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Leukämiezellen (B-Lymphozyten), Foto: STEVE GSCHMEISSNER/SPL/Getty Images © Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum

Therapie: Wie werden Leukämien behandelt?

Individuelle Planung für erwachsene Patienten

Akute Leukämien müssen sofort behandelt werden: Sie machen Betroffene schwer krank, nicht selten innerhalb weniger Tage oder Wochen. Eine Chemotherapie kann schnelle Hilfe bieten. Bei chronischen Leukämien hängt die Therapieplanung eher davon ab, wie es einem Patienten aktuell geht. Infrage kommen zielgerichtete Medikamente gegen die Tumorzellen oder ebenfalls eine Chemotherapie. Haben Leukämiepatienten ein hohes Rückfallrisiko, kommt auch eine Stammzelltransplantation in Betracht.
Für alle Betroffenen kann die Teilnahme an Studien interessant sein: In Therapieoptimierungsstudien werden gängige Verfahren weiter verbessert, und in weiteren klinischen Studien werden neue Möglichkeiten und Medikamente erprobt.
Der folgende Text bietet Betroffenen und Interessierten einen kurz gefassten Überblick. Die individuelle Therapieplanung gemeinsam mit den behandelnden Ärzten kann eine Information aus dem Internet jedoch nicht ersetzen.

Letzte Aktualisierung: 21.09.2012

Quellen und Links

Genutzte Quellen sind nach Möglichkeit direkt verlinkt. Eine Übersicht wichtiger Quellen für Interessierte und Fachkreise findet sich außerdem unter "Mehr wissen über Leukämien: Adressen, Links, Broschüren, Fachinformationen". Besteht bei Kindern oder Jugendlichen der Verdacht auf eine Leukämie, kann die Vorgehensweise anders aussehen. Ansprechpartner und Links zu Hintergrundinformationen bietet der Text "Krebs bei Kindern und Jugendlichen".

Therapieplanung: Wissen individuell anwenden

Eine allgemeine Behandlungsstrategie für alle Betroffenen gibt es nicht, dazu sind die einzelnen Leukämieformen zu verschieden. Patienten benötigen einen individuellen Therapieplan, den die behandelnden Ärzte zusammen mit ihnen erstellen. Dabei spielen einige wichtige Fragen eine Rolle:

  • Verläuft die Erkrankung akut oder chronisch?
  • Ist es eine myeloische oder lymphatische Leukämie?
  • Welcher Untertyp liegt vor?
  • Wie gut ist der allgemeine Gesundheitszustand der Patientin oder des Patienten?

Ärzte orientieren sich bei der Behandlung an medizinischen Leitlinien. Diese werden von Fachgesellschaften herausgegeben und bieten anhand der aktuellen wissenschaftlichen Literatur einen Überblick über als wirksam und nützlich anerkannte Untersuchungs- und Behandlungsmethoden.

Erwachsenen Leukämiepatienten  wird häufig die Behandlung in klinischen Studien vorgeschlagen. Dabei handelt es sich meist um sogenannte Therapieoptimierungsstudien: Patienten erhalten eine Therapie nach den neuesten medizinischen Erkenntnissen und mit bereits etablierten Verfahren. Es gibt aber kleine Veränderungen der bekannten Behandlungsschemata: Ist die Behandlung erfolgreicher, wenn man drei statt bisher zwei Medikamente miteinander kombiniert? Gibt es weniger Nebenwirkungen und Spätfolgen, wenn man den Ablauf der einzelnen Therapieschritte leicht verändert? So soll unter kontrollierten Bedingungen die Therapie möglichst verbessert werden.

An solchen Studien arbeiten nicht nur große Krebszentren mit. Bei vielen sind auch niedergelassene Ärzte mit eingebunden. Hilfreiche Texte und Links zur Suche nach geeigneten Behandlungszentren und Ärzten finden sich im Kapitel "Mehr wissen über Leukämien".

