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Mann und Frau beim Kochen, Foto: STOCK4B Creative/Getty Images © Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum

Kräfte sammeln und bewahren: Was tun bei Gewichtsverlust?

Mangelernährungsscreening, Ernährungsassessment, künstliche Ernährung

Dass sie schon Monate vor Diagnosestellung an Gewicht verloren hatten, wird manchen Krebspatienten erst im Nachhinein klar. Im Verlauf der Erkrankung nehmen einige Patienten noch weiter Gewicht ab. Die Gründe dafür können eine anstrengende Therapie sein oder ein Fortschreiten der Erkrankung. Hat ein Patient nicht nur allgemein Gewicht verloren, sondern auch Muskelmasse abgebaut, sprechen Fachleute von Kachexie. Doch unter dieser extremen Form der Auszehrung leiden längst nicht alle Krebspatienten. Und längst nicht alle Krebspatienten benötigen Trinknahrung, "Astronautenkost" oder müssen auf andere Weise "künstlich" ernährt werden.

Wann sollten sich Patienten und Angehörige an Fachleute wenden? Was lässt sich mit professioneller Hilfe erreichen? Antworten darauf hat der Krebsinformationsdienst im folgenden Text zusammengestellt. Ein Gespräch mit Fachleuten können diese Informationen jedoch nicht ersetzen.

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Quellen

Interessierte und Fachleute finden weiterführende Informationen und als Quelle genutzte Fachliteratur am Seitenende sowie im Text "Mehr wissen zu Ernährung bei Krebs: Links, Adressen, Fachinformationen".

Ernährungssituation: Wie gut ist man als Patient versorgt?

Bin ich gut ernährt oder leide ich an einer Mangelversorgung? Diese Frage können viele Betroffene für sich selbst gar nicht so eindeutig beantworten. Das Gewicht allein ist nicht ausschlaggebend. Um zu klären, ob Patienten bei der Ernährung Unterstützung benötigen, setzen Fachleute aber nicht nur Untersuchungen ein: Sie fragen auch gezielt nach.
Die Fachbegriffe dafür lauten "Mangelernährungsscreening" – also Tests auf tatsächliche Versorgungsprobleme und "Ernährungsassessment" – also das Erfassen der gesamten Ernährungssituation. Beides zusammen ermöglicht eine umfassende Diagnose von Ernährungsproblemen. Ernährungsfachkräfte oder ernährungsmedizinisch geschulte Ärzte berücksichtigen zudem eine ganze Reihe von Einflussfaktoren.

An erster Stelle steht ein Gespräch. Möchte man sich als Patient oder Angehöriger auf diesen Austausch vorbereiten, hilft es, sich vorher einige Dinge zu überlegen oder sogar aufzuschreiben:

  • Habe ich in der letzten Zeit Gewicht verloren, ohne es zu wollen oder eine Diät zu machen?
  • Welche Medikamente nehme ich aktuell ein?
  • Wie sieht mein individueller Energie- und Nährstoffbedarf aus? Wie viel esse und trinke ich tatsächlich? Wie viel bewege ich mich?
  • Welche Wünsche und Vorstellungen habe ich bezüglich meiner Ernährung? Was schmeckt mir, was nicht? Was esse und trinke ich normalerweise, was nicht?
  • Welche Gewohnheiten habe ich beim Essen und Trinken? Esse ich gerne in Gesellschaft oder lieber alleine? Esse ich am liebsten zuhause oder gehe ich auch gerne aus?
  • Vertrage ich bestimmte Speisen und Lebensmittel nicht? Habe ich Unverträglichkeiten oder Allergien?
  • Bin ich beim Kauen oder Schlucken eingeschränkt? Fällt es mir schwer, selbständig zu essen und zu trinken, etwa weil ich zu schwach, zu müde oder in meiner Beweglichkeit eingeschränkt bin?
  • Liegen Begleiterkrankungen bei mir vor, etwa eine Zuckerkrankheit, Allergien, Lähmungen aufgrund eines Schlaganfalls, oder gibt es sonstige Gesundheitsprobleme? Leide ich unter Schmerzen?
  • Habe ich Probleme beim Riechen oder Schmecken von Speisen?
  • Fehlt mir der Appetit?
  • Ist mir öfter übel? Oder muss ich sogar manchmal erbrechen?
  • Leide ich an Verstopfung oder Durchfällen?
  • Sind bereits Verdauungsprobleme bekannt, die die Versorgung einschränken? Können etwa Nährstoffe nicht ausreichend über den Darm aufgenommen oder verstoffwechselt werden? Oder gibt es Nierenprobleme?

Warum sind pauschale Empfehlungen nicht möglich?

Schon an diesen Fragen kann man erkennen: Welche Unterstützung Betroffene tatsächlich benötigen, hängt ganz von ihrer eigenen Situation ab. Körperlich aktive Krebspatienten benötigen eine andere Ernährung als Patienten, die in ihrer Bewegung eingeschränkt sind. Auch Betroffene mit einer fortgeschrittenen Krebserkrankung haben meist ganz andere Bedürfnisse als Patienten, deren Tumor erfolgreich behandelt werden konnte.

  • Für Patienten und ihre Angehörige bedeutet dies: Pauschalrezepte für eine gute und richtige Ernährung während einer Krebserkrankung gibt es praktisch nicht. Auch ein professioneller "Ernährungssupport" wird immer auf die Bedürfnisse des Einzelnen abgestimmt.

