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Mann im Badezimmer, Foto: Radius Images/Getty Images © Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum

Haarausfall: Mit Geduld auf Wachstum warten

Welche Krebsbehandlungen haben Auswirkungen auf die Haare? Was sollte man wissen?

Einige der wichtigsten Therapiemethoden gegen Krebs können vorübergehend zu Haarausfall führen. Den meisten Patientinnen und Patienten macht die ungewohnte Kahlköpfigkeit sehr zu schaffen - auch wenn diese Nebenwirkung oft nur vorrübergehend ist. Für viele Menschen Wer bezahlt eine Perücke? Gibt es Methoden, um Haarausfall aufzuhalten?

Der Krebsinformationsdienst bietet Betroffenen im folgenden Text erste Informationen, mit denen man sich auf ein Gespräch mit den behandelnden Ärzten vorbereiten kann. Interessierte und Fachleute finden außerdem vertiefende Links und Hinweise auf Quellen.

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Genutzte Quellen und Links

Soweit es sich nicht um Lehrbuchwissen handelt, ist eine Auswahl von Quellen der hier aufgeführten Informationen ausdrücklich am Seitenende angegeben.

Chemotherapie: Häufige Ursache für Haarausfall

Am bekanntesten ist der Haarausfall durch einige Formen der Chemotherapie. Viele der zur Chemotherapie eingesetzten Medikamente, sogenannte Zytostatika, wirken besonders auf schnell wachsende und sich häufig teilende Zellen.
Deshalb schädigen sie Haarwurzelzellen, Hautzellen, Schleimhautzellen und Blutzellen.

Normalerweise wachsen Kopfhaare um etwa einen drittel Millimeter am Tag. Zwischen 80 und 90 Prozent aller Zellen an der Haarwurzel sind ständig in der empfindlichen Teilungsphase. Augenbrauen, Wimpern und die Körperbehaarung wachsen langsamer: Hier sind nur etwa 10 bis 20 Prozent der Haarwurzeln besonders empfindlich gegenüber einer Schädigung.

Wie entsteht der Haarausfall?

Greifen bestimmte Zytostatika - nicht alle wirken auf die Haare - in diesen Zyklus ein, beginnt etwa zwei bis vier Wochen später ein mehr oder weniger starker Haarausfall von der Wurzel her. Gelegentlich brechen geschädigte Haare auch dicht über der Kopfhaut ab. Bei niedrig dosierter Chemotherapie kann sich der Haarausfall auch später und langsamer sowie weniger stark einstellen.

Richtig sichtbar für Außenstehende ist erst der Verlust von mehr als der Hälfte der Kopfbehaarung. Ob das Kopfhaar gar nicht, schwach oder völlig ausfällt, hängt von der Art der Arzneimittel, ihrer Dosis und der persönlichen Veranlagung ab. Das gilt auch für die Wahrscheinlichkeit, mit der nicht nur die Kopfhaare, sondern auch Augenbrauen, Wimpern, Bart und Körperbehaarung betroffen sein werden. Was auf sie zukommen kann, erfahren Betroffene vor der Behandlung von ihren Ärzten.

Haarwurzeln erholen sich

Frau mit Tuch © bobbieo – Getty Images
Falls während der Chemotherapie die Haare ausfallen, wachsen sie nach, sobald die Behandlung vorbei ist. © bobbieo – Getty Images

Alle ausgefallenen Haare fangen mehr oder weniger sofort wieder an nachzuwachsen, wenn die Zytostatika im Körper abgebaut sind. Etwa drei Monate nach der letzten Chemotherapie sind die Kopfhaare dann meist schon wieder so lang, dass Männer und die meisten Frauen ohne Perücke auskommen. Körperhaare benötigen etwas länger zum Nachwachsen, weil sich bei ihnen die Zellen der Haarwurzelzellen nicht so häufig teilen. 

