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Patient während einer Strahlentherapie, Foto: Siemens AG, München/Berlin © Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum

Strahlentherapie: Anwendungsbeispiele und mögliche Nebenwirkungen

Wie läuft die Behandlung ab? Welche Folgen kann eine Bestrahlung haben?

Etwa jeder zweite Krebspatient erhält im Laufe der Erkrankung eine Strahlentherapie. Aber nicht jede Bestrahlung verläuft gleich: Je nachdem, um was für einen Tumor es sich handelt, wie groß er ist und wo genau er liegt, kommen unterschiedliche Behandlungsweisen infrage. Im Wesentlichen unterscheidet man eine Bestrahlung von außen durch die Haut – eine perkutane Bestrahlung – von einer Brachytherapie, bei der die Strahlenquelle in eine Körperhöhle oder ins Gewebe und damit möglichst nah an den Tumor gebracht wird.

Die Strahlenbehandlung ist heute sehr viel zielgerichteter als früher, trotzdem können Nebenwirkungen nicht ausgeschlossen werden. Der folgende Text gibt Antworten auf Fragen zur Behandlung: Welche Therapieformen gibt es? Wie läuft die Bestrahlung genau ab? Und mit welchen Risiken und Strahlenfolgen muss man rechnen?

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Quellen und Links

Zur Erarbeitung hat der Krebsinformationsdienst aktuelle Lehrbücher und medizinische Leitlinien genutzt. Weitere Quellen, Links und Literaturtipps sind im Text "Hintergrund: Strahlentherapie und Nuklearmedizin – Techniken und Anwendungsbeispiele" angegeben.

Bestrahlung aus der Distanz: Wie läuft die perkutane Strahlentherapie ab?

Behandlungsform: Was bedeutet "perkutane" Strahlentherapie?

Bei der perkutanen Strahlentherapie wird man von außen "durch die Haut" bestrahlt. Mediziner sprechen deshalb auch von einer "Teletherapie", also einer Bestrahlung aus einiger Entfernung. Erzeugt wird die sehr energiereiche Strahlung meist mithilfe sogenannter Linearbeschleuniger. Diese lenken Photonenstrahlen, genauer: ultraharte Röntgenstrahlen, auf den Tumor. Das Ziel ist, dass die Krebszellen dadurch zerstört werden.

Neben den Linearbeschleunigern kommen sehr selten auch andere Strahlenquellen zum Einsatz, zum Beispiel die Telekobaltgeräte. Diese nutzen das radioaktive Element Kobalt als Strahlenquelle. Eine Sonderform der Teletherapie ist die sogenannte Ionenstrahltherapie, die Bestrahlung mit Schwerionen- oder Protonen. Hierzu lesen Sie mehr im Text "Hintergrund: Strahlentherapie und Nuklearmedizin – Techniken und Anwendungsbeispiele".

Technische Weiterentwicklungen ermöglichen heute eine immer zielgenauere Bestrahlung des Tumors.

Vorbereitung: Anzeichnen der Bestrahlungsfelder und Therapiesimulation

Behandlungsplan: Bei der klassischen Bestrahlung von außen wird man üblicherweise mehrere Wochen lang jeweils an den Wochentagen behandelt, die Wochenenden sind für viele Patienten frei.

Vorbereitung: Vor der ersten Behandlung sind Voruntersuchungen nötig: Je mehr Informationen die Ärzte über den Tumor haben, desto genauer können sie die Bestrahlung planen. In der Regel wird zunächst eine Computertomographie (CT)-Aufnahme der betroffenen Körperregion gemacht. Kann die Planung auch mit anderen bildgebendem Verfahren gemacht weren? Magnetresonanztomographien sind bei manchen Tumoarten oder Krankheitssituationen möglich.

Die Bilddaten werden an einen Planungsrechner übermittelt. Mithilfe des Computerprogramms errechnen die Ärzte und Strahlenphysiker den zu bestrahlenden Bereich und legen die Anzahl und Größe der Strahlenfelder fest. Vor der eigentlichen Bestrahlung wird die Therapie zunächst simuliert.

Hierzu werden die von Strahlenphysikern gemeinsam mit den Ärzten berechneten Bestrahlungsfelder auf der Haut eingezeichnet:

  • Als Bestrahlungsfeld bezeichnet man das Stück Haut, durch das die Strahlen bei der perkutanen Strahlentherapie in den Körper eindringen.

Wie können Ärzte möglichst den gesamten Tumor bestrahlen, ohne die Haut und das den Tumor umgebende gesunde Gewebe zu sehr zu belasten? Dazu sind möglicherweise mehrere Bestrahlungsfelder notwendig: Nur so können die Strahlen den Tumor von verschiedenen Seiten erreichen, ohne immer dasselbe Hautstück und immer dasselbe gesunde Gewebe mit zu bestrahlen.

Die Bestrahlungsfelder werden üblicherweise mit einem wasserfesten Stift auf der Haut eingezeichnet. So wird sichergestellt, dass exakt immer dasselbe Gebiet bestrahlt wird. Alternativ sind punktförmige Tätowierungen oder Markierungen mit Henna möglich. Sie halten während der Behandlung, verblassen mit der Zeit aber wieder. Welche Markierungsart für einen selbst am besten geeignet ist, muss man mit den behandelnden Ärzten besprechen.

