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Fieberthermometer, das 40,3 Grad anzeigt, einen winzigen blau-weiß gestreiften Schal trägt und in einem winzigen weißen Bett liegt © congerdesign, Pixabay
Entzündung, Infektion, Fieber

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Fieber ohne Keime: Gibt es das bei Krebspatienten?

B-Symptome, paraneoplastisches Syndrom, Quellen, Fachinformationen

Letzte Aktualisierung: 16.02.2015

Informationen aus dem Internet können Ihnen einen Überblick bieten. Sie sind nicht dazu geeignet, die Beratung durch einen Arzt zu ersetzen.

Fieber ist ein belastendes Symptom, das bei Krebspatienten meist in Zusammenhang mit einer Infektion auftritt. Es gibt jedoch einige Tumorarten und Krankheitssituationen, die ebenfalls Fieber auslösen können, auch ohne Beteiligung von Keimen.

Der folgende Text ist Teil umfassender Informationen zum Thema "Entzündung, Infektion, Fieber bei Krebspatienten". Er bietet einen Überblick über mögliche nicht infektionsbedingte Ursachen erhöhter Körpertemperatur.

Fieber ohne Keime tritt bei einigen Krebserkrankungen deutlich häufiger auf als bei anderen. Dazu gehören zum Beispiel Leukämien, Lymphome und die sogenannten myelodysplastischen Syndrome. Bei Patienten mit diesen Tumorarten ist Fieber so häufig, dass es mit einigen anderen sonst eher unspezifischen Anzeichen zu den sogenannten "B-Symptomen" gerechnet wird. Manchmal kann anhaltendes ungeklärtes Fieber mit mehr als 38 Grad Temperatur sogar das erste Anzeichen einer solchen Erkrankung sein. Zu den B-Symptomen zählen außerdem nächtliches Schwitzen sowie ungewollter Gewichtsverlust.
Fieber kann, wenn auch seltener, aber auch bei anderen Krebspatienten als Folge der Tumorerkrankung selbst auftreten.

Biologisch ist dieses Fieber ein Teil des sogenannten paraneoplastischen Syndroms: Dazu zählen verschiedene mehr oder weniger typische Begleiterkrankungen einer Krebserkrankung. Man geht heute davon aus, dass eine Reaktion des Körpers auf die Tumorzellen diese Veränderungen auslöst, zum Beispiel eine Immunreaktion, oder Stoffe, die Krebszellen an umliegendes Gewebe und ins Blut eines Patienten abgeben. Ursache für Fieber sind sogenannte Pyrogene, temperatursteigernde Stoffe, die in den Tumorzellen selbst entstehen.

Die Beschwerden, die solche Fieberschübe auslösen, lassen sich zwar lindern, etwa durch fiebersenkende Medikamente. Eine langfristige Besserung ist jedoch nur durch die Krebstherapie als solche möglich, die die auslösenden Tumorzellen am Wachstum hindert und sie zerstört.

Fieber gehört außerdem zu den bekannten Nebenwirkungen einiger Krebsmedikamente und anderer Behandlungsverfahren. Ist ein Patient davon betroffen, tritt die Temperaturerhöhung meist nur vergleichsweise kurz während der Medikamentengabe auf und hält nicht über mehrere Tage an.

Transfusionen

Patienten, die zu wenige rote Blutkörperchen (Erythrozyten) oder Blutplättchen (Thrombozyten) haben, können Bluttransfusionen erhalten, um die Versorgung mit Sauerstoff oder die Blutgerinnung zu sichern. Beim Herstellen, Lagern und Transfundieren dieser Konserven werden aus weißen Blutkörperchen Inhaltsstoffe von Zellen freigesetzt, die zu Fieber und Schüttelfrost führen. Gelegentlich geht dies mit einem niedrigen Blutdruck, einem Kältegefühl und einer Gesichts- oder Hautrötung einher. Betroffene, die häufiger bei Transfusionen diese Symptome haben, erhalten vom Arzt vor der Transfusion fiebersenkende Substanzen.

