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Patient während einer Strahlentherapie, Foto: Siemens AG, München/Berlin © Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum

Bestrahlung bei Krebs: Häufige Fragen zur Strahlentherapie und Nuklearmedizin

Was ist eine Bestrahlung? Wem hilft sie? Mit welchen Folgen muss man rechnen?

Mehr als die Hälfte der Krebspatienten wird im Laufe ihrer Erkrankung bestrahlt. Die Krebszellen im Körper sollen durch die Strahlentherapie so stark geschädigt werden, dass sie absterben. Ähnlich wirken Behandlungen in der Nuklearmedizin: Bei der sogenannten Radionuklidtherapie werden strahlende Teilchen in den Körper gebracht. Sie reichern sich zum Beispiel in den Tumorzellen an und zerstören diese von innen heraus. Viele Patientinnen und Patienten leben länger und beschwerdeärmer durch eine Strahlenbehandlung. Neue Techniken sorgen dafür, dass gesundes Gewebe immer besser geschont wird. Trotzdem müssen Betroffene wissen: Nebenwirkungen lassen sich nie ganz ausschließen. Auch kommt eine Bestrahlung nicht bei jeder Krebsart infrage.

Der folgende Text beantwortet häufige Fragen zur Strahlentherapie und zu nuklearmedizinischen Behandlungen: Wie wirkt eine Bestrahlung? Wie läuft sie ab? Was kann man gegen Nebenwirkungen tun?

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Quellen und Links

Zur Erarbeitung hat der Krebsinformationsdienst aktuelle Lehrbücher und medizinische Leitlinien genutzt. Weitere Quellen, Links und Literaturtipps sind im Text "Hintergrund: Strahlentherapie und Nuklearmedizin – Techniken und Anwendungsbeispiele" angegeben.

Strahlentherapie und Nuklearmedizin: Wie wirken Strahlen gegen Krebs?

Die Strahlentherapie ist eine der häufigsten Behandlungen gegen Krebs. Etwa jeder zweite Krebspatient wird im Laufe der Erkrankung bestrahlt. Aber was genau heißt "Bestrahlung" eigentlich? Was soll die Behandlung im Körper bewirken?

Für die Bestrahlung verwendet man sehr energiereiche Strahlung. Sie ist viel energiereicher als beispielsweise Licht oder selbst ultraviolette Strahlung. Die Strahlung ist so intensiv, dass sie Moleküle im Körper verändern kann: Der Fachbegriff dafür lautet ionisierende Strahlung.

In der Medizin werden diese Strahlen meist mit sogenannten Linearbeschleunigern erzeugt. Bestrahlungsgeräte, die radioaktives Material enthalten, sind heute kaum noch üblich – sie kommen nur in bestimmten Situationen zum Einsatz. Anders ist es in der Nuklearmedizin: Hier nutzt man radioaktive Teilchen, die zerfallen und dabei Strahlung abgeben. Für die nuklearmedizinische Behandlung werden winzige Mengen radioaktiven Materials in den Körper eingebracht: Es reichert sich im Tumor an und gibt dort die Strahlung ab.

Diese Strahlung kann Zellen im Körper schädigen, vor allem deren Zellkern mit der Erbinformation. Besonders empfindlich sind Zellen, die sich häufig teilen und vermehren. Zu diesen gehören auch viele Krebszellen. Außerdem können die meisten Krebszellen sich schlecht von den Schäden erholen, zumindest schlechter als gesundes Gewebe. Durch die Bestrahlung verlieren die Zellen ihre Fähigkeit, sich zu teilen und sterben ab. Die Hoffnung: Der Krebs wird durch die Bestrahlung zerstört oder zumindest kleiner, die weniger strahlenempfindlichen gesunden Gewebe erholen sich wieder.

Anwendung bei Krebs: Für wen kommt eine Bestrahlung infrage? Was passiert im Tumorgewebe?