  • Wichtig ist: Die Markierungen darf man nicht abwaschen – sonst muss die aufwendige Simulation wiederholt werden!

Lagerung und Fixierung

Linearbeschleuniger © VILevi - Thinkstockphotos.de
Linearbeschleuniger zur Strahlentherapie © VILevi/Thinkstock

Still liegen: Gesundes Gewebe soll möglichst wenig beeinträchtigt werden. Das Strahlenfeld darf daher nicht "verrutschen". Vor der Behandlung wird man auf einer beweglichen Patientenliege gelagert, die Liege und das Bestrahlungsgerät werden richtig eingestellt. Während der Behandlung muss man still liegen. Bei Bedarf wird man auf der Liege mit Gurten oder Lagerungshilfen, wie Polstern, Kopf- oder Armstützen, in einer Position gehalten. Strahlenempfindliche Körperteile werden mit abschirmendem Material abgedeckt.

Fixierung: Bei empfindlichen Organen können schon Abweichungen von dem Zielgebiet um wenige Millimeter ausreichen, um Schäden hervorzurufen. Um unwillkürliche Bewegungen zu vermeiden, sind in manchen Situationen weitere Lagerungshilfen nötig. Bei Bedarf werden diese eigens angefertigt. Sie unterscheiden sich je nach zu bestrahlendem Bereich: Ganzkörpergipsplatten oder Gipsmasken, elastische Netze oder auch eng anliegende Kunststoffmasken bei Bestrahlungen des Gehirns und im Kopf- oder Gesichtsbereich sind möglich. Auch wenn keines dieser Lagerungssysteme besonders angenehm ist: Sie schützen gesundes Gewebe und verhindern so Nebenwirkungen und Strahlenschäden.

  • Bevor man tatsächlich bestrahlt wird, überprüfen die Ärzte und Strahlentherapie-Assistenten noch einmal genau, ob die Strahlen auch exakt auf den Tumor ausgerichtet sind.

Als Hilfe dienen ihnen die Hautmarkierungen oder die Daten der bildgebenden Untersuchungen.
Neu und noch nicht überall verfügbar sind Geräte, bei denen ein Magnetresonanztomograph direkt in die Bestrahlungseinheit integriert ist. Sie werden bislang nur in klinischen Studien eingesetzt.

Die eigentliche Bestrahlung

Nach der langen Vorbereitung geht die eigentliche Behandlung schnell: Sie dauert in der Regel nur wenige Minuten oder sogar nur Sekunden und ist völlig schmerzlos. Während der Behandlung verlässt das Personal den Raum: Die technischen Assistenten und Ärzte würden sonst bei jedem Patienten neuer Strahlung ausgesetzt. Durch eine Glasscheibe haben die Mitarbeiter jedoch alles im Blick, und als Patient steht man über ein Mikrofon mit ihnen in Verbindung.

Bestrahlung aus nächster Nähe: Wie läuft die Brachytherapie ab?

Behandlungsform: Was ist eine Brachytherapie?

Bei der Brachytherapie nutzt man Strahlung, die eine Reichweite von nur wenigen Millimetern bis Zentimetern hat. Daher muss der Tumor aus möglichst geringer Entfernung bestrahlt werden: Die strahlenden Substanzen werden in eine Körperöffnung oder Körperhöhle in der Nähe eingebracht oder – zum Beispiel bei Hautkrebs – direkt auf die betroffene Körperstelle aufgelegt. Gesundes Gewebe wird so geschont.

Welche Verfahren gibt es?

Intrakavitäre oder intraluminale Brachytherapie: Eine strahlende Substanz, ein sogenanntes Radionuklid, wird in eine natürliche Körperhöhle eingeführt. Diese befindet sich in der Nähe des Tumors. Beispiele: Beim Krebs der Gebärmutter kann dies die Scheide oder die Gebärmutter sein, bei Lungenkrebs die Luftröhre, bei Speiseröhrenkrebs die Speiseröhre.

Das Radionuklid befindet sich während der Bestrahlung in einer Hülse, einem sogenannten Applikator. Üblicherweise werden die Applikatoren zuerst in der Körperhöhle platziert, je nach Situation verwenden die Ärzte noch eine zusätzliche Führungshülse. Erst, wenn diese richtig liegen, wird das Radionuklid über einen Schlauch eingeführt. Das passiert heute in der Regel computergesteuert.

Dieses Verfahren wird als Nachladeverfahren (englisch: afterloading) bezeichnet. Die Nachladetechnik verbessert den Strahlenschutz: Sowohl das Personal als auch man selbst als Patient kommt so kurz wie möglich mit der radioaktiven Substanz in Kontakt.

Interstitielle Brachytherapie: Bei dieser Technik sind die Applikatoren kleine Hohlnadeln oder Schläuche, sogenannte Katheter. Sie werden direkt ins Tumorgewebe eingeführt. Je nach Tumor und verwendetem Radionuklid können die Implantate vorübergehend oder dauerhaft liegen bleiben.

