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Mann und Frau beim Kochen, Foto: STOCK4B Creative/Getty Images © Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum

Einfluss der Behandlung: Wie wirkt sich die Therapie auf die Ernährung aus?

Worauf man beim Essen und Trinken während einer Krebstherapie achten sollte

Muss man als Krebspatient immer mit Übelkeit bei der Chemotherapie rechnen? Kann eine Strahlentherapie die Lust am Essen und Trinken nehmen? Soll man rund um eine Krebsoperation länger fasten oder Diät halten? Beim Thema Essen und Trinken sind viele Krebspatienten unsicher: Manche haben Angst, das Falsche zu trinken und zu essen. Andere befürchten, dass es ihnen während der Therapie nicht gut gehen wird und sie deshalb gar nichts essen können, vor allem bei einer Chemotherapie. Allerdings gilt: Längst nicht alle Methoden der Krebsbehandlung wirken sich auf die Nahrungsaufnahme aus. Und nicht jeder Krebspatient muss automatisch mit Einschränkungen oder einer Mangelversorgung rechnen.

Was für Patienten während einer Krebsbehandlung wichtig ist, hat der Krebsinformationsdienst im folgenden Text zusammengestellt. Interessierte und Fachleute finden am Seitenende weiterführende Informationen. Wichtig zu wissen: Informationen aus dem Internet dienen einer ersten Orientierung. Sie ersetzen auf keinen Fall das Gespräch mit den behandelnden Ärzten.

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Quellen

Eine Auswahl wichtiger Quellen und Fachinformationen findet sich am Ende des Textes, einen allgemeinen Überblick bietet auch der Text "Mehr wissen zu Ernährung bei Krebs: Links, Adressen, Fachinformationen".

Vor einer Krebsbehandlung: Gute Planung - wie ist der Ernährungszustand?

Die Ernährungssituation vor einer Krebsbehandlung unterscheidet sich von Patient zu Patient. Daher gibt es für Betroffene nur wenige pauschale Tipps. Eher gilt für Fachleute die Empfehlung, auf den Einzelnen zu achten. Wie gut Ernährungs- und Allgemeinzustand eines Betroffenen sind, hängt von vielen Faktoren ab: Eine Rolle spielen Tumorart und Krankheitsstadium, mehr dazu im Text "Einfluss der Erkrankung: Wie kann man die Ernährung anpassen?". Aber auch Lebensalter oder Begleiterkrankungen können einen Einfluss haben. Als ein Beispiel etwa ältere Menschen: Viele essen und trinken zu wenig oder zu unausgewogen und sind deshalb nicht selten mangelernährt. Wer dagegen stark übergewichtig ist oder Diabetes hat, wird unter Umständen anders auf die Krebstherapie reagieren als Normalgewichtige und auch anders als jemand, der unter Untergewicht leidet. Die behandelnden Ärzte oder in größeren Krebszentren auch geschulte Ernährungsteams erfassen deshalb bereits vor einer Krebsbehandlung den Ernährungszustand des Betroffenen. Fachleute sprechen vom sogenannten "Ernährungsassessment" oder "Mangelernährungsscreening". Wie dieses genau abläuft, mit welchen Untersuchungen und Fragen man als Patient in diesem Zusammenhang rechnen kann, beschreibt der Krebsinformationsdienst im Text "Kräfte sammeln und bewahren: Was tun bei Gewichtsverlust?".

Als Patient sollte man bei der Therapieplanung seine Ärzte außerdem darauf aufmerksam machen, wenn

  • man unter Unverträglichkeiten leidet,
  • man bisher besondere Diäten eingehalten hat,
  • man regelmäßig Nahrungsergänzungsmittel oder Ähnliches einnimmt oder
  • andere ernährungsbezogene Besonderheiten vorliegen.

Operationen: Nüchtern bleiben, aber wie lange?

Vor und nach chirurgischen Eingriffen werden viele Patienten auch unter ernährungsmedizinischen Gesichtspunkten intensiv betreut: Operationen sind je nach Umfang mehr oder weniger belastend. Ein Beispiel: Nach einer großen Operation im Bauch oder im Mund ist bei der Ernährung etwas mehr Geduld notwendig als etwa nach einem kleinen Eingriff an der Haut. Hinzu kommt: Je schlechter der Allgemeinzustand eines Betroffenen bereits vor einer Operation ist, desto höher sind in der Regel auch die Risiken vieler Eingriffe.

