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pflanzliche Medikamente, Foto: Alexander Raths- Fotolia.com © Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum

Alternative und komplementäre Methoden bei Krebs: Wie Patienten entscheiden können

Was sollte man wissen, bevor man eine alternative Behandlung beginnt?

In Umfragen erzielen komplementäre und alternative Behandlungsverfahren immer wieder einen hohen Beliebtheitsgrad. Kritiker bemängeln jedoch, dass viele selbst altbekannte Verfahren bis heute den Nachweis der Wirksamkeit schuldig geblieben sind. Einige in jüngster Vergangenheit besonders populäre Angebote beschäftigten sogar die Behörden und Gerichte, weil Patienten zu Schaden kamen. Was ist wirklich dran an "der anderen" Medizin? Können komplementäre Verfahren tatsächlich Nebenwirkungen der Krebstherapie lindern? Sind alternative Arzneimittel wirklich sanfter als die Schulmedizin? Wie sich Krebspatienten informieren können und wie vor Betrug schützen, wer in Deutschland und anderen Ländern mit alternativer Medizin arbeitet, wo Forschung betrieben wird und welche gesicherten Ergebnisse heute vorliegen, hat der Krebsinformationsdienst im folgenden Text zusammengestellt.

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Quellen und Links

Genutzte Quellen sind nach Möglichkeit direkt im Text verlinkt. Der Krebsinformationsdienst hat zudem eigene Untersuchungen zum Thema ausgewertet und aktuelle Leitlinien (www.leitlinien.net) der Krebstherapie auf enthaltene Stellungnahmen zu den Themen alternative und komplementäre Onkologie hin durchgesehen.

Definitionen: Gibt es die alternative Medizin überhaupt?

Was heißt alternativ in der Medizin? Warum benötigt man komplementäre Verfahren?Diese Fragen mögen auf den ersten Blick fast provokant wirken: So genannte alternative Verfahren sind beliebt, auch Krebspatienten zeigen ein großes Interesse daran. Als komplementär angebotene Mittel gelten als attraktiv, um bei Krebs den Heilungsprozess zu unterstützen und Nebenwirkungen zu lindern.   

Aktuelle Untersuchungen zeigen jedoch, dass es gar nicht so einfach ist, pauschale Aussagen zur Alternativmedizin gegen Krebs zu machen. Das von der Europäischen Union geförderte CAMCancer-Project (die Abkürzung steht für das englische "Complementary and Alternative Medicine Assessment in the Cancer Field") konnte zeigen, dass statistische Aussagen zur tatsächlichen Nutzung der "anderen" Medizin wenig verlässlich sind:

  • Ob knapp zehn Prozent aller Krebspatienten alternative Verfahren nutzten oder mehr als achtzig Prozent, hing vor allem davon ab, was die jeweiligen Untersucher überhaupt als „alternativ“ oder „komplementär“ erfassten (www.cam-cancer.org, in englischer Sprache).

So zählten die einen die Homöopathie hinzu, andere erfassten dagegen vor allem Krebsdiäten. In einer dritten Studie wurde das Interesse von Krebspatienten an Kräutern und Tees ausgewertet, der sogenannten Phytomedizin. Nur in deutschen und Schweizer Studien tauchte die Misteltherapie auf, die in anderen Ländern kaum genutzt wird. In Norwegen wurde auch der Versuch der religiösen und spirituellen Einflussnahme auf eine schwere Erkrankung als "alternative Therapie" gewertet.

Krebstheorien geben Aufschluss

Warum setzen Krebspatienten ihre Hoffnungen auf so verschiedene Ansätze, die auf den ersten Blick wenig miteinander zu tun haben? Warum werden Methoden überhaupt als alternativ oder komplementär bezeichnet und von der Schulmedizin abgegrenzt? Die Antwort lässt sich zumindest teilweise in den Theorien vermuten, die vielen Ansätzen gemeinsam sind: Hinter fast allen alternativmedizinischen Verfahren stehen Überlegungen und Modelle zur Krebsentstehung und zur Krebsbehandlung, die sich von der naturwissenschaftlichen Betrachtung einer Tumorerkrankung unterscheiden.

