© Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum

Diese Seiten sind Ausdrucke aus www.krebsinformationsdienst.de, den Internetseiten des Krebsinformationsdienstes, Deutsches Krebsforschungszentrum. Mehr über den Krebsinformationsdienst und seine Angebote lesen Sie auf unseren Internetseiten. Am Telefon stehen wir Ihnen täglich von 8.00 bis 20.00 für Fragen zur Verfügung, unter der kostenlosen Telefonnummer 0800 – 420 30 40. Oder Sie schreiben uns eine E-Mail an krebsinformationsdienst@dkfz.de.

Bitte beachten Sie: Internet-Informationen sind nicht dazu geeignet, die persönliche Beratung mit behandelnden Ärzten oder gegebenenfalls weiteren Fachleuten zu ersetzen, wenn es um die Diagnose oder Therapie einer Krebserkrankung geht. Die vorliegenden Informationen sind urheberrechtlich geschützt. Jede Vervielfältigung oder Verbreitung dieser Inhalte, unabhängig von Form, Zeit oder Medium bedarf der schriftlichen Zustimmung des Krebsinformationsdienstes, Deutsches Krebsforschungszentrum.

Ursprüngliche Adresse dieses Ausdrucks: https://www.krebsinformationsdienst.de


Fieberthermometer © Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum

Fieber, Entzündungen, Infektionen bei Krebs

Risiken senken: Auslöser kennen und gezielt vorbeugen

Warum sind Krebspatienten während ihrer Therapie nicht selten anfälliger für Entzündungen und Infektionen? Welche Ursachen tragen dazu bei? Der folgende Text ist Teil umfassender Informationen zum Thema "Entzündung, Infektion, Fieber bei Krebspatienten". Er bietet einen Überblick über begünstigende Faktoren und erläutert, wie gefährdete Patienten vorbeugen können.

Für die aufgeführten Ratschläge zu vorbeugenden pflegerischen Maßnahmen bei Entzündungen und Infektionen gilt: Es gibt bisher nur wenige gute und wissenschaftlich orientierte Studien dazu, wie die optimale Pflege zum Schutz vor Infektionen aussehen muss. Fachleute setzen daher vorwiegend auf Erfahrungswissen. Tipps, die von denen des Krebsinformationsdienstes abweichen, können sich aus der individuellen Situation eines Krebspatienten ergeben und ebenso gut und richtig sein. Erkrankte Patienten sollten jedoch beachten: Informationen aus dem Internet können die persönliche Beratung durch Ärzte oder Pflegefachleute nicht ersetzen! 

Erstellt:
Zuletzt überprüft:

Genutzte Quellen und Links

Eine Gesamtübersicht der bei der Erstellung genutzten Quellen und Hinweise auf weiterführende Fachinformationen zum Thema findet sich im Kapitel "Fieber ohne Keime: Gibt es das bei Krebspatienten?" unter dem Stichwort "Verwendete Quellen und Fachliteratur für Interessierte und Fachkreise".

Barrierefunktion von Haut und Schleimhaut beeinträchtigt

Haut und Schleimhäute bilden die Grenze des menschlichen Körpers nach außen. Sie verhindern, dass Krankheitserreger, Schmutz oder Fremdkörper in den Körper gelangen. Wichtig ist nicht nur der mechanische Schutz dieser Hülle: Auf der Haut und Schleimhaut lebende harmlose Bakterien säuern die Oberfläche leicht an. Die meisten Krankheitskeime können in einer solchen Umgebung mit niedrigem, also saurem "pH-Wert" schlechter leben. Ähnlich desinfizierend wirkt die Magensäure, die von der Magenschleimhaut produziert wird. In der Mund- und Rachenschleimhaut sowie im Darm unterstützen Bakterien die Immunabwehr. Die Schleimhäute im Mund und im unteren Verdauungstrakt, in den Atemwegen, in der Scheide und in der Harnblase produzieren bei Gesunden außerdem Antikörper, die Keime unwirksam machen. Krebstherapien wie etwa eine Operation, eine Chemotherapie oder Strahlentherapie stören dieses Gleichgewicht. Auch weitere Krebsmedikamente können zu Hautreizungen führen, zum Beispiel die modernen zielgerichteten Arzneimittel.

  • Ist die Barrierefunktion von Haut und Schleimhäuten beeinträchtigt, steigt die Wahrscheinlichkeit für Infektionen.