Hat ein Betroffener bereits stark abgenommen oder gibt es Hinweise auf Mangelernährung, empfehlen Fachleute sogar unterstützende Ernährungsmaßnahmen sieben bis zehn Tage vor dem Eingriff. Das gilt selbst dann, wenn dadurch die Operation kurzfristig aufgeschoben werden muss: Damit man selbst wieder etwas "zu Kräften kommt", wird das in Kauf genommen. Notwendig ist dieses Vorgehen beispielsweise häufig bei Patienten mit Magenkrebs und Leberzellkarzinom: Viele erhalten einige Tage bis Wochen vorher schon Präparate zur ergänzenden Ernährung mit für sie wichtigen Nährstoffen. Dazu muss man aber meist nicht im Krankenhaus sein: Diese Trinknahrung oder "Astronautenkost" kann man schon zuhause zu sich nehmen. Ziel dieser Ernährungstherapie ist es, so widerstandsfähig wie möglich gegen die Belastung der Behandlung zu werden. Wenn es Probleme mit der Verträglichkeit, der Verdauung oder der Menge der Nahrung gibt, sind auch unterstützende Infusionen als sogenannte parenterale Ernährung möglich.

Trinken und Essen unmittelbar vor Operationen

Viele Menschen haben Angst davor, rund um eine Operation längere Zeit fasten zu müssen. Im Vergleich zu früher haben sich die Zeiträume aber verkürzt, in denen man vor einer Operation nichts mehr trinken und essen sollte: In der Regel darf man vor Operationen klare Flüssigkeiten bis zu etwa zwei Stunden vor Narkosebeginn trinken. Feste Nahrungen sind dagegen meist schon etwa sechs Stunden zuvor nicht mehr erlaubt. Das bedeutet: Findet der Eingriff morgens statt, dann erhält man die letzte Mahlzeit am Vorabend. Warum muss man überhaupt mit leerem Magen operiert werden? Damit soll vermieden werden, dass beim Einleiten der Narkose Flüssigkeit vom Magen in die Luftröhre gelangt.

  • Achtung: Welche Vorgaben zum Essen und Trinken vor der Operation jeweils individuell gelten, erfahren Betroffene von ihren behandelnden Ärzten und Pflegefachkräften direkt in der Klinik.

Trinken und Essen unmittelbar nach Operationen

Grundsätzlich empfehlen Fachleute, nach unkomplizierten Operationen möglichst schnell wieder normal zu trinken und zu essen. Wenn irgend möglich, wird man deshalb als Patient schon bald angehalten, etwas zu trinken, und bekommt die erste normale Mahlzeit, wenn die Wartezeit nach der Narkose und die Intensivüberwachung vorbei sind.
Ob man ohne künstliche Ernährung oder Schonkost auskommt, hängt aber von Art und Ausmaß des Eingriffs, von der Tumorart sowie vom individuellen körperlichen Zustand ab. So können fast alle Brustkrebspatientinnen nach einer brusterhaltenden Operation schnell wieder normal essen und trinken. Ähnlich sieht es bei Männern mit Prostatakrebs aus oder bei Patienten mit Operationen, die nicht die Mund- und Atemwege oder den Verdauungstrakt betreffen.

Nach größeren Bauchoperationen sollte man darauf achten, dass das verletzte Gewebe durch Verdauungsvorgänge nicht zu sehr belastet wird. Daher ist unter Umständen eine schonende Ernährung notwendig, auch dann, wenn der Darm selbst nicht betroffen war: Zumindest während der ersten Tage vertragen Betroffene oft nicht alle Speisen. Sind Verdauungsprobleme zu erwarten, erhält man anfangs Infusionen oder angepasste Trink- oder Sondennahrung. Nach der Entlassung nach Hause reicht es aber auch nach Eingriffen im Bauchraum für die meisten Patienten aus,

  • auf Blähendes zu verzichten und
  • schwer verdauliche Speisen vorübergehend zu vermeiden, bis die Wundheilung abgeschlossen ist.

Für eine reibungslose Wundheilung ist es außerdem gut, sich möglichst gesund und ausgewogen zu ernähren.