Behandlungsziel: Vor Rückfällen schützen, heilen oder lindern

Patientenberatung ©Alexander Raths/Fotolia
In einem Aufklärungsgespräch bespricht man mit den Ärzten, welches die bestmögliche Therapie für einen ist. © Alexander Raths - Fotolia

Kann eine Bestrahlung den Krebs heilen? Das ist bei einigen Krebsarten möglich. Haben Ärzte diese Hoffnung, sprechen sie von einer "kurativen", also "heilenden" Strahlentherapie.

Eine Strahlentherapie kann auch eine andere Krebsbehandlung unterstützen. Ein Beispiel ist die Nachbestrahlung nach einer Operation: Die Strahlung soll möglicherweise im Körper zurückgebliebene einzelne Tumorzellen zerstören. Eine solche "adjuvante" oder begleitende Bestrahlung kann Patienten vor einem Rückfall schützen.

Manchmal ist eine Heilung nicht mehr möglich. Trotzdem kann eine Bestrahlung dann sinnvoll sein, zum Beispiel wenn sie hilft, Beschwerden zu lindern, etwa Schmerzen durch Knochenmetastasen. Ärzte sprechen von einer "palliativen" oder "lindernden" Behandlung.

Welche Rolle spielen Strahlentherapie und Radionuklidtherapie bei den einzelnen Krebsarten? In welchen Krankheitssituationen sind sie sinnvoll, wann eher nicht? Einen ersten Überblick bietet der Krebsinformationsdienst in seinen Texten unter "Krebsarten".

  • Ob wirklich eine Strahlentherapie infrage kommt, können allerdings nur die behandelnden Ärzte beurteilen. Sie sind die wichtigsten Ansprechpartner, wenn es um Fragen zur Behandlung geht: Ihre Einschätzung lässt sich durch Informationen aus dem Internet nicht ersetzen.

Bestrahlung ja oder nein: Was muss man bei der Behandlungsplanung bedenken?

Wegweiser © Collage: Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum, Foto: GettyImages
Wegweiser: Kommt eine Strahlentherapie infrage? © Collage: Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum, Foto: Image Source/GettyImages

Manche Tumoren sind besser, andere schwerer zu bestrahlen: Woher wissen die Ärzte, wie gut eine bestimmte Tumorart auf eine Bestrahlung reagiert oder nicht? Fachleute stützen sich auf Daten, die in Untersuchungen mit sehr vielen Patientinnen und Patienten mit der gleichen Krebsart erhoben wurden. Anhand solcher Studien lässt sich abschätzen, welchen Nutzen die Strahlentherapie für einen einzelnen Betroffenen haben könnte.

Wichtig sind auch die biologischen Eigenschaften und die Größe des Tumors: Einige Tumoren reagieren empfindlicher als andere. Dies hängt unter anderem davon ab, wie schnell der Tumor wächst, wie häufig sich die Tumorzellen teilen: Zellen, die sich gerade teilen, sind besonders anfällig für Strahlenschäden.

Außerdem wichtig: Wie gut ist das Tumorgewebe durchblutet und damit auch mit Sauerstoff versorgt? Je mehr Sauerstoff in den Zellen vorhanden ist, desto strahlenempfindlicher ist das Gewebe. Aus diesem Grund können beispielsweise kleine, gut durchblutete Tumoren meist erfolgreicher bestrahlt werden als große mit schlecht durchbluteten Anteilen. Ein weiterer Nachteil großer Tumoren: Es muss, trotz moderner Techniken, eventuell auch mehr gesundes Gewebe bestrahlt werden. Damit steigt das Risiko für Nebenwirkungen.

Nicht immer kann eine Strahlenbehandlung einen großen Tumor vollständig zerstören. Trotzdem kann eine Bestrahlung sinnvoll sein: Sie kann helfen, den Tumor zumindest zu verkleinern, sodass die Ärzte ihn anschließend besser operieren können. Oder die Ärzte kombinieren die Bestrahlung mit einer Chemotherapie, um die Wirkung zu verstärken.

