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Toilettenpapier © roxcon/Avanti/Ralf Poller

Verstopfung während einer Krebserkrankung: Was tun?

Auslöser, Vorbeugung und Behandlung von Obstipation bei onkologischen Patienten

Viele Krebspatienten kennen das: Rund um eine Krebsbehandlung verändern sich plötzlich die Stuhlgewohnheiten. Man kann über mehrere Tage gar nicht auf die Toilette. Oder die Darmentleerung fühlt sich unvollständig an, sie ist unangenehm oder schmerzhaft. Bei vielen Patienten normalisiert sich der Stuhlgang nach kurzer Zeit von alleine wieder. Andere leiden über einen längeren Zeitraum unter Beschwerden.
Verstopfung kann belasten und die Lebensqualität einschränken. Welchen Einfluss haben die Krebserkrankung oder ihre Behandlung? Welche Rolle spielen Ernährungsumstellungen oder der durch die Krankheit veränderte Tagesablauf? Was kann man selbst tun, was schadet eher?
Einen ersten Überblick bietet der folgende Text. Er richtet sich an Krebspatienten und ihre Angehörigen. Interessierte und Fachkreise finden Hinweise auf weitere Quellen. Eine ärztliche Beratung lässt sich durch Informationen im Internet aber nicht ersetzen.

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Verstopfung bei Krebs: Woher kommen die Probleme mit dem Stuhlgang?

Nicht jeder Mensch muss jeden Tag: Zwischen dreimal pro Tag und dreimal pro Woche gelten als ganz normal. Bei Gesunden gibt es auch für die Beschaffenheit des Stuhls keine Regeln: Sie kann von wohlgeformt bis hart reichen.
Von einer "Obstipation", so der wissenschaftliche Name für Verstopfung, gehen Fachleute aus,

  • wenn man weniger als dreimal pro Woche Stuhlgang hat und
  • dieser sehr klumpig und hart ist.

Als weitere Kriterien gelten:

  • starkes Pressen während des Stuhlgangs sowie
  • das Gefühl der unvollständigen Darmentleerung und der Blockade am Darmausgang.

Während einer Krebserkrankung machen viele Patienten die Erfahrung, dass sich sowohl der Rhythmus der Darmentleerung als auch die Beschaffenheit des Stuhls ändern.
Die Gründe dafür sind vielfältig. Um wirksam etwas gegen die Verstopfung tun zu können, lohnt es sich, genauer nach den Ursachen zu suchen. So lässt sich auch leichter klären, ob die Probleme nur vorübergehend auftreten, oder ob sie möglicherweise länger anhalten können.

Welche Ursachen hat eine akute Verstopfung?

Für kurzfristige Probleme mit der Verdauung gibt es viele Auslöser, vor allem während der eigentlichen Krebsbehandlung:

  • Veränderungen bei Appetit und Ernährung, bei Flüssigkeitsbedarf und Trinkgewohnheiten
  • mangelnde Bewegung
  • Nebenwirkungen mancher (Krebs-)Medikamente

Ein typisches Beispiel ist Verstopfung nach einer Operation:
Bei vielen Menschen dauert es einige Tage, bis der Darm wieder in Schwung kommt, selbst wenn der Eingriff gar nicht den Bauchraum betraf. Auslöser sind mögliche Nebenwirkungen der Narkose- und  Schmerzmedikamente, aber auch die fehlende Bewegung, kurzfristiges Fasten oder eine veränderte Ernährung rund um den Eingriff.
Hinzu kommt: Viele Menschen empfinden es als unangenehm, im Krankenhaus eine Gemeinschaftstoilette oder gar eine Bettpfanne nutzen zu müssen.

Flüssigkeitsmangel kann ebenfalls den Stuhlgang fester werden lassen. Daher sind zum Beispiel Fieber und Infektionen, bei denen man stark schwitzt, ebenfalls mögliche Auslöser von Verstopfung. Krebspatientinnen und Krebspatienten, die eine Hormontherapie erhalten, leiden nicht selten unter häufigen und starken Hitzewallungen als Nebenwirkung – auch dies kann den Flüssigkeitshaushalt und damit auch die Darmtätigkeit beeinflussen.

Infrage kommt außerdem eine ganze Reihe weiterer Arzneimittel, deren Nebenwirkung eine zeitweilige Obstipation sein kann.