Umfragen: Welches sind die häufigsten alternativen Verfahren?

Welche Verfahren werden von Krebspatienten und Experten in Deutschland am ehesten der alternativen Medizin zugeordnet? Beim Krebsinformationsdienst erkundigen sich Patienten und ihre Angehörigen beispielsweise

  • nach Möglichkeiten, das Immunsystem zu stärken,
  •  nach Mitteln zur Nahrungsergänzung, also Vitaminen, Spurenelementen oder Konzentraten und Extrakten,
  • nach Möglichkeiten, durch die Erkrankung oder auch die Therapie aus dem Gleichgewicht geratene Vorgänge zu normalisieren, sei es durch Medikamente oder durch Verfahren, die direkt in den Stoffwechsel eingreifen, oder durch Ernährungsumstellungen und Diäten,
  • nach der Homöopathie und der Anthroposophie sowie der Phytotherapie, also der Verwendung pflanzlicher Mittel, und
  • nach traditionellen Verfahren aus der Medizin anderer Länder, also beispielsweise nach der traditionellen chinesischen Medizin.
  • Auch manche Möglichkeiten und Methoden, die vermeintlichen seelischen oder psychischen Ursachen einer Krebserkrankung grundlegend zu beeinflussen, werden häufig der alternativen Medizin zugeordnet.

Einen allgemeinen Überblick über als alternativ oder komplementär verstandene Verfahren hat der Krebsinformationsdienst hier aufgelistet; in der Rubrik "Krebs von A bis Z" finden sich weitere Einzelthemen.

DAS Krebsmittel gibt es nicht

Nicht wenige Mittel oder Verfahren erfüllen laut Aussage ihrer Anbieter angeblich gleich mehrere Aufgaben. Alternativen Therapienansätzen wird zudem meist zugeschrieben, dass sie sich insgesamt positiv auf die Lebensqualität auswirken sollen. Können alternative Verfahren so pauschalen und umfassenden Ansprüchen überhaupt gerecht werden?

Zwar wird häufig der Spruch zitiert, "wer heilt, habe recht". Ganz ohne nachprüfbaren Beweis für solche Behauptungen sollten sich Krebspatienten jedoch nicht auf vermeintlich attraktive Therapieverfahren einlassen. Zwar gehen nur wenige Anbieter alternativer Verfahren so weit wie in einigen besonders drastischen Fällen aus jüngster Vergangenheit: Sie präsentierten öffentlich ihre angeblich "geheilten" Krebspatienten, ignorierten aber, dass diese kurze Zeit später an Folgen ihrer – aus schulmedizinischer Sicht unbehandelten – Erkrankung verstarben.

Auch wenn es nicht jedermanns Sache ist, sich mit den modernen wissenschaftlichen Fakten zum Thema Krebs auseinanderzusetzen, lohnt manchmal der Abgleich alternativer Krebsmodelle zu international anerkanntem Wissen, um Anbieteraussagen besser beurteilen zu können.

Immunsystem: Muss es zur Krebsbekämpfung gestärkt werden?

Das Immunsystem spielt eine wichtige Rolle bei der Abwehr von Erkrankungen, es schützt den Körper vor Bakterien, Viren oder anderen Krankheitserregern. Auch bei der Krebsentstehung ist die Immunabwehr beteiligt, wenn auch auf völlig andere Weise als bei Infektionen. Wissenschaftler gehen heute nicht davon aus, dass man bei Krebs von einem Versagen des Immunsystems sprechen könnte: 

  • Krebszellen sind dem Körper  nicht so fremd wie Keime. Sie weisen immer noch sehr viele Merkmale des Gewebes auf, aus dem sie ursprünglich stammen.

