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Fieberthermometer © Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum

Entzündungen, Infektionen, Fieber bei Krebs

Biologische Grundlagen kurz erklärt

Während einer Krebserkrankung sind Patienten unter Umständen anfälliger für Entzündungen und Infektionen als Gesunde. Doch was ist eigentlich eine Infektion, was eine Entzündung? Was passiert in entzündetem Gewebe? Welche Rolle spielt das Immunsystem dabei? Warum reagiert der Körper manchmal mit Fieber?

Der folgende Text ist Teil umfassender Informationen zum Thema "Entzündung, Infektion, Fieber bei Krebspatienten". Er zeigt auf, wie der Körper auf Entzündungsreize und Infektionen reagiert. Er richtet sich an Patienten, Angehörige und Freunde. Interessierte finden zudem Hinweise auf die bei der Texterstellung genutzten Quellen sowie Links zu weiterführenden Informationen für Fachkreise.

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Genutzte Quellen und Links

Eine Gesamtübersicht der bei der Erstellung genutzten Quellen und Hinweise auf weiterführende Fachinformationen zum Thema findet sich im Kapitel "Fieber ohne Keime: Gibt es das bei Krebspatienten?" unter dem Stichwort "Verwendete Quellen und Fachliteratur für Interessierte und Fachkreise".

Entzündung: Auslöser, Abläufe, Symptome

Entzündung und Infektion sind nicht zwangsläufig das Gleiche, und hinter Fieber muss nicht immer ein Krankheitskeim stecken: Eine Entzündung ist zunächst eine eher unspezifische Reaktion des Körpers auf schädliche Reize. Ausgelöst werden Entzündungen beispielsweise durch

  • mechanische Verletzungen jeder Art (Schnitt, Abschürfung, andere), Druck (zum Beispiel bei Bettlägerigkeit), Strahlung (etwa UV-Strahlung oder im Rahmen einer Strahlentherapie), zu große Wärme oder zu große Kälte
  • Allergieauslöser (Allergene, von Tierhaaren bis hin zu Krebsmedikamenten)
  • Giftstoffe (vom Insektenbiss bis zu Zytostatika in der Chemotherapie)

und auch durch

  • Infektionen (Bakterien, Pilze, Viren, andere seltenere Krankheitserreger)

Symptome: Typische Anzeichen und ihre Abklärung

Sichtbar und spürbar für den Betroffenen wird eine Entzündung der Haut und der Schleimhäute zum Beispiel dadurch, dass das betroffene Gewebe rot und heiß wird, anschwillt und schmerzt. Entzündetes Gewebe ist außerdem in seiner ursprünglichen Funktion eingeschränkt: Der Sauerstoffaustausch ist beispielsweise bei entzündetem Lungengewebe schlechter als bei gesundem Gewebe: ein Grund für die Atemnot, unter der Patienten mit Lungenentzündung leiden. Bei einem Sonnenbrand oder gar einer großflächigen Verbrennung ist die Schutz- und Barrierefunktion der Haut beeinträchtigt: So können zusätzlich noch Keime das entzündete Gewebe besiedeln. Eine Entzündung der Darmschleimhaut kann zu Bauchschmerzen und Durchfall führen.
Je nach Umfang der Schädigung führt eine Entzündung außerdem zu einem allgemeinen Krankheitsgefühl, man fühlt sich abgeschlagen und müde, unter Umständen kommt Fieber hinzu.

Allgemeine Anzeichen für eine Entzündung finden sich auch im Blut: Deshalb gehört die Untersuchung einer Blutprobe zu den gängigen Maßnahmen zur Abklärung. Im Blutbild macht sich eine Entzündung dadurch bemerkbar, dass die Anzahl der weißen Blutkörperchen (Leukozyten) im Blut zu hoch oder zu niedrig ist. Eine beschleunigte Blutsenkungsgeschwindigkeit (BSG oder BKS) und ein erhöhtes C-reaktives Protein (CRP) im Blut sind ebenfalls Hinweise für einen entzündlichen Vorgang im Körper. Diese Blutwerte sagen jedoch nicht zwangsläufig etwas über den Auslöser der Entzündung aus. Fehlen typische Symptome, die einen Hinweis auf die Ursache liefern, müssen weitere Untersuchungen folgen, zum Beispiel die gezielte Suche nach Keimen, die für eine Infektion verantwortlich sind.

