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Bauchspeicheldrüsenzelle, Foto: Steve Gschmeissner/Getty Images © Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum

Bauchspeicheldrüsenkrebs: Risikofaktoren kennen, Vorbeugen, wo möglich

Dieser Text ist Teil ausführlicher Informationen zum Thema Pankreaskarzinom. Er richtet sich an Patienten, ihre Angehörigen und Freunde sowie an Interessierte, die sich über Bauchspeicheldrüsenkrebs informieren möchten. Er bietet einen kurzen Überblick über Anatomie und Funktion der Bauchspeicheldrüse, über die Entstehung und Risikofaktoren für die Erkrankung sowie Möglichkeiten der Vorbeugung. Für weitere Fragen steht der Krebsinformationsdienst am Telefon oder per E-Mail zur Verfügung. Informationen aus dem Internet, einer E-Mail oder einem Telefongespräch können eine persönliche ärztliche Beratung jedoch nicht ersetzen.
Weiterführende Literatur und bei der Texterstellung genutzte Quellen sind nach Möglichkeit im Text direkt verlinkt, eine Zusammenstellung findet sich außerdem im Kasten "Für Interessierte und Fachkreise: Quellen und weiterführende Informationen" auf der Seite "Bauchspeicheldrüsenkrebs: Symptome, Untersuchungen, Behandlung".

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Statistik: Wie häufig ist Bauchspeicheldrüsenkrebs?

Das Pankreaskarzinom gehört in Deutschland zu den häufigeren Tumorarten, sie steht bei Frauen an sechster und bei Männern an zehnter Stelle der Statistik. Im Jahr 2012 erkrankten nach Schätzungen der Gesellschaft der epidemiologischen Krebsregister in Deutschland (www.gekid.de) und des Zentrums für Krebsregisterdaten am Robert Koch-Institut (www.krebsdaten.de/Krebs/DE/Content/Krebsarten/Bauchspeicheldruesenkrebs/bauchspeicheldruesenkrebs_node.html) 8.250 Männer und 8.480 Frauen an einem Pankreaskarzinom. Für 2016 rechnen die Experten der Krebsregister mit einem weiteren Anstieg der absoluten Erkrankungszahlen. Sie führen dies darauf zurück, dass die Lebenserwartung insgesamt steigt: Immer mehr Menschen erreichen das Alter, in dem die Wahrscheinlichkeit für Bauchspeicheldrüsenkrebs deutlich zunimmt. Das mittlere Erkrankungsalter liegt bei 71 Jahren für Männer und bei 75 Jahren für Frauen. Weitere Angaben zur Statistik dieser Krebsart finden sich in der Broschüre "Krebs in Deutschland". Herausgeber sind die Gesellschaft der Epidemiologischen Krebsregister (www.gekid.de) und das Zentrum für Krebsregisterdaten am Robert-Koch-Institut (www.krebsdaten.de). Sie kann von beiden Internetseiten abgerufen werden. Weitere Informationen zur Verbreitung von Krebserkrankungen in Deutschland hat der Krebsinformationsdienst im Text "Krebsstatistiken: Wie häufig ist Krebs in Deutschland?" zusammengefasst.

Bauchspeicheldrüse: Lage, Anatomie und Funktion

Verdauungssystem, Grafik © Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum
Die Bauchspeicheldrüse wird in drei Abschnitte eingeteilt: Kopf, Körper und Schwanz. © Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum (zum Vergrößern auf die Lupe klicken)

Die Bauchspeicheldrüse (fachsprachlich: Pankreas) ist bei Erwachsenen etwa 15 bis 20 Zentimeter lang und liegt hinter dem Magen in der Bauchhöhle. Das Organ wird in drei Abschnitte eingeteilt: Kopf, Körper und Schwanz. Der Kopf wird vom Zwölffingerdarm umschlossen, die Schwanzspitze weist auf die Milz.

Das Pankreas ist eine Drüse, die Hormone und Verdauungssäfte bildet und in den Körper abgibt.

Allgemein unterscheidet man in der Medizin sogenannte endokrine Drüsen von exokrinen Drüsen. Endokrine Drüsen stellen Hormone her und geben diese direkt ins Blut ab. Exokrine Drüsen geben ihre Substanzen an die Körperoberfläche ab, wie zum Beispiel die Schweißdrüsen, oder in einen Hohlraum im Körper, zum Beispiel in den Darm. Das Pankreas ist beides: eine exokrine Drüse, die Verdauungssekrete herstellt, und eine endokrine Drüse, die Hormone produziert.

