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Gebärmutterkrebszellen im Elektronenmikroskop, Foto: STEVE GSCHMEISSNER/Getty Images © Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum

Krebs des Gebärmutterkörpers: Häufigkeit, Risikofaktoren, Früherkennung

Wie entsteht ein Endometriumkarzinom?

Die meisten Frauen in Deutschland wissen, dass sie einmal im Jahr zur Krebsfrüherkennung gehen können, um sich auf Gebärmutterhalskrebs testen zu lassen. Für das Endometriumkarzinom, eine Krebserkrankung der Schleimhaut im Inneren der Gebärmutter, gibt es jedoch keine "Krebsvorsorge". Was unterscheidet diese Erkrankung von Gebärmutterhalskrebs? Was weiß man über die Entstehung? Die Krebserkrankungen des Gebärmutterkörpers treten meist bei älteren Frauen auf; oft erst jenseits des 70. Lebensjahrs. Als Risikofaktoren gelten langfristiger Östrogeneinfluss, Übergewicht, Zuckerkrankheit und erbliche Faktoren.

Der folgende Text bietet Betroffenen und ihren Angehörigen mehr zur Häufigkeit, zu Risikofaktoren und zur Früherkennung des Endometriumkarzinoms. Interessierte finden Linktipps und Quellenangaben zum Weiterlesen.

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Anatomie der Gebärmutter: Wie ist sie aufgebaut, wie funktioniert sie?

Anatomie der Gebärmutter und der Eierstöcke © Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum
Anatomie der Gebärmutter und der Eierstöcke © Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum (zum Vergrößern auf die Lupe klicken)

Die Gebärmutter ist ein birnenförmiges Hohlorgan, das zwischen Blase und Mastdarm im Becken liegt. Sie wird fachsprachlich als Uterus bezeichnet. Sie zählt neben den beiden Eierstöcken, den beiden Eileitern und der Scheide zu den inneren Geschlechtsorganen der Frau. Während einer Schwangerschaft wächst das ungeborene Kind in der Gebärmutter.

Der Uterus ist bei Frauen, die nicht schwanger sind, nur sieben bis acht Zentimeter lang. Der Gebärmutterkörper (Corpus uteri) mit der Gebärmutterhöhle im Inneren bildet die oberen zwei Drittel der Gebärmutter. Dort münden die beiden Eileiter (Tuben) in die Gebärmutter. Über sie gelangen Eizellen von den Eierstöcken in die Gebärmutterhöhle. Der Gebärmutterhals (Zervix) ist das kurze untere röhrenförmige Drittel, das die Gebärmutter mit dem oberen Ende der Scheide verbindet.

Der Gebärmutterkörper ist von innen mit einer Schleimhaut ausgekleidet, dem sogenannten Endometrium. Diese Schleimhaut liegt auf einer dicken, dehnbaren Muskelschicht, dem sogenannten Myometrium. Im Bauchraum wird die Gebärmutter an der Beckenwand durch elastische Bänder gehalten. Fachleute bezeichnen diesen Halteapparat aus Bindegewebe als Parametrium, Mehrzahl Parametrien. Zum Bauch und zum Rücken hin ist die Gebährmutter von Bauchfell überzogen, dem sogenannten Peritoneum. In unmittelbarer Nähe der Gebärmutter befinden sich zahlreiche Lymphknoten und Lymphgefäße.

Die Dicke der Gebärmutterschleimhaut verändert sich unter Hormoneinfluss

Die Dicke der Gebärmutterschleimhaut verändert sich unter dem Einfluss weiblicher Geschlechtshormone: In der ersten Hälfte des Menstruationszyklus baut sich die Schleimhaut unter dem Einfluss von Östrogenen auf. Diese Gruppe von Hormonen wird in den Eierstöcken und auch im Fettgewebe gebildet. In der zweiten Zyklushälfte lockert sich die Gebärmutterschleimhaut durch den Einfluss des Gelbkörperhormons (Gestagen) auf: So kann sich ein befruchtetes Ei besser in den Zotten und Falten des Endometriums einnisten. Wird eine Eizelle nicht befruchtet, endet der Monatszyklus mit der Abstoßung der nicht benötigten oberen Schleimhautschicht der Gebärmutter: Es kommt zur monatlichen Regelblutung.