Biologie: Was passiert bei einer Entzündung?

Trifft ein entzündungsauslösender Reiz auf Gewebe, reagieren dort zunächst Abwehrzellen, die sogenannten Fresszellen oder Makrophagen. Sie setzen Botenstoffe des Immunsystems frei, die Zytokine. Diese lösen eine komplexe Abwehrreaktion aus: Die Blutgefäße weiten sich. Es kommt zu einer vermehrten Durchblutung, und die Gefäßwände werden durchlässiger. Im betroffenen Gewebe sammeln sich Flüssigkeit und verschiedene Untergruppen von weißen Blutkörperchen an. Diese sollen schädliche Stoffe und zerstörtes Gewebe sofort beseitigen und krankmachende Eindringlinge abtöten. Der Entzündungsprozess ist also zunächst Ausdruck einer Schutzreaktion des Körpers. Diese Reaktion des Immunsystems führt aber auch zu den typischen Symptomen.

Fieber als Symptom: Biologische Grundlagen

Die normale Körpertemperatur beim Menschen liegt zwischen 36 Grad und 37,8 Grad Celsius. Ab etwa 38 Grad Celsius hat der Mensch Fieber. Eine Körpertemperatur höher als 42,6 Grad Celsius führt zum Tod, weil wichtige biologische Moleküle zerstört werden.

Diese Angaben beziehen sich auf die sogenannte Kerntemperatur im Körperinneren: Die Haut, Hände, Füße und alle anderen Körperteile außerhalb des Körperinneren können deutlich kälter werden. Krebspatienten können zur Temperaturmessung handelsübliche Fieberthermometer nutzen. Es gibt die klassischen Maximalthermometer mit einer Quecksilber-Füllung. Inzwischen sind Thermometer mit einer digitalen Anzeige gebräuchlicher. Außerdem gibt es Thermometer, die mit einer Infrarot-Messung arbeiten und meist ins Ohr oder an die Stirn gehalten werden.

Wie genau die Messung ist, hängt allerdings davon ab, wo gemessen wird, auch die Art des Thermometers führt zu Abweichungen: Unter den Achseln ist die Temperatur meist niedriger als im Körperinneren, die Körperkerntemperatur lässt sich beispielsweise im Enddarm (rektal) messen. Auch die Messung im Ohr mit Infrarotthermometern führt meist zu höheren Werten, die eher der Kerntemperatur entsprechen.

Fieber ist ein wichtiges, aber keineswegs immer vorhandenes Symptom für eine Entzündung und/oder einer Infektion: Ältere Menschen haben beispielsweise generell eine niedrigere Körpertemperatur, und ihr Körper reagiert zudem seltener mit Fieber auf Krankheitskeime. Nehmen Patienten Medikamente wie zum Beispiel Steroide ("Kortison") oder Schmerzmittel (auch rezeptfreie), kann das Fieber "maskiert" sein: Diese Arzneimittel wirken fiebersenkend.

Biologie: Was passiert im Körper, wenn ein Mensch Fieber hat?