Kommt es zu Ernährungsproblemen, ist zudem die Unterscheidung wichtig:

Wer nach einer professionellen Ernährungsberatung sucht, findet dazu weiterführende Informationen im Text:

Mangelernährungsscreening: Wie wird nicht ausreichende Versorgung festgestellt?

In der Regel wird der Ernährungszustand eines Krebspatienten bereits bei der Diagnosestellung mit erfasst. Fachleute empfehlen, die Situation im Verlauf einer Erkrankung kontinuierlich weiter zu beurteilen.

Für Patienten bedeutet das: Man wird unter Umständen gewogen oder nach Körpergewicht und Körpergröße gefragt. Möglicherweise erkundigt der Arzt sich danach, wie viel und was man pro Tag ungefähr isst und trinkt und wie aktiv man ist. Besonders wichtig ist die Frage nach einem ungewollten Gewichtsverlust in den letzten Monaten. Es kann auch vorkommen, dass man diese Fragen in einem Fragebogen vorgelegt bekommt und sie schriftlich beantworten muss. Außerdem ermitteln Ärzte in einer körperlichen Untersuchung, ob bereits Fett und Muskeln abgebaut wurden, oder ob sich Wasser in Beinen oder Bauch eingelagert hat.
Das Ganze dauert in der Regel nur wenige Minuten. Das Screening kann im Krankenhaus, in einer Arztpraxis oder in einer Pflegeeinrichtung stattfinden.

Welche Rolle spielt der BMI?

Fachleute haben verschiedene Verfahren und Abschätzungsmöglichkeiten entwickelt, um Statur und Ernährungszustand eines Menschen zu erfassen. Etwas genauer als die Angabe des Körpergewichts allein ist beispielsweise der Körpermassenindex (englisch: Body Mass Index – BMI): Dieser Wert wird ermittelt, indem man das Körpergewicht in Kilogramm durch das Quadrat der Körpergröße (Körpergröße mal Körpergröße) teilt.

Normal ist für erwachsene Menschen ein BMI zwischen 18,5 Kilogramm pro Quadratmeter Körperoberfläche und 24,99 Kilogramm pro Quadratmeter Körperoberfläche (kg/m²). Was unter 18,5 Kilogramm pro Quadratmeter Körperoberfläche liegt, gilt als Untergewicht, Werte über 25 als Übergewicht. Ab einem BMI von 30 kg/m² wird Übergewicht als Fettleibigkeit oder Adipositas bezeichnet.

Bei Krebspatienten ist der BMI allein jedoch nicht immer geeignet. Anstelle des Körpermassenindex kommen daher je nach Situation noch weitere Möglichkeiten der Abschätzung in Frage, zum Beispiel andere Berechnungsformeln. Auch die Messung des Körperfettanteils mit besonderen Waagen und Geräten oder das Messen des Bauchumfangs erleichtert die Beurteilung. So lässt sich zuverlässiger klären, ob das Gewicht eines Krebspatienten nicht etwa durch eingelagertes Wasser verfälscht wird, zum Beispiel bei einem Lymphödem oder durch Flüssigkeitseinlagerungen im Bauch.

Ab wann sprechen Fachleute von Mangelernährung?

Ein Mensch wird aus medizinischer Sicht als mangelernährt eingestuft, wenn er

  • einen BMI kleiner als 18,5 Kilogramm pro Quadratmeter Körperoberfläche hat, oder
  • einen ungewollten Verlust von zehn Prozent seines Körpergewichts in den letzten drei bis sechs Monaten, oder
  • einen BMI unter 20 Kilogramm pro Quadratmeter Körperoberfläche UND einen unbeabsichtigten Gewichtsverlust von mehr als fünf Prozent des Ausgangskörpergewichts in den letzten drei bis sechs Monaten hat.

Zeigen sich bei den ersten Fragen und Untersuchungen Ernährungsprobleme, kann ein etwas ausführlicheres Ernährungsassessment folgen. Dessen Ergebnis bildet die Basis für eine Ernährungstherapie. Sie soll dafür sorgen, dass ein Betroffener ausreichend mit Nährstoffen versorgt ist und nicht weiter Gewicht verliert. Auch der Erhalt einer möglichst guten Lebensqualität spielt eine große Rolle. Studien zeigen: Eine professionelle Ernährungsbetreuung mit regelmäßiger Beratung und Besprechung wirkt sich bei vielen Menschen positiv auf Nahrungsaufnahme, Körpergewicht und Lebensqualität aus.

Was verstehen Fachleute unter Anorexie, Kachexie, Sarkopenie, Exsikkose?

  • Anorexie: Den Begriff Anorexie verwenden Fachleute, um eine ausgeprägte Appetitlosigkeit bei Patienten zu beschreiben. Wer unter einer starken Abneigung gegen Essen leidet und auch keinen Hunger verspürt, verliert in der Regel an Gewicht. Patienten mit Anorexie allein haben grundsätzlich jedoch keine körperlichen Probleme damit, Nährstoffe aufzunehmen und diese auch zu verwerten.
  • Kachexie: Kachexie steht bei Krebspatienten dagegen für einen ungewollten Gewichtsverlust, der mit weiteren Symptomen einhergeht. Wer kachektisch ist, verliert nicht nur Fettmasse, sondern sehr früh auch Muskelmasse. Kachexie wird vorwiegend durch eine veränderte Stoffwechsellage verursacht, meist direkt ausgelöst durch den Tumor. Der Körper verbrennt mehr Fett und verbraucht mehr Eiweiße. Im Körper von Betroffenen laufen außerdem kontinuierliche geringe bis mittlere Entzündungsreaktionen ab. Als Patient fühlt man sich deshalb müde und schwach. Zu einer Kachexie kommt oft noch eine Anorexie hinzu: Viele Betroffene haben einfach keinen Appetit.
  • Sarkopenie: Unter Sarkopenie verstehen Fachleute einen altersbedingten Verlust an Muskelmasse und Muskelkraft. Grund dafür ist, dass der Stoffwechsel mit höherem Lebensalter eingeschränkt ist, beispielsweise ist der Aufbau von Eiweißen erschwert. Beschleunigt wird der Abbau von Muskelmasse darüber hinaus durch einen Mangel an körperlicher Aktivität und einem insgesamt schlechten Allgemein- oder Ernährungszustand. Eine Sarkopenie kann, muss aber nicht mit einem Gewichtsverlust einhergehen.
  • Exsikkose: Insbesondere ältere Patienten nehmen von sich aus oft zu wenig Flüssigkeit zu sich. Trocknet der Körper stark aus, sprechen Fachleute von der sogenannten Exsikkose oder Dehydrierung. Patienten, Angehörige und Betroffene merken das, wenn sie eine Hautfalte vom Handrücken abheben und diese dann einfach stehen bleibt und nicht mehr zurückgleitet.

