© Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum

Diese Seiten sind Ausdrucke aus www.krebsinformationsdienst.de, den Internetseiten des Krebsinformationsdienstes, Deutsches Krebsforschungszentrum. Mehr über den Krebsinformationsdienst und seine Angebote lesen Sie auf unseren Internetseiten. Am Telefon stehen wir Ihnen täglich von 8.00 bis 20.00 für Fragen zur Verfügung, unter der kostenlosen Telefonnummer 0800 – 420 30 40. Oder Sie schreiben uns eine E-Mail an krebsinformationsdienst@dkfz.de.

Bitte beachten Sie: Internet-Informationen sind nicht dazu geeignet, die persönliche Beratung mit behandelnden Ärzten oder gegebenenfalls weiteren Fachleuten zu ersetzen, wenn es um die Diagnose oder Therapie einer Krebserkrankung geht. Die vorliegenden Informationen sind urheberrechtlich geschützt. Jede Vervielfältigung oder Verbreitung dieser Inhalte, unabhängig von Form, Zeit oder Medium bedarf der schriftlichen Zustimmung des Krebsinformationsdienstes, Deutsches Krebsforschungszentrum.

Ursprüngliche Adresse dieses Ausdrucks: https://www.krebsinformationsdienst.de


Patient während einer Strahlentherapie, Foto: Siemens AG, München/Berlin © Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum

Bestrahlung: Besondere Bedingungen für Patienten mit Herzschrittmacher oder Defibrillator

Was Betroffene wissen sollten

Fachleute schätzen: Etwa 140.000 Menschen werden in Deutschland pro Jahr mit einem Herzschrittmacher oder einem implantierbaren Defibrillator zur Behandlung von Herzrhythmusstörungen versorgt. Gleichzeitig erkranken ungefähr 480.000 Menschen in Deutschland jährlich neu an Krebs. Daher ist es kein Wunder, dass es auch unter Krebspatienten Träger eines dieser beiden Geräte gibt. Was muss man als Betroffener beachten? Ist eine Strahlentherapie mit Schrittmacher oder "Defi" gefährlich? Können Fachleute Vorsichtsmaßnahmen ergreifen, um Funktionsausfälle der Geräte zu vermeiden? Der Krebsinformationsdienst geht in diesem Text auf Fragen von Betroffenen ein. Für Interessierte und Fachleute sind Hinweise auf weiterführende Informationen und Quellen beigefügt. 

Erstellt:
Zuletzt überprüft:

Quellen und Links

Eine Auswahl der verwendeten Quellen und weiterführende Informationen mit dem Stand der letzten Recherche finden Interessierte und Fachleute am Ende des Textes.

Wichtig für Krebspatienten: Wer sollte über ihren Schrittmacher oder "Defi" Bescheid wissen?

Ganz wichtig für Betroffene ist es, möglichst rechtzeitig alle Beteiligten informieren:
Wer als Krebspatient einen Herzschrittmacher oder einen implantierbaren Kardioverter-Defibrillator (ICD, auch AICD: automatischer ICD) trägt, sollte dies immer frühzeitig allen an der Krebsbehandlung beteiligten Ärzten mitteilen. Die zugrunde liegende Herzerkrankung wird dann schon bei den notwendigen Untersuchungen und bei der Planung der onkologischen Therapie berücksichtigt.

  • Wird eine Strahlentherapie von den behandelnden Onkologen oder Radiologen in Erwägung gezogen? Dann werden diese auch immer einen für die Behandlung von Herzerkrankungen zuständigen Kardiologen einbeziehen.
  • Ist eine Strahlentherapie mit einem bestimmten Schrittmacher oder "Defi" grundsätzlich möglich? Für diese Frage sind auch Hersteller des jeweiligen Schrittmachers oder "Defis" geeignete Ansprechpartner für Ärzte.