Ganz allgemein gilt: Wer bereits vor einer Krebserkrankung immer mal wieder Probleme hatte, ist auch während einer Krebserkrankung unter Umständen anfälliger für Verstopfung. Normalerweise gilt aber auch: Fallen die Auslöser der aktuellen Probleme weg, bessern sich auch die Probleme mit dem Stuhlgang wieder.

Welche Ursachen hat eine chronische Verstopfung?

Bei manchen Krebspatienten wird Verstopfung jedoch chronisch. Dies kann zum Beispiel Menschen mit Tumoren im Bauchraum betreffen, etwa Darmkrebs. Auch wenn durch die Tumorerkrankung oder ihre Behandlung Nerven geschädigt wurden, die für die Darmentleerung wichtig sind, neigen Betroffene zu Obstipation.

Ein typisches Beispiel für Verstopfung als Nebenwirkung von Medikamenten ist die Schmerztherapie: Sehr häufig von hartnäckiger Verstopfung sind Menschen betroffen, die Opioide erhalten. Diese Wirkstoffe werden auch als Opiate oder pauschal als Morphine bezeichnet.
Sie wirken allerdings nicht nur gegen Schmerz, sondern binden auch an die Nervenzellen im Darm und lähmen so teilweise die Darmmuskulatur. Der Darminhalt wird nicht mehr ausreichend weitertransportiert. Das Darmgewebe entzieht den verdauten Speiseresten zu viel Flüssigkeit, und der Stuhl wird hart.
Für viele Betroffene wird die Darmentleerung beschwerlich, nicht selten kann sie ohne Nachhilfe sogar unmöglich werden. Hinzu kommen oft schmerzhafte Blähungen. Von alleine bessern sich diese Probleme eher nicht.

Bei Menschen mit einer weit fortgeschrittenen Krebserkrankung kommen viele der möglichen Auslöser von Verstopfung zusammen: Sie erhalten häufig Opioide, und je nach Situation sind auch noch weitere Medikamente unvermeidlich, die die Verstopfung verstärken.
Viele Betroffene können nicht mehr so viel trinken und essen, wie es eigentlich notwendig wäre. Die Folge: Ihr Darm ist zu wenig gefüllt, um den zu trockenen Darminhalt weiter zu transportieren. Erbrechen oder Fieber entziehen dem Körper zusätzlich Flüssigkeit. Bewegungsmangel verschärft das Problem, vor allem bei bettlägerigen Betroffenen.
Manchen schwerkranken Patienten fehlt irgendwann auch einfach die Kraft, auf Toilette zu gehen, oder sie geraten beim Pressen zur Darmentleerung in Luftnot.

  • Diese Formen der Verstopfung sind nicht mit sonstigen Verdauungsproblemen vergleichbar, die bei vielen Menschen gelegentlich auftreten.

Selbst aktiv werden: Was sollte man selbst tun, was kann schaden?

Über Verdauungsbeschwerden zu sprechen, ist vielen Menschen unangenehm. Viele versuchen deshalb zunächst, das Problem selbst in den Griff zu bekommen. Hausmittel wie eingeweichte Pflaumen, Sauerkrautsaft oder Quellstoffe wie Leinsamen, Flohsamen oder Weizenkleie sind in diesem Zusammenhang beliebt. Andere greifen zu Abführtees oder rezeptfreien Abführmitteln.

Für Krebspatienten gilt jedoch: Anhaltende Verstopfung sollte man immer mit dem Arzt besprechen. Dafür gibt es wichtige Gründe. 
Viele Mittel und Maßnahmen, die bislang geholfen haben, etwa bei einer Verstopfung während einer Urlaubsreise, sind während einer Krebserkrankung nicht sinnvoll: Sie verschleiern möglicherweise, dass hinter der Verstopfung ein größeres Problem steht. Hinzu kommt: Ob Hausmittel tatsächlich gegen alle Formen von krankheitsbedingte Verstopfung helfen, ist nicht ausreichend untersucht.

Manche können sogar schaden: Gerade sehr ballaststoffreiche Lebensmittel, etwa Müsli, oder Quellstoffe, wie Leinsamen, Flohsamen oder Weizenkleie, können die Darmpassage zusätzlich behindern, wenn man zu wenig dazu trinkt.
Rezeptfreie Arzneimittel, die sich in der Hausapotheke finden, können dagegen zu unerwünschten Wechselwirkungen mit Medikamenten zur Krebstherapie führen.

