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Chemotherapie © Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum

Chemotherapie-Medikamente: Substanzgruppen und einzelne Wirkstoffe

Welche Zytostatika gegen Krebs gibt es?

Es gibt mehrere Dutzend verschiedene Zytostatika als Medikamente zur Chemotherapie. Viele weitere Substanzen werden in klinischen Studien überprüft.
Der folgende Text des Krebsinformationsdienstes nennt die wichtigsten Gruppen, erläutert ihren Wirkungsmechanismus und nennt jeweils einige Beispiele für gängige Substanznamen. 
Auf eine Auflistung aller Substanzen und auf die Nennung von Markennamen für Arzneimittel muss hier wegen der Fülle von Begriffen allerdings verzichtet werden. Fragen zu einzelnen Medikamenten beantwortet der Krebsinformationsdienst daher auch am Telefon oder per E-Mail.

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Quellen und Links

Als Quelle dienten aktuelle Lehrbücher der Krebsmedizin sowie der Pharmakologie. Außerdem hat der Krebsinformationsdienst Arzneimittelverzeichnisse und Fachdatenbanken für Medikamente mit deutscher und EU-weiter Zulassung genutzt. Weiterführende Informationenfinden sich im Kapitel "Mehr wissen über Chemotherapie: Links, Adressen, Broschüren".

Wichtig: Mit den Ärzten sprechen

Patienten sollten ihre behandelnden Ärzte ansprechen, wenn sie sich für Detailinformationen zu den ihnen verordneten Medikamente interessieren. Ärzte und Apotheker können ihnen beispielsweise sagen, welche Substanzgruppe hinter den einzelnen Markennamen steht und was deren Besonderheiten sind.
Welche Strategien im Einzelnen zur Behandlung von häufigen Tumorerkrankungen angewendet werden, hat der Krebsinformationsdienst in der Rubrik "Krebsarten" zusammengestellt. Fragen beantwortet der Dienst auch am Telefon oder per E-Mail.

Alkylantien

Alkylierende Zytostatika greifen Proteine an, die für die Zellteilung oder die Reparatur der DNA wichtig sind. Außerdem gehen sie chemische Verbindungen mit der Erbsubstanz ein: Durch den Einbau sogenannter Alkylgruppen in die DNA kommt es zur Vernetzung oder Spaltung von DNA-Strängen.
Tumorzellen mit solcherart gestörter Erbsubstanz können sich meist nicht mehr teilen.

Von Nebenwirkungen besonders betroffen sind daher auch andere sich häufig teilende Zellen in gesundem Gewebe. Alkylantien unterdrücken vor allem sehr stark das Immunsystem. Daher kommen diese Zytostatika in niedriger Dosis auch für die Behandlung von Autoimmunerkrankungen infrage: Dort können sie die überschießende Immunreaktion gegen körpereigene Gewebe bremsen. Auch der Abstoßung von Blutstammzellen fremder Spender nach einer Blutstammzelltransplantation lässt sich mit einigen Alkylanzien wie etwa Cyclophosphamid bis zu einem gewissen Grad vorbeugen. 

Welche weiteren Nebenwirkungen auftreten können, hängt weitgehend von der jeweiligen Untergruppe alkylierender Zytostatika ab.

Beispiele für alkylierende Zytostatika:

  • Stickstofflost-Abkömmlinge/Derivate (Cyclophosphamid, Ifosfamid, Trofosfamid, Melphalan, Chlorambucil, Bendamustin)
  • Ethylenimin-Derivate/Aziridine (Thiotepa)
  • Alkylsulfonate (Busulfan, Treosulfan)
  • N-Nitrosoharnstoff-Derivate (Carmustin, Lomustin, Nimustin, Estramustin)
  • Platin-Derivate (Cisplatin, Carboplatin, Oxaliplatin)
  • Sonstige alkylierende Zytostatika (Procarbazin, Dacarbazin, Temozolomid, Trabectedin)

Antimetaboliten

Antimetaboliten sind Gegenspieler natürlicher Stoffwechselbausteine (Metaboliten). Solche Zytostatika werden bei der Vervielfältigung der Erbsubstanz als "falsche" Bausteine in die DNA eingebaut und zerstören an den betreffenden Stellen Abschnitte der Erbinformation.
Andere Antimetabolite ähneln wichtigen Substanzen, die ebenfalls beim Zellstoffwechsel eine Rolle spielen, und blockieren so zum Beispiel für die Zellteilung wichtige Enzyme.

Antimetaboliten wirken allerdings unspezifisch auf den Stoffwechsel aller Zellen, nicht nur auf Tumorzellen. Häufige Nebenwirkungen zeigen sich daher an anderen rasch wachsenden Geweben, zum Beispiel am blutbildenden Knochenmark oder den Schleimhäuten.
Die Nebenwirkungen auf andere gesunde Gewebe mit niedriger Teilungsrate sind dagegen vergleichsweise gering. Zudem sind einige Antimetabolite schon sehr lange bekannt, und mit ihnen liegen viele Erfahrungen vor.
Niedrig dosierte Antimetaboliten oder ihre Vorstufen werden deshalb sogar als Lösung oder Creme zum Auftragen auf die Haut eingesetzt, zum Beispiel zur Behandlung von Krebsvorstufen oder von hartnäckigen Warzen. Bei Rheuma und anderen Autoimmunerkrankungen können sie die überschießende Immunreaktion gegen körpereigenes Gewebe bremsen.