Bei der "temporären Implantation" wird das strahlende Material nach Behandlungsende wieder entfernt, unter Umständen verbleiben aber die Führungshülsen zwischen zwei Terminen im Körper. Anders ist dies bei der "permanenten Implantation":

Permanente Seed-Implantation: Bei der Seed-Implantation wird die Strahlenquelle in kleinen Kapseln oder als radioaktive Metallteilchen in das Tumorgewebe eingebracht. Ärzte sprechen daher auch davon, den Tumor mit Seeds (englisch für Samen) zu "spicken". Mehrere Dutzend Kapseln können über kleine Nadeln ins Gewebe gepflanzt werden.
Sie verbleiben zeitlebens im Körper. So ist eine längerfristige Bestrahlung möglich, ohne dass man als Patient immer wieder zu neuen Terminen kommen muss. Da die verwendeten Radionuklide schnell zerfallen, nimmt aber schon in den ersten Tagen die Strahlendosis deutlich ab. Diese Seed-Implantation wird vor allem zur Behandlung von Prostatakrebs verwendet.

Oberflächenkontakttherapie: Zur Behandlung oberflächlicher Tumoren wird ein umhüllter Strahler direkt auf die Haut aufgebracht und nach kurzer Zeit wieder entfernt, wenn das Krebsgewebe die notwendige Strahlendosis aufgenommen hat

Vorbereitung: Platzieren der Applikatoren

Platzieren der Applikatoren: Vor der eigentlichen Behandlung müssen die Applikatoren in den Körper eingebracht werden. Die exakte Anordnung ist wichtig: Der Tumor soll gleichmäßig bestrahlt werden, das gesunde Gewebe hingegen so wenig Strahlung wie möglich abkriegen.

Das Platzieren der Applikatoren oder der implantierten Führungshülsen im Körper ist unangenehm. Bei einigen Methoden erhält man eine örtliche Betäubung oder auch eine Allgemeinnarkose. Ob die Behandlung ambulant durchgeführt werden kann oder man für einige Tage ins Krankenhaus muss, ist ebenfalls von der Behandlungsmethode abhängig.

Kontrollaufnahmen: Nachdem die Applikatoren platziert wurden, machen die Ärzte noch einmal Aufnahmen des Tumors aus verschiedenen Richtungen: Auf den CT- oder MRT-Bildern überprüfen sie die Lage der Applikatoren und korrigieren sie bei Bedarf. Die Verteilung der Strahlendosis im Gewebe kann so noch exakter kontrolliert werden.

Die eigentliche Bestrahlung

Der zeitaufwendigste Teil der Behandlung ist mit dem Einsetzen der Applikatoren bereits vorbei. Nun wird über Schläuche die radioaktive Substanz ferngesteuert in diese eingeführt. Die eigentliche Bestrahlung dauert meist nur noch wenige Minuten. Anschließend wird zunächst das Radionuklid wieder eingezogen, ebenfalls computergesteuert. Ob die Führungshülsen zwischen zwei Bestrahlungen entfernt werden oder im Körper verbleiben, erfährt man vorab von den Ärzten.

Strahlentherapie: Welche Nebenwirkungen können auftreten? Was lässt sich dagegen tun?

Wie belastend ist eine Bestrahlung ganz allgemein?

Viele Menschen fürchten, dass es ihnen während einer Strahlentherapie nicht gut gehen wird: Sie wissen, dass Hautschäden und Schleimhautprobleme im bestrahlten Bereich möglich sind. Auch mitbestrahlte Organe und Gewebe können langfristig leiden.

Die technischen Weiterentwicklungen der letzten Jahre haben jedoch einiges verändert: Gesundes Gewebe in der Umgebung des Tumors wird immer besser geschont. Trotzdem kann auch heute noch jede Bestrahlung Nebenwirkungen haben. Unter anderem spielen die Art und Lage des Tumors, die Strahlendosis und die Technik der Bestrahlung für das Nebenwirkungsrisiko eine Rolle. Nicht zuletzt müssen Ärzte abwägen, wie belastend eine Behandlung aufgrund möglicher Begleiterkrankungen oder dem allgemeinen Gesundheitszustand ist. Wurde man früher schon einmal bestrahlt, kann das entsprechende Gewebe anfälliger sein für Strahlenfolgen.

  • Womit muss man rechnen? Diese Frage können am besten die behandelnden Ärzte beantworten, noch vor Beginn der Bestrahlung. Mit ihnen kann man auch besprechen, worauf man selbst achten sollte und was sich gegen Nebenwirkungen tun lässt.

Behandlungspause: Darf eine Strahlentherapie bei Nebenwirkungen unterbrochen werden?

Längere Unterbrechungen des vorgesehenen Therapieplans sollten vermieden werden. Bei längeren Behandlungspausen kann sich der Tumor wieder erholen.

  • Ohne Rücksprache sollte man eine Strahlentherapie daher nie unterbrechen!

Doch manchmal lassen sich Behandlungspausen nicht vermeiden: sei es, weil die Nebenwirkungen zu stark sind oder auch aus organisatorischen Gründen. Die Ärzte werden versuchen, die weitere Bestrahlung entsprechend anzupassen: Man kann beispielsweise die Abstände zwischen den nachfolgenden Bestrahlungen verkürzen oder die Strahlendosis bei den einzelnen Bestrahlungen leicht erhöhen.

Erschöpfung: Was kann man sich während der Bestrahlung zumuten, was nicht?