Unterstützung und weitere Informationen zur Behandlungswahl erhalten Patienten und Angehörige auch beim Kompetenznetz Akute und Chronische Leukämien (KNL). Dies ist ein Zusammenschluss von in Deutschland tätigen Ärzten und Wissenschaftlern, die sich auf Krebserkrankungen des blutbildenden Systems spezialisiert haben. Das KNL ist im Internet unter www.kompetenznetz-leukaemie.de vertreten.

Behandlungsziel Remission: Was heißt das?

Lässt sich die Zahl der Leukämiezellen durch die Therapie so weit vermindern, dass sie im Knochenmark und in Blutproben nahezu nicht mehr nachweisbar sind, spricht man von einer kompletten Remission oder Vollremission. Die normale Blutbildung im Knochenmark kann sich dann erholen. In einer Teilremission sind Patienten, wenn die Zahl der Leukämiezellen in ihrem Blut zwar sehr stark reduziert ist, im Knochenmark jedoch noch Tumorzellen nachgewiesen werden.

Eine Remission ist nicht mit einer Heilung gleichzusetzen. Auch wenn Patienten gut auf die Therapie ansprechen, kann es sein, dass einzelne Leukämiezellen überleben. Daher besteht ein gewisses Risiko, dass sich die Krankheit  nach einiger Zeit wieder im Körper ausbreitet. Einen solchen Rückfall bezeichnet man auch als Rezidiv.

Ärzte sprechen bei Leukämien wegen solcher verbliebenen Zellen auch von "minimaler Resterkrankung" (englisch: minimal residual disease, MRD). Je länger die Remission anhält, desto größer wird für Patienten die Wahrscheinlichkeit, dauerhaft krankheitsfrei zu bleiben. Was tatsächlich unter Heilung zu verstehen ist, lässt sich allerdings nur indirekt festlegen. Für viele Patienten kann es einer Heilung gleichkommen, wenn sie anhaltend in Remission bleiben und beschwerdefrei leben, auch wenn ein Restrisiko für einen Rückfall bestehen bleibt.

Bei Patienten mit akuten Leukämien ist das angestrebte Behandlungsziel eine dauerhafte, vollständige Remission und damit letztlich tatsächlich eine Heilung.
Bei der chronischen myeloischen Leukämie ist eine dauerhafte Remission oft nicht zu erreichen. Ziel der Behandlung ist es hier, eine zumindest lang anhaltende Remission zu bewirken, in der Patienten weitgehend beschwerdefrei leben können. Dies gelingt bei vielen Betroffenen, allerdings ist dazu in der Regel eine fortgesetzte Behandlung erforderlich.

Akute Leukämien: Rasche Therapie ist wichtig

Je nach Leukämietyp kann die Zahl der Leukämiezellen innerhalb weniger Tage und Wochen rasch ansteigen. Die normale Bildung von roten Blutkörperchen, Blutplättchen und funktionsfähigen Immunzellen geht dagegen stark zurück. Dadurch entstehen in kurzer Zeit bedrohliche Symptome, und Patienten sind akut gefährdet.

Die Therapie akuter Leukämien bei Erwachsenen besteht aus mehreren Behandlungsphasen: einer einleitenden Induktionstherapie, einer Konsolidierungstherapie, in der der Behandlungserfolg "verfestigt" werden soll, und einer Erhaltungstherapie, um einem Rückfall vorzubeugen. An die eigentliche Behandlung schließt sich die Nachsorge an, in der Patienten zunächst engmaschig, später in größeren Abständen ihren Gesundheitszustand mit dem Arzt durchsprechen und wichtige Untersuchungen durchführen lassen können.

Induktionstherapie

Patienten erhalten eine Kombination verschiedener Chemotherapie-Medikamente - sogenannte Zytostatika - als Infusion in eine Vene. Ziel dieser ersten Behandlung ist es, die Leukämie schnell vollständig zurückzudrängen und die oft schwerwiegenden Symptome rasch zu lindern.
Zusätzlich zur Chemotherapie benötigen Patienten in diesen ersten Wochen unterstützende Behandlungen. Dazu gehören zum Beispiel Antibiotika zur Vorbeugung von  Infektionen und lindernde Medikamente gegen die Nebenwirkungen der Chemotherapie.
Nicht immer kann die Behandlung so intensiv durchgeführt werden, wie es zur Bekämpfung der Leukämie wünschenswert wäre: Leiden Patienten unter Vorerkrankungen oder sind sie aufgrund ihres fortgeschrittenen Alters insgesamt gesundheitlich eingeschränkt, muss die Leukämie-Behandlung entsprechend angepasst werden, auch wenn dies die Wahrscheinlichkeit eines Rückfalls steigert.

