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Gebärmutterhalskrebszelle, Foto: STEVE GSCHMEISSNER/SPL/Getty Images © Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum

Gebärmutterhalskrebs: Behandlung bei Rückfall und fortgeschrittener Erkrankung

Was tun, wenn die Krebserkrankung fortschreitet?

Eine wiederkehrende oder fortgeschrittene Krebserkrankung ist für Betroffene und ihre Angehörigen eine große Herausforderung. Welche Therapiemöglichkeiten gibt es, wenn der Krebs nach der ersten Behandlung zurückkommt? Wie sieht es aus, wenn ein Zervixkarzinom bereits fortgeschritten und eine Heilung unwahrscheinlich ist? Wo bekommt man Hilfe, wenn es zum Beispiel um Unterstützung im Alltag oder Pflege geht? Der folgende Text des Krebsinformationsdienstes gibt einen Überblick und bietet Linktipps zum Weiterlesen.
Ein Hinweis: Gebärmutterhalskrebs entwickelt sich nicht immer gleich. Wie es einer Patientin mit fortschreitender Erkrankung tatsächlich gehen wird, lässt sich nicht pauschal vorhersagen. Für Betroffene bieten Internet-Informationen daher nur einen Überblick. Sie können das Gespräch mit den behandelnden Ärzten erleichtern, aber nicht ersetzen.

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Quellen und Links

Links zu weiterführenden Informationen des Krebsinformationsdienstes sind direkt im Text genannt. Interessierte und Fachkreise finden Hinweise auf genutzte Quellen am Ende des Textes. Eine weitere Übersicht bieten auch die Texte "Behandlung" sowie "Mehr wissen über Gebärmutterhalskrebs".

Rückfall: Was tun, wenn der Krebs wiederkommt?

Bei manchen Frauen kehrt der Gebärmutterhalskrebs nach der Behandlung zurück. Fachleute sprechen von einem Rückfall oder Rezidiv. Wie hoch die Wahrscheinlichkeit für eine einzelne Patientin ist, ist schwer zu beziffern. Das Risiko hängt unter anderem davon ab, in welchem Stadium die Erkrankung bei der Erstdiagnose war: Je kleiner der Tumor vor der Erstbehandlung war, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass alle Krebszellen entfernt werden konnten.

Folgende Symptome sind ein Anlass, zum Arzt zu gehen - auch wenn gerade kein Nachsorgetermin anstehen sollte:

  • Scheidenblutungen, spontan oder zum Beispiel nach dem Geschlechtsverkehr
  • ungewohnte Beschwerden beim Wasserlassen oder Stuhlgang, Blutungen oder ungewöhnliche Schleimabsonderungen aus Blase oder Darm
  • Knochenschmerzen, insbesondere im Beckenbereich
  • Rückenschmerzen, die nicht nach kurzer Zeit von alleine zurückgehen
  • Anschwellen der Beine oder des Unterbauchs, Zunahme des Bauchumfanges
  • ungewohnte Beschwerden beim Atmen oder Husten, der nicht nach kurzer Zeit wieder besser wird
  • nicht beabsichtigter Gewichtsverlust

Diagnostik: Welche Untersuchungen führen die Ärzte durch?

Zur Untersuchung kommen die gleichen Verfahren zum Einsatz wie bei der Erstdiagnose: eine gynäkologische Untersuchung, bildgebende Verfahren wie Ultraschall und zusätzlich je nach Situation Kernspintomographie oder Computertomographie. Auch eine Spiegelung von Blase oder Darm kann hinzukommen, wenn der Verdacht besteht, dass der Tumor sich dorthin ausgebreitet hat.

Behandlung eines Rezidivs: Welche Möglichkeiten gibt es?

Welche Behandlung infrage kommt, hängt von verschiedenen Faktoren ab: Wichtig ist zum Beispiel, wie groß der Tumor ist und wo er sitzt, und ob sich bereits Tochterabsiedlungen in anderen Organen gebildet haben. Wie es einem als Betroffene insgesamt geht und welche Behandlungen man bereits erhalten hatte, spielt eine Rolle. Zudem werden nach Möglichkeit persönliche Wünsche und Vorstellungen berücksichtigt.
Wie auch für die Erstbehandlung empfehlen Fachleute, dass ein Team aus verschiedenen Fachärzten in einem spezialisierten Zentrum die verschiedenen Behandlungsmöglichkeiten prüft. So ist sichergestellt, dass alle mit ihrem jeweiligen Fachwissen zur Planung der Therapie beitragen können.

Welche Therapien kommen infrage?

