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Lymphödeme, Wassereinlagerungen, Gewebeschwellungen

Häufige Fragen bei und nach Krebs

Müssen bei einer Krebserkrankung immer Lymphknoten entfernt werden? Streuen alle Tumoren in die Lymphbahnen? Wie gefährlich ist es nach einer Lymphknotenentfernung, wenn man Sport treibt, in die Sauna geht, mit dem Flugzeug verreist oder sich am betroffenen Arm Blutdruck messen lässt? Was kann man selbst tun, um Schwellungen zu reduzieren, was sollte man unbedingt vermeiden?

Der folgende Text bietet erste Antworten auf Fragen zum Thema Lymphödem, die Krebspatienten, ihre Familie und Freunde häufig an den Krebsinformationsdienst des Deutschen Krebsforschungszentrums richten. Der Text ersetzt jedoch keinesfalls das klärende Gespräch mit den behandelnden Ärzten, wenn es um Untersuchungen und konkrete Behandlungsentscheidungen geht.

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Genutzte Quellen und Links

Die bei der Erstellung genutzten Quellen, Hinweise auf weiterführende Fachinformationen und der jeweils letzte Stand der Recherche finden sich im Text "Lymphödeme behandeln", unter dem Stichwort "Weitere Informationen: Linktipps, Fachinformationen, Quellen".

Ansprechpartner: An wen wenden sich Betroffene?

Einen "Facharzt für Lymphödeme nach Krebs" gibt es nicht: Erfahrung damit haben aber fast alle Ärzte, die sich auf die Behandlung von Krebspatienten spezialisiert haben. Ansprechpartner sollte daher vorrangig der Facharzt sein, der die Tumortherapie koordiniert. Treten erste Anzeichen einer Schwellung während einer stationären oder ambulanten Rehabilitation auf, stehen Patienten auch dort Ansprechpartner zur Verfügung. Zeigt sich ein Lymphödem erst längere Zeit nach einer Krebserkrankung, sollten Betroffene zunächst zum Hausarzt gehen, der erste Untersuchungen durchführt und bei Bedarf entweder wieder zu den behandelnden Krebsärzten oder zu Spezialisten für die Ödemtherapie überweist. Dies können Ärzte verschiedener Fachrichtungen sein, die eine Weiterbildung durchlaufen haben.

Der behandelnde Arzt klärt bei der Untersuchung zunächst ab, worum es sich handelt, und versucht, andere Ursachen als einen Lymphstau auszuschließen. Sind sogenannte bildgebende Verfahren erforderlich, um den Zustand des Lymphsystems einschätzen zu können, überweist er an Radiologen oder Nuklearmediziner. Zur Behandlung verordnet der behandelnde Arzt eine Entstauungstherapie, die fast immer ambulant durchgeführt werden kann.

Dabei sind neben dem behandelnden Arzt auch Physiotherapeuten wichtige Ansprechpartner. Sie führen bei den Betroffenen die manuelle Lymphdrainage durch, legen während der ersten Entstauungsphase die Kompressionsbandagierung an und geben Tipps für unterstützende Maßnahmen im Alltag. Bei praktischen Fragen zu Hilfsmitteln wie etwa Bandagematerial zum Wickeln oder Kompressionsstrümpfen sind Sanitätshäuser und Apotheken die wichtigsten Ansprechpartner. Sie helfen, die Hilfsmittel im Alltag richtig einzusetzen. Den Patienten, die im Alltag Unterstützung benötigen, etwa beim Anlegen von Bandagen oder bei der Hautpflege, helfen Pflegedienste und Sozialstationen.

Ins Krankenhaus müssen Patienten in der Regel nur dann, wenn ein Lymphödem besonders ausgeprägt ist oder an Stellen auftritt, bei denen die normale Entstauungstherapie nur schwer durchführbar ist. Auch eine Infektion im betroffenen Gewebe kann Anlass für einen Krankenhausaufenthalt sein, vor allem, wenn sie sich im Körper auszubreiten droht.

Lymphsystem: Wodurch kann es bei Krebspatienten beeinträchtigt sein?

Da sich bei Krebspatienten wandernde Tumorzellen über die Lymphbahnen ausbreiten können, werden bei Operationen meist auch Lymphknoten entfernt: Sie werden untersucht, und so lassen sich Aussagen über das Stadium einer Krebserkrankung machen. Ob Lymphknoten tumorfrei oder von Tumorzellen befallen sind, beeinflusst die Wahl der weiteren Behandlung. Besteht ein sehr hohes Risiko einer solchen "lymphogenen Metastasierung", müssen Lymphknoten unter Umständen auch zur Vorbeugung entfernt werden.