Viele Betroffene verkraften die Behandlung sehr gut und sind wenig bis gar nicht eingeschränkt. Andere Patientinnen und Patienten empfinden die Zeit der Bestrahlung jedoch insgesamt als anstrengend – obwohl sie kaum sonstige Nebenwirkungen verspüren und ihre Erkrankung gut auf die Behandlung anspricht.

Das kann passieren: Die Erschöpfung setzt nicht gleich ein, sondern erst nach ein bis zwei Wochen. Sie kann noch Wochen bis wenige Monate nach dem Ende der Behandlung anhalten, bessert sich dann aber bei den meisten Betroffenen. Der Fachbegriff für diese starke Müdigkeit lautet Fatigue, ausgesprochen "Fatieg".

Was sind die Auslöser? Was genau eine Fatigue verursacht, ist trotz umfänglicher Forschung noch nicht im Detail geklärt. Bei den meisten Patienten mit Krebs sind mehrere Faktoren im Spiel:

  • Der Krebs selbst verbraucht Ressourcen des Körpers.
  • Die Strahlen zerstören Tumorzellen, Stoffwechselprodukte werden frei und können die Zellfunktionen stören. Für den Körper ist dies anstrengend.
  • Die Strahlen können die Blutbildung im Knochenmark beeinträchtigen: Dies trifft vor allem auf Patienten mit Metastasen oder Tumoren in den Knochen zu, aber auch auf andere, bei denen sich eine Mitbestrahlung des Knochenmarks nicht vermeiden lässt. Hat man zu wenige rote Blutkörperchen, wird die Sauerstoffversorgung des Körpers und damit die Leistungsfähigkeit eingeschränkt. Auch das Immunsystem kann geschwächt sein, wenn zu wenige Immunzellen vorhanden sind. Nach einiger Zeit erholt sich das Knochenmark meist von alleine wieder, die Leistungsfähigkeit nimmt zu.
  • Psychische Belastung: Die Verarbeitung der Erkrankung und der Behandlung an sich kostet Kraft.

Auch der Behandlungsablauf selber kann anstrengend sein: Viele Betroffene müssen jeden Tag über einige Wochen hinweg zur Strahlentherapie. Kommen noch lange Anfahrtswege hinzu, bleibt an Bestrahlungstagen für Erholung oder auch Aktivitäten zum Ausgleich nicht mehr viel Zeit übrig.

Was hilft? Pauschale Antworten sind hier schwierig, weil die Auslöser der Erschöpfung so verschieden sein können. Was kann man sich an körperlicher Belastung während der Bestrahlung zumuten, was nicht? Wann tut Bewegung sogar gut? Wie organisiert man den Alltag, um allzu starker Erschöpfung vorzubeugen? Wichtig: Zu viel Schonung, noch lange nach dem Ende der Behandlung, scheint die Ermüdbarkeit zu verstärken. Man sollte mit den behandelnden Ärzten besprechen, was in der persönlichen Situation am besten zu helfen vermag.

Ernährung und Nahrungsergänzung: Worauf sollte man beim Essen achten?

Ob man während der Bestrahlung seine Ernährungsgewohnheiten verändern sollte oder nicht, lässt sich nicht allgemein beantworten: Die Auswirkung der Strahlentherapie auf die Ernährung ist abhängig vom bestrahlten Gebiet und den auftretenden Symptomen. Liegen Mund, Speiseröhre, Magen oder Darm im Bestrahlungsfeld, können die Therapienebenwirkungen die Nahrungsaufnahme eventuell beeinträchtigen. Werden Mund oder Verdauungstrakt nicht bestrahlt, muss man normalerweise nicht mit Beeinträchtigungen rechnen. Eine Bestrahlung des Gehirns kann allerdings ebenfalls zu Übelkeit führen.

Wie man sich während der Bestrahlung ernähren sollte, hängt nicht nur von der Behandlung selbst ab. Wichtig ist auch der allgemeine körperliche Zustand. Betroffene mit einer fortgeschrittenen Erkrankung leiden nicht selten schon vor der Bestrahlung an Gewichtsverlust und unter Einschränkungen beim Essen.

Was soll man essen? Ganz wichtig: Es gibt keine spezielle Diät, die für alle Betroffenen während einer Bestrahlung "passen" würde. Darauf weisen Fachleute in der Leitlinie "Klinische Ernährung in der Onkologie" hin. Sofern es keine Einschränkungen gibt, kann man während der Behandlung essen und trinken, was man gut verträgt und was einem schmeckt.

Worauf sollte man verzichten? Ohne Rücksprache mit den Ärzten sollte man keine Nahrungsergänzungsmittel, zusätzliche Vitamine oder Mineralstoffe einnehmen. Noch ist nicht abschließend geklärt, ob diese nicht mehr schaden als nützen: Vitamine oder Nahrungsergänzungsmittel, die man gegen mögliche Nebenwirkungen einnimmt, können die Strahlenwirkung abschwächen und so den Erfolg der Behandlung gefährden.

Was tun, wenn es doch Probleme beim Essen oder Trinken gibt? Erste Ansprechpartner sind die behandelnden Ärzte: Sie können gemeinsam mit Ernährungsfachleuten prüfen, wie es ganz allgemein um das Gewicht oder die Versorgung mit Nährstoffen steht oder Tipps geben, welche Speisen man vorübergehend besser meidet, mehr dazu im Text "Kräfte sammeln und bewahren: Was tun bei Gewichtsverlust?"

