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Bauchspeicheldrüsenzelle, Foto: Steve Gschmeissner/Getty Images © Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum

Bauchspeicheldrüsenkrebs: Risiken und Möglichkeiten zur Vorbeugung

Welche Rolle spielt der Lebensstil? Ist das Risiko für ein Pankreaskarzinom erblich?

Es gibt unterschiedlichste Ursachen und Risikofaktoren für Bauchspeicheldrüsenkrebs. Einige Risiken wie zum Beispiel Rauchen und hohen Alkoholkonsum kann man vermeiden. Andere Auslöser wie beispielsweise eine genetische Veranlagung sind nicht beeinflussbar.
Der folgende Text gibt einen Überblick über den Stand der Forschung.
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Statistik: Wie häufig ist Bauchspeicheldrüsenkrebs?

Bauchspeicheldrüsenkrebs gehört in Deutschland zu den häufigeren Tumorarten. Im Jahr 2014 erkrankten etwa 8.550 Männer und 8.580 Frauen an einem Pankreaskarzinom. Die Zahl der Erkrankungen ist seit den 90er Jahren leicht gestiegen.
Experten vermuten, dass dieser Trend anhält. Denn immer mehr Menschen erreichen ein Alter, in dem sie mit einer höheren Wahrscheinlichkeit Bauchspeicheldrüsenkrebs bekommen. Im Durchschnitt erkranken Männer mit 72 und Frauen mit 75 Jahren.

Bauchspeicheldrüse: Anatomie und Funktion

Verdauungssystem, Grafik © Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum
Die Lage der Bauchspeicheldrüse © Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum

Die Bauchspeicheldrüse oder auch das Pankreas, wie Ärzte dieses Organ nennen, ist bei Erwachsenen etwa 15 bis 20 Zentimeter lang. Sie liegt in der Bauchhöhle direkt hinter dem Magen. Das Organ wird anatomisch in drei Abschnitte eingeteilt: Kopf, Körper und Schwanz.

Das Pankreas ist eine Drüse mit einer Besonderheit. Sie erfüllt zwei sehr unterschiedliche Funktionen gleichzeitig – sie ist also so etwas wie zwei Organe in einem. Einerseits produziert sie Hormone wie Glucagon und Insulin und regelt damit den Blutzuckerspiegel. Andererseits produziert sie Verdauungssäfte, die zum Beispiel Zucker und Fette spalten. Diesen "Bauchspeichel" gibt sie direkt in den Zwölffingerdarm ab.
Für jede dieser Funktionen hat sie ein eigenes, spezialisiertes Gewebe. Und in jedem kann sich Krebs entwickeln.

Tumorbiologie: Krebs in der Bauchspeicheldrüse

Krebs kann sich überall im Körper entwickeln. Meist sind neu auftretende Veränderungen der Erbinformation die Ursache dafür. Sehr viel seltener sind solche "Fehler" in der Erbinformation auch vererbt.
Normalerweise kann eine Zelle solche Veränderungen reparieren, manchmal bleiben sie aber auch erhalten. Einige dieser Erbgutveränderungen führen dazu, dass die Zellen sich nicht mehr nach festen Regel teilen, sondern unkontrolliert wuchern. Es entsteht ein Tumor.

Man unterscheidet gutartige oder "benigne" von bösartigen oder "malignen" Tumoren:
Gutartige Tumoren verdrängen gesundes Gewebe. Bösartige Tumoren wachsen in gesundes Gewebe ein und zerstören es, sie wachsen "invasiv". Darüber hinaus bilden sie oft Tochtergeschwülste in anderen Organen, sogenannte Metastasen.

In der Bauchspeicheldrüse können vor allem zwei Formen von Tumoren entstehen:

Endokrine Pankreastumoren: Tumoren im hormonproduzierenden, endokrinen Gewebe der Bauchspeicheldrüse sind relativ selten, sie machen nur etwa zwei von hundert Pankreastumore aus. Bei vielen Betroffenen sind sie gutartig. Sie verursachen jedoch häufig belastende Beschwerden, weil sie große Mengen an Hormonen produzieren können. Ein Beispiel ist Insulin: Zuviel davon im Blut verursacht eine Unterzuckerung.