Definition: Was ist Gebärmutterkörperkrebs, was ein Endometriumkarzinom?

Krebserkrankungen des Gebärmutterkörpers dürfen nicht verwechselt werden mit dem Zervixkarzinom, einer Krebserkrankung des Gebärmutterhalses. Tumorerkrankungen, die den eigentlichen Gebärmutterkörper betreffen, werden als Korpuskarzinome oder Uteruskarzinome bezeichnet.
Am häufigsten betreffen solche bösartigen Tumoren des Gebärmutterkörpers die Schleimhaut im Inneren des Uterus: 95 von 100 Patientinnen mit Gebärmutterkörperkrebs sind an einem solchen Endometriumkarzinom erkrankt.

  • In den folgenden Texten beziehen sich daher die Begriffe Gebärmutterkörperkrebs und Gebärmutterkrebs im engeren Sinn auf das Endometriumkarzinom.

Wichtig zu wissen ist, dass es neben dem Endometriumkarzinom noch weitere Krebserkrankungen des Gebärmutterkörpers gibt: Dazu zählen Weichteiltumoren wie die Uterussarkome und andere seltenere Krebserkrankungen wie Karzinosarkome (Müllerscher Mischtumor) sowie Tumoren, die im Zusammenhang mit einer Schwangerschaft entstehen (Chorionkarzinome, Trophoblasttumoren).

Endometriumkarzinom und Hormone

Endometriumkarzinome haben ihren Ursprung im Deck- und Drüsengewebes der Gebärmutterschleimhaut (Endometrium). Es existieren verschiedene Untergruppen dieser Krebsart, die sich anhand einer Gewebeuntersuchung unterscheiden lassen. Auch das Wachstumsverhalten der Krebszellen kann bei diesen Unterarten verschieden sein. Darüber hinaus kennt man für die einzelnen Tumortypen unterschiedliche Risikofaktoren. Fachleute teilen das Endometriumkarzinom grob in zwei Gruppen ein:

  • Östrogenabhängige, sogenannte Typ I Karzinome: Die Tumorzellen reagieren bei dieser Krebsform auf das Hormon Östrogen mit Wachstum. Bei Patientinnen mit diesen Tumoren wird als Risikofaktor der langjährige Einfluss des weiblichen Geschlechtshormons Östrogen angenommen. Diese Form kommt am häufigsten vor: Etwa 80 von 100 Patientinnen mit Gebärmutterkörperkrebs haben einen östrogenabhängigen Tumor.
  • Östrogenunabhängige, sogenannte Typ II Karzinome: Bei Betroffenen mit diesen Tumoren hat das Hormon Östrogen keinen Einfluss. Die Wahrscheinlichkeit für diese Tumoren steigt vor allem mit dem Alter. Auch eine Bestrahlung der Gebärmutter im Zusammenhang mit einer anderen Krebserkrankung im Beckenbereich kann das Risiko steigern.

Häufigkeiten: Wie oft kommt Gebärmutterkörperkrebs vor?

Krebs des Gebärmutterkörpers wurde 2012 bei etwa 10.930 Patientinnen in Deutschland festgestellt. Zum Vergleich: Jährlich erkranken etwa 69.550 Frauen neu an Brustkrebs.

Insbesondere ältere Frauen nach dem 60. Lebensjahr sind von Krebs des Gebärmutterkörpers betroffen. Durchschnittlich sind Erkrankte bei der Diagnose 69 Jahre alt. Fachleute schätzen, dass 2016 etwa 10.800 Frauen in Deutschland neu an Gebärmutterkörperkrebs erkranken.  

Hintergründe und weitere Zahlenangaben bieten die Gesellschaft der Epidemiologischen Krebsregister (www.gekid.de) und das Zentrum für Krebsregisterdaten am Robert-Koch-Institut (www.krebsdaten.de) in der Broschüre "Krebs in Deutschland 2011/2012". Weitere Informationen zur Verbreitung von Krebserkrankungen in Deutschland hat der Krebsinformationsdienst im Text "Krebsstatistiken: Wie häufig ist Krebs in Deutschland?" zusammengefasst.

Risikofaktoren: Was begünstigt Gebärmutterkörperkrebs?