Besonderheiten bei Eingriffen in Mund, Hals, Speiseröhre, Magen, Bauchspeicheldrüse oder Darm

Wer an einem Tumor im Mund, in Rachen oder am Kehlkopf operiert wird, benötigt in der ersten Zeit Unterstützung in Ernährungsfragen. Genauso geht es Patienten mit Speiseröhrentumoren, Magenkrebs, Bauchspeicheldrüsenkrebs oder Krebs des Dünndarms, Dickdarms oder Enddarms. Für sie ist meist schon bei der Behandlungsplanung absehbar, dass sie in der ersten Phase nach ihrer Operation nicht normal essen können oder zumindest nicht genug. Dann kann künstliche Ernährung sinnvoll sein, entweder als alleinige Versorgung oder als Ergänzung. Als Faustregel dafür gilt:

  • Ein Patient kann bis zu sieben Tage nach einer Operation nicht normal essen.
  • Ein Patient kann für mehr als zehn Tage nicht die empfohlene Energiemenge über normales Essen zu sich nehmen.

Als Betroffener erhält man oft in den ersten Tagen nach großen Eingriffen Flüssigkeit oder ausgewogene Nährstofflösungen über einen Tropf in eine Vene. Die Zusammenstellung sorgt dafür, dass man weder Hunger noch Durst verspürt. Das Legen der Venenzugänge kann kurzfristig schmerzen. Außerdem sind länger liegende Infusionsnadeln oder zentrale Venenkatheter im ersten Moment vielleicht etwas störend und ungewohnt. Die meisten Patienten gewöhnen sich jedoch nach kurzer Zeit daran.

Eine Alternative, mit der sich Probleme ebenfalls überbrücken lassen, ist Sondenernährung. Sie kommt für Patienten mit Krebs im oberen und unteren Verdauungstrakt infrage, also nach Eingriffen in Mund, Rachen, Speiseröhre, Magen oder Darm. Über eine Sonde erhält man besonders aufbereitete Nahrung. Bis man wieder normal essen und trinken kann, wird so der operierte Bereich geschont und kann in Ruhe verheilen. Was das bedeutet, wenn man eine Ernährungssonde über die Nase oder die Bauchdecke erhält, erläutert der Text "Kräfte sammeln und bewahren: Was tun bei Gewichtsverlust?".

Diese Ernährung mit Infusion oder Sonde muss nicht zwangsläufig dazu führen, dass man solange im Krankenhaus bleiben muss: Patienten können die Ernährungstherapie auch nach der Entlassung zuhause fortsetzen, wenn sie noch nicht wieder wie üblich essen und trinken können. Unterstützung bieten Ernährungsberater und vor allem spezialisierte Teams aus der häuslichen Pflege oder Brückenpflege. Viele Rehabilitationseinrichtungen, die sogenannten "Nachsorgekliniken", sind ebenfalls auf die besondere Situation bei Tumoren in Mund, Rachen, Speiseröhre und dem weiteren Verdauungsbereich spezialisiert. Sie bieten zudem Ernährungsschulungen an.

Chemotherapie: Essen und trinken trotz Übelkeit?

Davor haben viele Menschen besonders große Angst: Übelkeit bei der Chemotherapie. Gegen diese Nebenwirkung vieler Medikamente lässt sich etwas tun. Trotzdem gilt: Der Appetit, die Geschmackswahrnehmung, der Zustand der Mundschleimhaut und die Lust am Essen sind bei vielen Patienten während einer Chemotherapie nicht wie sonst. Die Gründe dafür sind vielfältig. Was hilft dagegen? Die pauschale Antwort lautet: Während der Chemotherapie sollte man vor allem essen, worauf man Lust hat. Das kann durchaus etwas anderes sein als bisher: Viele Patienten mögen unter einer Chemotherapie kein Essen, das stark riecht oder sehr intensiv schmeckt. Andere bekommen dagegen Lust auf geschmackliche Abwechslung zum Beispiel auch bei Gewürzen und merken, dass Lebensmittel ihren Appetit anregen, die sie sonst eher ablehnen. Die meisten Experten empfehlen deshalb "Wunschkost". Erlaubt ist das, worauf man gerade Lust hat, solange dadurch auf Dauer nicht eine ausgeprägte Mangelversorgung zu befürchten ist. Die individuelle Verträglichkeit spielt ebenfalls eine Rolle.