Die Lage des Tumors spielt eine Rolle: Kann man den Tumor überhaupt bestrahlen? Oder sind in der Nähe Organe oder Strukturen, die unbedingt geschont werden müssen? Patienten müssen immer auch mit Nebenwirkungen an gesunden Geweben rechnen. Die technischen Weiterentwicklungen der letzten Jahre haben die Bestrahlung jedoch sicherer gemacht: Moderne Bestrahlungsgeräte können anhand von Computertomogrammen die Lage des Tumors genau berechnen und die Strahlen während der Behandlung immer wieder zielgenau auf den Tumor richten. Trotzdem kann es sein, dass Ärzte einzelnen Patienten von einer Bestrahlung abraten, zum Beispiel wenn das Risiko für Nebenwirkungen an gesunden Organen zu hoch ist.

Außerdem wichtig: Wurde man im Laufe der Behandlung schon einmal bestrahlt? Schon einmal bestrahltes Gewebe bleibt fast immer für längere Zeit empfindlich: Nach einer Strahlentherapie können Narben zurückbleiben; das Gewebe ist oft schlechter durchblutet. Bei erneuter Bestrahlung steigt das Risiko für Nebenwirkungen. Daher kann man eine Strahlentherapie nicht beliebig oft wiederholen.

Ansprechpartner: Wohin wende ich mich für die Behandlung?

Für eine Bestrahlung wendet man sich an Fachärzte für Strahlentherapie. Werden radioaktive Medikamente verwendet, führen Fachärzte für Nuklearmedizin die Behandlung durch. Sie können sowohl in einer Praxis wie auch in Krankenhäusern arbeiten.

In der Regel haben Krebspatienten bereits einen festen ärztlichen Ansprechpartner, wenn die Behandlung geplant wird. Innerhalb des Klinikums wird man an die entsprechende Fachabteilung weitergeleitet. Oder die behandelnden Ärzte überweisen zu einem niedergelassenen Facharzt für Strahlentherapie oder Nuklearmedizin.

An der Planung und Durchführung der Bestrahlung sind neben den Ärzten medizinisch-technische Radiologie-Assistenten (MTRA) sowie besonders qualifizierte Medizinphysiker beteiligt.

Wie finde ich gute Ansprechpartner?

Tipps für die Suche nach geeigneten Ärzten und Kliniken gibt der Krebsinformationsdienst in den Texten "Arztsuche" und "Kliniksuche".

Verzeichnisse der radiologischen und nuklearmedizinischen Kliniken und Praxen in Deutschland sind außerdem auf den Internetseiten der jeweiligen Fachgesellschaften zu finden:

Bestrahlungsplanung: Wie werde ich behandelt? Was muss ich vorab wissen?

Behandlungswahl: Was beeinflusst die Entscheidung für eine bestimmte Therapie?

Die Behandlungsplanung ist ein wichtiger Bestandteil jeder Therapie. Bevor Ärzte eine bestimmte Therapie vorschlagen, berücksichtigen sie die individuelle Situation, in der man sich als Krebspatient befindet:

  • Was für einen Tumor hat man?
  • Wie fortgeschritten ist die Erkrankung?
  • Welche Beschwerden hat man als Patient?
  • Ist eine dauerhafte Heilung möglich?
  • Wenn nicht: Kann die Behandlung belastende Symptome lindern oder die Krankheit zumindest aufhalten?
  • Wie gut ist der allgemeine Gesundheitszustand?
  • Spricht etwas gegen eine Bestrahlung?
  • Welche bisherigen Behandlungen gab es?
  • Welche Ergebnisse hatten wissenschaftliche Studien zu Patienten in ähnlicher Situation?
  • Welchen Nutzen und welche Risiken hat die gewählte Behandlungsmethode voraussichtlich in der ganz persönlichen Situation?
  • Welche Nebenwirkungen sind statistisch zu erwarten?

Im Gespräch mit den Ärzten kann man als Patient Fragen zu den Behandlungsmöglichkeiten stellen und auch eigene Wünsche oder Bedenken äußern.

Auswahl der Bestrahlungstechnik

Fachleute unterscheiden im Wesentlichen drei Bestrahlungstechniken:

Jede dieser Methoden hat ihre Vor- und Nachteile. Die Behandlungen lassen sich nicht beliebig gegeneinander austauschen. Welche Therapieform für einen selbst am besten geeignet ist, sollte man mit den behandelnden Ärzten besprechen.