Bei einem gesunden Menschen sorgt ein Teil des Zwischenhirns dafür, dass sich die Körpertemperatur in engen Grenzen hält. Dieses Wärmeregulationszentrum im vorderen Hypothalamus hält den Sollwert der Körperkerntemperatur bei etwa 37 Grad Celsius konstant. Bei Fieber wird dieser "Thermostat" im Hypothalamus und damit der Sollwert höher gestellt. Ursache dafür sind sogenannte Pyrogene. Als Pyrogene bezeichnet man Stoffe, die Fieber auslösen. Typisch sind die Pyrogene, die von Krankheitserregern produziert werden, und die bei vielen Infektionen für Fieber als Symptom verantwortlich sind.
Es gibt jedoch auch körpereigene Pyrogene, zum Beispiel viele Zytokine, die Botenstoffe des Immunsystems. Daher führen viele immunologische Vorgänge im Körper ebenfalls zu Fieber, bei der Abwehr von Infektionen ebenso wie etwa bei schweren Allergien. Auch manche Krebsmedikamente wirken pyrogen. Und schließlich gibt bei manchen Tumorarten und in einigen Krankheitssituationen der Tumor selbst pyrogene Substanzen ab: So können Krebspatienten unter Fieber leiden, auch wenn sie keine Infektion aufweisen.

Der erhöhte Sollwert der Körpertemperatur wird erreicht, indem der Körper weniger Wärme abgibt. Er setzt die Hautdurchblutung herab und verengt auch weitere Gefäße im Körper. Beim Patienten macht sich dies durch kalte Hände und Füße, Frieren und Blässe bemerkbar. Der Körper versucht dann, mehr Wärme durch Muskelzittern zu produzieren, mit Schüttelfrost als Symptom. Weitere Anzeichen für die bei Fieber ablaufenden Stoffwechselveränderungen sind trockene Haut, glänzende, lichtempfindliche Augen, Erschöpfung, Appetitmangel, verminderte Urinausscheidung und Durst. Auch die psychische Verfassung kann beeinträchtigt sein, mit Anzeichen von Unruhe oder Verwirrtheit.

Senkt das Wärmeregulationszentrum den Sollwert wieder, versucht der Körper Wärme abzugeben. Die Durchblutung der Haut nimmt zu, und Betroffene schwitzen oft stark: Die Körpertemperatur fällt.

Infektion und Immunsystem: Kampf gegen Eindringlinge

Bei einer Infektion dringen Krankheitserreger in den Körper ein. Sie verbreiten sich dort und vermehren sich. Viele Infektionen verlaufen bei gesunden Menschen allerdings ganz ohne oder nur mit leichten Symptomen. Ihr Immunsystem erkennt und bekämpft die Angreifer. Mit vergleichsweise harmlosen Keimen auf der Haut, im Verdauungstrakt oder an den Geschlechtsorganen lebt ein gesunder Mensch sogar in einer Art Gleichgewicht, ohne Schaden zu nehmen.

Ist bei Krebspatienten die Abwehr aufgrund der Therapie, wegen des Tumors selbst oder wegen eines allgemein schlechten Gesundheitszustands geschwächt, werden viele Krankheitskeime zum Risiko, selbst sonst harmlose Erreger. Sie können sich kaum gebremst vermehren und in Bereiche des Körpers vordringen, in denen sie normalerweise nicht vorkommen. Infektionen verlaufen schwerer und schwächen den Körper stärker als bei Gesunden.

Biologie und Symptome: Anzeichen für Infektionen - was passiert im Körper?

Infektionen lösen alle Anzeichen einer Entzündungsreaktion aus: Sie entstehen, weil der Körper auf Krankheitskeime mit einer Immunantwort reagiert. Das gesamte Abwehrsystem wird mobilisiert, um die Eindringlinge zu bekämpfen. Fällt diese Reaktion zu schwach aus, können sich Infektionen im Körper ausbreiten. Im schlimmsten Fall, bei einer generalisierten Sepsis oder Blutvergiftung, verteilen sich Krankheitserreger über den Blutkreislauf im ganzen Körper und beeinträchtigen wichtige Organe in ihrer Funktion.

Die Symptome einer Infektion hängen vom betroffenen Gewebe oder Organ ab und auch von den Eigenschaften des auslösenden Erregers. Zu den allgemeinen Entzündungszeichen können daher noch infektionstypische Symptome kommen, wie zum Beispiel Husten bei Lungenbeteiligung oder Durchfall bei Darminfektionen. Bei älteren Menschen werden Anzeichen wie Schwäche und Müdigkeit oft nicht als ungewöhnlich wahrgenommen. Fieber ist häufig nur schwach ausgeprägt. Daher gelten bei betagten Patienten auch andere auffällige Veränderungen als Warnsignal, etwa ungewöhnliche Verwirrung oder Stürze ohne erkennbare Ursache.