Bei den meisten Patientinnen mit Gebärmutterkörperkrebs lässt sich im Nachhinein nicht genau feststellen, was ihre Erkrankung im Einzelnen ausgelöst hat. Vermutlich spielen krebserregende Risikofaktoren nur eine untergeordnete Rolle. Einige Dinge, die das durchschnittliche Erkrankungsrisiko steigern, konnten Wissenschaftler jedoch in großen Beobachtungsstudien ermitteln. Diese Faktoren finden sich aber nicht bei allen Erkrankten. Andererseits gilt auch: Nicht jede Frau, die mit einem bekannten Risikofaktor lebt, muss zwangsläufig im Laufe ihres Lebens an Gebärmutterkörperkrebs erkranken.

Höheres Lebensalter

Statistisch gesehen fällt auf, dass ältere Frauen nach den Wechseljahren häufiger an Gebärmutterschleimhautkrebs erkranken als jüngere. Die höchsten Erkrankungsraten liegen in der Altersgruppe der 70- bis 74-Jährigen. Dies gilt sowohl für die östrogenabhängigen als auch für die östrogenunabhängigen Tumoren.

Langfristiger Östrogeneinfluss

Bei den östrogenabhängigen Endometriumkarzinomen scheint ein langfristiger Einfluss des weiblichen Sexualhormons Östrogen auf die Gebärmutterschleimhaut eine Rolle zu spielen. Dieses Hormon übt einen andauernden Teilungsreiz auf die Zellen der Gebärmutterschleimhaut aus. Es begünstigt dadurch auch das Entstehen eines bösartigen Tumors.

Ein besonders langer Hormoneinfluss kann auf verschiedene Weise zustande kommen: etwa bei Frauen, die sehr jung ihre erste Regel hatten und erst spät in die Wechseljahre kamen. Aber auch Frauen, die kinderlos geblieben sind und nie gestillt haben, erleben im Vergleich zu Frauen mit vielen Schwangerschaften mehr östrogenabhängige Monatszyklen. Insgesamt scheint die Gesamtzeit der Östrogeneinwirkung auf die Gebärmutter eine Rolle zu spielen.

Als weiterer Risikofaktor gilt die Östrogeneinnahme ohne ein zusätzliches Gelbkörperhormon, ein Gestagen: Dieses Hormon wirkt als hormoneller Gegenspieler des Östrogens. Beispiel ist eine Hormonersatztherapie zum Lindern von Wechseljahresbeschwerden. Eine alleinige Östrogentherapie ist in Deutschland wegen des Risikos nicht mehr üblich: In den gültigen Leitlinien wird empfohlen, Östrogene auf jeden Fall mit einem Gestagen zu kombinieren. Auf die Einnahme dieses Gelbkörperhormons sollte nur verzichtet werden, wenn einer Frau die Gebärmutter entfernt wurde.

Die "Pille" zur Empfängnisverhütung steigert das Risiko dagegen nicht: Sogenannte Mehrphasenpräparate, die Östrogene mit Gestagenen kombinieren, wirken sich sogar risikosenkend aus.

Übergewicht und Zuckerkrankheit

In Studien konnte gezeigt werden, dass übergewichtige Frauen ein höheres Risiko tragen, an einem hormonabhängigen Endometriumkarzinom zu erkranken als Frauen, die normalgewichtig sind. Eine Ursache liegt vermutlich darin, dass nicht nur die Eierstöcke, sondern auch das Fettgewebe Östrogen bildet, auch noch bei Frauen nach den Wechseljahren.

Bei deutlichem Übergewicht geraten außerdem weitere hormonelle Regelkreise aus dem Gleichgewicht, Fachleute sprechen vom sogenannten "metabolischen Syndrom": Betroffene haben häufig zu hohe Blutfettwerte und zu hohe Blutzuckerspiegel, der Körper gerät in eine Art chronischen Entzündungszustand. Schon lange weiß man, dass dies zum Beispiel Diabetes mellitus Typ 2 fördern kann. Neuere Erkenntnisse belegen, dass auch Wachstumsfaktoren freigesetzt werden, die das Zellwachstum an sich und so vermutlich auch das Tumorwachstum beschleunigen. Untersuchungen zeigen, dass zuckerkranke Frauen (Diabetes mellitus Typ-2) ein gesteigertes Risiko für ein Endometriumkarzinom tragen.