Wie lässt sich der persönliche Kalorienbedarf einschätzen?

Wie schätzen Fachleute den Energieverbrauch ein? Zunächst gelten folgende Faustregeln: Wer aufstehen kann, benötigt etwa 25 bis 30 Kilokalorien (kcal) pro Kilogramm Körpergewicht. Für körperlich aktive Tumorpatienten setzen Fachleute etwa 30 Kilokalorien pro Kilogramm Körpergewicht an. Wer überwiegend im Bett liegen muss, für den reichen unter Umständen schon 20 bis 25 Kilokalorien pro Kilogramm Körpergewicht aus, um nicht (weiter) abzunehmen. Kommen krankheits- oder therapiebedingte Probleme hinzu, kann die Situation aber ganz anders aussehen.

Die Einschätzung des Kalorienbedarfs sollten Patienten und ihre Angehörigen deshalb nicht selbst vornehmen. Besser stimmt man alle Maßnahmen gemeinsam mit den behandelnden Ärzten, Pflegefachkräften oder Ernährungsteams ab. So lassen sie sich leichter an die jeweilige Situation anpassen, denn Abweichungen können von Patient zu Patient groß sein. Nicht alle Krebspatienten müssen zwangsläufig mehr essen: Nicht nur zu wenige, sondern auch zu viele Kalorien können in manchen Situationen ungünstig sein.

Wie lässt sich kontinuierlich erfassen, wie viel man isst und trinkt?

Fachleute empfehlen insbesondere Patienten mit dem Risiko einer Mangelernährung, ein Ernährungs- und Trinkprotokoll oder ein Ernährungstagebuch zu führen. Darin wird notiert, was und wie viel man isst und trinkt.
Um sich ein Bild davon zu machen, wie viel Energie man verbraucht, wird zusätzlich festgehalten, wie viel man sich bewegt. Auch auftretende Probleme und Beschwerden wie Erbrechen, Durchfall, Verstopfung und so weiter kann man dort dokumentieren.

Ältere Krebspatienten: Welche Besonderheiten gibt es bei ihnen?

Ältere Menschen sind rein statistisch häufiger von Mangelernährung betroffen als Jüngere. Vielen fehlt es deshalb bereits zum Zeitpunkt der Krebsdiagnose an einer ausreichenden Zufuhr von Flüssigkeit, Energie und Nährstoffen. Durch die Krebserkrankung steigt ihr Risiko für eine Mangelernährung außerdem überdurchschnittlich stark. Sie brauchen deshalb besondere Aufmerksamkeit von ihren Ärzten und allen, die sie versorgen. Entscheidungen für oder gegen unterstützende Maßnahmen sollte man jedoch individuell treffen. Das heißt auch hier: Keine Pauschalrezepte – was sich ein Betroffener wünscht, sollte berücksichtigt werden. Wichtig ist die Abwägung von Nutzen und Risiken insbesondere dann, wenn eine aktive Ernährungstherapie notwendig wäre, die ältere Menschen unter Umständen auch als Belastung erleben können.

Ernährungstherapie: Was gehört dazu, was nicht? Was kann man erwarten?

Experten empfehlen Krebspatienten, so lange wie möglich ganz normal zu essen. Auch dann, wenn man so nicht die notwendige Kalorienzahl schafft, sollte man eine ernährungstherapeutische Unterstützung zunächst eher als Zusatz ansehen und nicht als Ersatz für normales Essen. Kann durch eine individuelle Diätberatung, durch die Anreicherung von normalen Speisen oder die Ergänzung mit Trinknahrung, sogenannten oral bilanzierten Diäten, die Ernährungssituation nicht verbessert werden? Dann empfehlen Fachleute in Leitlinien weitere Maßnahmen.