Zytostatika

Bei manchen Zytostatika zur Chemotherapie kommt es als Nebenwirkung bei nicht wenigen Patienten zu Fieber. Ein Beispiel für solche Substanzen sind etwa die Taxane.

Interferone und Interleukin-2

Interferon

Bei einer Behandlung mit Interferon tritt sehr häufig Fieber als Nebenwirkung auf.

Interferone und Interleukine sind Zellhormone oder sogenannte Zytokine. Sie werden in der Behandlung einiger weniger Tumorarten eingesetzt, mehr dazu im Text "Immuntherapie gegen Krebs". Sehr häufig weisen Patienten kurz nach dem Verabreichen der Medikamente Symptome auf, die denen eines grippalen Infekts ähneln: Fieber, Appetitlosigkeit, Übelkeit, Erschöpfung sowie Kopf- oder Gelenkschmerzen. Diese Beschwerden können zwar gelindert werden und verschwinden bei vielen Betroffenen im weiteren Verlauf der Behandlung. Für einige Patienten und ihre Ärzte ist die Anpassung der notwendigen Zytokindosis zur Abmilderung von Nebenwirkungen jedoch eine Herausforderung, die zeitweilig sogar ein Absetzen der Behandlung erforderlich machen kann.

Knochenmarkstimulierende Faktoren

Knochenmarkstimulierende Faktoren, die sogenannten hämatopoetischen Wachstumsfaktoren, können bei manchen Patienten eingesetzt werden, wenn ihr Knochenmark nicht ausreichend Blutzellen produziert oder durch eine Krebstherapie stark beeinträchtigt ist. Erythropoetin fördert die Bildung roter Blutkörperchen, Patienten mit zu wenigen weißen Blutkörperchen, den sogenannten neutrophilen Granulozyten, erhalten als Spritze den Granulozyten-Monozyten-koloniestimulierenden Faktor (GM-CSF). Bei der Gabe solcher hämatopoetischer Wachstumsfaktoren ist kurz danach einsetzendes und meist nicht lange anhaltendes Fieber eine typische Nebenwirkung.

Pflanzliche Mittel

Auch manche pflanzliche Mittel, die zu einer bei Krebs sehr umstrittenen "Immunstimulation" beitragen sollen, lösen Fieber aus. Ursache sind häufig Unverträglichkeitsreaktionen und Allergien auf die vermeintlich "sanften" oder "natürlichen" Präparate. Bei entsprechenden Nebenwirkungen sollten Patienten mit ihren Ärzten besprechen, ob die Arzneimittel nicht besser abgesetzt werden: Die Vorstellung, eine "immunstimulierende" Behandlung müsse Fieber oder vergleichbare Reaktionen auslösen, um zu wirken, gilt heute als überholt.

Fieber ist zunächst nur ein Symptom. Ärzte werden daher nach Möglichkeit versuchen, die Ursache festzustellen und zu behandeln. Bei Infektionen mit Bakterien setzen sie Antibiotika, bei Pilzen Antimykotika ein. Viruserkrankungen sind schwieriger zu behandeln, da nur gegen einige Typen gezielte Medikamente zur Verfügung stehen, sogenannte Virustatika. Ist der Tumor selbst Auslöser von Fieber, zielt die Krebsbehandlung selbst auf Linderung ab. Aber auch Fieber als Symptom muss nicht unbehandelt bleiben, vor allem dann nicht, wenn es sehr hoch ist oder einen bereits geschwächten Patienten weiter entkräftet. Ärzte verordnen fiebersenkende Medikamente.

Krebspatienten selbst sollten darauf achten, in Fieberphasen ausreichend Flüssigkeit zu sich zu nehmen. Mit Hausmitteln oder rezeptfreien Fiebersenkern auf eigene Faust sollten sie dagegen eher vorsichtig sein - die Rückfrage beim Arzt stellt sicher, dass es nicht zu ungewollten Nebenwirkungen oder Wechselwirkungen mit der Tumortherapie kommt. Pflegerische Maßnahmen wie das Kühlen der Leisten, der Unterarme und Wadenwickel sowie Waschungen mit bestimmten Zusätzen, senken das Fieber ebenfalls. Nicht alle diese Maßnahmen wurden mit hochwertigen wissenschaftlichen Studien auf ihre Wirksamkeit überprüft. Das heißt jedoch nicht, dass sie nicht helfen, sondern nur, dass andere, hier nicht aufgeführte Ansätze, eventuell genauso gut Linderung verschaffen können.