Bei Brustkrebspatientinnen entnehmen Ärzte oft nur den sogenannten Wächter- oder Sentinellymphknoten, den ersten Lymphknoten, der im Lymphabflussgebiet eines Tumors liegt. In Studien konnte nachgewiesen werden, dass diese schonende Methode das Lymphödemrisiko verringert. Eine solche Vorgehensweise wird bei verschiedenen anderen Krebserkrankungen erforscht. Bei vielen Tumorformen lässt sich die Entnahme von mehreren Knoten bisher aber meist nicht vermeiden.

Auch eine Bestrahlung kann das Lymphsystem in seiner Funktion beeinträchtigen. Lymphbahnen können vernarben. Und nicht zuletzt sind Lymphknotenmetastasen oder auf Lymphabflusswege drückende Tumoren mögliche Auslöser eines Lymphödems: Sind Lymphabflussgebiete beschädigt oder verlegt, kann die Lymphflüssigkeit aus dem Gewebe nicht mehr auf dem normalen Weg abtransportiert werden.

Informationen zur Lymphknotenentnahme und möglichen Beeinträchtigung bei einzelnen Tumorarten finden sich beim Krebsinformationsdienst in den jeweiligen Texten "Krebsarten: Diagnose, Behandlung und Nachsorge".

Ursachen: Worin unterscheidet sich ein Lymphödem von anderen Ödemen?

Fachleute sprechen von Ödemen, wenn sich Flüssigkeit im Gewebe ansammelt und dieses sichtbar anschwillt. Aber woran kann man erkennen, ob es sich bei einer Schwellung um ein Lymphödem handelt? Wie unterscheidet man diese Erkrankung von einem Ödem aufgrund einer Venenschwäche, einer Herz- oder einer Nierenerkrankung?

Lymphödeme bilden sich an Stellen, an denen aufgrund einer Krebserkrankung oder deren Behandlung Lymphabflussgebiete beschädigt oder verlegt sind. Sie können deshalb auch einseitig auftreten: Beispielsweise wird bei einer Brustkrebspatientin nur der Arm auf der betroffenen Seite anschwellen, wo Lymphknoten entfern wurden, der andere Arm ist nicht betroffen. Bei Patienten mit einer Herzschwäche oder mit Krampfadern und nicht schließenden Venenklappen treten solche Schwellungen dagegen fast immer beidseitig auf.

Auch die Zusammensetzung der angestauten Gewebeflüssigkeit unterscheidet sich bei einem Lymphödem von anderen Ödemen: Ödeme bei Herz- und Nierenerkrankungen bestehen hauptsächlich aus Wasser. Dagegen enthält die Gewebeflüssigkeit bei Lymphödemen vermehrt Eiweiße, Fette und Zellen.

Ernährung: Hilft Diät, soll man weniger trinken?

Es existiert keine Lymphdiät, mit der Betroffene ein Lymphödem vermeiden oder Einfluss auf ein bestehendes Lymphödem nehmen können. Auch nützt es nichts, zum Beispiel auf Salz völlig zu verzichten. Fachleute raten zu einer abwechslungsreichen Ernährung mit viel Gemüse und Obst. Mit Alkohol sollte man vorsichtig sein, da sich die Schwellung dadurch unter Umständen kurzfristig verschlechtert. Was bei schwer herz- oder nierenkranken Patienten mit Ödemen manchmal notwendig sein kann, hilft Patienten mit Lymphödem ebenfalls nicht: Weniger zu trinken, ist zur Behandlung eines Lymphödems nicht wirksam. Dadurch geht die Flüssigkeitsansammlung im Gewebe nicht zurück. Wer zu wenig trinkt, kann Kreislaufprobleme bekommen und Nieren und Blase schaden, vor allem, wenn dadurch während einer Krebsbehandlung Arzneimittel nicht schnell genug ausgeschieden werden.

Wissenschaftliche Studien an Brustkrebspatientinnen zeigten, dass Übergewicht das Risiko steigert, ein Lymphödem zu entwickeln. Bei bestehendem Lymphödem führt eine Gewichtsreduktion zur Besserung des Ödems. Experten empfehlen deshalb, übergewichtigen Krebspatienten mit Lymphödem abzunehmen.

Entwässerungstabletten: Ist ein Lymphödem damit behandelbar?