Die Empfehlung für Krebspatienten lautet daher: nicht selbst aktiv werden, ohne vorher mit dem Arzt gesprochen zu haben. Er kann beurteilen, ob sich sanfte Methoden oder frei verkäufliche Medikamente zur Abhilfe bei Verstopfung eignen.

Vorbeugen und behandeln: Wie kann der Arzt bei Verstopfung helfen?

Ballaststoffe © juniart/Fotolia
Wenn der Arzt einverstanden ist, können Ballaststoffe helfen. Wichtig: genug dazu trinken! © juniart/Fotolia

Geht der Arzt von einer kurzfristigen und leichteren Verstopfung aus, die nicht ursächlich mit der Krebserkrankung oder der Behandlung zu tun hat?
Dann können je nach Situation schon kleine Lebensstiländerungen ausreichen. Dazu zählen beispielsweise eine Ernährungsumstellung und mehr Bewegung. Zwar gibt es vergleichsweise wenige Studien, in denen tatsächlich belegt wurde, dass diese einfachen Maßnahmen helfen. Doch hier verlassen sich auch Fachleute auf Erfahrungswissen.

Etwas mehr zu trinken oder ballaststoffreichere Lebensmittel zu sich zu nehmen, auf blähende Speisen verzichten, kann Beschwerden lindern und Verstopfung vorbeugen. Bei Bedarf empfehlen Fachleute auch eine professionelle Ernährungsberatung. Ansprechpartner können Ärzte oder Krankenkassen vermitteln. 

Körperlich aktiv zu sein, regt bei vielen Menschen die Darmtätigkeit ebenfalls an. Was tun, wenn man sich wegen der Erkrankung unsicher ist? Am besten fragt man nach, welche Bewegung im Alltag oder welche Sportart sinnvoll wäre, und wie viel man sich belasten sollte. Auch hier kann der Arzt am besten abschätzen, was guttut und was schadet. Patienten, die in ihrer Bewegung eingeschränkt sind, helfen Bewegungsübungen unter Anleitung von Physiotherapeuten. 

Manche Betroffenen nutzen auch Wärmflaschen, feuchte Wickel oder Massagen, um ihre Darmtätigkeit anzuregen.

Nicht bei allen Krebspatienten lassen sich Beschwerden jedoch auf diese Weise lindern oder vorbeugen. Dies gilt etwa bei einer ausgeprägten Verstopfung oder bei einer Schmerztherapie mit Opioiden. Auch für Betroffene mit einer weit fortgeschritten Erkrankung reichen die genannten Möglichkeiten meist nicht aus. Sie können eine medikamentöse Therapie allenfalls unterstützen.

Was tun, wenn die Verstopfung nicht auf "sanfte" Verfahren anspricht?

Welche Möglichkeiten gibt es, wenn der Darm nicht mehr von alleine in Schwung kommt?
Beschwerden durch Verstopfung lassen sich in der Regel durch Abführmittel lindern, sogenannte Laxanzien oder Laxativa (auch: Laxantien). Bei Krebspatienten sollte allerdings der Arzt entscheiden, welches man nimmt. Er berücksichtigt dabei den aktuellen Gesundheitszustand, und er achtet darauf, welche Arzneimittel man sonst noch einnimmt, damit es nicht zu unerwünschten Wechselwirkungen kommt.

Besonders wichtig ist die Absprache mit dem Arzt, wenn von vornherein klar ist, dass es zu Verstopfung kommen wird: Insbesondere Patienten, die opioidhaltige Schmerzmittel erhalten, empfehlen ihre Ärzte meist, ein Laxans oder eine Kombination abführender Mittel gleich zu Beginn der Behandlung einzunehmen. Der Grund: Es soll erst gar nicht zu Verstopfung kommen. Die Abführmittel sollte man auch während der gesamten Zeit der Opioidbehandlung weiter vorbeugend einnehmen.

Auch für schwer kranke Menschen sind Abführmittel oder andere Verdauungshilfen oft sehr wichtig. Hier gibt es jedoch keine Pauschalrezepte – die Behandlung muss auf die individuelle Situation abgestimmt werden. Leitfragen dabei sind: Macht die Verstopfung überhaupt Beschwerden? Und wenn ja: Eignet sich ein Einlauf, oder kann ein Laxativum gegeben werden? Welches Abführmittel hat vermutlich die wenigsten Nebenwirkungen? Oder sollte man hier sehr vorsichtig sein, weil möglicherweise die Darmpassage beeinträchtigt ist?
Denn auch die Grunderkrankung spielt eine Rolle: Patienten mit fortgeschrittenen Tumoren im Verdauungstrakt haben andere Bedürfnisse als Patienten, die vor allem wegen Ernährungsproblemen, Bewegungsmangel und Schwäche Ärger mit der Verdauung bekommen.