Krebspatienten sollten ihre Ärzte fragen, ob für sie aufgrund ihrer Behandlung ein besonderes Risiko für Hautreizungen oder Schädigung der Schleimhäute besteht. Bei entsprechender Vorsicht lassen sich viele Infektionen vermeiden. Kommt es doch zu Reizungen oder Anzeichen einer Keimbesiedelung, mildert rechtzeitige Behandlung die Beschwerden.

Operationen: Hygiene und Schonung beugen Infektionen vor

Bei operativen Eingriffen werden Haut, Schleimhäute und andere Gewebe verletzt. Deshalb besiedeln nach Operationen unter Umständen Krankheitserreger die Wunde, auch wenn Ärzte und Pflegepersonal einwandfrei arbeiten. Die Folge können oberflächliche oder auch tiefe Wundinfektionen sein. Bei der Aufklärung vor jedem operativen Eingriff werden Patienten auf dieses Risiko aufmerksam gemacht.
Nach dem Eingriff ist gute Wundpflege bei entsprechender Hygiene wichtig. Selbst wenn die Wunde in den ersten Tagen nach der Operation juckt, spannt oder schmerzt, sollten Patienten den Wundverband auf keinen Fall selbst entfernen, sondern Ärzte oder Schwestern und Pfleger informieren. Auch die Austrittsstellen von Wunddrainagen, über die nach vielen Eingriffen noch einige Tage Blut oder Wundflüssigkeit abgeleitet wird, sollten nicht angefasst werden. Patienten, die ambulant operiert wurden oder schon kurz nach einem Eingriff wieder nach Hause dürfen, sollten ausdrücklich fragen, ob sie den Verbandswechsel selbst vornehmen dürfen und wenn ja, wie und mit welchen Materialien.

Bei der Körperpflege direkt nach einer Operation sollten Betroffene darauf achten, dass sie die Hautstellen um den Verband nur vorsichtig waschen - er darf nicht nass werden und die Haut um das Wundgebiet nicht aufweichen. Bis eine Wunde vollständig abgeheilt ist, sollten Krebspatienten das Wundgebiet schonen sowie Verschmutzung und mechanische Reizung der Wunde vermeiden. Sonnenbaden, Gartenarbeit, intensives Heimwerken oder auch Sport haben Pause, außer die behandelnden Ärzte sind ausdrücklich einverstanden.
Woran sich eine Wundinfektion erkennen lässt und wie sie behandelt wird, wird in dem Abschnitt "Wundinfektion allgemein: Symptome erkennen und behandeln" genauer erläutert.

Die Barrierefunktion von Haut und Schleimhäuten wird auch durch Fremdmaterialien wie etwa Infusions- oder Blasenkatheter oder Drainagen durchbrochen, mit denen viele Krebspatienten vor und nach Eingriffen eine Zeit lang versorgt werden müssen, und die auch bei anderen Behandlungsverfahren eine Rolle spielen. Blasenentzündungen durch Blasenkatheter zur Harnableitung sind beispielsweise mit die häufigsten Infektionen im Krankenhaus. Hier gilt: Hygiene ist wichtig. Um Venenentzündungen durch länger liegende Infusionskatheter zu vermeiden, erhalten viele Patienten, die eine Chemotherapie benötigen, einen sogenannten Port: Dabei handelt es sich um ein kleines Kunststoffreservoir, das unter die Haut eingepflanzt wird und Anschluss an eine große Vene hat. Anders als mit einem Venenkatheter kann man mit einen Port, nach dem Abheilen der kleinen Operationswunde, problemlos duschen und baden, mehr dazu hier im Text "Durchführung: Wie läuft eine Chemotherapie ab?".

Entzündung der Haut: Gute Kleidung, gute Hautpflege

Eine Bestrahlung oder manche modernen Krebsmedikamente lösen bei manchen Patienten Entzündungsreaktionen der Haut aus. Betroffene selbst sollten deshalb zusätzliche, weitere Reize auf der Haut vermeiden und die Haut angemessen pflegen. Gezielte Vorgaben erhalten gefährdete Patienten von Ärzten und Pflegekräften. Allgemein gilt:

  • die Haut nicht der Sonne aussetzen, auch starke Hitze zum Beispiel durch den Fön oder die Wärmflasche vermeiden
  • lockere, gut sitzende und nicht scheuernde Kleidung tragen und für ausreichend Luftkontakt sorgen; mechanische Reizungen vermeiden, etwa durch Schmuck
  • auf jeden Fall fragen ob Waschen und Eincremen der betroffenen Hautstellen erlaubt sind, wenn ja, dann auch fragen, welche Mittel, Cremes, Salben und Lotionen zur Hautpflege verwendet werden dürfen

Mehr zur Haut- und Körperpflege während der Behandlung hat der Krebsinformationsdienst im Text "Hautprobleme: Behandeln, schützen, vorbeugen" zusammengestellt.