Konsolidierungs- und Erhaltungstherapie

Um den Erfolg der Therapie zu kontrollieren, werden Patienten mit akuten Leukämien regelmäßig untersucht. Dazu entnehmen Ärzte auch Proben aus Blut und Knochenmark. Verläuft die Blutbildung nach den ersten Behandlungszyklen wieder normal, gelten Patienten noch nicht als geheilt, sondern als "in Remission".
Mit einem zweiten Behandlungsabschnitt, der Konsolidierung, sollen auch Krebszellen erreicht werden, die die erste Behandlung überlebt haben. Die Konsolidierungstherapie dauert meist vier bis sechs Monate, abhängig von der jeweiligen Erkrankungsform und dem Gesundheitszustand der Betroffenen. Zum Einsatz kommt ebenfalls eine Chemotherapie: In aufeinander folgenden Behandlungszyklen werden meist verschiedene Zytostatika miteinander kombiniert, um eine möglichst breit gefächerte Wirkung zu erzielen.

Erhaltungstherapie

Daran schließt sich oft eine Erhaltungstherapie über mindestens ein Jahr an, um den Behandlungserfolg zu stabilisieren. Dauer und Intensität der Erhaltungstherapie ist Gegenstand von klinischen Studien: Wie genau dieser Therapieabschnitt für sie aussieht, müssen Betroffene daher mit ihren behandelnden Ärzten besprechen. Auch bei der Erhaltungstherapie spielen verschiedene Zytostatika eine wichtige Rolle. Erprobt werden auch neue zielgerichtete Medikamente.

Nachsorge

Die Nachsorge dient dazu, Nebenwirkungen der Therapie und langfristige Behandlungsfolgen zu erkennen und zu behandeln, den Behandlungserfolg zu kontrollieren und mögliche Rückfälle frühzeitig zu erkennen.

Um den Erfolg der Behandlung zu überprüfen, sind regelmäßige Untersuchungen von Blut und Knochenmark notwendig. Diese werden auch nach dem Ende der Erhaltungstherapie fortgeführt. Zeigt sich bei diesen Kontrollen, dass die Zahl der Leukämiezellen wieder ansteigt, ist eine erneute intensive Behandlung notwendig, zum Beispiel eine weitere Chemotherapie. Mehr zur Zeit nach einer akuten Erkrankung hat der Krebsinformationsdienst auch im Kapitel "Leben mit einer Leukämie" zusammengestellt. Haben Patienten mit einer akuten Leukämie ein sehr hohes Rückfallrisiko, ist auch eine sogenannte Blutstammzelltransplantation eine Behandlungsmöglichkeit. Sie ist allerdings mit Risiken und umfangreichen Nebenwirkungen verbunden. Die Blutstammzelltransplantation setzt deshalb voraus, dass Betroffene eine ausreichend gute allgemeine Gesundheit aufweisen. Die Therapie sollte zudem nur unter kontrollierten Bedingungen in spezialisierten Zentren durchgeführt werden. Möglich ist, je nach Situation, die Übertragung von Spenderzellen oder im Ausnahmefall auch von eigenen "gereinigten" Zellen, mehr dazu im Abschnitt "Blutstammzelltransplantation".

Therapieforschung

Wissenschaftler und Ärzte arbeiten daran, die Versorgung von Patienten mit akuten Leukämien fortlaufend zu verbessern: In den letzten Jahren ist der Einfluss von Veränderungen im Erbmaterial Blutzellen auf die Entstehung der Leukämien immer deutlicher geworden. Forscher haben anhand solcher Erkenntnisse neue zielgerichtete Medikamente entwickelt.