Übertragungswege: Wie gelangen Krankheitserreger in den Körper?

Auslöser für Infektionen sind Bakterien, Pilze und Viren; andere Krankheitserreger spielen in Deutschland eine untergeordnete Rolle.
Solche Keime befinden sich überall in unserer Umgebung und gelangen über vielfältige Wege in den menschlichen Körper: durch Einatmen, etwa von Pilzsporen beim Entleeren des Biomülls, durch Verschlucken, etwa von verunreinigten Lebensmitteln oder unsauberem Wasser, aber auch durch kleine oder größere Wunden, vom Schnitt in den Finger bis zum Hundebiss. Sehr viele Krankheitskeime, etwa "Erkältungs-"Viren oder Grippe-Erreger, werden durch Handkontakt sowie durch kleine Tropfen beim Niesen oder Husten von Mensch zu Mensch weitergegeben. In den Körper gelangen sie dann, wenn man sich ohne Händewaschen zum Essen setzt oder die Schleimhäute von Mund, Nase oder Augen berührt.

Bei Operationen besteht immer eine gewisse Infektionsgefahr, und Keime finden selbst bei größter Sorgfalt gelegentlich über Infusionsnadeln oder Spritzen ihren Weg in den Körper. Blasenkatheter können zu Harnwegsinfektionen führen. Eine geschädigte Haut oder Schleimhaut nach einer Chemotherapie oder Bestrahlung wird ebenfalls zur Eintrittspforte für Krankheitserreger.
Eine Infektion wird darüber hinaus über Körperflüssigkeiten weitergegeben, vor allem über Blut. Ärzte, Pflegefachkräfte oder Mitarbeiter in medizinischen Labors achten daher besonders darauf, sich zum Beispiel nicht versehentlich an benutzten Spritzen zu stechen.

Nosokomiale Infektionen: Risiko im Krankenhaus

Ausgerechnet Krankenhäuser gelten heute als Orte, in denen Patienten besonderen Schutz vor Infektionen benötigen: Krebspatienten verbringen oft viel Zeit in der Klinik, ihre Abwehr ist durch die Krankheit geschwächt. Beides steigert ihr Infektionsrisiko. Eine Infektion während eines stationären Aufenthalts bezeichnet man als Krankenhausinfektion oder nosokomiale Infektion. Auch bei diesen gilt, dass schwerkranke Patienten besonders gefährdet sind, so das Robert Koch-Institut (www.rki.de). Die häufigsten nosokomialen Infektionen sind Harnweginfektionen wie etwa Blasenentzündungen und Nierenbeckenentzündungen, die zweithäufigsten Lungenentzündungen (Pneumonie), gefolgt von Wundinfektionen nach Operationen.

Fachleuten bereitet Sorgen, dass bei Infektionen in Krankenhäusern, in Heimen oder Pflegeeinrichtungen die Zahl sogenannter multiresistenter Erreger zunimmt: Besonders gefürchtet sind Methicillin-resistente Staphylococcus aureus (MRSA). Diese Keime haben ihr Erbmaterial so verändert, dass sie nicht mehr oder nicht mehr voll auf Antibiotika oder andere Medikamente ansprechen. Für Ärzte ist es deshalb schwieriger geworden, solche Infektionen zu behandeln. In der Krebsbehandlung hat die Sorge vor nosokomialen Infektionen dazu geführt, dass Patienten viel häufiger ambulant und nicht stationär behandelt werden, auch und gerade dann, wenn ihr Immunsystem geschwächt ist.

Welche Faktoren Entzündungen und Infektionen begünstigen und mit welchen vorbeugenden Maßnahmen Krebspatienten selbst Einfluss auf das Ausmaß von Entzündungen und Infektionen nehmen können, hat der Krebsinformationsdienst im folgenden Text zusammengestellt.