Zum Weiterlesen (Auswahl)

Die Leitlinien "Orale Candidose", "Candidose der Haut", "Onychomykose", "Vulvavaginalkandidose", "Brennen beim Wasserlassen", "Akuttherapie anaphylaktischer Reaktionen", "Prävention, Diagnose, Therapie und Nachsorge der Sepsis" sind auf der Internetseite der Arbeitsgemeinschaft der wissenschaftlichen medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) unter www.awmf.org zu finden.

Die S2e-Leitlinie "Supportive Maßnahmen in der Radioonkologie", Version 1.2, ist abrufbar unter www.awmf.org/leitlinien/detail/ll/052-014.html. Sie wird herausgegeben von der Deutschen Gesellschaft für Radioonkologie e.V. (DEGRO) und ist gültig vom 12.02.2015 bis 28.02.2018.

Die Arbeitsgemeinschaft Infektionen in der Hämatologie und Onkologie (AGIHO) stellt Empfehlungen und Leitlinien unter www.dgho-infektionen.de, Stichwort "Leitlinien + Empfehlungen" zusammen.Sie bietet mikrobiologisch-infektiologische Qualitätsstandards (Stand 2007) unter www.dgho-infektionen.de, Stichwort "Leitlinien + Empfehlungen", Stichwort "Weitere Empfehlungen", Stichwort "Blutkulturdiagnostik".

Die Arbeitsgemeinschaft Supportive Maßnahmen in der Onkologie (ASORS) bietet Informationen unter www.onkosupport.de, Stichwort "Supportivtherapie", Stichwort "Leitlinien".

Die Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Hämatologie und Onkologie (DGHO) liefern weiterführende Informationen zu Krankheitsbildern, aber auch zu supportiven Maßnahmen unter www.dgho-onkopedia.de. Weitere Empfehlungen der DGHO sind 2016 im Rahmen der Initiative "Klug entscheiden" der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin entstanden. Sie betreffen unter anderem die Behandlung der Neutropenie bei einer Chemotherapie: Krause SW, Oldenburg M, Seifart U, Hallek M, Neubauer A (2016): Klug entscheiden in der Hämatologie und Medizinischen Onkologie. Deutsches Ärzteblatt 113(38), A 1650-1653

Im Rahmen des Leitlinienprogrammes Onkologie werden in den nächsten zwei bis drei Jahren zu zehn wichtigen Themen aus dem Bereich der Supportiven Therapie Handlungs- und Therapieempfehlungen erarbeitet. Weiterführende Informationen dazu, finden sich auf der Seite der S3-Leitlinie "Supportive Therapie bei onkologischen PatientInnen" unter www.s3supportiv.de. Themen sind unter anderem "Hauttoxizitäten" und "Schleimhauttoxizität". Unter dem Stichwort "Kooperationspartner" finden sich auch Informationen zu den beteiligten Fachgesellschaften und Institutionen.

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährungsmedizin e. V. (DGEM) stellt Leitlinien zu enteraler und parenteraler Ernährung bereit unter www.dgem.de, Stichwort "Leitlinien".

Das Bundesamt für Risikobewertung (BfR) stellt www.bfr.bund.de/de/publikation/merkblaetter_fuer_verbraucher-512.html eine Reihe von Merkblätterin für Verbraucher zum Schutz vor lebensmittelbedingten Infektionen zur Verfügung.

Das Deutsche Netzwerk für Qualitätsentwicklung in der Pflege (DNQP) bietet auf seiner Internetseite unter www.dnqp.de, Stichwort "Expertenstandards und Auditinstrumente" Ausschnitte von Expertenstandards zu pflegerelevanten Themen.

