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Mann und Frau beim Kochen, Foto: STOCK4B Creative/Getty Images © Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum

Richtig trinken bei der Krebstherapie

Was und wie viel sollte man trinken?

Viel trinken ist wichtig. Mindestens eineinhalb bis zwei Liter pro Tag sollten es sein. Die meisten Menschen halten sich inzwischen auch an diese Empfehlung - das zeigt der zwölfte Ernährungsbericht der Deutschen Gesellschaft für Ernährung.
Doch wie sieht es bei einer Krebserkrankung aus? Muss man mehr trinken? Und wenn ja, was ist das richtige Getränk?

Der folgende Text des Krebsinformationsdienstes zeigt, worauf Patienten achten sollten, und bietet Linktipps zum Weiterlesen. Für Interessierte und Fachkreise sind zudem Hinweise auf Leitlinien und weitere Fachliteratur beigefügt.

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Quellen und Links

Eine Auswahl der genutzten Quellen ist am Textende aufgeführt. Weitere Quellen und Fachinformationen finden sich in verlinkten Texten, in denen der Krebsinformationsdienst einzelne Themen vertieft.

Richtig trinken: Was braucht der Körper täglich?

Wasserglas © lunaja, Fotolia
© lunaja/Fotolia

Warum benötigt man überhaupt Flüssigkeit? Wasser macht mehr als die Hälfte des menschlichen Gewichts aus: Keine Zelle "funktioniert" ohne die Flüssigkeit, die sie enthält. Der Organismus nutzt Wasser außerdem als Lösungs- und Transportmittel: Über das Blut und die Lymphflüssigkeit werden Sauerstoff, Nährstoffe, Salze oder auch Hormone und weitere Botenstoffe im Körper verteilt. Abbauprodukte des Stoffwechsels werden zu den Ausscheidungsorganen transportiert.

Durch Schweiß, Atemluft, Urin und Stuhl verliert man täglich etwa zwei- bis zweieinhalb Liter Flüssigkeit. Bei körperlicher Anstrengung, an warmen Tagen oder bei Erkrankungen kann es auch deutlich mehr sein.

  • Mindestens eineinhalb Liter bis zwei Liter pro Tag sollten Gesunde trinken, um ihren Stoffwechsel im Gleichgewicht zu halten.

Weitere Flüssigkeit kommt aus der Nahrung. Daher gilt: Wer eher "trockene" Lebensmittel auf dem Speiseplan stehen hat, muss mehr trinken als jemand, der gerne Suppen und saftiges Obst konsumiert.

Was passiert, wenn man zu wenig trinkt?

Durst ist bei Erwachsenen der wichtigste, aber kein sehr zuverlässiger Anzeiger für Flüssigkeitsmangel: Er setzt erst mit einer gewissen Verzögerung ein. Dann hat der Körper bereits mit "Wassersparmaßnahmen" begonnen: Hormone sorgen dafür, dass die Nieren den Harn stärker konzentrieren,  weniger Flüssigkeit wird ausgeschieden.
Hinzu kommt: Im Alter lässt das Durstgefühl bei vielen Menschen nach.  Weitere Anzeichen für Flüssigkeitsmangel, die viele Menschen aber oft nicht damit in Verbindung bringen, sind Müdigkeit, Konzentrationsprobleme, Stimmungsschwankungen und Kopfschmerzen.

Ist der Harn auffallend dunkel und riecht? Schwitzt man kaum noch, trotz großer Hitze oder starker körperlicher Anstrengung? Bleibt auf Unterarm oder Handrücken eine Falte "stehen", wenn man die Haut ein bisschen anhebt? Dann ist es allerhöchste Zeit, dem Körper Flüssigkeit zurück zu geben.

Stärkere Dehydrierung,  Dehydratation oder Exsikkose, so die Fachbegriffe, führen schnell zu ernsthaften Gesundheitsstörungen: Herz- und Kreislaufprobleme, Muskelkrämpfe und Bewusstseinsstörungen sind möglich.
Bei Kindern, Kranken oder auch älteren Menschen wird die Grenze zwischen Unwohlsein und echter Gefahr besonders schnell überschritten.  Dann reicht es unter Umständen auch nicht mehr aus, die verlorene Flüssigkeit "nachzutrinken": Im Notfall setzen Ärzte daher Infusionen ein, mit denen Flüssigkeit über eine Vene  oder unter die Bauchhaut gegeben wird.