Sollte man vorab eine Ernährungstherapie durchführen, wenn eine Chemotherapie ansteht? Die Europäische Gesellschaft für klinische Ernährung (ESPEN) weist darauf hin, dass es bisher keinen Nachweis für den Nutzen einer von vornherein unterstützten Ernährung bei einer Chemotherapie gibt. Dies gilt auch dann, wenn ausgeprägte Appetitlosigkeit oder Erbrechen auftreten oder erwartet werden.

  • Man braucht nicht automatisch oder gar von Beginn der Chemotherapie an Trinknahrung, "Astronautenkost", andere besondere Nahrungsmittel, Vitamine oder Diäten.
  • Die Flüssigkeits- und Nährstoffversorgung sollte man so lange wie möglich über normale Lebensmittel und ganz normale Mahlzeiten aufrecht erhalten.
  • Wichtig: Auch wenn man sich während der Chemotherapie eine Zeitlang eher einseitig ernährt, sollte man trotzdem auf Nahrungsergänzungsmittel verzichten und zum Beispiel keine zusätzlichen Vitamine auf eigene Faust einnehmen. Sonst riskiert man unter Umständen unerwünschte Wechselwirkungen, nicht nur mit den Zytostatika selbst, sondern auch mit den Begleitmedikamenten, die vor Nebenwirkungen schützen sollen.

Was tun, wenn man trotzdem unter Nebenwirkungen der Chemotherapie zu leiden hat?

Übelkeit und Erbrechen

Diese früher gefürchtete Nebenwirkung lässt sich heute vergleichsweise gut auffangen: Patienten erhalten schon gleich mit der ersten Chemotherapie Medikamente, die Übelkeit und Erbrechen möglichst vollständig unterdrücken. Fachleute sprechen von sogenannten "Antiemetika". Sie dürfen nicht zu niedrig dosiert sein. Muss man trotz der vorbeugenden Mittel erbrechen, sollte man das unbedingt den Ärzten sagen. Hat der Körper einmal "gelernt", auf die Chemotherapie mit Erbrechen zu reagieren, kann später selbst das Betreten eines Krankenhausflures oder der Geruch in einer Arztpraxis Übelkeit auslösen. Fachleute sprechen dann von "antizipatorischem Erbrechen".

Entzündungen in Mund und weiterem Verdauungstrakt

Die Zellgifte oder "Zytostatika", die gegen Krebszellen eingesetzt werden, richten sich auch gegen andere schnell wachsende Zellen. Dazu gehören zum Beispiel Schleimhäute oder Haarwurzeln. Zwar arbeiten Wissenschaftler heute intensiv an der Entwicklung von Medikamenten, die gezielt Tumorgewebe schädigen. Noch leiden aber viele Patienten gerade bei den wirkungsvollsten Chemotherapeutika zeitweilig unter entzündeten Schleimhäuten in Mund, Speiseröhre und Darm. Bei manchen Patienten ist auch der Geschmack beeinträchtigt.

Eine entzündete Mundschleimhaut, eine sogenannte Mukositis, führt zu Schmerzen beim Kauen und Schlucken. Man hat weniger Lust zum Essen und Trinken. Sind die Darmschleimhäute entzündet, kann es zu Durchfällen kommen. Möglicherweise nimmt man dadurch zu wenige Nährstoffe zu sich. Als ersten Schritt kann man zunächst versuchen, andere Lebensmittel zu verwenden oder sie anders zuzubereiten. Was helfen kann, erläutern die behandelnden Ärzten. In vielen Krankenhäusern gibt es beratende Ernährungsteams, oder der Arzt kann zur qualifizierten Ernährungsberatung überweisen.

Worauf sollte man achten, wenn man eine Mukositis hat? Dies beschreibt der Krebsinformationsdienst im Text "Fieber, Entzündungen und Infektionen bei Krebspatienten: Behandlung und Linderung". Wichtig ist in dieser Zeit auch eine gute Mundhygiene, mehr dazu im Text "Mund- und Zahnpflege bei Krebs". Vor Beginn der Krebsbehandlung und am Ende der Behandlung sollte man seinen Zahnarzt bitten, die Mundgesundheit zu kontrollieren.

Bestrahlungen: Auch die Verdauung betroffen?

Bei vielen Behandlungsverfahren kann eine Strahlentherapie heute so individuell gesteuert werden, dass gesundes Gewebe weitgehend geschont wird. Liegt der Verdauungstrakt nicht im Bestrahlungsfeld, müssen Betroffene in der Regel ihre Essgewohnheiten nur wegen der Bestrahlung nicht umstellen.