  • Ist die Gebärmutter bei der ersten Behandlung nicht oder nur teilweise entfernt worden und liegen keine oder nur sehr begrenzte Absiedlungen in anderen Organen vor, dann kann nun eine vollständige Entfernung erfolgen. Eventuell ist auch eine umfangreichere Operation möglich, bei der die Ärzte mitbetroffene angrenzende Gewebe und Organe entnehmen. Je ausgedehnter die Operation sein müsste, desto größer sind jedoch auch die langfristigen Folgen, insbesondere dann, wenn ein Stoma nötig wird, ein künstlicher Darmausgang oder Blasenausgang.
  • Ist man bisher nicht bestrahlt worden, und gesundheitlich nicht allzu sehr beeinträchtigt? Dann kommt je nach Situation auch eine Kombination aus Strahlen- und Chemotherapie in Betracht, eine sogenannte Radiochemotherapie. Sie kann das Tumorwachstum auch dann bremsen, wenn sich nicht alles Tumorgewebe langfristig zerstören lässt.
  • Auch eine alleinige Chemotherapie kommt für Patientinnen mit einem Rückfall infrage, vor allem dann, wenn Metastasen gefunden wurden - diese Behandlung erreicht Krebszellen im gesamten Körper.

Mehr zum Ablauf dieser Behandlungsverfahren finden Betroffene im Text "Gebärmutterhalskrebs: Behandlungsmöglichkeiten" Bei manchen Frauen ist es möglich, die Strahlentherapie mit einer sogenannten Hyperthermie zu kombinieren. Diese Wärmebehandlung soll die Wirkung der Bestrahlung verstärken, allein schon durch die verbesserte Durchblutung des Tumorgewebes. Sie ist allerdings kein Standard. Fachleute empfehlen, sie vorzugsweise im Rahmen von kontrollierten klinischen Studien durchzuführen.

Fortgeschrittenes Zervixkarzinom: Tumorwachstum bremsen, Beschwerden lindern

Wenn die Erkrankung bereits fortgeschritten ist und sich Tumorabsiedlungen in anderen Organen gebildet haben, ist eine langfristige Heilung nicht mehr wahrscheinlich. Das bedeutet jedoch nicht, dass Betroffenen in dieser Situation nicht geholfen werden kann. Eine Behandlung hindert den Tumor möglicherweise noch eine Zeitlang am Wachsen. Viele Beschwerden lassen sich lindern. Die Ärzte werden daher im Gespräch zur Behandlungsplanung vor allem erläutern, welche Therapien die Lebensqualität so lange wie möglich so gut wie möglich erhalten.

  • Bei einer fortgeschrittenen Krebserkrankung spielt deshalb eine große Rolle, was man selbst möchte.

Das bedeutet aber auch: Den möglichen Nutzen einer Therapie sollte man gemeinsam mit den Ärztinnen und Ärzten immer wieder gegen das Risiko von Nebenwirkungen abwägen. Welche Beschwerden stehen im Vordergrund? Welche Ziele können erreicht werden, welche nicht? Welche Belastungen sind möglich, welche will man als Patientin auf sich nehmen und welche möglichst vermeiden? Sich diese Fragen zu stellen kann dabei helfen, sich gezielt zu informieren und Entscheidungen zu treffen.

Das Tumorwachstum bremsen

Hat der Tumor im Körper gestreut, werden Ärzte in der Regel zu einer Chemotherapie raten, um die Krankheit so lange wie möglich aufzuhalten: Sie wirkt im ganzen Körper und erreicht so auch verstreute Tumorzellen. Patientinnen erhalten beispielsweise eine Kombination aus den Medikamenten Cisplatin und Topotecan. Alternativ werden Cisplatin oder Carboplatin mit Paclitaxel oder anderen Wirkstoffen kombiniert. Hinzukommen kann außerdem eine Behandlung mit dem zielgerichteten Wirkstoff Bevacizumab. Dieser Antikörper hemmt die Bildung von Blutgefäßen, die den Tumor versorgen. Weitere neuere Substanzen werden in klinischen Studien geprüft.

Die Kombination mehrerer Wirkstoffe hat Vor- und Nachteile: Gemeinsam wirken die Substanzen besser auf den Tumor. Allerdings steigt auch das Risiko für Nebenwirkungen. Zu häufigen Nebenwirkungen von Bevacizumab zählen beispielsweise Bluthochdruck, Durchfall, Bauchschmerzen und Erschöpfung. Die Zytostatika können das Immunsystem und die Blutbildung beeinträchtigen sowie zu Nervenschäden führen. Übelkeit und Erbrechen sind zwar möglich, lassen sich aber bei den meisten Patientinnen wirkungsvoll unterdrücken. Mehr zu möglichen Beschwerden durch die Chemotherapie-Medikamente findet sich im Text "Gebärmutterhalskrebs: Behandlungsverfahren".

Für manche Patientinnen kommt eine Bestrahlung infrage, auch wenn ihre Krebserkrankung nicht heilbar ist: Damit sollen zum Beispiel Schmerzen oder Blutungen im Bereich der Scheide eingedämmt werden. Auch die Bestrahlung oder Operation von Metastasen ist bei einzelnen Betroffenen sinnvoll, eventuell auch vor der Chemotherapie. In der Regel ist das aber nur möglich, wenn nur eine oder zumindest sehr wenige Metastasen gefunden wurden, die gut entfernt oder bestrahlt werden können. Beispiele dafür sind einzelne Knochenmetastasen oder Tumorabsiedlungen in die Leber.