Wird wieder Flüssigkeit zugeführt, erholt sich der Körper meist rasch. Das zeigt das Beispiel vieler Spitzensportler: Sie können selbst große Wasserverluste innerhalb vergleichsweise kurzer Zeit ausgleichen, ohne Schaden zu nehmen.
Wer aber langfristig zu wenig trinkt, muss mit Folgen für die Gesundheit rechnen: Das Risiko insbesondere für Erkrankungen der Nieren und Blase steigt.

Balance zwischen Wasser, Salzen und Eiweißen

Wie es mit dem Salzhaushalt aussieht, spielt ebenfalls eine Rolle für die Gesundheit. Bei starkem Schwitzen verliert man nicht nur Flüssigkeit, sondern auch sogenannte Elektrolyte, also wichtige Mineralstoffe. Dazu gehören vor allem Natrium und Kalium, aber auch Magnesium und Calcium.
Erbrechen und Durchfall sowie einige weitere Erkrankungen können dieses Gleichgewicht ebenfalls stören. Bei Krebspatienten gehört die Kontrolle des Elektrolythaushaltes in vielen Situationen zur Routine-Überwachung, zum Beispiel rund um Operationen.
Bei manchen Nierenerkrankungen steht als Problem dagegen tatsächlich "nur" der zu hohe Wasserverlust im Vordergrund. Bei anderen Formen von Nierenschäden, bei Blutverlust, größeren Wunden und Verbrennungen verliert der Körper dagegen auch Eiweiße. Sie beeinflussen ebenfalls, wie viel Flüssigkeit im Gewebe gespeichert wird.
Bei sehr fortgeschrittenen Krebserkrankungen kann das Gleichgewicht zwischen Proteinen und Flüssigkeit im Körper ebenfalls gestört sein.

Allgemeine Empfehlungen oder individuelle Beratung?

Wie trinkt man "richtig", worauf muss man achten? Jeder Mensch ist anders, und der Flüssigkeitsbedarf kann sich noch dazu von Tag zu Tag ändern, je nach Situation. Die meisten Empfehlungen für Gesunde orientieren sich daher am Durchschnitt - man sollte sie kennen, sie müssen aber nicht unbedingt immer "passen".  Auch für Krebspatienten gibt es keine pauschalen Vorgaben:

  • Wer wann was und wie viel trinken sollte, hängt von der individuellen Krankheitssituation ab.

Wichtig ist die Frage, ob gerade eine Behandlung erfolgt und wenn ja, welche. Der allgemeine Gesundheitszustand und eventuell vorliegende andere Erkrankungen spielen ebenso eine Rolle wie das, was man gegessen hat, wie viel man sich bewegt und welches Wetter gerade ist.

  • Die folgenden Tipps sind daher allenfalls als Anhaltspunkte gedacht. 
  • Erste Ansprechpartner für die Frage "Wie viel und was soll ich trinken?" sind die betreuenden Ärzte und Pflegekräfte.

Flüssigkeitshaushalt bei Krebspatienten: Wie viel ist richtig, wie viel ist zu viel?

Liegt die Krebserkrankung einige Zeit zurück, können sich die meisten Patienten an den Empfehlungen für Gesunde orientieren: Eineinhalb bis zwei Liter sollte man täglich mindestens trinken. Bei körperlicher Anstrengung und warmen Temperaturen dürfen es auch drei Liter und mehr sein, so die Deutsche Gesellschaft für Ernährung.

Die Trinkmenge sollte man gleichmäßig über den Tag verteilen: Der Mensch kann, anders als manche Tiere, Flüssigkeit nicht lange speichern. Morgens eine Tasse Kaffee, mittags in der Kantine ein Glas Wasser, und erst abends zuhause den Durst löschen - so kann man zwar auf die insgesamt empfohlene Trinkmenge kommen. Man muss aber tagsüber vermutlich mit Leistungseinbußen rechnen.

