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Schutz vor Infektionen bei Krebs: Praktische Tipps für jeden Tag

Worauf sollte man beim Kochen, im Haushalt und in der Freizeit achten?

Was leistet das Immunsystem, wenn man Krebs hat? Ist dann jeder Keim ein Risiko? Längst nicht alle Krebsbetroffenen haben Probleme mit der körpereigenen Abwehr. Meist ist das Immunsystem trotz Erkrankung und Behandlung leistungsfähiger, als man denkt. Besondere Vorsichtsmaßnahmen oder gar eine zeitweilige Isolation benötigen nur wenige Kranke.
Trotzdem ist Hygiene im Alltag wichtig - das gilt eigentlich für jeden, auch für Gesunde. Mit ein paar einfachen Maßnahmen kann man sein persönliches Infektionsrisiko um einiges senken.
Der folgende Text bietet einige Tipps für den Alltag. Wer bei oder nach einer Krebserkrankung tatsächlich Probleme mit der Immunabwehr hat, sollte sich aber auf jeden Fall auch mit Ärzten und Pflegefachleuten besprechen.

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Genutzte Quellen und Links

Eine Gesamtübersicht der bei der Erstellung genutzten Quellen und Hinweise auf weiterführende Fachinformationen zum Thema findet sich im Kapitel "Fieber ohne Keime: Gibt es das bei Krebspatienten?" unter dem Stichwort "Verwendete Quellen und Fachliteratur für Interessierte und Fachkreise".

Maximaler Schutz oder Lebensqualität: Wie viel Hygiene im Alltag muss sein?

Muss ich meine Wäsche mit Desinfektionsmitteln waschen? Kann ich in Zukunft nur noch Abgekochtes essen? Darf ich noch in meinem Garten arbeiten? Sollte ich lieber nicht zur großen Geburtstagsfeier gehen, weil dort so viele Menschen sind?

Vielen Menschen fällt diese Abwägung zwischen größtmöglicher Sicherheit und Lebensqualität schwer. Eine ganz konkrete Antwort auf die Fragen darauf hängt vom aktuellen Krankeitsstadium ab, vom Zustand des Immunsystems, aber auch von individuellen Faktoren.

Wie sauber es wirklich sein muss, worauf man im Alltag besser verzichtet und was an besonderen Maßnahmen nötig ist - das sollte man deshalb auf jeden Fall mit den  behandelnden Ärzten klären:

  • Sie können anhand der Behandlung und der aktuellen Blutwerte sehen, ob die Immunabwehr eingeschränkt ist oder nicht.

Das bedeutet: Sie können am besten beurteilen, wo bei der Hygiene auch einmal ein Kompromiss zugunsten der Lebensqualität gefunden werden kann.

Mit Fieber oder Infektionen immer gleich zum Arzt?

Was tun, wenn man sich schon mit etwas angesteckt hat und vielleicht Fieber bekommt? Oder wenn der kleine Schnitt am Finger sich entzündet?

  • Dann sollten Krebspatientinnen und Krebspatienten während einer laufenden Therapie möglichst bald zum Arzt.

Und was ist, wenn die Krebserkrankung schon länger zurückliegt? Muss man dann auch mit jedem Schnupfen gleich in die Arztpraxis?

Auch diese Frage können nur die behandelnden Ärzte beantworten. Was man selbst tun kann und darf, welche Medikamente oder Hausmittel zum Beispiel gegen Fieber angewendet werden dürfen, ist dann ebenfalls Thema für ein Arztgespräch.

  • Bei Fieber gilt auch für Krebspatienten: Schonen, kein Sport oder andere anstrengende körperliche Betätigung! Viel trinken, nur Leichtverdauliches essen!
  • Den Kontakt zu anderen Menschen einschränken, um sie nicht anzustecken.

Alltagsfragen: Praktische Tipps für Patientinnen und Patienten

Krebs stört nicht pauschal das Immunsystem, und selbst bei einer Chemotherapie ist nicht jede Patientin, jeder Patient zwangsläufig besonders infektionsgefährdet. Andererseits gibt es Betroffene, die auch längere Zeit nach einer Behandlung noch auf Hygiene achten müssen.

Die folgenden Tipps sind daher lediglich als erste Anhaltspunkte für den Schutz im Alltag gedacht.

Kochen, Essen: Muss man als Krebspatient die Küche meiden? Was darf man essen, was nicht?

Als Betroffener Essen zubereiten

Die Küche ist für die meisten Krebspatienten nicht verboten. Selbst während einer Chemotherapie oder Bestrahlung darf man sich in der Regel selbst etwas zu essen machen oder, wenn es der körperliche Zustand zulässt, auch für die Familie kochen., sofern die Ärzte nichts dagegen haben.

Voraussetzung ist allerdings Sauberkeit: Verletzungs- und Keimquellen sollte man bei schwacher Immunabwehr auf jeden Fall aus dem Weg gehen.

Geschirr und Küchengeräte sollten heiß gespült werden und gut trocknen. Auch bei der Verwendung sollte man darauf achten, was man wie oft anfasst, und was womit in Kontakt kommt. Ein typisches Negativ-Beispiel: Gemüse oder rohe Salate auf dem gleichen Brett und mit dem gleichen Messer zu verarbeiten, mit dem man vorher rohes Fleisch geschnitten hat.
Auch die Hände selbst sind Keimquellen. Der Tipp: immer wieder zwischendrin die Hände waschen!