Beispiele für Antimetabolit-Zytostatika:

  • Folsäureantagonisten (Methotrexat, Pemetrexed)
  • Purin-Analoga (Cladribin, Fludarabin, Mercaptopurin, Nelarabin, Pentostatin, Tioguanin)
  • Pyrimidin-Analoga (5-Fluorouracil/5-FU, Tegafur, Capecitabin, Cytarabin, Gemcitabin, Azacitidin)

Mitosehemmer

Mitosehemmer hemmen die Zellteilung, weil sie den sogenannten Spindelapparat blockieren. Die "Zellspindeln" bestehen aus Eiweißstrukturen, die bei der Zellteilung die verdoppelte Erbsubstanz auseinanderziehen und auf die zwei Tochterzellen verteilen. Mitosehemmer werden daher auch als Spindelgifte bezeichnet. Eine Untergruppe der Mitosehemmer verhindert den Aufbau der Kernspindeln (Vincaalkaloide, Eribulin), eine anderer deren Abbau (Taxane).
So geschädigte Zellen können sich nicht teilen und sterben ab.

Bei den Mitosehemmern unterscheidet man zwei Hauptgruppen: die sogenannten Vincaalkaloide, die unter anderem in giftigen Immergrün-Pflanzen vorkommen, und die Taxane, die in verschiedenen Eiben-Arten gebildet werden.
Neuere Mitosehemmer stammen ebenfalls aus der Naturstoffforschung, sie wurden zum Beispiel aus Meeresschwämmen isoliert und dann im Labor "nachgebaut".

Die Eiweiße, an die die Mitosehemmer binden, spielen nicht nur bei der Kernteilung eine Rolle, sondern auch bei der Reizleitung in den Nerven. Mitosehemmer haben deshalb unter Umständen eine neurotoxische Wirkung. Als Nebenwirkung der Chemotherapie kann es zum Beispiel zu Empfindungsstörungen, Muskelschwäche oder Schmerzen kommen, Ärzte sprechen von einer Neuropathie.

Beispiele für Zytostatika, die die Mitose hemmen:

  • Vinca-Alkaloide und deren Derivate (Vinblastin, Vincristin, Vindesin, Vinorelbin, Vinflunin)
  • Taxane (Paclitaxel, Docetaxel, Cabazitaxel)
  • Halichondrin-B-Analoga (Eribulin)

Topoisomerase-Hemmer

Diese Zytostatika hemmen verschiedene Enyzme, die an der Reparatur von Brüchen im Erbmaterial beteiligt sind. Damit blockieren sie körpereigene Reparaturmechanismen, auf die sich schnell teilenden Tumorzellen angewiesen sind. Wie bei anderen Zytostatika ist auch bei Topoisomerasehemmern daher eine Wirkung auf gesunde Gewebe nicht auszuschließen.
Alle wurden ursprünglich aus giftigen Pflanzen entwickelt. Topoisomerase-Hemmer gehören jedoch chemisch verschiedenen Gruppen an.

Beispiele für solche enzymhemmende Zytostatika:

  • Topoisomerase-I-Hemmer (Topotecan, Irinotecan)
  • Topoisomerase-II-Hemmer (Etoposid, Etoposidphosphat)

Zytostatisch wirkende Antibiotika

Antibiotika hemmen das Wachstum von Zellen oder töten Zellen ab. Im engeren Sinne versteht man unter Antibiotika heute meist Medikamente, die gegen Krankheitserreger gerichtet sind. Es gibt aber auch Antibiotika, die über ähnliche WirkungsmechanismenTumorzellen zerstören können. In der Krebstherapie spielen vor allem Antibiotika eine Rolle, die zu giftig sind, um bei vergleichsweise harmlosen Infektionen zum Einsatz zu kommen. Bei einer schweren Krebserkrankung fällt die Abwägung zwischen Nutzen und Nebenwirkungen dagegen günstiger aus.

Die Wirkmechanismen der verschiedenen Antibiotika unterscheiden sich voneinander: Einige binden zum Beispiel an die Erbsubstanz und hemmen den Kopiervorgang bei der Teilung, andere verursachen Strangbrüche in der DNA und führen so zum Zelltod. Wiederum andere binden an die Zellmembran und machen diese durchlässig, so dass der Stoffwechsel der Zellen entgleist.

Zu den wichtigsten Antitumorantibiotika gehören die Anthracycline. Bei ihnen wird deutlich, dass ihre Wirkung alles in allem wenig krebsspezifisch ist: Sie können nicht nur die bekannten Nebenwirkungen vieler Zytostatika hervorrufen, sondern beispielsweise auch den Herzmuskel dauerhaft schädigen, sie sind "kardiotoxisch". 

Beispiele für Antitumorantibiotika:

  • Actinomycine (Dactinomycin)
  • Anthracycline (Daunorubicin, Idarubicin, Doxorubicin, Epirubicin)
  • Bleomycin
  • Mitomycine (Mitomycin C)
  • synthetische Antibiotika (Mitoxantron, Amsacrin)

Fragen zu diesen und weiteren Zytostatika beantwortet der Krebsinformationsdienst am Telefon und per E-Mail.