© Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum

Diese Seiten sind Ausdrucke aus www.krebsinformationsdienst.de, den Internetseiten des Krebsinformationsdienstes, Deutsches Krebsforschungszentrum. Mehr über den Krebsinformationsdienst und seine Angebote lesen Sie auf unseren Internetseiten. Am Telefon stehen wir Ihnen täglich von 8.00 bis 20.00 für Fragen zur Verfügung, unter der kostenlosen Telefonnummer 0800 – 420 30 40. Oder Sie schreiben uns eine E-Mail an krebsinformationsdienst@dkfz.de.

Bitte beachten Sie: Internet-Informationen sind nicht dazu geeignet, die persönliche Beratung mit behandelnden Ärzten oder gegebenenfalls weiteren Fachleuten zu ersetzen, wenn es um die Diagnose oder Therapie einer Krebserkrankung geht. Die vorliegenden Informationen sind urheberrechtlich geschützt. Jede Vervielfältigung oder Verbreitung dieser Inhalte, unabhängig von Form, Zeit oder Medium bedarf der schriftlichen Zustimmung des Krebsinformationsdienstes, Deutsches Krebsforschungszentrum.

Ursprüngliche Adresse dieses Ausdrucks: https://www.krebsinformationsdienst.de


Brustkrebszelle, Foto: Duncan Smith/Getty Images © Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum

Brustkrebs: Krankheits- und Behandlungsfolgen erkennen und lindern

Was tun, wenn die Brustkrebs-Therapie zu Nebenwirkungen führt? Insbesondere die Hormontherapie kann Frauen belasten: Hitzewallungen sind häufig, auch andere Wechseljahresbeschwerden treten auf, oft noch stärker als bei gesunden Frauen. Auch die Chemotherapie hat Folgen. 
Einen Überblick über die häufigsten therapiebedingten Beschwerden nach Mammakarzinom bietet der folgende Text.  Informationen aus dem Internet, einer E-Mail oder einem Telefongespräch können für Patientinnen eine persönliche ärztliche Beratung jedoch nicht ersetzen.

Erstellt:
Zuletzt überprüft:

Quellen und Links

Als Informationsquellen wurden, soweit es sich nicht um Lehrbuchwissen handelt, im Wesentlichen Behandlungsleitlinien deutscher und internationaler Fachgesellschaften verwendet. Diese und weitere Quellen sind im Text "Mehr wissen über Brustkrebs" aufgeführt und zuletzt im November 2015 überprüft.

HItzewallungen und weitere Probleme: Folgen des Hormonentzugs treffen viele Frauen

Etwa ein Viertel der Brustkrebspatientinnen ist zum Zeitpunkt der Diagnose noch vor der Menopause: Dies bedeutet noch mehr oder weniger regelmäßig eine Regelblutung und Eisprünge. Etwa zwei Drittel dieser Frauen müssen damit rechnen, durch die Behandlung vorzeitig in die Wechseljahre zu kommen.

  • Wichtigster Auslöser ist die Antihormontherapie.
  • Auch die Chemotherapie wirkt sich bei vielen Frauen ungünstig auf die Eierstockfunktion aus, vor allem kurz vor den Wechseljahren.
  • Der vergleichsweise plötzliche Hormonentzug durch die Behandlung führt bei vielen Patientinnen zu ausgeprägten Wechseljahresbeschwerden.
  • Bei Frauen, die bereits im Klimakterium waren oder die Wechseljahre schon fast hinter sich haben, können sich bestehende Beschwerden durch eine antihormonelle Behandlung verstärken oder bereits überwundene Symptome erneut auftreten.

Nicht alle Patientinnen sind jedoch gleichermaßen betroffen. Nicht wenige Frauen verkraften die Behandlung gut und leiden nicht oder nur wenig unter Beschwerden und Nebenwirkungen. 

Eine Voraussage, wer betroffen sein wird und wer nicht, lässt sich kaum treffen. Die häufigsten Symptome sind Hitzewallungen, Schwitzen, Stimmungsschwankungen und durch diese Probleme verursachte Schlafstörungen.