 Liegen die Informationen aller ärztlichen Fachrichtungen zum gesundheitlichen Zustand vor? Geben die Hersteller eine Empfehlung zur Planung einer Strahlentherapie?

  • Dann können Betroffene gemeinsam mit ihren Ärzten Nutzen und Risiken einer Strahlentherapie für sich ganz persönlich gegeneinander abwägen.

Klärung notwendig: Was ist bei einer Strahlentherapie mit Schrittmacher oder "Defi" zu beachten?

Grundsätzlich können die meisten Krebspatienten mit einem Schrittmacher oder einem "Defi" eine Strahlentherapie erhalten. Es gibt allerdings Ausnahmen. Wovon hängt die Machbarkeit ab? 

  • Wie empfindlich wird voraussichtlich das implantierte Gerät ganz allgemein reagieren? Was sagen die Hersteller des Herzschrittmachers oder Defibrillators zum Thema Bestrahlung?
  • Wo, in welchem Bereich des Körpers soll man bestrahlt werden? Liegt der Schrittmacher oder "Defi" direkt im Bestrahlungsfeld? Vorkommen kann dies beispielsweise bei Patienten mit Lungenkrebs oder Brustkrebs. Oder ist die Bestrahlung einer anderen Körperregion geplant, was das Risiko unter Umständen veringert?
  • Wie hoch ist die Strahlendosis, die direkt im Schrittmacher oder "Defi" ankommt?
  • Welche Techniken, welche Geräte werden zur Bestrahlung verwendet?
  • Wie schwerwiegend ist die Herzerkrankung? Wie sehr ist man von der Funktion eines Schrittmachers oder eines implantierten "Defis" abhängig? Könnte man im Notfall oder auch für einige Zeit auf das Gerät verzichten?

Ganz genau können selbst Fachleute für einen einzelnen Patienten nicht vorhersagen, ob und in welcher Form Gerätestörungen auftreten können. Sie orientieren sich bei der Planung der Krebstherapie an den bisher vorliegenden Daten zu möglichen Risiken: Insgesamt sind Komplikationen bei der Bestrahlung von Patienten mit Herzschrittmachern oder ICDs selten. Studien haben jedoch gezeigt, dass Funktionsausfälle der implantierten Apparate durch Bestrahlung auch nicht völlig ausgeschlossen sind.

Risiken: Welche Gerätestörungen können bei der Bestrahlung auftreten?

Rein von der Technik der Geräte her sind mehrere Formen von Zwischenfällen denkbar. Diese haben sich in Studien auch bestätigt, allerdings ist das Risiko nicht für alle Komplikationen gleich hoch. Hier einige Beispiele:

  • Ein Schrittmacher oder Defibrillator registriert fälschlich entweder zu viele oder zu wenige eigene elektrische Impulse des Herzens ("Over-/Undersensing").
    Da beide Geräte ihre Aktivitäten an den am Herzen wahrgenommenen Signalen ausrichten, kommt es zu Fehlfunktionen. Diese können sich auf verschiedene Weise äußern: Die Stimulation kann schwächer werden oder ganz ausfallen. Auf der anderen Seite kann es auch zu einer Überstimulation kommen.
  • Die Batterie entlädt sich durch den Einfluss der Strahlung vorzeitig.
  • Das Gerät funktioniert gar nicht mehr.
  • Bei Defibrillatoren kann sich im Einzelfall die bei einem Elektroschock abgegebene Energie verändern. Außerdem kann es zu ungewollten Schockabgaben oder zu verlängerten Ladezeiten kommen: Ist Letzteres der Fall, löst das Gerät nicht rechtzeitig aus, wenn das Herz aus dem Takt gerät.

Behandlungsplanung: Gibt es Vorsichtsmaßnahmen, um Funktionsausfälle zu vermeiden?