  • Künstliche Ernährung: Als künstliche Ernährung bezeichnet man die Anwendung jeder Form von zusätzlicher Nahrung. Dazu gehört die Nahrungsergänzung, die Patienten noch selbst über den Mund aufnehmen und schlucken, als orale Nahrungssupplementation. Hinzu gehört auch die enterale Ernährung, also die Ernährung über Sonden, die aber immer noch in den Verdauungstrakt führen. Und schließlich ist auch die parenterale Ernährung eine Möglichkeit, bei der der Verdauungstrakt umgangen wird und Flüssigkeit, Nährstoffe, Vitamine und weitere wichtige Stoffe direkt ins Blut gegeben werden. Hauptziel jeder künstlichen Ernährung ist es, krankheitsbedingter Mangelernährung vorzubeugen oder sie zu behandeln.
    Eine Ernährungstherapie setzt die Erfassung der Ernährungssituation (Ernährungsassessment) und eine entsprechende Diagnose durch Fachleute voraus. Sie übernehmen die Verschreibung aller notwendigen Produkte, deren Vorbereitung und Gabe. Um zu prüfen, wie es so ernährten Patienten geht, gehört auch die Überwachung zu einer künstlichen Ernährung,das sogenannte Monitoring.
  • Ernährungsplan: Ein Ernährungsplan bildet die Grundlage für jede Maßnahme der Ernährungstherapie. Er beinhaltet folgende Informationen: Wie viele Kalorien und welche Nährstoffe benötigt man? Was sind die Ziele bei einer Ernährungstherapie, auch "Ernährungsintervention" genannt? Wie werden sie gemessen und überwacht? Wie soll die Ernährungsunterstützung genau aussehen? Soll man nur Trinknahrung oder möglichst noch normale Nahrung bekommen? Kann man selbst Nahrung über den Mund aufnehmen und schlucken, und gelangt die aufgenommene Nahrung auch in den Stoffwechsel? Oder scheidet eine solche enterale Ernährung aus, und man benötigt eine parenterale Ernährung über eine Vene? Wie lange soll die Ernährungstherapie voraussichtlich dauern?

Was kann man von einer Ernährungstherapie erwarten, was nicht?

Einfach so, nur wegen der Krebsdiagnose an sich, ist eine Ernährungstherapie nicht notwendig. Wenn jemand aber nicht ausreichend versorgt ist oder viel an Gewicht verloren hatte, lassen sich durch eine Ernährungstherapie Ernährungszustand und Lebensqualität verbessern. Dies gilt auch für Patienten, bei denen aufgrund der Erkrankung und geplanter Krebsbehandlungen eine mögliche Mangelernährung in der Zukunft erwartet wird. In diesem Fall erhält man die Ernährungstherapie zur Vorbeugung. Was man als Patient nicht unterschätzen sollte, ist der Einfluss auf die eigentliche Krebstherapie: Je besser man versorgt ist,desto besser verkraftet man die Behandlung. Oft verringern sich dadurch auch die Nebenwirkungen. Manche Behandlungen sind überhaupt nur bei ausreichend ernährten Patienten möglich.

Was kann eine Ernährungstherapie nicht leisten? Mit einer unterstützenden Versorgung lassen sich nicht alle Probleme rund um eine Krebserkrankung lösen: Wächst ein Tumor trotz Krebsbehandlung weiter, treten Metastasen auf, und kommt es zu krankheitsbedingten Stoffwechselveränderungen? Dann kann eine gute Ernährungstherapie die Lebensqualität und oft auch den Allgemeinzustand verbessern. Sie kann aber die Krankheit und den krankheitsbedingten körperlichen Abbau nicht auf Dauer aufhalten. Grundsätzlich gilt: Gegen den Willen eines Patienten sollten keine Maßnahmen zur künstlichen Ernährung verordnet werden.

"Füttert" man den Tumor mit?

Krebszellen werden über die Ernährung mit Nährstoffen versorgt, wie alle anderen Zellen auch. Theoretisch könnte also ihr Wachstum durch künstliche Ernährung zusätzlich gefördert werden. Es gibt aber bisher keine wissenschaftlichen Belege, dass sich durch eine Ernährungstherapie die Prognose eines Patienten verschlechtern oder das Tumorwachstum zusätzlich angeregt werden würde. Genauso wenig ist es nach bisherigem Kenntnisstand möglich, Tumoren gezielt durch Diäten oder Nahrungseinschränkung auszuhungern.
Die Entscheidung für oder gegen eine Ernährungstherapie sollte laut Fachleuten deshalb nicht von solchen theoretischen Überlegungen beeinflusst werden.

Orale Ernährung: Was versteht man darunter?

Oral steht für die Aufnahme von Nahrung, Getränken oder auch Medikamenten über den Mund. Eine "orale" Ernährung ist also das ganz normale Abbeißen von einem Butterbrot, das Kauen, Einspeicheln und Schlucken einer Gabel voll Gemüse oder das Trinken von Wasser oder Milch aus einem Glas. Auch das Einnehmen einer Tablette zusammen mit einem Schluck Wasser geschieht über den "oralen" Weg.

Erste Schritte einer unterstützten Ernährung sind eine besonders sorgfältige Auswahl, Zusammenstellung und Zubereitungsform üblicher Lebensmittel, die der Patient dann auch noch auf normalem Weg zu sich nimmt.
Folgende Kostformen werden dabei unterschieden:

  • Vollkost oder Normalkost: Der Begriff Vollkost ist ein Begriff aus der Ernährungsversorgung, den Betroffene in Krankenhäusern oder Pflegeeinrichtungen immer wieder hören und lesen. Es handelt sich dabei um eine Kost, die den Bedarf an allen wichtigen Nährstoffen deckt. Sie berücksichtigt den individuellen Energiebedarf, und sie ist den üblichen Ernährungsgewohnheiten angepasst. Auch allgemeine gesundheitliche Aspekte sind wichtig: Voll- oder Normalkost sollte den Erkenntnissen aus der Ernährungsmedizin zur Vorbeugung von Krankheiten oder Ernährungsproblemen entsprechen. Diese Kostform erhalten alle Krebspatienten im Krankenhaus oder in der Reha-Klinik, die nicht auf eine besondere Form der Ernährung achten müssen. Als Vollkost oder Normalkost gilt auch, wenn man sich zuhause wieder normal ernährt.
  • Sonderkostform oder Diät: Eine Diät ist jede Form von verordneter Nahrungs- und Flüssigkeitszufuhr "nach Plan". Dabei sind sowohl Art und Menge der Lebensmittel wie auch Zeitpunkt der Aufnahme aus therapeutischen Gründen vorgegeben. Eine Diät wird als Teil der Behandlung oder zur Vorbeugung einer Erkrankung eingesetzt. Ziel kann es sein, das Gewicht zu normalisieren, oder auch Stoffe in Nahrungsmitteln zu vermeiden, die zeitweilig oder auf Dauer einen ungünstigen Einfluss hätten. Beispiele sind kalorienbilanzierte Diäten oder Diäten für Menschen mit Diabetes, aber auch eine salzarme, eine glutenfreie oder eine laktosefreie Diät.
  • Krebsdiät: Der Begriff Diät wird im Zusammenhang mit Krebs nicht selten auch für Kostformen mit besonderem Anspruch verwendet: Angebliche Krebsdiäten sollen einen unmittelbaren Einfluss auf den Tumor nehmen. Warum solche Aussagen nur mit Vorsicht zu genießen sind, erläutert der Text "Essen nach Vorschrift: Lässt sich Krebs durch eine Diät beeinflussen?".
  • Speiseanreicherung: Darunter verstehen Fachleute, dass normale Lebensmittel und Gerichte zum Beispiel mit gehaltvollen Lebensmitteln wie Sahne, Butter, Öl oder Nährstoffkonzentraten wie Maltodextrin oder Proteinpulver angereichert werden. Damit sollen gezielt Mangelzustände ausgeglichen werden, ohne dass Patienten gleich zu besonderen Nahrungsmitteln oder "Astronautenkost" als Trinknahrung greifen müssen. 

Orale Nahrungssupplementation: Für wen ist Trinknahrung sinnvoll?

Bei "oraler Nahrungssupplementation" (ONS) handelt es sich um eine weitere Form der künstlichen Ernährung. Fachleute verstehen darunter Trinknahrungen, auch "oral bilanzierte Diäten" oder umgangssprachlich "Astronautenkost" genannt.
Trinknahrung ist besonders geeignet für Patienten, die es über normale Lebensmittel oder angereicherte Speisen nicht auf die notwendige Kalorienzahl schaffen. Es gibt sie in verschiedenen Zusammensetzungen: Trinknahrung kann den ganz normalen Bedarf abdecken. Arzt oder Ernährungsfachleute können aber auch Trinknahrungen empfehlen, die besondere Mangelzustände ausgleichen.
Bei der Wahl der Produkte darf man jedoch nicht nur auf die Zusammensetzung an sich achten: Was ein Patient wirklich zu sich nehmen kann, hängt stark von seinen individuellen Vorlieben und seiner Krankheitssituation ab. Gängige Formen von Trinknahrung ähneln zum Beispiel Milchshakes oder Fruchtdrinks und schmecken auch so ähnlich. Doch nicht jeder mag diese Produkte. Manchen Patienten widerstrebt der Geschmack oder die Konsistenz. Andere haben Probleme damit, dünnflüssige Trinknahrung zu sich zu nehmen, ohne sich zu verschlucken. Dann ist unter Umständen Aufbaunahrung aus Pulver besser geeignet: Man rührt sie zu einem Brei an oder mischt sie unter andere Lebensmittel. Eine wichtige Frage ist daher auch: Soll die Trinknahrung die normale Nahrung nur ergänzen oder weitgehend ersetzen?

Bei manchen Patienten reicht es aus, nur Einzelstoffe gezielt zusätzlich einzusetzen. Ein Beispiel: Patienten, denen der Magen vollständig entfernt wurde, ist die Aufnahme von Vitamin B12 aus der Nahrung nicht mehr möglich. Auch wenn nur ein Teil des Magens fehlt, kann es sein, dass die Versorgung nicht mehr ausreicht. Rezeptfreie Vitaminpräparate sind hier aber nicht angezeigt: Betroffene benötigen in regelmäßigen Abständen Vitamin B12-Spritzen zur Supplementierung. Als Faustregel gelten drei Monate. Der Abstand kann auch kürzer sein, wenn der Mangel ausgeprägt ist.

Enterale Ernährung: Was versteht man unter Sondenernährung?

"Enteral" steht für alle Formen der Nahrungsaufnahme, bei denen der Darm seine normale Funktion behält und nicht umgangen wird. Die ganz normale "orale" Nahrungsaufnahme ist also eigentlich auch eine enterale Ernährung.
In der Ernährungstherapie wird der Begriff allerdings nur für die künstliche Ernährung über eine Magen- oder Dünndarmsonde verwendet. Voraussetzung für eine enterale Ernährung in jeder Form ist, dass Darm, Leber und Bauchspeicheldrüse weitgehend normal funktionieren und ein Patient die aufgenommenen Nährstoffe auch verdauen kann.

Für wen kommt eine enterale Ernährung infrage? Kurzfristig oder auch auf Dauer können Patienten mit Sonden versorgt werden, die Probleme mit der Nahrungsaufnahme durch den Mund, den Rachen oder die Speiseröhre haben. Für Patienten, die sich beim Essen und Trinken regelmäßig verschlucken oder gar nicht schlucken, kann eine Magen- oder Dünndarmsonde eine große Erleichterung sein: Wenn nicht mehr ständig Flüssigkeit oder Speisen in die Luftröhre gelangen, vermeiden sie das Risiko, an einer besonderen Form der Lungenentzündung zu erkranken, einer Aspirationspneumonie.