Bevor es losgeht: Voruntersuchungen, Behandlungsplan, Therapiesimulation als Test

Bevor man als Patient bestrahlt wird, sind verschiedene Vorbereitungen notwendig: Mithilfe einer Computertomographie (CT) und eventuell einer Magnetresonanztomographie (MRT), bei Bedarf auch mit einer Positronen-Emissions-Tomographie (PET) können Ärzte die genaue Lage und Ausdehnung des Krebsherdes einschätzen. Gemeinsam mit Medizinphysikern berechnen sie anhand der CT-Bilder die notwendige Strahlendosis und prüfen, welche Therapieform am besten geeignet ist.

Perkutane Strahlentherapie: Aufnahmen aus einer Computertomographie werden auf den Planungsrechner übertragen. Ärzte und Medizinphysiker erstellen Anhand der Daten einen individuellen Therapieplan. In diesem wird auch festgelegt, ob die Behandlung ambulant möglich ist oder ob man dazu ins Krankenhaus muss. Heute können die meisten Patienten zumindest die perkutane Strahlentherapie ambulant machen lassen.

Zunächst wird die Bestrahlung nur simuliert. Das Behandlungsteam kann das errechnete Therapiemodell so noch einmal zielgenau auf den Tumor abstimmen.

Die meisten Krebspatienten erhalten nicht nur eine einzige Bestrahlung. Stattdessen wird die Strahlendosis auf mehrere Sitzungen aufgeteilt. Ärzte sprechen von einer "fraktionierten" Bestrahlung. So kann gesundes Gewebe sich zwischen den einzelnen Sitzungen wieder erholen.

Wie oft und über welchen Zeitraum hinweg bestrahlt wird, ist unter anderem von der Tumorart und der Tumorgröße abhängig. Aus dem Therapieplan geht hervor: Wie viele Bestrahlungssitzungen sind notwendig? An welchen Tagen genau wird man bestrahlt? Sind zwischendurch einige Tage frei?

Der erste Bestrahlungstermin schließt sich meist direkt an die Therapiesimulation an, mehr dazu im Kapitel "Strahlentherapie: Anwendungsbeispiele und mögliche Nebenwirkungen".

Brachytherapie: Etwas anders sieht der Therapieplan für Patienten aus, die eine Brachytherapie erhalten. Bei der Brachytherapie wird radioaktives Material verwendet. Daher sind nicht alle Formen der Brachytherapie ambulant möglich, für einige muss man zumindest zeitweilig ins Krankenhaus. Wird das radioaktive Material dauerhaft in den Körper eingebracht, reicht hierfür eine einzelne Behandlung. Bei anderen Formen der Brachytherapie sind mehrere Anwendungen erforderlich, mehr zum Thema im Kapitel "Strahlentherapie: Anwendungsbeispiele und mögliche Nebenwirkungen".

Nuklearmedizinische Behandlungen: Für diese wird man meist für einen oder mehrere Tage auf eine nuklearmedizinische Station im Krankenhaus aufgenommen. Der Grund: Es werden radioaktive Medikamente verwendet. Diese müssen erst weitgehend abgebaut oder aus dem Körper ausgeschieden worden sein, ehe man die Klinik verlassen darf. Die Ausscheidungen müssen gesondert entsorgt werden. Über die nuklearmedizinischen Behandlungen informiert das Kapitel "Nuklearmedizin: Durchführung und Nebenwirkungen der Radionuklidtherapie".

Vorbereitung: Was muss ich vor und während der Strahlentherapie beachten?

Wie kann ich mich selbst auf die Behandlung vorbereiten?

Vor einer Bestrahlung gibt es für Krebspatienten viel zu klären. Ansprechpartner sind zunächst die Haus- oder Fachärzte, die die gesamte Therapie begleiten, aber auch die Strahlentherapeuten oder Nuklearmediziner: Diese führen die Bestrahlung beziehungsweise die nuklearmedizinische Therapie durch. Wichtig zu wissen ist: Welche Unterlagen benötigen die Strahlentherapeuten oder Nuklearmediziner von den behandelnden Ärzten? Erhalten sie diese direkt von den Kollegen oder muss man sie zur Behandlung selbst mitbringen? Und: Wer behandelt einen nach der Strahlentherapie weiter?