Ernährungsprobleme durch Schleimhautentzündungen: Was tun bei Bestrahlung von Kopf, Hals, Speiseröhre oder Darm?

Bei einigen Patienten sind vorübergehende oder auch längerfristige Probleme mit der Ernährung sehr wahrscheinlich: wenn Mund und Rachen, Speiseröhre, Magen oder Darm im Bestrahlungsfeld liegen.

Das kann auftreten: Die Schleimhäute werden durch die Bestrahlung gereizt, sie können wund werden und sich entzünden, unter Umständen kommen Infektionen hinzu. Das verursacht Schmerzen und eventuell Übelkeit. Bei einer Darmbestrahlung kann es zu Durchfällen kommen, die Aufnahme von Nährstoffen wird vorübergehend gestört.

Bei den meisten Betroffenen nehmen diese Beschwerden einige Zeit nach dem Ende der Bestrahlung wieder ab. Langfristige Schäden sind heute selten geworden, allerdings nicht ganz ausgeschlossen. Ähnlich wie bei der Haut kann es auch bei den Schleimhäuten zu Vernarbungen kommen, wenn sie im Strahlenfeld liegen: Diese sogenannte Sklerosierungen können beispielsweise die Speiseröhre oder auch den Enddarm verengen und die Funktion beeinträchtigen. Auch die Schleimhaut kann dauerhaft empfindlicher bleiben.

Das lässt sich dagegen tun: Liegen Kopf, Hals oder Speiseröhre, oder der Darm im Strahlenfeld? Dann empfehlen Fachleute eine individuelle Ernährungsbetreuung, um einer Mangelernährung vorzubeugen. Ansprechpartner sind die behandelnden Ärzte. In auf Krebs spezialisierten Krankenhäusern arbeiten in der Regel auch Ernährungsfachleute an der Behandlung mit.

Es gibt einige verschreibungspflichtige Medikamente, die der Entzündung vorbeugen oder sie zumindest abmildern können. Sie eignen sich allerdings nicht für alle Patienten. Folgende Tipps gelten dagegen für alle Betroffenen:

  • Nahrung sollte weich und leicht zu schlucken sein. Auf alles, was reizt, sollte man vorübergehend verzichten: auf scharfe Gewürze, sehr saure oder heiße Speisen und Alkohol. Auch das Rauchen schadet den Schleimhäuten.
  • Gegen Schmerzen und Schluckproblemen helfen Schmerzmittel, zum Beispiel als Tablette oder als Spray.
  • Viele Betroffene benötigen zusätzlich spezielle Trinknahrung, um während der Bestrahlung nicht an Gewicht zu verlieren. Unter Umständen hilft zeitweilig auch eine Ernährungssonde direkt in den Magen oder Zwölffingerdarm.
  • Gegen Durchfälle können vorübergehend quellende oder den Darm beruhigende Medikamente notwendig sein.

Hautpflege: Was kann an Schädigungen auftreten, was lässt sich dagegen tun?

Wie für fast alle Strahlenfolgen gilt: Mit Hautschäden muss man nur in den Bereichen rechnen, die tatsächlich im Strahlenfeld liegen.

Das kann auftreten: Möglich sind leichte Rötungen und sonnenbrandähnliche Beschwerden: die Haut juckt oder spannt, eventuell schuppt sie sich auch. Bei sehr hohen und gezielten Strahlendosen kann es aber auch zu stärkeren Reaktionen kommen, an der Eintrittsstelle der Strahlung wie auch da, wo sie den Körper wieder "verlässt". Erste Anzeichen sind, wie bei einer Verbrennung, zum Beispiel Blasen und kleinere oder größere Wunden. Selten setzen die Beschwerden direkt nach der ersten Bestrahlung ein: Ein verzögertes Auftreten nach zwei bis drei Wochen ist häufig.

Empfindlicher noch als die Haut sind Schleimhäute, zum Beispiel im Intimbereich: Wundsein und Schmerzen oder auch Blutungen können auftreten; die Infektionsgefahr steigt.

Fast alle diese Probleme heilen mit dem Ende der Bestrahlung wieder ab.

Gibt es langfristige Schäden? Die Haut im Bestrahlungsbereich kann dunkler bleiben oder ihre Färbung verlieren. Auch kleine Pigmentflecken entwickeln sich bei vielen Menschen nach einiger Zeit. Ebenfalls eine häufige Strahlenfolge: Die Haut erscheint "vorgealtert", sie wird trockener und weniger elastisch. Möglich sind auch sogenannte Teleangiektasien: Das sind erweitere Kapillargefäße, also feinste Äderchen, die sich deutlich auf der Haut abzeichnen. Nur nach schweren Hautschäden bilden sich unter Umständen Narben aus. Auch das tiefer liegende Bindegewebe ist kaum noch elastisch und schrumpft; der Fachbegriff dafür lautet Sklerosierung.

Was hilft zur Vorbeugung und Pflege? Die Haut im Bestrahlungsgebiet sollte möglichst wenig belastet werden – auch dann, wenn es keine sichtbaren Strahlenfolgen gibt.