Viele Betroffene berichten, dass nach einer Chemotherapie das Haar eine Zeit lang anders, manchmal sogar ein bisschen gelockt aussieht. Dies ist ein letztes Zeichen für die vorübergehende Schädigung der Haarwurzeln. Trotzdem ist schon mit Ende der Therapie eine Pflege wie vorher möglich. Sind die Haare wieder nachgewachsen, sind ein Haarschnitt, eine Dauerwelle oder Färben ebenfalls wieder erlaubt.

Ernsthafte oder dauerhafte Schäden durch Zytostatika an den Haaren erleben nur sehr wenige Patienten. Ganz ausgeschlossen ist ein dauerhafter Haarverlust jedoch nicht. Fachleute berichten von einzelnen Betroffenen, bei denen insbesondere nach einer Hochdosis-Chemotherapie mit anschließender Stammzelltransplantation die Haare nicht wieder nachwuchsen.

Perücken auf Kosten der Versicherung?

Ist eine Chemotherapie geplant, bei der es erfahrungsgemäß häufig zu Haarverlust kommt, können sich Frauen bereits vor Beginn des Krankenhausaufenthaltes eine Perücke verordnen lassen. Gesetzliche Krankenkassen übernehmen die Kosten oder zahlen zumindest einen Zuschuss. Voraussetzung ist, dass ein Arzt den Haarersatz verschreibt. In welchem Umfang sich Krankenkassen beteiligen, ist unterschiedlich. Bevor sich Patientinnen eine Perücke kaufen, sollten sie deshalb bei ihrer Krankenkasse nachfragen, bis zu welcher Höhe die Kosten übernommen werden. Bei privat versicherten Frauen hängt es vom gewählten Beitragstarif ab, welche Regelungen gelten.

Etwas unklar ist zurzeit die Situation von Männern mit chemotherapiebedingtem Haarausfall: Nicht alle Krankenversicherungen finanzieren in diesem Fall eine Perücke - auch altersbedingt sei Haarausfall bei Männern normal. Daher sei die krankheitsbedingte Kahlheit auch bei jüngeren Männern kurzfristig akzeptabel. Im Einzelfall hilft hier nur die Klärung bei der jeweiligen Kasse weiter.

Kunsthaar oder Echthaar - oder lieber eine Mütze?

Ob sich Frauen für eine pflegeleichte Kunsthaarperücke oder eine empfindlichere Echthaarperücke entscheiden, hängt bei vielen von den erstatteten Kosten ab.  Vom Aussehen und vom Tragekomfort her ist Kunsthaar nicht von Echthaar zu unterscheiden. Trotzdem sollte man eine Perücke vor dem Kauf am besten im Spezialgeschäft ausprobieren. Wichtig: Jede Perückenart muss genau angepasst, vom Friseur geschnitten, eventuell gefärbt und nachfrisiert werden, um natürlich zu wirken. Beim letzten Friseurbesuch vor Beginn der Chemotherapie kann das eigene Haar kürzer geschnitten werden, um den Übergang zum Nachwachsen unauffälliger zu gestalten.

Viele Männer und auch Frauen entscheiden sich heute dafür, den Haarverlust nicht immer und überall mit einer Perücke zu kaschieren. Tücher, Mützen und sogar Bemalungen des Kopfes sind nicht nur bei jungen Patienten beliebt. "Oben ohne" ist zwar gewöhnungsbedürftig, zumindest im privaten Umfeld aber einen Versuch wert. Im Sommer sollte ein haarloser Schädel gut vor der Sonne geschützt und die Haut in die normale Körperpflege mit einbezogen werden.

Deutlich auffällig - ausgefallende Augenbrauen und Wimpern
Mehr Kummer machen ausgefallene Augenbrauen und Wimpern, da sie den Gesichtsausdruck verändern können. Hier helfen ein Schminkpinsel, ein Brauenstift oder Augenbrauenpuder - nicht nur bei Frauen.