Exokrine Pankreastumoren: Das exokrine Gewebe, das die Verdauungssäfte produziert, entwickelt wesentlich häufiger Tumoren. Die meisten Patienten mit bösartigem Pankreaskrebs sind an einem solchen Tumor erkrankt. Die weiteren Informationen auf diesen Internetseiten beziehen sich vor allem auf diese Tumorform.

Risikofaktoren: Was begünstigt Bauchspeicheldrüsenkrebs?

Bei vielen Patienten mit einem bösartigen Tumor der Bauchspeicheldrüse lässt sich im Nachhinein nicht feststellen, was ihre Erkrankung ausgelöst hat. Aus großen Beobachtungsstudien kennt man zwar einige typische Risikofaktoren. Diese finden sich jedoch längst nicht bei allen Patienten. Umgekehrt gilt: Nicht jeder Mensch, der mit einem oder mehreren Risikofaktoren lebt, bekommt zwangsläufig Bauchspeicheldrüsenkrebs.

Lebensstil

Brennende Zigarette. © Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum
Hauptrisikofaktor Rauchen © Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum
  • Der wichtigste Risikofaktor ist das Rauchen. Vor allem bei Kindern und Jugendlichen erhöht auch Passivrauchen das Risiko, ein Bauchspeicheldrüsenkarzinom zu entwickeln.
  • Experten sehen in starkem Übergewicht und Fettleibigkeit den zweitwichtigsten Risikofaktor.
  • Bei Alkohol ist der Zusammenhang nicht so eindeutig. Trotzdem empfehlen Fachleute auf sehr hohen und regelmäßigen Alkoholkonsum zu verzichten. Denn umgekehrt können Experten auch nicht sicher ausschließen, dass es einen Zusammenhang zwischen hohem Alkoholkonsum und Pankreaskrebs gibt.
  • Ähnliches gilt für verarbeitete Fleischwaren wie Wurst, gegrillte und geräucherte Speisen. Auch hier könnte ein häufiger Verzehr zu einem höheren Risiko führen – möglicherweise wegen der Schadstoffe, die durch die Verarbeitung entstehen. Womöglich spielt aber der hohe Fettgehalt der Speisen eine Rolle. Wichtig ist auch: Menschen, die sich so ernähren, essen gleichzeitig auch meist wenig Obst und Gemüse.

Vorerkrankungen

Auch einige Vorerkrankungen können das Risiko steigern. Hier gilt: Man kann auch das Risiko für diese Krankheiten durch den Lebensstil beeinflussen. Dazu gehören langjährige chronische Entzündungen der Bauchspeicheldrüse und Diabetes Typ 2. Ihn kennt man fälschlicherweise auch als "Alterszucker", obwohl weniger das Alter als vielmehr Übergewicht dabei eine Rolle spielt.

Genetische Risiken

Füße auf Wiese © Halfpoint - stock.adobe.com
Familiärer Pankreaskrebs zeigt sich in der Verwandtschaft © Halfpoint - stock.adobe.com

Wenn ein naher Verwandter wie Vater, Mutter, Bruder, Schwester oder ein Kind an Bauchspeicheldrüsenkrebs erkrankt ist, trägt man ebenfalls ein höheres Risiko. Es lässt sich nicht immer klären, ob dafür gemeinsame Gene verantwortlich sind oder ob sich in manchen Familien eher der gleiche Lebensstil auswirkt.

Deshalb gilt: Erst wenn mindestens zwei so nahe Verwandte an einem Pankreaskarzinom erkrankt sind, gehen Fachleute davon aus, dass ein "familiäres Pankreaskarzinom (FPC)" vorliegt, bei dem Risikogene vererbt werden.
Angehörige einer FPC-Familie haben ein deutlich erhöhtes Erkrankungsrisiko. Bei zwei erkrankten Verwandten beispielsweise erhöht sich das Risiko auf das 18fache. Familiäre Pankreaskarzinome sind insgesamt aber in der Minderzahl: Nur etwa zwei bis drei von hundert Patienten sind von solchen vererbbaren Genveränderungen betroffen.