  • Bis sich die bestrahlte Haut wieder erholt hat, sollte man keine enge oder kratzende Kleidung tragen. Auf Schmuck im Bestrahlungsgebiet sollte man verzichten.
  • Vorsicht bei der Körperpflege: Früher wurde Patienten oft geraten, die betroffene Haut nicht zu waschen. Eine solche Empfehlung gibt es heute nicht mehr. Experten raten zu einer normalen Hautpflege mit lauwarmem Wasser. Auch Seife oder milde Duschgels kann man verwenden. Sie sollten allerdings pH-neutral und wenig bis gar nicht parfümiert sein. Harnstoffhaltige Cremes beugen dem Austrocknen der Haut vor.
  • Ist der Intimbereich mit Darm, Scheide oder Penis und Hodensack betroffenen, sollte man unbedingt mit den Ärzten besprechen, was an Pflege möglich ist und was nicht.
  • Die Haut sollte bei der Körperpflege nicht aufweichen: Auf lange heiße Bäder oder ausgiebiges Duschen sollte man während und kurz nach Ende der Strahlentherapie verzichten. Auch Sauna und Schwimmbad sind während der Therapie nicht gut.
  • Vorsicht mit Deos, Parfüm und anderen Duftstoffen im Bestrahlungsgebiet! Auch Hautpflegemittel mit höher dosierten pflanzlichen Inhaltsstoffen können an der vorgeschädigten Haut Reizungen und Allergien auslösen.
  • Vor Sonne sollte man bestrahlte Haut möglichst schützen. Auch nach dem Ende der Behandlung ist auf einen guten Sonnenschutz zu achten!

Insgesamt gilt: Bestrahlte Haut bleibt bei vielen Menschen langfristig empfindlicher als gewohnt. Die Haut "vergisst nicht" – jede weitere Belastung kann zu dauerhaften Schäden führen.

Haare: Wer muss mit Haarausfall rechnen, wer nicht?

Anders als bei einer Chemotherapie wird bei einer Strahlentherapie in der Regel nicht der ganze Körper behandelt. Zwar kann auch eine Bestrahlung zu Haarausfall führen – allerdings sind nur diejenigen Haare betroffen, die im Strahlengang liegen. Bei einer Bestrahlung des Kopfes können die Kopfhaare, Wimpern oder Augenbrauen ausfallen, bei einer Bestrahlung des Oberkörpers verliert man vielleicht die Achselbehaarung. Die Höhe der Strahlendosis spielt dabei eine Rolle.

Das kann passieren: Üblicherweise wachsen die Haare nach Ende der Strahlentherapie nach. Zu einem kompletten und langfristigen Haarausfall an der bestrahlten Stelle kommt es nur bei wenigen Patienten. Die meisten Betroffenen bemerken eher, dass der Haarwuchs im Bestrahlungsbereich mehr oder weniger schütter bleibt.

Was kann man tun? Sind Haarwurzeln durch die Bestrahlung geschädigt, erholen sie sich langsamer als nach einer Chemotherapie. Es dauert, bis die Haare nachgewachsen sind, je nach Stärke der Bestrahlung passiert das unter Umständen auch gar nicht. Dagegen lässt sich bisher kaum etwas tun.

Bei einer Kopfbestrahlung können die Ärzte ein Rezept für eine Perücke ausstellen – zumindest für Krebspatientinnen. Bei Männern sind die Krankenkassen zurückhaltender mit der Kostenübernahme: Bei ihnen gilt Haarverlust mit fortschreitendem Alter als normal. Betroffene sollten wegen der Finanzierung von Toupets oder Perücken unbedingt vorab nachfragen.

Zähne, Mund und Rachen: Wie schützt man sich vor wunden Schleimhäuten, Zahnschäden und Infektionen?

Schleimhäute im Bestrahlungsgebiet reagieren empfindlich. Das gilt für den Mund und den gesamten weiteren Verdauungstrakt.

Das kann passieren: Möglich sind Rötungen, Schwellungen und Reizungen, später auch kleine, aber schmerzhafte Verletzungen, die schlecht abheilen und sich leicht infizieren. Das Essen und Schlucken tut weh. Auch die Zähne können leiden, bestehende Zahn- und Zahnfleischprobleme können sich verschlechtern.
Liegen eine oder mehrere Speicheldrüsen im bestrahlten Bereich? Dies lässt sich nicht immer vermeiden. Betroffene Krebspatienten müssen damit rechnen, dass die bestrahlten Drüsen langfristig weniger oder gar keinen Speichel produzieren.

Das kann man dagegen tun: Steht eine Bestrahlung im Bereich von Kopf, Gesicht, Hals oder Speiseröhre an? Wenn irgend möglich, sollte man vorab zum Zahnarzt gehen, am besten in Abstimmung mit den Strahlentherapeuten. Die Zahnärztin oder der Zahnarzt kann feststellen, ob man aktuell unter Zahn- und Zahnfleischproblemen leidet und mögliche Verletzungsrisiken ausschließen: Gibt es scharfkantige Ecken an den Zähnen? Sitzen die Zahnprothesen? Drückt der herausnehmbare Zahnersatz irgendwo?

Falls es bereits Zahn- oder Zahnfleischprobleme gibt, sollte man diese noch vor Beginn der Bestrahlung behandeln lassen. So lässt sich unter anderem vermeiden, dass sich Infektionen während der Bestrahlung verschlechtern und dann umso schwieriger zu behandeln sind. Vor Zahnschäden kann je nach Situation auch die Verwendung eines Fluorgels schützen.