Vor allem Patienten, die ambulant behandelt werden, haben oft auch ganz praktische Fragen: Wie kommt man zur Bestrahlung, falls dafür eine weitere Anfahrt nötig ist? Welche Hilfen kann man im Alltag bekommen, wenn man sich zu Hause nicht mehr allein versorgen kann? Wer verschreibt Medikamente und Hilfsmittel, die man vielleicht benötigt? Was kann man machen, wenn es einem abends oder am Wochenende plötzlich schlechter geht?

Einen Überblick über diese und weitere Themen bietet die "Checkliste Ambulante Krebstherapie".

Muss ich nüchtern zur Behandlung kommen?

Genaue Auskünfte erhält man von den behandelnden Ärzten in einem Vorgespräch - pauschale Angaben dazu sind nicht möglich. Ob man vor einer Bestrahlung nüchtern sein sollte oder nicht, hängt unter anderem davon ab, welche Organe im Bestrahlungsfeld liegen. Üblicherweise kann man vor einer Bestrahlung ganz normal essen oder trinken. Werden Magen oder Darm mit bestrahlt, kann es allerdings sein, dass man nüchtern bleiben muss. Auch zu Voruntersuchungen, bei denen man eventuell ein Kontrastmittel erhält, muss man unter Umständen nüchtern sein.

Bei manchen Formen der Brachytherapie ist eine leichte Narkose notwendig, um das Einbringen der Strahlenquelle in den Körper möglichst schmerzfrei zu halten. Vor einer solchen Narkose muss man nüchtern bleiben. Wie lange man vor einer Brachytherapie noch etwas essen oder trinken darf, erfährt man von den behandelnden Ärzten im Aufklärungsgespräch.

Auch bei der nuklearmedizinischen Therapie gibt es keine Vorgaben, die für alle Patienten gleichermaßen gelten: Genaue Informationen erhält man auch hier von den Ärzten.

Muss ich meine Medikamente weiternehmen?

Mulitmedikation bei Krebspatienten © grafikplusfoto/Fotolia
Medikamente © grafikplusfoto - Fotolia

Vor der Behandlung sollte man den Ärzten mitteilen, welche Medikamente man regelmäßig einnimmt. Sie wissen, welche Medikamente im Zusammenhang mit der Strahlentherapie, einer Brachytherapie oder einer nuklearmedizinischen Behandlung bedenklich sein können. Eventuell müssen einige Mittel vorübergehend abgesetzt oder durch andere Medikamente ersetzt werden.

  • Auf keinen Fall sollte man ohne Absprache mit den Ärzten neue Medikamente einnehmen – auch dann nicht, wenn es sich nur um freiverkäufliche Medikamente aus der Apotheke handelt.

Darf ich Nahrungsergänzungsmittel zu mir nehmen?

Auch Nahrungsergänzungsmittel und alternativmedizinische Präparate sollte man nie ohne Absprache mit den behandelnden Ärzten zu sich nehmen. Besonders bei sogenannten Antioxidantien ist Vorsicht geboten: Vitamin C, Vitamin E, Pflanzeninhaltsstoffe wie Carotinoide oder Flavonoide oder das Spurenelement Selen. Der Grund: Die genannten Substanzen sind "Radikalfänger": Sie inaktivieren freie Sauerstoffradikale. Bei der Strahlentherapie ist die Entstehung der sonst schädlichen Sauerstoffradikalen aber ein gewünschter Effekt – sie sollen die Krebszellen angreifen.

  • Es gibt bislang zwar keine eindeutigen Hinweise darauf, ob hoch dosierte Antioxidantien wirklich schädlich sind. Solche Nahrungsergänzungsmittel können aber im ungünstigen Fall den Erfolg der Krebstherapie beeinträchtigen.

Sind Schmuck und Kosmetika während der Bestrahlung erlaubt?

