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Mann und Frau beim Kochen, Foto: STOCK4B Creative/Getty Images © Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum

Essen nach Vorschrift: Lässt sich Krebs durch eine Diät beeinflussen?

Warum Fachleute "Krebsdiäten" kritisch beurteilen

Eine ausgewogene, gesunde Ernährung spielt eine wichtige Rolle in der Vorbeugung vieler Krebserkrankungen. Doch kann man mit gesunder Ernährung auch eine bereits bestehende Tumorerkrankung beeinflussen? Bisher gilt: Eine "Krebsdiät" gibt es nicht. Viele der gängigen Tipps, auf die Krebspatienten im Bekanntenkreis, im Internet, in Zeitschriften oder Büchern stoßen, versprechen mehr, als sie halten können. Fachleute warnen zudem: Selbst manche sehr populäre Krebsdiäten sind einseitig und für Patienten viel zu belastend. Woran können Betroffene und Angehörige unseriöse und einseitige Ernährungstipps erkennen? Worauf sollte man als Krebspatient achten, wenn man sich anders als bisher ernähren möchte?
Antworten auf diese und weitere Fragen bietet der folgende Text. Er richtet sich an Patienten und Angehörige. Informationen aus dem Internet ersetzen allerdings nicht das Gespräch mit dem Arzt oder Ernährungsfachleuten.

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Zuletzt überprüft: 30.04.2014

Quellen und Links

Interessierte und Fachleute finden weiterführende Informationen, Links und eine Auswahl der genutzten Quellen am Seitenende. Eine weitere Zusammenstellung bietet der Text "Mehr wissen zu Ernährung bei Krebs: Links, Adressen, Fachinformationen".

Krebsdiäten: Warum raten Fachleute zur Vorsicht?

Viele sogenannte "Krebsdiäten" beruhen auf den gleichen Vorstellungen: Dem Körper fehlen einerseits bestimmte Nahrungsbestandteile, gleichzeitig kämpft er mit anderen Stoffen im Übermaß. Dieses Ungleichgewicht soll für die Krebsentstehung verantwortlich sein. Folgerichtig "funktionieren" diese Diäten dann auch nach einem gleichen Muster: Der Mangel wird ausgeglichen, das Übermaß vermieden, oder ein Tumor wird regelrecht "ausgehungert". Mit dem aktuellen Forschungsstand zur Krebsentstehung stimmen diese Theorien aber meist nicht überein. Deshalb ist es auch wenig wahrscheinlich, dass die darauf aufbauenden Diäten die Krebsentstehung verhindern oder gar einen Tumor am Weiterwachsen hindern können.

Einseitigkeit schadet - Vielfalt und Abwechslung sind wichtig

Säfte © Africa Studio/Fotolia
Fachleute warnen vor allem vor zu einseitigen Diäten. © Africa Studio/Fotolia

Experten warnen vor allem vor zu einseitigen Diätkonzepten: Fastenkuren und sehr strenge Vorschriften können Krebspatienten mehr schaden als nutzen. Wer zum Beispiel wegen seiner Krebserkrankung nur noch streng vegan essen will, muss zumindest anfangs mit einer Gewichtsabnahme rechnen. Das können sich viele Tumorkranke buchstäblich nicht leisten.

Auch andere Fastenkuren mögen für Gesunde noch vertretbar sein, nicht aber für schwerkranke Krebspatienten oder gar während einer Krebstherapie. Beispiele sind etwa das Heilfasten nach Buchinger oder die Kur nach F.X. Mayr.

Andere Krebsdiäten sind sogar gefährlich. Dazu zählt beispielsweise die "Krebskur total nach Breuss", bei der die Ernährung 42 Tage lang nur aus Säften und Tees besteht.Auch die aus den USA stammende Gerson-Diät in der ursprünglichen Fassung gehört dazu. Sie kombiniert eine streng vegetarische Ernährung mit Kaffee-Rizinus-Einläufen. Patienten erhalten nicht nur zu wenige Kalorien und Nährstoffe, sie verlieren außerdem wichtige Mineralstoffe, mit schwerwiegenden Folgen für den Stoffwechsel.

Selbst von einigen vermeintlich modernen und wissenschaftlich angeblich fundierten Ratschlägen raten Fachgesellschaften ab.
Ein Beispiel ist die zurzeit sehr populäre "Ketogene Diät": Es handelt sich dabei um eine Ernährungsform mit extrem wenig Kohlenhydraten, viel Fett und Eiweiß. Welche Wirkung diese Kostform hat, ist bei weitem noch nicht so gut untersucht, wie die Anbieter es darlegen. So steht beispielsweise bisher nicht fest, ob Krebszellen grundsätzlich auf den Entzug von Kohlenhydraten oder "Zucker" so empfindlich reagieren, wie es häufig propagiert wird.
Ebenso ist fraglich, ob eine ketogene Diät nur mit den besonderen Produkten möglich ist, die für diese "Krebsdiät" beworben werden: Fachleute gehen davon aus, dass sich diese besondere Kostform auch mit ganz normalen Lebensmitteln durchführen lässt. Noch sind viele Fragen zur ketogenen Diät offen, und aussagekräftige Studien mit vielen Krebspatienten gibt es bisher kaum.