Gibt es Probleme mit der Flüssigkeitsaufnahme?
Wer das Trinken oft vergisst, kann sich mit einigen Tricks behelfen, bis regelmäßiges Trinken zur festen Gewohnheit wird: Vielen Menschen hilft es schon, die notwendigen Portionen in Sichtweite zu stellen. Reicht das nicht aus, stellt man sich einen Wecker oder programmiert das Handy entsprechend, um an die regelmäßige Flüssigkeitsaufnahme zu denken.
Gut sind auch Trinkprotokolle: Man notiert, was man zu sich genommen hat, und kann so leichter kontrollieren, was noch fehlt.

Kann man auch zu viel trinken?
Problematisch wird es bei Gesunden meist erst dann, wenn Flüssigkeitsaufnahme und Mineralhaushalt nicht mehr  zusammen passen. Das zeigen beispielsweise Untersuchungen an Hobbyläufern, die während eines Marathons sehr viel Wasser getrunken, aber den Salzverlust durch starkes Schwitzen nicht berücksichtigt hatten. Dann wird zu viel Wasser ins Gewebe eingelagert, in Hände und Füße, aber auch im Gehirn - was schnell gefährlich werden kann.

Vor Behandlungsbeginn: Nierenfunktion prüfen

Je älter ein Mensch wird, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass seine Nieren nicht mehr hundertprozentig "funktionieren" - was Betroffene in der Regel lange nicht bemerken und meist auch keine Gesundheitsgefahr bedeutet.
Anders sieht es aus, wenn eine weitere Erkrankung hinzukommt: Müssen die Nieren auch die Abbauprodukte von Krebsmedikamenten ausscheiden, kann dies bereits vorgeschädigte Organe überlasten.

Daher ist die Untersuchung der Nierenfunktion wichtig, wenn es um die Behandlungsplanung geht. Zeigen sich bei einem Betroffenen Probleme, werden die Ärzte nach Möglichkeit versuchen, die Therapie anzupassen.

Ähnliches gilt für andere Erkrankungen, die sich während der Krebsbehandlung auf den Flüssigkeitshaushalt auswirken können: Ein Beispiel sind manche Herzerkrankungen oder auch Bluthochdruck, gegen die Betroffene oft sogenannte Diuretika einnehmen. Diese Mittel erleichtern die Ausschwemmung von Flüssigkeit aus dem Körper. Ob sie sich mit den Tumormedikamenten "vertragen" oder nicht und worauf Patienten achten müssen, gehört ebenfalls zur Behandlungsplanung. 

  • Ob man während einer Behandlung mehr oder anders essen und vor allem trinken sollte als bisher, gehört  insgesamt zu den wichtigen Themen für das Aufklärungsgespräch.

Was kann bei Krebspatienten durch die Behandlung oder die Erkrankung selbst anders sein als bei Gesunden? Welche Auswirkungen kann die Behandlung haben, was bedeuten bestimmte Krankheitssituationen oder Begleiterscheinungen für den Flüssigkeitshaushalt?  
Hier hat der Krebsinformationsdienst eine Auswahl von Situationen zusammengestellt, in denen sich Betroffene  durch ihre behandelnden Ärzte, Ernährungsfachleute oder Pflegespezialisten beraten lassen sollten.

Chemotherapie

Zytostatika, die Arzneimittel zur Chemotherapie, sind Zellgifte: Sie greifen Krebszellen wegen ihrer hohen Teilungsrate zwar stärker an als gesunde Zellen. Trotzdem können Zytostatika auch andere Gewebe schädigen, darunter die sich schnell erneuernden Schleimhäute.
Ausgeschieden werden die meisten Zytostatika über Niere und Blase. Das Risiko einer Schädigung planen Ärzte bei der Auswahl und Durchführung der Chemotherapie aber bereits mit ein: Mit der Infusion der Medikamente erhält man viel Flüssigkeit und bei Bedarf auch blasenschützende Medikamente.
Zusätzlich sollte man in den ersten Tagen nach der Chemotherapie viel trinken, solange, bis die Arzneimittel wieder ausgeschieden sind. Krankenhäuser und Arztpraxen halten entsprechendes Informationsmaterial bereit. Ärzte und Pflegefachleute klären individuell darüber auf, wie viel man trinken soll und wie lange es dauert, bis alle Zytostatika ausgeschwemmt sind.