Eine ganz typische Keimquelle sind Schwämme, Spülbürsten, Lappen oder Küchentücher, die nicht rechtzeitig gewechselt werden und nach dem Benutzen nicht durchtrocknen konnten.

Für Krebspatienten kochen

Auch wer für Krebspatienten Essen zubereitet, sollte sich an diese allgemeinen Tipps halten. Außerdem gilt: Man sollte selbst keine Infektion haben, auf jeden Fall vermeiden, auf Lebensmittel zu husten oder zu niesen und sich beim Kochen oder Anrichten von Mahlzeiten auf jeden Fall häufig die Hände waschen.

Weitere Tipps haben Ernährungs- und Lebensmittelfachleute im Auftrag des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft unter www.waswiressen.de zusammengestellt, Stichwort "Zubereitung/Lagerung" dann "Hygiene".

Essen: Was ist erlaubt, was verboten?

Gibt es Speisen, die für Krebspatienten wegen der Gefahr von Infektionen verboten sind? Eine Antwort darauf kann immer nur vom behandelnden Arzt oder von Pflegefachleuten kommen, die die jeweilige Situation individuell abschätzen können.

Ganz allgemein gilt:

  • Erhitzen und Kochen von Speisen und Getränken lässt Krankheitserreger absterben. Gleiches gilt für die Pasteurisation bei gekauften Lebensmitteln, wie zum Beispiel Milch.
  • Auf rohen Lebensmitteln, also rohem Gemüse, Obst, Fleisch (etwa Tartar) und Fisch (etwa Sushi) sowie auf manchen Käsesorten und Rohmilchprodukten befinden sich Keime. Normalerweise sind sie harmlos, bei eingeschränktem Gesundheitszustand kann es jedoch günstiger sein, zeitweilig auf rohe Lebensmittel zu verzichten.
  • Geschältes rohes Obst und Gemüse weist eine geringere Belastung mit krankmachenden Keimen auf als ungeschältes: Krankheitserreger befinden sich oft auf der Schale.
  • Je frischer Obst und Gemüse sind, umso geringer ist in der Regel die Keimbelastung. Vorsicht gilt besonders bei abgepackten Salaten oder Pflücksalaten, die bereits geputzt in Plastikbeuteln verkauft werden. Diese sollte man zuhause möglichst rasch verbrauche. Besser: Salate ganz frisch selbst zubereiten.

Sauberkeit im Haushalt: Es geht auch ohne Desinfektionsmittel

Wenn die Ärzte nichts anderes vorschreiben, kommen die meisten Krebspatienten und Krebspatienten beim Putzen oder bei der Wäsche ohne Desinfektionsmittel aus. Grundsätzlich sehen Fachleute den Einsatz von Desinfektionsmitteln eher kritisch: Sauberkeit lässt sich durch keimtötende Lösungen oder Sprühmittel nicht ersetzen. Im Gegenteil: werden sie nicht richtig eingesetzt, können Desinfektionsmittel sogar eher schaden als nutzen.

Mehr dazu bietet das Bundesinstitut für Risikobewertung unter https://www.bfr.bund.de/de/fragen_und_antworten_zu_nutzen_und_risiken_von_desinfektionsmitteln_im_privathaushalt-190275.html.

Haustiere: Dürfen Patienten während einer Krebstherapie Haustiere halten?

Durch den Kontakt mit Haustieren können bestimmte Pilz- und Bakterieninfektionen, aber auch Würmer oder Einzeller übertragen werden. Dies gilt auch, wenn die Tiere selbst gesund sind und sauber gehalten werden.
Die meisten Keime finden sich im Tierkot.

Betroffene sollten Rücksprache mit ihrem behandelnden Arzt halten, ob sie bei einer Einschränkung der Immunabwehr den Kontakt mit Haustieren wie gewohnt beibehalten können oder zeitweilig einschränken müssen. Manchmal reicht es als Vorsichtsmaßnahme schon aus, wenn Patienten bis zur Besserung ihrer Gesundheit nicht selbst den Vogelkäfig oder die Katzentoilette saubermachen, sondern Verwandte, Freunde oder Haushaltshilfen diese Aufgabe übernehmen.

Müll, Kompost, Gartenarbeit: Darf man den Müll wegbringen, die Komposttonne füllen oder im Garten arbeiten?

In vielen Abfällen finden sich Bakterien, vor allem in Biomüll auch Pilze und ihre Sporen. In verrottenden Lebensmittelresten fühlt sich besonders der Schimmel- oder Fadenpilz Aspergillus wohl. Auch in Blumentöpfen von Zimmerpflanzen sowie in Gartenerde trifft man diese Pilze und einige andere krankmachende Keime.

Ist die Immunabwehr bei Krebspatienten stark eingeschränkt, können solche Keime schwere Infektionen in den Atemwegen auslösen, auch andere Organe oder sogar der ganze Körper werden davon unter ungünstigen Umständen in Mitleidenschaft gezogen.

Gefährdete Patienten sollten deshalb bei nachgewiesener Schwächung der Abwehrkräfte erst mit ihren Ärzten sprechen, bevor sie den Biomüll wegbringen, den Garten umgraben oder Blumen umtopfen.
Auch Baumaßnahmen, bei denen unter Umständen Schimmelpilze aus Verkleidungen, Bauholz, alten Mauern oder feuchten Wänden freigesetzt werden, sind je nach Allgemeinzustand zeitweilig ein Risiko.

Linktipps, genutzte Quellen