Vor einer Bestrahlung müssen Kleidungs- und Schmuckstücke, die im Bestrahlungsfeld liegen, ausgezogen werden. Die Bestrahlungsfelder werden üblicherweise mit einem wasserfesten Stift auf der Haut eingezeichnet. Vor der Behandlung sollte man sich bei den Ärzten erkundigen, ob man Cremes, Salben, Puder, Deos, Schminke oder Parfum verwenden darf. Körperpflegeprodukte, die außerhalb der Bestrahlungsfelder angewendet werden, sind normalerweise kein Problem. Das Behandlungsteam kann hautschonende Produkte empfehlen. Nach einer Bestrahlung kann die Haut für einige Zeit empfindlich sein. Man sollte daher auf Kleidung achten, die nicht kratzt oder scheuert sowie auf einen ausreichenden Sonnenschutz.

Mehr zu möglichen Hautproblemen während der Behandlung stehen im Text "Strahlentherapie: Anwendungsbeispiele und mögliche Nebenwirkungen".

Ist die Strahlentherapie gefährlich für Menschen in meiner Umgebung?

Teletherapie: Bei der "normalen" perkutanen Strahlentherapie werden heute fast ausschließlich Linearbeschleuniger verwendet. Diese Geräte erzeugen ionisierende Strahlung mithilfe von elektrischem Strom. Es werden keine radioaktiven Stoffe eingesetzt. Die Strahlen durchdringen den Körper und zerstören das Tumorgewebe, auf das sie treffen. Die Strahlung wirkt nur im Körper selber, solange der Linearbeschleuniger eingeschaltet ist. Enger Körperkontakt ist für Angehörige und Freunde ungefährlich. Für kleine Kinder oder Schwangere in der Familie besteht keine Gefahr.

Brachytherapie: Bei der Brachytherapie werden radioaktive Substanzen verwendet: Diese zerfallen und setzen Strahlung frei. Bei den meisten Anwendungen werden die Substanzen jedoch direkt nach der Behandlung aus dem Körper entfernt. Daher besteht auch hier kein Risiko für andere Menschen. Nur das medizinische Personal muss sich während der Behandlung schützen.

Etwas Anderes gilt für die sogenannten Seed-Implantation, etwa bei Prostatakrebs: Hier verbleiben kleine radioaktive Metallstifte oder Hülsen mit radioaktiven Stoffen dauerhaft im Körper. Während der ersten Tage nach dem Einbringen dieser sogenannten "Seeds" ist die Strahlenintensität am höchsten. Strahlenexperten empfehlen daher, dass man während dieser Zeit den engen körperlichen Kontakt zu Schwangeren und Kindern vermeidet. Durch den natürlichen Zerfall nimmt die Strahlung mit der Zeit ab.

Radionuklidtherapie: Bei der nuklearmedizinischen Radionuklidtherapie werden radioaktive Substanzen verwendet. Diese strahlen so lange im Körper, bis ihre Strahlenwirkung nachlässt oder sie auf natürlichem Weg ausgeschieden werden. Um andere Menschen – und die Umwelt – nicht zu belasten, werden die meisten Patienten während einer solchen Therapie für einige Tage auf eine spezielle Station in einer Klinik aufgenommen. Auch nach der Entlassung kann für einige Tage Vorsicht geboten sein im Umgang mit anderen Menschen – worauf man achten muss, erfährt man von den behandelnden Ärzten, mehr dazu im Text "Nuklearmedizin: Durchführung und Nebenwirkungen der Radionuklidtherapie".

Ich trage einen Herzschrittmacher oder Defibrillator: Kann ich überhaupt bestrahlt werden?