Bisher offen ist die Frage, welche Verdauungshilfe für Krebspatienten insgesamt das Beste ist: Welche Einzelsubstanzen, welche Kombinationen von Abführmitteln oder welche sonstigen Therapien sich bei schwer kranken Patienten am besten eignen, ist noch nicht ausreichend durch Studien belegt.

Abführmittel und weitere Verdauungshilfen: Wie wirken sie?

Als zugelassene Arzneimittel sind in Deutschland verschiedene Stoffe verfügbar, die jeweils unterschiedliche Wirkmechanismen haben. Wichtig: Nicht alle sind für Krebspatienten allgemein oder in jeder Situation sinnvoll.

Erhältlich sind Abführmittel als Tabletten oder Dragees, es gibt aber auch Tropfen, Sirup, Lösungen oder Pulver zum Auflösen in Flüssigkeit. Einige Wirkstoffe sind auch als Zäpfchen oder Klistier zum Einführen in den Enddarm verfügbar.
Nur bei einer sehr ausgeprägten Verstopfung, etwa wenn die Darmbewegungen eingeschränkt sind, kommen Infusionen über eine Vene infrage. Dazu nutzen Ärzte dann meist Medikamente, die nicht im engeren Sinn zu den Abführmitteln gehören. In solchen Situationen ist für die meisten Betroffenen ein stationärer Aufenthalt in der Klinik erforderlich.

Was bewirken die verschiedenen Substanzen im Körper? 

  • Einige Abführmittel verhindern, dass dem Stuhl Wasser und/oder Salze entzogen werden. Der Darminhalt nimmt an Volumen zu, wird weicher und kann deshalb leichter transportiert werden. Die Stuhlentleerung wird dadurch einfacher. 
  • Andere quellen auf und binden so Wasser im Darm. Reine Quellmittel setzen allerdings voraus, dass man ausreichend trinkt, sonst können sie schaden.
  • Eine weitere Wirkstoffgruppe regt die Darmbewegung an. Der Darminhalt wird schneller transportiert. Es wird ihm so auch weniger Flüssigkeit entzogen, er bleibt weicher und kann besser ausgeschieden werden. 
  • Für Patienten mit einer schmerzmittelbedingten Verstopfung kommen eventuell besondere Medikamente infrage, aber nur, wenn alle andere Arzneimittel nicht helfen: Sie binden an Nervenzellen im Darm und blockieren dort die Opiate. Die schmerzlindernde Wirkung wird dadurch nicht beeinträchtigt. Diese Mittel müssen unter die Haut gespritzt werden. 
  • Gleitmittel begünstigen den Weitertransport der Nahrung im letzten Darmabschnitt. Sie werden meist als Zäpfchen gegeben.

Welche Nebenwirkungen haben Abführmittel? Selbst wenn die Medikamente richtig dosiert werden, kann es bei vielen Patienten vorübergehend zu dünnflüssigem Stuhl oder Durchfall, zu Blähungen oder krampfartigen Beschwerden kommen. Weitere Nebenwirkungen  sind etwas seltener, aber nicht ausgeschlossen. Dazu gehören vor allem Veränderungen im Salz-Wasserhaushalt. Andere Folgen hängen eher von der jeweils genutzten Substanzgruppe ab.
Zu Beginn einer Behandlung sollten sich Betroffene deshalb immer mit ihrem Arzt über mögliche Symptome oder Beschwerden austauschen.

Gibt es auch Hilfe, die ohne Medikamente auskommt?

Ist die Verstopfung besonders hartnäckig, sind auch Einläufe oder Klistiere möglich. Sie beschleunigen die Darmentleerung.
Auch hier gilt: Vor der Anwendung sollte man die Ärzte um Rat fragen. Bei der häuslichen Krankenpflege sind auch die zuständigen Pflegefachleute wichtige Ansprechpartner. Einläufe sind nicht ganz ohne Risiko, und bei der Anwendung ist Vorsicht geboten: etwa wenn eine erhöhte Blutungsneigung besteht oder Patienten an Hämorrhoiden leiden.

Zum Weiterlesen: Linktipps und Fachliteratur (Auswahl, Stand 6/2015)