urheberrechtlich geschützt. Jede Vervielfältigung oder Verbreitung dieser Inhalte, unabhängig von Form, Zeit oder Medium bedarf der schriftlichen Zustimmung des Krebsinformationsdienstes, Deutsches Krebsforschungszentrum.

Ursprüngliche Adresse dieses Ausdrucks: https://www.krebsinformationsdienst.de


Lungenkrebs, Foto: MOREDUN ANIMAL HEALTH LTD/SPL/Getty Images © Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum

Lungenkrebs: Therapie kleinzelliger Bronchialkarzinome

Der folgende Text richtet sich an Patienten mit kleinzelligem Lungenkrebs und ihre Angehörigen sowie an Interessierte. Diese Unterform der Bronchialkarzinome wird oft auch mit der Abkürzung SCLC bezeichnet, für englisch „small cell lung cancer“. 
Welche Besonderheiten gibt es bei der Behandlung kleinzelliger Lungenkarzinome? Warum werden betroffene Patienten anders behandelt als Patienten mit "Nichtkleinzellern"? Einen Überblick hat der Krebsinformationsdienst im folgenden Text zusammengestellt. Die genutzten Quellen sind am Textende aufgeführt. Für Betroffene gilt: Die persönliche ärztliche Beratung lässt sich durch Informationen aus dem Internet nicht ersetzen.

Letzte Aktualisierung: 30.05.2011

Überblick: Chemotherapie gegen kleinzelligen Lungenkrebs

Patienten mit kleinzelligem Lungenkrebs tragen ein hohes Risiko für Metastasen. Auch wenn der Ursprungstumor noch klein ist, finden sich oft schon Absiedlungen in anderen Geweben im Brustkorb oder in entfernten Organen. Bei Diagnosestellung leiden zwei Drittel der Patienten bereits unter einer Erkrankung im Stadium "Extensive disease" (ED): Ihr Tumor hat sich über beide Hälften des Brustkorbs ausgebreitet und oft auch schon Metastasen gebildet.
Eine vollständige operative Entfernung ist nur bei noch sehr kleinen, örtlich begrenzten Tumoren möglich (Stadium I). Im Vergleich zu den nicht-kleinzelligen Lungenkarzinomen spricht das kleinzellige Karzinom besser auf eine Chemotherapie an. Die Behandlung mit Zytostatika hat deshalb bei dieser Form von Lungenkrebs die größte Bedeutung. Tumoren lassen sich damit rasch verkleinern und verschwinden häufig zunächst ganz. Eine dauerhafte Heilung ist jedoch nur für wenige Patienten möglich.

Limited disease: Kleinzelliger Lungenkrebs ohne Metastasen

Im Stadium der "Limited disease" (LD, Stadium I-III) sind noch keine Metastasen inanderen Organen nachweisbar.

Operation: In frühen Stadien manchmal möglich

Sehr kleine Tumoren können manchmal operativ entfernt werden. Voraussetzung ist, dass noch keine oder nur sehr wenige Lymphknoten im Mediastinum befallen sind, dem Raum zwischen den Lungenflügeln (Stadium I, II). Diese Situation ist allerdings nur bei sehr wenigen Patienten gegeben.

  • Um möglicherweise vorhandene, aber noch nicht nachweisbare Metastasen auszuschalten, bekommen Patienten auch eine Chemotherapie, meist im Anschluss an die Operation.
  • Nachbestrahlung: Können die Ärzte den Tumor nicht vollständig entfernen oder finden sie bei der Untersuchung der entfernten Lymphknoten unter dem Mikroskop Krebszellen, bekommen die Patienten eine Nachbestrahlung von außen.
  • Prophylaktische Schädelbestrahlung: Nach der Operation sollten Patienten laut aktueller Leitlinie  auch eine vorbeugende Bestrahlung des Schädels erhalten, da das kleinzellige Lungenkarzinom häufig Absiedlungen im Gehirn bildet.

Häufigste Therapie: Kombination von Chemotherapie und Bestrahlung

Die gleichzeitige Chemo- und Strahlentherapie ist heute die wirkungsvollste Therapie bei kleinzelligem Lungenkrebs der Stadien IIB, IIIA und IIIB. So werden etwas größere Tumoren eingestuft, die auf einen Lungenflügel begrenzt wachsen. Auch sie gelten noch als "Limited disease".

  • Die Chemotherapie wird alle drei Wochen über vier bis sechs Zyklen gegeben.
  • Gleichzeitig mit der Chemotherapie beginnt eine Bestrahlung  des Tumors in der Lunge sowie des Mediastinums.
  • Gehen die Ärzte davon aus, dass ein Patient eine Strahlentherapie parallel zur Chemotherapie nicht vertragen würde, kann sie auch danach erfolgen. Dies ist mit geringeren Nebenwirkungen, wahrscheinlich jedoch auch mit einer etwas geringeren Wirksamkeit verbunden.
  • Prophylaktische Schädelbestrahlung: Auch in diesen Tumorstadien wird im Anschluss an die Behandlung der Schädel bestrahlt, da das kleinzellige Lungenkarzinom häufig Absiedlungen im Gehirn bildet.