Was können Frauen selbst zur Vorbeugung tun? Wissenschaftliche Studien zeigen, dass bei Frauen, die sich viel bewegen und kein Übergewicht haben, das Risiko geringer ist, an einem Endometriumkarzinom zu erkranken. Fachleute empfehlen deshalb, auf eine ausgewogene Ernährung, ein normales Körpergewicht und ausreichend körperliche Aktivität zu achten.

Antiöstrogene

Tamoxifen ist ein sogenanntes Antiöstrogen, das zur ergänzenden Behandlung bei Frauen mit hormonempfindlichem Brustkrebs eingesetzt wird. In einigen Geweben wie etwa in der Brust blockiert es natürliches Östrogen. An der Gebärmutterschleimhaut wirkt es jedoch selbst wie ein Östrogen: Dies kann bei Frauen nach den Wechseljahren dazu führen, dass sich die Gebärmutterschleimhaut erneut wie bei einem Monatszyklus aufbaut. Das Risiko für ein Endometriumkarzinom steigt. Fachleute empfehlen Frauen, die Tamoxifen einnehmen, sich regelmäßig gynäkologisch untersuchen zu lassen.

Einen routinemäßigen Ultraschall über die Scheide bei Frauen ohne Symptome empfehlen sie nicht. Wer allerdings ungewöhnliche Blutungen oder Unterleibsschmerzen hat, sollte sofort seinen Frauenarzt aufsuchen und nicht warten, bis ein nächster regulärer Termin ansteht.

Brustkrebspatientinnen, für die eine Behandlung mit Tamoxifen zur Senkung des Rückfallrisikos infrage kommt, sollten mit ihrem behandelnden Arzt Nutzen und Risiken besprechen. Für die meisten Brustkrebspatientinnen überwiegt der Nutzen. Weiterführende Informationen dazu bietet der Krebsinformationsdienst in seinem Text "Brustkrebs: Hormontherapie – behandeln durch Hormonentzug".

Vorerkrankungen

Ein höheres Risiko tragen auch Frauen, bei denen sich wegen eines länger anhaltenden hormonellen Ungleichgewichts die Schleimhaut in der Gebärmutter zwar aufbaut, aber kein Eisprung erfolgt, oder der Einfluss von Gestagenen aus anderem Grund zu schwach ist, um eine Abstoßung des verdickten Endometriums auszulösen. Eine ungewöhnliche Verdickung der Gebärmutterschleimhaut, die nicht mit dem regelmäßigen Monatszyklus zusammenhängt, wird als Endometriumhyperplasie bezeichnet. Diese kann bei Frauen vor wie auch nach den Wechseljahren auftreten. Häufig kommt sie zum Beispiel bei Patientinnen mit einem unbehandelten  polyzystischen Ovarialsyndrom (PCO-Syndrom) vor.

Langfristig besteht das Risiko von Veränderungen der Schleimhautzellen, Fachleute sprechen dann von einer sogenannten Endometriumhyperplasie mit Atypien. Sie gilt als Krebsvorstufe, aus der sich bei einigen Betroffenen Gebärmutterschleimhautkrebs vom Typ I entwickeln kann. Lässt sich die zugrunde liegende Hormonstörung nicht behandeln, kann der Arzt bei betroffenen Frauen nach den Wechseljahren vorbeugend die Gebärmutter entfernen. Frauen mit Kinderwunsch sollten mit ihrem Frauenarzt besprechen, welche Behandlungsmöglichkeiten der Endometriumhyperplasie  je nach Ursache sinnvoll sind.

Das Vorkommen von endometriumähnlichem Gewebe außerhalb der Gebärmutter (Endometriose) geht bisherigen Studien zufolge nicht mit einem erhöhten Krebsrisiko der Gebärmutterschleimhaut einher.

Bestrahlung der Gebärmutter

Ein Risikofaktor für ein östrogenunabhängiges Endometriumkarzinom, ein sogenanntes Typ-II-Karzinom, ist eine Bestrahlung im Zusammenhang mit einer anderen Krebserkrankung im Bereich des Beckens.

Erbliche Faktoren

Sehr selten kann Gebärmutterkörperkrebs bei Frauen aufgrund einer vererbbaren genetischen Veränderung auftreten, dem sogenannten HNPCC- oder Lynch-Syndrom. Außer zu Darmkrebs neigen betroffene Frauen auch überdurchschnittlich häufig zu Endometriumkarzinomen.