Entzündung der Mundschleimhaut: Vorbeugen durch Mundpflege

Da sich die empfindlichen Zellen der Mundschleimhaut ähnlich oft teilen wie Krebszellen, werden sie bei einer Chemotherapie oder einer Bestrahlung von Tumoren im Kopf-Hals-Bereich ebenso geschädigt. Die entstehenden kleinen Wunden machen Krebspatienten anfällig für Entzündungen und Infektionen der Mundhöhle. Betroffene können selbst durch einige Maßnahmen das Ausmaß von Entzündungen beeinflussen und Infektionen der Mundhöhle vorbeugen. Was im individuellen Fall sinnvoll ist und was nicht, sollten Betroffene und Angehörige allerdings mit den behandelnden Ärzten und bei pflegebedürftigen Patienten auch mit dem Pflegedienst besprechen.

  • Zum Zahnarzt vor der Krebstherapie: Zahnschäden sanieren lassen, ebenso Entzündungen, Zahnfleischtaschen oder andere "Rückzugsgebiete" für Keime
  • Gute Mundhygiene: Zähne mit weichen Zahnbürsten putzen und vorsichtig auch die Zahnzwischenräume zum Beispiel mit Zahnseide reinigen, Zahnprothesen nach jeder Mahlzeit putzen! Achtung: Patienten mit zu wenigen Blutplättchen (Thrombozyten) sollten bezüglich Mund- und Zahnpflege unbedingt mit Pflegefachkräften oder dem behandelnden Arzt Rücksprache halten: Bei ihnen besteht die Gefahr, dass kleine Wunden nicht aufhören zu bluten.
  • Beobachten der Mundschleimhaut: Verletzungen der Mundschleimhaut, Druckstellen, Schmerzen?
  • Verzicht auf Reizstoffe: Zigaretten, Alkohol, Fruchtsäuren (zum Beispiel in saurem Obst, in sauren Säften), sehr heiße oder kalte Getränke

Mehr zur Mund- und Zahnpflege während der Krebsbehandlung hat der Krebsinformationsdienst im Text "Mund- und Zahnpflege: Manchmal unangenehm, immer notwendig" zusammengestellt. Symptome und Behandlung von Entzündungen und Infektionen im Mund finden sich im Abschnitt "Mund und oberer Verdauungstrakt: Bakterien, Viren und Pilze behandeln".

Entzündung der Darmschleimhaut: Stark gewürztes und fetthaltiges Essen meiden

Durch viele Chemotherapien, aber auch Bestrahlungen von Bauch- und Beckenbereich können die Schleimhäute im Darm gereizt werden. Als Folge sind Entzündungen und auch Infektionen möglich. Besteht ein entsprechendes Risiko (die behandelnden Ärzte klären auf), kann es zur Vorbeugung von Beschwerden helfen, den Speiseplan etwas umzustellen: Betroffene sollten auf stark gewürztes, stark fetthaltiges, blähendes und sehr ballaststoffreiches Essen sowie auf Alkohol und Kaffee oder koffeinhaltige Nahrungsmittel eher verzichten. Vorsicht ist auch bei Abführmitteln und Hausmitteln zur Verdauungsförderung geboten - auf eigene Faust und ohne Rücksprache mit dem Arzt sollte man lieber nichts einnehmen.

Entzündung der Blasenschleimhaut: Viel trinken

Ist bei der Behandlung mit manchen Zytostatika mit entzündeten Blasenschleimhäuten als Nebenwirkung zu rechnen, verordnen Ärzte als Vorbeugung bereits während der Chemotherapie ein Gegenmittel, ein sogenanntes Antidot. Zusätzlich zur Behandlung erhalten gefährdete Patienten Flüssigkeit als Infusion über eine Vene. Damit soll verhindert werden, dass schädliche Abbauprodukte der verwendeten Zytostatika zu lange in der Blase bleiben und die Schleimhaut schädigen. Bei jeder Chemotherapie ist es wichtig, viel zu trinken, auch in den Tagen nach der Medikamentengabe, außer der Arzt macht anderslautende Vorgaben.