In klinischen Studien überprüfen Wissenschaftler und Ärzte außerdem, wie die bisherigen Therapien optimiert und die Nebenwirkungen verringert werden können: Ist es besser, Medikamente anders zu kombinieren? Bringt es Vorteile, die zeitlichen Abläufe der Behandlung zu ändern? Fachleute empfehlen Patienten, die Teilnahme an klinischen Studien mit ihren Ärzten zu besprechen.

Chronische myeloische Leukämien: Behandlung an der Lebensqualität orientieren

Ärzte unterscheiden die chronische myeloische Leukämie (CML) von der chronischen lymphatischen Leukämie (CLL). Die chronische lymphatische Leukämie wird trotz ihres Namens mittlerweile zu den malignen Lymphomen gezählt: Mehr zur Behandlung hat der Krebsinformationsdienst in eigenen Texten zusammengestellt.

Bei Patienten mit chronischer myeloischer Leukämie (CML) hängt die Wahl der Behandlung vom aktuellen Gesundheitszustand und den jeweils vorhandenen Krankheitszeichen und Beschwerden ab. Nachdem die Diagnose gestellt wurde, sollte möglichst schnell mit der Therapie begonnen werden: Eine frühzeitige Behandlung kann sich möglicherweise günstig auf den Krankheitsverlauf auswirken. Betroffene müssen zur Behandlung oft nicht in die Klinik. In den meisten Erkrankungsphasen können sie von einem niedergelassenen Facharzt oder in der Ambulanz eines spezialisierten Krankenhauses betreut werden. Auch für Patienten mit einer chronischen Leukämie gilt: Sie sollten mit ihren Ärzten besprechen, ob die Teilnahme an einer klinischen Studie mit neuen Verfahren oder zur Therapieoptimierung sinnvoll ist.

Bei der CML werden drei Krankheitsstadien unterschieden:

  • die chronische Phase,
  • die Akzelerationsphase, in der die Krankheit rasch fortschreitet
  • und die Blastenphase (auch Blastenkrise genannt), in der sich die Erkrankung wie eine akute myeloische Leukämie verhält.

Meist wird die Erkrankung während der chronischen Phase festgestellt. Welche Therapieverfahren kommen dann infrage?

Chronische Phase: Tyrosinkinasehemmer

Bei fast allen Patienten mit CML und bei einigen wenigen mit akuten Leukämien weisen die Leukämiezellen eine bestimmte genetische Veränderung auf: das "Philadelphia-Chromosom". Patienten mit dieser Chromosomenveränderung in den Leukämiezellen können mit sogenannten Tyrosinkinasehemmern, zum Beispiel Imatinib und verwandten Wirkstoffen, behandelt werden. Diese zielgerichteten Medikamente blockieren Wachstumssignale  in den Krebszellen, genauer: Enzyme, die für die Signalweiterleitung und damit den Stoffwechsel der Zellen eine wichtige Rolle spielen. Heute stehen mehrere entsprechende Mittel zur Verfügung. Sie werden als Tabletten eingenommen. Mit Hilfe dieser Medikamente bilden sich Krankheitszeichen oft vollständig zurück.

Patienten, bei denen kein typisches "Philadelphia-Chromosom" nachgewiesen werden kann, sprechen oft weniger gut auf eine Behandlung mit Tyrosinkinasehemmern an. Betroffene Patienten benötigen eine an ihre individuelle Situation angepasste Therapie, bei der auch andere Medikamente eingesetzt werden, etwa Interferon oder auch eine Chemotherapie. Für sie empfehlen Fachleute besonders die Teilnahme an klinischen Studien.

Die CML bleibt jedoch eine chronische Erkrankung: Heilen lässt sie sich durch die zielgerichteten Medikamente nicht. Wenn man die Behandlung unterbricht, flammt die Leukämie wieder auf, zumindest nach bisherigem Kenntnisstand. Betroffene können mit der Behandlung aber häufig über Jahre hinweg ein weitgehend normales Leben führen. Ob sich bei Patienten, die besonders gut und lange auf die Arzneimittel ansprechen, gelegentliche Behandlungspausen einschieben lassen, wird in Studien überprüft.