Entwässerungstabletten sind bei der Behandlung eines Lymphödems nicht wirksam. Die Flüssigkeit, die bei Lymphödemen im Zwischenzellgewebe eingelagert wird, ist nicht einfach nur Wasser. Sie enthält viel Eiweiß. Die auch als Diuretika bezeichneten Entwässerungstabletten wirken dagegen nur bei eiweißarmen Ödemen, wie sie etwa bei einer Herzschwäche, Nieren- und Lebererkrankungen oder bei Eiweißmangel auftreten. Das eingelagerte Eiweiß bei Lymphödemen können sie nicht entfernen. Entwässerungstabletten werden nur dann bei Krebspatienten mit einem Lymphödem angewendet, wenn neben dem Lymphstau noch weitere Erkrankungen vorliegen, zum Beispiel Bluthochdruck, eine Herzschwäche oder eine Nierenerkrankung.

Sport: Ist Bewegung erlaubt, wenn Lymphknoten entfernt wurden?

Früher galt für Krebspatienten nach einer Lymphknotenentfernung, zu viel Bewegung sei eher schädlich, selbst wenn noch gar keine Schwellungen vorlagen. Heute raten Fachleute Betroffenen dagegen sogar, sich körperlich zu betätigen. Neuere Studien zeigen, dass Sport generell das Wohlbefinden und die Lebensqualität von Krebspatienten steigert. Untersuchungen bei Frauen mit Brustkrebs belegen darüber hinaus, dass angepasste sportliche Übungen sogar das Risiko senken können, ein Armlymphödem zu entwickeln.

Zwar sollte man nicht "auf eigene Faust" loslegen. Krebspatienten dürfen aber - nach vorheriger Rücksprache mit ihrem Arzt - durchaus viele Sportarten betrieben, selbst wenn bei ihnen Lymphknoten entfernt oder bestrahlt wurden. Sie sollten jedoch nach einer Krebsbehandlung vorsichtig mit dem Bewegungstraining beginnen und immer darauf achten, Belastungen über einen längeren Zeitraum langsam zu steigern. Experten empfehlen, insbesondere bei einseitiger Belastung der betroffenen Region, Überbelastungen zu vermeiden und nach körperlicher Betätigung genügend Pausen einzuplanen, in denen sich die Muskeln erholen.

Auch Krebspatienten mit bestehendem Lymphödem dürfen Sport treiben, solange sich die Schwellung dadurch nicht verschlechtert und der Arzt keine Einwände hat. Um den geschwollenen Körperteil zu schonen, neigen Betroffene mit Ödemen sonst häufig dazu, sich insgesamt zu wenig zu bewegen. Studien mit Brustkrebspatientinnen zeigten aber beispielsweise, dass Gewichtheben mit dem betroffenen Arm und Dehnübungen sogar zur Besserung eines bestehenden Lymphödems führten.

  • Eine pauschale Auskunft zu körperlichen Aktivitäten ist allerdings nicht möglich: Betroffene müssen deshalb Rücksprache mit ihrem Arzt oder dem behandelnden Physiotherapeuten halten, ob und wenn ja, welche Bewegung in ihrem Fall sinnvoll ist.

Wichtig ist bei sportlicher Betätigung das Tragen eines Kompressionsverbandes oder eines Kompressionsstrumpfes. Krebspatienten mit einem bestehenden Lymphödem sollten außerdem darauf achten, den geschwollenen Arm oder das Bein beim Sport nicht zu überlasten. Vorsicht ist notwendig: Verletzungen am betroffenen Körperteil heilen bei Ödempatienten schlechter ab und infizieren sich leichter als bei Gesunden.

Sauna, Thermalbad, Fango: Ist das riskant?

Patienten, denen im Rahmen ihrer Krebstherapie Lymphknoten entfernt oder bestrahlt wurden, werden oft vor heißen Bädern, Saunabesuchen oder heißen Packungen gewarnt. Diese Anwendungen, so heißt es, können das Auftreten einer Flüssigkeitsansammlung im Gewebe begünstigen. Der Hinweis beruht auf der Überlegung, dass Hitze die Kreislauftätigkeit anregt. Dabei wird vermehrt Lymphflüssigkeit produziert. Wurden Lymphknoten entfernt oder geschädigt, kann die Lymphe - diesem Gedanken zufolge - schlecht aus dem Gewebe abtransportiert werden.