Übelkeit, Erbrechen, Durchfall

Wer unter Erbrechen leidet, verliert Flüssigkeit und eventuell auch Salze. Das Problem: Betroffenen fällt es genau dann schwer, ausreichend zu trinken oder gar zu essen.

Gute Erfahrungen machen viele Menschen bei Übelkeit mit sehr kalten Getränken, andere Patienten empfinden dies als eher unangenehm. Einige Getränke können den Magen reizen, oder auch die Schleimhäute in Mund und Speiseröhre. Saure und geschmacksintensive Säfte vertreiben zwar üblen Geschmack - ob sie gut vertragen werden, ist eine andere Frage. Ihre Säure kann zudem die Zähne angreifen, die beim Erbrechen durch Magensäure sowieso schon strapaziert werden.

  • Mit welchen Getränken man bei Übelkeit und Erbrechen „auf der sicheren Seite“ ist, sollte man daher Arzt oder Pflegefachleute fragen.
  • So lässt sich auch klären, ob das, worauf man Lust hat und als angenehm empfindet, auch bedenkenlos getrunken werden kann.

Hängt das Erbrechen ursächlich mit der Krebstherapie oder der Erkrankung selbst zusammen, sind gezielte Medikamente gegen Übelkeit wichtig. Diese muss der Arzt verschreiben, "Hausmittel" oder rezeptfreie Arzneimittel reichen oft nicht aus.
Ist es relativ wahrscheinlich, dass die Therapie oder die Erkrankung zu Übelkeit führen werden? Dann verordnen Ärzte solche Medikamente schon vorbeugend, etwa bei der Chemotherapie.

Durchfall kann bei Krebspatienten ganz unterschiedliche Ursachen haben. Auch hier gilt: Zwar müssen Flüssigkeits- und Elektrolythaushalt möglichst rasch wieder ausgeglichen werden. Doch was man trinkt, ist bei gestörter Verdauung nicht ganz unwichtig. Hält Durchfall länger als wenige Stunden an, ist Beratung durch die behandelnden Ärzte sinnvoll.

Fieber und Infektionen

Der Flüssigkeitsbedarf ist bei Fieber meist deutlich höher als normal. Dann ist schneller Ausgleich wichtig, um den Kreislauf stabil zu halten: Flüssigkeit geht nicht nur durch Schwitzen, sondern auch durch intensivere Atmung verloren.

Fieber ist bei Krebspatienten oft, aber nicht immer Anzeichen einer Infektion. Erhöhte Körpertemperatur kann auch als Nebenwirkung einiger Medikamente auftreten. Und schließlich kann Fieber auch ein Begleitsymptom einiger Krebsarten und mancher Krankheitssituationen selbst sein.

  • Worin die Unterschiede bestehen, was man selbst tun kann und wann man unbedingt Kontakt mit dem Arzt aufnehmen sollte, ist in Texten zu „Fieber und Infektionen bei Krebs“ zusammengestellt.

Verändertes Durstgefühl, Mundtrockenheit

Wie sieht es mit dem Trinken aus, wenn das Durstgefühl fehlt? Nicht nur für ältere oder pflegebedürftige Krebspatienten kann dies zum Problem werden. Manche Medikamente verändern die Wahrnehmung ebenfalls, etwa manche Schmerzmittel.
Dann hilft es, nach "Plan" zu trinken: mit abgemessenen Portionen, die tagsüber in Sichtweite stehen, und mit Trinkprotokollen.

Als Nebenwirkung mancher Arzneimittel kann jedoch auch ein gesteigertes Durstgefühl auftreten. Dann ist die Frage wichtig:
Hat sich der Flüssigkeitsbedarf tatsächlich geändert, weil man mehr ausscheidet (etwa bei sogenannten Diuretika, die die Nierentätigkeit anregen) und muss man mehr trinken?
Oder führen die Medikamente vor allem zu einem trockenen Mund? Betroffenen Patienten hilft es, den Mund regelmäßig zu befeuchten. Hier sollte man allerdings vorsichtig sein: Alles, was Zähne und Zahnfleisch angreifen könnte, ist dafür nicht geeignet, Obstsäfte sind als „Mundspülung beispielsweise tabu.
Ärzte können die genauen Vorgänge im Körper, die das Durstgefühl beeinflussen, zudem der sogenannten Fachinformation für das jeweilige Arzneimittel entnehmen und dann klären, wie am besten Abhilfe geschaffen werden kann.