Bereits in den frühen 90er Jahren hatte U.S.-amerikanische Experten Empfehlungen für Vorsichtsmaßnahmen herausgegeben. Heute gibt es aktuelle Leitlinien und Fachinformationen. Letztendlich zählt jedoch auch die konkrete Hersteller-Information für den jeweiligen Gerätetyp, und auch die individuelle Krankheitssituation.
Pauschale Aussagen sind daher schwierig. Lässt sich die Frage zum Risiko nicht eindeutig beantworten, werden die behandelnden Ärzte mögliche Alternativen zur Krebsbehandlung prüfen.

Daten aus der klinischen Forschung

Herzschrittmacher © Suljo/Thinkstock
Herzschrittmacher im Röntgenbild © Suljo/Thinkstock

2012 erschien eine Auswertung von insgesamt 45 zum Teil älteren Studien zum Thema. Die Autoren machen deutlich, dass es ohne eine individuelle Risikoprüfung nicht geht. Sie schlagen umfangreiche Sicherheitsempfehlungen zur Planung, Durchführung und Nachsorge einer Strahlentherapie bei Patienten mit einem Schrittmacher oder einem "Defi" vor.
Ihr wichtigstes Fazit: Da Fachleute nach wie vor nicht genau vorhersagen können, ob und welche Gerätestörungen unter Umständen auftreten, sind bei allen Patienten Vorsichtsmaßnahmen wichtig.
 
Eine 2015 erschienene amerikanische Studie macht deutlich, dass Zwischenfälle auch mit moderneren Schrittmachern oder Defibrillatoren vorkommen. Die Autoren hatten Bestrahlungen ausgewertet, die bei Patienten mit Herzschrittmachern oder "Defis" zwischen 2005 und 2014 durchgeführt worden waren. Es zeigte sich: Auch die Weiterentwicklung in der Krebsbehandlung mit neueren Bestrahlungstechniken spielen eine Rolle. Es gibt Techniken, bei denen mehr Zwischenfälle vorkommen, und Techniken, die risikoärmer sind.

Für Interessierte: Was ist bei der Planung einer Strahlentherapie zu beachten?

Was empfehlen ältere Leitlinien, was sagen neuere Studien aus?

  • Liegen vom Gerätehersteller Empfehlungen zur Strahlentherapie vor, müssen diese unbedingt beachtet werden.

Welche Bestrahlungsart und -technik gewählt wird, sollte mit den aktuell vorliegenden Daten zur Sicherheit bei implantierten Geräten abgeglichen und nicht allein aus den onkologischen Leitlinien abgeleitet werden.

Allgemein sollte ein Herzschrittmacher oder ICD nicht direkt im Strahlungsfeld liegen.

Die gesamte im Vorfeld errechnete Strahlendosis am Aggregat eines Schrittmachers oder eines "Defis" sollte bestimmte Schwellenwerte nicht überschreiten. Auch wenn die Geräte nicht direkt im Strahlungsfeld liegen, ist es möglich, dass sie dennoch einer gewissen Strahlendosis ausgesetzt sind. Fachleute sprechen von sogenannter Streustrahlung.
Für einen Schrittmacher sollte diese Strahlendosis direkt am Aggregat nicht mehr als 2 Gray betragen, für einen ICD nicht mehr als 1 Gray.

Stellt sich bei der Bestrahlungsplanung heraus, dass das Gerät im Strahlungsfeld liegen oder die gesamte Strahlendosis am Gerät die Grenzwerte übersteigen würde, dann muss ein Schrittmacher oder ein "Defi" unter Umständen in einem kleinen operativen Eingriff verlegt werden. 

Für Patienten bedeutet dies:
Normalerweise nehmen ihre behandelnden Onkologen und/oder Strahlentherapeuten wegen des Schrittmachers oder "Defis" schon früh Kontakt mit den behandelnden Kardiologen auf. Bei Bedarf werden weitere Fachärzte oder spezialisierte Zentren mit einbezogen.
Ist die Entscheidung für eine Bestrahlung gefallen, sollten auch Patienten, deren Gerät nicht verlagert werden muss, nochmals zur Kontrolle des Schrittmachers oder "Defis".
Dies kann entweder bei ihrem behandelnden Facharzt geschehen oder bei Herzspezialisten in dem Krankenhaus, das auch für die Bestrahlung verantwortlich ist. Der Kardiologe kann dann noch einmal prüfen, ob es herstellerspezifische Besonderheiten zu beachten gilt.