Es existieren jedoch nur wenige wissenschaftliche Belege, dass diese Maßnahmen tatsächlich ein Lymphödem hervorrufen können. Betroffene sollten deshalb Rücksprache mit ihrem Arzt halten und gemeinsam mit ihm entscheiden, ob heiße Bäder, Packungen oder ein Sauna- oder Thermalbadbesuch möglich sind. Bei bereits bestehendem Lymphödem empfinden Patienten Wärme nicht selten von vornherein als unangenehm. Auch hier kann nur der Arzt entscheiden, ob Wellness mit Wärme oder therapeutische Wärmeanwendungen möglich sind.

Möchten Patienten mit beeinträchtigten Lymphbahnen eine Massage, sollte der Masseur wissen, dass ein Risiko für ein Lymphödem besteht. Auch hier hilft im Zweifelfall die Beratung beim Arzt, welche Massagetechniken möglich sind und auf welche besser bei vorgeschädigtem Gewebe verzichtet werden sollte.
Für Patienten, die bereits ein Lymphödem haben, gilt: Die klassische Lymphdrainage lässt sich durch eine normale Massage nicht ersetzen. Betroffene äußern gelegentlich die Frage, ob die Lymphdrainage ihrerseits Tumorzellen aktivieren und im Körper verbreiten könnte. Bisher gibt es dafür nur bei Kopf-Halstumoren aber nicht für andere Tumorarten ausreichende Belege, mehr dazu in dem Abschnitt "Massagen: Können sie einen Tumor aktivieren?".

Reisen: Mit Lymphödem oder Lymphödemrisiko tabu?

Grundsätzlich können Patienten mit einem erhöhten Lymphödemrisiko oder einem bestehenden Lymphödem reisen und auch fliegen. Sie sollten aber mit ihrem Arzt Rücksprache halten, wenn sie eine längere Fahrt oder einen Flug planen, und einige Punkte berücksichtigen:

  • Langes Sitzen und einengende Sitzpositionen verlangsamen die Blutzirkulation und den Lymphfluss. Bei vielstündigen Flügen, Bahn- und Busfahrten sowie Autotouren kann es deshalb zu einem verstärkten Lymphstau kommen: Die empfindlichen Gliedmaßen schwellen stark an. Fachleute empfehlen deshalb Patienten mit Ödemneigung, während Flugreisen Kompressionsstrümpfe oder –bandagen zu tragen. Während längerer Reisen sollten Sitzpositionen mit Behinderung des Lymphabflusses vermieden werden.
  • Bei Patienten mit bestehendem Lymphödem können ungewohnt hohe Temperaturen darüber hinaus einen Lymphstau verstärken. Die bei einem Lymphödem gespannte Haut reagiert außerdem besonders empfindlich auf UV-Strahlen. Ein guter Sonnenschutz sollte selbstverständlich sein.

Hautpflege: Was ist zu beachten?

Lymphödempatienten neigen zu trockener und juckender Haut, wenn sie Kompressionsstrümpfe oder -bandagen längere Zeit tragen müssen. Diese Hautschädigung kann das Infektionsrisiko steigern: Kleinere Verletzungen entstehen schnell, vor allem wenn man an der juckenden Haut kratzt. Patienten sollten deshalb ihre Haut beobachten. Eine gute Pflege ist wichtig.

Allerdings sind nicht alle üblichen Kosmetikprodukte geeignet: Zum einen verträgt die vorgeschädigte Haut nicht alles. Zum anderen können manche Cremes, Lotionen oder Salben die Bandagen und Kompressionsstrümpfe angreifen: Deren Elastizität lässt nach, und die schützende Wirkung ist nicht mehr gewährleistet.

Betroffene sollten daher ihre Ärzte fragen, welche Produkte geeignet sind und wann sie angewendet werden sollten. Die Sanitätshäuser und Apotheken beraten ebenfalls über geeignete Hautpflege und geben außerdem Tipps zum Umgang mit den Kompressionsmaterialien im Alltag, etwa Wasch- und Pflegeanleitungen.

Blutdruckmessen, Blutentnahme: Was schadet dem betroffenen Arm?

Diese Frage kann nicht pauschal beantwortet werden. Unter Experten gibt es widersprüchliche Meinungen zum Thema. Die meisten Fachleute raten beispielsweise Brustkrebspatientinnen auch Jahre nach einer Krebsbehandlung immer noch davon ab, am betroffenen Arm den Blutdruck zu messen, Blut abnehmen oder Kanülen in die Venen legen zu lassen. Sie gehen davon aus, dass das Aufpumpen der Blutdruckmanschette oder ein Stauschlauch möglicherweise einen bereits vorhandenen Lymphstau verstärken, zu kleinsten Verletzungen führen und dadurch das Entstehen und Fortschreiten eines Lymphödems begünstigen.