Um den Erfolg der Therapie zu kontrollieren, werden Patienten mit CML regelmäßig untersucht. Ein wichtiger Hinweis ist es, wenn Krankheitszeichen und Symptome nachlassen, und sich beispielsweise eine vergrößerte Milz wieder zurückbildet. Zur Kontrolle entnehmen Ärzte regelmäßig auch Proben aus Blut und Knochenmark. Günstig  für Patienten ist es, wenn keine Leukämiezellen mehr in Knochenmark oder Blut nachweisbar sind.

Akzelerationsphase: Wechsel der bisherigen Medikamente

Ein Übergang der Erkrankung in die akzelerierte Phase kann sich durch veränderte Blutwerte, einen erhöhten Medikamentenbedarf oder eine Verschlechterung des Befindens bemerkbar machen. Betroffene erhalten dann meist ein anderes Präparat aus der Wirkstoffgruppe der Tyrosinkinasehemmer. Dadurch lässt sich die Krankheit oft noch einmal in die chronische Phase zurückführen. Eine dauerhafte Heilung ist jedoch nach wie vor ausgeschlossen.
Daher prüfen die behandelnden Ärzte in dieser Situation, ob eine allogene Stammzelltransplantation als Therapie  infrage kommt. Bei dieser Behandlung werden Stammzellen aus dem Blut oder Knochenmark eines anderen Menschen übertragen.
Diese Therapie kann auch bei Patienten zu einer Remission oder gar dauerhaften Heilung führen, die nicht oder nicht mehr auf Tyrosinkinasehemmer ansprechen. Sie ist allerdings sehr risikoreich und ist daher oft nur bei jüngeren Patienten in einem guten allgemeinen Gesundheitszustand möglich, mehr dazu hier. Ob eine Stammzelltransplantation für sie infrage kommt, müssen Patienten mit ihren Ärzten besprechen - Nutzen und Risiken der Behandlung müssen sorgfältig gegeneinander abgewogen werden. Solange Tyrosinkinasehemmer gut wirken, sehen deshalb heute die meisten Patienten und ihre Ärzte von einer Stammzelltransplantation ab.

Blastenkrise: Chemotherapie

Eine sogenannte Blastenphase oder Blastenkrise kann jederzeit während der Erkrankung auftreten. Sie zeichnet sich durch einen erhöhten Anteil unreifer Zellen (sogenannter Blasten) im Blut, Knochenmark oder auch im zentralen Nervensystem aus. Patienten geht es innerhalb kurzer Zeit deutlich schlechter, und sie müssen sofort behandelt werden. Meist ist eine vorübergehende Aufnahme ins Krankenhaus notwendig. Die Krankheit ähnelt dann eher einer akuten Leukämie und wird meist auch wie diese therapiert: Mit einer Chemotherapie wird versucht, die Krankheitszeichen so schnell wie möglich zurückzudrängen.
Erst wenn die Erkrankung unter Kontrolle ist und sich der Gesundheitszustand deutlich verbessert hat, kommt eine Stammzelltransplantation infrage. Auch hier gilt: Diese vergleichsweise risikoreiche Therapie ist nicht für jeden Patienten geeignet.

Myelodysplastische Syndrome (MDS): Manchmal reicht Kontrolle

Experten empfehlen Patienten, sich möglichst im Rahmen klinischer Studien behandeln und regelmäßig überwachen zu lassen. Ob ein myelodysplastisches Syndrom überhaupt behandelt oder die Erkrankung nur regelmäßig kontrolliert werden muss, hängt von der Schwere der Symptome ab.

Für einen kleinen Teil der Patienten kann es durchaus ausreichend sein, sich regelmäßig untersuchen zu lassen. Für sie beginnt die eigentliche Behandlung erst bei Beschwerden oder einer drastischen Verschlechterung des Blutbilds. Eine sofortige Behandlung brächte für beschwerdefreie Patienten meist nur Nebenwirkungen, aber keine Vorteile. Ärzte sprechen von der "Watch and wait"- oder "Active surveillance"-Strategie (englisch für "abwarten und beobachten" beziehungsweise "aktive Überwachung").