Experten empfehlen betroffenen Familien eine Beratung in einem spezialisierten Zentrum. Die Adresse des nächstgelegenen Zentrums für genetische Beratungen kann der Haus- oder Facharzt vermitteln, der auch eine entsprechende Überweisung ausstellt.

Gibt es einen Gentest?
Ein allgemeiner Test, mit dem Ärzte das Pankreaskrebsrisiko bei allen Familienangehörigen feststellen könnten, steht derzeit noch nicht zur Verfügung. Dies liegt auch daran, dass es nach bisherigem Kenntnisstand eine ganze Reihe beteiligter Gene gibt, die aber nicht bei jedem Patienten eine Rolle spielen müssen. Einige steigern nicht nur das Risiko für ein Bauchspeicheldrüsenkarzinom, sondern auch das für weitere Tumorarten.
Insgesamt sind zur Vererbung beim Bauchspeicheldrüsenkrebs noch viele Fragen offen.

Umweltgifte, Chemikalien

Was viele Menschen befürchten, spielt für das Pankreaskarzinom in Wirklichkeit eine untergeordnete Rolle: Umweltfaktoren.
Zwar gibt es einige Chemikalien, die das Risiko möglicherweise steigern: In Kontakt kommt man damit aber meist nur bei Unfällen am Arbeitsplatz oder der Verletzung von Sicherheitsauflagen. Forscher diskutieren auch, ob beispielsweise Kontakte mit Unkrautvernichtungsmitteln (Herbizide) und Schädlingsbekämpfungsmittel (Pestizide) das Risiko erhöhen.
All das ist aber noch nicht eindeutig geklärt.

Vorbeugung: Was schützt vor Bauchspeicheldrüsenkrebs?

Auf Tabakrauch zu verzichten, Alkohol nur in Maßen trinken und ein normales Gewicht halten sind die besten Möglichkeiten, sein eigenes Risiko zu vermindern. Bewegung scheint sich positiv auszuwirken, insbesondere bei Übergewichtigen. 

Fachleute diskutieren, inwieweit die Zusammenstellung des täglichen Speiseplans Einfluss auf die Entstehung von Bauchspeicheldrüsenkrebs hat. Die Daten aus den bisherigen Studien sind jedoch nicht eindeutig. Besondere Lebensmittel oder eine besondere Diät werden daher nicht empfohlen.

  • Fachleute raten dazu, sich an den allgemeinen Ernährungsempfehlungen zur Krebsvorbeugung zu orientieren.

Screening: Gibt es Früherkennungsuntersuchungen?

Bislang gibt es keine Früherkennungsuntersuchung auf Bauchspeicheldrüsenkrebs: Alle infrage kommenden Untersuchungen wären für Menschen ohne gesundheitliche Probleme zu aufwändig und belastend oder nicht genau genug - sie eignen sich daher nicht für regelmäßige Tests bei Gesunden. Noch dazu gibt es bisher keine Hinweise darauf, dass die Untersuchung die durchschnittliche Lebenserwartung Betroffener steigern würden.

Was gilt für Angehörige Betroffener?

Für Angehörige von Patienten mit Bauchspeicheldrüsenkrebs werden derzeit ebenfalls keine regelmäßigen Untersuchungen des Pankreas empfohlen. Auch die Empfehlungen zur Vorbeugung setzen vor allem auf das nicht Rauchen, eine gesunde Ernährung und ein normales Körpergewicht.

Sind in einer Familie mindestens zwei enge Verwandte wie Eltern, Kinder oder Geschwister am Pankreaskarzinom erkrankt, ist aber eine Beratung in einem spezialisierten Zentrum sinnvoll. In Deutschland besteht die Möglichkeit, an einer Studie zum vererbbaren Pankreaskarzinom teilzunehmen, in der Betroffenen regelmäßige Untersuchungen angeboten werden. Weitere Informationen bietet die Webseite der "Nationalen Fallsammlung familiäres Pankreaskarzinom (FaPaCa) unter www.fapaca.de.

Zum Weiterlesen: Quellen, Linktipps, weitere Informationen