Herzschrittmacher © Suljo/Thinkstock
Herzschrittmacher im Röntgenbild. Fragen Sie Ihre Ärzte: Ist eine Bestrahlung möglich, wenn man einen Herzschrittma-cher trägt? © Suljo/Thinkstock

Herzschrittmacher (Pacemaker, PM) und implantierte Kardioverter-Defibrillatoren (ICD) helfen Patienten mit Herzrhythmusstörungen, einen gleichmäßigen Herzschlag zu erhalten. Schrittmacher und Defibrillatoren sind elektronische Geräte: Schon geringe Strahlendosen können ihre Funktion unter Umständen beeinträchtigen. Deshalb sollte man als Patientin oder Patient mit Herzschrittmacher oder Defibrillator vor einer geplanten Strahlentherapie einiges beachten:

  • Erzählen Sie Ihren Ärzten so früh wie möglich von Ihrem Schrittmacher oder "Defi"! Ihre Ärzte können dann prüfen, ob der Schrittmacher oder Defibrillator überhaupt der Strahlung ausgesetzt sein könnte und ob sich dies vermeiden lässt.
  • Informieren Sie sich beim Hersteller des Geräts, ob eine Bestrahlung mit dem Schrittmacher oder Defibrillator grundsätzlich möglich ist! Ihr Kardiologe kann dies für Sie übernehmen.
  • Lassen Sie Ihre Herzfunktion während der Behandlungszeit und danach regelmäßig überprüfen! Wenn Sie ungewöhnliche Symptome bemerken, suchen Sie schnellstmöglich einen Arzt auf! Warnsignale sind: Herzrasen, Herzstolpern, Atemnot, Schwindel oder eine kurzzeitige Ohnmacht.
  • Sollte Ihr Schrittmacher oder Defibrillator Alarmtöne von sich geben, lassen Sie das Gerät umgehend bei Ihrem Kardiologen überprüfen!

Ich habe ein künstliches Gelenk: Ist eine Bestrahlung trotzdem möglich?

Ein künstliches Hüftgelenk kann die Bestrahlung im Beckenbereich erschweren. Für Patienten, zum Beispiel mit Prostata-, Blasen- oder Enddarmkrebs, ist wichtig: Ausgeschlossen ist eine Strahlenbehandlung in aller Regel trotzdem nicht. Wer ein künstliches Hüftgelenk oder eine andere Prothese hat, sollte die behandelnden Ärzte frühzeitig darauf hinweisen. Diese können das Implantat dann in der Behandlungsplanung berücksichtigen.

Durchführung und Strahlenfolgen: Wie läuft die Behandlung ab? Mit welchen Nebenwirkungen muss man rechnen?

Welche Techniken gibt es?

Bei der Strahlentherapie unterscheidet man im Wesentlichen zwei Anwendungstechniken: Bei der sogenannten perkutanen Bestrahlung befindet sich die Strahlenquelle außerhalb des Körpers in einiger Entfernung zu diesem. Mithilfe eines Linearbeschleunigers wird hochenergetische Röntgenstrahlung erzeugt und durch die Haut auf den Tumor gelenkt. Bei der Brachytherapie wird der Tumor aus unmittelbarer Nähe bestrahlt. Dabei kommen radioaktive Stoffe zur Anwendung. Diese werden vorübergehend oder, je nach Technik, auch dauerhaft in den Körper eingebracht.

Dem gegenüber steht die nuklearmedizinische Behandlung mit radioaktiven Medikamenten: Bei der sogenannten Radionuklidtherapie erhält man strahlende Substanzen, die vom Körper aufgenommen werden und dort möglichst gezielt gegen die Tumorzellen wirken. Nach einiger Zeit werden die Medikamente wieder ausgeschieden.

Nebenwirkungen können nicht ausgeschlossen werden

Auch wenn sich Tumoren mithilfe von Strahlung heute immer gezielter behandeln lassen gilt: Frei von Nebenwirkungen ist keine Therapieform. Die unterschiedlichen Behandlungen können verschiedene Nebenwirkungen haben. Im Allgemeinen gilt: Nur diejenigen Gewebe, die unmittelbar von der Strahlung betroffen sind, werden durch diese auch geschädigt.

Anwendungen und Strahlenfolgen: Informationen zum Weiterlesen

Eine ausführliche Beschreibung des Behandlungsablaufs und möglicher Strahlenfolgen finden Sie in den folgenden Texten:

Sie haben Fragen zu häufig verwendeten Begriffen im Zusammenhang mit der Strahlentherapie? Sie möchten wissen, welche technischen Weiterentwicklungen es gibt, zum Beispiel: Was ist eine Ionenstrahltherapie? Was bedeutet stereotaktische Bestrahlung, was Radiochirurgie und was intraoperative Radiotherapie (IORT)? Wann macht man eine Radiochemotherapie? Antworten finden Sie im Text Hintergrund: Strahlentherapie und Nuklearmedizin – Techniken und Anwendungsbeispiele.