Die Lebensqualität erhalten: Jeden Tag leben

Zur Behandlung einer fortgeschrittenen Erkrankung zählt auch die Linderung von Beschwerden, die durch Tumorwachstum oder durch Therapien verursacht werden.

  • Schwäche und Erschöpfung sind bei vielen Patientinnen Begleiter einer fortgeschrittenen Krebserkrankung. Eine ausgeprägte Form der Erschöpfung, die sich auch durch viel Ruhen nicht bessert, bezeichnen Fachleute als "Fatigue", mehr dazu im Text "Fatigue bei Krebspatienten: Was tun bei starker Erschöpfung?".
  • Schmerzen können belasten und die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen. Gegen Schmerzen können die Ärzte aber bei vielen Patienten etwas tun – sie müssen nicht ausgehalten werden, auch nicht bei einer schweren Krebserkrankung, mehr dazu im Abschnitt "Schmerztherapie bei Krebspatienten".
  • Lymphödeme im Unterleib oder in den Beinen zeigen sich als Schwellungen des betroffenen Bereiches. Was man dagegen tun kann, erläutern die Texte zum "Lymphödem bei Krebspatienten".
  • Bei einigen Patientinnen mit fortgeschrittenem Gebärmutterhalskrebs kommt es zu einem teilweisen oder kompletten Darmverschluss. Typische, aber nicht zwingende Symptome sind Übelkeit und Erbrechen, Schmerzen, Verstopfung oder Durchfälle. Je nach Krankheitssituation kann dann eine Notoperation notwendig werden, bei der eventuell ein künstlicher Darmausgang angelegt wird. Lässt der allgemeine Gesundheitszustand diesen Eingriff nicht zu, kann sich die Situation rasch verschlechtern. Betroffenen hilft eventuell eine Sonde, die den Magen-Darminhalt vorübergehend oder dauerhaft ableitet. Bei manchen Patientinnen ist die Ernährung über die Vene per Infusion notwendig.

Zur Behandlung weiterer möglicher Beschwerden hat der Krebsinformationsdienst eigene Texte in der Rubrik "Belastende Symptome, Nebenwirkungen, Krankheitsfolgen" zusammengestellt.

Beratung und Unterstützung für Patientinnen und ihre Angehörigen

Die Diagnose einer fortgeschrittenen Krebserkrankung ist für die meisten Betroffenen und ihr Umfeld eine schwierige Situation: Viele Dinge müssen organisiert werden, die Behandlungsplanung steht an, Unsicherheit und Angst vor der Zukunft kommen hinzu. Sich frühzeitig Unterstützung zu suchen, kann entlasten und Angst nehmen: In den meisten Krankenhäusern stehen heute psychoonkologische und psychosoziale Beratungsdienste zur Verfügung. Geschulte Mitarbeiter beraten zur Krankheitsverarbeitung, bei Bedarf helfen sie auch in sozialrechtlichen Fragen, zum Beispiel bei Fragen nach einer Schwerbehinderung oder Rente.

Für Patientinnen, die ambulant behandelt werden und für ihre Angehörigen sind die regionalen Krebsberatungsstellen gute Ansprechpartner. Eine Suchmöglichkeit bietet der Krebsinformationsdienst in der Rubrik "Wegweiser", Stichwort "Krebsberatungsstellen". In der gleichen Rubrik finden Ratsuchende auch Adressen niedergelassener Psychotherapeuten, die eine besondere Ausbildung zur Begleitung Krebskranker absolviert haben: Sie bieten bei Bedarf längerfristige psychologische Unterstützung.

Was tun, wenn man als Patientin nicht mehr allein zu Hause zurechtkommt, oder wenn Angehörige Hilfe bei der Betreuung benötigen? In dieser Situation gibt es unterschiedliche Hilfen, die man in Anspruch nehmen kann.

Zur Versorgung von Patientinnen mit einer sehr weit fortgeschrittenen Erkrankung hat der Krebsinformationsdienst außerdem das Informationsblatt "Fortgeschrittene Krebserkrankung: Pflege und Betreuung in der letzten Lebensphase" (PDF) zusammengestellt. Hier werden verschiedene Möglichkeiten erläutert, die es für die Betreuung Schwerstkranker gibt: von der Unterstützung Angehöriger bei der häuslichen Pflege bis zur Versorgung in spezialisierten Einrichtungen. Bei der Suche nach Informationen und weiteren Ansprechpartnern steht der Krebsinformationsdienst auch am Telefon oder per E-Mail zur Verfügung.

Mehr wissen: Linktipps, Fachinformation, Quellen (Auswahl)