Wie eine Blasenentzündung während der Krebstherapie behandelt wird, wird in dem Abschnitt "Harnwege: Blasen und Nierenentzündungen" näher erläutert.

Lymphödeme: Kleinste Läsionen als Eintrittspforte für Keime

Lymphödeme können bei Patienten auftreten, bei denen Lymphknoten entfernt oder bestrahlt wurden. Sie entstehen auch, wenn Tumorbefall zu einer Verlegung des Lymphabflusses führt. Sichtbares Symptom ist eine Schwellung, da sich Lymphflüssigkeit im Gewebe anstaut. Verbleibt diese Flüssigkeit dort über längere Zeit, löst sie eine chronische Entzündungsreaktion aus. Haut und Gewebe werden extrem empfindlich, Wunden heilen schlecht oder gar nicht ab. Bereits kleinste Verletzungen dienen dann als Eintrittspforte für Keime. Am häufigsten kommt es zu einer Infektion mit Bakterien, dem sogenannten Erysipel.

Um das Risiko eines Erysipels im Bereich eines Lymphödems zu senken, ist eine gute Behandlung des Lymphödems nötig. Dazu gehören manuelle Lymphdrainage, Kompressionsbandagen oder Kompressionsstrümpfe und weitere therapeutische Maßnahmen. Einen ausführlichen Überblick hat der Krebsinformationsdienst in einem eigenen Text "Lymphödeme bei Krebspatienten: Verhindern, erkennen, behandeln" zusammengestellt. Woran man ein Erysipel erkennt und wie es behandelt wird, wird in dem Abschnitt "Erysipel bei Lymphödem: Symptome erkennen und behandeln" erläutert.

Immunfunktion geschwächt

Das Knochenmark produziert fortlaufend Immunzellen zur Abwehr von Krankheitserregern. Manche Formen der Krebsbehandlung können diese Vorgänge stören: Im Verlauf vieler Chemotherapien oder auch großflächiger Bestrahlungen sinkt beispielsweise die Zahl bestimmter weißer Blutkörperchen, der sogenannten Granulozyten. Sie sind jedoch wichtig für die Abwehr von Bakterien und Pilzen.
Bei Krebserkrankungen des blutbildenden Systems, den verschiedenen Leukämien und Lymphomen, ist die Immunabwehr direkt betroffen, die Tumorzellen bilden sich aus den Zellen des Immunsystems selbst, funktionstüchtige gesunde Immunzellen fehlen. Auch eine sehr schwere Erkrankung, Mangelernährung und Bettlägerigkeit können das Immunsystem schwächen.
Wie stark das Immunsystem aufgrund der Therapie oder der Erkrankung beeinträchtigt ist, erkennen Ärzte im Blutbild. Aufschluss gibt die Zahl der weißen Blutkörperchen, der sogenannten Leukozyten, und ihr zahlenmäßiges Verhältnis zu anderen Blutzellen. Fachleute sprechen von einer Leukopenie, wenn die Gesamtzahl der weißen Blutkörperchen betroffen sind, von Neutropenie, wenn nur die Granulozyten betroffen sind und von Lymphopenie, wenn die Zahl der Lymphozyten erniedrigt ist.

Bei den meisten Therapieformen sinkt die Anzahl der Abwehrzellen jedoch nicht unter einen kritischen Wert und steigt auch sehr rasch wieder an. Behandelnde Ärzte informieren betroffene Patienten über das Ausmaß der Immunschwäche, ihre individuellen Risiken und darüber, wie sie selbst durch zusätzliche Hygienemaßnahmen Infektionen vermeiden können. Besondere vorbeugende Medikamente sind bei den meisten Krebspatienten nicht erforderlich.

