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Lymphödeme bei und nach Krebs

Das Wichtigste in Kürze

Längst nicht jeder Krebspatient entwickelt ein Lymphödem. Bei den meisten Operationen oder Bestrahlungen gelingt es heute, wichtige Lymphabflussgebiete zu schonen. Kommt es nicht zu einer Schädigung oder fällt diese nur gering aus, funktioniert der Flüssigkeitstransport aus dem umliegenden Gewebe trotz der Erkrankung normal. Daher sind heute weniger Krebspatienten von einem Lymphödem betroffen als noch vor einigen Jahren. Hinzu kommt: Je wirksamer eine Krebserkrankung behandelt werden kann, desto mehr sinkt auch das Risiko, dass streuende Tumorzellen die Lymphbahnen verlegen.

Der folgende Text bietet eine Zusammenfassung der wichtigsten Fakten zum Thema "Lymphödeme bei Krebspatienten". Erkrankte Patienten sollten jedoch beachten: Informationen aus dem Internet können die persönliche Beratung durch Ärzte, Physiotherapeuten oder Pflegefachleute nicht ersetzen! 

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Genutzte Quellen und Links

Die bei der Erstellung genutzten Quellen, Hinweise auf weiterführende Fachinformationen und der jeweils letzte Stand der Recherche finden sich im Text "Lymphödeme behandeln", unter dem Stichwort "Weitere Informationen: Linktipps, Fachinformationen, Quellen".

Risikofaktoren: Was das Entstehen von Lymphödemen bei Krebspatienten begünstigt

Studien zeigen, dass das Lymphödemrisiko beeinflusst wird

  • durch die Anzahl der bei einer Operation entnommenen Lymphknoten,
  • durch Art und Umfang der Bestrahlung eines wichtigen Lymphabflussgebietes sowie
  • durch die Art, die Schwere und das Stadium einer Krebserkrankung.

Fachleute gehen außerdem aus, dass weitere Faktoren das Auftreten eines Lymphödems begünstigen oder ein bestehendes Lymphödem verschlimmern. Dazu gehören etwa Übergewicht, eine vermehrte Lymphproduktion bei Infektionen oder Verletzungen, oder ein Lymphstau zum Beispiel bei ungünstigen Körperhaltungen oder einseitiger Belastung. Experten empfehlen Risikopatienten deshalb, Übergewicht zu verringern und die durch ihre Erkrankung betroffene Körperregion vor Verletzungen, Entzündungen und Infektionen zu schützen und eine Überbelastung zu vermeiden.

Bislang gibt es jedoch nur wenige Studien, in denen gezielt nach Auslösern und Verstärkern von Lymphödemen geforscht wurde. Ob einzelne Maßnahmen tatsächlich risikosenkend wirken, ist deshalb in vielen Fällen noch nicht wissenschaftlich belegt.

Wer schon einmal Anzeichen eines Lymphödems hatte, sollte mit den behandelnden Ärzten daher über das vorbeugende Tragen von Kompressionskleidung oder Bandagen sprechen. Je nachdem, in welcher Körperregion das Lymphödem aufgetreten ist, kommen etwa Handschuhe, Armstrümpfe, Shirts mit und ohne Armansatz, Kniestrümpfe, Oberschenkelstrümpfen oder Strumpfhosen zum Einsatz. Die Versorgung mit komprimierenden Bandagen bei Lymphödemen im Gesicht ist möglich, wird in der Praxis aber seltener angewandt.

Erste Anzeichen: Einseitige Schwellungen als Alarmsignal

Lymphödeme können sich an Armen, Brust, Gesicht und Hals, Beinen, Unterbauch, Leistengegend oder auch im Genitalbereich entwickeln. Wo sie auftreten, hängt davon ab, wo Lymphbahnen beeinträchtigt sind, und damit von der jeweiligen Tumorerkrankung und ihrer Behandlung. Dies unterscheidet sie unter anderem von Schwellungen etwa aufgrund einer Venenschwäche oder von Ödemen bei einer Herz- oder Nierenerkrankung: Bei einer Brustkrebspatientin wird nach einer Lymphknotenentfernung, wenn überhaupt, nur der Arm auf der betroffenen Seite anschwellen, nicht der andere.

Oft dauert es einige Zeit, bis sich nach der Behandlung zeigt, dass ein Lymphödem droht. Betroffenen fällt meist zuerst eine leichte Schwellung auf, die nicht über Nacht wieder zurückgeht: Sind Lymphknoten in der Leistenregion, im Becken oder Unterbauch betroffen, werden vielleicht auf einmal Hosenbeine zu eng, oder Schuhe passen nicht mehr richtig. Wurden Lymphknoten unter der Achsel entfernt, schneiden Fingerringe plötzlich ein. Die betroffenen Gliedmaßen fühlen sich schwer wie Blei an und sind leicht ermüdbar.

Stellen Krebspatienten solche Anzeichen an sich fest, sollten sie umgehend ihren Arzt aufsuchen. Je früher ein Lymphödem behandelt wird, umso größer ist die Chance, Spätschäden wie etwa verhärtetes Gewebe und Hautveränderungen zu vermeiden.