Warum sind radioaktive Strahlung und Röntgenstrahlen überhaupt gefährlich für den Körper? Hintergrundinformationen hierzu finden Sie im Text Radioaktivität und Strahlung: Quellen, Risiken, Nutzen.

Nachsorge: Was passiert nach der Behandlung?

Auskultation © Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum
Nach einer Bestrahlung sind regelmäßige Nachsorgeuntersuchungen wichtig. © Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum

Nach einer Bestrahlung muss man sich in regelmäßigen Abständen ärztlich untersuchen lassen. Eine Bestrahlung kann nicht nur kurzfristige Nebenwirkungen verursachen. Es können auch Spätschäden im Körper auftreten. Regelmäßige Arztbesuche können helfen, mögliche Strahlenschäden zu entdecken und zu behandeln.

  • Die Nachsorge übernehmen oft Hausärzte oder Krebsmediziner oder aber die Strahlentherapeuten selbst.

Wie häufig man zu den Untersuchungen gehen muss, hängt von der Art des Tumors und der Bestrahlung ab. Auch das Behandlungsziel spielt eine Rolle: Ist eine langfristige Heilung möglich? Oder konnten durch die Bestrahlung nur Symptome gelindert werden?

Üblich sind Nachsorgeuntersuchungen über mehrere Jahre hinweg:

  • Zum Beispiel vierteljährlich während der ersten beiden Jahre nach einer Behandlung.
  • Anschließend halbjährlich bis zum fünften Jahr nach der Behandlung.
  • Später reicht eine jährliche Untersuchung.

Während der Nachsorgetermine fragen die Ärzte nach aktuellen Beschwerden, man wird körperlich untersucht, eventuell sind auch bildgebende Untersuchungen notwendig, wie Computertomographie, MRT oder Ultraschall.

Nach Strahlentherapie: Bestrahltes Gewebe bleibt empfindlicher

Frau benutzt Sonnencreme © boophotography/Thinkstock
Bestrahlte Haut ist empfindlich. Man sollte unbedingt auf einen guten Sonnenschutz achten! © boophotography/Thinkstock

Nach einer Strahlentherapie bleibt das einmal bestrahlte Gewebe bei vielen Patienten empfindlicher. Man sollte mit seinen Ärzten besprechen, wie weit man im Alltag darauf Rücksicht nehmen muss:

  • Muss man aufpassen mit Sonnenlicht, mechanischen Belastungen oder chemischen Reizen?
  • Was ist mit Rauchen oder Alkohol?
  • Müssen Gewebeschäden operiert werden?
  • Braucht man dauerhaft Medikamente?

Sollte man einen Rückfall erleiden, ein sogenanntes Tumorrezidiv, kann dies die Therapiewahl beeinflussen: Nicht immer kann schon einmal bestrahltes Gewebe erneut bestrahlt werden. Bei einer erneuten Bestrahlung, ist das Risiko für Strahlenschäden meist erhöht: Strahlenfolgen machen sich früher bemerkbar. Auch ist die Wirkung der Strahlentherapie nicht selten vermindert. Das liegt daran, dass das Gewebe nach einer Strahlentherapie oft vernarbt und weniger gut durchblutet ist.

  • Ob und wann eine neue Strahlentherapie infrage kommt, ist von der Gewebeart abhängig. Fragen hierzu können die behandelnden Ärzte beantworten.

Verwandte Therapien: Welche Behandlungsarten mit "Strahlen" gibt es noch?

Manche Krebspatienten erhalten keine klassische Bestrahlung, sondern werden mit anderen, "nicht ionisierenden" Strahlen behandelt. Nicht ionisierende Strahlen sind zum Beispiel:

In den verlinkten Texten geben wir Beispiele für Anwendungen in der Krebstherapie.

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