Sind die unmittelbaren Folgen des Hormonentzugs wieder umkehrbar? Ob bei jüngeren Frauen die normale Regelblutung und ein regelmäßiger Eisprung nach Behandlungsende wieder einsetzen, lässt sich nicht sicher voraussagen.
Als Faustregel gilt: Je näher eine Frau bei Beginn der Brustkrebstherapie bereits den natürlichen Wechseljahren war, desto wahrscheinlicher ist es, dass die körpereigene Hormonproduktion nicht wieder einsetzt.
Vor allem Frauen ab 40 müssen rein statistisch damit rechnen, dass die Funktion der Eierstöcke auch nach Therapieende nicht wieder so in Gang kommt, wie es ihrem Alter eigentlich entsprechen würde.

Wechseljahresbeschwerden: Vorsicht mit Hormonen, auch mit Phytohormonen

Wie schätzen Fachleute die Möglichkeiten ein, klimakterische Beschwerden zu lindern? Was nach Ansicht von Experten insbesondere für Frauen mit und nach hormonabhängigem Brustkrebs nicht infrage kommt: die fehlenden Hormone durch Medikamente zum Einnehmen oder als Pflaster zu ergänzen.
Diese sogenannte Hormonersatztherapie mit Östrogenen und Gestagenen, als Kombination oder einzeln, gilt inzwischen selbst für gesunde Frauen als Risikofaktor für Brustkrebs.

Bei Brustkrebspatientinnen viel wichtiger ist aber ein anderer Punkt:
Bei bereits erkrankten Frauen mit "Hormonrezeptor-positiven" Tumoren würde eine Hormon"ersatz"therapie  genau das Gegenteil dessen bewirken, was mit einer "anti"hormonellen Therapie erreicht werden soll.
Auch wenn die Behandlung schon länger abgeschlossen ist, gilt nach bisheriger Einschätzung: Die medikamentöse Gabe von Östrogen und Progesteron würde bei Frauen mit hormonempfindlichem Tumor das Rückfallrisiko steigern.

Fachleute haben ihre Warnungen in sogenannten Leitlinien zusammengefasst: Eine Hormonersatztherapie schließen sie nach hormonrezeptorpositivem Brustkrebs aus - auch dann, wenn die Erkrankung schon länger zurückliegt. Sie empfehlen, sich auf die Behandlung der Symptome mit anderen Methoden zu konzentrieren, mehr dazu in diesem Abschnitt.

Nicht ganz so eindeutig ist die Datenlage für Frauen, deren Erkrankung "Rezeptor-negativ" ist.
Dann wachsen die Tumorzellen zwar nicht hormonabhängig. Bisher gibt es keine Hinweise darauf, dass eine Hormonersatztherapie auch bei diesen Frauen das Rückfallrisiko erhöht. Trotzdem konnten sich die Leitlinien-Autoren auch nicht zu einer eindeutigen Entwarnung entschließen: Daher sollte man als Patientin gemeinsam mit den Ärzten prüfen, ob es auch andere Möglichkeiten gibt, etwas gegen starkes Schwitzen oder weitere Folgen des Hormonmangels zu tun.

Wie sieht es mit pflanzlichen Präparaten aus, Produkten mit Traubensilberkerze, Soja oder Isoflavonen? Oder ganz allgemein mit sogenannten Phytoöstrogenen? Im Herbst 2015 gibt es insbesondere für die Isoflavone eine Warnung von Experten, darunter auch dem deutschen Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR): Solange ein Risiko nicht sicher auszuschließen ist, sollte man als Patientin mit hormonsensiblem Brustkrebs auf Isoflavon-Präparate besser verzichten.
Selbst aktiv werden kann man beispielsweise mit Entspannungsverfahren und auch mit viel Sport und Bewegung. Auch wenn dies nicht unmittelbar gegen die Beschwerden hilft, so empfinden viele Frauen sie im Alltag als zumindest nicht mehr so belastend.

Gemeinsam mit dem Arzt kann man zudem prüfen, ob insbesondere gegen starke Hitzewallungen andere, hormonfreie Medikamente möglich sind.

Östrogenentzug und Knochenabbau - Osteoporosegefahr?