Anders sieht dies aus, wenn Mund, Speiseröhre, Magen, Bauchspeicheldrüse oder Darm im Strahlenfeld liegen. Die meisten Patienten merken auch dann nicht allzu viel. Der Grund: Schwere Verbrennungen oder dauerhafte Schäden zum Beispiel der Speiseröhre oder der Darmschleimhaut sind heute selten geworden. Während der Bestrahlung selbst sollte man trotzdem auf eine sorgfältig zusammengestellte Auswahl der Lebensmittel und Getränke achten, um weitere Reizungen zu vermeiden. Zwei Beispiele: Wird der Brustkorb bestrahlt, sollte man saure, scharfe oder stark gewürzte Speisen eher vermeiden, um Schleimhautschäden in Rachen und Speiseröhre nicht zu fördern. Wer irgendwo am Bauch bestrahlt wird, bekommt unter Umständen Durchfälle. Auch er sollte Nahrungsmittel auswählen, die seine Darmschleimhaut nicht noch mehr reizen. Pauschale Empfehlungen sind jedoch schwierig: Worauf man achten solle, erfährt man von seinen behandelnden Ärzten.

Soll man vorbeugen? Eine besondere Ernährungstherapie, nur weil allgemein eine Bestrahlung ansteht, sei nicht notwendig, so Fachgesellschaften.

  • Anders sieht es aus, wenn die Bestrahlung die normale Ernährung mit großer Wahrscheinlichkeit beeinträchtigen wird. Drohen Gewichtsverlust oder Mangelernährung, empfehlen Fachleute den frühzeitigen Einsatz von Trinknahrung und eine intensive Beratung durch Ernährungsspezialisten.

Besonders häufig treten solche Probleme mit dem Essen bei Patienten auf, die im Kopf- und Halsbereich bestrahlt werden müssen. Ist das Essen wegen Mundtrockenheit sowie Entzündungen in Mund, Rachen oder Speiseröhre beschwerlich und schmerzhaft? Dann helfen eventuell schmerzlindernde Mittel, die der Arzt verschreibt. Unter Umständen benötigen betroffene Patienten eine Zeitlang auch eine Magensonde, um Mund und Rachenraum zu umgehen. Dies kann insbesondere dann der Fall sein, wenn jemand aufgrund der Tumorerkrankung Schwierigkeiten mit dem Schlucken hat.

Wie diese Beschwerden in Mund, Rachen und Speiseröhre gelindert werden können und auf was Patienten bei der Ernährung achten sollten, ist im Text "Fieber, Entzündungen und Infektionen bei Krebspatienten: Behandlung und Linderung" zusammengestellt. Weitere Informationen finden sich auch im Text "Mundtrockenheit nach Bestrahlung – was tun?".

Nahrungsergänzungsmittel: Vitamine und Mineralstoffe bei Bestrahlung?

Viele Patienten wünschen sich während einer Strahlentherapie eine Möglichkeit, Nebenwirkungen zu lindern oder ihr Immunsystem zu stärken. Besonders beliebt sind Vitamintabletten und Spurenelemente – sie werden im Internet häufig als besonders wichtig bei Bestrahlung beworben. In den offiziellen Leitlinien zur Krebstherapie spielen diese Produkte aber gar keine Rolle beziehungsweise es wird davon abgeraten. Bei den meisten Präparaten handelt es sich nicht einmal um echte, geprüfte Arzneimittel, sondern um sogenannte Nahrungsergänzungsmittel. Das gilt auch für fast alle Produkte, die man in der Apotheke kaufen kann.

Warum diese Zurückhaltung? Fachleute sehen den Griff zur Vitamintablette zunehmend kritisch. Zumindest von der Theorie her könnten manche Vitamine und Mineralstoffe die Wirkung einer Strahlentherapie verringern. Diese Überlegungen gelten vor allem für sogenannte Antioxidantien, die ja gerade wegen ihrer zellschützenden Wirkung beworben werden.

  • Wer Vitamine, Spurenelemente oder Ähnliches einnehmen möchte, sollte dies mit seinem Strahlentherapeuten absprechen.

Zielgerichtete Krebstherapien: Nebenwirkungen nicht ausgeschlossen?

