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Leukämiezellen (B-Lymphozyten), Foto: STEVE GSCHMEISSNER/SPL/Getty Images © Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum

Wissen kurz gefasst: Häufig gestellte Fragen zu Leukämien

Ein Überblick für erwachsene Patienten

Wie entstehen Leukämien? Welche Symptome löst eine Erkrankung aus? Und: Warum werden nicht alle Leukämien gleich behandelt? Der folgende Text bietet erwachsenen Patienten, ihren Angehörigen und Freunden Antworten auf häufig gestellte Fragen. Links führen zu vertiefenden Informationen. Bei Fragen steht der Krebsinformationsdienst auch am Telefon oder per E-Mail zur Verfügung.
Weil es so viele verschiedene Leukämieformen gibt, benötigen betroffene Patienten jedoch eine auf ihre ganz persönliche Situation zugeschnittene Beratung. Das Gespräch mit den behandelnden Ärzten können Informationen aus dem Internet, per E-Mail oder am Telefon daher nicht ersetzen.

Letzte Aktualisierung: 21.09.2012

Quellen und Links

Bei der Erarbeitung hat der Krebsinformationsdienst aktuelle Lehrbücher der Onkologie sowie medizinische Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Hämatologie und Onkologie (DGHO) herangezogen. Eine Zusammenstellung genutzter Quellen für Interessierte und Fachkreise findet sich außerdem im Text "Mehr wissen über Leukämien: Adressen, Links, Broschüren, Fachinformationen". Anlaufstellen und Informationsquellen für Leukämien bei Kindern bietet der Text "Krebs bei Kindern und Jugendlichen".

Grundlagen: Was bedeutet der Begriff "Leukämie" eigentlich?

Leukämie wird auch "Blutkrebs" genannt: Im Knochenmark entstehen zu viele, meist unreife und nicht funktionsfähige weiße Blutzellen. Diese finden sich häufig auch vermehrt im Blut und können sich in Lymphknoten oder inneren Organen festsetzen. Bei einer schweren Leukämie kann man schon mit bloßem Auge an einer Blutprobe Unterschiede zu gesundem Blut erkennen. Daher kommt der Name: Leukämie bedeutet weißes Blut, von griechisch: leukos = "weiß" und haima = "Blut". Leukämien zählen damit zur großen Gruppe der Blutkrankheiten. Der Fachbegriff lautet "hämatologische Erkrankungen". Er leitet sich ebenfalls vom griechischen Wort für Blut ab.

Myeloische und lymphatische Leukämien: Wo ist der Unterschied?

Entwicklung von Blut- und Immunzellen © Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum
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Entstehung der Blut- und Immunzellen im Knochenmark; © Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum (zum Vergrößern auf die Lupe klicken)

Im Blut gibt es verschiede Arten von Zellen: Rote Blutkörperchen (Erythrozyten) transportieren Sauerstoff, verschiedene Arten von weißen Blutkörperchen (Leukozyten) sind an der Immunabwehr beteiligt, und Blutplättchen (Thrombozyten) helfen bei der Blutgerinnung.
Alle Blutzellen gehen auf die gleichen Blutstammzellen im Knochenmark zurück. Aus solchen Blutstammzellen entstehen zunächst zwei unterschiedliche Arten von Tochterzellen, sogenannte myeloische und lymphatische Vorläuferzellen. Die meisten ausgereiften weißen und roten Blutzellen und die Thrombozyten entwickeln sich dann im Knochenmark aus den myeloischen Vorläuferzellen, über mehrere Zwischenstufen. Nur ein Teil der weißen Blutkörperchen, die Lymphozyten und dendritischen Zellen, entsteht aus den lymphatischen Vorläuferzellen.
Wie die Blutbildung im Knochenmark vor sich geht, erläutert auch das nebenstehende Schaubild.

Bei Leukämien ist die Reifung der Blutzellen gestört: Gemeinsam ist allen Erkrankungsformen, dass vermehrt unreife Vorstufen der weißen Blutkörperchen im Knochenmark gebildet werden, die sich auch nicht weiter entwickeln. Eine einzelne fehlerhafte Zelle reicht zunächst aus: Sie teilt sich wieder und wieder, und es entstehen zahlreiche identische Zellen (sogenannte Zellklone).

  • Myeloische Leukämien: Es treten vermehrt Zellen auf, die von myeloischen Vorläuferzellen abstammen.
  • Lymphatische Leukämien: Es treten vermehrt Zellen auf, die von lymphatischen Vorläuferzellen abstammen.