Das Nationale Referenzzentrum für Surveillance von nosokomialen Infektionen (NRZ) erfasst in seinem Modul ONKO-KISS Zahlen zu Sepsis und Pneumonie während der Neutropeniephase. Informationen dazu unter www.nrz-hygiene.de, Stichwort "Surveillance", Stichwort "ONKO-KISS".

Das Robert Koch-Institut (RKI) bietet Infos zu "postoperativen Wundinfektionen nach stationären und ambulanten Operationen" sowie zur "Prävention Gefäßkatheter-assoziierter Infektionen" unter www.rki.de, Stichwort "Infektionsschutz", Stichwort "Krankenhaushygiene". Es stellt außerdem unter dem Stichwort "Infektionsschutz", Stichwort "Krankenhaushygiene" oder "Antibiotikaresistenz" Informationen zu nosokomialen Infektionen bereit.

In der S1-Leitlinie "Postoperative Wundinfektionen: Strategien zur Prävention" von 2014, herausgegeben vom Arbeitskreis "Krankenhaus- & Praxishygiene" der AWMF können sich Fachleute informieren, welche Maßnahmen zur Vorbeugung von Wundinfektionen nach Operationen sinnvoll sind. Die Leitlinie ist abrufbar unter www.awmf.org/leitlinien/detail/ll/029-031.html.

In der S1-Leitlinie "Chronische und sekundär heilende Wunden: Hygieneanforderungen" von 2014, herausgegeben vom Arbeitskreis "Krankenhaus- & Praxishygiene" der AWMF erhalten Fachleute hilfreiche Informationen zum Umgang mit chronischen Wunden: Wie bereitet man einen Verbandwechsel vor? Wie wird eine chronische Wunde versorgt und verbunden? Die Leitlinie ist abrufbar unter www.awmf.org/leitlinien/detail/ll/029-042.html.

Die Multinational Association of Supportive Care in Cancer (MASCC) stellt in mehreren Sprachen Leitlinien zu Mukositis und Hauttoxizität bei EGFR-Inhibitoren bereit unter www.mascc.org, Stichwort "Guidelines and Tools", Stichwort "Mucositis Guidelines" sowie Stichwort "MASCC EGFR Inhibitor Skin Toxicity Tool (MESTT)".

Das US-amerikanische National Comprehensive Cancer Network (NCCN) hat eine Leitlinie in englischer Sprache mit dem Titel "Prevention and Treatment of Cancer-Related Infections" herausgegeben, mehr unter www.nccn.org, Stichwort "NCCN Guidelines & Clinical Ressources". Die Nutzung erfordert eine kostenlose Registrierung.

Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) informiert unter www.infektionsschutz.de über Infektionskrankheiten. Interessierte finden Informationen zu Übertragungsmöglichkeiten und Schutzmöglichkeiten. Informationen rund um das Thema Impfen bietet die BZgA unter www.impfen-info.de.

Informationen zu Arzneimitteln
Als Quelle für Aussagen zu Arzneimitteln hat der Krebsinformationsdienst aktuelle Fachinformationen der Hersteller herangezogen (über www.fachinfo.de für Fachkreise zugänglich), weiter Arzneimittelinformationen in deutschen Datenbanken (vor allem www.pharmnet.bund.de), aktuelle Hinweise des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte unter www.bfarm.de sowie die Informationen der EU-Arzneimittelbehörde EMA unter www.ema.europa.eu/ema.

Der Gemeinsame Bundesausschuss gibt eine Liste heraus, in der Ausnahmeregelungen für Medikamente definiert sind, die apothekenpflichtig, aber nicht verschreibungspflichtig sind. Die Liste ist abrufbar unter www.g-ba.de/informationen/richtlinien/anlage/17, das PDF-Dokument unter www.g-ba.de/downloads/83-691-323/AM-RL-I-OTC-2013-06-05.pdf. Beispielsweise kann künstlicher Speichel bei Krebspatienten mit einer Mundtrockenheit vom Arzt verordnet werden, wenn dieser einen Bedarf feststellt.

Erstellt: 04.02.2011

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