Östrogene wirken sich günstig auf die Knochendichte aus und verhindern eine Osteoporose. Fällt dieser Schutz weg, weil eine Frau durch die Erkrankung und die Behandlung vorzeitig in die Wechseljahre kommt? Dann kann sich - je nach Veranlagung - der normale alters- und bewegungsabhängige Verlust an Knochensubstanz beschleunigen.
Wie wahrscheinlich diese Probleme auftreten, hängt allerdings auch von der individuellen Veranlagung sowie lebensstilbedingten Faktoren ab.
Die antihormonelle Behandlung kann das Risiko für eine Osteoporose ebenfalls beeinflussen: Das Risiko steigt vor allem bei längerer Behandlung mit Aromatasehemmern, die die körpereigene Hormonproduktion unterdrücken. Tamoxifen kann wegen seines anderen Wirkungsmechanismus bei Frauen nach den Wechseljahren unter Umständen sogar einer Knochenveränderung entgegenwirken.

Zur allgemeinen Vorbeugung einer Osteoporose hilft neben ausreichend kalziumhaltiger und Vitamin-D-reicher Ernährung vor allem körperliche Aktivität - sie ist insgesamt für Brustkrebspatientinnen empfehlenswert, mehr dazu im Text "Sport nach Krebs".

Bei bereits bestehender Osteoporose sind zum Beispiel so genannte Bisphosphonate wirksam.
Bei erhöhtem Osteoporoserisiko und bei der Behandlung mit Aromataseinhibitoren kann auch die vorbeugende Gabe eines Bisphosphonats bedacht werden.

Kein Tabuthema: Beeinträchtigungen der Sexualität lassen sich lindern

Ein Thema, das vielfach unausgesprochen bleibt, sind Beeinträchtigungen der Sexualität durch den Hormonentzug: Schmerzen beim Geschlechtsverkehr, Trockenheit und Reizung der Vaginalschleimhaut, Abnahme der Libido.
Patientinnen sollten sich nicht scheuen, ihren Arzt oder ihre Ärztin darauf anzusprechen. Aussagekräftige Leitlinien, was getan werden kann, gibt es hier zwar nicht, Untersuchungen dazu sind spärlich. Aus der Praxis sind jedoch zumindest einige Abhilfemöglichkeiten bekannt. Neben der Anwendung von unspezifischen Gleitcremes lässt sich beispielsweise Scheidentrockenheit nach dem derzeitigen Erfahrungsstand am wirksamsten durch örtlich aufgetragenes Östrogengel oder –salbe in niedriger Dosierung bessern. Die Verwendung von nur örtlich aufgetragenem Östrogen wird heute nicht mehr als kritisch angesehen, obwohl auch auf diesem Weg gewisse Mengen an Hormonen in den ganzen Organismus gelangen.
Belastend ist für viele Frauen die Abnahme der Lust auf Sexualität. Hier kann psychotherapeutische Unterstützung hilfreich sein, denn die Psyche und besonders Verstimmungen können die Lust zusätzlich beeinträchtigen. 

Beeinträchtigung der Fruchtbarkeit: Kinderwunsch bleibt eine Frage des Alters

Aus medizinischer Sicht spricht nichts gegen eine Schwangerschaft einige Zeit nach einer Brustkrebserkrankung: Sie wirkt sich nach dem derzeitigen Stand der Erkenntnisse nicht ungünstig auf den Krankheitsverlauf aus und erhöht das Rückfallrisiko nicht.

  • Eine Chemotherapie kann allerdings bei Frauen, die vorher noch ihre Regel hatten, zum dauerhaften Versiegen der Eierstockfunktion führen, bei Frauen über vierzig ist dies sogar fast die Regel.
  • Eine Antihormontherapie mit Tamoxifen verhindert zwar nicht bei allen Frauen den Eisprung. Während der Therapie raten die Hersteller jedoch dringend von einer Schwangerschaft ab. Dies gilt auch für eine Herceptinbehandlung, wegen der Nebenwirkungen auf das Ungeborene.
  • Die Behandlung mit GnRH-Analoga blockiert den normalen Monatszyklus vollständig. Bei einer Chemotherapie könnte dies jedoch sogar zum Schutz der Eierstöcke beitragen: Derzeit wird in Studien geprüft, ob Frauen von dieser Ruhigstellung schon vor der Chemotherapie profitieren. Dies könnte dazu führen, dass die Fruchtbarkeit erhalten bleibt, so die Hoffnung.