Bei besonders aggressiven Chemotherapien, zum Beispiel vor einer Knochenmark- oder Stammzelltransplantation, und bei manchen Blutkrebsarten hält ein Mangel an Abwehrzellen unter Umständen auch länger an. Als schwere Neutropenie gilt eine Granulozytenzahl von weniger als 500 Zellen pro Mikroliter Blut. Betroffene sind stark durch Infektionen gefährdet. Dauert bei Patienten diese Phase länger als zehn Tage an, verlaufen Infektionen zudem besonders schwer. Betroffene haben keinen Eigenschutz vor Keimen mehr. Besondere Schutzmaßnahmen sind dann unverzichtbar: Patienten mit schwerer Neutropenie und Patienten, die voraussichtlich eine solche Immunschwäche entwickeln werden, erhalten meist schon vorbeugend Medikamente gegen Infektionen und werden unter Umständen auch isoliert. Eine Behandlung mit Antibiotika mit breitem Wirkungsspektrum setzt bei Symptomen sofort ein, auch wenn noch nicht genau feststeht, um welche Art von Infektion es sich handelt. So soll schweren Komplikationen vorgebeugt werden.
Die Bildung neuer Immunzellen kann bei schwerer Neutropenie auch mit sogenannten Wachstumsfaktoren angeregt werden. Mehr zur Wirkungsweise dieser Medikamente hat der Krebsinformationsdienst im Text "Hämatopoetische Wachstumsfaktoren" zusammengestellt.

Weitere Medikamente und Immunabwehr

Antibiotika: Müssen Krebspatienten breit wirksame Antibiotika einnehmen, kann dies dazu führen, dass diese die natürliche Bakterienflora im Darm beeinträchtigen. Es besteht eine gewisse Gefahr, dass in diese "Lücke" krankmachende Keime vorstoßen. Darminfektionen können die Folge sein. Ähnlich reagiert zum Beispiel bei Frauen die natürliche Bakterienflora der Scheide auf Antibiotika. Bei den meisten Patienten erholen sich Verdauungstrakt und Schleimhäute der Geschlechtsorgane nach dem Ende der antibiotischen Behandlung von allein. Eine besondere Vorbeugung ist meist nicht notwendig und auch kaum möglich. Kommt es zu Beschwerden, die auf eine Infektion hindeuten, sollte der Arzt informiert werden.

Kortikosteroide ("Cortison") werden bei vielen Krebspatienten eingesetzt, oft auch in hohen Dosierungen. Sie beugen vielen Symptomen von Entzündungen vor, zum Beispiel Schwellungen und unspezifischen Reizungen oder Übelkeit. Auf Dauer können sie allerdings das Immunsystem schwächen. Patienten, die über einen langen Zeitraum hochdosiert Cortison erhalten, sollten deshalb Rücksprache zu vorbeugenden Schutzmaßnahmen mit ihrem Arzt halten: Sinnvoll ist zum Beispiel das Meiden von Keimquellen, in denen sich Pilzsporen befinden. Eine einmalige und nicht lange anhaltende oder niedrig dosierte Behandlung mit Kortison wirkt sich normalerweise aber nicht auf das Infektionsrisiko aus.

Schmerzmittel gehören zur Standardbehandlung bei Tumorschmerzen und zur Linderung von therapiebedingten Beschwerden, mehr dazu beim Thema "Krebsschmerzen wirksam behandeln". Sogenannte Sedativa erhalten Krebspatienten zur Beruhigung vor operativen Eingriffen und aufwändigen Untersuchungen. Bei sehr schwer erkrankten Betroffenen, die unter starken Schmerzen oder Atemproblemen und anderen belastenden Symptomen leiden, können sie als Begleitmedikament auch längerfristig eingesetzt werden. In höherer Dosierung wirken viele Schmerzmittel wie auch Sedativa auf das Atemzentrum. Dadurch wird der Hustenreflex verringert und unter Umständen die Atmung flacher. Bei einem Patienten mit Lungenkrebs oder Lungenmetastasen kann dies erwünscht sein. Da auch das Abhusten von Schleim erschwert wird, steigt allerdings die Wahrscheinlichkeit einer Atemweginfektion. Vorbeugende unterstützende Maßnahmen wie zum Beispiel Atemübungen, bestimmte Lagerungen und Mobilisation von bettlägerigen Patienten sind wichtig. Betroffene und pflegende Angehörige können sich von Pflegefachkräften anleiten lassen.

Bisphosphonate haben einen wichtigen Stellenwert bei der Behandlung von Osteoporose, auch bei Krebspatienten, und in der Therapie von Knochenmetastasen. Sie können allerdings zu Umbauprozessen vor allem im Kieferknochen führen, als Auslöser gelten zum Beispiel Wurzelbehandlungen oder das Ziehen eines Zahnes. Vor Behandlungsbeginn empfehlen Experten deshalb eine Untersuchung beim Zahnarzt und die vorsorgliche Sanierung von Schäden an Zähnen und Zahnfleisch, mehr dazu im Text "Bisphosphonat-Behandlung: Nebenwirkungen am Kieferknochen vermeiden".