Würde das Immunsystem auf jede kleinste Veränderung im Körper so „scharf“ reagieren, wie manche Mittel zur Immunstimulation es angeblich bewirken sollen, wäre deshalb die Gefahr groß, dass die Abwehrmechanismen auch gegen gesundes Gewebe arbeiten würden; so genannte Autoimmunerkrankungen wären die Folge, bei denen der Körper sozusagen gegen sich selbst allergisch wird.

Warum es nach heutigem Kenntnisstand nichts nützt, mit einer allgemeinen Stimulation das Immunsystem in Alarm zu versetzen, und warum sich die körpereigenen Abwehrmechanismen von Krebspatienten selbst nach einer belastenden Chemotherapie meist von alleine wieder regenerieren, hat der Krebsinformationsdienst in dem Text "Immunsystem: Funktion und Bedeutung bei Krebs" zusammengestellt.

Wirksamkeit nicht belegt

Für die meisten pflanzlichen Mittel, die zur Immunstimulation beworben werden, ist noch nicht einmal sicher belegt, dass sie überhaupt gegen einen Schnupfen helfen. Von einer wissenschaftlich belegten Wirkung gegen Tumoren kann erst recht nicht die Rede sein. Insbesondere bei Krebserkrankungen des Immunsystems selbst, den Lymphomen, raten Onkologen zudem dringend von allgemeinen Immunstimulationen ab: Hier ist rein theoretisch nicht ausgeschlossen, dass entsprechende Mittel sogar die Krebszellen zum Wachstum anregen würden.

Nahrungsergänzungsmittel: Ist ihr Stellenwert anerkannt?

Das Thema Krebs verschlägt buchstäblich den Appetit: Bei vielen Krebsformen haben betroffene Patienten zum Zeitpunkt der Diagnose schon deutlich an Gewicht verloren. In der Behandlungsphase, vor allem während einer Chemotherapie, essen nur die wenigsten Patienten wirklich normal und ausreichend.

Nahrungsergänzungsmittel, Vitamin- und Mineralstoffpräparate sowie besondere Kost- und Ernährungsformen bei Krebs erscheinen daher fast zwangsläufig als eine wichtige Möglichkeit, den Körper zu schützen und aufzubauen sowie Defizite auszugleichen. Was ist wirklich dran an dieser Möglichkeit?

Bei den meisten Mitteln, zu denen Krebspatienten heute greifen oder die gezielt für sie beworben werden, handelt es sich jedoch keineswegs um geprüfte und zugelassene Medikamente. Per Gesetz dürfen so genannte Nahrungsergänzungsmittel deshalb ausdrücklich nicht mit krankheitsbezogenen Aussagen beworben und verkauft werden.

Warum gerade Krebspatienten nicht automatisch zu solchen Präparaten greifen sollten, hat der Krebsinformationsdienst in dem Text "Nahrungsergänzumgsmittel und Arzneimittel" zusammengestellt. Weitere Informationen zum Stellenwert von Vitaminen gibt es hier.

Diäten: Risiko für Krebspatienten

Pauschale Ernährungstipps, angeblich ausleitende und entgiftende, in Wirklichkeit aber einseitige Diäten sind der individuellen Situation von Patienten zudem so gut wie nie angemessen: Was für eine Brustkrebspatientin, die meist keine Probleme beim Gewicht befürchten muss, eine sinnvolle Änderung ihrer bisherigen Lebensgewohnheiten sein kann, zum Beispiel die Umstellung auf Vollwertkost und viel Obst und Gemüse, wäre für einen Magenkrebspatienten mit seiner ungemein schwierigen Ernährungssituation praktisch nicht umsetzbar.

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung hat immer wieder Bewertungen von Diäten und Ernährungsformen veröffentlicht, die auch für Krebspatienten eine Hilfe darstellen, zumindest halbwegs brauchbare von einseitigen Tipps zu unterscheiden (www.dge.de, Stichwort "Wissenschaft", Stichwort "Stellungnahmen").