Zu den im endokrinen Teil produzierten Hormonen der Bauchspeicheldrüse gehören unter anderem Glucagon und Insulin, die den Blutzuckerspiegel regulieren. Die häufigste Erkrankung der Bauchspeicheldrüse ist dementsprechend auch die Zuckerkrankheit, der sogenannte Diabetes mellitus: Hier wird entweder zu wenig Insulin produziert, oder die Zellen des Körpers reagieren nicht mehr ausreichend auf das Hormon.

In den exokrinen Gewebeanteilen bildet die gesunde Bauchspeicheldrüse Verdauungssäfte. Dieser "Bauchspeichel" enthält Enzyme, die Zucker und Fette spalten, sowie Vorstufen von eiweißspaltenden Enzymen. Die Verdauungssäfte der Bauchspeicheldrüse werden über einen Ausführungsgang im Pankreaskopf in den Zwölffingerdarm abgegeben.
Je nachdem, aus welchem Anteil der Bauchspeicheldrüse ein Tumor entsteht, unterscheidet man zwei Hauptformen von Bauchspeicheldrüsenkrebs:

  • Endokrine Pankreastumoren: Tumoren im hormonproduzierenden endokrinen Anteil der Bauchspeicheldrüse sind vergleichsweise selten. Sie sind überwiegend, aber nicht immer gutartig. Diese Tumoren fallen vor allem wegen der Symptome auf, die durch die überschießende Hormonproduktion im Tumorgewebe hervorgerufen werden. Fragen dazu beantwortet der Krebsinformationsdienst am Telefon oder per E-Mail.
  • Exokrine Pankreastumoren: Die meisten Patienten mit bösartigen Pankreaskarzinomen sind an Tumoren erkrankt, die von den exokrinen Anteilen der Bauchspeicheldrüse ausgehen. Bei exokrinen Pankreastumoren können alle oder nur einige Funktionen der Bauchspeicheldrüse beeinträchtigt sein - je nachdem, welcher Anteil des Organs betroffen ist und wie umfangreich die Zerstörung des gesunden Gewebes durch den Tumor ausfällt.  Die folgenden Informationen beziehen sich vor allem auf diese Tumorform.

Tumorbiologie: Wie entsteht Krebs?

Krebs kann sich überall im Körper entwickeln. Die Gewebe des Körpers erneuern sich ständig: Durch Zellteilung entstehen neue Zellen, alte oder geschädigte sterben ab. Wenn die Erbinformation einer Zelle verändert ist, kann es vorkommen, dass sie keinen natürlichen Tod mehr stirbt und sich trotz zunehmender Defekte teilt und vermehrt. Ihre Tochterzellen tragen ebenfalls die veränderten Erbinformationen; weitere Abweichungen und Schäden an dieser genetischen "Bauanleitung" für neue Zellen können hinzukommen. Es entsteht ein Tumor, der unkontrolliert wächst.

Man unterscheidet gutartige Tumoren von bösartigen Tumoren. Gutartige Tumoren verdrängen gesundes Gewebe. Bösartige Tumoren wachsen in gesundes Gewebe ein und zerstören es. Darüber hinaus bilden sie oft Absiedlungen in anderen Organen, sogenannte Metastasen. Das Pankreaskarzinom ist ein solcher bösartiger oder maligner Tumor. Meist geht er von den sogenannten Epithelzellen der Pankreasgänge aus, also den Zellen, die die Ausführungsgänge des Organs auskleiden.

Risikofaktoren: Was begünstigt Bauchspeicheldrüsenkrebs?

Bei vielen Patienten mit einem bösartigen Tumor der Bauchspeicheldrüse lässt sich im Nachhinein nicht feststellen, was ihre Erkrankung ausgelöst hat. Aus großen Beobachtungsstudien kennt man zwar einige typische Risikofaktoren. Diese finden sich jedoch längst nicht bei allen Patienten. Und nicht jeder Mensch, der mit einem oder mehreren der bekannten Risikofaktoren lebt, muss zwangsläufig an einem Bauchspeicheldrüsenkarzinom erkranken.

Lebensstil und Vorerkrankungen

Rein statistisch sind die wichtigsten Risikofaktoren für die Entstehung des Pankreaskarzinoms das Rauchen - auch das Passivrauchen - und starkes Übergewicht. Auch einige Vorerkrankungen können das Risiko steigern, die ebenfalls vom Lebensstil mit beeinflusst werden. Dazu gehören langjährige chronische Entzündungen der Bauchspeicheldrüse und Diabetes mellitus vom Typ 2, fälschlich auch "Alterszucker" genannt.