  • Eine meist nur vorübergehende Sondenform wird durch die Nase, seltener durch den Mund bis in den Magen vorgeschoben.
  • Ist zu erwarten, dass ein Patient längerfristig unterstützend ernährt werden muss? Dann wird heute die Sonde meist direkt in den Magen gelegt, als sogenannte perkutane endoskopische Gastrostomie (PEG), seltener in den Dünndarm, als sogenannte perkutane endoskopische Jejunostomie (PEJ). Das ist für den Patienten auf Dauer angenehmer als eine Nasensonde.

Wie wird eine Ernährungssonde über die Nase oder den Mund gelegt?

Diese Art von Sonden bekommt man als Betroffener nur dann, wenn sie für einen kurzen Zeitraum notwendig sind. Eine Ernährungssonde über Mund oder Nase kann ambulant beim Hausarzt oder auch stationär gelegt werden. Das Legen einer Magensonde ist zwar meist nicht schmerzhaft, weil die Sonden selbst elastisch sind, unangenehm ist die Prozedur für die meisten Betroffenen trotzdem. Auch ein Würgereiz kann auftreten. Beim Einführen der Sonde liegt oder sitzt man, am besten mit leicht aufgerichtetem Oberkörper. Arzt oder Pflegefachkraft nutzen den Rhythmus der Schluckbewegungen und schieben den Schlauch in die Speiseröhre bis in den Magen vor. Eine Nasensonde wird dann meist mit einem kleinen Pflaster an der Nase befestigt.

Wie wird eine Ernährungssonde über die Bauchdecke gelegt?

Wer längere Zeit mit einer Ernährungssonde lebt, empfindet eine Sonde über die Bauchdecke meist als wesentlich angenehmer, die Bewegungsfreiheit ist deutlich größer. Man muss allerdings mit einem kleinen operativen Eingriff rechnen. Die meisten Betroffenen gehen dafür stationär ins Krankenhaus oder erhalten eine Sonde dort bereits im Rahmen ihrer Krebstherapie. Der Eingriff ist allerdings auch ambulant möglich, wenn in einer Arztpraxis entsprechende Erfahrung und Ausrüstung vorhanden sind.

Eine Narkose ist nicht nötig, in der Regel erhalten Patienten vor dem Eingriff ein Beruhigungsmittel und eine örtliche Betäubung. Meist führen Ärzte zunächst einen etwa fingerdicken, biegsamen Schlauch über den Mund und die Speiseröhre in den Magen, wie bei einer Magenspiegelung. Durch dieses Endoskop wird etwas Luft in den Magen geblasen. Nun wird die Bauchhaut örtlich betäubt, damit es nicht weh tut, wenn der Arzt einen kleinen Schnitt macht.
Durch die Öffnung schiebt der Arzt dann eine Kanüle. Durch dieses Röhrchen wird eine Art Faden in den Magen oder den Darmabschnitt gefädelt. Mit dem Endoskop kann der Arzt diesen Faden fassen und daran die eigentliche Ernährungssonde einziehen. Damit die Sonde nicht verrutscht, ist an ihrem Ende eine Plastikplatte befestigt, eine weitere wird außen am Schlauch angebracht und liegt auf der äußeren Bauchdecke. Es gibt jedoch noch andere Methoden, eine solche Sonde zu legen: Sie kommen etwa für Patienten mit größeren Tumoren im Kopf-Hals-Bereich oder in der Speiseröhre infrage.

Wie geht man mit einer PEG um?

Ist die kleine Wunde in der Bauchhaut verheilt, kommen die meisten Patienten gut mit ihrer Sonde zurecht.
Der Umgang mit der Sonde erfordert allerdings etwas Übung, für Patienten, die sich selbst versorgen, oder für Angehörige, die in die Pflege mit einbezogen sind. Ansprechpartner sind Pflegende und Ärzte im Krankenhaus, auch ambulante Pflegedienste helfen weiter. Wichtig: Die Eintrittsstelle sollte regelmäßig auf Anzeichen einer Infektion untersucht werden. Nässt oder eitert die Eintrittsstelle, sollte man dies seinem Arzt mitteilen.

Über die Sonde erhält man als Patient in der Regel fertig gekaufte Sondennahrung. Sie ist auf die heute sehr dünnen Sonden abgestimmt. Bei ihr ist die Gefahr von Verunreinigungen mit Keimen minimiert, wie sie beispielsweise in selbst zubereiteter Nahrung fast immer noch enthalten sind. Auch verstopfen die Zugänge nicht so schnell.
Sondennahrung kann man portionsweise bekommen, wie bei normalen Mahlzeiten zu festen Zeitpunkten. Eine Alternative ist eine sogenannte Ernährungspumpe, über die bedarfsgerecht gesteuerte Mengen kontrolliert abgegeben werden. Wichtig ist es, bei einer Ernährung über eine Sonde zu beobachten, ob die Nahrung auch gut im Darm weitertransportiert und verdaut wird. Hat man regelmäßig Stuhlgang? Oder kommt es zu Verstopfung oder Durchfällen? Bei Unregelmäßigkeiten und Auffälligkeiten sollte man dem Arzt Bescheid sagen.

Patienten, die mit einer Sonde ernährt werden, können oft noch normal trinken. Ist dies nicht möglich, sollte darauf geachtet werden, dass Mund und Lippen nicht austrocknen. Eine regelmäßige Mundpflege bleibt wichtig, obwohl man nichts isst.