Fasten gefährlich!

Manche dieser pauschalen Ernährungstipps sind sogar richtig gefährlich: Fasten, den Tumor aushungern und den Stoffwechsel der Krebszellen beeinflussen – all das scheint zwar auf den ersten Blick plausibel. Die dahinter liegenden Theorien gelten jedoch nach heutigem Verständnis als eindeutig falsch, in Wirklichkeit wird nur der Patient geschwächt, und nicht der Tumor.

Gefahren sind insbesondere von einseitigen Diäten bekannt. Populär sind solche Ratschläge trotzdem, etwa Saftkuren, so genannte stoffwechselaktive Diäten oder Ernährungstipps, die wichtige Energie- und Vitaminlieferanten wie zum Beispiel Kartoffeln oder Tomaten für giftig erklären.

Hinzu kommen nicht selten Ratschläge zu Einläufen oder Darmspülungen, um angebliche Schlacken und Giftstoffe oder sogar vermeintliche Krebserreger auszuschwemmen. So macht  beispielsweise auch in Deutschland seit einiger Zeit die schon Jahrzehnte alte Theorie einer amerikanischen Ärztin Furore, Krebs werde durch Darmparasiten ausgelöst. Sie empfahl dagegen Kuren mit stark abführendem Schwarzwalnussöl, verbot den Genuss vieler Lebensmittel und riet zur Anwendung eines von ihr erfundenen Gerätes zur Unterstützung der Therapie, dem so genannten Zapper.

  • Jede Form von Fasten, einseitige Diäten oder der Verzicht auf wichtige Energieträger können Krebspatienten zu viel Kraft kosten, die sie gerade während und nach einer Therapie dringend brauchen!
  • Die Vorstellung, Krebs sei durch Giftstoffe verursacht, die eine Diät "ausleiten" könne, oder die Idee, der Körper müsse zum Beispiel nach einer Chemotherapie „entsäuert“ werden, sind nach modernem wissenschaftlichem Verständnis nicht nachvollziehbar.

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährungsmedizin hat eine Leitlinie veröffentlicht, welche Ernährungsmaßnahmen bei Gewichtsabnahme, Appetitmangel und allgemeinem körperlichen Abbau eingesetzt werden können (www.dgem.de). Der Text richtet sich jedoch an Fachleute: Interessierte, die diese Leitlinie nutzen wollen, sollten auf jeden Fall mit Fachleuten und den behandelnden Ärzten darüber sprechen.

Internet: Wunder online?

Besonders kritisch sollten Betroffene sein, wenn ein angebliches Krebsmedikament, ein Nahrungsergänzungsmittel, eine Diätserie oder angeblich pflanzliche oder traditionelle Mittel über das Internet beworben werden, wenn Anbieter auf Vortragsveranstaltungen zum Direktkauf animieren, oder wenn per Versandhandel aus dem Ausland bestellt werden soll: Hier ermöglichen nicht selten Unterschiede in der Gesetzgebung verschiedener Länder, völlig ungeprüfte und in Deutschland eigentlich illegale Produkte auf den Markt zu drücken - auf Kosten und Risiko von Patienten.

Nicht wenige Beispiele für diese Praxis haben in den vergangen Jahren sogar die Gerichte beschäftigt und Behörden zu warnenden Stellungnahmen bezüglich solcher "Wundermittel" veranlasst. Da die Anbieter nicht selten von außerhalb Deutschlands oder der EU arbeiten und juristisch kaum fassbar sind, bleiben sie von solchen Maßnahmen allerdings meist unberührt.