Was ist, wenn das Problem länger anhält? Eine mehr oder weniger ausgeprägte Mundtrockenheit, eine sogenannte Xerostomie,  kann aufgrund einer Schädigung der Speicheldrüsen auftreten, etwa nach der Bestrahlung von Tumoren im Kopf-Hals-Bereich. Dauerhaft mit einem trockenen Mund zu leben, ist für Betroffene nicht nur sehr unangenehm, es können auch langfristige Folgeschäden auftreten.
Mit guter und individuell angepasster Mundpflege lässt sich das Risiko von Schluckstörungen, Zahn- und Zahnfleischschäden jedoch deutlich mindern. Informationen für Patienten hat der Krebsinformationsdienst daher in einem eigenen Text zusammengestellt.

Inkontinenz

Was tun, wenn man aufgrund einer Krebserkrankung den Harndrang nicht mehr kontrollieren kann?
Für die meisten Menschen sind Probleme mit der Kontinenz enorm belastend: Den Urin nicht zurückhalten zu können, ist ihnen nicht nur peinlich; die Versorgung mit Vorlagen, Inkontinenzslips oder Stomabeuteln stellt sie auch vor  viele ganz praktische Probleme und manche Einschränkungen.

  • Definitiv der falsche Weg: weniger zu trinken, um nicht so oft zur Toilette zu müssen.

Flüssigkeitsmangel löst das Problem mit der Kontinenz nicht, kann aber gefährlich werden: Abgesehen von den allgemeinen Folgen von Austrocknung  werden die Ausscheidungsorgane zu wenig durchspült. Die Gefahr von Reizungen und Infektionen steigt.
Der bessere Weg ist eine gut an die individuelle Situation angepasste Versorgung. Hilfe bieten die behandelnden Ärzte. Die Krankenversicherungen vermitteln ausgebildete Berater, die bei der Auswahl der richtigen Produkte unterstützen.
Viele Informationen vermittelt auch die Deutsche Kontinenzgesellschaft e.V. unter www.kontinenz-gesellschaft.de. Für Patienten mit einem Stoma bietet die Deutsche ILCO e.V. Informationen und Beratung, persönlich vor Ort und unter www.ilco.de.

Flüssigkeitseinlagerungen

Eine Krebserkrankung oder ihre Behandlung können den Flüssigkeitshaushalt des Körpers noch auf eine andere Art stören: durch die Einlagerung von Flüssigkeit im Gewebe oder in Körperhöhlen.

Nach Operationen oder Bestrahlungen ist das betroffene Gewebe bei vielen Menschen für einige Tage bis Wochen geschwollen. Diese Flüssigkeitseinlagerung bildet sich in der Regel von selbst zurück.
Anders sieht es aus, wenn bei einem Eingriff oder einer Strahlentherapie die Lymphknoten und –bahnen betroffen waren oder ein Tumor auf die Lymphgefäße drückt: Dann kann sich ein sogenanntes Lymphödem entwickeln, weil die Gewebeflüssigkeit nicht mehr wie üblich abtransportiert wird.
Bei Patienten mit sehr fortgeschrittener Erkrankung kommt es unter Umständen zur Einlagerung von Flüssigkeit in der Bauchhöhle, zu einem sogenannten Aszites. Auch zwischen Brustkorb und Rippen kann sich Flüssigkeit bilden, als sogenannter Pleuraerguss.