Spätere Therapie von individuellen Faktoren abhängig

Die Entnahme und das Einfrieren von Eierstockgewebe vor der Therapie, um es einige Zeit nach der Behandlung wieder einzupflanzen, sind derzeit noch experimentelle Methoden. Das Einfrieren von Embryonen ist in Deutschland nicht erlaubt, lediglich befruchtete Eizellen dürfen gelagert werden.
Ob bei Frauen mit nicht vollständig verlorener Eierstockfunktion eine Stimulationsbehandlung mit Fruchtbarkeitshormonen hilft, später wieder einen normalen Eisprung zu erzielen, hängt zu sehr von individuellen Faktoren ab, um eine allgemeine Aussage über den Erfolg zu ermöglichen. Wie betroffene Frauen mit dem Thema Kinderwunsch umgehen können, hat der Krebsinformationsdienst in einem eigenen Text zusammengestellt. Weitere Informationen finden betroffene Frauen und ihre Partner im Projekt www.fertiprotekt.de.

Schmerzen bei fortgeschrittener Erkrankung: Nicht einfach hinnehmen

In fortgeschrittenen Stadien einer Krebserkrankung können für die Patientin Schmerzen zur Belastung werden und die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen. Eine wirksame Schmerzbekämpfung ist hier eine der wichtigsten Maßnahmen, falls die Schmerzursache – der Tumor oder seine Metastasen - nicht direkt behandelt werden kann.

  • Eine gute Schmerztherapie ist individuell auf die Schmerzsituation der Patientin abgestimmt. Maßgeblich ist das, was sie selbst empfindet. Sie entscheidet, ob eine Schmerztherapie gut und ausreichend ist oder nicht.
  • Schmerzen bei Krebs lassen sich lindern!

Die Behandlung erfolgt nach Möglichkeit mit Tabletten oder Tropfen, unter Umständen auch mit Pflastern. Bei starken Schmerzen werden Opioide eingesetzt. Diese Abkömmlinge des Morphins sind die wirksamsten Schmerzmedikamente. Heute ist man mit dem Einsatz von Opioiden nicht mehr so zurückhaltend wie noch vor wenigen Jahren, und die Verschreibung ist weit weniger kompliziert als früher. Bei unbefriedigender Schmerzlinderung unter nicht-opioiden Medikamente werden immer Opioide eingesetzt.

Für eine gute und anhaltende Schmerzlinderung ist es entscheidend, die Medikamente nach einem festen Zeitplan einzunehmen und nicht erst dann, wenn die Schmerzen wieder auftreten. Vor einer Abhängigkeit müssen Krebspatientinnen trotzdem keine Angst haben; auch hilft die regelmäßige und vorbeugende Einnahme dabei, Schmerzen gar nicht erst übermächtig werden zu lassen. Falls Tabletten, Tropfen oder Pflaster nicht ausreichend wirken oder nicht verträglich sind, können Opioide auch als Dauerinfusion verabreicht werden: in eine Vene, unter die Haut oder in bestimmten Fällen direkt in die Umgebung des Rückenmarks. Der Katheter ist mit einer Pumpe oder mit einem unter die Haut eingepflanzten Vorratssystem verbunden, die eine kontinuierliche Abgabe des Medikaments sicherstellen. Bei der so genannten patientenkontrollierten Schmerztherapie (PCA) können die Patienten die Pumpe selbst betätigen und je nach Bedarf die Dosis anpassen.

Durch Knochenmetastasen verursachte Schmerzen lassen sich durch gezielte Bestrahlung von außen bekämpfen. Auch die Verabreichung radioaktiver Substanzen, die sich im erkrankten Knochengewebe anreichern und es von innen bestrahlen (Radionuklidtherapie), kann bei schmerzhaften Knochenmetastasen gut wirksam sein. Bisphosphonate lindern metastasenbedingte Knochenschmerzen ebenfalls.