Besondere Therapierichtungen: Phytotherapie, Anthroposophie, Homöopathie

Homöopathie, Anthroposophie und Phytotherapie sowie im weitesten Sinn die klassischen Naturheilverfahren nehmen in Deutschland im Vergleich zu anderen Ländern eine Sonderstellung ein: Sowohl das Arzneimittelgesetz wie die Regelungen zur Ausbildung von Medizinern respektieren, dass hinter diesen Therapieansätzen ein teilweise anderes Verständnis von Gesundheit und Krankheit steht als hinter den modernen naturwissenschaftlich fundierten Krebstherapien. Der für andere Verfahren geforderte Wirkungsnachweis spielt hier eine geringere Rolle. Im Vordergrund stehen die Möglichkeiten zur Unterstützung von Selbstheilungskräften und die Beeinflussung des Wohlbefindens. Die Arzneimittelzulassung kann auch erfolgen, wenn Studien oder andere Prüfungen der Wirksamkeit fehlen. Von Mai 2011 an sollen pflanzliche Mittel aus der traditionellen Medizin auch innerhalb der EU ohne moderne Prüfung verkehrsfähig sein.

Effekt auf Tumorzellen?

Dass diese Herangehensweise jedoch nicht ganz unproblematisch ist, zeigt die seit Jahren andauernde Diskussion um den Nutzen von Mistelpräparaten. Die Misteltherapie gehört zur anthroposophischen Therapie. Heute wird sie jedoch auch mit wissenschaftlichen Verfahren überprüft, die eine Wirkung direkt auf Tumorzellen nachweisen sollen. Wo ein solcher Effekt behauptet wird, der über die harmonisierende und regulierende Wirkung in der anthroposophischen Sicht hinausgeht, müssten jedoch harte Daten eindeutige Ergebnisse liefern und auch über mögliche Nebenwirkungen Aufschluss geben. Warum sich selbst Experten über Durchführung und Ergebnisse der vorliegenden Studien nicht einig sind, hat der Krebsinformationsdienst in dem Text "Die Mistel in der Krebstherapie" zusammengestellt.

Ethnomedizin: Traditionelle Heilverfahren anderer Länder

Ähnlich sieht es mit vielen traditionellen Heilverfahren aus, die buchstäblich zwischen zwei Welten stehen, wie etwa Präparate aus der chinesischen Medizin oder das indische Ayurveda.
Einerseits bauen sie auf anderen Theorien über Funktion und Gesunderhaltung des Körpers auf als die der westlichen Sichtweise; dementsprechend weichen traditionelle Untersuchungsmethoden und die Diagnosestellung oft ebenfalls vom westlichen Vorgehen ab. Die Krankheit Krebs, so wie sie hier verstanden wird, gibt es in manchen fernöstlichen oder indianischen Heilweisen gar nicht. Andererseits wird in Europa aber nicht wenigen Importmitteln eine direkt den Krebs beeinflussende Wirkung zugeschrieben.

Nur ein paar griffige Schlagworte beizufügen, reicht zur Einordnung und Beurteilung nicht aus: Ein Mittel, das einfach so über das Internet bestellt werden kann und womöglich  noch pauschal als "die Kraft aus dem Urwald" beworben wird, hat mit großer Wahrscheinlichkeit mit echten traditionellen Heilverfahren nichts zu tun.

Psychologie, Spiritualität: Gibt es die Therapie gegen Krebs?

Eine Krebserkrankung lässt auch die Seele nicht unbeeinflusst. Dass sich etwas ändern muss, um die Diagnose, eine mehr oder weniger belastende Therapie und die Angst vor der Zukunft zu verkraften, ist für die meisten Menschen selbstverständlich. Dazu gehören auch Fragen der persönlichen Einstellung zum Leben, religiöse Überzeugungen und sogar spirituelle oder esoterische Weltsichten.