Auch Medikamente lassen sich durch die Sonde "einnehmen". Wie das genau funktioniert, sollte man sich auf jeden Fall von Ärzten erklären lassen.

Parenterale Ernährung: Wie funktioniert eine Ernährung über die Vene?

Bei der parenteralen Ernährung wird die Funktion des Darms ersetzt: Per Infusion gelangen Nährstoffe und alle anderen lebenswichtigen Substanzen direkt ins Blut. Normale Infusionen über eine Vene im Arm oder in der Hand eignen sich dazu allerdings nur kurzfristig: Die Adern sind zu empfindlich, es kann zu Schmerzen kommen, und das Risiko für Venenentzündungen steigt. Benötigt ein Patient längere Zeit eine intravenöse Infusion mit konzentrierten Lösungen, legen Ärzte einen sogenannten zentralen Venenkatheter: Sie führen einen dünnen Schlauch tiefer in eine Vene ein, bis er in einer der großen Hohlvenen vor dem Herzen mündet.
Bei Patienten, bei denen zum Beispiel schon zur Chemotherapie ein sogenannter Port gelegt wurde, lässt sich dieser als Venenzugang ebenfalls zur parenteralen Ernährung nutzen.

Nebenwirkungen: Welche Risiken kann eine Ernährungstherapie bergen?

Bei schwer kranken Patienten mit stark ausgeprägter Mangelernährung kann nach Beginn einer intensiven Ernährungstherapie das sogenannte Refeeding-Syndrom auftreten. Dies passiert, wenn ein stark mangelernährter Patient zu schnell zu viele Nährstoffe und/oder Flüssigkeit erhält: Wasser- und Mineralstoffhaushalt verändern sich, und es kann zu Wassereinlagerungen im Gewebe sowie zu Atem- und Herzproblemen kommen.

Betroffene, die an der Zuckerkrankheit leiden, bedürfen während einer künstlichen Ernährung unter Umständen auch einer intensiveren Überwachung. Bei ihnen sollte regelmäßig der Blutzuckerspiegel gemessen werden. Zu beachten: Nicht alle Formen von Trinknahrung und Sondenkost sind für Diabetiker geeignet.

Was sind mögliche Komplikationen bei enteraler Sondenernährung?

Patienten, die über eine Sonde ernährt werden, erhalten Informationen zum Umgang mit einer Ernährungssonde von ihren behandelnden Ärzten und Pflegefachkräften. Sie informieren darüber, wie man möglichen Komplikationen wie etwa ein Verstopfen der Sonde und Infektionen an der Eintrittsstelle einer Sonde an der Bauchdecke vorbeugen kann. Sie helfen auch weiter, wenn ein Betroffener unter Übelkeit, Erbrechen, Durchfall oder Verstopfung leidet.

Was sind mögliche Komplikationen bei parenteraler Ernährung?

Das größte Risiko bei einer parenteralen Ernährung ist, dass Krankheitserreger über die Infusionsschläuche in den Körper eindringen. Dies kann zu Infektionen führen. Stoffwechselgänge im Körper können ebenfalls durcheinander kommen. Fachleute empfehlen deshalb, wenn möglich, immer eine enterale Ernährung einer parenteralen Ernährung vorzuziehen.

Weitere Maßnahmen: Was tut Betroffenen gut?

Die Lust am Essen und Trinken wird von Beschwerden genauso beeinflusst wie von der Krebserkrankung selbst. Daher sollten gesundheitliche Probleme so gut wie möglich gelindert werden. Schmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Durchfälle, Verstopfung, entzündete Mundschleimhaut oder die bei vielen Patienten auftretende Müdigkeit müssen bei der Planung einer Ernährungsunterstützung deshalb immer berücksichtigt werden. Ärzte prüfen auch, ob sie Medikamente, die etwa Übelkeit verursachen oder die Darmtätigkeit einschränken, durch andere Substanzen ersetzen können.

Darüber hinaus empfehlen Fachleute noch, einige andere Aspekte beim Essen und Trinken zu beachten. Diese Tipps sind aber nicht für alle Krebspatienten gleichermaßen sinnvoll. Es gibt zudem bislang nur wenige gute und wissenschaftlich orientierte Studien zu diesen Maßnahmen. Ratschläge, die von denen des Krebsinformationsdienstes abweichen, können deshalb ebenso richtig und geeignet sein.

  • Eine Empfehlung lautet Wunschkost: Patienten mit Appetitverlust sollten essen, was ihnen schmeckt, solange dies langfristig nicht zu einer unausgewogenen Versorgung führt.
  • Die Portionen sollten nicht allzu groß sein. Lieber sollte man häufiger etwas zwischen den regulären Mahlzeiten zu sich nehmen.
  • Auch das Wann, Wo und Wie spielt eine Rolle: Die Umgebung beim Essen sollte für Patienten angenehm sein, und die Speisen sollten appetitlich angerichtet werden. Ein Beispiel: Starke Essensgerüche sollte man eher vermeiden, und ein schöner Essplatz kann appetitanregender sein als das Essen am oder im Bett. Manchen kann in diesen Punkten auch Ablenkung helfen, etwa Fernsehen während des Essens.
  • Wer zu schwach ist zum Essen oder aus Müdigkeit nicht genug aufnimmt, braucht Hilfe von Angehörigen oder Pflegenden oder andere Betreuern. Oft hilft es schon, das Essen in mundgerechte Stücke zu schneiden oder Speisen und Getränke gezielt anzureichen.