Vorbeugung von Haarausfall bei der "Chemo": Wirkung nicht sicher

Kann man den Haarverlust durch eine Chemotherapie vermeiden? Einige Möglichkeiten sind immerhin auch in klinischen Studien getestet worden und stehen Patienten auf Anfrage in vielen Kliniken oder Praxen zur Verfügung. Nur: Wirklich überzeugende Ergebnisse hat bisher keine dieser Methoden gebracht, und nicht alle sind nebenwirkungsfrei.
Und die Krankenversicherungen übernehmen die Kosten in der Regel nicht.

Die bisher besten Daten gibt es zu den sogenannten Kühlhauben oder Kältehauben, auf Englisch auch als "cool caps" oder "cold caps" bezeichnet: Durch Unterkühlung der Kopfhaut soll während der Chemotherapiegabe die Durchblutung verringert werden. Das Ziel: So sollen weniger Zytostatika die empfindlichen Haarwurzeln erreichen. In einigen Studien war bei Patienten, die mit dieser Methode behandelt wurden, der Haarausfall weniger ausgeprägt als bei anderen Betroffenen. Experten geben aber zu bedenken, dass die meisten Untersuchungen zum Thema nicht von guter Qualität waren und die Ergebnisse nur bedingt aussagekräftig und vorläufig sind.

Bisher wurde das Verfahren überwiegend bei Brustkrebspatientinnen getestet. Doch auch für sie gilt: Konkrete Empfehlungen zur Anwendung gibt es derzeit nicht. Denn theoretisch könnten aus der Anwendung Risiken entstehen: Würde das Prinzip funktionieren und kämen tatsächlich weniger Krebsmedikamente in der Kopfhaut an, könnten sie  im Umfeld der Kältehauben auch nicht gegen versprengte Tumorzellen wirken. Experten raten daher insbesondere Patienten mit Leukämie, Lymphomen oder Melanomen von Kühlhauben eher ab.

Einige Shampoos und Kurspülungen sollen angeblich ebenfalls den Haarausfall verzögern. Sie haben jedoch keine Anerkennung als Medikament und müssen wie normale Körperpflegemittel bezahlt werden. Eine Wirksamkeit ist nicht belegt.
Wissenschaftler untersuchen derzeit, ob es Möglichkeiten gibt, den Haarausfall medikamentös zu verhindern. Entsprechende Ansätze versuchen auf verschiedenen Wegen, die Haarwurzelzellen zu schützen. Ob dies gelingt, ist noch nicht abzusehen. Bisherige Ergebnisse stammen meist aus Tierversuchen und sind nicht ohne weiteres auf Menschen übertragbar.

Haarausfall durch Bestrahlung: Selten, aber schwer beeinflussbar

Auch durch eine Strahlentherapie des Kopfes können Haarwurzeln geschädigt werden. Eine Strahlentherapie gegen einen Tumor in einer anderen Körperregion beeinflusst die Kopfhaare dagegen nicht. So müssen zum Beispiel Brustkrebspatientinnen bei der Bestrahlung der Brust keine Auswirkungen auf ihre Kopfhaare fürchten, eventuell aber auf die Achselhaare.
Ob die Haare ausfallen, wann und wie stark, hängt nur von der Strahlendosis ab, die direkt auf die Haarwurzel auftrifft. Bei Kopfbestrahlungen trifft die höchste Strahlendosis den Tumor im Kopfinnerinnen punktgenau. Meist sind die Haarwurzeln selbst bei hohen Strahlendosen deutlich geringer belastet als das Zielgebiet, der Tumor.
Falls die Haare doch ausfallen, müssen sich Patienten länger als nach einer Chemotherapie gedulden, bis ein erster Flaum wieder sichtbar wird. Aber auch nach einer Bestrahlung erholen sich die meisten Haarwurzeln wieder.

Wenn ein Tumor im Gehirn durch eine Bestrahlung vollständig geheilt werden soll, sind bei manchen Patienten allerdings so hohe Strahlendosen notwendig, dass das Haar auf Dauer schütterer als vorher bleibt. Patienten, bei denen eine Hirnbestrahlung vorgesehen ist, sollten ihre Ärzte auf die möglichen Folgen für den Haarwuchs ansprechen und um die Versorgung mit einer Perücke bitten, falls ein vorübergehender oder längerfristiger Haarausfall von den Medizinern für möglich gehalten wird.