Krankheitsverarbeitung unterstützen

Psychoonkologen unterstützen diese Auseinandersetzung mit der Erkrankung. Sie warnen jedoch davor, bei der Ursachensuche auf veraltete Annahmen zur Krebsentstehung zurückzugreifen: Dass Stress, Ärger oder Depressionen das Krebsrisiko steigern, konnte in Studien bisher nicht belegt werden. Trotz dieser modernen Erkenntnisse setzen nach wie vor viele alternativmedizinische Angebote auf die Lösung von inneren Konflikten als einzigem Weg zur Krebsheilung, oder die Anbieter halten solche Verfahren zumindest begleitend für unverzichtbar. Ein Beweis für die Wirksamkeit auf die Krebserkrankung selbst steht auch hier  aus.
Dies gilt gleichfalls für eine der bis heute populärsten Formen psychologischer Intervention, die ursprüngliche Form des Simonton-Trainings: Hier sollten Krebspatienten ihren Tumor gezielt durch die psychischen Selbstheilungskräfte des Körpers angehen, sich etwa weiße Blutkörperchen vorstellen, wie sie Krebszellen verschlangen. Nach derzeitigem Wissensstand kann eine solche Methode die Krankheit jedoch nicht beeinflussen.

Schuldfrage unsinnig

Ob diese Modelle wenigstens zur Krankheitsbewältigung beitragen, hängt teilweise auch von den an sie geknüpften Erwartungen ab. Psychoonkologen gehen davon aus, dass sie dann vermutlich mehr schaden als nutzen, wenn sie indirekt den Betroffenen durch seine mangelnde Auseinandersetzung mit Problemen auch noch die "Schuld" an der eigenen Erkrankung geben. Ganz abzulehnen sind Modelle, bei denen ein Krankheitsrückfall als "Versagen" des Patienten bei der Bewältigung interpretiert wird. Mehr über anerkannte psychologische Hilfen, ihre Möglichkeiten und Grenzen hat der Krebsinformationsdienst in dem Themenkomplex "Krankheitsverarbeitung" zusammengestellt.

Was tun als Patient? Kriterien zur persönlichen Entscheidungsfindung


Information einholen

Krebspatienten, die sich für alternative oder komplementäre Verfahren interessieren oder denen ein Vorschlag zu einer entsprechenden Therapie gemacht wurde, sollten sich als erstes so umfassend wie möglich informieren.

Dazu gehört heute, wie bei der Information zu schulmedizinischen Verfahren auch, das Gespräch mit den (bisher) behandelnden Ärzten und eventuell weiteren Fachleuten. Auch eine zweite ärztliche Meinung sollte bei Bedarf eingeholt werden, am besten nach Rücksprache mit der Versicherung. Geht es um die Kostenübernahme für ein Verfahren, sind die Krankenkassen grundsätzlich die wichtigsten Ansprechpartner. Per Mail und am Telefon hilft der Krebsinformationsdienst bei der weiteren Informationssuche, nennt Ansprechpartner und hilft bei der Vorbereitung einer eigenen Entscheidung.

Folgende Punkte können Patienten, ihren Angehörigen und Freunden dabei helfen, sich selbst ein Bild zu machen:

  • Was sind meine eigenen Motive, nach einer zusätzlichen oder erweiterten Behandlung zu suchen?
    Selbst aktiv zu werden und zu handeln, statt nur be-handelt zu werden, dieses Anliegen werden die meisten Ärzte auf jeden Fall unterstützen. Ist dagegen der Zweifel, ob die bisherige Behandlung ausreichend und nach dem neuesten Wissensstand durchgeführt wurde, die treibende Kraft für die Suche nach weiteren Therapien? Dann sollten sich Betroffene auf jeden Fall mit den Ärzten zu einem klärenden und eventuell sogar kritischen Gespräch zusammensetzen. So können auch um Mißverständnisse ausgeräumt und fehlende Informationen ergänzt werden. Mehr rund um das Thema "Krank sein, gesund werden?" hat der Krebsinformationsdienst hier zusammengestellt.
  • Habe ich ausreichende Informationen erhalten?
    Stammen die Informationen über ein Verfahren nur vom Anbieter und sind sonst nirgends verfügbar, ist dies gelegentlich ein Hinweis darauf, dass er nicht mit anderen Einrichtungen zusammenarbeitet. Die gezielte Frage nach weiteren Informationsquellen ist auf jeden Fall erlaubt. Der Krebsinformationsdienst hilft bei der Suche nach Internetlinks und Ansprechpartnern.
  • Sind die Informationen über die geplante Behandlung klar und eindeutig?
    Vor der Unterzeichnung eines Behandlungsvertrages oder der Bestellung eines Mittels sollte geklärt sein, ob der Anbieter Aussagen zu folgenden Punkten gemacht hat:

Kosten abklären

  1. Kosten und Kostenübernahme durch die Krankenversicherung?
  2. Qualifikation und Umfeld des Anbieters?
  3. Dokumentation über zu erwartende Wirkung, Nebenwirkungen, Wechselwirkungen mit anderen Therapien?

Zur Klärung dieser Frage gehört also beispielsweise nicht nur die Nachfrage nach dem Preis von Medikamenten. Erfragt werden müssen auch zu erwartende Kosten für den Behandler selbst (aufgeschlüsselt nach einzelnen Leistungen, die er erbringt, eventuell auch nach der Anzahl der Stunden, die er benötigen wird, oder den begleitenden Kosten für den Aufenthalt in einer Klinik oder Tagesklinik). Weitere wichtige Fragen drehen sich darum, ob der Anbieter Arzt beziehungsweise Arzt mit einer Zulassung als Kassenarzt ist oder Heilpraktiker. Oder handelt es sich um eine Firma, die etwas verkauft? Gefragt werden darf auch, ob er der einzige Anbieter oder Erfinder eines Verfahrens ist oder ob er mit anderen Einrichtungen zusammenarbeitet. Hat ein Anbieter aussagekräftige Unterlagen zur Verfügung gestellt, sollten diese auch dem bisher behandelnden Arzt vorgelegt werden dürfen.

Achtung, Betrug: Hier ist Vorsicht geboten

  • Der Anbieter einer alternativen Therapie hält nichts von der bisherigen Behandlung und rät, sie abzubrechen.
  • Er ist gegen das Einholen einer zweiten Meinung oder stellt keine entsprechenden Unterlagen zur Verfügung, aus denen andere Fachleute sich ein Bild machen könnten.
  • Er verspricht, dass seine Methode beziehungsweise seine Mittel gegen alle Krebsarten helfen und/oder in allen Krankheitsstadien.
  • Er verlangt Vorauskasse oder versucht, Patienten auf andere Weise finanziell unter Druck zu setzen, bevor sie eine Behandlung beginnen.
  • Ein Mittel muss aus dem Ausland bestellt werden, oder der Hersteller sitzt im Ausland, so dass Adressangaben etc. nicht direkt überprüfbar sind oder bei Risiken oder Nebenwirkungen juristische Schritte ein Problem werden können.

Mehr Informationen: Beratung, Forschung, Stellungnahmen (Stand: 6/2015)

Die folgenden Links und Adressnennungen stellen nur eine Auswahl von Institutionen oder Einrichtungen dar, die weitere Informationen für Patienten, Angehörige oder Fachleute liefern. Der Krebsinformationsdienst hat sich vorwiegend daran orientiert, ob ein Angebot bundesweit verfügbar ist oder eine übergreifende Funktion zum Beispiel als Dachverband mehrerer Organisationen ausübt, oder ob eine Zusammenarbeit mit anderen Einrichtungen besteht und wissenschaftlich publiziert und geforscht wird.
Der Krebsinformationsdienst bewertet weder die Seriosität noch die Kompetenz der genannten Institutionen – ob die jeweiligen Angebote für einen Patienten relevant oder geeignet sind, können nur die Betroffenen selbst gemeinsam mit ihren behandelnden Ärzten entscheiden.

Achtung: Nicht alle im folgenden gelisteten Ansprechpartner behandeln oder beraten selbst! Einige sind überwiegend wissenschaftlich tätig, bieten aber Informationen zum Thema Alternativ- und Komplementärmedizin an.