Akute und chronische Leukämien: Wo ist der Unterschied?

Nach dem Krankheitsverlauf unterscheidet man außerdem akute von chronische Leukämien.

Akute Leukämien entwickeln sich innerhalb weniger Wochen und gehen oft mit schweren Krankheitssymptomen einher. Bei Betroffenen können sich innerhalb weniger Tage große Mengen leukämischer Zellen in Knochenmark und Blut ansammeln. Die Bildung gesunder Blutzellen ist dadurch stark beeinträchtigt. Dies führt zu Störungen der Immunabwehr, der Blutgerinnung und der Sauerstoffversorgung. Die kranken Zellen können auch innere Organe besiedeln und deren Funktion beeinträchtigen. Eine Behandlung muss entsprechend rasch einsetzen.

Chronische Leukämien schreiten langsamer fort. Sie bleiben oft über einen längeren Zeitraum unbemerkt, ehe Symptome auftreten. Bei vielen Patienten wird die Diagnose eher zufällig gestellt, etwa wenn aus anderem Anlass eine Blutuntersuchung notwendig ist. Die Behandlung orientiert sich am allgemeinen Gesundheitszustand der Betroffenen und an den jeweiligen Symptomen, die durch die Störung der Blutbildung verursacht werden. Im Verlauf der Behandlung spielen außerdem sogenannte Prognosefaktoren eine Rolle: Wie alt ist der Patient? Welche genetischen Veränderungen liegen in den Leukämiezellen vor? Und wie schnell und wie gut spricht der Patient auf die Behandlung an, das heißt: Verschwinden die Symptome? Lassen sich nach der Therapie noch Leukämiezellen im Blut beziehungsweise im Knochenmark nachweisen?

Übersicht: Welche Leukämieformen gibt es?

Die Einteilung in "myeloisch" oder "lymphatisch" sowie "akut" oder "chronisch" ergänzen Fachleute heute durch viele weitere Details. Eine wichtige Rolle spielen dabei typische Veränderungen in der Erbsubstanz der Leukämiezellen.

Allgemein sprechen Mediziner aber nach wie vor von

  • akuten lymphatischen Leukämien (Abkürzung ALL)
  • akuten myeloischen Leukämien (AML oder ANLL für akute nicht-lymphatische Leukämien)
  • chronischen myeloischen Leukämien (CML)

sowie den verschiedenen

  • myelodysplastischen Syndromen.

Trotz des Namens wird die chronische lymphatische Leukämie (CLL) nicht zu den Leukämien gezählt. Fachleute rechnen sie heute zu den sogenannten malignen Lymphomen, mehr dazu in eigenen Texten des Krebsinformationsdienstes.

Was sind myelodysplastische Syndrome?

Nicht alle Patienten mit verändertem Blutbild haben eine voll ausgeprägte Leukämie: Myelodysplastische Syndrome (MDS) sind chronische Erkrankungen des Knochenmarks mit ähnlichen Krankheitszeichen wie bei der chronischen myeloischen Leukämie, allerdings sind diese anfangs weniger ausgeprägt. Auch bei diesen Patienten verdrängen die unreifen Zellen im Laufe der Erkrankung die Blutbildung, es finden sich jedoch weniger Vorläuferzellen (Blasten) in Blut und Knochenmark. Der Mangel an gesunden Blutzellen kann, genau wie bei den Leukämien, Symptome verursachen.

Früher wurden die myelodysplastischen Syndrome als "Präleukämie" oder "schleichende Leukämie" bezeichnet: Bei etwa 25 bis 30 von 100 Patienten entwickelt sich aus einem myelodysplastischen Syndrom früher oder später eine akute myeloische Leukämie (AML). Andere Patienten kommen dagegen längere Zeit ohne oder mit einer nur symptomlindernden Behandlung aus, ohne dass sich ihr Zustand wesentlich verschlechtert. Bislang gibt es allerdings keine Behandlung, die dauerhaft zu einer Normalisierung des Blutbilds und zum Rückgang der Symptome führt. Eine Ausnahme ist die allogene Stammzelltransplantation, also die Übertragung von Blutstammzellen eines anderen Menschen auf den Patienten. Diese Therapie kommt aufgrund der damit verbundenen Risiken jedoch nur für einige Betroffene infrage.