Raucher sollten ihre Ärzte darauf ansprechen, was sie während und nach der Bestrahlung tun können, um ohne Zigaretten auszukommen.

Zähne putzen: Während der gesamten Bestrahlung und danach ist sorgfältige Mundpflege wichtig – aber nur mit einer weichen Zahnbürste und nicht zu scharfen Zahncremes und Mundwässern. Auch wenn es weh tut: Auf diese Pflege sollte man selbst dann nicht verzichten, wenn es schon zu Schleimhautschäden im Mund gekommen ist. Wie man dann am besten vorgeht und welche Produkte man nutzen darf, erfährt man von den behandelnden Ärzten und Pflegenden.

Schmerzen lindern, Infektionen behandeln: Ist Essen und Trinken sehr schmerzhaft? Dann sollte man vorübergehend auf alles verzichten, was die gereizte Schleimhaut weiter angreift. Schmerzlindernde Sprays oder auch Tabletten sind wichtig, falls man sonst nicht essen kann und eine Gewichtsabnahme droht.

Vorbeugen auf lange Sicht: Auch hier gilt: Das Gewebe "vergisst nicht". Für betroffene Patienten heißt das: Sie müssen auch in Zukunft bei der Mund- und Zahnpflege besonders vorsichtig, aber gründlich vorgehen. Regelmäßige Zahnarztbesuche sind ebenfalls wichtig.

Lunge, Herz, Nerven, weitere Organe: Sind kurz- und langfristige Schäden vermeidbar? Was ist ein "Zweitkrebs"?

Arzt begrüßt Patientin im Wartezimmer © Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum
Regelmäßige Nachsorgeuntersuchungen beim Arzt sind wichtig: So können mögliche Spätfolgen einer Bestrahlung frühzeitig entdeckt werden. © Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsfoschungszentrum

Nicht alle Gewebe und Organe reagieren gleich empfindlich auf die Strahlung. Schon bei relativ niedriger Strahlendosis können Schäden an Haut und Schleimhäuten, Knochenmark und Keimdrüsen, wie den Eierstöcken oder Hoden, auftreten. Organe, deren Zellen sich weniger häufig teilen, sind oft auch weniger strahlenempfindlich, zum Beispiel Lunge, Leber oder Nieren. Noch unempfindlicher sind Nervenzellen, das Gehirn, Binde- und Fettgewebe sowie Muskeln, also auch das Herz. Treten doch Schäden auf, heilen diese jedoch auch oft nicht so schnell wieder ab.

Wenn irgend möglich, versuchen die behandelnden Ärzte bei der Planung der Behandlung deshalb, diese Organe auszusparen. Insbesondere die moderne computergesteuerte Planung hat für Betroffene viele Verbesserungen gebracht. Doch selbst mit modernen Bestrahlungsverfahren können empfindliche Gewebe nicht bei allen Patienten geschont werden.

Das kann passieren: Nicht nur Haut oder Schleimhäute, auch andere Gewebe und Organe, die der Strahlung ausgesetzt sind, können mit einer Entzündung reagieren. Liegt beispielsweise die Harnblase im Strahlengang, können Symptome einer Blasenentzündung auftreten. Wird die Lunge mit bestrahlt, kann es zu einer strahlenbedingten Lungenentzündung mit Symptomen wie Reizhusten, Atemnot und Brustschmerzen kommen, eventuell verbunden mit Fieber. Bei einer Mitbestrahlung von Enddarm oder Intimbereich sind schmerzhafte Reizungen und Schleimhautschäden möglich. Andere Organe reagieren ähnlich.

Neben diesen akuten Strahlenreaktionen sind auch langfristige Strahlenschäden möglich. Infolge einer Entzündung oder Gefäßverletzungen können Vernarbungen oder Verklebungen der Organe auftreten, die die Organfunktion einschränken. Das Risiko hängt sehr von der Strahlendosis ab, der das Organ tatsächlich ausgesetzt war.

Warum sind pauschale Aussagen dazu so schwierig? Einige Beispiele:

Bei den meisten Brustkrebspatientinnen, die eine Brustbestrahlung erhalten, kann der Strahlengang heute am Herzen vorbei geplant werden. Früher waren die Techniken jedoch noch nicht so genau, sodass das Herz häufiger im Bestrahlungsgang lag. Entsprechend waren Nebenwirkungen am Herzen und teilweise auch erst Jahre oder Jahrzehnte später auftretende Folgen häufiger.

Bei Patienten mit Prostatakrebs steigt das Risiko für Impotenz und Inkontinenz aufgrund einer Schädigung der Nerven im bestrahlten Bereich – aber längst nicht jeder Mann ist tatsächlich betroffen.

Wie hoch die Gefahr einer dauerhaften Schädigung in der eigenen Situation vermutlich sein wird, sollte man auf jeden Fall die behandelnden Ärzte fragen.

Zweitkrebs: Von einem Zweittumor spricht man, wenn nach einer früheren Krebserkrankung ein neuer Krebs an einer anderen Stelle im Körper auftritt und es sich nicht um Metastasen des ursprünglichen Tumors handelt.