Für Interessierte und Fachkreise: Was ist bei der Durchführung der Bestrahlung zu beachten?

Wichtige Punkte, entsprechend der aktuellen, aus der Praxis abgeleiteten Empfehlungen:

  • Kontrolle der Strahlendosis: Während der ersten Bestrahlungssitzung wird die Dosis am Aggregat gemessen und mit der vor Therapiebeginn erwarteten Dosis abgeglichen.
  • Notfallprogrammierung der Geräte: Einige Herzschrittmacher oder Defibrillatoren lassen sich für die Zeit der Bestrahlung umprogrammieren und in einen sogenannten Notfallmodus umstellen. Manche Funktionen können zeitweilig auch ganz ausgeschaltet werden.
  • Überwachung des Patienten: Kontrolle von Puls, Herzfrequenz, Blutdruck und Atmung während der Bestrahlung, je nach Einschätzung des Risikos Vorhalten eines Notfallwagens mit Zubehör für Wiederbelebungsmaßnahmen und einem externen Defibrillator
  • Funktionskontrolle: Geräteabfrage eines Schrittmachers oder eines ICDs nach jeder Therapiesitzung und gegebenenfalls Rückprogrammierung
  • Keine Verwendung eines Betatrons: Diese älteren "Strahlenkanonen" werden allerdings in Deutschland praktisch gar nicht mehr verwendet. Sie sind von sogenannten Linearbeschleunigern verdrängt worden.

Worauf sollte man als Patient nach Abschluss der Therapie achten?

Auch nach abgeschlossener Strahlentherapie sollte man Schrittmacher oder Defibrillatoren von Ärzten regelmäßig kontrollieren lassen. Wer als Betroffener bei sich selbst Beschwerden wie etwa einen unregelmäßigen Herzschlag oder Schwindel feststellt oder Gerätealarmtöne hört, sollte umgehend den Arzt aufsuchen.

Hintergrund: Was sind Herzschrittmacher oder ICDs überhaupt, wie funktionieren sie?

Herzschrittmacher oder implantierbare Kardioverter-Defibrillatoren (ICD) dienen zur Behandlung verschiedener Herzerkrankungen, bei denen der Herzrhythmus dauerhaft oder zeitweilig "aus dem Takt" gerät.

Beide Gerätearten werden in einem kleinen Eingriff unterhalb des Schlüsselbeins unter die Haut eingepflanzt. Ein oder zwei dünne biegsame Drähte werden über eine Vene bis ins Herz vorgeschoben und mit einem Aggregat verbunden. Über diese Sensoren überwacht sowohl ein Herzschrittmacher als auch ein "Defi" kontinuierlich den Herzrhythmus.

Wie wirken Schrittmacher? Schlägt das Herz zu langsam oder unregelmäßig, gibt ein Schrittmacher schwache elektrische Signale an den Herzmuskel ab. Diese Impulse führen dazu, dass das Herz wieder schneller und regelmäßiger schlägt, meist wird eine vorher bestimmte Schlagfrequenz vorgegeben.

Wie wirkt ein "Defi"? Ein implantierbarer Kardioverter-Defibrillator schützt Patienten vor zu schnellen und unrhythmischen Herzschlägen. Einen zu schnellen Herzschlag unterbindet der Defibrillator entweder durch elektrische Impulse an den Herzmuskel, bis das Herz wieder von alleine richtig schlägt, oder durch Abgabe eines starken Stromstoßes, eines Schocks.

Zum Weiterlesen: Informationen für Interessierte und Fachkreise (Auswahl, Stand 7/2015)