Organ- und Gewebeschäden als Risiko

Auch eine Krebserkrankung selbst kann das Risiko für Infektionen steigern. Ein Beispiel: Verlegt und verdrängt ein Tumor Teile der Atemwege und der Lunge, wird der entsprechende Lungenabschnitt nicht mehr richtig belüftet, auch die natürliche Selbstreinigung der Lungenschleimhäute ist beeinträchtigt. Das Lungengewebe wird geschädigt, und Keime können sich leichter festsetzen. Die Wahrscheinlichkeit für eine Lungenentzündung steigt. Abhilfe lässt sich durch vorbeugende Maßnahmen schaffen, wenn auch nur in gewissen Grenzen: Dazu gehören Atemgymnastik und allgemeine Bewegung und Mobilisation auch bei Bettlägerigkeit, Inhalationen und Absaugen von Schleim. Ähnliche Steigerungen des Infektionsrisiko kennt man auch von anderen Tumorarten, wenn sie gesundes Gewebe verdrängen, den Abfluss von Sekreten oder Körperflüssigkeiten behindern, das Gewebe von der Durchblutung abschneiden, und so stark schädigen, dass es zu Entzündungen oder sogar zu Nekrosen kommt, dem Absterben von Gewebe.

Dekubitus

Ein weiterer Risikofaktor für solche Gewebeschäden lässt sich relativ einfach, wenn auch nur mit gewissem Aufwand vermeiden: sogenannte Aufliegegeschwüre, auch als Dekubitus oder "Wundliegen" bezeichnet. Die Ursachen sind Druck und Mangeldurchblutung. Schwerkranke können sich oft nicht ausreichend bewegen, und bei manchen Tumorpatienten ist zudem das Gewebe durch den Tumor, durch Operationsnarben oder eine Bestrahlung vorgeschädigt.
Ein Dekubitus entsteht durch zu langes Liegen auf einer Stelle, Anzeichen sind gerötete oder verletzte Hautstellen. In einem weiter fortgeschrittenen Stadium kommt es unter Umständen zu infizierten, offenen Stellen der Haut. Um erst gar kein Druckgeschwür entstehen zu lassen, sollten auch schwerkranke Patienten sich bewegen, soweit sie dazu in der Lage sind. Bei Patienten, die gar nicht mehr aufstehen können, beugen Pflegende Aufliegegeschwüren vor, indem sie die Betroffenen häufig umlagern und eine penible Hautpflege durchführen. Außerdem setzen sie bei Bedarf Hilfsmittel wie etwa Weichlagerungskissen oder Dekubitusmatratzen und Spezialbetten ein. Pflegende Angehörige können sich von professionellen Pflegefachkräften schulen und über Warnzeichen aufklären lassen.

Allgemeinzustand und Ernährungsstatus

Ältere Patienten und Krebspatienten in einem erheblich geschwächten Zustand leiden oft unter Mangelernährung. Auch der Tumor selbst kann den Stoffwechsel beeinflussen: Anders als beim Gewichtsverlust bei Gesunden verlieren Betroffene weniger Fett, sondern eher Eiweiß. Man spricht in diesem Fall von Kachexie. Ein sichtbares Zeichen dafür ist, dass die Muskulatur abnimmt. Durch den Eiweißmangel und andere Folgen des veränderten Stoffwechsels werden auch Bildung von Antikörpern und weitere Immunfunktionen gestört. Was Patienten und pflegende Angehörige zur Vorbeugung und Behandlung tun können, hat der Krebsinformationsdienst im Text "Was tun bei Gewichtsverlust und Mangelernährung?" zusammengestellt.

Allergien und Unverträglichkeiten

Manche Menschen neigen eher zu Allergien als andere. Typische Allergene sind Pollen, Nüsse oder Äpfel oder Insektengifte. Es gibt jedoch auch Allergien auf Medikamente, zum Beispiel Antibiotika, die aus Schimmelpilzen entwickelt wurden. Sind solche Allergien bekannt, sollten dies die behandelnden Ärzte unbedingt wissen. Mehr zu Symptomen und der Behandlung von Allergien finden sich im Abschnitt "Allergie: Symptome erkennen und behandeln".