Zu diesen Fragestellungen mangelt es jedoch an Daten aus wissenschaftlichen Studien. Es ist nicht belegt, dass diese Maßnahmen tatsächlich ein Lymphödem begünstigen. Betroffene sollten deshalb mit ihrem behandelnden Arzt besprechen, was in ihrem persönlichen Fall sinnvoll ist.

Manuelle Lymphdrainage: Beugt sie einem Lymphödem auch vor?

Ärzte verordnen eine manuelle Lymphdrainage, um ein bestehendes Lymphödem zu behandeln. Die Behandlung wird in der Regel aber nicht angewendet, wenn noch keine sichtbare Schwellung besteht. Eine allgemeine vorbeugende Lymphdrainage wird von Fachleuten derzeit nicht empfohlen. Daher ist eine vorbeugende Lymphdrainage keine Kassenleistung, im Zweifelsfall sollten Betroffene aber Rücksprache mit ihrer Krankenkasse halten.

Derzeit wird in einigen Studien erforscht, ob eine frühe Physiotherapie das Ödemrisiko bei Krebspatienten senkt.

Kompressionsmaterialien und Hilfsmittel: Woher bekommt man sie?

Die Erstversorgung erfolgt bei Bedarf schon in der Klinik, die die Krebsbehandlung durchführt. Tritt ein Lymphödem später auf, verordnet der behandelnde Arzt Bandagierungs- und Polstermaterialien, Kompressionskleidung und gegebenenfalls auch sogenannte Anziehhilfen. Damit nicht zu viel oder zu wenig Druck auf das Lymphödem ausgeübt wird, legt der Arzt in seinem Rezept die sogenannte Kompressionsklasse fest. Damit ist die Festigkeit der Bandagen oder der "Strümpfe" gemeint.

Mit diesem Rezept erhalten Patienten in Sanitätshäusern und Apotheken die nötigen Hilfsmittel. Die Mitarbeiter messen die betroffene Körperregion aus, wählen passende Materialien aus, erstellen einen Kostenvoranschlag für die Krankenversicherung und bestellen geeignete Kompressionsware. Sie helfen außerdem mit Tipps und Tricks, um die Hilfsmittel im Alltag richtig einzusetzen: Von ihnen kann man etwa erfahren, wie man die Kompressionskleidung richtig anzieht und trägt, wie und mit welchen Mitteln man sie wäscht und worauf bei der Hautpflege zu achten ist.

Schaffen Betroffene das An- und Ausziehen und die notwendige Hautpflege nicht selbst, sollte gemeinsam mit dem Arzt und der Krankenversicherung geklärt werden, ob Pflegedienste und Sozialstationen unterstützen können.

Kosten: Wer bezahlt die Behandlung?

Die gesetzlichen Krankenkassen bezahlen die Vorbeugung und Behandlung eines Lymphödems. Heilmittel wie etwa die von einem Physiotherapeuten durchgeführte manuelle Lymphdrainage sowie Hilfsmittel, etwa Kompressionsmaterialien und dazu passende Anziehhilfen, werden vom behandelnden Arzt auf Rezept verordnet. Allerdings müssen viele gesetzlich Versicherte einen Teil der Kosten für diese Heil- und Hilfsmittel selbst tragen. Über die Höhe informieren die Krankenkassen. Sie sind auch Ansprechpartner zu Möglichkeiten, von diesen Zuzahlungen befreit zu werden.

Wie lange muss ein Strumpf halten? Wann haben Betroffene bei den Kompressionsmaterialien Anspruch auf Ersatz? Wie sieht es mit der Unterstützung im Alltag aus, wenn Patienten zum Beispiel Kompressionsstrümpfe nicht selbst anziehen können? Auch mit diesen Fragen sollten sich Betroffene an ihren Arzt oder direkt an ihre Krankenversicherung wenden.

Bei privat Versicherten und beihilfeberechtigten Patienten mit Lymphödem regelt der jeweilige Vertrag, wie die Kostenübernahme für die Lymphödemtherapie aussieht.

Kompressionsstrümpfe: Was hilft, wenn der Strumpf zwickt?