Chemotherapie: Geeignete Zytostatika im Stadium Limited disease

Bei der Behandlung von kleinzelligem Lungenkrebs im Stadium Limited disease werden verschiedene Medikamente eingesetzt. Welche Zytostatika generell infrage kommen, steht im Kapitel "Behandlungsverfahren bei Lungenkrebs".

  • Üblich ist eine Kombinationstherapie aus zwei oder drei Substanzen.
  • Die Behandlung mit einer Kombination aus Cisplatin und Etoposid gilt dabei als erste Wahl.
  • Sofern Cisplatin aufgrund seiner Nebenwirkungen nicht infrage kommt, sollte eine Kombination aus anderen Medikamenten versucht werden. Patienten, deren Gesundheitszustand eingeschränkt ist, können auch eine Monotherapie mit nur einer Substanz erhalten.

Neoadjuvante Therapie: Keine Standardbehandlung

Manchmal verkleinert sich der Tumor durch die Chemotherapie so weit, dass er vollständig operativ entfernt werden kann. Ob dieses sogenannte neoadjuvante Vorgehen die Heilungsaussichten verbessert, ist allerdings noch nicht geklärt. Entscheidend ist dabei, dass für eine Operation infrage kommende Patienten keine befallenen Lymphknoten im Mediastinum aufweisen.

Rückfälle: Wie verhindern?

Obwohl sich die Krankheit bei vielen Patienten mit "Limited disease" nach der ersten Therapie vollständig zurückbildet, erleiden etwa acht von zehn Patienten längerfristig einen Rückfall. Wie lässt sich dieses hohe Rückfallrisiko senken? Etabliert und in ihrer Wirksamkeit belegt ist bisher nur die vorsorgliche Bestrahlung des Schädels, sie kann Hirnmetastasen verhindern.

Andere Strategien blieben bislang ohne eindeutiges Ergebnis. Eine Weiterbehandlung mit Zytostatika, die sogenannte Erhaltungstherapie, wird von Fachleuten als Routinetherapie nicht empfohlen. Sie führt meist nicht zu einer verlängerten Überlebenszeit, beeinträchtigt mit ihren Nebenwirkungen aber die Lebensqualität der Patienten. Auch Behandlungen mit Interferon oder diverse Immuntherapien haben ebenso wie alle Ansätze zur Intensivierung der Chemotherapie bis hin zur Hochdosistherapie bisher keine überzeugenden Ergebnisse erbracht.

Extensive disease: Kleinzelliger Lungenkrebs mit Metastasen

Bei zwei Dritteln der Patienten hat die Erkrankung bei Diagnosestellung schon das Stadium "Extensive disease" (ED, Stadium IV) erreicht. Metastasen des kleinzelligen Lungenkarzinoms entwickeln sich vor allem in der Leber, im Skelett, im Gehirn und in den Nebennieren. Auch hier ist das Ziel, die Krankheit durch eine Chemotherapie möglichst vollständig zurückzudrängen. Dies gelingt bei etwa einem Fünftel der Patienten, aber meist nur für gewisse Zeit. Die Behandlung dient vorrangig der Linderung von Beschwerden, der Vorbeugung von Komplikationen und dem Erhalt der Lebensqualität, solange es geht.

  • Die Chemotherapie kann das Überleben im Vergleich zum Verlauf bei unbehandelter Erkrankung verlängern.
  • Außerdem trägt sie zur Linderung von Beschwerden und zur Vorbeugung von Komplikationen bei.

Wie die Heilungschancen eines Patienten und wie eine individuelle Behandlungsplanung aussieht, kann jedoch nur gemeinsam mit den behandelnden Ärzten geklärt werden.

Chemotherapie: Geeignete Zytostatika im Stadium Extensive disease

Einen Überblick bietet das Kapitel "Behandlungsverfahren bei Lungenkrebs".

  • Am häufigsten wird eine Kombination aus platinhaltigen Zytostatika und Etoposid eingesetzt, sie ist am wirksamsten.
  • Carboplatin wird bei Patienten mit sehr fortgeschrittener Erkrankung bevorzugt angewendet, da es meist besser verträglich ist als Cisplatin.
  • Alternativ können Anthrazykline oder Kombinationen aus Platin-Präparaten mit Topotecan oder Irinotecan angewendet werden. Mehr zu den Substanzen im Text "Welche Zytostatika zur Chemotherapie gegen Krebs gibt es?

Dosierung: Die Behandlung mit einem einzelnen Medikament als Monotherapie oder mit sehr "milden" Kombinationstherapien ist theoretisch möglich, aber weniger wirksam. Da so auch Symptome weniger gut gelindert werden, erbringen eine Dosisreduktion oder andere Abwandlungen der üblichen Behandlung Patienten meist keine Vorteile.
In Studien konnte auch gezeigt werden, dass auch die Steigerung der Dosierung oder die Verkürzung der Therapiepausen Patienten nicht hilft: Die Erkrankung wurde nicht besser eingedämmt, aber die Nebenwirkungen waren stärker ausgeprägt.

Schädelbestrahlung: Hirnmetastasen vorbeugen

Auch bei einer ausgedehnten Erkrankung empfiehlt die Leitlinie Patienten eine Bestrahlung des Gehirns, um Hirnmetastasen vorzubeugen oder sie so früh wie möglich zu behandeln.