Auch die Einnahme von zielgerichteten Krebsmedikamenten kann sich auf die Ernährungssituation auswirken. Pauschale Aussagen sind jedoch schwierig. Ein Grund: Zu dieser Gruppe von Arzneimitteln gehören ganz unterschiedliche Stoffe. Ihnen ist nur gemeinsam, dass sie gezielt gegen Merkmale wirken, die auf oder in Tumorzellen häufiger vorkommen als in gesundem Gewebe. Bei einigen Wirkstoffen sind Durchfälle, Übelkeit, Erbrechen, Verstopfung oder Bauchschmerzen möglich, auch Geschmack- oder Appetitverlust. Vergleichsweise viele zielgerichtete Arzneistoffe führen zu Haut- und Schleimhautschäden. Daher sind auch entzündete Mundschleimhäute als Nebenwirkung nicht ausgeschlossen. Ob Nebenwirkungen auftreten, und wenn ja, welche, hängt vomjeweiligen Medikament ab. Nebenwirkungen können aber auch von Patient zu Patient unterschiedlich sein.

  • Patienten sollten deshalb vor der Behandlung mit ihrem Arzt besprechen, ob Nebenwirkungen, die die Ernährung betreffen, überhaupt möglich sind. Der Arzt hilft dann auch weiter, was sich im Zweifelsfall dagegen tun lässt.

Schmerztherapie: Besser versorgt bei besserer Lebensqualität?

Wer unter Schmerzen leidet, für den ist Essen oft zweitrangig. Der Appetit leidet schon bei vergleichsweise geringen Beschwerden. Erhält man eine ausreichende Schmerztherapie, normalisiert sich meist aber auch die Ernährungslage: Der Appetit kehrt zurück.
Neben diesen positiven Effekten gibt es jedoch einige Dinge, auf die man achten sollte: Einige Schmerzmedikamente können als Nebenwirkung die Verdauung erschweren. Dagegen lässt sich jedoch etwas tun.

Schmerzmittel aus der Gruppe der nicht-steroidalen entzündungshemmenden Medikamente können den Magen reizen. Viele Menschen kennen diese Nebenwirkung vom bekanntesten Vertreter dieser Gruppe, dem "Aspirin" (ASS). Spürt man, dass man diese Arzneimittel nicht gut verträgt, sollte man seinen Arzt informieren: Um Entzündungen oder Blutungen vorzubeugen, kommen dann Begleitmedikamente in Frage, die die Säurewirkung der Schmerzmittel hemmen. Eine Alternative, falls die Magenbeschwerden sehr ausgeprägt sind: Der Arzt verschreibt das Schmerzmedikament in einer anderen Darreichungsform, etwa als Zäpfchen.

Eine Besonderheit gibt es bei den Opioiden oder Morphinen: Patienten, die regelmäßig diese Arzneimittel gegen ihre Schmerzen erhalten, haben oft Verstopfung. Die Wirkstoffe setzen die Beweglichkeit des Darms herab. Diese Verstopfung muss von Beginn der Schmerztherapie an konsequent behandelt werden. Hausmittel wie Leinsamen oder andere Ballaststoffe reichen dazu nicht aus. Der Arzt kann Abführmittel zusammen mit einem Morphinpräparat auf einem Rezept verordnen. Die Kassen erstatten bei diesen Patienten auch die Kosten für entsprechende Medikamente, obwohl man diese normalerweise selbst bezahlen muss. Dabei handelt es sich um eine der Ausnahmeregelungen zur Kostenerstattung für nicht rezeptpflichtige Medikamente, mehr dazu beim Gemeinsamen Bundesausschuss, www.g-ba.de, Stichwort "OTC-Übersicht").
Die bei Beginn der Schmerztherapie mit Morphinen gelegentlich auftretende Übelkeit verliert sich bei den meisten Patienten rasch. Nur selten ist es notwendig, Mittel einzunehmen, die die Übelkeit unterdrücken.

Mehr zur Schmerztherapie und ihren Zusammenhängen mit der Ernährung hat der Krebsinformationsdienst in den Texten "Schmerztherapie bei Krebspatienten" zusammengestellt.

Medikamente und Mahlzeiten: Worauf sollte man achten?