Bei den meisten Patienten verdrängen die veränderten Zellen allerdings früher oder später die gesunde Blutbildung. Wird die Diagnose eines myelodysplastischen Syndroms gestellt, weisen viele Betroffene bereits gesundheitliche Einschränkungen auf: Der häufigste Grund, eine Behandlung zu beginnen, ist eine Blutarmut (Anämie) durch zu wenige rote Blutkörperchen, was den Sauerstofftransport beeinträchtigt. Bei Patienten führt dies zu Müdigkeit und eingeschränkter körperlicher Belastbarkeit.

Die Symptome eines MDS können sehr einschränkend sein. Bei der Behandlung steht daher die Linderung belastender Symptome im Vordergrund: Betroffene sollen ein möglichst beschwerdearmes Leben führen können. Zu dieser unterstützenden Therapie gehören zum Beispiel Blutübertragungen bei Patienten mit Blutarmut, aber auch Antibiotikagaben, falls Patienten aufgrund fehlender weißer Blutkörperchen anfälliger für Infektionen sind.

Für die eigentliche, ursächliche Behandlung der myelodysplastsichen Syndrome stehen verschiedene Chemotherapien und zielgerichtete Medikamente zur Verfügung. Welche Medikamente genau infrage kommen, richtet sich nach dem Lebensalter und der allgemeinen Gesundheit Betroffener. Wichtig ist auch, das individuelle Risiko abzuschätzen, wie rasch die Erkrankung fortschreiten und eventuell in eine akute myeloische Leukämie übergehen wird. Betroffene werden daher in verschiedene Risikogruppen eingeteilt. Für diese Klassifizierung ist entscheidend, wie viele unreife Blasten im Knochenmark vorhanden sind, welche genetischen Veränderungen diese Zellen aufweisen und ob zu wenig rote oder weiße Blutkörperchen oder Blutplättchen im Blut vorhanden sind.

Bei allen Patienten mit hohem Risiko für die Entwicklung einer Leukämie prüfen ihre Ärzte möglichst frühzeitig, ob eine allogene Stammzelltransplantation infrage kommt. Dies ist bislang die einzige Behandlung, durch die eine dauerhafte Heilung des MDS möglich ist. Allerdings ist die Therapie sehr risikoreich und kann daher oft nur bei Patienten mit guter allgemeiner Gesundheit angewendet werden, mehr dazu im folgenden Abschnitt "Blutstammzelltransplantation".

Besonderheiten: Was ist eine Blutstammzelltransplantation?

Bei einer Stammzelltransplantation werden Kranken gesunde Blutstammzellen übertragen. Um die leukämischen Zellen und die eigenen Immunzellen im Knochenmark zu zerstören, erhalten Patienten eine hoch dosierte Chemotherapie und/oder eine Bestrahlung des gesamten Körpers. Dabei werden jedoch unweigerlich ihre gesunden Blut- und Knochenmarkzellen mit zerstört. Ohne einen andauernden "Nachschub" an roten und weißen Blutkörperchen sowie an Blutplättchen können Menschen aber nicht überleben: Der Sauerstofftransport im Blut wäre nicht mehr möglich, das Immunsystem fiele aus, die Blutgerinnung käme zum Erliegen. Deshalb müssen Patienten nach einer Hochdosistherapie Blutstammzellen übertragen bekommen: Diese wandern in das "leere" Knochenmark und entwickeln sich dort zu reifen funktionstüchtigen Blutzellen.

Bis sie wieder über ausreichend gesunde Blutzellen verfügen, sind Patienten besonders anfällig gegenüber Infektionen und müssen besondere Hygienemaßnahmen einhalten. Die Behandlung ist daher nur in spezialisierten Krankenhäusern möglich, die entsprechende Auflagen erfüllen.

Patienten können sich Stammzellen selbst spenden (autologe Stammzelltransplantation), wenn es gelingt, die Krebszellen im Knochenmark durch eine Behandlung vorübergehend zurückzudrängen. Da der Nutzen einer autologen Transplantation für die verschiedenen Leukämieformen bisher nicht zweifelsfrei feststeht, sollte diese Behandlung nur im Rahmen von klinischen Studien durchgeführt werden.