Zielgerichtete Arzneimittel: Haarveränderungen können sich zurückbilden

Moderne Krebstherapien richten sich gegen bestimmte Merkmale an oder auf Krebszellen. Im Vergleich etwa zur Chemotherapie wirken diese Arzneimittel zielgerichteter, man spricht deshalb auch von zielgerichteten Therapien oder nach dem englischen Wort für Ziel, "target", auch von "targeted therapies". In der Praxis werden zielgerichtete Verfahren aber oft mit einer Chemotherapie kombiniert.

Trotz ihrer gezielten Wirkung haben auch die meisten der modernen Wirkstoffe Nebenwirkungen. Diese betreffen zwar vorwiegend die Haut. Die Haare können jedoch ebenfalls in Mitleidenschaft gezogen werden. Die Merkmale, gegen die sich die Medikamente richten, finden sich nicht immer nur bei Krebszellen, sondern teilweise auch bei gesunden Zellen, darunter auch Haut- oder Haarwurzelzellen. Einige Krebspatienten berichten, dass sich ihre Haare während der Behandlung verändern, andere sind auch von Haarausfall betroffen.

Haarveränderungen sind, sofern sie überhaupt auftreten, erst nach mehreren Monaten Therapie zu beobachten. Ob, und wenn ja, welche Auswirkungen auftreten, hängt auch vom Wirkstoff ab. Sogenannte EGFR-Hemmer unterscheiden sich hier von Multikinase-Hemmern.

EGFR-Hemmer: So können sich die Haare verändern

Die Abkürzung EGFR steht für "Epidermaler Wachstumsfaktor Rezeptor", englisch "Epidermal-Growth-Factor-Receptor". Dieses Eiweiß (Protein) tritt auf bestimmten Tumorzellen vermehrt auf. Es ist wichtig, um Wachstumssignale von außen in die Zellen weiterzuleiten. Als Folge teilen sich die Krebszellen. EGFR-Hemmer sollen das Tumorwachstum aufhalten, indem sie diese Weitergabe von Informationen unterbinden.

Viele Patienten, die mit EGFR-Hemmern behandelt werden, bemerken keine Veränderungen ihrer Haare. Genaue Angaben, wie häufig entsprechende Nebenwirkungen sind, gibt es noch nicht. Amerikanische Fachleute schätzen, dass fünf bis sechs von 100 Patienten betroffen sind. Bei ihnen können auftreten:

  • Brüchiges oder dünnes Haar, Entwicklung von Locken
  • (teilweiser) Ausfall der Haare im Stirnbereich
  • Rückgang des Bartwuchses
  • Augenbrauen und Wimpern wachsen dichter und/oder länger

Tyrosinkinasehemmer und Multikinasehemmer: So können sich die Haare verändern

EGFR-Hemmer verhindern, dass Wachstumssignale überhaupt in Krebszellen gelangen. Tyrosinkinasehemmer setzen an einem anderen Punkt an: Sie blockieren die Wachstumssignale innerhalb der Zellen. Sogenannte Multikinasehemmer sind sogar in der Lage, die Signalübertragung in einer Tumorzelle an verschiedenen Stellen zu stören.

Auch hier sind Veränderungen der Haare möglich, auch wenn sie längst nicht bei allen Patienten auftreten:

  • Veränderung der Haarfarbe
  • (teilweiser) Haarausfall

Kommt es durch die Behandlung mit "targeted therapies" zu Haarveränderungen, lassen sich diese nicht beeinflussen. Sie bilden sich aber zurück, nachdem die Medikamente abgesetzt sind. Nur selten sind sie so belastend, dass die Behandlung unterbrochen werden müsste.

Zum Weiterlesen: Verwendete Quellen und Fachinformationen (Auswahl)