Für alle, die sich an der Unterstützung beteiligen, ist eines jedoch besonders wichtig: Jeder sollte die Wünsche des Patienten respektieren und den Betroffenen zu nichts zwingen. Wo die Grenze zwischen gutem Zureden und Zwang verläuft, ist allerdings gar nicht so leicht herauszufinden. Hier hilft nur, mit dem Betroffenen zu sprechen und nachzufragen.

Wer wenig Appetit hat, weil ihn die Krebserkrankung seelisch belastet, findet unter Umständen Unterstützung bei psychosozialen Krebsberatungsstellen oder sogenannten Psychoonkologen.

Kostenübernahme: Zahlen die Kassen für besondere Lebensmittel?

Die gesetzlichen Krankenkassen erstatten zusätzliche Trink- und Sondennahrung, wenn sie vom Arzt verordnet wird. Auf Patienten entfallen jedoch die üblichen Zuzahlungen wie für andere Arzneimittel oder Heilmittel auch. Die gesetzlichen Krankenversicherungen bieten zur Ernährungstherapie auch besondere Beratung an. Bei privat Versicherten gilt der jeweilige Vertrag zur Kostenübernahme.
Bezahlt werden nur Produkte mit einer festgelegten Standardzusammensetzung. Welche Produkte bezahlt werden, richtet sich jedoch auch nach der gesamten Krankheitssituation eines Betroffenen. Notwendig für die Kassen ist auf jeden Fall eine sorgfältige Diagnostik und Beurteilung durch die behandelnden Ärzte.
Patienten sollten sich im Zweifelsfall bei ihrer Krankenkasse erkundigen, welche Produkte infrage kommen.

Vitamine und Nahrungsergänzungspräparate: Benötigt man das?

Der Bedarf mangelernährter Krebspatienten an Vitaminen ist oft nicht gedeckt. Auf eigene Faust sollten Betroffene jedoch nicht zu Vitamintabletten, Säften oder anderen Mitteln greifen: Die meisten Präparate, die heute auf dem Markt sind - auch solche, die nur in Apotheken verkauft werden - sind keine Arzneimittel, sondern sogenannte Nahrungsergänzungsmittel. Warum sie zur Behandlung von Mangelzuständen in der Regel nicht geeignet sind, und warum die Kosten von den Kassen nicht übernommen werden, hat der Krebsinformationsdienst im Text "Nahrungsergänzungsmittel: Große Versprechen, k(l)eine Wirkung?" zusammengestellt.

Ernährung in der letzten Lebensphase: Woran kann man sich orientieren?

Jeder Mensch hat einen Anspruch auf eine ausreichende Ernährung. Wer Probleme mit dem selbstständigen Essen und Trinken hat, dem steht eine angemessene pflegerische Fürsorge zu. Ist jemand bei der natürlichen Form der Nahrungsaufnahme eingeschränkt, so ist das Ziel jeder Ernährungstherapie klar: Sie soll den lebensnotwendigen Bedarf decken und gleichzeitig so gut wie möglich natürliche Bedürfnisse befriedigen. Im Mittelpunkt steht das Wohlbefinden des Patienten.

Am Lebensende können sich Bedürfnisse und Wünsche ändern. Das betrifft auch die Ernährung. Dies zu erkennen und zu respektieren, ist für Betroffene selbst, aber auch für Angehörige und alle, die sie versorgen, oft schwierig. Wichtig ist deshalb, gemeinsam mit dem Patienten oder seinem Vertretungsberechtigten, seinen Angehörigen und seinem Behandlungs- und Versorgungsteam zu entscheiden, ob eine Ernährungstherapie sinnvoll ist und falls ja, wie diese aussehen sollte. Eine gute Betreuung bedeutet, Patienten nicht unnötig mit Maßnahmen zu belasten, die ihr Leben nicht verlängern, ihnen aber Beschwerden oder gar Schmerzen bereiten.

Gute pflegerische Versorgung ist wichtig

Hunger und Durst können bei Menschen in der letzten Lebensphase oft mit geringen Mengen an Nahrung und Flüssigkeit gestillt werden. Eine durchgängige künstliche Nahrungs- und Flüssigkeitszufuhr ist in der letzten Lebensphase deshalb oft nicht mehr angebracht. Es kann den Zustand mancher Betroffener sogar verschlechtern.

Was Patienten am Lebensende häufig quält, sind ein trockener Mund oder das Gefühl, immer Durst zu haben. Pflegerische Maßnahmen verschaffen oft Linderung, wie etwa eine regelmäßige Mundpflege oder Mundspülung, aber auch Lippenpflege. Auch das häufige Anbieten von kleinen Trinkmengen kann unter Umständen helfen.

Benötigen Patienten oder Angehörige Beratung oder praktische Unterstützung bei pflegerischen Maßnahmen, können sie sich an Pflegedienste wenden. Weitere Informationen dazu finden sich im Text "So wird häusliche Krankenpflege organisiert: Ansprechpartner". Informationen zur palliativen Versorgung finden sich auch im Text "Palliativmedizin: Anlaufstellen und Fachorganisationen".

Psychologische Betreuung und Begleitung am Lebensende

Mit dem Lebensende umzugehen, ist für alle schwierig. Der eine oder andere wünscht sich vielleicht etwas seelischen Beistand. Wer psychologische Unterstützung sucht, findet diese bei geschulten Ansprechpartnern im Krankenhaus, in regionalen Krebsberatungsstellen oder bei niedergelassenen, auf Krebs spezialisierten Psychotherapeuten. Weitere Informationen zur Krankheitsverarbeitung hat der Krebsinformationsdienst im Kapitel Krankheitsbewältigung zusammengestellt.

Quellen: Weiterführende Informationen für Interessierte und Fachkreise