Leukämiepatienten erhalten heute daher meist ein Transplantat  von einem gesunden verwandten oder fremden Spender (allogene Stammzelltransplantation).

Eine Stammzelltransplantation kommt für Patienten mit akuter Leukämie infrage, bei denen die übliche Behandlung nicht den gewünschten Erfolg bringt oder ein sehr hohes Rückfallrisiko besteht. Bei der chronischen myeloischen Leukämie lässt sich durch diese Behandlung eine Heilung erzielen. Sie ist jedoch riskant und für Betroffene sehr belastend. Daher wird sie meist erst eingesetzt, wenn die bisherige Behandlung nicht mehr ausreichend wirkt. Bei myelodysplastischen Syndromen ist die Stammzelltransplantation nur dann eine Behandlungsoption, wenn ein sehr hohes Risiko besteht, dass die Erkrankung in eine Leukämie übergeht.

Wie werden Spenden gewonnen?

Stammzellen können aus dem Knochenmark von Spendern gewonnen werden (Knochenmarktransplantation) oder auch aus dem Blut, in dem sich ebenfalls Stammzellen anreichern lassen (periphere Blutstammzelltransplantation). Meist werden die Zellen heute aus dem Blut gewonnen.

Welchen Nutzen und welche Risiken hat die Transplantation?

Eine Stammzelltransplantation kann Erkrankten zwei Vorteile bieten:

  • Zum einen ermöglicht sie vorab eine sehr viel intensivere Chemo- oder Strahlentherapie, um die Leukämiezellen zu zerstören.
  • Zum anderen richten sich die übertragenen Immunzellen eines Fremdspenders oft auch direkt gegen überlebende Leukämiezellen im Körper und zerstören diese.

Dennoch ist die Behandlung mit Risiken verbunden. Bis das neue Knochenmark ausreichend funktionsfähig ist, tragen Patienten ein hohes Risiko für Infektionen: Da ihre Abwehr komplett ausgefallen ist, können selbst ansonsten harmlose Keime lebensbedrohlich werden.
Innerhalb des ersten Jahres und insbesondere der ersten Monate nach einer allogenen Transplantation müssen Patienten mit einer weiteren Komplikation rechnen: der sogenannten Transplantat-gegen-Wirt-Reaktion (englisch: graft versus host disease, GvHD). Bei etwa fünf bis zehn von hundert Patienten kann die GvHD auch später noch auftreten: Mit den Zellen eines Fremdspenders erhält der Empfänger auch ein vollständig neues Immunsystem. Dies kann bei Patienten zu teilweise lebensbedrohlichen Nebenwirkungen führen: Manchmal richten sich die fremden Immunzellen gegen den eigenen Körper und greifen zum Beispiel die Haut an.

Andererseits kann das neue Immunsystem auch letzte verbliebene Leukämiezellen wirkungsvoll bekämpfen. Dieser oben erwähnte Effekt, den Ärzte Transplantat-gegen-Leukämie-Effekt (englisch: graft versus leukemia) nennen, wird vor allem bei Patienten mit myeloischen Leukämien beobachtet und ist einer der Vorteile der allogenen Blutstammzelltransplantation.

Ob die sehr risikoreiche Therapie infrage kommt, ist unter anderem von der Art der Erkrankung und dem Gesundheitszustand des Patienten abhängig. Patienten sollten sich individuell von ihren Ärzten beraten lassen, da Nutzen und Risiken der Behandlung in jedem Fall sorgfältig gegeneinander abgewogen werden müssen.

Weitere Informationen finden sich im Text "Transplantation von Blutstammzellen: Wissenswertes für Spender und Empfänger".

Nebenwirkungen und Krankheitsfolgen: Womit müssen Leukämiepatienten rechnen?