Behandlung: Ausmassieren, komprimieren, Haut schützen

Zur Behandlung eines Lymphödems muss man meist nicht ins Krankenhaus, es kann von zuhause aus ambulant behandelt werden. Zur Therapie haben Fachleute ein mehrstufiges Konzept entwickelt, das mit individuellen Abweichungen bei fast allen Patienten zum Rückgang der Ödeme und zur Linderung von Beschwerden führt. Die Therapie verlangt jedoch viel Geduld, Disziplin und Durchhaltevermögen von den Betroffenen: Sie zieht sich meist über einen längeren Zeitraum hin, und die Patienten arbeiten aktiv daran mit, beispielsweise durch regelmäßige Bewegungsübungen oder Massagen.

Der behandelnde Arzt verordnet eine Entstauungstherapie, Fachleute sprechen auch von der komplexen physikalischen Entstauungstherapie. In der ersten Phase, der sogenannten Entstauungsphase, wenden speziell ausgebildete Therapeuten, in der Regel Physiotherapeuten, mehrmals wöchentlich eine manuelle Lymphdrainage an.

Mit dieser sanften Massage regen sie den Lymphabfluss an. Die Flüssigkeit im Gewebe fließt über noch vorhandene, gesunde Lymphbahnen ab, und die Schwellung geht zurück. Um den Behandlungserfolg zu erhalten, wird im Anschluss an die manuelle Lymphdrainage eine Kompressionsbandage angelegt. Unter welchen Umständen eine Entstauungstherapie nicht so einfach möglich ist oder in welchen Situationen sie angepasst werden muss, erläutert der Krebsinformationsdienst in den Abschnitten "Gegenanzeigen: Wann ist eine Entstauungstherapie nicht möglich" und "Massagen: Können sie einen Tumor aktivieren?".

Meist werden diese beiden Behandlungsformen noch um Bewegungsübungen ergänzt, die Betroffene nach Anleitung durch ihre Therapeuten zuhause selbst ausführen können. Auch eine gute Hautpflege mit milden Salben und ein möglichst guter Schutz der Haut vor Verletzungen, Entzündungen und Infektionen zählen zur Behandlung.

  • Diese erste Behandlungsphase dauert normalerweise drei bis sechs Wochen. Sie wird erst dann nicht mehr fortgeführt, wenn die Schwellung nicht mehr weiter zurückgeht.

Daran schließt sich die Erhaltungsphase an. Sie dient dazu, das erzielte Ergebnis zu bewahren und Rückfälle zu verhindern: In Sanitätshäusern werden Patienten elastische Kompressionsmaterialien angepasst, ein Handschuh und eine Art Armstrumpf bei Patienten mit Armlymphödemen, oder eine Hose, die nach Lymphknotenentnahme etwa im Becken, Beine und Unterleib vor Schwellungen schützt. Für Patienten mit Lymphödemen im Brust- und Rumpfbereich fertigt man komprimierende Shirts und Bodys. Leidet ein Patient unter einem Gesichtslymphödem, wird man versuchen, auf komprimierende Bandagen zu verzichten; gegebenenfalls ist aber auch die Versorgung des Kopf-Hals-Bereichs mit entsprechenden Materialien möglich.

Information, wie und wann diese Kompressionsmaterialien zu tragen sind und worauf man im Alltag achten sollte, erhalten Patienten von ihrem Arzt, von Pflegefachleuten oder vom Fachpersonal im Sanitätshaus.

  • Um den Behandlungserfolg möglichst lange zu erhalten, werden Patienten in der Erhaltungsphase auch geschult: Sie erfahren, wie sie sich vor einem erneuten Lymphödem schützen können.

Was tun, wenn die Entstauungs- und Kompressionstherapie nicht wirkt?

Dies ist nur selten der Fall. Bei den meisten Betroffenen lässt sich zumindest eine Verbesserung erzielen. Die Möglichkeiten, zerstörte oder verlegte Lymphgefäße operativ wieder herzustellen, andere Abflusswege zu schaffen oder betroffenes Gewebe ganz zu entfernen, sind dagegen begrenzt. Erwogen wird ein solcher Eingriff zum Beispiel bei Patienten mit Genitallymphödem sowie bei anderen Lymphödemen, bei denen die Entstauungstherapie auch nach Monaten erfolglos bleibt. Die entsprechenden Operationen sind jedoch belastend. Sie kommen für viele betroffene Krebspatienten nicht infrage. Außerdem sind die Verfahren bisher zum großen Teil noch experimentell und deren Effekte und Wirksamkeit noch kaum durch wissenschaftliche Studien belegt.

Für Patienten stellen solche chronischen Lymphödeme aufgrund der Veränderungen des Körperbildes und der Einschränkungen im Alltag oft eine große psychische Belastung dar. Betroffene finden Unterstützung bei Selbsthilfegruppen, Krebsberatungsstellen sowie Psychoonkologen. Eine sozialrechtliche Beratung kann dazu beitragen, möglichst viel über Unterstützungsmöglichkeiten im Alltag und gegebenenfalls am Arbeitsplatz in Erfahrung zu bringen.

Lymphödeme bei Krebspatienten

In den folgenden Texten bietet der Krebsinformationsdienst vertiefende Informationen und Hintergründe. Sie enthalten außerdem Linktipps und Hinweise auf die bei der Texterstellung genutzten Quellen.