Es nützt Betroffenen nichts, die Trinkmenge zu reduzieren, im Gegenteil: Weder ein Lymphödem noch Aszites oder ein Pleuraerguss bilden sich so zurück. Aber der Allgemeinzustand kann sich durch Flüssigkeitsmangel verschlechtern.
Was Patienten tun können und wie Ärzte helfen können, hat der Krebsinformationsdienst in zwei eigenen Texten zusammengestellt:

Weitere individuelle Krankheitssituationen

Schließlich können eine Krebserkrankung oder ihre Behandlung auch dazu führen, dass Betroffene ganz praktische Probleme damit haben, ausreichend zu trinken oder etwas zu finden, was sie gut vertragen:

Dazu gehören etwa Patienten, die durch die Erkrankung zeitweilig oder auf Dauer Schwierigkeiten beim Schlucken haben, oder Patienten, die bettlägerig sind und sich deshalb beim Essen leicht verschlucken können. Auch Schmerzen und Entzündungen in Mund, Rachen oder Speiseröhre müssen bei der Auswahl geeigneter Getränke berücksichtigt werden. Ein weiteres Beispiel sind Patienten mit Knochenmetastasen, bei denen der Elektrolythaushalt schnell aus dem Gleichgewicht kommen kann.

In solchen Situationen ist es kaum möglich, pauschale Tipps zum richtigen Trinken zu geben, schon gar nicht über das Internet:
Wichtig für Betroffene ist die Beratung durch die behandelnden Ärzte und Pflegefachleute. Auch eine gezielte Ernährungsberatung kann helfen: Ansprechpartner finden sich heute in den meisten Krebszentren und „Reha“-Kliniken. Ambulant behandelte Patienten können sich bei der Suche nach Ernährungsfachleuten an ihre Ärzte und ihre Krankenkasse wenden.
Müssen Betroffene aufgrund ihrer Erkrankung und deren Behandlung mit Schluckstörungen rechnen, kann auch eine logopädische Behandlung die Situation verbessern.
Wer Angehörigen oder Freunden bei der Versorgung Schwerkranker Unterstützung bieten kann, ist im Text "Pflege bei und nach Krebs" aufgelistet.

Nur Wasser oder "mit Geschmack": Welche Getränke sind gesund?

Grapefruits und ihr Saft können die Wirksamkeit von Medikamenten beeinflussen © cut/Fotolia
Grapefruits enthalten Stoffe, die sich mit manchen Medikamenten nicht vertragen. © cut/fotolia

Eine vergleichsweise banale Botschaft: Mit Wasser können Krebspatienten eigentlich kaum etwas falsch machen. Ob mit oder ohne Kohlensäure, ist ebenfalls weitgehend nur eine Geschmacksfrage, solange man keine Verdauungsprobleme hat.
Auch die Temperatur eines Getränks spielt unter gesundheitlichen Aspekten eine weit geringere Rolle, als viele Menschen es gelernt haben.

Was, wenn man nicht immer nur Wasser trinken möchte? Dann sollte man einige Punkte beachten, vor allem wenn man gerade in Behandlung ist: 

  • Grapefruits und ihr Saft enthalten Stoffe, die die Verstoffwechselung mancher Medikamente stören können. 
  • Multivitaminsäfte sehen viele Experten ebenfalls kritisch: Die zugesetzten Vitamine gelten als gesund. Ob man sie wirklich benötigt, ist jedoch eine andere Frage. Und auch sie können die Wirkung einiger Formen der Krebstherapie behindern. 
  • Alkohol ist für Krebspatienten während der Therapie zwar nicht völlig verboten. Man sollte jedoch bedenken, dass die Wirkung einiger Arzneimittel dadurch verstärkt wird, andere dagegen wirken schwächer. Ob man Alkohol konsumieren darf und wenn ja, wo die Grenze liegt, sollte man auf jeden Fall mit den Ärzten klären.
  • Kaffee hat bei vielen Menschen in Sachen Gesundheit einen schlechten Ruf – zu Unrecht: Wer Kaffee bisher gut vertragen hat, muss in der Regel auch bei der Krebstherapie nicht darauf verzichten. Für alle Fälle sollte man die Ärzte fragen, ob es zu unerwünschten Wechselwirkungen mit Arzneimitteln kommen kann. Dies gilt auch für Liebhaber von Schwarz- und Grüntee. 
  • Kräuter- und Heiltees werden in ihrer gesundheitlichen Wirkung dagegen häufig überschätzt: Auf jeden Fall sind Heiltees, die tatsächlich einen Einfluss auf Stoffwechsel oder Organfunktionen haben, keine Durstlöscher für jeden Tag. Abgesehen von unerwünschten Wirkungen bei zu hohem Konsum gilt auch hier: Wechselwirkungen einiger Inhaltsstoffe mit Arzneimitteln sind nicht ausgeschlossen. Welche Wechselwirkungen insbesondere Matcha-Tee mit Medikamenten haben kann, können Interessierte und Fachkreise auf krebsinformationsdienst.med nachlesen.