Mit welchen Therapie-Nebenwirkungen Leukämiepatienten rechnen müssen, hängt davon ab, welche Medikamente oder welche andere Behandlung sie bekommen. Patienten mit akuter Leukämie müssen sich während einer Chemotherapie daher auf andere Nebenwirkungen einstellen als Patienten mit einer chronischen Leukämie, die mit sogenannten zielgerichteten Krebsmedikamenten behandelt werden.
In klinischen Studien wird untersucht, welche Nebenwirkungen bei einer Behandlung auftreten und wie sehr diese die Lebensqualität von Patienten beeinträchtigen. Das Wissen aus diesen Studien ermöglicht es Ärzten und Patienten heute oft, schon vorbeugend etwas zu unternehmen: So erhalten Patienten beispielsweise bei einer Chemotherapie schon mit der ersten Medikamentengabe auch Mittel, die starker Übelkeit vorbeugen.

Chemotherapie und ihre Nebenwirkungen

Chemotherapie-Medikamente hemmen die Vermehrung von Krebszellen. Allerdings sind auch gesunde Zellen betroffen, die sich häufig teilen. Viele Begleiterscheinungen einer Chemotherapie sind durch diese Schädigung sich oft teilender Zellen bedingt. Zu den Symptomen, die vorübergehend während der Behandlung auftreten können, gehören

  • Übelkeit, Erbrechen,
  • Haarausfall,
  • Entzündungen der Schleimhäute in Mund, Darm, Blase,
  • Störungen der Blutbildung mit Symptomen wie Müdigkeit, Blässe, Schwindel, Infektionsgefahr, Blutungsneigung.

Einen Überblick über Möglichkeiten der Vorbeugung und Linderung bieten verschiedene Texte des Krebsinformationsdienstes in der Rubrik "Belastende Symptome".

Es gibt jedoch auch einige anhaltende Folgen der Chemotherapie, die nicht alle, aber einige Leukämiekranke betreffen können.

  • Die Keimzellen, also Eizellen und Spermien, können geschädigt werden. Bei Frauen sind auch vorzeitig einsetzend Wechseljahre nicht ausgeschlossen . Wie hoch das Risiko in ihrem Fall ist, sollten Patienten mit Kinderwunsch möglichst vor der Behandlung mit ihren Ärzten besprechen. Weitere Informationen hat der Krebsinformationsdienst in den Texten unter "Kinderwunsch bei Krebs: Zukunftsplanung für Patienten" zusammengestellt.
  • Die zur Chemotherapie verwendeten Medikamente, die Zytostatika, können ihrerseits das Krebsrisiko steigern. Sogenannte Zweitkrebserkrankungen sind bei erwachsenen Patienten nach bisherigem Wissensstand selten, aber auch nicht ausgeschlossen.
  • Einige Zytostatika können den Herzmuskel schädigen.

Besonders ausgeprägt können die akuten und langfristigen Folgen einer hoch dosierten Chemotherapie vor einer Stammzelltransplantation sein. Selbst hier sind aber nicht alle Patienten in gleichem Ausmaß betroffen.

Zielgerichtete Medikamente und ihre Nebenwirkungen

Sogenannte zielgerichtete Therapien machen sich molekularbiologische Unterschiede zwischen gesunden Zellen und Krebszellen zunutze. Dadurch wirken sie gezielter auf erkrankte Zellen, gesunde Zellen können besser geschont werden.
Ganz lässt sich eine Schädigung gesunder Zellen jedoch nicht vermeiden. Daher haben auch die bei der chronischen myeloischen Leukämie eingesetzten Tyrosinkinasehemmer Nebenwirkungen. Zu diesen gehören unter anderem Veränderungen des Blutbildes, Kopfschmerzen, Magen-Darm-Beschwerden, Müdigkeit oder Knochenschmerzen. Oft bilden sich diese Nebenwirkungen aber einige Zeit nach Beginn der Therapie von alleine zurück. Sind sie sehr belastend, kann die Behandlung kurzfristig auch unterbrochen werden – allerdings nur nach Absprache mit dem Arzt und nie auf eigene Faust!

  • Häufig bei zielgerichteten Therapien sind zudem Nebenwirkungen an der Haut. Patienten können einen Ausschlag bekommen, auch das Risiko für Hautinfektionen ist erhöht.