Zweittumoren können auch als Folge der Krebstherapie auftreten. Wie hoch das Risiko für eine Zweitkrebserkrankung nach einer Strahlentherapie ist, lässt sich nicht pauschal beantworten. Verschiedene Faktoren spielen eine Rolle: die gewählte Bestrahlungstechnik, die Größe der Bestrahlungsfelder, die Art des bestrahlten Gewebes. Mediziner schätzen, dass das Risiko gering ist, aber nicht gleich Null. Eine Rolle spielt das Alter, in dem man bestrahlt wurde: Krebs als Folge einer Strahlentherapie entwickelt sich in der Regel sehr langsam, über einen Zeitraum von mehreren Jahren oder auch Jahrzehnten. Für ehemals krebskranke Kinder und Jugendliche ist das Risiko daher rein statistisch höher als für die meisten Krebspatienten, die erst in fortgeschrittenem Alter erkranken.

Langzeitnachsorge wichtig: Je besser die Heilungsaussichten bei Krebs werden, umso mehr Menschen sind auch von möglichen Langzeitfolgen ihrer Erkrankung betroffen. Daher bleibt lebenslange Nachsorge wichtig. Wie umfangreich und häufig die Nachsorgeuntersuchungen sind, hängt von der persönlichen Erkrankungssituation und Behandlung ab: Mehr erfährt man von den behandelnden Ärzten.
Zum Thema Langzeitnachsorge bei sehr jung Erkrankten bietet zum Beispiel auch das Portal www.kinderkrebsinfo.de Informationen unter https://www.kinderkrebsinfo.de/patienten/nachsorge/spaetfolgen___langzeitnachsorge/index_ger.html.

 

Mit Belastungen umgehen: Wer kann helfen, um gut durch die Behandlungszeit zu kommen?

Ängste und Sorgen auffangen: Wer hilft mir, mit psychischen Belastungen umzugehen?

Nachenkliche Frau © Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum
Angst vor der Bestrahlung? Sprechen Sie darüber! © Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum

Viele Patientinnen und Patienten sehen der Strahlentherapie zunächst mit Sorge entgegen: die großen Geräte, unter denen man sich während der Bestrahlung nicht bewegen darf, die nicht fühlbare Strahlung, die Angst vor Nebenwirkungen – all das kann verunsichern.

Befragungen Betroffener haben jedoch gezeigt, dass bei den meisten die Angst im Verlauf der Behandlung nachlässt - oft schon nach der ersten Bestrahlungssitzung. Die Untersuchungen belegen außerdem: Je besser Patientinnen und Patienten aufgeklärt sind, desto schneller können sich die meisten auf die neue Situation einlassen. Experten raten daher:

  • Lassen Sie sich von Ihren Ärzten über die anstehende Bestrahlung genau informieren: Wie läuft die Behandlung ab? Welche Technik wird verwendet? Welche Risiken gibt es?
  • Sprechen Sie Ihre Ängste und Befürchtungen an!
  • Suchen Sie sich psychologische Unterstützung, wenn die Angst zu groß ist!

In fast allen Kliniken gibt es die Möglichkeit, sich entsprechend beraten zu lassen. Anlaufstellen können außerdem die regionalen Krebsberatungsstellen sein. Wer längerfristig Unterstützung möchte, kann sich an einen niedergelassenen Psychoonkologen wenden.

Weitere Tipps gibt der Krebsinformationsdienst im Text "Vom Umgang mit Angst: Die Zukunft zulassen".

Alltag, Familie, Beruf: Welche Entlastung, welche Unterstützung kann ich bekommen?

Die meisten Krebspatientinnen und Krebspatienten sind während der Behandlungszeit krankgeschrieben. Dennoch können Fragen offen bleiben, um die man sich vorab kümmern sollte:

  • Wie schaffe ich den Weg zur täglichen Behandlung? Darf ich selbst mit dem Auto zur Bestrahlung fahren? Übernimmt meine Krankenkasse einen Teil der Fahrtkosten, falls ich auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen bin? Oder kann ich mir ein Taxi nehmen?
  • Darf ich arbeiten gehen, wenn ich gerne möchte, zum Beispiel, weil mir der gewohnte Alltag Normalität und Sicherheit bietet?
  • Was ist, wenn ich selbständig tätig bin? Wie bin ich finanziell abgesichert?
  • Wer kümmert sich während der Behandlungszeit um den Haushalt, um Kinder oder die Versorgung pflegebedürftiger Angehöriger?
  • Kann ich mich bei einer fortgeschrittenen Erkrankung zu Hause pflegen lassen, wenn ich es nicht schaffe, mich selbst zu versorgen?

Wichtigste Ansprechpartner sind auch hier die behandelnden Ärzte. Die Krankenkassen helfen ebenfalls weiter: Für viele Unterstützungsleistungen können sie die Kosten übernehmen, wenn die Ärzte eine entsprechende Verordnung ausstellen.
In fast allen Krankenhäusern gibt es ausgewiesene Fachleute für sozialrechtliche Fragen, den Kliniksozialdienst. Auch die regionalen Krebsberatungsstellen haben Beratungsangebote.
Einen Überblick über ganz praktische Fragen rund um die Bestrahlung sowie weitere Ansprechpartner bietet der Artikel "Checkliste: Ambulante Krebstherapie".

Zum Weiterlesen: Linktipps und weiterführende Informationen