Energie in flüssiger Form

Für Krebspatienten wie für Gesunde lohnt es sich außerdem, einen Blick auf den Kaloriengehalt ihrer Getränke zu werfen: Die Experten der Deutschen Gesellschaft für Ernährung raten dazu, zuckerhaltige Limonaden nicht täglich zu trinken. Auch den Energiegehalt von Säften oder Getränken mit püriertem Obst oder Gemüse ("Smoothies") sollte man nicht unterschätzen.

Diese Empfehlungen gelten jedoch für Gesunde und für Krebspatienten, die nicht unter Appetitlosigkeit oder Gewichtsverlust leiden.  Hat man Probleme mit dem Essen und schafft es nicht, ausreichend Energie über feste Nahrung zu sich zu nehmen? Dann können kalorienreiche Getränke bei sorgfältiger Zusammenstellung auch eine kleine Mahlzeit ersetzen oder ergänzen.

Kräftig nachspülen: Warum muss man Arzneimittel mit Flüssigkeit einnehmen?

Wichtig ist eine ausreichende Trinkmenge auch bei der Einnahme von Medikamenten. Das fängt mit dem Schlucken an: Wer nicht richtig "nachspült", riskiert, dass eingenommene Tabletten erst verzögert im Magen oder Darm ankommen und die Speiseröhre reizen.
Hinzu kommt: Der Körper kann insbesondere wasserlösliche Arzneistoffe überhaupt nur aufnehmen, wenn sie mit einer ausreichenden Menge Flüssigkeit im Verdauungstrakt "ankommen". Auch die Konzentration, mit der Medikamente tatsächlich im Stoffwechsel wirken, hängt vom aktuellen Flüssigkeitshaushalt des Körpers ab. 

Weitere Tipps zu Medikamenten bietet auch der Text "Vom Rezept zum Beipackzettel: Arzneimittelinformationen".

Anhang: Trinken in der letzten Lebensphase

Für Krebspatienten kann es sehr belastend sein, wenn eine fortschreitende Erkrankung Essen und Trinken erschwert. Um eine ausreichende Versorgung mit Flüssigkeit und Nährstoffen aufrecht zu erhalten, benötigen die meisten fachkundige Beratung und Unterstützung durch Ärzte und Pflegekräfte.
Wie eine gute Ernährungstherapie aussieht, welche Rolle sie für die Lebensqualität spielt und wer bei der Versorgung hilft, hat der Krebsinformationsdienst beim Thema "Ernährung bei Krebs" zusammengestellt.

In der letzten Lebensphase beobachten Experten jedoch, dass die meisten Betroffenen keinen Hunger und auch kaum noch Durst haben. Angehörigen und selbst vielen Pflegenden und Ärzten fällt es oft sehr schwer, dies zu akzeptieren.
Aufzwingen sollte man Betroffenen jedoch nichts. Auch Infusionen oder die Gabe von Flüssigkeit über Magensonden sind bei Menschen in den letzten Lebenstagen nicht unbedingt sinnvoll. Im Gegenteil: Studien zeigen, dass Patienten die Flüssigkeitsgabe um jeden Preis wenig nützt und die Hydrierung sogar schaden kann.
Wichtiger ist es, auf alle Wünsche individuell einzugehen: Ob ein Getränk "gesund" ist oder die Menge "ausreichend", spielt dementsprechend nur eine sehr untergeordnete Rolle. Gegen Mundtrockenheit hilft gute Pflege, mehr dazu im Text "Mundtrockenheit", im Abschnitt "Mundtrockenheit bei Patienten am Lebensende".

Quellen: Linktipps, Hintergründe, Fachinformationen (Auswahl, Stand September 2014)

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