Als Warnzeichen gelten mehrere Darmkrebs- oder Endometriumkarzinomerkrankungen unter engen Verwandten. Auffällig ist es auch, wenn Patientinnen und Patienten in der Familie bei der Erstdiagnose deutlich jünger waren als der übliche Altersdurchschnitt für diese Erkrankungen: Bei Darmkrebs gilt eine Erkrankung bei unter 50jährigen als Warnhinweis, und beim Endometriumkarzinom ist es eine Erkrankung, die vor den Wechseljahren auftritt. Frauen, die in ihrer Familie entsprechend erkrankte Verwandte haben, sollten ihren Frauenarzt darüber informieren. Ob eine genetische Testung auf eine vererbbare Belastung oder gezielte Früherkennungsuntersuchungen sinnvoll und möglich sind, lässt sich dann anhand einiger weiterer Kriterien abklären.

Steht fest, dass eine Frau tatsächlich von einer solchen erblichen Risikosteigerung betroffen ist, empfehlen die Autoren der aktuellen Leitlinie zu erblichem Darmkrebs jährliche Untersuchungen beim Frauenarzt. Dabei kann der Arzt das Aussehen der Gebärmutterschleimhaut mittels Ultraschall kontrollieren. Allerdings ist bisher nicht sicher geklärt, ob sich dadurch das Risiko wirklich senken lässt. Frauen mit nachgewiesener erblicher Belastung, die keinen Kinderwunsch oder die Wechseljahre schon hinter sich haben, können mit ihren Ärzten auch Nutzen und Risiken einer vorsorglichen Gebärmutterentfernung besprechen.

Früherkennung: Warum gibt es kein Screening-Verfahren?

Es gibt keine zuverlässige Früherkennungsuntersuchung für das Endometriumkarzinom. Selbst Frauen, die jedes Jahr zum Frauenarzt zur "Krebsvorsorge" gehen, müssen wissen: Sie haben keine Garantie, dass ein Endometriumkarzinom bei ihnen früh erkannt wird. Dies gilt auch dann nicht, wenn der Frauenarzt die gesamte Gebärmutter bei der "Krebsvorsorge" abtastet. Im gesetzlichen Früherkennungsprogramm ist der Abstrich von Zellen am Gebärmutterhals und die Untersuchung unter dem Mikroskop vorgesehen. Diese Untersuchung dient aber der Früherkennung von Gebärmutterhalskrebs und erlaubt keine Aussage zum Risiko eines Endometriumkarzinoms.

Wie sieht es mit einem sogenannten transvaginalen Ultraschall aus? Bei dieser Untersuchung führt der Frauenarzt den Schallkopf des Geräts direkt in die Scheide ein. So lassen sich das Innere der Gebärmutter und die Muskulatur des Organs erkennen. Auch die Dicke der Schleimhaut kann oft gut abgeschätzt werden. Die Kosten für diese Untersuchung werden von den gesetzlichen Krankenkassen bei ansonsten gesunden Frauen allerdings nicht automatisch übernommen. Das Deutsche Institut für Medizinische Dokumentation und Information (DIMDI, www.dimdi.de) hat das vaginale Ultraschall-Screening bewertet. Für den Nutzen eines routinemäßigen Einsatzes dieser Untersuchung gibt es nach Aussage der Experten keine ausreichenden wissenschaftlichen Belege, zumindest nicht bei Frauen ohne Beschwerden oder erbliche Belastung. Die Sterblichkeit an der Erkrankung wird dadurch nicht gesenkt. Macht der Frauenarzt bei Frauen ohne Symptome einen Ultraschall durch die Scheide, müssen Frauen, die gesetzlich versichert sind, diesen meist selbst bezahlen. Er zählt zu den sogenannten individuellen Gesundheitsleistungen (IGeL). Bei privat Versicherten gilt der jeweils geschlossene Vertrag.

Frauen, die ein erhöhtes Risiko für Gebärmutterkörperkrebs tragen, sollten mit ihrem Arzt besprechen, ob und wenn ja welche einzelnen Untersuchungen und Maßnahmen bei ihnen angebracht sind.

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