Kompressionstrümpfe, Armstrümpfe und andere Kompressionsmaterialien sollten regelmäßig getragen werden, bei schweren Ödemen unter Umständen sogar nachts. Sie müssen deshalb gut passen. Das Ausmessen und die Bestellung einer geeigneten Versorgung sollte daher nur von qualifizierten Sanitätshäusern oder Fachleuten in Praxen und Kliniken vorgenommen werden.

Haben Patienten jedoch das Gefühl, dass ihre Strümpfe zu sehr in die Haut einschneiden oder ständig verrutschen, sollten sie mit ihrem behandelnden Arzt oder ihren Ansprechpartner für die häusliche Pflege darüber sprechen. Diese geben Tipps, worauf man beim Anziehen und Tragen achten sollte. Möglicherweise müssen die verwendeten Strümpfe auch ausgetauscht werden, weil sich das Ödem verändert hat, oder weil die Kompressionsmaterialien nach einiger Zeit nicht mehr die notwendige Qualität aufweisen.

Für Betroffene ist das Anziehen von Kompressionsstrümpfen oft mühsam und anstrengend. Auch hier geben Mitarbeiter von Sanitätshäusern, Pflegefachkräfte sowie Ärzte Tipps, wie man sich das Anziehen erleichtern kann. Möglicherweise nützlich sind sogenannte "Anziehhilfen", die ebenfalls über ein ärztliches Rezept in Sanitätshäusern erhältlich sind, etwa spezielle Greifzangen. Vielen Betroffenen erleichtert schon das Tragen von Gummihandschuhen das Anziehen eines Arm- oder Beinstrumpfes, weil sich der Strumpf damit besser festhalten lässt. Bei Patienten, die nicht mehr in der Lage sind, Kompressionsstrümpfe selbst anzuziehen und Pflege benötigen, helfen Pflegedienste und Sozialstationen. Ist die Unterstützung nur zeitweilig notwendig, kann der Arzt für eine begrenzte Zeit "häusliche Krankenpflege" verordnen, die Kosten tragen die gesetzlichen Krankenversicherungen. Benötigen Patienten auf absehbare Zeit Unterstützung, sollte gemeinsam mit dem Arzt und der Krankenversicherung über einen Antrag auf Anerkennung der Pflegebedürftigkeit gemäß Pflegeversicherung gesprochen werden.

Gerötete, überwärmte Haut: Was kann das sein?

Sieht die Haut über dem Lymphödem rot aus und fühlt sich heiß an, haben Patienten eventuell sogar Fieber, sollten sie umgehend ihren behandelnden Arzt aufsuchen. Dahinter könnte eine durch Bakterien ausgelöste Infektion der Haut stehen, eine Wundrose, auch als Erysipel bezeichnet. Der Arzt behandelt die Infektion mit einem Antibiotikum, um die weitere Ausbreitung zu verhindern. Betroffene können außerdem mit kühlenden Umschlägen die Beschwerden lindern, aber nur nach Rücksprache mit Arzt oder Pflegefachkräften. Bis das Erysipel abgeheilt ist, darf meist keine Lymphdrainage und oft auch keine Kompressionstherapie durchgeführt werden.

Spätfolgen: Hinterlässt ein Lymphödem dauerhafte Schäden?

Ob Lymphödeme zu dauerhaften Schäden und Einschränkungen führen, hängt immer davon ab, wie ausgeprägt das Lymphödem war und wie lange es anhielt. Wird ein akutes Ödem frühzeitig erkannt und umgehend behandelt, lassen sich Spätfolgen wie etwa dauerhafte Gewebeschäden vermeiden. Infektionen, Hautveränderungen und verhärtetes Gewebe sind möglich, bei konsequenter Behandlung aber selten.

Auch ein chronisches Lymphödem kann sich unter Behandlung zurückbilden. Patienten benötigen häufig sehr viel Ausdauer und Geduld, da eine Therapie meist Wochen oder sogar Monate dauert. Die Neigung zu Ödemen oder einer leichten Schwellung bleibt aber oft ein Leben lang erhalten. Obwohl das Lymphsystem mit der Zeit Ersatzbahnen ausbildet, wird der alte Zustand wie vor einer Operation oder Bestrahlung selten erreicht.

Dennoch benötigt nicht jeder Patient, der einmal ein Lymphödem hatte, lebenslang eine Behandlung. Rückfälle lassen sich im Alltag durch einfache Verhaltensregeln einschränken oder ganz vermeiden. Fachleute raten Betroffenen dazu, kontinuierlich Kompressionsstrümpfe zu tragen, Verletzungen und Infektionen am betroffenen Körperteil vorzubeugen und die Haut gut zu pflegen.