Zucker, Schweinefleisch, Tomaten, Kartoffeln - für Krebspatienten "giftig"?

Andere Krebsdiäten sind zwar nicht unbedingt gefährlich, bauen aber auf falschen Vorstellungen auf. Zucker an sich ist genauso wenig "giftig" wie etwa Schweinefleisch, obwohl beide Aussagen in vielen Diätratschlägen zu finden sind.
Ebenso häufig wird Krebspatienten von Kaffee oder Nachtschattengewächsen wie Kartoffeln und Tomaten abgeraten. Einen stichhaltigen Grund für diese Einschränkung des Speiseplans nennen die Herausgeber solcher Ratschläge selten. Überprüfen unabhängige Dritte diese Theorien, stellt sich oft heraus: Dahinter stehen Missverständnisse, oder neue Forschungsergebnisse wurden nicht berücksichtigt.

Ein Beispiel bietet das Verbot von Kartoffeln und Tomaten: Als Nachtschattengewächse produzieren diese Pflanzen das schwach giftige Solanin. Aus Tomaten verschwindet diese Substanz aber bei der Reifung. Moderne Kartoffelsorten enthalten von vornherein sehr viel weniger Solanin als früher, ein großer Teil geht außerdem bei der Zubereitung ins Kochwasser oder ins Bratfett über.

  • Weitere Beispiele für Missverständnisse, die sich zum Thema Ernährung hartnäckig halten und weiter verbreiten, hat der Krebsinformationsdienst in diesem Text zusammengestellt: "Krebsmythen: Kein Grund zur Sorge".

Vorsicht vor unausgewogenen Ernährungsempfehlungen, "Superfoods" und anderen Moden

Andere Ernährungskonzepte setzen auf Tees, Kräuterauszüge oder einfach nur auf besonders wichtige Lebensmittel, die angeblich gegen Krebs wirken sollen. Auch wer nicht an Krebs erkrankt ist, stößt zudem auf Medienberichte über angebliche "Superfoods", also Lebensmittel, die besonders wertvoll für die Gesundheit sein sollen."Täglich Brokkoli" oder "Himbeeren gegen Krebszellen" gehören in diese Kategorie. Weitere Beispiele sind die Empfehlung zu Leinöl und Quark "nach Budwig" bei jeder Mahlzeit, zu Sauerkrautsaft oder zu "indianischen" Pflanzenaufgüssen als einzigem Getränk. Einige dieser Tipps gehen noch auf die Naturheilkunde des 19. Jahrhunderts zurück.
Andere sind vergleichsweise "modern", wie etwa der derzeit viel beworbene Chia-Samen, grüner Tee und Mate, oder auch exotische Früchte wie Goji, Acai oder Moringa.

  • Solche Tipps schaden Betroffenen nicht unbedingt. Die Empfehlungen zum Verzehr sind aber oft zu einseitig ("zu jeder Mahlzeit" oder ähnlich). Deshalb steigt das Risiko, sich unausgewogen zu ernähren.
  • Schwer kranken Patienten können strikte Ratschläge außerdem Lebensfreude nehmen. Der Genuss beim Essen geht möglicherweise verloren.
  • Selbst natürliche und eigentlich harmlose pflanzliche Lebensmittel können gefährliche Nebenwirkungen haben. Ein Beispiel sind Tees oder Kräuter, wenn sie zu hoch dosiert oder zu oft verwendet werden. Die meisten Heiltees sind keine Getränke für jeden Tag. Weiterführende Informationen dazu finden sich im Text "Medikamente und Krebsrisiko".

Entgiften, Ausleiten: Warum ist das nicht unbedingt schädlich, aber auch nicht notwendig?

Schließlich gibt es noch weitere, eher allgemein gehaltene Ernährungsempfehlungen. Dazu gehören beispielsweise Ratschläge zur Vollwert- oder "Bio"-Kost, zu Rohkost oder vegetarischer Ernährung. Wer auf Ausgewogenheit achtet, sich entsprechend des persönlichen Kalorienverbrauchs ernährt und ein normales Körpergewicht hat, macht nicht viel falsch. Wer sich mehr verspricht, sollte jedoch wissen: Ob und wie sich Ernährung und Nahrungszusammensetzung auf eine bestehende Krebserkrankung auswirken, muss erst noch weiter erforscht werden.