Pillen, Kapseln oder Dragees schlucken, womöglich mehrmals täglich? Während einer Krebstherapie kann das unter Umständen einige Zeit zum Alltag gehören. Die Versuchung ist groß, das Einnehmen durch das Lieblingsgetränk zu erleichtern oder einen Nachgeschmack mit einem Happen Essen zu überlagern. Doch nicht alle Medikamente vertragen sich mit jedem Getränk oder allen Lebensmitteln. Dass man Tabletten nicht mit Milch einnehmen sollte, wissen viele Patienten – sie kann zum Beispiel die Aufnahme mancher Antibiotika behindern. Weniger bekannt ist, dass auch Grapefruit als Obst oder Saft bestimmte Vorgänge des menschlichen Stoffwechsels behindert. Da die Inhaltsstoffe von Grapefruits und Grapefruitsaft mit einer großen Zahl von Arzneimitteln in Wechselwirkungen treten, raten Fachleute hier generell zu Vorsicht. Verschiedene Tees und Kaffee reagieren unter Umständen ebenfalls mit einigen Mitteln, ebenso Cola-Getränke und natürlich Alkoholika.
Vorsicht ist außerdem geboten, wenn man zielgerichtete Krebsmedikamente oder Chemotherapeutika als Tabletten einnimmt. Man sollte dann im Vorfeld mit seinen Ärzten oder Apothekern möglichst genau besprechen, wann und wie die Arzneimittel eingenommen werden sollen. Ist es möglich, die Tablette direkt zum Essen zu nehmen, oder sollte dies lieber ein oder zwei Stunden vor oder nach dem Essen geschehen?
Allgemeine und weiterführende Informationen zur Medikamenteneinnahme hat der Krebsinformationsdienst im Text "Vom Rezept zum Beipackzettel: Arzneimittelinformationen" zusammengestellt. Wer Medikamente mit Leitungswasser einnimmt, ist in der Regel auf der sicheren Seite. Vorausgesetzt, in der Packungsbeilage steht nichts Anderes oder Arzt und Apotheker empfehlen nichts Abweichendes.
Wer eine künstliche Ernährung über eine Ernährungssonde und Arzneimittel darüber erhält, für den gilt: Der Patient selbst oder Menschen, die ihn betreuen, sollten mit dem behandelnden Arzt und den Pflegenden Rücksprache halten, wie die Medikamente über die Sonde gegeben werden und auf was dabei zu achten ist.

Schutz vor Infektionen: Während der Krebstherapie nur Gekochtes essen?

Die meisten Patienten müssen selbst während einer Krebstherapie keine Angst vor Krankheitserregern im Essen haben: Ihre Immunfunktion kann zwar zeitweilig eingeschränkt sein, vor allem bei einer Chemotherapie, einer sehr umfänglichen Bestrahlung oder bei allgemein schlechtem Gesundheitszustand. Die körpereigene Abwehr ist aber selten so beeinträchtigt, dass rohe oder unverarbeitete Lebensmittel, wie etwa nicht ausreichend erhitztes Fleisch, Rohmilchprodukte, Schimmelkäse, Vollkornprodukte oder rohes Gemüse und Obst grundsätzlich für sie ein Problem darstellen würden. Unter Umständen sollte man aber aufgrund von anderen Nebenwirkungen einer Krebstherapie wie etwa Entzündungen im Mund und Verdauungsproblemen auf einige der genannten Speisen verzichten. Deshalb ist es wichtig: Wer sich bezüglich der Ernährung unsicher ist und Fragen hat, sollte sich an seinen behandelnden Arzt oder betreuende Pflegefachkräfte wenden. Hintergründe zum Schutz vor Infektionen und zur Hygiene im Haushalt finden Interessierte im Text "Häufige Fragen zu Ansteckung, Fieber, Infektionen bei Krebs".

Anders sieht es vor allem für Patienten nach einer Hochdosis-Chemotherapie oder seltener nach einer Hochdosisbestrahlung aus: Diese Therapie wird vor allem dann eingesetzt, wenn bei Leukämien oder Lymphomen die Zellen des Immunsystems selbst erkrankt sind. Das Abwehrsystem Betroffener wird weitgehend zerstört und erholt sich erst nach einer Stammzellspende. Ihr Körper wird zeitweilig selbst mit sonst harmlosen Keimen nicht fertig. Diese Behandlungen werden nur in hoch spezialisierten Krankenhäusern durchgeführt. Dort erhalten Krebspatienten besonders zubereitete und je nach Bedarf sterilisierte Speisen.

Quellen: Weiterführende Informationen für Interessierte und Fachkreise (Auswahl, Stand 11/2014)