Genetische Risiken

Menschen, in deren Familie ein Verwandter ersten Grades - Vater, Mutter, Bruder, Schwester oder ein Kind - an Bauchspeicheldrüsenkrebs erkrankt ist, haben ein zwei- bis dreifach erhöhtes Risiko, ebenfalls ein Pankreaskarzinom zu bekommen. Sind für diese Risikosteigerung tatsächlich gemeinsame Erbanlagen verantwortlich? Oder wirkt sich der in einer Familie übliche Lebensstil und damit gemeinsame Risikofaktoren aus? Diese Frage lässt sich bei den allermeisten Betroffenen nicht sicher klären.

Sind sogar zwei oder mehr erstgradig Verwandte von einem Pankreaskarzinom betroffen, vermuten Fachleute aber, dass ein "familiäres Pankreaskarzinom (FPC)" vorliegen könnte, bei dem Risikogene vererbt werden. Angehörige einer FPC-Familie mit zwei und mehr direkt verwandten Patienten haben ein deutlich höheres Erkrankungsrisiko als die Normalbevölkerung. Experten empfehlen betroffenen Familien eine Beratung in einem spezialisierten Zentrum. Die Adresse des nächstgelegenen Zentrums für genetische Beratungen kann der Haus- oder Facharzt vermitteln, der auch eine entsprechende Überweisung ausstellt.

Gibt es einen Gentest? Ein allgemeiner Test, mit dem man das Pankreaskrebsrisiko bei allen Familienangehörigen sicher nachweisen könnte, steht derzeit noch nicht zur Verfügung. Dies liegt auch daran, dass es vermutlich eine ganze Reihe beteiligter Gene gibt, die aber nicht bei jedem Patienten eine Rolle spielen müssen.
Auch seltene erbliche Erbinformationveränderungen, die allgemein das Risiko für verschiedene Tumorarten steigern, können beteiligt sein. Insgesamt sind zur Vererbung beim Bauchspeicheldrüsenkrebs noch viele Fragen offen.

Umweltgifte, Chemikalien

Was viele Menschen befürchten, spielt für das Pankreaskarzinom in Wirklichkeit eine untergeordnete Rolle: Umweltfaktoren. Zwar gibt es einige Chemikalien, die das Risiko möglicherweise steigern, etwa bei Unfällen oder der Verletzung von Sicherheitsauflagen am Arbeitsplatz. Zu diesen Zusammenhängen sind aber noch Fragen offen.

Vorbeugung: Was schützt vor Bauchspeicheldrüsenkrebs?

Auf Tabakrauch zu verzichten und ein normales Gewicht sind die wichtigsten Möglichkeiten, das eigene Risiko zu vermindern. Bewegung scheint sich positiv auszuwirken, insbesondere bei Übergewichtigen.
Fachleute diskutieren, wieweit die Zusammenstellung des täglichen Speiseplans Einfluss auf die Entstehung von Bauchspeicheldrüsenkrebs hat. Die Daten aus den bisherigen Studien sind jedoch nicht eindeutig, so eine Aussage der fachlichen Leitlinie zum "Pankreaskarzinom" von 2013. Besondere Lebensmittel oder eine besondere Diät werden daher nicht empfohlen. Vermeiden sollte man aber übermäßigen Alkoholkonsum, nicht nur wegen des Risikos für Bauchspeicheldrüsenkrebs.
Fachleute raten dazu, sich an den aktuellen Ernährungsempfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) zu orientieren, mehr dazu unter www.dge.de, Stichwort "Ernährung".

Screening: Gibt es Früherkennungsuntersuchungen?

Bislang gibt es keine Früherkennungsuntersuchung auf Bauchspeicheldrüsenkrebs: Alle infrage kommenden Untersuchungen wären aufwändig und belastend, sie eignen sich nicht für regelmäßige Tests bei Gesunden. Noch dazu gibt es bisher keine Hinweise darauf, dass sie die durchschnittliche Lebenserwartung Betroffener steigern würden.
Auch für Angehörige von Patienten mit Bauchspeicheldrüsenkrebs werden derzeit keine regelmäßigen Untersuchungen des Pankreas empfohlen. Sind in einer Familie mehrere enge Verwandte am Pankreaskarzinom erkrankt (mindestens zwei), ist aber eine Beratung in einem spezialisierten Zentrum sinnvoll.