Wie sieht es mit der Linderung von Nebenwirkungen aus? Verbreitete Ratschläge für Krebspatienten nach einer Krebsbehandlung sind beispielsweise "Basenfasten", streng vegane Ernährung oder die Lehren der Makrobiotik. Wer sich für eine dieser Ernährungsformen entscheidet, sollte fortlaufend mit seinem Arzt in Kontakt bleiben: Kennt man sich mit der richtigen Lebensmittelauswahl nicht gut genug aus, kommt es unter Umständen zu einem Mangel an Proteinen, Vitaminen oder Mineralstoffen. Auch die Kalorienzufuhr kann für Krebspatienten zu gering sein. Zu viel versprechen sollte man sich von diesen Kostformen jedoch nicht: In allen Ernährungstipps, bei denen man den Körper "entschlacken", "reinigen", "entsäuern", "ausleiten" oder gar "entgiften" soll, wird zu viel versprochen.

  • Selbst nach belastenden Behandlungen, etwa einer Chemotherapie, schafft der Körper diese Entgiftungsleistung von alleine. Er muss beim Ausscheiden der Zytostatika und ihrer Abbauprodukte nicht unterstützt werden.

Wenn es um die Nebenwirkungen und Folgen einer Krebstherapie geht, ist der Allgemeinzustand viel wichtiger: Betroffene, die körperlich stark abgebaut haben, verkraften viele Behandlungen tatsächlich schlechter. Was sich dagegen tun lässt, hat der Krebsinformationsdienst im Text "Kräfte sammeln und bewahren: Was tun bei Gewichtsverlust?" zusammengestellt.

Keine Pauschalrezepte: Wie lässt sich die Ernährung auf die individuelle Situation abstimmen?

Auch wenn sich Krebs mit einer Diät nicht heilen lässt: Wie man sich bei einer Tumorerkrankung am besten ernähren sollte, ist für die Krebsforschung sehr wichtig. Fachleute erhoffen sich zwar keine "Wunderkur". Doch bei einigen Tumorarten gibt es zumindest Hinweise darauf, dass Patienten durch Lebensstiländerungen das Risiko für einen Rückfall senken könnten. Ob Ernährungsumstellungen das Rückfallrisiko von Krebspatienten mindern, ist aber immer noch Gegenstand laufender Forschung. Einen Überblick bietet der Text "Einfluss der Erkrankung: Wie kann man die Ernährung angpassen?".

Wer durch die Tumorerkrankung an Mangelernährung und Gewichtsverlust leidet, für den gelten oft eigene Regeln. Fachleute raten dann zum Beispiel oft zu einer Ernährung, die deutlich mehr Fett und Eiweiß enthält, als es für Gesunde sinnvoll wäre. Ausführliche Informationen für Krebspatienten in dieser Situation hat der Krebsinformationsdienst im Text "Kräfte sammeln und bewahren: Was tun bei Gewichtsverlust oder Mangelernährung?" zusammengestellt.

Ansonsten kann eine Krebserkrankung jedoch ganz allgemein ein Anlass sein, den persönlichen Speisezettel unter die Lupe zu nehmen: Hat man sich bisher nicht allzu gesund ernährt, lohnt es sich vielleicht, die eine oder andere Ernährungsgewohnheit umzustellen – nicht nur wegen der Krebserkrankung an sich, sondern auch für das persönliche Wohlbefinden. Experten weisen zudem darauf hin: Bei der täglichen Nahrungsauswahl sollte man nicht nur das Thema Krebs im Blick haben. Auch das Risiko von Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus) und vielen anderen Krankheiten lässt sich durch eine gesunde Ernährung mindern. Weiterführende Informationen dazu finden sich im Text "Alltag nach Krebs: Muss man auf Dauer anders essen als Gesunde?".  

Ansprechpartner: Wer hilft dabei, Ernährungstipps zu überprüfen und zu bewerten?

Der wichtigste Ansprechpartner ist der behandelnde Haus- oder Facharzt. Er kann die Situation eines Patienten anhand seiner aktuellen Befunde am besten einschätzen. Und er ist erste Anlaufstelle, wenn es um Krebsdiäten geht.
Sowohl Facharzt als auch Hausarzt können bei Bedarf außerdem auf professionelle Ernährungsberater verweisen. Bei der Suche nach Adressen helfen auch die Krankenversicherungen weiter. Sie übernehmen bei entsprechend qualifizierten Anbietern die Kosten der Beratung.

Eine Ernährungsberatung gehört außerdem heute zum Angebot der meisten Kliniken und spezialisierten Krebszentren: Dort arbeiten qualifizierte Ernährungsteams mit viel Fachwissen. Auch in Rehabilitationskliniken kann man nach dem Stellenwert von Krebsdiäten fragen und sich zur angepassten Lebensmittelauswahl beraten lassen.

Weitere Informationen: Fachinformationen, Quellen (Auswahl, Stand April 2014)